Den Opfern ihre Namen und ihre Persönlichkeit zurückgeben
Mit der Veröffentlichung ist die Erwartung verbunden, dass Angehörige sich über das NS-„Euthanasie“-Opfer aus den eigenen Familien informieren können – und vielleicht mit Ergänzungen beitragen, deren Lebens- und Leidensweg zu dokumentieren.
Für viele Opfer existieren nur die Lebensdaten und noch keine Kurzbiografie. Aktuell [Stand 25.09.2026] sind 198 Namen gelistet, davon sind 172 Biografien verfügbar. Verfügbare Biografien sind in der Regel am Todesort (meist Grafeneck oder Hadamar) zu erkennen. Rückkehrer sind Opfer, welche auf einer Transportliste standen oder auch schon in Grafeneck waren, und aus unbekannten Gründen wieder „zurück kamen“, die Aktion T4 überlebten. Weitere Biografien sind in Arbeit und werden nach und nach erweitert. Sollte für ein Opfer noch keine Biografie vorhanden sein, wenden Sie sich trotzdem gerne an die Arbeitsgruppe, wir haben viele Unterlagen verfügbar und können relativ sicher eine Auskunft geben.
Zu folgenden „Mordprogrammen“ gibt es Opfer im Gedenkbuch:
- Mordprogrammen: Aktion T4
- Mordprogrammen: Dezentrale „Euthanasie“
- Mordprogrammen: „Kinder-Euthanasie“
Opferliste Landkreis Biberach
ALLE A B C D E F G H I J K L M N O P Q R S T U V W X Y Z
A
Geboren am: 1. Mai 1897
Geburtsort: Ingoldingen
Beruf: Schreinergeselle
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Vinzenz Aich und Kreszenz geb. Zinsmeister in Ingoldingen.
Eugen Aich war der Sohn des Bierbrauers und Zieglers Vinzenz Aich, gebürtig aus Baustetten, und verheiratet mit der aus Ingoldingen stammenden Kreszenz Zinsmeister. Das Paar hatte vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne. Alle drei Söhne wurden 1914 zum Kriegsdienst eingezogen. Ein Sohn kehrte aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurück, er fiel am 18. Oktober 1915.
Eugen Aich meldete sich gleich zu Kriegsbeginn am 1. August 1914 als 17-Jähriger freiwillig und kam in das Bayerische Infanterieregiment Nr. 20, das in Lindau und Kempten stationiert war. Am 22. September 1916 wurde er leicht verwundet. Nach dem Waffenstillstand von 1918 kehrte er, weitgehend körperlich unversehrt, in sein Elternhaus zurück, wie auch sein älterer Bruder Josef Anton.
Eugen Aich wurde 1925 mit 28 Jahren das erste Mal in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried eingewiesen, die er ein Jahr darauf wieder verlassen konnte. Am 29. März 1927 erfolgte die zweite Einweisung.
Obwohl dem gelernten Schreinergesellen von der Anstaltsleitung eine Arbeitsfähigkeit von 70 Prozent bescheinigt worden war, wurde er am 14. Juni 1940 mit 43 Jahren nach Grafeneck deportiert und ermordet. Auf der Verlegungsliste wurde angegeben, dass die Angehörigen „unbekannt“ seien, und als amtliches Todesdatum wurde der „4. Juli 1940“ vermerkt.
Schicksal erforscht von Karin Schöntag und veröffentlicht in ‚Der Winterstetter‘ im Januar 2019.
Der Pfarrer von Ingoldingen hatte beim Nachtrag des Todes von Eugen Aich im Familienregister folgenden Satz eingetragen: „vergiftet u. verbrannt in Grafeneck bei Münsingen“.
Erarbeitet von StS, Karin Schöntag
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 5 Nr. 36.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 14.06.1940 mit dem Namen von Eugen Aich an erster Stelle der Namensnennungen. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 1).
- Familienregister Ingoldingen Band 2, Fol. 4, katholisch.
- Schöntag, Karin: Den Opfern einen Namen geben, Euthanasie im Nationalsozialismus, in: Der Winterstetter (2019), Heft Januar, S. 2-4. Auszug aus „Der Winterstetter“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. April 1885
Geburtsort: Orsenhausen
Beruf: Dienstmagd / Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Mathias Angele, Söldner in Orsenhausen, und Kreszenz, geb. Kuhn.
Die Mutter Kreszenz Angele verstarb wenige Tage nach der Geburt von Maria Magdalena Angele am 9. April 1885. Der Vater hatte im Jahr darauf wieder geheiratet. In der ersten Ehe hatte das Ehepaar fünf Kinder, von denen im August und September 1891 ein Junge und ein Mädchen starben. In der zweiten Ehe hatte Matthias Angele mit seiner neuen Ehefrau nochmals mindestens sechs Kinder.
Fünf Jahre nach der zweiten Heirat des Vaters, im Jahr 1891, zog die Familie von Orsenhausen in das nahegelegene Hörenhausen bei Schwendi. Maria Magdalena Angele war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt.
Bei der ersten Aufnahme in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried am 31. August 1908 wurde als Wohnort von Maria Magdalena Angele Ulm und der Beruf mit Dienstmagd angegeben. Von Schussenried wurde sie am 20. September 1925 in die bayrische Heil- und Pflegeanstalt Irsee bei Kaufbeuren verlegt. Am 9. September 1929 wurde sie zum zweiten Mal auf Ansuchen der Angehörigen in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen.
Am 7. Juni 1940 wurde Maria Magdalena Angele nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie wurde 55 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 12 Nr. 30.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Geburtsregister Standesamt Orsenhausen 1885 Nr. 3, Randvermerk mit gefälschtem Sterbedatum in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 24. Mai 1875
Geburtsort: Andelfingen
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 02. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Mutter: Johanna App aus Andelfingen, Vater unbekannt.
Johanna Apps Großvater Michael App stammte aus Ertingen und war in Andelfingen mit Maria Ursula Springer verheiratet. Er war Schuhmachermeister. Die Familie hatte zehn Kinder, Johanna Apps Mutter (*1838) war das älteste Kind. Der Großvater starb 1870, die Großmutter 1880.
Johanna App war ein uneheliches Kind, ohne Angaben zum Vater. Sie hatte zwei ältere, ebenfalls uneheliche Halbgeschwister, jeweils von verschiedenen Vätern. Eines davon war als Baby verstorben. Die Mutter von Johanna App, auch eine Johanna App, ist 1909 in der Schweiz verstorben, vermutlich hatte sie bei ihrer älteren Halbschwester Paulina Woehrle in St. Gallen gelebt.
Johanna App kam am 9. November 1926 in die Heil- u. Pflegeanstalt Liebenau, sie war Anfang 50. Was sie beruflich gemacht und wo sie vorher gelebt hatte, ist nicht bekannt.
Am 2. Juli 1940 wurde sie in die Zwischenanstalt Schussenried verlegt. Von dort wurde sie am 29. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet. Sie wurde 65 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 2. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried verlegt“ und am 29.07.1940 deportiert wurden.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 2. März 1887
Geburtsort: Eberhardzell
Beruf: Näherin, Hausfrau
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Johann Georg Aßfalg, Lokomotivheizer, später Reservelokomotivführer in Aulendorf, aus Grundsheim bei Ehingen stammend.
Eltern: Leonhard Rothmann, Taglöhner in Eberhardzell, und Ottilia geb. Sproll
Ida Aßfalgs Mutter Ottilia Sproll verh. Rothmann war eine Cousine von Bischof Johannes Baptista Sproll, der wie Ottilia Sproll in Schweinhausen geboren wurde. Auch Bischof Johannes Baptista Sproll war ein Verfolgter der Nationalsozialisten, er wurde 1938 aus seiner Diözese verwiesen und konnte erst 1945 zurückkehren.
Der Vater von Ida Aßfalg, Leonhard Rothmann, war dreimal verheiratet, die Mutter Ottilia Sproll war seine dritte Ehefrau. Ida Aßfalg hatte vier ältere Halbgeschwister und drei Vollgeschwister. Vier der Geschwister sind jung verstorben.
Am 11. August 1914 heiratete Ida Rothmann den Lokomotivheizer Johann Georg Aßfalg aus Aulendorf. Der Beruf von Ida Aßfalg bei der Heirat war Näherin.
Im Mai 1927 gebar Ida Aßfalg eine Tochter Elisabeth. Das Kind starb am gleichen Tag. Vom 07. Januar 1928 bis 04. April 1928 war Ida Aßfalg in der Heilanstalt Weissenau. Am 10. Oktober 1929 kam sie erneut in die Heilanstalt Weissenau. Laut den Akten aus der württ. Patientenkartei hatte sie bei ihrer Einweisung drei lebende Kinder. Am 02. April 1931 wurde Ida Aßfalg in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt. Sie war bis zu Ihrer Deportation am 2. Oktober 1940 dort. An diesem Tag wurde sie von Liebenau mit einem roten Postbus der „Gemeinnützingen Kranken-Transport GmbH“ nach Grafeneck deportiert. Dort wurde sie am gleichen Tag mit Gas ermordet. Ida Aßfalg geb. Rothmann wurde 53 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum war der 14. Oktober 1940.
Im Archiv der heutigen Stiftung Liebenau befindet sich ein Brief ihrer Familie, der nach der Todesnachricht aus Grafeneck dorthin geschrieben wurde. Die Tochter Paula würde kommen und die persönlichen Sachen der Mutter abholen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 16 Nr. 48.
- Standesamtsnachrichten in Verbo Schussen-Bote : Oberschw. Morgenblatt, Ausgabe vom 9. Juni 1927, Seite 8.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 26. Oktober 1891
Geburtsort: Tiefenbach
Beruf: Bauer
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Agathe, geb. Gaiser, aus Hagenbuch.
Eltern: Franz Xaver Aßfalg, Bierwirth in Tiefenbach am Federsee, und Rosina, geb. Schäzle.
Karl Aßfalg war das zwölfte von dreizehn Kindern. Von diesen Kindern sind fünf jung verstorben. Zwei Geschwister wanderten nach Amerika aus. Die anderen Geschwister waren in Tiefenbach, Konstanz und St. Gallen verheiratet.
Karl Aßfalg war Kriegsteilnehmer im 1. Weltkrieg. Obwohl in den Deutschen Verlustlisten verzeichnet, ist er auf der Ehrentafel der Gemeinde Tiefenbach (Federsee) nicht aufgeführt.
Im November 1933 heiratete Karl Aßfalg Agathe Gaiser aus Hagenbuch bei Biberach. Das Ehepaar lebte dann in Hagenbuch und arbeitete in der Landwirtschaft.
Karl Aßfalg wurde am 17. Juli 1935 in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen und am 23. August 1935 als gebessert nach Hause entlassen. Am 10. April 1937 wurde er zum zweiten Mal in Schussenried aufgenommen, am 14. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und noch am gleichen Tag ermordet. Er wurde 48 Jahre alt.
Für Karl Aßfalg erschien am 15. Juni 1940 eine Traueranzeige in der Vereinigten Bodenseezeitung (Verbo, Biberach) mit dem Hinweis auf einen Trauergottesdienst in der Biberacher Stadtpfarrkirche. Die Ehefrau hatte die Urne angefordert, die dann in „aller Stille“ auf dem Katholischen Friedhof beigesetzt worden war.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum war der 08. Juli 1940 in Grafeneck.
Bemerkenswert ist der Eintrag des Tiefenbacher Pfarrers: Im Nachtrag über den Tod von Karl Aßfalg notierte er im Familienregister „1941 Grafeneck verbrannt!!!“.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 16 Nr. 47.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 4: Aßfalg Karl.
- Traueranzeige der Ehefrau Agathe und den Angehörigen vom 15. Juni 1940. (Vereinigten Bodenseezeitung (Verbo, Biberach) vom 15. Juni 1940, S. 8)
- Kath. Familienregister Tiefenbach Band 3, Fol. 75, Kind Nr. 12: Eintrag des Pfarres im Familienregister zum Tod von Karl Aßfalg: „1941 Grafeneck verbrannt!!!“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. August 1886
Geburtsort: Biberach
Beruf: Arbeiterin
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Baptist Aßfalg, Maurermeister in Rißegg, und Marie Magdalene, geb. Haas.
Maria Theresia Aßfalg, genannt Ida, war Näherin, ledig und lebte in Ludwigsburg, später in Esslingen. Sie war 1913, mit 27 Jahren, für kurze Zeit in der Heilanstalt Pfullingen, von wo sie als „gebessert“ entlassen wurde. Vom 22. August 1921 bis zum 8. November 1935 war sie in der Heilanstalt Winnenden.
Am 8. November 1935 erfolgte dann die Verlegung in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Von dort kam sie am 30. August 1940 mit einem Transport von insgesamt 75 Personen in die Zwischenanstalt Zwiefalten. Zusammen mit 54 weiteren Kranken wurde sie am 24. September 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Maria Theresia Assfalg wurde 54 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 7. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Brandenburg.
Erarbeitet BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Winnentaler Patientenkartei, Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 16 Nr. 56.
- Taufregister Biberach an der Riß (katholisch), 1886, Nr. 89.
- Silberzahn-Jandt, Gudrun: Esslingen am Neckar im System von Zwangsterilisation und „Euthanasie“ während des Nationalsozialismus, Strukturen, Orte, Biographien. Ostfildern 2015, S. 241.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018, hier: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 16. August 1929
Geburtsort: Unlingen
Beruf: –
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 1. Oktober 1940
Sterbedatum: 1. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Eugen Aßfalg, Landwirt in Unlingen, und Elisabeth geb. Fischer.
Wilhelmine Aßfalg war das sechste von sieben Kindern der Familie. Wilhelmine Aßfalg war vom 12. Juli 1938 bis zur Deportation am 1. Oktober 1940 im Kinderasyl Ingerkingen. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck ermordet. Sie wurde nur elf Jahre alt.
Die Todesnachricht aus der Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein notiert fälschlicherweise den 16. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein.
Weitere Informationen aus dem Aufnahmebuch Ingerkingen Nr. 397:
Vertreter: Kreiswohlfahrtsamt Riedlingen
Staatliches Gesundheitsamt Riedlingen, Amtsarzt
Eintritt: 12. Juli 1938
Austritt: 1.10.1940
Bemerkung: Auf Anordnung des W. I. M.
Auf der grünen Karteikarte aus Ingerkingen gibt es einen handschriftlichen Vermerk, dass Wilhelmine Aßfalg am 16.10.1940 in Sonnenstein gestorben ist.
Im katholischen Sterberegister Unlingen hat der Pfarrer ausführlich den Weg des Kindes beschrieben:
- Im Juni 1938 in das Kinderasyl Ingerkingen verbracht
- Landespflegeanstalt Grafeneck laut Mitteilung vom 3.10.1940
- Landes-Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein Sachsen verlegt
- Diese Anstalt teilt den Tod des Kindes mit, am 16. October 1940 an Paratyphus gestorben und sofort eingeäschert.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/4547.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 397, Aßfalg Wilhelmine. Archiv St. Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Abschriften der Benachrichtigungen aus Grafeneck und Sonnenstein
Abbildungen und Bildunterschriften
B
Geboren am: 15. Mai 1875
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Werkzeugarbeiter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Andreas Bader, Schreiner, später Werkzeugfabrikant in Laupheim, und Elisabetha geb. Kögel.
Albert Bader war das zehnte von zwölf Kindern der Familie Bader in Laupheim. Von diesen Kindern sind sechs schon im Kindesalter verstorben.
Die Mutter Elisabetha Bader starb 56jährig im Jahr 1898. Vier Jahre danach, am 29. Oktober 1902, wurde Albert Bader im Alter von 27 Jahren das erste Mal in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Dort war er nur eine Woche. Nach 2 Wochen, am 20. November 1902 kam er erneut in die Einrichtung – und blieb dort für den Rest seines Lebens, insgesamt 38 Jahre lang. In der Karteikarte von Albert Bader ist als Beruf Werkzeugarbeiter vermerkt. Wahrscheinlich war er in der Werkzeugfabrik seines Vaters tätig.
In den Württembergischen Patientenblättern wird zusammen mit dem Verlegungsdatum 14. Juli 1940 eine veränderte Diagnose vermerkt, die zur Aussonderung führte. An diesem Tag wurde er mit weiteren Patienten der Anstalt nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet.
Albert Bader wurde 65 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum ist aktuell nicht bekannt.
Erarbeitet von MR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 20-110.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Kath. Familienregister Fol. 589 Laupheim, ohne Nachtrag des Todes bei Kind Albert Bader.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. November 1908
Geburtsort: Englisweiler
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 3. Juli 1940 Zwischenanstalt Zwiefalten
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Heinrich Baldauf, Schmiedemeister in Englisweiler, und Elisabetha geb. Maucher.
Die Familie von Rudolf Baldauf lebte in Englisweiler, ein Teilort von Steinhausen an der Rottum. Der Vater war Schmiedemeister. Die Familie hatte laut standesamtlichem Familienregister acht Kinder. Zwei der Kinder sind jung verstorben, Rudolf Baldauf war das siebte Kind.
Rudolf Baldauf wurde taub geboren, er lebte vom 8. – 17. Lebensjahr in der Taubstummenanstalt in Schwäbisch Gmünd. Danach (also ca. 1924 oder 1925) war er einige Zeit wieder zuhause und konnte leichte Arbeiten ausführen.
Nach einiger Zeit veränderte sich die Situation von Rudolf Baldauf, es werden Wutanfälle und eine Wesensänderung genannt. Aus diesem Grund wurde Rudolf Baldauf im Januar 1928 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen.
Die Akte dort ist sehr kurz gehalten, nach der eingehenden Untersuchung bei der Aufnahme sind nur noch fünf weitere Einträge in der Akte. Der letzte Eintrag ist vom 22. Dezember 1939. Der Inhalt ist mehr oder weniger immer gleich – „keine Veränderung“.
Weitere Details zum Leben von Rudolf Baldauf sind nicht bekannt.
Am 3. Juli 1940 wurde Rudolf Baldauf von Liebenau nach Zwiefalten verlegt, Zwiefalten fungierte dabei als Zwischenanstalt. Am 25. Juli 1940 erfolgte die Deportation nach Grafeneck, an diesem Tag wurde Rudolf Baldauf in Grafeneck ermordet. Rudolf Baldauf wurde 32 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 04. August 1940 als Todestag.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29153.
- Standesamt Steinhausen an der Rottum: Familienregister Steinhausen an der Rottum Blatt 87, Kind Nr. 7 mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Standesamt Steinhausen an der Rottum: Geburtsregister Steinhausen 1908 Nr. 34, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. Mai 1894
Geburtsort: Neckarsulm
Beruf: Dienstmagd
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Kilian Bangert, Schneidermeister in Saulgau, und Pauline, geb. Fischer
Anna Bangert wurde in Neckarsulm als fünftes von fünf Kindern ihrer Eltern geboren. Mit 17 Jahren, im April 1911, brachte sie einen unehelichen Jungen, Johann, zur Welt. Die Familie Bangert ist Anfang des 20. Jahrhunderts nach Oberschwaben verzogen. Ihr Bruder Karl Bangert war als Lehrer und Vikar in Riedlingen, Dietmanns und Saulgau tätig. Ihre Mutter verstarb 1935 in Saulgau. Der Vater Joseph Bangert wird 1939 im Saulgauer Adressbuch geführt und und verstarb dort im April 1940.
Anna Bangert war in der Nervenklinik Tübingen vom 5. April 1924 bis 10. Juni 1924.
In der Patientenakte aus Tübingen sind autobiographische Angaben vermerkt: Sie sei nie wirklich krank gewesen, habe in der Schule gut gelernt. Nach der Schule sei sie bis zum Alter von 21 Jahren zuhause bei der Mutter gewesen, dann habe der Bruder ihr die Stelle im Krankenhaus Riedlingen verschafft. Sie arbeitete und wohnte 9 Jahre im Krankenhaus in Riedlingen. Ihre Arbeit im Krankenhaus bestand aus Spülen, Holz holen und Kartoffeln waschen.
Sie wurde dann aufgrund einer „ängstlichen Verstimmung“ aus dem Bezirkskrankenhaus Riedlingen am 04. Juni 1924 nach Tübingen zur Untersuchung überwiesen. Unterzeichnet ist die Überweisung von einem Dr. Knor.
In einem Schreiben der AOK Riedlingen wird darum gebeten, die Patientin so bald als möglich zu entlassen, eine Kostenübernahme sei nur bis 17. September 1924 genehmigt.
Seit dem 10. Juni 1924 war Anna Bangert in der Heilanstalt Schussenried. Sie wurde unmittelbar versetzt aus der Nervenklinik Tübingen, dort verblieb die „ledige, katholische Dienstmagd“ 16 Jahre lang. Anna Bangert wurde wegen ihrer langen Aufenthaltsdauer in der Einrichtung Schussenried zum Opfer der NS-Krankenmorde. Laut Nachtrag im katholischen Taufregister Neckarsulm ist Anna Bangert am 10. September 1940 in der Heilanstalt Sonnenstein an Blutvergiftung verstorben, ein Täuschungsmanöver der zentral gesteuerten Krankenmordaktion. Tatsächlich wurde Anna Bangert direkt am Tag der Deportation von Schussenried nach Grafeneck, am 23. August 1940 in der Gaskammer von Grafeneck ermordet. Anna Bangert wurde 46 Jahre alt.
Erarbeitet von MR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 26-85.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/2642 Anna Bangert, Patientenakte.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, B. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (22).
- Adressbuch Kreis Saulgau 1939
- Pfarrei Neckarsulm St. Dionys: Taufregister 1894 Nr. 28, mit Nachtrag zum gefälschten Todesdatum und Todesort.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 22. Juni 1894
Geburtsort: Aufhofen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Aloys von Bank, Straßenwart in Aufhofen, und Theres geb. Schaller, Hebamme in Aufhofen.
Johann von Bank war das neunte von zwölf Kindern, sein Taufname war Johann Baptist. Neun der zwölf Kinder sind jung verstorben. Davon sind 1894, die Mutter war mit Johann von Bank schwanger, vier ältere Geschwister an Diphterie (Halsbräune) verstorben.
Am 21. September 1935 feierten die Eltern von Johann von Bank ihre Goldene Hochzeit. Die Eltern sind beide relativ alt geworden (85 und 89 Jahre).
Johann von Bank wurde am 10. Oktober 1929 im Alter von 35 Jahren zum ersten mal in die Heilanstalt Schussenried polizeilich eingewiesen. Zu Beginn nur zur Beobachtung. Er war aufgrund kleinerer Straftaten in Konflikt mit dem Gesetzgeber gekommen. Es wurde bei Ihm eine Erkrankung diagnostiziert und er musste in der Heilanstalt bleiben.
Johann von Bank lebte über zehn Jahre in Schussenried und wurde am 14. Juni 1940 von Schussenried nach Grafeneck deportiert. Dort wurde er mit Gas ermordet. Er wurde 45 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 27. Juni 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 26-108.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Nationale Rundschau, Ausgabe vom 9.10.1935, Seite 8.
- Katholisches Familienregister Aufhofen Fol. 233d.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. November 1869
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Kaufmann
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Oskar Bartholomae, Kaufmann in Riedlingen, und Anna geb. Roth.
Wir wissen wenig über Oskar Bartholomae, der in Riedlingen geboren und in Grafeneck getötet wurde. Das Kaufmanns-Geschäft des Vaters taucht regelmäßig mit Anzeigen für Produkte in der Riedlinger Zeitung auf, z.B. 1907 Photographie-Rahmen, 1911 Lilienmilch-Seife. Es ist anzunehmen, dass Oskar Bartholomae im väterlichen Geschäft arbeitete, er war auch Kaufmann. Anfang 1896 verstarb seine Mutter, Mitte 1897 heiratete sein Vater wieder.
Am 21. Februar 1899 wurde Oskar Bartholomae in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen, die Krankheitsdauer bei Aufnahme war 2,5 Jahre. Oskar Bartholomae lebte bis 1940 über 40 Jahre lang in der Heilanstalt Schussenried.
Am 14. Juni 1940 wurde Oskar Bartholomae nach unbekannt „verlegt“. Tatsächlich wurde er an diesem Tag nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 70 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum war der 10. Juli 1940. Es wurde im standesamtlichen Familienregister der Familie nachgetragen. Aus Versehen hatte der Standesbeamte dieses im Geburtsregister seiner Schwester Frida auch nachgetragen. Aber sie war kein Grafenecker Opfer. Für Oskar Bartholomae existiert noch kein Geburtsregister, da er vor 1876 geboren wurde.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 31-9.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Stadtarchiv Riedlingen, Familienregister Band 1, Blatt 139 der Familie Bartholomae, Geburtsregister 1884 Nr. 2 der Schwester Frida.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 15. Juli 1888
Geburtsort: Egelfingen (Langenenslingen)
Beruf: Fahrstuhlführer
Einrichtung: Landesheilanstalt Eichberg
Datum der Deportation: –
Sterbedatum: 26. Juni 1943
Todesort: Landesheilanstalt Eichberg
Mordprogramm: Dezentrale „Euthanasie“
Biografie
Ehefrau: Juliana Keidel Näherin, gebürtig aus Wüstensachsen Kreis Gersfeld, wohnhaft in Frankfurt am Main.
Eltern: Agatha Baur aus Egelfingen, Vater nicht bekannt.
Anton Baur wurde 1888 in Egelfingen unehelich geboren. Seine Geburt wurde auch im katholischen Familienregister der Großeltern verzeichnet. Am 28. Juli 1890 heiratete die Mutter den aus Esslingen stammenden Karl Ludwig Haas. Das Ehepaar wurde in Egelfingen katholisch getraut und zog dann nach Zwiefalten. Weitere Kinder des Ehepaares wurden 1894 und 1896 in Esslingen geboren. Ob Anton Baur bei der Mutter oder bei den Großeltern lebte, ist nicht bekannt.
Am 26. November 1917 heiratete Anton Baur in Frankfurt am Main standesamtlich. Er lebte zu diesem Zeitpunkt in Gießen und arbeitete als Fahrstuhlführer. Die Ehefrau Juliana Keidel arbeitete als Näherin und wohnte in Frankfurt am Main. Nach der Heirat lebte das Ehepaar in Frankfurt-Ginnheim, Am Eichenloh 17. Im Jahr 1938 war Anton Baur an diesem Wohnsitz als Invalide gemeldet. Ab dem Jahr 1939 war seine Frau Juliana Baur im Adressbuch verzeichnet.
Im Heiratsregister wurde eine 1921 geborene Tochter Elfriede Veronika nachgetragen, diese hatte 1948 geheiratet. Über weitere Kinder des Ehepaares ist nichts bekannt.
Zu einem uns unbekannten Zeitpunkt wurde Anton Baur in der Landespflegeanstalt Eichberg aufgenommen.
Anton Bauer verstarb am 25. August 1944 in der Landesheilanstalt Eichberg, angeblich an „Siechtum und Herzschwäche bei Depressionszustand“.
Er wurde sehr wahrscheinlich ein Opfer der Dezentralen-„Euthanasie“.
Das Stadtarchiv Eltville hat eine Liste der Menschen erstellt, die Opfer sogenannter „Krankenmorde“ in der psychiatrischen Klinik Eichberg in Eltville geworden waren. In dieser Liste ist Anton Baur aufgeführt. Insgesamt konnten 4 Opfer mit Bezug zum Landkreis Biberach identifiziert werden.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Stadtarchiv Eltville: „Euthanasie auf dem Eichberg im Lichte der Erbacher Sterbebücher“ & alphabetische Liste der Sterbebücher (PDF).
- Standesamt Erbach (Eltville am Rhein), Sterbenebenregister, 1944: Sterberegister 1944 Nr. 506 Anton Baur aus Egelfingen, Kreis Riedlingen. Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg.
- Frankfurt am Main, Standesamt I: Heiratsregister Blatt 132, 1917 Nr. 723, Baur Anton und Keidel Juliana. Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg, Online im DFGViewer.
- Pfarrei Egelfingen, Familienregister Fol. 43 der Großeltern von Anton Baur, Taufregister 1888 Nr. 3.
- Adressbücher Frankfurt am Main, verschiedene Jahrgänge. Online bei der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. November 1874
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: Bierbrauer und Metzger
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 5. August 1940
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Franz Sales Josef Baur, Republikwirt in Altheim, und Franziska geb. Schnäbele.
Der Vater von Josef Baur (Taufname Josef Anton) verstarb 1881, Josef Baur war gerade 7 Jahre alt. Nach dem Tod des Vaters wurde die elterliche Liegenschaft versteigert. Im Jahr 1885 heiratete die Mutter erneut, den Witwer Alois Roll von Friedingen. Auch der Stiefvater war Wirt.
Josef Baur selbst war von Beruf Metzger und Bierbrauer.
Im Jahr 1891 kam Josef Baur zum ersten Mal mit dem Gesetz in Konflikt. Jahr 1925 wurde er zu einer Zuchthausstrafe verurteilt. Er scheint auf sich allein gestellt nicht mit dem Leben zurecht gekommen zu sein.
Vom 06. November 1929 bis 10. September 1936 war er in der Heilanstalt Zwiefalten. Auf der Karteikarte steht ein falsches Entlassdatum, der 10. September stammt aus dem Hauptbuch Zwiefalten Nr. 2861. Ab einem unbekannten Zeitpunkt lebte er in der Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof in Ulm, und wurde von dort kommend, am 28. Juni 1937 erneut in Zwiefalten aufgenommen.
Am 05. August 1940 wurde Josef Baur von Zwiefalten nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Er wurde 65 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 23. September 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein bei Pirna.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 41 Nr. 15.
- Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand E 356 d III Bü 287, Baur Josef geb. 27.11.1874, Zuchthausakte.
- Archiv ZfP Zwiefalten: Anlage zur Liste A – Transport vom 5. August 1940 nach Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 22. März 1909
Geburtsort: Mettenberg
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 20. Mai 1940
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Georg Beck, Taglöhner und Holzhauer in Mettenberg, und Rosine geb. Kiesler.
Karl Beck entstammte einer kinderreichen Familie, er war das vierte von fünfzehn Kindern. Laut einem Zeitungsbericht übernahm der König von Württemberg die Patenstelle beim 7. Sohn des Paares, der am 14. Mai 1914 geboren wurde. Insgesamt waren es dann dreizehn Söhne!
Im Alter von sechzehn Jahren, am 02. November 1925 wurde Karl Beck wegen einer Brandstiftung in die Heilanstalt Weissenau eingewiesen. Es wurde eine psychische Erkrankung diagnostiziert, er wurde als allgemeingefährlich eingestuft und musste in der Heilanstalt bleiben.
Er war er ein ruhiger Patient, hatte auch Zigaretten geraucht. Nach einiger Zeit in der Heilanstalt arbeitete er auch fleissig, z.B. half er beim Torfstechen. Nach sechs Jahren in der Weissenau, am 07. April 1931 wurde er entlassen und von seinem Vater nach Hause geholt.
Karl Beck kam fünf Wochen später auf eigenen Wunsch wieder in die Heilanstalt. Er war „Alleinarbeiter“ in der Gärtnerei und hatte fleissig gearbeitet. Im Laufe der Zeit wurde das Arbeitspensum als „Alleinarbeiter“ geringer, er wurde wieder einer Aufsehergruppe zugeteilt. Er rückte regelmässig zur Arbeit aus.
Anfang 1936 scheint es eine Veränderung gegeben zu haben, er möchte nicht mehr arbeiten. Einige Monate später arbeitet er aber wieder fleissig.
Auf eigenen Wunsch durfte er Anfang 1940 in der Bäckerei mitarbeiten. Am 31. Januar 1940 entwich er bei der Arbeit in der Bäckerei aus der Anstalt.
Der Vater des Patienten teilte mit, dass sein Sohn zu Hause sei, und er ihn gerne behalten wolle. Karl Beck wird als gebessert entlassen geführt.
Aber der Bürgermeister ließ Karl Beck am 3. Februar 1940 durch 2 Landjäger wieder in die Anstalt bringen, da er fürchtete, dass Karl Beck wieder Feuer legen könnte.
Am 20. Mai 1940 wurde Karl Beck nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Karl Beck wurde 31 Jahre alt.
Im Geburtsregister Mettenberg 1909 Nr. 2 ist der gefälschte Todestag, der 29. Mai 1940 mit Sterbeort Grafeneck nachgetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 46.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24279.
- Geburtsregister Mettenberg 1909 Nr. 2 mit Nachtrag zum gefälschten Todesdatum.
- Anzeiger vom Oberland Ausgabe vom 09.12.1925, Seite 3. Karl Beck Brandstiftung.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 10. Februar 1903
Geburtsort: Altheim (Biberach)
Beruf: Krankenschwester, Schlossersehefrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Georg Berkmüller, Schlosser in Ulm.
Eltern: Georg Rieger, Zimmermann in Altheim (Biberach), und Appollonia geb. Winhardt.
Biografie aus dem Gedenkbuch Ulm
„Magdalene Berkmüller, geb. Rieger, kam am 10. Februar 1903 als Tochter des Zimmermanns Georg Rieger und dessen Frau Appolonia, geb. Winhart, in Altheim, nun Kreis Biberach, zur Welt. Da Magdalenes Mutter nach der Geburt schwer erkrankte und in die Heilanstalt kam, wuchs sie bei einer Tante auf. Magdalene lernte gut in der Schule und arbeitete nach der Schulentlassung bis zu ihrem 18. Lebensjahr zunächst in einem bäuerlichen Betrieb, absolvierte anschließend erfolgreich eine Ausbildung zur Krankenschwester und arbeitete mehrere Jahre lang in diesem Beruf.
1927 heiratete sie den Schlosser Georg Berkmüller und lebte mit ihm und ihrer Schwiegermutter gemeinsam in der Reitergasse 21 in Ulm. Nach der Geburt ihrer Tochter erkrankte Magdalene Berkmüller im Wochenbett und fühlte sich <müde und schwach>, was vermutlich eine Umschreibung für eine postnatale Depression war. Sie erholte sich, doch ein Jahr später verschlechterte sich ihr psychischer Zustand erneut, so dass sie am 31. März 1935 im Alter von 32 Jahren in die Nervenklinik Tübingen eingewiesen wurde. Ohne Besserung ihres Zustandes wurde sie am 24. Juli 1935 in die Heilanstalt Schussenried weiterverlegt und blieb dort knapp fünf Jahre in stationärer Behandlung. Am 7. Juni 1940 wurde Magdalene Berkmüller von dort mit einem der <grauen Busse> nach Grafeneck deportiert, wo sie nach ihrer Ankunft in der Gaskammer ermordet wurde.“
Aus: Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 83.
Quelle: UAT Patientenakte Universitäts-Nervenklinik 669/6562.
Staatssarchiv Ludwigsburg F 235 III Bü 48.
Staatsarchiv Sigmaringen Wü 42 T 94 Nr. 444 Blatt 79.
Weitere Informationen ergänzend zur Biografie im Gedenkbuch Ulm
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum von Magdalene Berkmüller war der 28. Juni 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 48-89.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/6562, Magdalene Berkmüller, Patientenakte mit Foto.
- Standesamt Altheim (Biberach): Geburtsregister 1903 Nr. 2 von Magdalene Berkmüller mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Gedenkbuch Ulm: Gedenkbuch für die Ulmer Opfer von NS-Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. Mai 1902
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Lehrer, Schulpraktikant
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Berner, Braumeister in Buchau, und Anna geb. Kloos.
Die Eltern von Alfons Berner heirateten kirchlich am 10. Juni 1901 in Warthausen. Das Paar zog danach nach Buchau am Federsee. Bei der Geburt des Sohnes Alfons am 25. Mai 1902 wurde der Vater als Oberbrauer bezeichnet. Das Ehepaar hatte vier Kinder, Alfons Berner war das älteste.
Im Jahr 1916 wurde Alfons Berner in das Lehrerseminar in Rottweil aufgenommen, im November 1922 hatte er seine erste Dienstprüfung bestanden. Im April 1925 trat er eine Schulpraktikantenstelle in Kappel bei Buchau an.
Am 12. Dezember 1926 erfolgte die Einweisung in die Heilanstalt Zwiefalten. Am 13. Oktober 1938 wurde Alfons Berner von Zwiefalten in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau versetzt.
Aus dem Buch von Joseph Mohn: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz: aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee, Seite 154:
„Alfons Berner, geb. 25.5.1902 in Buchau. Er besuchte die Volks- und Realschule in Buchau, sodann das Lehrerseminar in Rottweil a.N. Das Erste Dienstexamen für Volksschullehrer bestand er im Jahre 1922. Nach dem Examen sah er, wie sein Schulkamerad Eugen König keine Möglichkeit, in absehbarer Zeit in seinem Berufe angestellt zu werden. Er steigerte sich in der Folge so in seine trostlose Lage hinein, daß er eines Tages in die lrrenanstalt nach Weißenau verbracht werden mußte. Von dort wurde er 1940 „verlegt“ in die Anstalt Sonnenstein bei Pirna, wo er am 16.10.1940 vergast wurde. Berner war ein sehr begabter hilfsbereiter junger Mann.“.
Tatsächlich wurde Alfons Berner am 02. Oktober 1940 von der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Der spätere Todeszeitpunkt in Pirna-Sonnenstein war ein gefälschtes Sterbedatum mit einem gefälschten Todesort, um die Mordtaten der Nationalsozialisten zu verschleiern.
Alfons Berner wurde 38 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 57-99.
- Standesamt Bad Buchau, Familienregister Berner-Kloos Seite 172.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970. Hier besonders: Der Leidensweg der Opfer der Euthanasie, 1939-1941, S. 151-155.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 22. April 1897
Geburtsort: Laupertshausen
Beruf: ohne
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Nepomuk Bitterwolf aus Laupertshausen und Paulina geb. Hermann.
Friedrich Bitterwolf war das vierte der zwölf Kinder seiner Eltern. Fast alle seine Geschwister erreichten das Erwachsenenalter und heirateten. Der Vater von Friedrich Bitterwolf starb im Januar 1940, die Mutter war schon zuvor verstorben. Die Eltern mussten also den Tod des Sohnes durch die „Aktion T4“ nicht erleben.
Friedrich Bitterwolf war seit dem 24. April 1936 in der Pflegeanstalt Heggbach. Er hatte Besuch bekommen, wie oft ist nicht bekannt, vermutlich von seinem Vater. Friedrich Bitterwolf wurde am 11. September 1940 mit dem ersten Transport von Heggbach nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Er wurde 43 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist aus der Todesfallmeldung an die Ortsfürsorgebehörde Lauperstshausen bekannt, es war der 22. September 1940. Der Absender war die „Landespflegeanstalt Grafeneck“.
Auch im Heimatbuch Laupertshausen „ein einstmals katholisches Pfarrdorf“ von Bernhard Katein wird Friedrich Bitterwolf als NS-„Euthanasie“-Opfer genannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Todesfallmeldung aus Grafeneck an die Ortsfürsorgebehörde Laupertshausen.
- Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Katein, Bernhard: Laupertshausen „ein einstmals katholisches Pfarrdorf“, die Geschichte eines Dorfes im Wandel der Zeit. Maselheim 2010. Hier besonders: Euthanasie, S. 131.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 21. März 1872
Geburtsort: Warthausen
Beruf: ohne
Einrichtung: Landesheilanstalt Eichberg
Datum der Deportation: –
Sterbedatum: 26. Juni 1943
Todesort: Landesheilanstalt Eichberg
Mordprogramm: Dezentrale „Euthanasie“
Biografie
Ehemann: Matthäus Blersch, Konditor aus Hohentengen, wohnhaft in Frankfurt am Main.
Eltern: Wilhelm Wörnle, Inhaber einer Verlagsdruckerei in Biberach, und Elisabetha geb. Buck, gesch. Romer.
Magdalena Mathilde Buck wurde in Warthausen als außereheliches Kind ihrer Mutter geboren. Die Mutter wurde kurz darauf geschieden und hatte den Kindsvater Wilhelm Wörnle geheiratet. Dieser war bei der Heirat verwitwet. Der Vater hat seine Tochter im Jahr 1874 notariell anerkannt. Das Ehepaar hatte mehrere Kinder aus den verschiedenen Ehen.
Der Vater Wilhelm Wörnle betrieb in Biberach eine Verlagsdruckerei, er verkaufte auch Zeitschriften, Hustenbonbons und ähnliches. Dies ist aus Anzeigen in Tageszeitungen bekannt. Schon im Jahr 1902 lebte Wilhelm Wörnle in Ebingen, war aber noch Besitzer des Hauses in der Paradies-Straße 19/b in Biberach. Dort dürfte Mathilde Wörnle ihre Kindheit und Jugend verbracht haben.
Mathilde Wörnle hatte im Jahr 1894 und 1896 jeweils ein uneheliches Kind bekommen, Details dazu sind nicht bekannt. Eines der Kinder starb früh.
Wann Mathilde Wörnle nach Frankfurt gezogen ist, wissen wir nicht. In Frankfurt hat sie am 19. Mai 1909 den Konditor Matthäus Blersch aus Hohentengen (Oberamt Saulgau) geheiratet. Bei der Heirat war der Nachname Buck, nicht Wörnle. Im Jahr 1913 lebte das Ehepaar in Frankfurt in der Bornheimer Landstraße 27, im Jahr 1925 in der Bornheimer Landstraße 45, der Ehemann hatte eine Firma Demant u. Blersch. Im Jahr 1937 lebte Matthäus Blersch in der Münzenberger-Str. 2.
Wir wissen nicht wann Mathilde Blersch erkrankt ist, es ist anzunehmen, sie hat all die Jahre zusammen mit ihrem Ehemann in den verschiedenen Wohnungen in Frankfurt gelebt.
Im Jahr 1938 verstarb der Ehemann Matthäus Blersch.
Mathilde Blersch verstarb am 26. Juni 1943 in der Landesheilanstalt Eichberg, angeblich an „Schlaganfall, Gehirnverkalkung“. Sie wurde sehr wahrscheinlich ein Opfer der Dezentralen-„Euthanasie“. Über die Dauer ihres Aufenthalts wissen wir nichts, auch nicht ob sie vorher in einer anderen Einrichtung war.
Das Stadtarchiv Eltville hat eine Liste der Menschen erstellt, die Opfer sogenannter „Krankenmorde“ in der psychiatrischen Klinik Eichberg in Eltville geworden waren. In dieser Liste ist Mathilde Blersch aufgeführt. Insgesamt konnten 4 Opfer mit Bezug zum Landkreis Biberach identifiziert werden.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Stadtarchiv Eltville: „Euthanasie auf dem Eichberg im Lichte der Erbacher Sterbebücher“ & alphabetische Liste der Sterbebücher (PDF).
- Standesamt Erbach (Eltville am Rhein), Sterbenebenregister, 1943: Sterberegister 1943 Nr. 291 Mathilde Blersch geb. Wörnle aus aus Hausen bei Biberach a. d. Riss. Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg.
- Frankfurt am Main, Standesamt I Eheregister 1909 Nr. 402, HStAM, 903, Aufn. 00110 Blersch oo Buck.
- Katholisches Trauregister Pfarrei Frankfurt, St. Antonius Seite 56, 1909 Nr. 55. Im Trauregister ist der Nachname von Mathilde Wörnle Buck, der Geburtsname der Mutter. Online bei Matricula: Trauungen Liebfrauenkirche und St. Antonius Frankfurt | F-Anton K 7, Aufn. K7_0032.
- Pfarrei Warthausen Taufregister 1872 Nr. 8, Geburt von Mathilde Buck mit notariellem Nachtrag des Vaters Wilhelm Wörnle.
- Adressbücher Frankfurt am Main, verschiedene Jahrgänge. Online bei der Universitätsbibliothek Frankfurt am Main.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 21. August 1905
Geburtsort: Uttenweiler
Beruf: Schuhmacher
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Blersch, Landwirt und Maurer, und Cecilia geb. Fuchs, Uttenweiler.
Konrad Blersch war das älteste Kind seiner Eltern. Aus einer früheren Ehe der Mutter hatte er noch zwei Halbgeschwister. Der ältere Halbbruder Leonhard Baumeister ist 1918 gefallen. Von den jüngeren Geschwistern verunglückte 1940 ein Bruder tödlich.
Zwei Schwestern heirateten in der Schweiz. Der Bruder Josef übernahm das Elternhaus in Uttenweiler.
Konrad Blersch wurde am 12. März 1930 mit 25 Jahren in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Er war Schuhmacher und kam in Begleitung seines Vaters nach Tübingen. Sein beruflicher Werdegang: Mit 15 Jahren kam er zur Lehre in das Kloster Beuron (im Donautal bei Sigmaringen). Danach half er einige Jahre bei Verwandten in der Landwirtschaft. 1926 wanderte er nach Amerika aus. Bei einem Arbeitsunfall mit einer Hobelmaschine verlor Konrad Blersch in den USA zwei Finger. Im Mai 1928 kam Konrad Blersch zurück nach Hause und war deutlich wesensverändert. Der letzte Eintrag am 21./22.4.1930 in der Tübinger Akte lautet: „Pat. kam heute in der frühe fort nach Zwiefalten, verabschiedete sich bei allen durch einen Handkuß.“.
Konrad Blersch wurde am 22. April 1930 in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen. Am 24. April 1936 wurde er in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt, wo er sich an Hausarbeiten beteiligte und auch Besuche erhielt.
Konrad Blersch wurde am 11. September 1940 mit dem ersten Transport von Heggbach nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 35 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist auf dem Geburtsregister nachgetragen. Es war der 21. September 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 74-101.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/37703 Blersch Konrad Uttenweiler, Patientenakte.
- Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Dekan Hermann Schneider, Ferdinand Kramer: Heimatbuch Uttenweiler. Uttenweiler 1994, hier Seite 277 und Seite 566.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. September 1904
Geburtsort: Äpfingen
Beruf: ohne
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Franz Bochtler, Söldner in Äpfingen, und Maria geb. Merkt.
Die Mutter von Karl Bochtler war die 2. Ehefrau des Vaters Franz Bochtler, sie verstarb am 15. Juli 1939. Laut Traueranzeige war der Vater Söldner und Mesmer in Äpfingen. Karl Bochtler hatte neun Geschwister, er war das sechste Kind. Vier der Geschwister starben jung, eine weitere Schwester mit 12 Jahren. Die zwei ältesten Geschwister waren Halbgeschwister.
Karl Bochtler wurde am 02. Oktober 1928 in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen, er kam vom Kinderasyl Ingerkingen. Dort war er 1914 im Alter von zehn Jahren aufgenommen worden. In Heggbach bekam Karl Bochtler öfter Besuch. Als Angehöriger ist sein Vater notiert.
Karl Bochtler wurde am 11. September 1940 mit dem ersten Transport von Heggbach nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Karl Bochtler wurde 35 Jahre alt.
Im dem Geburtsregister aus Äpfingen ist das gefälschte Todesdatum, der 24. September 1940 in Grafeneck notiert.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Standesamt Äpfingen Geburtsurkunde 1904 Nr. 19, mit Randvermerk zum Tod in Grafeneck.
- Standesamt Äpfingen Familienregister Band 1, Seite 513, 514 Bochtler.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Verbo Biberacher Tagblatt Ausgabe vom 17.07.1939, Seite 16. Traueranzeige der Mutter von Karl Bochtler.
- Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Oktober 1897
Geburtsort: Winterstettenstadt
Beruf: Landwirtsfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Vincenz Bochtler, Bauer in Winterstettendorf
Eltern: Johann Steinhauser, Bauer, und Krescenz geb. Kurray, Winterstettenstadt
Maria Anna Steinhauser war die Tochter des Winterstetter Bauern Johann Georg Steinhauser und seiner Ehefrau Kreszentia, geb. Kurray. Es ist anzunehmen, dass die Tochter Maria Anfang des 20. Jh. wie alle ihre weiblichen Geschlechtsgenossinnen aufwuchs, geprägt von dörflichen Strukturen und dem katholischen Umfeld. Im Alter von 25 Jahren heiratete sie den Bauern Vinzenz Bochtler. Der erste Sohn, nach dem Vater Vinzenz genannt, kam 1923 zur Welt. Schon ein Jahr später wurde Tochter Josefa geboren und im September 1929 folgte der zweite Sohn Karl. Das jüngste Kind war gerade 5 Monate alt, als Maria im Februar 1930, traumatisiert durch die häuslichen Verhältnisse, in die Heilanstalt Schussenried eingeliefert wurde. Nach einem Treppensturz hatte sie eine Fehlgeburt. Die emotional schwierige familiäre Situation, drei kleine Kinder und die Landwirtschaft, überforderten die junge Frau. Sie wurde psychisch krank. Da sie nicht mehr wie erwartet funktionierte, brachte man sie in sie in die Heilanstalt Schussenried. Dort verbrachte sie zehn Jahre.
Der Eintrag, dass Maria Bochtler in Grafeneck gestorben war, datiert vom 28. Juli 1940. „Verlegt“ wurde sie von Schussenried am 7. Juni 1940 nach „unbekannt“.
Maria Anna Bochtler geb. Steinhauser ist im Gedenk- und Namenbuch Grafeneck eingetragen.
Sie wurde 42 Jahre alt.
Schicksal erforscht von Karin Schöntag und veröffentlicht in ‚Der Winterstetter‘ im Januar 2019.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 77-59.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Schöntag, Karin: Den Opfern einen Namen geben, Euthanasie im Nationalsozialismus, in: Der Winterstetter 38 (2019), Heft Januar, S. 2-4.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 04. Oktober 1874
Geburtsort: Eberhardzell
Beruf: Schneiderin
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch, Kreispflegeanstalt Weinheim
Datum der Deportation: 30. April 1941
Sterbedatum: 30. April 1941
Todesort: Hadamar
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Heinrich Böhm, Buchhalter in Mannheim.
Eltern: Werner Sommer, Schuhmacher in Eberhardzell, und Maria Anna geb. Maucher.
Hedwig Böhm geb. Sommer hatte laut Familienregister zwei jüngere Schwestern. Ihr Vater war Schuhmacher, der Großvater war Schultheiß in Eberhardzell. Als die Mutter 1886 verstarb, waren die drei Töchter der Familie Sommer zwischen neun und zwölf Jahre alt. Der Vater heiratete 1894 ein zweites Mal.
Hedwig Böhm geb. Sommer erlernte den Beruf der Schneiderin.
Am 13. Juni 1908 heiratete Hedwig Sommer in Mannheim den Buchhalter Heinrich Böhm. Das Ehepaar hatte einen Sohn Ludwig, der im Jahr 1909 geboren wurde. Hedwig Böhms Onkel Ludwig Sommer war Trauzeuge des Ehepaars und wurde dann vermutlich auch zum Taufpaten des einzigen Kindes.
Onkel Ludwig Sommer war und blieb familialer Fixpunkt für Hedwig Böhm. Als ihr Mann den ersten Weltkrieg über beim Militär war, wohnte sie mit ihrem Sohn Ludwig bei dem Onkel Ludwig Sommer in der Thoräckerstraße in Mannheim.
Am 20. Februar 1934 kam Hedwig Böhm in die große badische Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch und wurde dort dreieinhalb Jahre behandelt. Von dort wurde sie am 19. Juli 1937 zur Weiterbehandlung in die Kreispflegeanstalt Weinheim entlassen. Am 02. April 1941 wurde sie von Weinheim kommend wieder in Wiesloch aufgenommen. Wiesloch war seit 1940 die Zwischenanstalt in Baden für Patienten auf dem Weg in eine der T4-Gasmordanstalten. Nach 4 Wochen Aufenthalt in der Anstalt Wiesloch wurde sie am 30. April 1941 nach Hadamar deportiert und in der dortigen Gaskammer ermordet.
Hedwig Böhm wurde 66 Jahre alt.
Hedwig Böhms Sohn Dr. Ludwig Böhm erfuhr Anfang April 1941 durch ein Schreiben der Anstalt Weinheim von der „Verbringung“ seiner Mutter nach Wiesloch. Er wandte sich sogleich an die Verwaltung der Heil- und Pflegeanstalt und bat darum, ihm „Veränderungen des Aufenthalts und des Befindens seiner Mutter“ sofort anzuzeigen. Dies geschah auch – aber auf sehr ungewöhnlich Weise: In der Akte finden sich zwei Schreiben mit Bezug zur Deportation der Hedwig Böhm von Wiesloch nach Hadamar. Eine vorgedruckte (!) Postkarte vom 30. April 1941 mit der Angehörige über die über die „Verlegung“ der Patientin … in eine noch unbekannte Anstalt informiert werden. Die aufnehmende Anstalt würde die Angehörigen dann unterrichten.
Die Anstalt Wiesloch war als ‚Zwischenanstalt‘ kurzzeitig Station für Hunderte Patientinnen und Patienten. Der Einsatz eines gedruckten, offiziell erscheinenden Schreibens an die Angehörigen ersparte Schreib- und Verwaltungsaufwand bei der Weiter-“Verlegung“ in die Gasmordanstalt. Das Schreiben benennt aber auch einen Verantwortlichen der Verschleppungen der Patienten: Die Gemeinnützige Kranken-Transport – GmbH, eine Sub-Gesellschaft der in Berlin ansässigen Zentraldienststelle T4, welche die Tötung der selektierten Patientinnen und Patienten organisierte. Diese zentrale Stelle betreibt in der Anstalt Hadamar für die vielen anfallenden Todesfälle ein eigenes „Sonderstandesamt“. Dieses zeigt der Meldebehörde Eberhardzell den Sterbefall Hedwig Böhms auf den 21. Mai 1941 an. Die falsche Todesmeldung diente zur Täuschung der Angehörigen, gleichzeitig wurden mit dem in diesem Fall um drei Wochen hinausgeschobenen Todeszeitpunkt die Kostenträger um das dennoch abgerechnete Versorgungsgeld betrogen.
Hedwig Böhms Sohn, Dr. Ludwig Böhm, bestätigte am 9. Mai 1941 den Erhalt des Vordrucks über die Verlegung seiner Mutter, er bemängelt aber, dass er das mit 30. April datierte Schreiben mit Poststempel vom 7. Mai 1941 erhalten habe. Ludwig Böhm ist offensichtlich nicht über den Verbringungsort seiner Mutter unterrichtet, geschweige denn darüber, dass seine Mutter zu diesem Zeitpunkt schon 9 Tage tot und eingeäschert ist. Die Familie Böhm erhält erst nach dem 21. Mai 1941 Nachricht aus der hessischen Anstalt Hadamar über den Tod der Ehefrau und Mutter Hedwig Böhm.
Im Familienregister Eberhardzell der Eltern von Hedwig Böhm ist das gefälschte Todesdatum mit Todesort Hadamar verzeichnet, der 21. Mai 1941.
Erarbeitet von MR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Generallandesarchiv Karlsruhe, Bestand GLAK 463 Wiesloch-1 Bü 3691 Psychiatrisches Zentrum Nordbaden: Patientienakten [Signaturen sind aktuell in Überarbeitung, Stand 28.08.2025]
- Familienregister Eberhardzell Blatt 121 mit gemeldetem Todesdatum von Hedwig Böhm.
- T1021 German War Crimes: Transportliste Heilanstalt Weinheim vom 2. April 1941, Aufnahme 118 und 119 mit 38 Pfleglingen.
- Rotzoll u. a. (Hg.): Die nationalsozialistische „Euthanasie“-Aktion T4 und ihre Opfer. Paderborn 2010.
- Aly, Götz: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 – 1945.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 08. Dezember 1873
Geburtsort: Neufra (Riedlingen)
Beruf: Ankuppler, Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 25. November 1939
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Georg Braun, Schlosser in Neufra bei Riedlingen, und Franziska geb. Hundersinger.
Johann Georg Braun war das älteste von neun Kindern. Als Johann Georg Braun vier 1/2 Jahre alt war, verstarb seine Mutter, der Vater heiratete ein Jahr später erneut. Die Stiefmutter starb 1884, der Vater 1907.
Für Johann Georg Braun gibt es keine Nachträge mit Sterbedatum im katholischen Tauf- und Familienregister Neufra, auch nicht im standesamtlichen Register. Ein standesamtliches Geburtsregister existiert nicht, da er vor 1876 geboren wurde. Ein gemeldetes, gefälschtes Sterbedatum für Johann Georg Braun ist aktuell nicht bekannt.
Laut Patientenakte der Heilanstalt Schussenried war Johann Georg Braun bei der ersten Aufnahme am 28. November 1899 in Ulm wohnhaft und kam aus dem Hospital Ulm nach Schussenried. Sein Beruf wurde als Eisenbahnarbeiter, Ankuppler angegeben. Am 03. Juni 1900 wurde er wieder entlassen.
Der 2. Aufenthalt war vom 28. Mai 1902 bis 01. Juli 1902. Dort wurde er als beurlaubt entlassen.
Beim 3. Aufenthalt in Schussenried, ab 6. März 1903 wurde der Vater zum Unterhaltskostenzuschuss zu den Anstaltskosten verpflichtet.
Am 05. August 1903 hatte der Vater des Patienten diesen auf eigene Verantwortung, entgegen der Empfehlung des Arztes, aus der Heilanstalt Schussenried nach Hause geholt.
Die nächsten Einträge in der Württembergischen Patientenkartei stammen aus dem Jahr 1928, er war mit dem Gesetz in Konflikt gekommen, wurde zur Beobachtung für mehrere Wochen in der Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen. Sein Beruf war jetzt Dienstknecht. Von dort versetzt „in die Untersuchungshaft zurück“.
Drei Tage später, am 31. August 1928 wurde er wieder in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen. Nach elf Jahren in Zwiefalten wurde er am 25. November 1939 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt, vermutlich schon veranlasst im Rahmen der nationalsozialistischen Planungen wegen des Krieges und zur Vorbereitung der NS-„Euthanasie“-Aktivitäten. Im Oktober 1939 hatte die Heilanstalt Zwiefalten die Patientenakte aus Schussenried zur Einsichtnahme angefordert, diese wurde im Januar 1940 zurückgegeben.
Am 2. Oktober 1940 wurde Johann Georg Braun mit einem Transport von der Liebenau nach „unbekannt verlegt“. Johann Georg Braun wurde an diesem Tag nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 67 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 93 Nr. 44.
- Staatsarchiv Sigmaringen, STAS Wü 68/1 T 1 Nr. 211 Psychiatrisches Landeskrankenhaus Schussenried, Patientenakte von Johann Georg Braun.
- Katholisches Familienregister Neufra Fol. 41b.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. Juli 1880
Geburtsort: Uttenweiler
Beruf: Taglöhner
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 7. Mai 1945
Todesort: Zwiefalten
Mordprogramm: –
Geboren am: 19. Oktober 1888
Geburtsort: Stafflangen
Beruf: ohne
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Breimayer (Bräumaier, Breimaier), Taglöhner in Stafflangen, und Victoria geb. Ruß.
Der Taglöhner Josef Breimayer lebte mit seiner Familie in Stafflangen im Gebäude 72, Hausname „Nähre Breimaier“. Er hatte das Anwesen im Jahr 1886 gekauft.
Theresia Breimayer war das dritte von elf Kindern der Familie. Sechs der Kinder verstarben jung. Die elf Jahre jüngere Schwester Johanna Breimayer heiratete 1923 und übernahm das Elternhaus zusammen mit ihrem Ehemann. Die Mutter von Theresia Breimayer starb 1927. Der Vater starb am 22. Juli 1940, wenige Wochen nach seiner Tochter.
Theresia Breimayer wurde am 05. Dezember 1933 in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Über ihr Leben vor und nach der Aufnahme in die Heilanstalt wissen wir leider nichts.
Am 7. Juni 1940 wurde Theresia Breimayer nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie wurde 51 Jahre alt.
Im Geburtsregister der Gemeinde Stafflangen steht als Randvermerk das gefälschte Sterbedatum 26. Juni 1940 mit Todesort Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 96-60.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Standesamt Stafflangen: Geburtsregister Stafflangen 1888 Nr. 25.
- Fascikel Stafflangen, Fundstelle: Gebäude 72 „Nähre Breimaier“. Abgerufen am 23.08.2026: https://fascikel.wordpress.com/gebaude-72-nahere-breimaier/.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 15. August 1895
Geburtsort: Bellamont
Beruf: Melkersehefrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehegatte: Josef Brunner, Melker in Ringschnait.
Eltern: Josef Wiest, Bauer in Bellamont, und Rosa geb. Müller.
Der Vater von Aloysia Wiest starb 1909. Die Mutter heiratete erneut im Jahr 1911 einen Witwer in Ringschnait und zog mit den Kindern nach Ringschnait. Weitere Informationen zur Familie liegen nicht vor.
Am 16. Juli 1923 heiratete Aloysia Wiest den Melker Joseph Brunner aus Ringschnait. Im Familienregister von Aloysia Brunner und ihrem Ehemann Josef Brunner ist ein uneheliches Kind Maria Theresia aufgeführt, welches 1916 in Tübingen geboren und getauft wurde. In der Akte zur Aufnahme in der Heilanstalt Schussenried ist dieses Kind das einzige Kind von Aloysia Brunner.
Aloysia Brunner wurde im Alter von 40 Jahren am 18. Februar 1935 in Schussenried aufgenommen. Sie war kurz zuvor erkrankt.
Am 7. Juni 1940 wurde Aloysia Brunner in einem Transport mit 60 Frauen von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie wurde 44 Jahre alt.
Im Familienregister des Ehepaares Brunner wurde das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum nachgetragen, es war der 26. Juni 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 105 Nr. 62.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Katholisches Familienregister Ringschnait, Fol. 194, mit gefälschtem Todesdatum und Todesort Grafeneck
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 30. Dezember 1920
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: –
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 Zwischenanstalt Zwiefalten
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Theresia Bucher, geb. Fetscher, verheiratet seit 1923 mit Johannes Bucher, Schreiner in Dürmentingen, und Stiefvater von Karoline.
Karoline Bucher wurde am 30. Dezember 1920 in Dürmentingen geboren (Der Taufname war Karolina). Die Mutter war ledig, Dienstmagd und lebte in der Wohnung der Witwe Albertine Kiebler. Sie heiratete 1923 den Schreiner Johann Bucher, der zustimmte, dass das Kind den Familiennamen des Stiefvaters führen konnte.
Karoline Bucher wurde mit acht Jahren am 30. Juli 1928 von der Kinderklinik Tübingen in das Kinderasyl Ingerkingen überwiesen. Mit 19 Jahren wurde sie am 21. Februar 1940 in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt. Nach einem halben Jahr wurde sie am 14. September 1940 zusammen mit 76 anderen Mädchen und Frauen in die Zwischenanstalt Zwiefalten überstellt und von dort aus am 4. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert, wo sie am gleichen Tag ermordet wurde.
Im Dürmentinger Geburtsregister ist nach Mitteilung des Standesamtes Sonnenstein der 19. Oktober 1940 als Todestag angegeben. Das „Standesamt“ in der Tötungsanstalt Sonnenstein war eingerichtet worden, um gefälschte Todesanzeigen an die Angehörigen zu versenden und den wahren Sterbeort zu verschleiern.
Karoline Bucher hat ihren 20. Geburtstag nicht erlebt.
Erarbeitet von MR, BR
Quellen/Literaturangaben
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- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen. Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Verlegungsliste „14.09.1940 von Pflegeanstalt Heggbach übernommen“, NS-Akten 1938-1942, Transporte and. Anstalten. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Geburtsregister Dürmentingen 1920, Nr. 34.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 316, Bucher Karoline. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
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Abbildungen und Bildunterschriften
D
Geboren am: 01. Juli 1890
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: –
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Salomon Dannhauser, Kaufmann in Buchau, und Sara, geb. Erlanger.
Marie Dannhauser stammte aus einer jüdischen Familie in Buchau und hatte noch zwei Schwestern. Eine Schwester verstarb im Kindesalter, die andere Schwester wanderte 1939 in die USA aus.
Am 5. März 1907 wurde Marie Dannhauser in der Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen. Sie war 27 Jahre alt, ledig und ohne Beruf. Nach 33 Jahren Aufenthalt in der Anstalt wurde sie zusammen mit 59 weiteren Patientinnen am 7. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Marie Dannhauser wurde 50 Jahre alt.
Im Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945“, das im Bundesarchiv liegt, ist Marie/Maria Dannhauser aufgeführt. Dort ist der Deportationsort mit „unbekannt“ angegeben.
Auf dem jüdischen Friedhof in Bad Buchau gibt es einen Grabstein, auf dem der Name von Marie Dannhauser steht. Es ist das Grab ihrer Mutter, die bereits 1910 verstorben war.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
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- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen. Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 129 Nr. 49.
- Winnentaler Patientenkartei, Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 129-41.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945. Bundesarchiv, Onlineausgabe unter www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/.
- Grabstätte von Marie Dannhauser auf dem jüdischen Friedhof in Bad Buchau (Foto: Charlotte Mayenberger). Siehe auch http://www.judeninbuchau.de.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970.
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Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. Januar 1882
Geburtsort: Biberach an der Riß
Beruf: Taglöhner
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Dollinger, Schuhmacher in Biberach, und Veronica Dollinger, geb. Aßfalg.
Die Familie lebte in der Saudengasse in Biberach. Josef Anton Dollinger war das jüngste von sieben Kindern. Unter den Geschwistern gab es Drillinge, die 1873 nach der Geburt verstorben waren, was zu großer Anteilnahme und einer darauf hin folgenden Danksagung der Eltern im „Anzeiger vom Oberland“ geführt hatte.
1888, als Josef Dollinger sechs Jahre alt war, starb der Vater und 1892 die Mutter, Josef Dollinger war zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre alt, und von den Geschwistern lebte nur noch die 15-jährige Schwester Amalie Pauline (1877-1903). Es ist nicht bekannt, wie der Junge, ab dem 10. Lebensjahr Vollwaise, weiter aufwuchs.
Am 21. Januar 1925 wurde Josef Anton Dollinger von der Polizei in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen, da er mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Als Beruf wurde bei der Aufnahme Taglöhner angegeben und der Familienstand mit ledig. In der Heilanstalt Schussenried lebte er bis zum 14. Juni 1940. An diesem Tag wurde er zusammen mit 55 Männern von Schussenried nach Grafeneck deportiert und in der Gaskammer ermordet. Sein Tod in Grafeneck wurde im Familienregister der Eltern mit dem gefälschten Datum 06. Juli 1940 nachgetragen.
Josef Dollinger wurde 58 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 148-59.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Stadtarchiv Biberach, Familienregister Band 4, Seite 589 und 590.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. Mai 1894
Geburtsort: Biberach
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 29. Oktober 1940
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Julius Dollinger, Viehhändler in Biberach.
Eltern: Karl August Baumgärtner, Metzger in Biberach, und Maria geb. Preiß.
Pauline Dollinger, geb. Baumgärtner (auch Paula genannt, Taufname Pauline Regina) wuchs in Biberach mit fünf Geschwistern auf. Ein Bruder ist 1914 gefallen, eine Schwester verstarb 1917. Die Familie wohnte in der Ulmerstraße 22, der Vater hatte dort auch seine Firma.
Am 07. Mai 1920 heirateten Pauline Baumgärtner und Julius Dollinger. Ihr Mann war Viehhändler wie sein Vater.
Im Januar 1921 wurde ein Sohn Julius geboren, der mit 3 Monaten im April 1921 verstarb. Im Januar 1922 wurde eine Tochter geboren, im Dezember 1923 ein weiterer Sohn. Diese zwei lebenden Kinder sind auch im Aufnahmebuch der Heilanstalt Schussenried im Jahr 1932 genannt.
Am 8. September 1932 wurde Pauline Dollinger auf Ansuchen der Angehörigen in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen, zwei Monate zuvor war sie erkrankt.
Am 29. Oktober 1940 wurde Pauline Dollinger in einem Transport mit 27 Frauen nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie wurde 46 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 12. November 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein bei Pirna.
Die Urne von Pauline Dollinger wurde auf dem katholischen Friedhof in Biberach bestattet. Als Ansprechpartner in der Karteikarte der Kriegsgräberlisten ist eine Bertha Dollinger, wohnhaft in der Ehingertorstraße 18, genannt. Das war die zweite Ehefrau von Julius Dollinger, der im Jahr 1943 erneut geheiratet hatte. Die Karteikarten wurden 1954 erstellt, zu diesem Zeitpunkt war Julius Dollinger schon verstorben.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 148 Nr. 64.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 29. Oktober 1940 verlegt“ wurden (27).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 8.
- Traueranzeige für das Kind Julius Dollinger. (Anzeiger vom Oberland: Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach vom 02. April 1921, S. 4).
Abbildungen und Bildunterschriften
E
Geboren am: 19. Juni 1903
Geburtsort: Bad Schussenried
Beruf: Bankbeamter
Einrichtung: Bürgerhospital Stuttgart, Privatheilanstalt Christophsbad Göppingen, Heilanstalt Winnental
Datum der Deportation: 11. Juni 1940
Sterbedatum: 11. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Else, geb. Schweizer, Wohnort Stuttgart-Cannstatt.
Eltern: Johann Georg Ebe aus Schussenried, Gußarbeiter bei den Schwäbischen Hüttenwerken, und Mathilde geb. Stengele.
Georg Ebe war Bankbeamter und seit 1927 verheiratet mit Else, geborene Schweizer. Das Ehepaar wohnte in Stuttgart-Cannstatt und hatte zwei Kinder.
Georg Ebe war vom 8. April bis zum 12. April 1930 und vom 31. Mai bis zum 8. Juli 1934 im Bürgerhospital Stuttgart, danach vom 2. August 1934 bis zum 9. Januar 1935 in der Privatheilanstalt Christophsbad in Göppingen. Ab dem 21. August 1936 war er für fast vier Jahre in der Heilanstalt Winnental, er wurde dort regelmäßig von Angehörigen besucht. Am 11. Juni 1940 wurde Georg Ebe nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Georg Ebe wurde 38 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum, der 04. Juli 1940 wurde im Familienregister der Eltern in Bad Schussenried nachgetragen.
Wie sehr die Familie auch nach seinem Tod zu leiden hatte, zeigte eine Anfrage des Rassenpolitischen Amtes in Stuttgart vom Oktober 1941, die wegen einer Kinderbeihilfe nachfragte, ob die Erkrankung von Georg Ebe eine „Erbkrankheit“ gewesen sei.
In Stuttgart-Cannstatt wurde in der Kissinger Straße 48 für Georg Ebe am 1. April 2019 ein Stolperstein verlegt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 156-6, darin auch Brief vom Rassenpolitischen Amt aus dem Jahr 1941.
- Stolpersteine Cannstatt: https://www.stolpersteine-cannstatt.de/biografien/georg-ebe-verlegt-nach-grafeneck
- Daniel Hildwein und Thomas Stöckle: Das Christophsbad Göppingen, Eugenik und NS-„Euthanasie“ 1933 bis 1945. Göppingen 2023.
- Standesamt Bad Schussenried, Geburtsregister 1909 Nr. 48. (Mit Nachtrag: Verstorben am 4.7.1940 Grafeneck/Württ.)
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. August 1880
Geburtsort: Grüningen
Beruf: Müllergeselle, Fabrikarbeiter
Einrichtung: Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau, Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg-Görden
Datum der Deportation: –
Sterbedatum: 05. April 1940
Todesort: Heil- und Pflegeanstalt Brandenburg-Görden
Mordprogramm: Dezentrale „Euthanasie“
Biografie
Ehefrau: Elise Pauline Ida Beyer, eine Tochter mit Namen Melanie.
Eltern: Fridolin Ebe, Bauer in Grüningen, und Rosalia Schmid.
Richard Ebe war das vierte von acht Kindern seiner Eltern. Eine ältere Schwester verstarb 1884 im Alter von fünf Jahren.
Nach der Schule hatte Richard Ebe als Müllergeselle gearbeitet. Bei einem Unfall mit einer Häckselmaschine verlor er am rechten Zeigefinger 2 Glieder, deshalb musste er nicht zum Militärdienst. Am 16. September 1908 Heirat in Einicht, Kreis Saalfeld-Rudolstadt in Thüringen. Seine Frau stammte von dort, bei ihm wird als Wohnsitz Düsseldorf angegeben. Im Jahr 1909 bekam das Ehepaar eine Tochter, Melanie. Es gab noch eine Fehlgeburt, weitere Kinder hatte das Paar nicht.
Nach Kriegsbeginn wurde Richard Ebe zum Wehrdienst eingezogen, am 10. Januar 1919 wurde er aus der Truppe entlassen. Er hat dann wieder gearbeitet bei der Landes-Producten-Trocknerei in Duisburg, zuletzt beim Cement-Werk Vulkan bis 7. März 1920.
In der Patientenakte der Provinzial-Heil- und Pflegeanstalt Bedburg-Hau ist bei der 1. Aufnahme am 08. März 1920 die Vorgeschichte aufgeführt, dort wird auch eine negative Wirkung des Krieges auf den Kranken genannt. So hatte er im Krieg wohl eine Gehirnerschütterung.
Bei der 2. Aufnahme in Bedburg-Hau am 11. März 1921 berichtet er von einer Erkrankung mit Kopfschmerzen und Fieber am 8.6.1919, der Arzt hat am Rand in der Akte eine Notiz „Grippe!“ angefügt. Vor der erneuten Einweisung in die Anstalt war er drei Monate bei seiner Mutter in Grüningen (bei Riedlingen) und half in der Landwirtschaft. Seine Frau wollte ihn gleich wieder in die Anstalt schaffen nach seiner Entlassung, deshalb war er fortgegangen.
Im März 1923 wird ein Ehescheidungsgutachten erstellt.
In der Akte befinden sich mehrere handschriftliche Briefe und Postkarten, welche offensichtlich nicht weggeschickt worden waren (an die Mutter, die Tochter Melanie, die Geschwister, an Hindenburg mit der Bitte um etwas Rente). Ob Patienten angehalten wurden, eine Kopie für die Akte zu erstellen, ist nicht bekannt.
Aus dem Jahr 1933 befindet sich eine Postkarte in der Akte, zu dieser Zeit wohnte die Tochter Melanie Ebe in der Talstr. 5 in Jena.
Am 2. März 1934 wurde Richard Ebe von Bedburg-Hau in die Heil- und Pflegeanstalt Ebernach an der Mosel verlegt, zusammen mit 9 anderen Pfleglingen.
Er hatte nach Riedlingen an einen Herr Schmied eine Karte geschrieben mit der Bitte um Tabak, die Mutter würde die Rechnung bezahlen. Er möchte auch eine stärkere Brille haben.
Während der Zeit in der Heil- und Pflegeanstalt Ebernach bemühte sich Richard Ebe um Erlangung des Frontkämpfer-Ehrenkreuzes. Dieses wurde ihm am 05. Juli 1936 auch übersendet. Er soll sich sichtlich darüber gefreut haben.
Am 10. August 1936 wurde Richard Ebe auf Weisung des Provinzialverbandes wieder nach Bedburg-Hau überführt. Er war krank, hatte einen schwankenden Gesundheitszustand.
Zurück in Bedburg-Hau war er häufig krank, versuchte auch auszubrechen („hatte sich einen Dietrich aus einem abgebrochenen Löffel angefertigt“). Die Einträge in der Akte werden weniger.
Am 09. März 1940 wurde Richard Ebe in einem Sammeltransport in die Landesanstalt Görden verlegt. In Brandenburg-Görden gibt es genau zwei Einträge: der Tag der Überführung am 09. März 1940 und am 05. April 1940 die Information, er sei seit 8 Tagen krank und er verstirbt um 18:30 am 05. April 1940.
Danach befinden sich in der Akte ausführliche Unterlagen mit Sektionsbericht und Fotos vom Gehirn.
Es kann nicht sicher gesagt werden, ob Richard Ebe ermordet wurde, aber sicherlich ist er schon vor der Räumung von Bedburg-Hau vernachlässigt worden. Und nach knapp vier Wochen in Görden ist er tot, und sein Gehirn ist interessant für eine Sektion. Warum er nicht direkt in eine Tötungsanstalt deportiert wurde? Weil er Kriegsteilnehmer war? Oder weil sein Krankheitsbild von Interesse für eine Sektion war?
Richard Ebe wurde auf dem Anstaltsfriedhof Görden am 09. April 1940 in einem Anstaltssarg bestattet. Die Grabnummer war 1474.
Richard Ebe wurde 59 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv Signatur: BLHA 55C LA Brandenburg-Görden 1741: Ebe Richard Patientenakte mit Fotos und Sektionsbericht.
- Brandenburgisches Landeshauptarchiv Signatur: BLHA 55C LA Brandenburg-Görden V 32, 1. Sterberegister 1914-1940. Lfd. Nummer 2226 Ebe Richard, Seite 216.
- Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften – Brain Research Project (2017-2025). Fundstelle: Richard Ebe: This profile represents the results of the Brain Research Project (2017-2025) – research group Wien / Berlin, Online: https://ns-medical-victims.org/victims/46881.
- Stadtarchiv Saalfeld (Thüringen), Standesamt Eichicht, Eheregister 1908 Nr. 3. (Online bei Ancestry.de).
- Stadtarchiv Riedlingen, Familienregister Standesamt Grüningen Band 1, Blatt 334-335: Fridolin Ebe, Kind Nr. 4 Richard Ebe.
- Stadtarchiv Duisburg, verschiedene Adressbücher Online.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. März 1892
Geburtsort: Dentingen (Offingen)
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Eberhard, Schuster in Dentingen, und Kreszenz geb. Widmann.
Der Vater von Barbara Eberhard war drei Mal verheiratet. Barbara Eberhard war das fünfte von sechs Kindern aus der ersten Ehe des Vaters. Die Mutter starb, als Barbara Eberhard knapp zwei Jahre alt war. Zwei der Geschwister starben als Kleinkinder. Die zweite Ehefrau des Vaters verstarb plötzlich vier Tage nach der Hochzeit. Mit der dritten Ehefrau hatte der Vater dann nochmals sechs Kinder.
Barbara Eberhard wurde in ihrem 21. Lebensjahr am 31. Juli 1912 in die Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen. Am 13. August 1940 wurde sie zuerst in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt und von dort am 30. August 1940 nach Grafeneck deportiert, wo sie noch am gleichen Tag ermordet wurde. Sie wurde 48 Jahre alt.
Im Geburtsregister von Offingen wurde ihr Tod mit dem Randvermerk „Gestorben am 12.9.1940 in Grafeneck“ nachgetragen.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Verlegungsliste 13.08.1940 von der Pflegeanstalt Liebenau, weiterverlegt 30.08.1940. (Archiv ZfP Zwiefalten, NS-Akten 1940, Transporte nach Grafeneck).
- Standesamt Uttenweiler: Geburtsregister Offingen 1892 Nr. 6, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Oktober 1895
Geburtsort: Ertingen
Beruf: Tapeziermeister, Maler und Tapezier
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 5. August 1940
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
1. Ehefrau: Elsa geb. Schröter aus Göppingen, verstorben 1922.
2. Ehefrau: Klara geb. Seibold aus Mühlhausen im Täle. Die Ehe wurde am 30. Juni 1931 geschieden
Eltern: Lorenz Eberhard, Schuster und später Wirt zum Adler in Ertingen, und Anna geb. Jedelhauser.
Johann oder Hans Eberhard war das sechste von elf Kindern seiner Eltern. Der Vater war Schuhmacher, hatte später bis zu seinem Tod im Jahr 1908 den Gasthof „zum Adler“ in Ertingen innegehabt. Beim Tod des Vaters war Hans Eberhard knapp acht Jahre alt. Die lebenden vier Geschwister waren zwischen 5 und 18 Jahren alt.
Hans Eberhard hatte das Sattler- und Tapezierhandwerk erlernt, später wird er als Tapeziermeister bezeichnet. Seit wann er in Göppingen war, ist nicht bekannt. Am 31. August 1918 hatte er in Göppingen Elsa Schröter geheiratet. Seine Frau war evangelisch, stammte aus Göppingen und das Paar hatte schon einen im August 1915 geborenen Sohn, der legitimiert wurde. Die Heirat wurde als Kriegsheirat im katholischen Eheregister eingetragen. Seine 1. Ehefrau verstarb am 22. Februar 1922 im Krankenhaus in Göppingen. Der Wohnort war 1922 in der Hohenstauferstraße 34 in Göppingen, der Beruf von Hans Eberhard war Magazinarbeiter.
Am 18. November 1922 verheiratete sich Hans Eberhard wieder mit Klara geb. Seibold aus Mühlhausen im Täle. Das Paar bekam 1924 einen Sohn, 1929 eine Tochter. Diese Ehe wurde am 30. Juni 1931 vor der 1. Zivilkammer des Landgerichts Ulm geschieden.
Wann Hans Eberhard erkrankte ist nicht bekannt. Eine Patientenakte liegt nicht vor, in der württembergischen Patientenkartei sind alle Informationen auf ein Minimum beschränkt.
Hans Eberhard war vom 18. Dezember 1937 bis zu seiner Deportation am 05. August 1940 in der Heilanstalt Zwiefalten. Am Tag der Deportation wurde er in Grafeneck ermordet. Er wurde 44 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 27. August 1940, der gemeldete Todesort Sonnenstein in Sachsen.
Die Urne von Hans Eberhard wurde in Konstanz bestattet. Auf dem Hauptfriedhof Konstanz wurde eine Gedenkstätte für „Euthanasie“-Opfer errichtet, dort gibt es einen Gedenkstein für Hans Eberhard.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 156 Nr. 67.
- Hauptfriedhof Konstanz, Feld 14a – Gedenkstätte für Urnen von NS-„Euthanasie“-Opfern, welche 1983 im Keller des Krematoriums Konstanz aufgefunden wurden.
- Hauptfriedhof Konstanz, Grabfeld 14a, Nr. 33: Eberhard Johannes mit gefälschtem Todesdatum 27.08.1940 und Todesort Sonnenstein. Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg LABW, StAL EL 20/1 VI Bü 1500.
- Standesamt Ertingen, Geburtsregister 1895 Nr. 52 mit Nachtrag des gefälschten/gemeldeten Todesdatums und Todesort Sonnenstein.
- Stadtarchiv Göppingen: Familienregister Göppingen Blatt 234 (Band nicht bekannt).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 13. April 1940
Geburtsort: Mittelbiberach
Beruf: Kind
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren
Datum der Deportation: –
Sterbedatum: 30. September 1944
Todesort: Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren
Mordprogramm: „Kinder-Euthanasie“
Biografie
Eltern: Konrad Eberle, Landwirt in Mittelbiberach, und Theresia geb. Ziegler.
Klara Eberle wurde während des 2. Weltkriegs, am 13. April 1940 in Mittelbiberach geboren. Die Eltern heirateten 1932 in Mittelbiberach-Oberdorf, sie hatte sieben Geschwister. Da sie ein Kind mit Einschränkungen war, musste das gemeldet werden. Die Meldepflicht für Neugeborene war im August 1939 in Kraft getreten: Erlass des Reichsministers des Innern betreffend Meldepflicht missgestalteter Kinder, IV b 3088/39, ein streng vertraulicher Erlass.
In den Unterlagen im Staatsarchiv und der Leopoldina steht fälschlicherweise der 14. April 1940 als Geburtsdatum.
Das Kind Klara Eberle wurde am 10. Juli 1944 mit vier Jahren in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee aufgenommen. Zweieinhalb Monate später verstarb sie, das Todesdatum war der 30. September 1944. Sie wurde vier Jahre alt.
Ob das Kind vorher in einer anderen Einrichtung war, ist nicht bekannt.
Der Opferstatus laut Leopoldina (Datenbank und alle Inhalte sind in englischer Sprache):
Evaluation of Victim Status:
Evaluation Status: Confirmed Victim
Status Due To: Research team evaluation
Status Notes: Killing in the context of child „euthanasia“
Das Kind Klara Eberle wurde ein Opfer der „Kinder-Euthanasie“, nach seinem Tod wurde an dem Kind eine Sektion vorgenommen, mit nachfolgender Einlagerung von Gewebeproben zu Forschungszwecken im „Kaiser-Wilhelm-Institut für Psychologie“.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften – Brain Research Project (2017-2025). Fundstelle: Klara Eberle: This profile represents the results of the Brain Research Project (2017-2025) – research group Wien / Berlin, Online: https://ns-medical-victims.org/victims/47721.
- Staatsarchiv Sigmaringen, StAS Wü 29/3 T 1 Nr. 1757/01/01, Ermittlungen, Allgemeines und Erlasse, Liste der Anstalten, Listen von Kinder die in Heilanstalten verstorben sind. Hier mit einer Namensliste von Kindern, Klara Eberle wird genannt.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. März 1913
Geburtsort: Mittelbiberach
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Franz Xaver Egger, Bauer und Metzger in Mittelbiberach, und Bertha, geb. Geiger.
Josef Egger war das siebte von acht Kindern seiner Eltern. Drei der Kinder verstarben jung. Die Mutter starb am 14. Mai 1914 an den Folgen einer Geburt, Josef Egger war gerade ein Jahr alt. Der Vater starb am 24. April 1923. Josef war zu diesem Zeitpunkt zehn Jahre alt.
Am 01. Dezember 1924 wurde Josef Egger mit elf Jahren im Kinderasyl Ingerkingen aufgenommen. Seine Geschwister waren zu diesem Zeitpunkt 20/17/15 und 13 Jahre alt. Von Ingerkingen wurde er am 11. September 1932 in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt, für das Kinderasyl war er jetzt zu alt. Er hatte in Heggbach laut Akten keinen Besuch erhalten. Die älteste Schwester war in Oberessendorf verheiratet, die drei anderen Geschwister lebten im Jahr 1930 in Mittelbiberach in Haus Nr. 62 (Xaver Eggers Erben). Das Haus Nr. 62 war das Geburtshaus von Josef Egger, dort hatte er seine Kindheit bis zur Aufnahme in Ingerkingen verbracht.
In der Akte in Heggbach gibt es einen Musterungsbescheid für Josef Egger aus dem Jahr 1936, er wurde als untauglich ausgemustert.
Am 11. September 1940 wurde Josef Egger mit dem ersten Transport von Heggbach nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 37 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum war der 24. September 1940, es wurde im Familienregister der Eltern nachgetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Standesamt Mittelbiberach, Geburtsregister 1913 Nr. 6 und Familienregister Band II Seite 77.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Aufnahmebuch und Karteikarten aus dem ehemaligen Kinderasyl Ingerkingen. Staatsarchiv Sigmaringen, Wü 42 T 94 Nr. 444. Hier Aufnahembuch Ingerkingen Nr. 269.
- Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Einwohnerbuch der württembergischen Oberamtsstadt Biberach an der Riß mit Einschluß der Bezirksgemeinden, 1930.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. Mai 1897
Geburtsort: Ingerkingen
Beruf: keiner
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Joseph Egle, Maurer in Ingerkingen, und Magdalena geb. Aberle.
Anton Egle war das vierzehnte von sechzehn Kindern seiner Eltern. Zehn der Kinder sind jung verstorben. Der Vater verstarb 1929, die Mutter 1931.
Er wurde am 30. April 1932 in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen. Anton Egle bekam selten Besuch, als Angehöriger ist ein Joseph Egle, vermutlich sein Bruder, verzeichnet. Am 11. September 1940 wurde Anton Egle mit dem ersten Transport von Heggbach nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 43 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum 30. September 1940, mit dem gefälschten Ort Brandenburg an der Havel ist im Familienregister der Eltern auf der linken Seite nachgetragen: „ad 14 Anton geb. 29.5.1897, gemordet 30.9.1940 in Brandenburg/Havel vom III. Reich“.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Katholisches Familienregister Ingerkingen Fol. 68 mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums und -Ortes
- Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 21. Mai 1890
Geburtsort: Irslingen
Beruf: Schreiner (Tischler)
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 29. Oktober 1940
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Karl Egle, Lehrer, und Creszentia, geb. Hecht.
Karl Egle (Taufname Karl Borromäus) wurde in Irslingen O/A Rottweil geboren. Seine Eltern hatten 1882 in Ingerkingen geheiratet und zogen dann weg, in Ingerkingen wurde kein Familienregister angelegt. Die Familie lebte bis 1890 in Irslingen und verzog am 24. Nov. 1890 nach Laimnau O/A Tettnang. Der Vater hatte die dortige Lehrerstelle übernommen.
Laut katholischem Familienregister Irslingen hatte die Familie 10 Kinder, Karl war das siebte und letzte in Irslingen geborene Kind.
Der jüngste Bruder Alois (Aloysius) wurde 1894 in Ingerkingen geboren. Die Familie wohnte zu diesem Zeitpunkt noch in Tettnang.
Dieser Alois Egle (Bruder von Karl) wurde 1923 zum Priester geweiht und verstarb 1966 in Laupheim.
Karl Egle ist auf Musterungslisten des Stadtarchivs Bremen aufgeführt mit der Berufsangabe Tischler = Schreiner. Die Listen wurden 1911 erstellt. Vermutlich war er zu dieser Zeit auf der Walz, um sein handwerkliches Können an unterschiedlichen Stellen zu erweitern. Zuvor war er laut der Musterungsliste in Paderborn und danach in Mannheim beim Ersatzkommando gemeldet.
Bei der ersten Einweisung in die Heilanstalt Winnental am 2. November 1916 steht oben auf der Karteikarte „Soldat“. Karl Egle wurde auf Ansuchen der Militärbehörde in die Heilanstalt aufgenommen. Am 01. Februar 1917 wurde er von Winnental in die Heilanstalt Schussenried verlegt (die Familie lebte 1916 in Ingerkingen). Dort wurde er am 17. März 1917 als gebessert entlassen.
Ein paar Monate später, am 10. Juli 1917 erfolgte eine erneute Aufnahme, nun in die Heilanstalt Weissenau. Ein Mann vom Landwehr-Infanterie-Regiment 119 hatte ihn dort abgeliefert. Aus der Patientenakte der Heilanstalt Weissenau ergeben sich einige biografische Daten:
- Karl Egle war ein guter Schüler und hatte Schreiner gelernt
- am 07. August 1914 ist er als Soldat eingerückt
- er war im Feld Artilleriefeuer ausgesetzt
- ab Januar 1916 gab es Auffälligkeiten beim Patienten
- ab 01. August 1917 wurde Karl Egle eine monatliche Rente von 45 Mark bewilligt, aufgrund von „Kriegsdienstbeschädigung“
Von Anfang 1916 bis zum März 1917 war Karl Egle mit Unterbrechungen in verschiedenen Einrichtungen: Lazarett Rufach, Bürgerhospital Stuttgart, Universitätsnervenklinik Tübingen, Heilanstalt Winnental und Heilanstalt Schussenried. Danach war er zuhause in Ingerkingen. Seine Mutter hatte im Juli 1917 eine Wiedereinweisung beantragt, da sich der Zustand ihres Sohnes Karl Egle wieder verschlimmert hatte.
Der Patientenakte liegt auch ein Auszug aus seiner Kriegsstammrolle bei. Am 02. April 1915 war er Teilnehmer einer Schlacht bei Sennheim. Vom 13. Januar 1915 bis zum 29. Januar 1916 war er im Stellungskampf im Oberelsass eingesetzt.
Am 07. Oktober 1917 wurde Karl Egle von der Weissenau in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Für den Rest seines Lebens war er bis zum 29. Oktober 1940 in der Heilanstalt Schussenried. An diesem Tag wurde er nach Grafeneck deportiert und noch am gleichen Tag dort ermordet.
Er wurde 50 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist aktuell nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 165 Nr. 11.
- Staatsarchiv Sigmaringen, STAS Wü 68/2 T 3 Nr. 1121 Psychiatrisches Landeskrankenhaus Weissenau, Patientenakte von Karl Egle.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 6), die „am 29. Oktober 1940 verlegt“ wurden (13).
- Ersatzkommission, 1874-1914. Staatsarchiv Bremen, Bremen, Deutschland. Musterungslisten von Karl Borromäus Egle. Online bei Ancestry.de.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. März 1901
Geburtsort: Hochdorf (Schönebürg)
Beruf: Eisenbahnarbeitersehefrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Jakob Egle, Eisenbahnarbeiter in Ulm.
Eltern: Stefan Freudenreich, Söldner aus Hochdorf, und Magdalena geb. Schmid aus Schönebürg.
Biografie bei den Stolpersteinen Ulm:
https://www.stolpersteine-fuer-ulm.de/biografien/margarethe-egle
„Margarethe Egle wurde 1901 in Schönebürg, südlich von Laupheim, als erstes Kind des Landwirts Stefan Freudenreich und seiner Frau Maria Magdalena geboren. Sie hatte 8 Geschwister. 1925 heiratete sie den Eisenbahnarbeiter Jakob Egle und zog mit ihm nach Ulm in die Vestgasse 4, wo sie 1926 die gemeinsame Tochter Klara zur Welt brachte. Sie war eine zierliche Frau mit blauen Augen und blondem Haar. Das Eheglück der jungen Familie war nur von kurzer Dauer, denn Margarethe litt in der Zeit nach der Geburt ihrer Tochter an einer schweren psychischen Erkrankung. Am 7. Oktober wurde sie in die psychiatrische Heilanstalt Schussenried eingewiesen, wo sich ihr Zustand zusehend verschlechterte. Jakob Egle zog nach Ersingen und ließ sich 1931 von Margarethe scheiden. Im folgenden Jahr heiratete er seine zweite Ehefrau. Die Tochter Klara lebte bei den Großeltern, bis er sie 1933 zu sich holte. Margarethe verbrachte in der psychiatrischen Heilanstalt Schussenried insgesamt 14 Jahre, bis sie am 7. Juni 1940 mit einem der grauen Transportbusse in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht und noch am selben Tag ermordet wurde.“
Ergänzend zur Biografie bei den Stolpersteinen Ulm gibt es noch folgende Informationen:
Margarethe Egle wurde 39 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum von Margarethe Egle ist aus der Todesnachricht der „Landespflegeanstalt Grafeneck“ bekannt. Es war der 29. Juni 1940.
Erarbeitet von StS, Stolpersteininitiative Ulm
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 165 Nr. 13.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Stolpersteine für Ulm, online: https://www.stolpersteine-fuer-ulm.de/biografien/margarethe-egle.
- Auszüge: Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“. Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 138-139.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 08. Juni 1887
Geburtsort: Uttenweiler
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 30. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Lorenz Egle, Schustermeister in Uttenweiler, und Regina geb. Kopp.
Die Familie Egle hatte acht Kinder, Maria Anna Egle oder Marianne war das fünfte Kind. Zwei der Kinder sind jung verstorben.
Maria Anna Egle hatte als Dienstmädchen gearbeitet und in Uttenweiler gewohnt. Bei der 1. Aufnahme in die Heilanstalt Zwiefalten am 08. August 1913 war sie 26 Jahre alt. Am 07. Mai 1916 wurde sie gebessert entlassen.
Insgesamt war Maria Anna Egle dreimal in Zwiefalten:
08. August 1913 – 07. Mai 1916
30. April 1917 – 10. Dezember 1918
14. April 1921 – 10. November 1937 (16 Jahre lang)
Am 10. November 1937 wurde Maria Anna Egle in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt. Im Gedenkbuch Heggbach ist sie als Eggle Anna aufgeführt.
Maria Anna Egle wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Maria Anna Egle wurde 53 Jahre alt.
Bei Maria Anna Egle ist im Geburtsregister ein gefälschter Todesort zusammen mit dem gefälschten Todesdatum eingetragen: „16.11.1940, Hartheim, Oberdonau“.
Im Hauptfriedhof Ulm gibt es mehrere Gräber von NS-„Euthanasie“-Opfern aus „Hortheim“ (korrekt wäre Hartheim), die Urne von Maria Anna Egle wurde dort bestattet.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 165 Nr. 17 (bei der 3. Aufnahme ist das Entlassjahr fälschlicherweise 1932, statt 1937).
- Hauptbücher Zwiefalten. Archiv ZfP Zwiefalten, Hauptbuch Männer/Frauen, Nr. 1671.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2379 ff: Egle Anna, Grablage U 21 – 58. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. März 1919
Geburtsort: Biberach
Beruf: ohne
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 Zwischenanstalt Zwiefalten
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Maximilian Egle, Drahtweber in Biberach, und Maria Agathe geb. Kaspar.
1913 lebten die Eltern von Maria Theresia Egle in der Schwanenstr. 2, im Jahr 1930 am Obstmarkt 10 in Biberach. Laut dem Häuserbuch von Carl Kleindienst war der Eigentümer des Hauses am Obstmarkt 10 Lorenz Kaspar, der Großvater von Maria Theresia Egle.
Maria Theresia Egle verbrachte in diesem Haus vermutlich einen Teil ihrer Kindheit. Sie hatte zwei ältere Brüder, welche beide seit dem 2. Weltkrieg vermisst waren. Das Haus am Obstmarkt 10 wurde 1945 durch feindliche Bomben zerstört.
Maria Theresia Egle lebte seit dem 05. Mai 1930 im Kinderasyl Ingerkingen, sie war elf Jahre alt bei der Aufnahme. Das Jugendamt Biberach war der Vertreter. Am 03. September 1937 wurde sie im Alter von 18 Jahren in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt.
Maria Theresia Egle wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde Maria Theresia Egle am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie wurde 21 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 343, Egle Maria Theresia. Archiv St. Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Stadtarchiv Biberach: Familienregister Biberach Band 22, Blatt 169, Kind Nr. 3 mit Nachtrag des Todes am 17. Okt. 1940 in Grafeneck.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Carl Kleindienst, Häuserbuch von Biberach, Seite 826.
- Einwohnerbuch Biberach an der Riß, 1930.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 9. Januar 1867
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: Näherin
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 Zwischenanstalt Zwiefalten
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Christian Ehrat, Geometergehilfe (verschiedene Schreibweisen: Ehrat, Erath, Ehrath).
Eltern: Joseph Kaspar/Caspar, Schlossermeister in Ochsenhausen, und Franziska geb. Kiebler.
Die Eltern von Theresia Kaspar hatten fünf Kinder, Theresia (oder Theres) war das vierte Kind. Ein Bruder Alois heiratete 1886 in Ochsenhausen und übernahm die Firma des Vaters. Die anderen Geschwister verstarben jung.
Theresia Kaspar heiratete am 1. Februar 1894 Christian Ehrat. Das Ehepaar hatte sechs Kinder, vier der Kinder verstarben kurz nach der Geburt.
Theresia Ehrat und ihr Mann zogen am 1. Februar 1895 nach Biberach. Ab Anfang 1898 lebte das Ehepaar in Laupheim und zog am 5. Juni 1899 wieder nach Ochsenhausen.
Am 7. Juli 1907 wurde die Ehe vor dem Landgericht Ravensburg geschieden.
Der geschiedene Ehemann Christian Ehrat zog am 2. August 1908 nach Ravensburg und heiratete im Juni 1913 in Ravensburg erneut.
Bei wem die zwei Kinder wohnten, bzw. wo Theresia Ehrat in dieser Zeit wohnte, ist nicht bekannt.
Theresia Ehrat wurde am 17. Juli 1916 in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen. Ihr Wohnort bei der Aufnahme war Stuttgart.
Nach zehn Jahren Aufenthalt in der Heilanstalt Weissenau wurde Theresia Ehrat am 15. Mai 1926 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau versetzt.
Von der Liebenau wurde Theresia Ehrat am 30. August 1940 nach unbekannt „verlegt“. Tatsächlich wurde sie an diesem Tag in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Am 24. September 1940 wurde Theresia Ehrat von Zwiefalten nach Grafeneck deportiert und ermordet. Theresia Ehrat wurde 73 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 13. Oktober 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 166-78.
- Standesamt Ochsenhausen: Familienregister Blatt 607 (Band nicht bekannt) mit Nachträgen zur Scheidung und Umzügen.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. April 1878
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Kaufmann
Einrichtung: Heilanstalt Winnental
Datum der Deportation: 3. Juni 1940
Sterbedatum: 3. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Selma Moos aus Buchau am Federsee (2. Ehe, die 1. Ehe mit Hertha Cossmann wurde geschieden).
Eltern: Jakob Abraham Einstein und Louise geb. Moos.
Hermann Einstein wurde als zwölftes von dreizehn Kindern in Buchau am Federsee geboren. Seine Familie gehörte zur jüdischen Gemeinde in Buchau.
Am 12. Mai 1903 heiratete Hermann Einstein in Wuppertal-Elberfeld Hertha Cossmann. Das Ehepaar hatte zwei Kinder, eine Tochter Ilse und einen Sohn Kurt Louis. Am 10. Februar 1914 wurde diese Ehe vor dem Landgericht Ravensburg geschieden.
Hermann Einstein heiratete ein zweites Mal in Aalen am 22. November 1915 Selma Moos aus Buchau. Das Ehepaar hatte einen im Jahr 1921 geborenen Sohn Jakob. Im Jahr 1930 lebte das Ehepaar in der Elisabethenstraße 40 in Stuttgart.
Am 22. Januar 1930 erfolgte die 1. Aufnahme in das Bürgerhospital Stuttgart. Knapp zwei Monate später, am 14. März 1930 wurde Hermann Einstein nach Hause entlassen. Ein weiterer kurzer Aufenthalt im Bürgerhospital Stuttgart erfolgte ab 18. März 1930, elf Tage später die Entlassung am 29. März 1930.
Wenige Monate später wurde Hermann Einstein in die Heilanstalt Winnental aufgenommen. Dort lebte Hermann Einstein vom 13. August 1930 bis zu seiner Deportation am 03. Juni 1940. An diesem Tag wurde er in Grafeneck ermordet. Er wurde 62 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum wurde auf dem Familienregister in Buchau am Federsee nachgetragen. Es ist der 19. Juni 1940 in Grafeneck.
Seine Ehefrau Selma geb. Moos verstarb am 04. Oktober 1942 im Ghetto Theresienstadt. Über das Schicksal der Kinder von Hermann Einstein liegen keine Informationen vor.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 169 Nr. 45.
- Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945. Bundesarchiv, Onlineausgabe Einstein, Hermann: https://apps.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de856564.
- Hauptstaatsarchiv Stuttgart, HStaSt Bestand J 386: Filme von Personenstandsregistern jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern, Familienregister von Hermann Einstein:
FR J 386 Bü 45, Aufnahme 18 Bad Buchau:
http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-439985-18. - Standesamt Bad Buchau: Familienregister Buchau Band 5 Blatt 233 Einstein Hermann, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Stuttgarter Adressbuch 1930, Online bei der Württembergischen Landesbibliothek.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 16. März 1897
Geburtsort: Sulmingen
Beruf: Haustochter
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Emsperger, Söldner in Sulmingen, und Theresia geb. Neuer, gebürtig aus Burgrieden.
Franziska Emsperger war ein spätes Kind Ihrer Eltern, bekannt sind mehrere ältere Geschwister.
Die Kindheit verlief unauffällig, sie war in der Schule sehr gut, hatte viel gelesen. Mit ca. 17 Jahren fielen ihrer Schwester Veränderungen auf.
Am 15. November 1917 erfolgte eine erste Aufnahme in die Heilanstalt Rottenmünster, dort wurde sie am 30. Juni 1918 gebessert entlassen. Am 01. Februar 1921 erfolgte eine erneute Anstaltsaufnahme, dieses Mal in die Heilanstalt Schussenried. Von dort wurde sie am 03. Juni 1922 nach Hause entlassen. Ihr Wohnort war jeweils Sulmingen, bei Beruf stand Haustochter, d.h. sie hat bei den Eltern gelebt. Die Mutter verstarb während des Aufenthalts in Schussenried am 31. Dezember 1921.
Im Jahr 1929 wurde Franziska Emsperger in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen, das genaue Datum ist nicht bekannt, möglicherweise besteht ein zeitlicher Zusammenhang mit dem Tod des Vaters am 15. August 1929. In Heggbach konnte sie zeitweise mit Stricken beschäftigt werden, bekam wohl auch Besuch von Angehörigen. Als Angehöriger ist ein Bruder genannt.
Franziska Emsperger wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie wurde 43 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 17. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein/Sachsen.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 172b Nr. 73.
- Staatsarchiv Sigmaringen, STAS Wü 68/1 T 1 Nr. 4001 Psychiatrisches Landeskrankenhaus Schussenried, Patientenakte von Franziska Emsperger (mit Foto, Schulzeugnis und Auszug aus dem Geburtsregister).
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Standesamt Sulmingen Geburtsregister 1897 Nr. 1, Emsperger Franzsika, mit Nachtrag des Todes in Sonnenstein.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 7. Mai 1884
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Andreas Engler, Käser in Altheim bei Riedlingen, und Constantine geb. Kohler (2. Ehefrau).
Der Vater war zwei Mal verheiratet, die erste Ehe war kinderlos. In der zweiten Ehe gab es acht Kinder, von denen fünf jung verstorben sind. Anna Engler (Taufname Anna Maria) war das sechste von acht Kindern. Die Eltern verstarben in den Jahren 1893 und 1894, was dann aus den drei minderjährigen Kindern wurde (15, 10, 9 Jahre alt), ist nicht bekannt.
Anna Engler war laut württembergischer Patientenkartei in den Jahren 1909-1912 in der Heilanstalt Rottenmünster. Dort wurde sie gebessert entlassen. Sie war ca. ein halbes Jahr vor der Aufnahme erkrankt, d.h. sie war Mitte 20.
Anna Engler war laut der Akte eine Zeit lang in einer Einrichtung in Heudorf (am Bussen), dort wurde sie im Haus beschäftigt. Wegen Ihrer Einschränkung konnte sie aber keine Dienststelle ausfüllen. Von Heudorf wurde sie dann nach Rosenharz verlegt, dort arbeitete sie in der Küche mit.
Ab dem 01. Januar 1936 war sie in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau.
Von Liebenau aus wurde sie am 2. Oktober 1940 nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurde sie nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Sie wurde 56 Jahre alt.
Das gemeldete und gefälschte Sterbedatum ist aus den württembergischen Kriegsgräberlisten bekannt, es ist der 16. Oktober 1940 in Hartheim. Ihre Urne wurde auf dem Hauptfriedhof Stuttgart-Cannstatt bestattet.
Der Bruder Viktor Emanuel Engler lebte im Jahr 1940 in Stuttgart und verstarb dort 1952 unverheiratet. Dies erklärt vermutlich, warum die Urne von Anna Engler in Stuttgart-Cannstatt bestattet wurde.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 173b Nr. 2.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29154.
-Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg LABW, StAL EL 20/1 VI Bü 1 Hauptfriedhof Cannstatt, Grabfeld Abt. 40-61, Nr. 1979: Anna Engler mit gefälschtem Todesdatum 16.10.1940 und Todesort Hartheim. - Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Standesamt Altheim (Riedlingen) Geburtsregister und Familienregister Band 1, Seite 481.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. Dezember 1885
Geburtsort: Britschweiler
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 1. August 1940
Sterbedatum: 1. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Georg Ehrhardt aus Britschweiler (Gemeinde Altheim), und Agatha geb. Roth.
Die Familie hatte acht Kinder, die vier ältesten Kinder starben alle jung, Pauline Ehrhardt war das jüngste Kind. Die Mutter verstarb kurz nach der Geburt von Pauline Ehrhardt am 06. Januar 1886. Wer den Witwer mit vier kleinen Kindern unterstützte ist nicht bekannt. Der Vater hatte auch nicht mehr geheiratet.
Pauline Ehrhardt hatte ein uneheliches Kind Eduard, welches am 30. Dezember 1905 in Britschweiler geboren wurde. Am 16. Januar 1909 verstarb das Kind in Biberach. Über den Tod des Kindes wurde überregional in der Presse berichtet, die eigene Mutter hatte es ertrinken lassen oder ertränkt.
Pauline Ehrhardt wurde am 14. Februar 1909 in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen. Sie war katholisch, ledig und ohne Beruf bei der Aufnahme. Es wurde bei der Aufnahme auch keine Diagnose erfasst. Sie lebte bis zu ihrer Deportation am 01. August 1940 in der Heilanstalt Weissenau, an diesem Tag wurde sie in Grafeneck mit Gas ermordet.
Pauline Ehrhardt wurde 54 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum mit Ort wurde auf dem Familienregister der Eltern nachgetragen: 23. August 1940 in Sonnenstein/Sachsen.
Über das Datum des Eintritts in die Heilanstalt Weissenau gibt es widersprüchliche Angaben in den vorhandenen Unterlagen, welche nicht zu den Zeitungsberichten mit dem Tod des Kindes Eduard passen. In der Opferliste Grafeneck ist es der 4. Februar 1907, auf der Transportliste von Weissenau nach Grafeneck der 14. Februar 1919. Nach Klärung mit dem ZfP Weissenau wurde das Eintrittsdatum 14. Februar 1909 bestätigt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum (mit falschem Aufnahmedatum für Pauline Ehrhardt).
- Staatsarchiv Sigmaringen, StAS Wü 42 T 94 Nr. 444 Transportliste 9 (mit falschem Aufnahmedatum für Pauline Ehrhardt).
- Standesamt Schemmerhofen: Familienregister Britschweiler Blatt 35, Kind Nr. 8 Pauline Ehrhardt mit Nachtrag des Todes in Sonnenstein/Sachsen.
- Historische Zeitungen, überregionale Berichte im Januar und April 1909 zur Ermordung des Kindes Eduard. Deutsches Zeitungsportal: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 03. Juni 1883
Geburtsort: Bronnen
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Privatheilanstalt Christophsbad Göppingen
Datum der Deportation: 17. April 1940 (Zwischenanstalt Weinsberg)
Sterbedatum: 11. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Moritz Esslinger, Schweißer in Stuttgart-Feuerbach.
Mutter: Agathe Wenger (Vater unbekannt laut Akte, laut Taufregister angeblich Johannes Kuen von Großschafhausen).
Theresia Wenger wurde in Bronnen als uneheliches Kind der Agathe Wenger geboren. Die katholische Taufe war in der Pfarrkirche Ringschnait. Im Taufregister wurde der „angebliche“ Vater Johannes Kuen von Großschafhausen eingetragen. Ihre Mutter war ebenfalls ein uneheliches Kind. Theresia Wenger hatte mehrere Halbgeschwister, teilweise ebenfalls unehelich geboren, teilweise aus der späteren Ehe der Mutter. Sie verbrachte ihre Kindheit und Schulzeit in Bronnen.
Im Jahr 1906 heiratete sie Moritz Esslinger. Das Ehepaar Esslinger lebte später in Stuttgart.
Da es bei den Stolpersteinen Stuttgart eine ausführliche Biografie zu Theresia Esslinger, geb. Wenger gibt, sollen hier nur einige Eckdaten genannt werden.
Eine erste Anstaltsaufnahme von Theresia Esslinger erfolgte am 19. Juli 1934 in die Privatheilanstalt Christophsbad in Göppingen, sie war zuvor im Bürgerhospital Stuttgart. Nach einigen Monaten wurde sie am 26. Januar 1935 gebessert entlassen. Schon wenige Wochen später, am 29. April 1935 erfolgte die 2. Aufnahme in das Christophsbad, wieder vom Bürgerhospital Stuttgart kommend. Auch dieses mal wurde Theresia Esslinger nach einigen Wochen, am 19. Mai 1935 gebessert entlassen.
Die 3. Aufnahme erfolgte am 13. Juni 1935, auch dieses mal war sie vorher im Bürgerhospital Stuttgart. Nach knapp fünf Jahren wurde Theresia Esslinger am 17. April 1940 in die Heilanstalt Weinsberg verlegt. Weinsberg war eine Zwischenanstalt zur Abwicklung der „Aktion T4“.
Theresia Esslinger wurde am 11. Dezember 1940 „Ungeheilt entl.“, dies wurde mit Stempel in die Württembergische Patientenkartei eingetragen. Oben auf der Karteikarte steht ebenfalls mit Stempel: „Vorübergehend hier“. Tatsächlich wurde sie an diesem Tag nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Theresia Esslinger wurde 57 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum von Theresia Esslinger war der 18. Dezember 1940. Es wurde auf dem Geburtsregister aus Ringschnait nachgetragen.
Im Staatsarchiv Ludwigsburg hat sich ein Brief von Moritz Esslinger, datiert vom 12. Dezember 1940, erhalten. Er fragte in der Heilanstalt Weinsberg an, ob er seine Frau in der Weihnachtszeit besuchen könne.
Seine Frau war am Tag zuvor, dem 11. Dezember ermordet worden und er wusste nichts davon. Die Antwort der Heilanstalt Weinsberg wurde anhand eines Vordruckes am 16. Dezember 1940 verschickt und lautete: „Verlegt am 11. Dezember 1940“.
Eine ausführliche Biografie zur Lebensgeschichte von Theresia Esslinger wurde auf der Seite der Stuttgarter Stolpersteine erstellt: https://www.stolpersteine-stuttgart.de/biografien/theresia-esslinger-fahrionstr-37/.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 177-60.
- Staatliche Heilanstalt Weinsberg Verwaltungsakten, Staatsarchiv Ludwigsburg, F 234 I Bü 1122, Aufn. 101.
- Standesamt Ringschnait Geburtsregister 1883 Nr. 13: mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums in Grafeneck
- Stolpersteine Stuttgart: Stolperstein-Initiative Feuerbach/Weilimdorf. Link: https://www.stolpersteine-stuttgart.de/biografien/theresia-esslinger-fahrionstr-37/
- Daniel Hildwein/Thomas Stöckle, Das Christophsbad Göppingen – Eugenik und NS-„Euthanasie“ 1933 bis 1945, hier besonders Kapitel 6.2 Opferschicksale, Seite 98 Theresia Esslinger mit Foto.
Abbildungen und Bildunterschriften
F
Geboren am: 4. September 1885
Geburtsort: Oberdorf (Mittelbiberach)
Beruf: ohne
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Joseph Feger, Söldner aus Oberdorf (Mittelbiberach) und Karolina geb. Wachter aus Mittelbuch
Josef Feger hatte zwei jüngere Brüder, beide verstarben jung.
Der Vater starb am 05. September 1912, die Mutter zog dann nach Biberach. Die Mutter hatte nicht wieder geheiratet, sie verstarb im Juli 1933 in Biberach an der Riß. Ihr Wohnort war laut Einwohnerbuch Biberach aus dem Jahr 1930 die Waldseer-Straße 31. Es ist anzunehmen, dass Josef Feger bei seiner Mutter gewohnt hat.
Josef Feger war seit dem 28. Januar 1930 in der Pflegeanstalt Heggbach. Er hatte keine Verwandten mehr nach dem Tod der Mutter. Josef Feger wurde am 11. September 1940 mit dem ersten Transport von Heggbach nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 55 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist auf dem Familienregister der Eltern nachgetragen: 27.09.1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Katholisches Familienregister Oberdorf Band II, Fol. 100.
- Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 16. Oktober 1904
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Emmendingen, Kreispflegeanstalt Freiburg
Datum der Deportation: vermutlich 08. August 1940
Sterbedatum: vermutlich 08. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Gustav Adolf Fehrenbacher, Friseur in Freiburg im Breisgau.
Eltern: Albert Baumeister, Fabrik-Arbeiter in Buchau, und Agatha geb. Miehle aus Oggelshausen.
Elis oder Elisabetha Baumeister wurde in Bad Buchau als achtes von neun Kindern in der 2. Ehe des Vaters geboren. Die zwei Ehefrauen waren Schwestern aus Oggelshausen. Nach dem Tod des Vaters am 6. Februar 1912 hatte die Mutter im Jahr 1917 nochmals geheiratet und noch ein Kind bekommen. Im Jahr 1939 hatte das Ehepaar in der Schustergasse in Buchau gewohnt, evtl. war das früher auch das Elternhaus von Elis Baumeister.
Am 08. August 1933 haben Elis Baumeister und Gustav Adolf Fehrenbacher in Freiburg katholisch geheiratet. Das Ehepaar hatte ein Kind.
Der Ehemann hatte wohl Schwierigkeiten mit den Nationalsozialisten und war wegen eines politischen Vergehens im Gefängnis.
In der Nacht vom 3. auf 4. Dezember 1935 kam sie nach einem Unfall ins Krankenhaus.
Bei wem das Kind von Elis Fehrenbacher war ist nicht bekannt. Es gab auf jeden Fall die Schwiegermutter im Umfeld, auch eine Schwester von ihr scheint in Freiburg gelebt zu haben. Evtl. konnte das Kind dann in der Familie versorgt werden.
Anschließend wurde sie in die Psychiatrische Klinik Freiburg eingewiesen. Sie war dort vom 8. Februar 1936 bis 28. Februar 1936 und wurde dann in die Heilanstalt Emmendingen verlegt. Dort war sie bis zum 28. Juli 1937 in Behandlung. Sie wurde dann in die Kreispflegeanstalt Freiburg verlegt und musste zuvor eine Zwangssterilisation über sich ergehen lassen.
Wie das Kind von Elis Fehrenbacher betreut wurde, ist nicht bekannt. Es gab die Schwiegermutter im Umfeld, auch eine Schwester von Elis Fehrenbacher scheint in Freiburg gelebt zu haben. Evtl. konnte das Kind dann in der Familie versorgt werden.
Elis Fehrenbacher war vom 28. Juli 1937 bis zu ihrer Deportation nach Grafeneck in der Kreispflegeanstalt Freiburg. Von dort gingen 2 Transporte nach Grafeneck. Der 2. Transport am 10. Oktober 1940 ging über die Zwischenanstalt Schussenried und ist gut dokumentiert. Der 1. Transport ging angeblich am 08. August 1940, aber es sind keine Unterlagen dazu erhalten. Deshalb war Elis Fehrenbacher auch nicht im Gedenkbuch Grafeneck gelistet. Elis Fehrenbacher ist seit Oktober 2025 im Gedenkbuch Grafeneck aufgeführt.
Ihr Tod ist im Familienregister ihrer Eltern nachgetragen: 09. September 1940 in Sonnenstein. D.h. das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort ist bekannt, nicht aber das tatsächliche Sterbedatum.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum. [aufgenommen im Herbst 2025].
- Staatsarchiv Freiburg: StAF Bestand E 120 1 Bü 8166, Fehrenbacher Elisabeth Patientenakte aus der Heilanstalt Emmendingen.
- Transporte nach Grafeneck von der Kreispflegeanstalt Freiburg, bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreispflegeanstalt_Freiburg
- Diözesanarchiv Rottenburg, Informationen über die Heirat der Elis Fehrenbacher (nachgetragen im Familienregister und Taufregister der Pfarrei Buchau, die Bücher befinden sich im Diözesanarchiv).
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970. Hier besonders: Der Leidensweg der Opfer der Euthanasie, 1939—1941, S. 151-155.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 05. November 1904
Geburtsort: Unterstadion
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 in die Zwischenanstalt Zwiefalten
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Alois Feile aus Stödtlen Oberamt Ellwangen, und Mathilde Benz aus Unterstadion.
Das Ehepaar Feile heiratete 1904 in Oberstadion und wohnte bis 1911 dort. Im Jahr 1911 zog die Familie nach Laupheim.
Zwischen 1904 und 1909 kamen die vier Kinder Josef, Katharina, Ignaz und Kaspar zur Welt, Ignaz verstarb jung. In Laupheim wurden weitere zwei Kinder namens Ulrich und Josefa geboren, welche jung verstarben.
1918 verkaufte Alois Feile sein Haus in Laupheim, dazu erschien im Laupheimer Verkündiger eine Anzeige.
Vermutlich 1918, spätestens Anfang 1919 zog die Familie nach Bad Buchau in die Seestraße. Josef und Kaspar Feile wohnten bis zur Aufnahme in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau in Buchau am Federsee. Sie wurden am 02. Juni 1919 gemeinsam aufgenommen.
Im Mai 1929 feierten die Eltern, das Ehepaar Alois und Mathilde Feile ihre Silberhochzeit. Im Jahr 1939 wohnte der Rentner Alois Feile in Buchau in der Seestraße. Zu diesem Zeitpunkt lebten von den bekannten Kindern des Ehepaares nur noch Kaspar und Josef Feile in der Liebenau.
Josef Feile lebte seit dem 02. Juni 1919 in der Liebenau, er wurde am 30. August 1940 in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt.
Von Zwiefalten wurde er am 24. September 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Die gemeldeten, aber gefälschten Todesdaten der Brüder sind nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27722 Kaspar Feile.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 17. Dezember 1909
Geburtsort: Unterstadion
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 in die Zwischenanstalt Schussenried
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Alois Feile aus Stödtlen Oberamt Ellwangen, und Mathilde Benz aus Unterstadion.
Das Ehepaar Feile heiratete 1904 in Oberstadion und wohnte bis 1911 dort. Im Jahr 1911 zog die Familie nach Laupheim.
Zwischen 1904 und 1909 kamen die vier Kinder Josef, Katharina, Ignaz und Kaspar zur Welt, Ignaz verstarb jung. In Laupheim wurden weitere zwei Kinder namens Ulrich und Josefa geboren, welche jung verstarben.
1918 verkaufte Alois Feile sein Haus in Laupheim, dazu erschien im Laupheimer Verkündiger eine Anzeige.
Vermutlich 1918, spätestens Anfang 1919 zog die Familie nach Bad Buchau in die Seestraße. Josef und Kaspar Feile wohnten bis zur Aufnahme in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau in Buchau am Federsee. Sie wurden am 02. Juni 1919 gemeinsam aufgenommen.
Im Mai 1929 feierten die Eltern, das Ehepaar Alois und Mathilde Feile ihre Silberhochzeit. Im Jahr 1939 wohnte der Rentner Alois Feile in Buchau in der Seestraße. Zu diesem Zeitpunkt lebten von den bekannten Kindern des Ehepaares nur noch Kaspar und Josef Feile in der Liebenau.
Kaspar Feile lebte seit dem 02. Juni 1919 in der Liebenau, er wurde am 01. Juli 1940 in die Zwischenanstalt Schussenried verlegt. Von Schussenried wurde er am 22. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Die gemeldeten, aber gefälschten Todesdaten der Brüder sind nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27722 Kaspar Feile.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 13. Februar 1877
Geburtsort: Aufhofen
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Emmendingen
Datum der Deportation: 23. September 1940
Sterbedatum: 23. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Franz Figel, Zimmermann in Aufhofen, und Franziska geb. Aich.
Maria Figel, Taufname Anna Maria, war ein Zwillingskind. Ihr Zwillingsbruder war Georg Figel. Insgesamt hatte die Familie sechs Kinder, zwei davon starben jung.
Im September 1878 zog die Familie nach Galmutshöfen bei Warthausen. Das jüngste Kind Karl wurde dort geboren. Im Jahr 1885 verstarb der Vater durch einen Unfall, er war bei seinem Tod Zimmermann in Oberstetten bei Erlenmoos.
Nach der Schule arbeitete Maria Figel an verschiedenen Orten, sie war auch einige Zeit in der Schweiz. Ab ca. 1899 arbeitete sie als Dienstmädchen in Freiburg.
Sie wurde am 18. August 1906 in die Psychiatrische Klinik der Universität Freiburg zur Untersuchung aufgenommen. Die Ärzte empfahlen die Aufnahme in die Heilanstalt Emmendingen. Der in Erlenmoos bei Ochsenhausen lebende älteste Bruder Andreas Figel musste sein Einverständnis zur Aufnahme in die Heilanstalt erklären. Die Mutter von Maria Figel scheint nicht mehr gelebt zu haben.
Am 24. Dezember 1906 wurde Maria Figel von der Psychiatrischen Klinik kommend in die Heilanstalt Emmendingen aufgenommen. Schon am 04. Januar 1907 besuchte ihr Zwillingsbruder Georg Figel sie in der Heilanstalt. Georg Figel lebte in Freiburg und arbeitete bei der Straßenbahn. Sie wurde regelmässig von ihrem Bruder, einer Bekannten und der Schwägerin besucht. Der Bruder Georg Figel wurde auch zum Vormund für seine Schwester bestellt.
Maria Figel erhielt eine Invalidenrente, sie war noch im Besitz von Ersparnissen, davon wurden die Kosten der Heilanstalt bezahlt.
Anfangs bekam Maria Figel ca. 1x im Monat Besuch, später wurden die Intervalle etwas größer. Am 17. Mai 1910 besuchten alle drei Brüder Andreas, Georg und Karl Figel die Schwester gemeinsam. Sie hatte sich sehr gefreut und hatte sich nach Verwandten erkundigt. Die Besuche erfolgen regelmässig bis Ende der 1920er Jahre, es wurde auch immer notiert ob die Patientin sich gefreut hat. Danach gab es keine Notizen mehr zu Besuchern in der Akte.
Im Jahr 1920 waren die Ersparnisse von Maria Figel aufgebraucht, der Armenrat Emmendingen erkannte die Unterstützungspflicht für Maria Figel an.
Der letzte Eintrag in der Patientenakte war vom 18. August 1939, das Städtische Wohlfahrtsamt hatte angefragt, ob die Kranke sich zur Aufnahme in eine Kreispflegeanstalt eignet. Die Heilanstalt hatte dies abgelehnt.
Am 23. September 1940, Maria Figel lebte seit 33 Jahren in der Heilanstalt, wurde sie nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Sie wurde 63 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum ist aus den Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg bekannt. Es war der 09. November in Hartheim. Die Urne von Maria Figel wurde in Freiburg bestattet, als Ansprechpartner wird der Neffe Franz Figel, wohnhaft in Freiburg, genannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/17112, Patientenakte mit Foto.
- Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg LABW, StAL EL 20/1 VI Bü 1142 Hauptfriedhof Freiburg im Breisgau. Aufnahme 257, lfd. Nr. 4: Figel Marie aus Aufhofen.
Abbildungen und Bildunterschriften
G
Geboren am: 12. September 1888
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Ganser, Landwirt aus Laupheim, und Maria Anna geb. Weber.
Augustin Ganser hatte zehn Geschwister, er war das sechste Kind. In der Traueranzeige der Mutter im Jahr 1907 lebten von den elf Kindern noch zehn. Der Vater verstarb 1926.
Augustin Ganser lebte in Laupheim bis zu seiner Aufnahme am 21. Januar 1939 in die Pflegeanstalt Heggbach, vermutlich bei seiner Familie. In Heggbach bekam er öfters Besuch.
Er wurde am 11. September 1940 mit dem ersten Transport von Heggbach nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Augustin Ganser wurde 52 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum wurde auf dem Geburtsregister nachgetragen. Es ist der 23. September 1940.
In der Biografie des Politikers Sebastian Ganser wird auch über den ermordeten Bruder Augustin Ganser geschrieben:
Auszug aus der Biografie des Sebastian Ganser: „Augustin Ganser, ein älterer [korrekt ist jüngerer Bruder] Bruder von Sebastian, war geistig behindert und wurde über mehrere Jahre hinweg in der Pflegeanstalt Heggbach versorgt. Im Zuge der systematischen Ermordung von geistig behinderten Menschen durch das Naziregime (Aktion T4) wurde er in einer Nacht- und Nebelaktion mit einem Sammeltransport aus Heggbach abtransportiert und unmittelbar in Schloß Grafeneck ermordet. Nach Archiv-Unterlagen des Dokumentationszentrums der Gedenkstätte Grafeneck geschah dies am 11. September 1940. Sebastian Gansers Tochter Antonie erinnert sich noch gut an den bedrückenden Tag als die ahnungslose Familie einen Brief aus Grafeneck mit der formalen Nachricht über das ‚unerwartete Ableben‘ des Familienangehörigen erhielt.“
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Biografie des Sebastian Ganser, Online auf der Seite der GGG Laupheim [abgerufen am 16.09.2025]: http://www.ggg-laupheim.de/Berichte%20von%20Mitgl/Sebastian%20Ganser/Sebastian%20Ganser.htm.
- Geburtsregister Laupheim 1888 Nr. 125 Ganser Augustin mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 31. März 1912
Geburtsort: Berkheim
Beruf: Haustochter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Gantner, Landwirt in Berkheim, und Rosalia geb. Mang.
Die Eltern von Emerentia Gantner hatten sieben Kinder. Aus einer vorherigen Ehe des Vaters gab es noch fünf Halbgeschwister.
Der Bruder von Emerentia Gantner hatte das landwirtschaftliche Anwesen der Eltern in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1938 durch Brandstiftung in Brand gesetzt und dann versucht, die Brandstiftung seiner Schwester Emerentia Gantner anzulasten. Die Eltern hatten im Haus geschlafen und konnten sich mit knapper Not retten. Emerentia Gantner soll beim Brand panisch über die Äcker geflüchtet sein. Sie wurde am Tag nach dem Brand, am 7. November 1938 in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen.
Diese Brandstiftung wurde in mehreren Zeitungen beschrieben. Auch das Urteil gegen den Bruder, der die Brandstiftung seiner „geisteskranken“ Schwester anhängen wollte, ist in den Zeitungen nachlesbar.
Über Emerentia Gantner selbst wissen wir nur wenig. Ihr Stand wird in der württembergischen Patientenkartei als ‚Haustochter‘ angegeben, d.h. Sie hatte bei den Eltern zuhause gewohnt und war nicht berufstätig.
Emerentia Gantner wurde am 7. Juni 1940 laut Hauptbuch der Heilanstalt Schussenried nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurde sie nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Sie wurde 28 Jahre alt.
Das gemeldete Sterbedatum war der 30. Juni 1940. Diese falsche Angabe des „Sonderstandesamtes Grafeneck“ sollte die Morde in Grafeneck verschleiern.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 226-11.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Verbo Riedlingen Ausgabe vom 10. Nov. 1938, Seite 4: Brandstiftung.
- per Email am 03.02.2025 von E. Russ erhaltene Auszüge aus den kirchlichen Registern von Berkheim.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. August 1894
Geburtsort: Immenried
Beruf: Schäfersfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried, Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 02. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehegatte: Fridolin Gaßebner, Schäfer in Rissegg.
Eltern: Gebhard Ebenhoch, Söldner in Immenried, und Viktoria geb. Hiemer.
Auf dem Familienregister der Familie Ebenhoch sind zwölf Kinder aufgeführt. Rosalie oder Rosa Ebenhoch war das dritte Kind, ihr Bruder Josef, der in der Liebenau war, das fünfte Kind. Zwei Kinder sind früh verstorben. Die Familie ist später von Immenried bei Kißlegg nach Heggelbach verzogen.
Rosalie Ebenhoch heiratete im November 1924 den Schäfer Fridolin Gaßebner in Rißegg. Die Ehe war kinderlos. Knapp anderthalb Jahre nach der Heirat erfolgte die erste Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried.
Rosalie Gaßebner war vom 22. Oktober 1926 bis 10. Dezember 1935 in der Heilanstalt Schussenried. Sie wurde dann in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt. Von dort wurde sie am 02. Juli 1940 in die Zwischenanstalt Schussenried und am 29. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck mit Gas ermordet. Rosalie Gaßebner wurde knapp 46 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 09. August 1940 in Grafeneck.
Im Archiv Liebenau ist ein Brief der Mutter von Rosalie Gaßebner geb. Ebenhoch an die Ordensschwestern in Liebenau erhalten. Die Mutter fragte auch nach dem Verbleib Ihres Sohnes Josef Ebenhoch, der auch in Liebenau war.
Der Bruder wurde am 02. Oktober 1940 in Grafeneck ermordet.
Brief der Mutter:
„1940 Aug 22 Altmannshofen
Gel. s. J. Chr. [Gelobt sei Jesus Christus] Liebe Schwester Aurelia und Oberin.
Mein herzliches Beileid. Gott sei Dank dass meine liebe Tochter Rosa Fr. Gaßebner erlöst ist von ihrem schweren Leiden. Bitte anzufragen wo ist denn Josef, ist Josef mein lieber Sohn auch nach Grafeneck gekommen, bei Münsingen? Da soll eine Seuche ausgebrochen sein, es sterben soviel in unserer Gegend. Ich kann nicht genug Gott danken und der lieben Muttergottes und allen Heiligen. Ich hätte die Leiche heimgeholt, aber die Urne sollen sie selber behalten. Es hat mir arg wehe getan. Ich kann aber mit Gottvertrauen alles ertragen, und beten muss ich jetzt für ihre Seelenruhe. Herr gib ihr die Ewige Ruhe. Bin Gesund.
Viele herzliche Grüße sendet, Fr. Vikt. Ebenhoch, Witwe.
Jesus, Maria und Josef haben mir geholfen und stehen mir bei. Amen.
Bitte gleich Antwort, ich lege eine Freimarke bei. “
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 226-86.
- Standesamt Biberach Familienregister Gaßebner Blatt 2, mit Nachtrag des Todes von Rosalia Gaßebner in Grafeneck.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 2. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried verlegt“ und am 29.07.1940 deportiert wurden.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. April 1876
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Friedrich Geiß, Söldner in Laupheim, und Maria Anna geb. Birk.
Johannes Geiß war das jüngste von sieben bekannten Kindern seiner Eltern. Der Vater von Johannes Geiß verstarb am 29. Juli 1900 im Alter von 75 Jahren, die Mutter am 22. Mai 1925.
Johannes Geiß wurde am 14. April 1900 in der Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen, er war 24 Jahre alt. Kurz darauf verstarb sein Vater verstorben, ob es einen Zusammenhang gab ist nicht bekannt. Er bekam selten Besuch, die Angehörigen lebten in Laupheim. Er verbrachte den größeren Teil seines Erwachsenen-Lebens in der Pflegeanstalt Heggbach, etwas über 40 Jahre. Johannes Geiß wurde am 11. September 1940 mit dem ersten Transport von Heggbach nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 64 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum wurde auf dem Geburtsregister nachgetragen. Es ist der 28. September 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Geburtsregister Laupheim 1876 Nr. 81 von Johannes Geiß, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. Januar 1871
Geburtsort: Biberach
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Mariaberg
Datum der Deportation: 1. Oktober 1940
Sterbedatum: 1. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johannes Gerster, Schuhmacher in Biberach, evangelisch, und Maria Barbara geb. Huber.
Das Ehepaar hatte vier Kinder. Von den Kindern erreichte nur Barbara Gerster (Taufname: Katharina Babette) das Erwachsenenalter. Der Vater heiratete nach dem Tod seiner 1. Ehefrau im Jahr 1880 ein zweites mal. Barbara Gerster war bei der 2. Heirat neun Jahre alt.
Seit wann Barbara Gerster in der Heil- und Pflegeanstalt Mariaberg bei Gammertingen lebte, ist nicht bekannt. Wir haben auch keine sonstigen Informationen über ihr Leben vor dem Aufenthalt in Mariaberg.
Am 1. Oktober 1940 wurde Barbara Gerster von der Anstalt Mariaberg nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie wurde 69 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist nicht bekannt. Weder auf den kirchlichen, noch auf den standesamtlichen Registern ist ein Nachtrag vorhanden.
Die ehemalige Heil- und Pflegeanstalt Mariaberg hat eine ausführliche Dokumentation über die Geschehnisse in der Zeit des Nationalsozialismus veröffentlicht. In der Online verfügbaren Dokumentation wird auch beschrieben, wie es gelungen ist, den ersten Transport am 01. Oktober 1940 von 97 Menschen auf 41 Menschen zu reduzieren! Barbara Gerster war bei diesem ersten Transport dabei und wurde an diesem Tag in Grafeneck ermordet. Auf der abgedruckten Transportliste kann Ihr Name identifiziert werden.
Auf dem Mahnmal der Heil- und Pflegeanstalt Mariaberg für die Opfer sind alle Namen der Opfer aufgeführt, auch der von Barbara Gerster.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Internetauftritt der Einrichtung mit Gedenkseite: https://www.mariaberg.de/gedenkausstellung und verschiedenen Dokumenten zum Download [abgerufen am 25.03.2026].
- Familienregister Biberach ev. Seite 222, Kind Nr. Barbara Gerster [Taufname: Katharina Babette].
- Stadtarchiv Biberach: Familienregister Biberach Band 2, Seite 655, kein Nachtrag des Todes bei Barbara Gerster.
- Foto des Mahnmals aus Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Mariaberg_(Gammertingen)#/media/Datei:Mahnmal_in_Mariaberg_2.JPG.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. September 1880
Geburtsort: Warthausen
Beruf: –
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 in die Zwischenanstalt Zwiefalten
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Sebastian Gerster, Bauer in Warthausen, und Magdalena geb. Rapp.
Franziska Gerster war das sechzehnte von siebzehn Kindern der Eltern. Acht der Kinder sind jung verstorben. Die Eltern verstarben 1894 (Vater) und 1906 (Mutter). Franziska Gerster war beim Tod des Vaters 13 Jahre alt, beim Tod der Mutter 26 Jahre alt. Ob sie noch zuhause wohnte beim Tod der Mutter, ist nicht bekannt. In der Opferliste Grafeneck wird als Kostenträger der KWA Heidelberg genannt, vermutlich hat sie in Heidelberg gelebt.
Franziska Gerster wurde am 27. Oktober 1911 in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen, sie war 31 Jahre alt. Sie bekam einmal pro Jahr Besuch von der Frau des ehemaligen Pflegers und Schwagers.
Franziska Gerster wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Franziska Gerster wurde 60 Jahre alt.
Im katholischen Tauf- und Familienregister wurde das gefälschte Sterbedatum und der gefälschte Sterbeort nachgetragen, es war der 16. Oktober 1940 in Hartheim bei Linz.
Die Urne von Franziska Gerster wurde Warthausen bestattet. Folgender Nachtrag wurde vom Pfarrer im Taufregister eingetragen: „Die Beisetzung in „Urne“ im Mutter Grab geschah in aller Stille hier am 21.11.40 mit Zeremonie“.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Katholisches Taufregister 1880 Nr. 42 und Familienregister Warthausen Fol. 121.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. Juli 1896
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Konrad Gerster, Bauer in Altheim bei Riedlingen, und Vinzenzia geb. Schmid.
Die Schwestern Maria Anna und Zita Gerster hatten drei weitere Geschwister, Zita Gerster war das jüngste und fünfte Kind der Familie. Der älteste Bruder galt als vermisst im 1. Weltkrieg und wurde 1920 für tot erklärt. Ein Bruder war als Säugling verstorben, eine Schwester heiratete 1927 in Waldhausen. Die Mutter verstarb 1917, der Vater 1933.
Am 24. April 1934 kamen die Schwestern Maria Anna und Zita gemeinsam in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Der Vater war seit einem Jahr tot. Wer sich danach um die Schwestern gekümmert hatte, ist nicht bekannt, vermutlich die Schwester Wallburga. Der Kostenträger war die Ortsfürsorgebehörde Altheim.
Leider ist die Patientenakte nicht erhalten und es gibt keine weiteren Unterlagen zu den Schwestern.
Am 04. November 1940 wurden die Schwestern von der Liebenau nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurden Maria Anna und Zita Gerster nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Maria Anna Gerster wurde 44 Jahre alt.
Zita Gerster wurde 37 Jahre alt.
Die Sterbeurkunden notieren fälschlicherweise den 13. November 1940 für Maria Anna Gerster und den 15. November 1940 für Zita Gerster als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein in Sachsen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Standesamt Altheim (Riedlingen) Geburtsregister und Familienregister Band II, Blatt 34/35.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. April 1903
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Konrad Gerster, Bauer in Altheim bei Riedlingen, und Vinzenzia geb. Schmid.
Die Schwestern Maria Anna und Zita Gerster hatten drei weitere Geschwister, Zita Gerster war das jüngste und fünfte Kind der Familie. Der älteste Bruder galt als vermisst im 1. Weltkrieg und wurde 1920 für tot erklärt. Ein Bruder war als Säugling verstorben, eine Schwester heiratete 1927 in Waldhausen. Die Mutter verstarb 1917, der Vater 1933.
Am 24. April 1934 kamen die Schwestern Maria Anna und Zita gemeinsam in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Der Vater war seit einem Jahr tot. Wer sich danach um die Schwestern gekümmert hatte, ist nicht bekannt, vermutlich die Schwester Wallburga. Der Kostenträger war die Ortsfürsorgebehörde Altheim.
Leider ist die Patientenakte nicht erhalten und es gibt keine weiteren Unterlagen zu den Schwestern.
Am 04. November 1940 wurden die Schwestern von der Liebenau nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurden Maria Anna und Zita Gerster nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Maria Anna Gerster wurde 44 Jahre alt.
Zita Gerster wurde 37 Jahre alt.
Die Sterbeurkunden notieren fälschlicherweise den 13. November 1940 für Maria Anna Gerster und den 15. November 1940 für Zita Gerster als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein in Sachsen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Standesamt Altheim (Riedlingen) Geburtsregister und Familienregister Band II, Blatt 34/35.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. November 1927
Geburtsort: Steinberg
Beruf: Kind
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Mathäus Glanzer aus Laupheim, und Paula geb. Lämmle.
Georg Glanzer wurde in Steinberg bei Ulm geboren. Bei der Aufnahme in das Kinderasyl Ingerkingen war er knapp 5 Jahre alt, die Familie wohnte in der Färbergasse 10 in Laupheim.
Georg Glanzer lebte vom 4. September 1932 bis zu seiner Deportation am 11. September 1940 in Ingerkingen. An diesem Tag wurde er in Grafeneck ermordet. Er wurde 12 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 363, Glanzer, Georg. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 10. September 1894
Geburtsort: Tuttlingen
Beruf: ohne
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 04. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Baptist Glocker, Schreiner und Elektromeister in Tuttlingen, später Schemmerberg, und Franziska geb. Rack.
Biografie auf der Seite Stolpersteine Tuttlingen:
„Wir wissen wenig über Hedwig Franziska Glocker, die in Tuttlingen geboren und in Grafeneck getötet wurde.
Bekannt ist, dass Hedwig Glocker am 10. September 1894 in Tuttlingen als Tochter des Schreiners Johann Glocker und dessen Ehefrau Franziska Glocker geb. Rack zur Welt kam. Die Familie lebte zu diesem Zeitpunkt in der Schützenstraße 6. Im Adressbuch von 1896 ist die Familie dann in der Zeughausstraße 32 gemeldet. Beim Vater ist vermerkt, dass er Schreiner war und als Fabrikarbeiter sein Geld verdiente. Vermutlich kam er wegen der zahlreich hier vorhandenen Arbeitsplätze, die die aufstrebende Industrie bot, nach Tuttlingen. Drei weitere Brüder von Hedwig wurden in den Jahren 1896, 1897 und 1899 ebenfalls hier geboren. Die beiden jüngeren Brüder starben laut Eintrag im Familienregister im Februar und im Mai 1901 in Ulm. Vermutlich war die Familie zu diesem Zeitpunkt schon von Tuttlingen weggezogen und lebte in oder bei Ulm.
Wir wissen außerdem, dass Hedwig vor ihrer Aufnahme in der Pflegeanstalt Heggbach in Schemmerberg lebte. Schemmerberg ist ein seit 1974 zu Schemmerhofen gehörendes Dorf im Landkreis Biberach/Riß. Es ist nur ca. 12 Kilometer von Heggbach entfernt. In Schemmerhofen leben heute noch Nachkommen der Familie, die wissen, dass es eine Verwandte gab, die wohl eine Behinderung hatte, in der Anstalt Heggbach war und in Grafeneck getötet wurde. Genaueres ist in der Enkelgeneration aber nicht mehr bekannt, da über Hedwig wenig geredet wurde.
Da sich keine Patientenakte erhalten hat, wissen wir nicht, wann Hedwig Franziska Glocker in die Anstalt kam und aus welchem Grund.
Das ursprünglich für Zisterzienserinnen gebaute Kloster Heggbach wurde 1803 aufgelöst, Fürst Franz von Waldburg-Wolfegg-Waldsee stiftete 1884 die Gebäude für ein neues Kloster, in dem die Barmherzigen Schwestern von Reute eine „Anstalt für Epileptische, Schwachsinnige und Unheilbare“ einrichteten. Zu einer dieser drei Kategorien mag Hedwig Glocker gehört haben. Vermutlich wurde sie bereits als behindertes Kind geboren.
Bekannt ist aber, dass Hedwig Glocker bis 14. September 1940 in Heggbach lebte und dann in die Heilanstalt Zwiefalten als Zwischenanstalt verlegt wurde. Am 4. Oktober 1940 holten die grauen Busse der SS sie dort ab und brachten sie zusammen mit anderen Patienten nach Grafeneck, wo sie noch am gleichen Tag getötet wurde. Dem Standesamt Tuttlingen, in dem die Geburt dokumentiert wurde, teilte man mit, dass sie am 20. Oktober 1940 in Sonnenstein in Sachsen verstorben sei. Diese falschen Angaben sind häufig bei NS-„Euthanasie“-Opfer zu beobachten. Sie verschleierten die tatsächlichen Umstände der Ermordung.
Wir denken an Hedwig Glocker.“
Auf der Stolperstein Gedenkseite in Tuttlingen gibt es auch ein Familienbild mit Hedwig Glocker, https://www.tuttlingen.de/stolpersteine [abgerufen 12.02.2025].
Weitere Informationen zu Hedwig Glocker
Die Familie wohnte seit März 1910 in Schemmerberg. Der Vater war selbständig mit einer Elektroinstallationsfirma. Der Bruder Otto Glocker heiratete 1930 in Schemmerberg, er übernahm auch die Firma des Vaters.
Der Vater von Hedwig Glocker ertrank am 19. August 1932 beim Schwimmen, die Mutter verstarb am 25. September 1936.
Hedwig Glocker wurde am 12. Dezember 1936 in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen. Sie hat öfters Besuch erhalten. Ihr einziger und jüngster Bruder Otto Glocker und seine Familie haben Hedwig Glocker dann vermutlich besucht. Sie wurde 46 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Stolperstein Gedenkseite Tuttlingen: https://www.tuttlingen.de/stolpersteine [abgerufen 12.02.2025].
- Standesamt Schemmerhofen, Familienregister der Eltern von Hedwig Glocker, mit gefälschtem Todesdatum und Todesort.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 10. Mai 1928
Geburtsort: Schönebürg
Beruf: Kind
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 01. Oktober 1940
Sterbedatum: 01. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Glutsch, Landwirt in Schönebürg, und Maria Magdalena geb. Weckerle.
Walburga Glutsch war das älteste von sechs Kindern. Zwei der Geschwister verstarben jung.
Die Mutter Magdalena Glutsch geb. Weckerle wurde von der Familie Brandißer an Kindes statt angenommen. Die Familie Glutsch lebte auf dem Hof, dessen Vorbesitzer Johannes Brandißer und Walburga geb. Ruf waren. Der Hausname „Brandißers“ ist in Schönebürg heute noch bei älteren Menschen bekannt.
Die Patientenakte von Walburga Glutsch hat sich erhalten. Das Kind wurde mit neun Jahren, am 10. November 1937, im Kinderasyl Ingerkingen aufgenommen. Sie war ein ruhiges Kind. Sie kam von zuhause, nach der Aufnahme stand in der Akte in den Jahren 1938, 1939, 1940: „Zustand ziemlich unverändert“.
Walburga Glutsch wurde am 01. Oktober 1940 zusammen mit anderen Kindern vom Kinderasyl Ingerkingen nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Walburga Glutsch wurde 12 Jahre alt.
Im Geburtsregister Schönebürg 1928 Nr. 8 wurde der Tod von Walburga Glutsch nachgetragen: „gestorben 1940/94 Grafeneck“, leider ohne Datum. Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum ist aus der Karteikarte des Kindes vom Kinderasyl Ingerkingen bekannt, es war der 15. Oktober 1940 in Grafeneck.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/1801.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 389, Glutsch Walburga. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Geburtsregister Schönebürg 1928 Nr. 8 Walburga Glutsch.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. Juli 1896
Geburtsort: Andelfingen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Heilanstalt Schussenried (Zwischenanstalt)
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Gobs, Metzger und Rothauswirt in Andelfingen, Anna Maria geb. Knupfer
Anton war das 11. von insgesamt 21 Kindern seiner Eltern. In erster Ehe des Vaters gab es ein früh verstorbenes Kind. Beim Tod der Mutter im Jahr 1930 lebten laut Traueranzeige noch 9 der 21 Kinder.
Über die Kindheit und Jugend von Anton Gobs wissen wir wenig. Er ist in der Schule nie sitzen geblieben, war aber kein besonders guter Schüler. Bis zu seinem 14. Lebensjahr war er in der Volksschule Andelfingen. Danach hat er als Bauernknecht in Hundersingen, eine zeitlang bei seinem Vater und dann in Riedlingen gearbeitet. Nach Kriegsausbruch war er in einer Mühle bedienstet, wurde aber im November 1915 zum Grenadierregiment Nr. 123 nach Ulm eingezogen. Er war 1916 an der Westfront und seit November 1916 in französischer Kriegsgefangenschaft. Dort soll er in Kohlenbergwerken unter Tag beschäftigt worden sein. Im Februar 1920 kehrte er aus der Gefangenschaft zurück.
Danach war er fünf Jahre bei seinem Bruder Franz Gobs in Binzwangen im Dienst. Ab März 1926 war er eine zeitlang bei Bürgermeister Schmid in Andelfingen als Knecht beschäftigt. Ab 1929 arbeitete er bei seinem Bruder Wendelin Gobs auf dem elterlichen Hof.
Am 13. Juli 1931 ermordete Anton Gobs die Dienstmagd Anna Schütter, welche bei seinem Bruder arbeitete. Während der Gerichtsverhandlung wurde er mehrere Wochen in die Universitäts-Nervenklinik Tübingen zur forensischen Beobachtung geschickt.
Basierend auf einem sehr ausführlichen Gutachten der Nervenklinik wurde Anton Gobs im im Dezember 1931 zur lebenslangen Einweisung in eine Heilanstalt verurteilt. Wegen seiner geistigen Situation wurde er freigesprochen, aber wegen Gemeingefährlichkeit in eine Heilanstalt verbracht.
Am 03. Februar 1932 wurde Anton Gobs in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen. Dort verblieb er bis zu seiner Verlegung nach Schussenried am 08. September 1939. Zur Vorbereitung der Aktion T4 wurden Patienten aus der Heilanstalt Zwiefalten in andere Einrichtungen verlegt um in Zwiefalten „Platz“ zu schaffen.
Schussenried fungierte dabei als Zwischenanstalt. Alle 44 Personen aus diesem Transport vom 08. September 1939 wurden zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Am 14. Juni 1940 wurde Anton Gobs von Schussenried direkt nach Grafeneck deportiert, der Tag an dem er dort mit Gas ermordet wurde. Anton Gobs war 43 Jahre alt.
Der Beleg zum „Abgang“ aus der Heilanstalt Schussenried ist gestempelt mit „versetzt“ ohne Angabe einer Zielanstalt.
Im Familienregister der Eltern ist das gefälschte Todesdatum 11. Juli 1940 mit Todesort Grafeneck eingetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 245-26.
- Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand StAL E 350 a, Bü 3879 Gobs Anton Strafsache (Prozessakte von Anton Gobs mit biografischen Details und ausführlichem Gutachten aus Tübingen).
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 7), die „8.9.1939 aus der HA Zwiefalten in die HA Schussenried versetzt“ und am 14.6.1940 deportiert wurden.
- Verbo Schussen-Bote, Ausgabe vom 23.12.1931 und andere Zeitungen aus der Deutschen Digitalen Bibliothek.
- Pfarrei Andelfingen katholisches Familienregister Seite 227, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums von Anton Gobs.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. August 1894
Geburtsort: Beuren (Salem)
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Juli 1940 Zwischenanstalt Schussenried
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Karl Martin Grübel, Eisenbahnschaffner in Friedrichshafen, später Bad Buchau.
Eltern: Peter Küchle, Landwirt in Beuren (Salem), und Wilhelmine geb. Birkhofer.
Helene Küchle stammte aus Beuren bei Salem. Sie hatte drei Geschwister. Am 16. Mai 1919 heiratete Helene Küchle in Kluftern den Eisenbahnschaffner Karl Martin Grübel. Das Ehepaar wohnte in Friedrichshafen und hatte drei Kinder, ein Mädchen verstarb nach wenigen Wochen.
Am 03. Januar 1929 wurde Helene Grübel zum ersten Mal in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen. Am 30. April 1929 wurde sie, auch auf Drängen des Ehemannes, gebessert entlassen. Schon wenige Monate später, am 01. August 1929, wurde sie erneut in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen. Sie hatte dort wohl im Strickzimmer und im Garten gearbeitet.
Am 31. Oktober 1935 wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau versetzt.
Während der Zeit in der Weissenau zog die Familie von Helene Grübel am 29. Januar 1932 von Friedrichshafen nach Buchau (heute Bad Buchau). Im Jahr 1934 hatte sich ihr Ehemann scheiden lassen, dies wurde durch einen Nachtrag im Familienregister Bad Buchau dokumentiert: „Durch Urteil des Landgerichts Ulm a. D. vom 23. Jan. 1914 ist die am 16. Mai 1919 in Kluftern geschlossene Ehe zwischen dem Eisenbahnschaffner Karl Grübel und der Helene geb. Küchle wegen Geisteskrankheit der Ehefrau geschieden worden“. Der Ehemann hatte im gleichen Jahr erneut geheiratet.
Die Geschwister von Helene Grübel hatten sich für ihren Gesundheitszustand interessiert und sie scheint von ihnen auch besucht worden zu sein. In der Patientenakte befinden sich entsprechende Briefe.
Nach knapp fünf Jahren Aufenthalt in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau wurde Helene Grübel am 2. Juli 1940 in einem Transport mit 75 Frauen von der Liebenau in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Am 29. Juli 1940 wurde sie nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Helene Grübel wurde 45 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum ist aus dem Buch von „Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz“ bekannt, es war der 11. August 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 260a-12 und Bü 260a-115.
- Staatsarchiv Sigmaringen, StAS Wü 68/2 T 3 Nr. 1804 Psychiatrisches Landeskrankenhaus Weissenau, Patientenakte Helene Grübel.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 2. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried verlegt“ und am 29.07.1940 deportiert wurden.
- Standesamt Bad Buchau Familienregister Blatt 213, mit Nachtrag der Scheidung und des Todesortes.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970, Seite 154.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 07. Mai 1882
Geburtsort: Laupheim
Beruf: ohne
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 28. November 1941
Sterbedatum: Nach dem 28. November 1941
Todesort: evtl. am Killesberg oder im Osten
Mordprogramm: Shoa und NS-„Euthanasie“
Biografie
Eltern: Josef Guggenheimer, Händler in Laupheim, und Lina geb. Guggenheimer. Beide Eltern wurden in Altenstadt (Iller) geboren.
Im Jahr 1888 wurde den Eltern nebst fünf Kindern die Württ. Staatsangehörigkeit erteilt.
Karl Guggenheimer war das älteste Kind seiner Eltern. Drei Brüder wanderten schon früh in die USA aus, eine Tante lebte schon in den USA. In der Traueranzeige des Vaters Josef Guggenheimer wurden die Orte Laupheim, Konstanz und Richmond genannt, er verstarb 1920. Die Schwester Berta verh. Löwenstein konnte nach Argentinien auswandern. Der Bruder Leopold Guggenheimer wurde ein Holocaust-Opfer.
Vor der Einweisung in die Pflegeanstalt Heggbach lebte Karl Guggenheimer zusammen mit seiner Mutter Lina im jüdischen Zwangsaltersheim in Laupheim (das ehemalige Rabbinatsgebäude), es existiert ein Gruppenbild der Bewohner des Zwangsaltersheims.
In Heggbach scheint er sich gut eingelebt zu haben, die Schwestern sorgten gut für die Patienten. Auch die Versorgung und Seelsorge durch die „Jüdische Kultusvereinigung Württemberg e.V.“ und dem „Jüdischen Frauenbund“ scheint auf spezifische Belange jüdischer Patienten eingegangen zu sein.
Im November 1940 schreiben die Schwestern an Herrn Ludw. Isr. Stern in Laupheim: „Wir nehmen an, dass die Gefahr der Verlegung der Pfleglinge aus unserer Pflegeanstalt nunmehr vorüber ist, weshalb Sie Karl u.E. seine Winterwäsche und Kleider schon schicken können.“ Karl Guggenheimer lässt auch Grüße ausrichten an Herr Stern, seine lb. [liebe] Mutter und an alle die nach Ihm fragen sollten.
Vom Ende Januar 1941 existiert ein Brief aus Heggbach, in dem auf die „wirklich guten Arbeitskräfte“ hingewiesen wird, darunter Karl Guggenheimer.
Am 10. Februar 1941 kam die Bestätigung, dass Karl Guggenheimer in dem „Dauerheim für Schwachsinnige in Berlin-Weissensee untergebracht werden kann“.
Mit dem Transport Nr. 717 wurde Karl Guggenheimer am 28. November 1941 verlegt. Beim Weggang wurde mitgegeben:
- Kennkarte
- Beglaubigte Abschrift der Geburtsurkunde
- Polizeiliche Abmeldebescheinigung
- Ausweis betr. Lebensmittelkarten
- 1 Aerztl. Zeugnis
- Reichs-Reisenkarte Nr. 1 814583
Karl Guggenheimer lebte vom 6. Juni 1940 bis 28. November 1941 in Heggbach und wurde dort verpflegt. Er wurde „gen Osten verlegt“.
Karl Guggenheimer wurde 59 Jahre alt.
Vermutlich ist er schon kurz nach dem Abtransport in Stuttgart-Killesberg ermordet worden. Details zu seinem Tod sind nicht bekannt, evtl. aber auch erst zu einem späteren Zeitpunkt in Riga.
Er war ein Opfer der Shoa und der NS-„Euthanasie“. Ohne seine Einschränkung hätte er es vielleicht geschafft, auszuwandern.
Quellen/Literaturangaben
- In der Erinnerungsstätte Yad Vashem findet sich ein Vermerk zu Karl Guggenheimer, der lautet: „Shot to death 1. XII. 1941.“
- Zur Familiengeschichte siehe auch Gedenkbuch Laupheim: http://www.gedenk-buch.de/KAPITEL/41%20GUGGENHEIMER%20Lina.htm.
- Stadtarchiv Laupheim: Geburtsregister Laupheim 1882 Nr. 65 Karl Guggenheimer, mit Nachträgen für den Namenszusatz „Israel“.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
H
Geboren am: 9. Juli 1893
Geburtsort: Wennedach
Beruf: Stallschweizer
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Philipp Jakob Habrik, Schreiner in Wennedach, und Hedwig geb. Hoch.
Der Schreiner Philipp Jakob Habrik heiratete 1888 auf das Anwesen seiner 1. Ehefrau Maria Ursula Lutz in Wennedach. Die Ehefrau starb 1891. In 2. Ehe heiratete Philipp Jakob Habrik 1892 Hedwig Hoch. Dieser Ehe entstammte Alois Habrik. Vater Philipp Jakob Habrik heiratete im Jahr 1915 ein drittes Mal.
Das Elternhaus von Alois Habrik war in der Sommershauser Str. 10 in Wennedach. Hier verbrachte Alois Habrik seine Kindheit.
Er war als Soldat im 1. Weltkrieg, im Dezember 1916 erhielt der Fahrer Alois Habrik aus Wennedach das Eiserne Kreuz.
Alois Habrik arbeitete 1932 als Stallschweizer im landwirtschaftlichen Anwesen Schick in Ringschnait. Dort ermordete er am 21. Februar 1932 einen Handwerksburschen. Am 23. März 1932 wurde berichtet, dass Alois Habrik wegen Unzurechnungsfähigkeit in eine Heilanstalt überführt wurde. Über die Tat und den weiteren Verlauf berichteten Zeitungen überregional.
Alois Habrik lebte vom 22. Februar 1932 bis zum 23. August 1940 in der Heilanstalt Schussenried. An diesem Tag wurde er nach Grafeneck deportiert ermordet.
Er wurde 47 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 02. September 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 270 Nr. 78.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (34).
- Standesamt Reinstetten: Geburtsregister 1893 Nr. 31 Habrik Alois, mit Nachtrag des Todes.
- Anzeiger vom Oberland, Ausgabe vom 23. Februar 1932, Seite 3, und andere regionale Zeitungen.
- Der Rottumbote, Ausgabe vom 23. März 1923, Seite 7, und andere regionale Zeitungen.
- Hans Angele – Häuserchronik Reinstetten 1470-1970, Seite 370: Sommershauser Str. 10 Habrik.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 09. Juni 1904
Geburtsort: Biberach
Beruf: Dienstmädchen, Haushaltshilfe
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster
Datum der Deportation: 04.09.1939 (Zwischenanstalt Weissenau)
Sterbedatum: 10. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Julius Hafner, Taglöhner in Ulm, und Elisabeth geb. Grün.
Der Geburtsort von Elise Hafner ist Biberach an der Riß, die Angabe Ulm als Geburtsort im Gedenkbuch Ulm ist falsch. (Geburtsregister Biberach 1904 Nr. 113). Der Vater stammte aus Bad Liebenzell, die Mutter aus Laupheim. Von den sieben Kindern wurden alle bis auf eines in Biberach geboren.
Biografie aus dem Gedenkbuch Ulm
Elisabeth Hafner, genannt Elise, kam am 9. Juni 1904 als sechstes von sieben Kindern des Taglöhners Julius Hafner und seiner Ehefrau Elisabeth, geb. Grün, in Ulm zur Welt. Ihr Vater arbeitete bei Magirus als Tagelöhner. Elise Hafner berichtete über sich, dass sie gerne in die Schule ging und sowohl das Aufsatzschreiben als auch das Rechnen mochte. Ihr Verhalten in der Pubertät galt als herausfordernd und auffällig. Als sie 14 Jahre alt war, starb ihre Mutter und ihr Vater heiratete erneut. Das Verhältnis zu ihrer Stiefmutter beschrieb sie als nicht gut – sie fühlte sich von ihr schlecht behandelt. Elise Hafner besuchte eine Fortbildungsschule und trat 1918 bei Apotheker Grimm in Ulm eine Stelle als Dienstmädchen an. Nach dessen Tod arbeitete sie ein halbes Jahr lang bei Musiklehrer Koch, dann ein Jahr lang in der Fürsorgeeinrichtung Guter Hirte in Untermarchtal, wo sie laut einem ärztlichen Bericht des städtischen Krankenhauses gefördert werden sollte, was nach einem halben Jahr aufgegeben werden musste.
Zu Jahresbeginn 1922 hatte Elisabeth Hafner 17-jährig gerade wieder eine Stelle in einem Haushalt angetreten, als sie wegen eines Unfalls mit unklarem Hergang am 28. Februar 1922 ins städtische Krankenhaus Ulm kam. Der zuständige Arzt Dr. Dandler beschrieb die Familie als sozial schwach und stellte auch eine Negativprognose bezüglich ihrer Arbeitsperspektiven. Bei der Aufnahme prüfte Dr. Dandler auch die kognitiven Fähigkeiten und das Allgemeinwissen von Elise Hafner. Beim Kopfrechnen konnte sie „prompt″ und richtig antworten, dagegen hatte sie, nach Einschätzung des Arztes, Schwächen im Bereich Geografie.
Vom städtischen Krankenhaus Ulm aus kam Elise Hafner am 13. Mai 1922 bis zum 10. Januar 1923 in die Heilanstalt Schussenried. Mit ihrem Vater hielt sie Briefkontakt und klagte über die dortige Behandlung. Daraufhin besuchte er sie im Oktober 1922. In der Folge wurde sie in eine Abteilung verlegt, wo sie mehr Freiheit hatte. Am 10. Januar 1923 wurde Elise Hafner als „ungeheilt″ entlassen. Sie verzog nach München, wo sie im März 1923 für einen Monat in der psychiatrischen Klinik München behandelt und am 16. April 1923 in die Klinik Eglfing-Haar verlegt wurde. Am 2. Dezember 1924, nun 20-jährig, sorgten die Kostenträger für eine Rückverlegung in eine württembergische Heilanstalt; erneut war es Schussenried.
Elise Hafner schrieb, dass die Unterbringung, die Versorgung, das Essen und auch die Arbeit in Eglfing-Haar deutlich besser gewesen seien als in Schussenried. Sie drängte danach, möglichst Arbeiten außerhalb der Anstalt zu erhalten, um diese so schnellstmöglich wieder verlassen zu können.
Ein Versuch im April 1925, von der Heilanstalt aus in den Wald zu kommen, scheiterte am Torwärter. Nach einer genehmigten zweiwöchigen Beurlaubung, bei der sie ihr Vater und Schwager nach Ulm mitgenommen hatten, kehrte sie nicht mehr wie vereinbart am 15. September 1925 zurück. Sie arbeitete zunächst zu großer Zufriedenheit der Dienstherrin in einem Haushalt in Ulm als Haushaltshilfe. Doch schon nach wenigen Wochen muss sie wieder aufgefallen sein, denn am Heiligabend 1925 wurde sie in die Anstalt Rottenmünster in Rottweil eingewiesen. Dort musste Elisabeth Hafner 14 Jahre lang bleiben, bevor sie am 4. September 1939 im Alter von 35 Jahren in die Heilanstalt Weissenau verlegt wurde. Am 10. Juni 1940 kam Elisabeth Hafner zur Deportation nach Grafeneck, wo sie unmittelbar nach ihrer Ankunft ermordet wurde.
Quellen/Literaturangaben:
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Sigmaringen Wü 42 T 94 Nr. 444 Blatt 2
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Sigmaringen Wü 68/1 T 1 Nr. 4496
Weitere Informationen ergänzend zur Biografie im Gedenkbuch Ulm
Elisabeth Hafner wurde 36 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist im Familienregister der Eltern aus dem Stadtarchiv Biberach nachgetragen, es ist der 03. Juli 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 278-85.
- Stadtarchiv Biberach: Geburtsregister 1904 Nr. 113, mit Nachtrag zum Tod in Grafeneck, aber ohne Datum.
- Stadtarchiv Biberach: Familienregister Band 14, Blatt 135 der Eltern von Elise Hafner, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Gedenkbuch Ulm: Gedenkbuch für die Ulmer Opfer von NS-Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 31. Januar 1910
Geburtsort: Weingarten
Beruf: Mechaniker
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 29. Oktober 1940
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Gebhard Hagge, Korbmacher in Weingarten, und Christina geb. Windbühler.
Die Eltern von Gebhard Hagge hatten fünf Kinder, zwei Geschwister verstarben jung. Er war das zweite Kind. Gebhard Hagge absolvierte nach der Schule eine Lehre zum Mechaniker. Die Eltern wurden 1934 geschieden. Seine Schwester heiratete 1937 in Tübingen, sein Bruder zog 1960 in die USA, heiratete dort und hatte eine große Familie.
Am 22. November 1932 wurde Gebhard Hagge wegen Diebstahls vom Schöffengericht Rottweil zu einer Gefängnisstrafe verurteilt. Frühere Straftaten wurden in verschiedenen Zeitungen aufgeführt. Gebhard Hagge verbüßte seine Strafe im Landesgefängnis Heilbronn ab 22. November 1932.
Gebhard Hagge erkrankte während der Strafzeit in Heilbronn und wurde von dort in das Gefängniskrankenhaus Hohenasperg verlegt. Dort war er vom 21. Februar 1933 – 11. Dezember 1933.
Laut Aufnahmebuch Schussenried kam Gebhard Hagge am 11. Dezember 1933 aus der Heilanstalt Asperg (Hohenasperg) in die Heilanstalt Schussenried. Hier wurde sein Wohnort mit Biberach an der Riß angegeben.
Gebhard Hagge lebte bis zum 29. Oktober 1940 in der Heilanstalt Schussenried. An diesem Tag wurde er nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet. Gebhard Hagge wurde 30 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist der 14.11.1940 in Sonnenstein/Sachsen.
Die Mutter von Gebhard Hagge schrieb am 11. Januar 1934 einen Brief an das Gefängniskrankenhaus Hohenasperg, mit der Frage, wie es ihrem Sohn gehe. Er hatte auf mehrere Briefe von ihr nicht geantwortet. Das Antwortschreiben der Anstalt liegt als Kopie der Akte bei: „Auf Ihr Schreiben vom 11.d.M. teile ich Ihnen mit, dass ihr Sohn mit Strafende, am 11. Dezember v.J., als hilfsbedürftiger Geisteskranker der Fürsorgebehörde Asperg übergeben u. am gleichen Tage durch einen Wärter der Irrenabteilung in die Heilanstalt Schussenried verbracht worden ist. Wenn Sie sich an die dortige Direktion wenden, werden Sie ohne Zweifel alsbald jede gewünschte Auskunft über das Befinden des Kranken erhalten. …“.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 280-76.
- Staatsarchiv Ludwigsburg Bestand E 356 d VI Bü 215_Hagge, Gebhard geb. 31.01.1910, Akte aus der Landesstrafanstalt Ludwigsburg, Zweigstelle Hohenasperg.
- Staatsarchiv Ludwigsburg Bestand E 356 d VI Bü 512 Hagge, Gebhard geb. 31.01.1910, Irren-Abteilung Hohenasperg.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 6), die „am 29. Oktober 1940 verlegt“ wurden (13).
- Buchauer Zeitung Ausgabe vom 12. April 1930 und Der Rottumbote Ausgabe vom 23. Mai 1930.
- Stadtarchiv Weingarten, Geburtsregister 1910 Nr. 19, Familienregister Band 18, Blatt 70, und Todesfallbenachrichtigung vom Standesamt Sonnenstein/Sachsen.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. März 1874
Geburtsort: Kleinwinnaden
Beruf: Schneider
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster
Datum der Deportation: 3. Februar 1940
Sterbedatum: 3. Februar 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Mutter: Marianna Haller aus Kleinwinnanden bei Schussenried, ledig.
Die Mutter von Gabriel Haller hatte mehrere uneheliche Kinder von verschiedenen Vätern. Diese Kinder sind detailliert im Familienregister der Großeltern von Gabriel Haller aufgeführt.
Gabriel Haller war das jüngste Kind. Die Mutter hatte 1880 den Witwer Franz Anton Lauer geheiratet. Sie verstarb aber wenige Monate nach der Hochzeit am 18. September 1880. Gabriel Haller war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt.
Am 14. Juni 1894 wurde Gabriel Haller vom Schwurgericht Ravensburg zu einer Gefängnisstrafe von 2 1/2 Jahren verurteilt. Diese verbüßte er im königlichen Landesgefängnis in Rottenburg.
Von dort aus wurde er während der Haftzeit am 04. Juni 1895 in die Nervenklinik Tübingen überwiesen. In der umfangreichen Patientenakte aus dem Universitätsarchiv Tübingen gibt es mehrere Briefe von Gabriel Haller, unter anderem an seine Schwester, Berichte über das Strafverfahren, vom Gefängnis und vom Schultheiß in Schussenried.
Die wichtigsten biografischen Daten:
- Nach dem Tod der Mutter kam Gabriel Haller im Alter von ca. 6 Jahren nach Ochsenhausen ins Waisenhaus.
- Nach der Schule begann er in Ravensburg eine Schneiderlehre, die er nach 4 Jahren auch beendete.
- Danach ging er laut eigener Aussage auf Wanderschaft, fand aber nur wenig Arbeit.
- Im Jahr 1892 wurde er durch Vermittlung des Pfarrers von Altshausen bei der Arbeiterkolonie Dornahof beschäftigt.
- Danach kam es zu der Verurteilung zur Gefängnisstrafe.
Gabriel Haller hatte während der Zeit in Tübingen am 08. April 1896 selbst ein Bittgesuch nach Stuttgart geschrieben und um Versetzung in die Heilanstalt Schussenried gebeten. Zitat: „Der Grund der Versetzung ist, daß ich in meiner Heimat Schussenried besser befinde als hier, wo man so unbekannt ist …“.
Am 21. Juli 1896 wird Gabriel Haller in Tübingen entlassen, aber in die Heilanstalt Zwiefalten versetzt, nicht nach Schussenried. Eigenartigerweise wechselt er oft die Einrichtungen, der Grund ist nicht bekannt.
- zwischen 21. Juli 1896 und 30. September 1897 Heilanstalt Zwiefalten
- zwischen 17. Februar 1898 und 27. Januar 1900 Heilanstalt Zwiefalten
- danach in der Pflegenastalt Liebenau
- zwischen 17. Januar 1901 und 15. Juni 1906 Heilanstalt Zwiefalten
- danach in den Oberen Riedhof bei Ulm
- zwischen 26. Oktober 1906 und 24. Mai 1907 Heilanstalt Zwiefalten
- zwischen 24. Mai 1907 und 29. Oktober 1918 Heilanstalt Rottenmünster
- zwischen 29. Oktober 1918 und 01. Oktober 1920 Heilanstalt Zwiefalten
- zwischen 01. Oktober 1920 und 03. Februar 1940 Heilanstalt Rottenmünster
Während des letzten Aufenthalts in Rottenmünster verstarb seine Schwester Juliane Haller am 28. Juli 1930 in Buchau.
Am 03. Februar 1940 wurde Gabriel Haller von Rottenmünster nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Er wurde 65 Jahre alt und hatte den größten Teil seines Lebens in Einrichtungen verbracht.
Im kath. Taufregister Schussenried ist das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum 06. Februar 1940 in Grafeneck nachgetragen.
Im Buch von Josef Mohn: „Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz“, Seite 154 wird Gabriel Haller auch aufgeführt:
„Gabriel Haller, lediger Schneider, geb. 18.3.1874 in Kleinwinnaden. Er wurde in Grafeneck vergast am 6.2.1940. Seine Urne wurde im Grab seiner Schwester Juliane Haller auf dem Friedhof in Kappel beigesetzt. Die Angehörigen des Ermordeten wurden durch einen Brief der Anstaltsleitung Grafeneck vom 8.2.1940 vom Tode in Kenntnis gesetzt.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 285-32.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 309/2894 Haller Gabriel aus Kleinwinnaden, Patientenakte.
- Katholisches Familienregister Schussenried Band II, Fol. 157a.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970. Hier besonders: Der Leidensweg der Opfer der Euthanasie, 1939-1941, S. 151-155.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 03. August 1901
Geburtsort: Stuttgart
Beruf: Postbetriebsassistentin, Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Winnental
Datum der Deportation: 30. Mai 1940
Sterbedatum: 30. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Josef Härle aus Mietingen.
Eltern: Anton Rechtsteiner, Postassistent in Biberach (1898-1908 wohnhaft in Stuttgart, ab 1913 wohnhaft in Biberach), und Sofie Maria geb. Schlegel.
Die Eltern von Anna Rechtsteiner heirateten 1899 in Stuttgart standesamtlich und in St. Eberhard kirchlich. Der Vater stammte aus Grundsheim, die Mutter aus Mindelheim in Bayern. Im Geburtsjahr von Anna Härle (1901) war der Wohnort der Familie die Forststr. 50 in Stuttgart, der Beruf des Vaters war Briefträger. 1905 bis 1908 lebte die Familie in Stuttgart in der Johannesstraße 22 (4. Etage), der Beruf des Vaters war Postunterbeamter.
Seit März 1910 wohnte die Familie Rechtsteiner in Biberach, der Beruf des Vaters Anton Rechtsteiner war jetzt Postassistent. Anna Härle war also 8-9 Jahre alt, als die Familie von Stuttgart nach Biberach zog. Im Jahr 1913 war die Anschrift in Biberach die Zeughausgasse 6. Im Jahr 1915 wurde das sechste und letzte Kind der Eltern von Anna Härle in Biberach geboren.
Anna Härle heiratete am 12. November 1927 den Ingenieur Josef Härle aus Mietingen. Ihr Beruf war Postbetriebsassistentin.
Am 3. Dezember 1932 wurde Anna Härle in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen, ihr Wohnort war Baustetten im Kreis Laupheim. Nach 3 Monaten Aufenthalt in der Nervenklinik wurde sie in die Frauenklinik versetzt. Am 17. März 1933 war Anna Härle dann nochmals für eine Nacht in der Nervenklinik (evtl. nach Entlassung aus der Frauenklink?). Danach wurde sie nach Hause entlassen. Am 9. August 1933 wurde Anna Härle auf Ansuchen der Angehörigen in die Heilanstalt Winnental aufgenommen. Das Ehepaar hatte vier Kinder und wohnte zum Zeitpunkt der Aufnahme in die Heilanstalt in Stuttgart-Cannstatt.
Anna Härle war vom 9. August 1933 bis zu Ihrer Deportation am 30. Mai 1940 in der Heilanstalt Winnental. Am Tag der Deportation wurde sie in Grafeneck ermordet. Sie wurde 38 Jahre alt.
Die Urne von Anna Härle wurde auf dem katholischen Friedhof in Biberach bestattet. Die 2. Ehefrau des Vaters ist auf der Karteikarte der Kriegsgräberlisten als Ansprechpartner eingetragen. Aus der Karteikarte ist auch das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum bekannt, es war der 21. Juni 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 276-32.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/5201 Härle Anna, Patientenakte mit Foto.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 1: Härle geb. Rechtsteiner, Anna.
- Anzeiger vom Oberland, Ausgabe vom 21. November 1927, Seite 7: Vermählungsanzeige von Josef Härle und Anna Rechtsteiner.
- Stadtarchiv Biberach. Eheregister Biberach 1927 Nr. 42, mit Nachtrag des Todes der Ehefrau.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. Mai 1873
Geburtsort: Otterswang
Beruf: Bauer
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 03. Juli 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Härle junior, Bauer in Otterswang (St. Donatus), und Maria Anna Franziska geb. Hohl.
Franz Xaver Härle war das älteste von vier Kindern. Die Familie lebte im Bauernhaus St. Donatus, das Haus direkt neben der Kirche in Otterswang.
Der Bruder Vinzenz Härle übernahm den elterlichen Hof, die zwei Schwestern waren beide auswärts verheiratet.
Franz Xaver Härle war vom 13. Juli 1904 bis zum 27. Dezember 1904 in der Heilanstalt Schussenried. Von dort wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau versetzt. Am 20. Dezember 1905 wurde er in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen. Dort lebte er bis zum 05. November 1938.
Von Zwiefalten aus wurde er am 05. November 1938 erneut in die Liebenau verlegt und am 03. Juli 1940 von der Liebenau nach Zwiefalten. Die Heilanstalt Zwiefalten fungierte dabei als Zwischenanstalt. Am 25. Juli 1940 wurde Franz Xaver Härle von Zwiefalten nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Franz Xaver Härle wurde 67 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum von Franz Xaver Härle war der 09. August 1940 in Grafeneck. Sein jüngerer Bruder Vinzenz verstarb am 08. August 1940 in Otterswang, so der Eintrag im Familienregister.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 276 Nr. 38.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29196.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 03. Juni 1884
Geburtsort: Äpfingen
Beruf: Fabrikarbeiterin / Dienstmädchen
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 Zwischenanstalt Zwiefalten
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johannes Baptist Hartle und Elisabeth geb. Wiest.
Anna Hartle (Taufname Anna Maria) war das neunte von dreizehn Kindern der Familie. Fünf der Kinder sind jung verstorben. Einige Geschwister heirateten in Stuttgart. Die Eltern verstarben 1902 (Vater) und 1916 (Mutter).
Der erste von insgesamt vier Aufenthalten in der Heilanstalt Schussenried war vom 07. März 1903 bis 21. Juni 1903. Anna Hartle wurde gebessert entlassen. Der Wohnort bei der ersten Aufnahme war Stuttgart, sie lebte und arbeitete als Dienstmädchen in Stuttgart. Anna Hartle war danach erneut im Jahr 1908 und im Jahr 1920 jeweils für mehrere Wochen in der Heilanstalt Schussenried. Im Jahr 1920 lautete ihr Beruf Posamentierarbeiterin, sie wohnte in Äpfingen. Anna Hartle hatte sich durch ihre Berufstätigkeit etwas Geld erspart und war im Besitz eines kleinen Häuschens.
Am 18. April 1935 erfolgte die 4. Aufnahme in Schussenried. Sie wurde am 31. März 1936 gebessert zu ihrer Schwester entlassen.
In der Patientenakte finden sich mehrere Briefwechsel der Geschwister und Eltern von Anna Hartle mit der Heilanstalt. Die Familie hatte sich gekümmert, Anna Hartle hatte Besuch erhalten und sie wurde auch probeweise mit nach Hause genommen, „ob es wieder geht“.
Nach der letzten Entlassung aus Schussenried am 31. März 1936 erfolgte schon gute 2 Wochen später, am 16. April 1936 die Aufnahme in die Pflegeanstalt Heggbach. Sie war Privatpflegling, der Bruder war der Pfleger.
Anna Hartle wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet. Anna Hartle wurde 56 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 17. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Hartheim/Oberdonau. Diese Daten sind auch im Familienregister der Eltern von Anna Hartle nachgetragen. Der Pfarrer schreibt: „in Hartheim, ODonau auf staatl. Anordnung eingeäschert 17.10.1940, weil geistesgestört!“
Auch im Heimatbuch Äpfingen ist das Schicksal von Anna Hartle aufgeführt:
Aus: Hess, Karl: Äpfingen, aus der Geschichte des Dorfes – Geschichten aus dem Dorf: „Genau so unerklärlich war es mir, dass bei der Beerdigung von Anna Hardtle anstatt des erwarteten Sarges nur eine kleine ‚Schachtel‘ ins Grab gesenkt wurde. Die Eltern versuchten, mir eine Urnenbestattung zu erklären. Auch hier wurde mir erst viel später klar, dass Anna, die in einer Pflegeanstalt untergebracht war, dem Euthanasieprogramm der Nationalsozialisten zum Opfer gefallen war. Gelegentlich war auch, hinter vorgehaltener Hand, die Rede von jenem besagten ,schwarzen Omnibus‘, der von Heggbach kommend, am Haus vorbeifuhr.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 291 Nr. 101.
- Staatsarchiv Sigmaringen, STAS Wü 68/1 T 1 Nr. 4540 Psychiatrisches Landeskrankenhaus Schussenried, Patientenakte von Anna Hartle.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Hess, Karl: Äpfingen, aus der Geschichte des Dorfes – Geschichten aus dem Dorf. Mit einem Beitrag Von Robert Manz. Maselheim 2009, S. 641.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. August 1892
Geburtsort: Füramoos
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 03. Juli 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johannes Häusle, Bauer aus Füramoos, und Genoveva geb. Birk.
Alois Häusle hatte viele Geschwister. Aus der ersten Ehe seiner Mutter mit dem Vater Johannes Häusle hatte er fünf Schwestern, Alois Häusle war das dritte Kind. Der Vater von Alois Häusle starb 1896, die Mutter heiratete in 2. Ehe den Bauern Johannes Schad. Zwei Halbgeschwister von Alois Häusle wurden noch in Füramoos geboren, danach zog die Familie nach Bellamont. In Bellamont kamen dann von 1902-1909 noch fünf Halbgeschwister zur Welt. Die Mutter verstarb im Jahr 1929, der Stiefvater 1931.
Alois Häusle arbeitete vor seiner Erkrankung als Dienstknecht.
Am 01. Oktober 1935 erfolgte die Aufnahme in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Die Krankheitsgeschichte aus knapp fünf Jahren ist auf zwei Seiten dokumentiert und enthält vier unterschiedliche Einträge. Der letzte Eintrag war vom 30. April 1940.
Alois Häusle wurde am 03. Juli 1940 von der Liebenau nach Zwiefalten verlegt. Die Heilanstalt Zwiefalten fungierte dabei als Zwischenanstalt. Am 25. Juli 1940 wurde Alois Häusle von Zwiefalten nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Er wurde 47 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 05. August 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29211, mit Abschrift des Familienregisters der Eltern.
- Standesamt Füramoos, Geburtsregister Füramoos 1892 Nr. 11, mit Nachtrag des Todes von Alois Häusle.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 3. Mai 1885
Geburtsort: Berlin
Beruf: Schauspieler
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Gertrud Heide, geb. Hoppe, wohnhaft in Berlin.
Eltern: Carl Julius Emil Heide, Kutscher in Berlin, und Ottilie Pauline geb. Masche.
Paul Heide wurde in Berlin geboren, lebte später irgendwann in Biberach an der Riß.
Er wurde nach einem Schlaganfall am 24. November 1936 in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen.
In der Akte aus dem Bundesarchiv steht im Befund: „Er erlitt als Schauspieler bei einer Vorführung einen Schlaganfall“. Er wurde nach dem Schlaganfall längere Zeit im Kreiskrankenhaus Biberach behandelt.
Die einzige Fundstelle in den Zeitungen ist am 12. November 1927 eine „Öffentliche Zustellung“ einer Gertrud Heide geb. Hoppe an den Schauspieler Paul Heide, früher wohnhaft in Pritzerbe, jetzt unbekannten Aufenthalts, auf Ehescheidung. Ob es dieser Paul Heide ist, kann nicht sicher gesagt werden.
In der Opferliste Grafeneck wird als letzter Wohnort Biberach an der Riß angegeben. Im Adressbuch Biberach 1902 und 1930 gibt es den Namen Heide nicht.
Paul Heide wurde am 11. September 1940 mit dem ersten Transport von Heggbach nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Paul Heide wurde 55 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist aktuell nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/1764.
- Deutscher Reichsanzeiger und Preußischer Staatsanzeiger, Ausgabe vom 21.11.1927, Seite 5. (Online im Deutschen Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek oder der Digibib der Universität Mannheim).
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. November 1886
Geburtsort: Reinstetten
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 29. Oktober 1940
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Josef Heinz, Eisenbahnarbeiter in Reinstetten.
Eltern: Leonhard Gruber, Taglöhner in Reinstetten, und Magdalena geb. Bitterwolf.
Theresia Gruber wuchs in Reinstetten auf. Sie hatte als Kind in der Schule ordentlich gelernt, nach der Schule arbeitete sie bei einem Bauern. Später war sie bei einem Oberförster in Stellung. Von 1908 bis 1921 lebte sie bei ihrer Schwester in der Schweiz. In dieser Zeit war sie ein halbes Jahr in einer Nervenheilanstalt in Chur.
Im Jahr 1922 kehrte sie nach Deutschland zurück und heiratete den Eisenbahnarbeiter Josef Heinz aus Reinstetten. Da die Ehe kinderlos blieb, nahm das Ehepaar ein Pflegekind an. Das Kind war fünf Jahre alt, als Theresia Heinz erkrankte.
Am 18. Dezember 1931 erfolgte die Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried. Der Patientenakte aus dem Bundesarchiv liegt ein ausführliches Gutachten eines Dr. Leitritz aus Ochsenhausen bei. Theresia Heinz wurde während der Zeit in der Anstalt mit Stricken beschäftigt, sie arbeitete regelmäßig. Auch 1939 steht in der Akte: „arbeitet unermüdlich“. Am 13. August 1940 steht in der Akte: „Fleißige, pünktliche Strickerin“. Der letzte Eintrag in der Akte ist vom 29. Oktober 1940: „Wird in eine andere Anstalt verlegt.“
Am 29. Oktober 1940 wurde Theresia Heinz von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie wurde 53 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 16. November 1940 als Todestag und als Sterbeort Hartheim (Oberdonau).
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 310 Nr. 37.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27706, mit Portraitfoto.
- Gemeindearchiv Reinstetten: Mitteilung eines Todesfalls vom Standesamt Hartheim.
- Standesamt Reinstetten: Geburtsregister Reinstetten 1887 Nr. 44 von Theresia Gruber, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 29. Oktober 1940 verlegt“ wurden (27).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. Mai 1901
Geburtsort: Heudorf
Beruf: Landwirtssohn
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Max Hepp, Bauer und Gemeindepfleger in Heudorf am Bussen, und Lidwina, geb. Hepp.
Max Hepp war das jüngste von drei Kindern seiner Eltern. Die Eltern verstarben 1945 und 1948, die zwei älteren Schwestern in den 1970er Jahren.
Max Hepp kam mehrmals mit dem Gesetz in Konflikt, dies wurde aber nicht bestraft, da seine Zurechnungsfähigkeit angezweifelt wurde. Aus diesem Grunde erfolgte die erste Aufnahme in der Heilanstalt Weissenau am 07. Dezember 1921. Nach drei Monaten, am 01. März 1922 wurde er nach Hause entlassen. (In der Württembergischen Patientenkartei steht der 01. März 1923, es ist anzunehmen, dass die Tübinger Patientenakte korrekt ist).
Max Hepp war mehrmals in Heilanstalten:
-
- Dezember 1921 – 01. März 1922: Heilanstalt Weissenau
- Mai 1923 – 31. Dezember 1923: Heilanstalt Weissenau
- März 1924 – 29. Dezember 1924: Heilanstalt Schussenried
- März 1925 – 17. März 1925: Nervenklinik Tübingen
- April 1926 – 14. Juni 1940: Heilanstalt Schussenried
Vor der fünften und letzten Einweisung nach Schussenried war Max Hepp eine Woche in der Nervenklinik in Tübingen. Von dort holte ihn sein Vater am 17. März 1925 ab. Ca. ein Jahr später erfolgte die letzte Anstaltsaufnahme, am 03. April 1926 in die Heilanstalt Schussenried. Über die Zeit in Schussenried liegen keine Informationen vor, die Akte ist nicht erhalten.
Max Hepp lebte vierzehn Jahre in Schussenried. Er wurde am 14. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und noch am gleichen Tag ermordet. Er wurde 39 Jahre alt.
Die Familie von Max Hepp hatte seine Urne angefordert. Diese wurde Anfang Juli 1940 in Heudorf am Bussen bestattet:
„(Am Grabe) Unter großer Beteiligung fand die Beerdigung des Max Hepp, der ein Alter von 39 Jahren erreichte, statt. Die ganze Gemeinde nimmt Anteil an der Trauer der Hinterbliebenen.“
Der Pfarrer trug im Familienregister der Eltern das gefälschte Todesdatum mit folgendem Kommentar ein: „3.7.1940 wurde gestorben und eingeäschert in Grafenegg“. Ein mutiger Eintrag im Jahr 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 317.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/34886 Max Hepp aus Heudorf am Bussen, Patientenakte.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juli 1940 verlegt“ wurden (55).
- Katholisches Familienregister Heudorf am Bussen Fol. 227, mit Nachtrag bei Kind Max Hepp.
- Nationale Rundschau Ausgabe vom 6. Juli 1940, Seite 8: Am Grabe: Bestattung von Max Hepp.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. August 1942
Geburtsort: Memmingen
Beruf: Kind
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren
Datum der Deportation: –
Sterbedatum: 27. März 1944
Todesort: Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren
Mordprogramm: „Kinder-Euthanasie“
Biografie
Mutter: Hilde Hermann, wohnhaft in Erolzheim, Langgasse.
Rosa Maria (Rufname Rosmarie) Hermann wurde am 14. August 1942 während des 2. Weltkriegs in Memingen geboren. Die Mutter stammte aus Erolzheim, das Kind wurde auf dem Geburtsregister der Mutter und dem Familienregister der Großeltern in Erolzheim nachgetragen. Da sie ein Kind mit Einschränkungen war, musste das gemeldet werden. Die Meldepflicht für Neugeborene war im August 1939 in Kraft getreten: Erlass des Reichsministers des Innern betreffend Meldepflicht missgestalteter Kinder, IV b 3088/39, ein streng vertraulicher Erlass.
Das Kind Rosmarie Hermann wurde am 06. September 1943 mit einem Jahr in die Heil- und Pflegeanstalt Kaufbeuren-Irsee aufgenommen. Sechs Monate später verstarb sie, das Todesdatum war der 27. März 1944. Sie wurde eineinhalb Jahre alt.
Ob das Kind vorher in einer anderen Einrichtung war, ist nicht bekannt.
Laut den Dokumenten zur Voruntersuchung wegen Euthanasie in Württemberg aus dem Staatsarchiv Sigmaringen wurde Rosmarie Hermann als „möglicherweise euthanasiert worden“ eingestuft.
Das Kind Rosmarie Hermann wurde ein Opfer der „Kinder-Euthanasie“. Ob sie „möglicherweise euthanasiert wurde“ oder tatsächlich ermordet wurde, ist heute nicht mehr eindeutig nachweisbar.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Staatsarchiv Sigmaringen, StAS Wü 29/3 T 1 Nr. 1757/01/01, Ermittlungen, Allgemeines und Erlasse, Liste der Anstalten, Listen von Kinder die in Heilanstalten verstorben sind. Hier mit einer Namensliste von Kindern, Rosmarie Hermann wird genannt.
- Standesamt Erolzheim, Geburtsregister 1924 Nr. 2 und Familienregister Band 2, Blatt 365, jeweils mit Nachtrag des Kindes Rosmarie Hermann.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 13. Februar 1878
Geburtsort: Unlingen
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Donatus Hermanutz, Schreiner in Unlingen, und Antonia geb. Spindler.
Paul Hermanutz war das sechste von acht Kindern, drei der Geschwister starben jung. Der Vater verstarb 1917, die Mutter 1922. Paul Hermanutz wurde am 26. Februar 1921 in die Liebenau aufgenommen, ein Jahr bevor seine Mutter starb. Zeitlich könnte da ein Zusammenhang bestehen. Die drei noch lebenden Geschwister waren zu diesem Zeitpunkt schon länger in Göffingen, Mochenwangen und Ulm verheiratet.
Paul Hermanutz lebte neunzehn Jahre in der Liebenau. Am 02. Oktober 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet. Paul Hermanutz wurde 62 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum mit Sterbeort wurde auf dem Familienregister der Eltern von Paul Hermanutz nachgetragen. Es war der 16.10.1940, Hartheim in Alkoven (Oberdonau).
Im Archiv Liebenau hat sich ein Briefwechsel des Bruders Friedrich Hermanutz aus dem Mai 1949 erhalten. Er benötigte eine Sterbeurkunde seines verstorbenen Bruders Paul Hermanutz. Die Leitung der Liebenau verwies ihn an Grafeneck bei Münsingen!.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Pfarrei Unlingen, kath. Familienregister Band 2, Fol. 758 der Eltern von Paul Hermanutz. Mit Nachtrag seines Todes. Online bei Matricula DAR_M_0660_B_009_0172.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 2. November 1885
Geburtsort: Kürnbach
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
1. Eheman: Max Wild, Flaschnermeister aus Buchau, Gefallen im 1. Weltkrieg
2. Ehemann: Alois Herrmann, Förster in Altshausen.
Eltern: Mathias Hagnauer, Weber in Kürnbach, und Josepha geb. Straub aus Reichenbach (2. Ehefrau).
Auguste Hagnauer war ein spätes Kind aus der zweiten Ehe des Vaters Mathias Hagnauer. Der Vater verstarb im Alter von 77 Jahren kurz vor Ihrer Geburt. Die Mutter verstarb 1904 als Auguste Hagnauer 18 Jahre alt war. Sie war das einzige Kind Ihrer Eltern, auch aus der ersten Ehe des Vaters gab es keine lebenden Geschwister.
Auguste Hagnauer gebar 1902 einen unehelichen Sohn Gustav.
1907 heiratete Auguste Hagnauer Max Wild, einen Flaschnermeister aus Buchau am Federsee. Das Flaschnergeschäft in Aulendorf florierte. Im Januar 1916 ist Max Wild im 1. Weltkrieg gefallen. Die Witwe betrieb das Geschäft anscheinend noch bis zum Juni 1919 weiter. Kurz vor Ihrer zweiten Verehelichung verkaufte sie das Geschäft.
Am 10. Juni 1919 heiratete Auguste Hagnauer, verw. Wild den Förster Alois Herrmann. Das Paar lebte in Altshausen. Der zweite Ehemann von Auguste Herrmann verstarb 1924 in Bad Nauheim bei einem Kuraufenthalt.
Am 20. Januar 1927 erfolgte die erste Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried. Dort wird auf „Schwere Lebensschicksale“ verwiesen. Im ärztlichen Befund steht auch, dass der einzige Sohn durch einen Unfall verstorben ist, und Sie das sehr schwer nimmt. Dies geschah während des Aufenthalts in Schussenried.
Der Sohn Gustav Hagnauer ist bei einem tragischen Motoradunfall zwischen Herbertingen und Mengen am 12. August 1928 tödlich verunglückt. Dazu erschienen mehrere Berichte in der Zeitung.
Am 06. November 1931 wurde Auguste Herrmann nach Altshausen entlassen. Schon wenige Wochen später, am 23. Dezember 1931 erfolgt die zweite Aufnahme in Schussenried.
Am 10. Dezember 1935 wurde Auguste Herrmann von Schussenried in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt. Die Patientenakte ist erhalten, es liegt das ausführliche Zeugnis aus Schussenried bei. Ansonsten gibt es kaum noch Einträge in der Akte.
Am 2. Oktober 1940 wurde Auguste Herrmann von der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau nach „unbekannt“ verlegt. Tatsächlich wurde sie an diesem Tag nach Grafeneck deportiert und bei der Ankunft mit Gas ermordet. Auguste Herrmann wurde 54 Jahre alt.
Im Archiv Liebenau ist ein Brief erhalten, der Pfleger, ein Förster Kohler, bedankt sich bei den Schwestern für die Fürsorge, und teilt mit, dass Auguste Herrmann kurz nach dem Austritt verstorben ist: „Für Ihre Mitteilung danke ich Ihnen aufrichtig. Frau Herrmann, welche den 2. Okt. d. J. dort ausgetreten ist, ist am 17. Oktober 1940 um 3.15 Uhr in Hartheim über Linz, Oberdonau, an akuter Nervenentzündung und Atemlähmung gestorben (leider)“.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 321.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/28982.
- Buchauer Gedenkbuch der Gefallenen des 1. Weltkriegs, Max Wild.
- Verbo Schussen-Bote Ausgabe vom 4. Juli 1919, Verkaufsanzeige des Schlossergeschäfts. Online beim Deutschen Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek.
- Traueranzeige Riedlinger Zeitung vom 23. Juli 1924 für Alois Herrmann. Online beim Deutschen Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Hauptfriedhof Konstanz, Feld 14a – Gedenkstätte für Urnen von NS-„Euthanasie“-Opfern, welche 1983 im Keller des Krematoriums Konstanz aufgefunden wurden.
- Hauptfriedhof Konstanz, Grabfeld 14a, Nr. 70: Herrmann, Auguste mit gefälschtem Todesdatum 17.10.1940 und Todesort Hartheim. Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg LABW, StAL EL 20/1 VI Bü 1500.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 23. November 1900
Geburtsort: Hürbel
Beruf: Dienstmagd
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Hess, Söldner und Konditor in Hürbel und Theresia geb. Weiß von Dietenheim.
Die Eltern von Anna Hess hatten laut Familienregister elf Kinder, Anna Hess war das neunte Kind. Drei der Kinder sind jung verstorben.
Anna Hess hat als junge Frau als Dienstmagd gearbeitet, wo ist nicht bekannt. Sie wurde am 25. Februar 1932 auf ‚Ansuchen der Angehörigen‘ in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Bei der Aufnahme war Sie 31 Jahre alt und die Krankheitsdauer wird mit 9 Jahren angegeben. Es ist anzunehmen, dass Anna Hess zuhause bei Ihren Eltern gelebt hat. Die Mutter von Anna Hess war im Februar 1929 verstorben.
Die Patientenakte von Anna Hess ist nicht erhalten, wir wissen deshalb wenig von Ihr.
Anna Hess wurde am 7. Juni 1940 zusammen mit 59 anderen Frauen nach Grafeneck deportiert. Dort wurde sie nach der Ankunft ermordet.
Sie war 39 Jahre alt.
Das an das Heimatstandesamt gemeldete Sterbedatum war der 29. Juni 1940. Diese Fälschungen sollten die Morde in Grafeneck verschleiern.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 324-117.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Familienregister Hürbel katholisch, Fol. 148, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck von Kind Nr. 9, Anna Hess.
- Taufregister Hürbel katholisch 1900 Nr. 20, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 22. Januar 1859
Geburtsort: Betzenweiler
Beruf: Schultheißen-Witwe
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Franz Joseph Heudorfer, Conditor und Spezereihändler, von 1901-1916 Schultheiß in Betzenweiler.
Eltern: Anton Schefold, Schreiner in Betzenweiler und Josefa geb. Scheffold aus Uttenweiler.
Der Vater Anton Schefold wird im Heimatbuch Betzenweiler häufig genannt. Er war wohl sehr beteiligt an den Aktivitäten zur Erneuerung der Pfarrkirche St. Clemens, in der Familie gab es auch Orgelbauer.
Maria Anna Schefold war die Älteste von acht Kindern. Die Schreibweise des Nachnamens hatte sich in dieser Zeit von Scheffold nach Schefold verändert.
Maria Anna Schefold heiratete 1879 den Witwer Franz Joseph Heudorfer in Betzenweiler. Der Witwer hatte drei lebende Kinder aus seiner ersten Ehe. Maria Anna Heudorfer bekam in ihrer Ehe zwei Kinder, ein Sohn verstarb als Säugling, der andere mit knapp 30 Jahren im Jahr 1910.
Das Ökonomiegebäude von Franz Joseph Heudorfer brannte im Jahr 1876 ab, im Jahr 1877 erbaute er ein neues 2-stöckiges Haus. Dieses Haus wurde 1892 von der Gemeinde gekauft und zur Schule umgebaut. Wo die Familie nach dem Verkauf 1892 wohnte, ist nicht bekannt. Der Ehemann verstarb im Jahr 1923.
Am 26. April 1927 wurde Maria Anna Heudorfer zum zweiten Mal auf ‚Ansuchen der Angehörigen‘ in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Am 09. Dezember 1927 wurde sie entlassen. Über den früheren, ersten Aufenthalt ist nichts bekannt. Schon wenige Wochen nach der Entlassung wurde sie ein drittes Mal in die Heilanstalt aufgenommen, am 17. Februar 1928. Sie war jetzt 68 Jahre alt. Maria Anna Heudorfer wurde am 7. Juni 1940 zusammen mit 59 anderen Frauen nach Grafeneck deportiert. Dort wurde sie nach der Ankunft ermordet.
Sie wurde 81 Jahre alt.
Im Heimatbuch Betzenweiler wird auf Seite 151 auch des Betzenweiler NS-„Euthanasie“-Opfers Maria Anna Heudorfer gedacht:
„Ein unschuldiges Opfer des unmenschlichen „III. Reiches“ soll nicht vergessen werden. Maria Anna Heudorfer, Witwe des 1923 verstorbenen Schultheißen Franz Josef Heudorfer, die sich seit 1928 in der Heilanstalt Schussenried befand, „verstarb am 26. Juni 1940 im 81. Lebensjahr an den Folgen eines Hirnschlags in Grafeneck“. So der nüchterne Eintrag im Familienregister. Heute wissen wir aber, dass Kranke und Behinderte aus allen Heil- und Pflegeanstalten Württembergs im Rahmen des sogenannten Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten nach Grafeneck bei Münsingen transportiert und dort ermordet wurden. In Grafeneck standen die ersten Gaskammern, die Versuchsanlagen für die folgenden Vernichtungsaktionen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis gegen die deutschen und europäischen Juden, Sinti und Roma und den Gegnern des nationalsozialistischen Regimes.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 327-86.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Heimatbuch Betzenweiler, Walter Schubert, Betzenweiler. ISBN 3-00-008468-1, erschienen im Juni 2001, Seite 151.
- Familienregister Betzenweiler katholisch Band II, Fol. 141, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck bei der Ehefrau Maria Anna Heudorfer.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. März 1918
Geburtsort: Laupheim
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 02. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Otto Hoch, Kaufmann in Laupheim und Anna geb. Loibl.
Sofie Hoch wurde 1918 als uneheliches Kind in Laupheim geboren, die Mutter war als Dienstmagd bei Karl Dusch oder Dursch, Schlosser, wohnhaft am Marktplatz in Laupheim. In dieser Wohnung wurde Sofie Hoch geboren.
Der Vater Otto Hoch hat sich zu seiner Tochter bekannt (Nachtrag im Geburtsregister). Die schon 1912 verstorbene Großmutter Sofie geb. Kohler war dann vermutlich die Namensgeberin für das Enkelkind.
Die Eltern von Sofie Hoch haben im Jahr 1919 geheiratet (Aufgebotsverkündigung bei den Standesamtsnachrichten im Laupheimer Verkündiger).
Das Ehepaar hatte noch drei weitere Kinder. Ein Mädchen stirbt zwei Tage nach der Geburt, die Brüder Otto (gefallen 1942) und Erwin (war auch Soldat im 2. Weltkrieg).
Der Vater hatte ein Schuhgeschäft und Tabakhandel zuerst am Marktplatz 4 und später Marktplatz 1 in Laupheim. Im Frühjahr 1926 hat er den Schuhhandel aufgegeben (Anzeige im Laupheimer Verkündiger), die Gründe dafür sind nicht bekannt.
Laut eines Arztbriefes aus den „Ursberger Anstalten“ war Sofie Hoch geistig behindert und bedurfte ständiger Pflege. Seit dem 5. Oktober 1929 war sie dort untergebracht, zu diesem Zeitpunkt war sie 11 Jahre alt. Der Ort Ursberg liegt im Kreis Günzburg in Bayern. Warum das Kind dort war ist nicht bekannt. Die Mutter stammte aus Bayern, evtl. gab es dadurch Verbindungen dorthin? Der nächstgelegene Ort von Laupheim aus wäre das Kinderasyl Ingerkingen gewesen.
Am 27. August 1936 wurde sie mit 18 Jahren in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau versetzt. Die Armenfürsorge Laupheim war der Kostenträger (Kostenverpflichtungsurkunde aus dem Jahr 1936 in der Patientenakte). Warum sie verlegt wurde ist nicht bekannt. Vermutlich war es ein Kostenthema und sollte eine Anstalt in Württemberg sein, da die Armenfürsorge dafür aufkommen musste?
Sofie Hoch wurde am 2. Juli 1940 von der Liebenau in die Zwischenanstalt Schussenried „verlegt“. Von dort wurde sie am 29. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Sofie Hoch war nur 22 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum wurde auch auf der Meldekarte von Sofie Hoch in Laupheim nachgetragen, es ist der 08. August 1940 mit Todesort Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/7873.
- Abschrift aus dem Geburtsregister Standesamt Laupheim 1918 Nr. 22, aus der Patientenakte der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. (Akte aus dem Bundesarchiv, Signatur: BArch, R 179/7873).
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 2. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried verlegt“ und am 29.07.1940 deportiert wurden.
- Stadtarchiv Laupheim, Meldekarte von Sofie Hoch mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Laupheimer Verkündiger, verbunden mit dem Laupheimer Volksblatt : Tages-Zeitung : Nachrichten- und Anzeigeblatt : Anzeiger für das Rottum-, Rot- und Illertal : Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen, verschiedene Geschäfts- und Familienanzeigen. (Online im Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/3139789-X).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 6. Februar 1912
Geburtsort: Ehrensberg
Beruf: –
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Sebastian Hochleiter, Bauer in Ehrensberg, und Kreszentia geb. Hafenegger.
Magdalena Hochleiter war das jüngste der vierzehn Kinder Ihrer Eltern. Zwei Geschwister sind jung verstorben, ein Bruder ist im 1. Weltkrieg gefallen, ein anderer Bruder im 2. Weltkrieg.
In der Patientenakte aus dem Bundesarchiv gibt es eine ausführliche Anamnese der Patientin, gestempelt mit 9. Sept. 1936 vom Staatlichen Gesundheitsamt. Das Dokument wurde am 12. Oktober 1934 von einem Dr. Leiritz in Ochsenhausen erstellt. Es wurde aufgrund der Einschränkung von Magdalena Hochleiter eine Anstaltsaufnahme empfohlen. Magdalena Hochleiter wurde laut diesem Dokument auch einige Jahre in Heudorf bei Riedlingen in die Schule geschickt, dieses führte aber nicht zu einer schulischen Besserung.
Am 31. Juli 1935 wurde Magdalena Hochleiter von zuhause kommend in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen. Die Akte der Pflegeanstalt Heggbach ist eine Seite lang, nur der Aufnahme-Befund. Auf Antrag des Amtsarztes Ilg wurde Magdalena Hochleitner auch sterilisiert. Die Durchführung der Sterilisation war am 01. November 1935, als sie bereits in Heggbach lebte.
Sie wurde regelmässig von ihrem Vater besucht.
Magdalena Hochleiter wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Magdalena Hochleiter wurde 38 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 18. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein/Pirna.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/2920.
- Geburtsregister Steinhausen an der Rottum 1912 Nr. 5 mit Nachtrag des Todes in Sonntenstein/Pirna.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 03. Februar 1867
Geburtsort: Oberkochen, Oberamt Aalen
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 02. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
1. Ehemann: Ferdinand Steiner, Schullehrer in Spindelwag (Wennedach) und Lauchheim (Oberamt Ellwangen).
2. Ehemann: Franz Xaver Hofmann, Malermeister und Schultheiß in Heiligkreuztal.
Eltern: Joseph Veil, Bauer und Wirt in Oberkochen, und Mathilde geb. Mauser.
Über die Kindheit und Jugend von Katharina Hofmann (Taufname Katharina Barbara), geb. Veil, verw. Steiner ist wenig bekannt. Ihr Vater war Wirt und Bauer in Oberkochen, die Familie hatte vier Kinder. Der Vater verstarb 1867, die Mutter heiratete dann den Bruder des Vaters und verstarb im März 1925 als Witwe. Die Geschwister waren nicht verheiratet und sind zwischen 1892 und 1923 verstorben.
Am 12. Februar 1889 heirateten Katharina Hofmann und der Schullehrer Ferdinand Steiner in Oberkochen. Aufgrund der Versetzungen des Ehemannes sind verschiedene Wohnorte bekannt.
Am 29. Oktober 1894 stand im Anzeiger vom Oberland die Versetzung des Schullehrers Ferdinand Steiner nach Spindelwag, eine Filialschule von Wennedach. Dort lebte das Ehepaar dann bis Ende 1897/Anfang 1898. Der Wohnort war aber wohl Wennedach. Katharina Hofmann bekam am 24. Oktober 1896 in Wennedach eine Tocher, Maria Josefine Steiner, die schon am 15. Dezember 1896 in Wennedach verstarb.
Die nächste Versetzung des Ehemannes war dann in der Zeitung am 17. Dezember 1897 angezeigt als „zweiter Schullehrer und Meßnerdienst“ nach Lauchheim, Oberamt Ellwangen. In Lauchheim verstarb Ferdinand Spindler 1905 an einem „Schlaganfall auf dem Weg in die Schule“. Die Bestattung fand in Oberkochen statt, d.h. die Witwe Katharina Hofmann zog wieder zurück in ihre Heimat nach Oberkochen.
Am 20. Oktober 1915 fand die 2. Heirat mit Franz Xaver Hofmann, Malermeister und Schultheiß in Heiligkreuztal bei Riedlingen statt, die kirchliche Trauung dann in Oberkochen. In dieser Ehe gab es keine Kinder. Allerdings hatte der seit knapp zwei Jahren verwitwete 2. Ehemann von Katharina Hofmann mehrere, z.T. noch minderjährige Kinder.
Am 9. März 1924 verstarb Franz Xaver Hofmann. Die jüngste Stieftochter Franziska war knapp 14 Jahre alt.
Am 15. Oktober 1925 wurde Katharina Hofmann im Alter von 58 Jahren in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen. Laut der Patientenakte wurde sie von der Ortsfürsorgebehörde Heiligkreuztal gebracht. Der Pfleger von Katharina Hofmann war Korbinian Schwarz aus Heiligkreuztal.
Am 2. Juli 1940 wurde sie in die Zwischenanstalt Schussenried verlegt. Von dort wurde sie am 29. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet. Sie wurde 73 Jahre alt.
Im Buch von Pfarrer Friedel ist auch ein Brief von einer Sabine Schwarz aus Heiligkreuztal abgedruckt. Sie bedankte sich bei den Schwestern für die Pflege in Liebenau. Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum aus der Sterbenachricht war der 8.8.1940. Sabine Schwarz bat um Zusendung evtl. sich noch in Liebenau befindender Wertsachen der Verstorbenen. Sie ließ auch eine Messe lesen. Aus Grafeneck wurden 5 Eheringe nach Heiligkreuztal geschickt. D.h. Katharina Schwarz hatte die Ringe aus ihren zwei Ehen und aus der ersten Ehe das zweiten Mannes aufbewahrt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/7876.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 2. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried verlegt“ und am 29.07.1940 deportiert wurden.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Familienregister Heiligkreuztal Fol. 78a
- Taufregister Oberkochen 1868 Nr. 7, mit Nachträgen der zwei Heiratsdaten und des gefälschten Todesdatum. Online bei Matricula Signatur M 0498, B 007, Aufnahme 007_0017.
- Versetzung von Ferdinand Steiner nach Wennedach, als Filialschullehrer für Spindelwag. (Anzeiger vom Oberland: Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach vom 29. Oktober 1894, S. 3).
- Versetzung von Ferdinand Steiner nach Lauchheim Oberamt Ellwangen. (Cannstatter Zeitung: allgemeiner Anzeiger für die Stadt: Amtsblatt für den Oberamtsbezirk Cannstatt: Neckarbote vom 17. Dezember 1897, S. 1).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 3. Februar 1890
Geburtsort: Brandenburg (Regglisweiler)
Beruf: –
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Heilanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Robert Hölderle, Braumeister in Brandenburg bei Regglisweiler, und Mathilde geb. Vogt.
Die Mutter von Bertha Hölderle hatte aus 2 Ehen insgesamt zwölf Kinder. Der Vater Robert Hölderle war wie der 1. Ehemann der Mutter Braumeister. Bertha war das neunte der zwölf Kinder.
Der ältere Halbbruder Ferdinand Gossner heiratete 1907 nach Mietingen. Auch der jüngere Bruder Eugen Hölderle scheint in Mietingen verheiratet gewesen zu sein (Traueranzeige seiner Schwiegermutter aus dem Jahr 1943).
Die Mutter von Bertha Hölderle zog laut Familienregister im Jahr 1903 nach Ravensburg.
Der Wohnsitz von Bertha Hölderle wird in der Opferliste Grafeneck als Mietingen angegeben. Vermutlich hat sie bei einem ihrer Brüder gewohnt.
Am 12. Mai 1926 wurde Bertha Hölderle in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen. In der Akte aus dem Bundesarchiv steht nur „kam von zuhause hierher“, ohne Angabe eines Wohnorts vor der Aufnahme.
Bertha Hölderle lebte vierzehn Jahre in Heggbach, bevor sie am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt wurde. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Bertha Hölderle wurde 50 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist aktuell nicht bekannt.
Im Namensbuch der Pflegeanstalt Heggbach wird der Vorname Berta geschrieben.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/5696.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Familienregister Regglisweiler Band 2, Fol. 118, kein Nachtrag zum Tod von Bertha Hölderle.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. November 1873
Geburtsort: Neufra (Riedlingen)
Beruf: Keine Angabe
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 10. Juni 1940
Sterbedatum: 10. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Martin Holderried, Postbote in Neufra an der Donau, und Anna Maria geb. Weber aus Emerfeld.
Der Vater von Elisabeth Holderried war in erster Ehe mit Elisabeth Weber verheiratet, eine Schwester der Mutter von Elisabeth Holderried. In dieser Ehe gab es vier Kinder. Die Mutter und 2. Ehefrau Anna Maria Weber hatte ein uneheliches Kind in die Ehe gebracht und dann noch zwei Kinder mit Ihrem Ehemann Martin Holderried. Der Vater Martin Holderried verstarb am 06. Januar 1881, Elisabeth Holderried war acht Jahre alt, zwei ältere Geschwister waren noch am Leben. Die Mutter heiratete nach dem Tod des ersten Ehemanns dessen Bruder Paul Holderried. Sie starb am 13. April 1889, Elisabeth Holderried war damals 15 Jahre alt. In der Danksagung in der Riedlinger Zeitung werden die zwei noch lebenden Kinder Aloys und Elisabeth namentlich genannt. Der Stiefvater und Onkel, Postbote Paul Holderried, hatte am 20. Oktober 1891 erneut geheiratet.
Am 13. Oktober 1892, mit 19 Jahren, wurde Elisabeth Holderried in Schwäbisch Gmünd in eine Anstalt aufgenommen.
Nach sechs Jahren in Schwäbisch Gmünd wurde Elisabeth Holderried am 02. November 1898 als Staatspflegling in die Heilanstalt Weissenau verlegt. Von der Weissenau wurde Elisabeth Holderried am 10. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und an diesem Tag mit Gas ermordet. Elisabeth Holderried wurde 66 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum, der 19. Juni 1940 in Grafeneck, wurde dem Standesamt Riedlingen als „Mitteilung eines Sterbefalls“ aus dem Standesamt Grafeneck Nr. 92-1940 mitgeteilt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 347-110.
- Stadtarchiv Riedlingen, „Mitteilung eines Sterbefalls“ Nr. 92-1940 aus dem Standesamt Grafeneck.
- Stadtarchiv Riedlingen, Familienregister Band 1, Blatt 47.
- Katholisches Taufregister Neufra 1873 Nr. 25, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. November 1893
Geburtsort: Berkheim
Beruf: Knecht
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 20. Mai 1940
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Hösle Joseph, Landwirt in Berkheim, und Agnes geb. Renz aus Oberdettingen.
Franz Xaver Hösle war eines von zehn Kindern seiner Eltern. Der Vater verstarb 1915, die Mutter 1925.
Franz Xaver Hösle arbeitete nach der Schule zuhause bei seinem Vater und half in der Landwirtschaft.
Am 24. April 1930 erfolgte die 1. Aufnahme von Franz Xaver Hösle in die Heilanstalt Weissenau. In der Patientenakte aus dem Bundesarchiv hat sich ein Gutachten mit ausführlicher Vorgeschichte über ihn erhalten:
- Nach dem Tod des Vaters im Jahr 1915 arbeitete er bei verschiedenen Bauern als Dienstknecht, er blieb aber nie lange.
- Mehrmals kam er mit dem Gesetz in Konflikt.
- Er war nicht beim Militär.
- Seine letzte Arbeitsstelle vor der Aufnahme in die Heilanstalt war in Bonlanden.
- Seine Einweisung und Verwahrung in einer geschlossenen Anstalt wurde vom Gericht wegen „Geisteskrankheit“ angeordnet.
Franz Xaver Hösle lebte zehn Jahre in der Heilanstalt Weissenau. Am 20. Mai 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Der letzte Eintrag in der Patientenakte ist vom 15. März 1940. Franz Xaver Hösle wurde 46 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum ist auf dem Geburtsregister Berkheim nachgetragen. Es ist der 05. Juni 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 341-39.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24506.
- Auszüge aus dem Kirchenbuch Berkheim. Erhalten am 03.02.2025 per eMail.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 17. April 1939
Geburtsort: Oberopfingen
Beruf: Kind
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar
Datum der Deportation: –
Sterbedatum: 05. Juni 1941
Todesort: Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar
Mordprogramm: „Kinder-Euthanasie“
Geboren am: 28. Februar 1898
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehegatte: Anton Huber, Dienstknecht in Buchau.
Eltern: Anton Walser aus Stuben bei Altshausen, Söldner in Buchau, und Ida geb. Walser aus Ebersbach. Ab 1910 Stiefvater Simon Kern.
Josefine Huber geb. Walser war das dritte Kind ihrer Eltern. Das sechste Kind war eine Halbschwester aus der zweiten Ehe der Mutter. Der jüngere Bruder Josef Anton war verheiratet und ist hochbetagt im Jahr 1987 in Bad Buchau verstorben. Der andere jüngere Bruder Josef ist 1944 gefallen. Die Mutter Ida Walser verw. Walser verh. Kern verstarb im Jahr 1957 mit 90 Jahren.
Josefine Walser (auch Josepha) heiratete im Jahr 1924 Anton Huber, einen Zimmermanns-Sohn aus Uttenweiler. Zur Hochzeitfeier erschien eine Anzeige in der Buchauer Zeitung, Ausgabe vom 17. Juli 1924. Der Vater von Josefine Huber war schon 1909 verstorben, in der Hochzeitsanzeige wird der Stiefvater Simon Kern vom Vollochhof genannt. Das Ehepaar Huber hatte zusammen sieben Kinder, der jüngste Sohn wurde am 6. Dezember 1933 geboren.
Josefine Huber war vom 7. Juli 1932 bis 17. Dezember 1932 in der Heilanstalt Schussenried und wurde als geheilt entlassen. Ab dem 7. Juni 1934 war sie wieder in Schussenried. Die sieben Kinder waren zum Zeitpunkt der zweiten Einweisung zwischen sechs Monate und neun Jahre alt. Am 17. August 1937 wurde die Ehe von Josefine Huber vor dem Landgericht Ulm geschieden.
Bis zu Ihrer Deportation und Ermordung in Grafeneck am 07. Juni 1940 war Josefine Huber durchgehend in der Heilanstalt Schussenried. Josefine Huber wurde 42 Jahre alt.
Aus dem Buch von Joseph Mohn: Buchau – Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, S. 154: „Josepha Huber, geb. Walser, geb. 28.2.1898 in Buchau. Sie wurde am 29.6.1940 in Grafeneck mit Gas ermordet“.
Im Buch wird das gemeldete = gefälschte Todesdatum genannt. Das tatsächliche Todesdatum war der Tag der Deportation nach Grafeneck, der 07. Juni 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 355-108.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Buchauer Zeitung Ausgabe vom 17.07.1924 Seite 4, Hochzeitsanzeige.
- Standesamt Bad Buchau: Familienregister der Familien Huber und Walser.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Dezember 1885
Geburtsort: Untersulmetingen
Beruf: Taglöhner, Bäcker, Reisender, Maurer
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Die Witwe Walburga Hausmann, wohnhaft in Biberach, Gerbergasse 4.
Eltern: Johannes Huber, Taglöhner in Untersulmetingen, und Margareta geb. Eiberle
Wir wissen nichts über die Kindheit und Jugend von Stefan Huber.
Er war Soldat im 1. Weltkrieg, es gibt drei Einträge in den Deutschen Verlustlisten über ihn, er wurde mehrmals verwundet. Auch gibt es ein Foto von ihm auf der Ehrentafel der Gemeinde Untersulmetingen für die Soldaten des 1. Weltkriegs. Dort wird sein Vorname als Stephan geschrieben. Stefan Huber hatte beim Infanterie-Regiment Nr. 127 in der 8. Kompagnie gedient. Laut seiner Kriegsstammrolle wurde er am 13. Dezember 1914 im Argonnenwald durch einen umstürzenden Baum verletzt und kam dann ins Lazarett.
Er war später beim Infanterie-Regiment Nr. 127 und dann beim Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 246, 12. Kompagnie im Einsatz.
Die letzten Einträge in der Stammrolle sind Stellungskämpfe in franz. Flandern und im September 1916 die Schlacht an der Somme. Sein Beruf laut Stammrolle ist Bäcker.
Am 2. Mai 1924 heiratete Stefan Huber die Witwe Walburga Eble geb. Haussmann in Biberach. Sein Beruf war zu diesem Zeitpunkt „Reisender von Untersulmetingen“.
Das Ehepaar hatte keine gemeinsamen Kinder. Im Jahr 1930 lebte das Paar in der Gymnasiumstraße 6 in Biberach. Im Jahr 1936 war der Wohnort in der Gerbergasse 4 in Biberach.
Stefan Huber war ein Jahr und 4 Monate in der Heilanstalt Schussenried, seit dem 08. April 1939. Er wurde am 23. August 1940 deportiert und in Grafeneck ermordet.
Stefan Huber wurde 54 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum und gefälschter Todesort sind uns aus den Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg bekannt. Es war der 10. September 1940 in Sonnenstein über Pirna.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 356-90.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (34).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 5: Huber, Stefan.
- Verlustlisten Deutsches Reich 1. Weltkrieg, Seiten 4636, 16578, 24669: Huber Stefan/Stephan aus Untersulmetingen.
- Anzeige in den Standesamtsnachrichten Biberach, Anzeiger vom Oberland, Ausgabe vom 2.6.1924, Seite 7.
- Einwohnerbuch Biberach an der Riß 1930 mit Einschluß der Bezirksgemeinden (online im Deutschen Museum München).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. Oktober 1895
Geburtsort: Erlenmoos
Beruf: Hilfsarbeiter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Vinzenz Huchler, Söldner in Erlenmoos, und Anastasia, geb. Scheffold.
Maximilian (auch Max) Huchler war das elfte von zwölf Kindern seiner Eltern, vier der Geschwister verstarben jung. Der Vater stammte aus Kirchberg an der Iller und heiratete im Jahr 1880 nach Erlenmoos. Im Jahr 1905 zog die Familie nach Ochsenhausen. Maximilian Huchler war ca. zehn Jahre alt beim Umzug. Die Eltern verstarben in den Jahren 1916 (Vater) und 1917 (Mutter).
Maximilian Huchler wurde am 30. September 1933 in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Sein Beruf war Hilfsarbeiter, eine Patientenakte ist nicht erhalten. Vor der Zeit in Schussenried scheint Maximilian Huchler auch schon im Oberen Riedhof in Ulm gewesen zu sein.
Vom 30. September 1933 bis zu seiner Deportation nach Grafeneck am 14. Juni 1940 lebte Maximilian Huchler in der Heilanstalt Schussenried. Am Tag der Deportation wurde er in Grafeneck ermordet. Er wurde 44 Jahre alt.
Das Geburtsregister von Max Huchler enthält keinen Nachtrag zum Tod.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 356-119.
- Katholisches Familienregister Ochsenhausen Filialen (Erlenmoos) Fol. 30a.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. November 1899
Geburtsort: Hailtingen
Beruf: ohne Beruf
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 13. August 1940
Sterbedatum: 13. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Fridolin Hummler, Schmid in Hailtingen, und Maria geb. Schelkle.
Maria Hummler war das jüngste von acht Kindern ihrer Eltern. Fünf der Geschwister starben jung. Die Eltern verstarben 1924 und 1929.
Eine erste Aufnahme von Maria Hummler in die Heilanstalt Zwiefalten erfolgte am 16. April 1930 . Fünf Monate später, am 16. September 1930 wurde sie gebessert nach Neufra zu ihrer Schwester entlassen.
Ihre Patientenakte hat sich im Bundesarchiv erhalten, daher kennen wir einige Details über die Zeit in der Heilanstalt. Als nächster Angehöriger wurde in der Akte ihr Bruder Franz Hummler in Hailtingen genannt.
Ihr Bruder besuchte sie am Entlassungstag. Entgegen der ärztlichen Empfehlung nahm er seine Schwester mit nach Hause. Maria Hummler lebte zunächst bei ihrer Schwester in Neufra, danach eine Zeit beim Bruder in Hailtingen.
Die zweite Aufnahme in Zwiefalten erfolgte am 13. März 1931. Weder bei der Schwester, noch beim Bruder funktionierte das Zusammenleben. Wieder zurück in der Anstalt scheint sie sich wohl gefühlt zu haben. Sie wollte nicht mehr entlassen werden, hat gearbeitet und war fröhlich. Bis zum Jahr 1934 gab es regelmäßige und ausführliche Berichte über die Kranke in der Akte. Es gab längere Phasen in denen sie gut gelaunt war und fleissig arbeitete. Im Jahr 1934 gab es genau einen Eintrag im Dezember, einen weiteren im Februar 1935: „Zustand unverändert“. Danach war die Akte eine Zeitlang verschwunden, dieses wurde mit wieder beginnenden Einträgen ab Oktober 1936 kommentiert. Es scheinen auch tatsächlich Behandlungen durchgeführt worden zu sein, diese führten zu einer leichten Verbesserung des Zustands der Patientin. Der letzte Eintrag in der Akte war vom 02. August 1940.
Maria Hummler lebte neun Jahre in Zwiefalten. Am 13. August 1940 wurde sie nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Maria Hummler wurde 40 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum ist der 04. September 1940 in der Landespflegeanstalt Brandenburg an der Havel.
Der Pfarrer schrieb bei den Nachträgen im Tauf- und Familienregister: „u. daselbst eingeäschert“.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 360-41.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/23603.
- Katholische Pfarrei Hailtingen, Taufregister 1899 Nr. 15 und Familienregister Fol. 38b.
Abbildungen und Bildunterschriften
J
Geboren am: 20. Mai 1879
Geburtsort: Hochdorf
Beruf: Dienstmagd, Haustochter
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Franz Xaver Jäckle, Kleinbauer in Hochdorf, Oberamt Waldsee, und Maria Anna geb. Lämmle.
Die Eltern von Caroline Jäckle hatten sechzehn Kinder, Caroline Jäckle war das vierte Kind. Der Vater wird in verschiedenen Quellen als Taglöhner, Söldner oder Kleinbauer bezeichnet. Am 03. August 1893 kam der jüngste Bruder Robert auf die Welt. Am 19. August 1893 verstarb der Vater durch einen Unfall. Im Sterberegister 1893 Nr. 5 steht „zu tod gefallen“. Caroline Jäckle war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt und das älteste Mädchen der Familie. Sechs der Geschwister waren jung verstorben. Die Großmutter verstarb am 23. August wegen eines „Nervenschlags“. Das Baby Robert ist dann am 25. August auch noch verstorben. Zum Unfall des Vaters gab es einen Bericht im Anzeiger vom Oberland.
Man kann sich vorstellen, dass die Situation für die Witwe mit Ihren neun noch lebenden Kindern schwierig war. Auch für Caroline Jäckle als 14-jähriges Mädchen war die Situation sicher schwierig, vermutlich musste sie viel helfen.
Von Caroline Jäckle ist die Patientenakte im Bundesarchiv erhalten. Sie wurde am 13. Mai 1912 in der „Pfleg- und Bewahr-Anstalt Liebenau, O.-A. Tettnang“ aufgenommen. Das war ein paar Tage vor ihrem 33. Geburtstag. Als Beruf ist Haustochter angegeben, sie war ledig. Sie hatte also zuhause bei ihrer Familie gelebt. Ihre Erkrankung bestand seit dem 24. Lebensjahr, davor war sie als Dienstmagd tätig.
Caroline Jäckle war vom 13. Mai 1912 bis 1940 in Liebenau. Am 8. August 1940 findet sich der letzte Eintrag aus Liebenau in der Akte. Am 30. August wurde sie nach Zwiefalten verlegt. Auch dort gab es am 20. September 1940 einen kurzen Eintrag in der Akte. Am 24. September wurde Caroline Jäckle von der Zwischenanstalt Zwiefalten nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Caroline Jäckle wurde 51 Jahre alt.
Das gefälschte Todesdatum mit gefälschtem Todesort ist der 15. Oktober 1940 in Brandenburg/Havel.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum. Dort Jaeckle geschrieben.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/7872.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Taufregister Hochdorf 1879 Nr. 14 mit Nachtrag des Todes in Brandenburg/Havel.
- Standesamt Hochdorf Familienregister Jäckle Blatt 112 und 113 mit sechzehn Kindern.
- Anzeiger vom Oberland : Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach, Ausgabe vom 25. August 1893: Franz Xaver Jäggle [Jäckle] Sturz vom Orbet und Tod.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 15. April 1896
Geburtsort: Berkheim
Beruf: Landwirt
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 20. Mai 1940
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Jägg, Bauer in Berkheim, und Theresia geb. Kling.
Die Eltern von Anton Jägg hatten 1893 geheiratet und elf Kinder. Anton Jägg war eines der älteren Kinder seiner Eltern.
Anton Jägg war Soldat im 1. Weltkrieg. 1916 hatte er eine silberne Verdienstmedaille erhalten, 1918 ist er in den Verlustlisten als Verwundet gemeldet.
Nach dem Krieg war er ab dem 08. August 1920 bis zum 23. April 1921 in der Heilanstalt Weissenau. Ab dem 05. Januar 1926 war er wieder in der Heilanstalt. Anton Jägg hatte wohl im Jahr 1925 zwei Scheunen durch Brandstiftung angezündet und wurde deshalb wieder in die Heilanstalt eingewiesen. Über die Brandstiftung berichteten auch mehrere Zeitungen im November 1925.
Über seine Zeit in der Heilanstalt ist nichts bekannt.
Am 20. Mai 1940 wurde er von der Heilanstalt Weissenau nach Grafeneck deportiert und an diesem Tag ermordet.
Anton Jägg wurde 44 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum und -ort war der 07. Juli 1940 in Grafeneck (Nachtrag im kirchlichen Familienregister Berkheim).
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 364 Nr. 80.
- Ehrentafel Gemeinde Berkheim 1914-1918 für die Soldaten der Gemeinde (Archiv Buch OBERSCHWABEN im ersten Weltkrieg).
- Buchauer Zeitung, Ausgabe vom 24.11.1925, Brandstiftung.
- Abschrift aus dem Familienregister Berkheim per eMail erhalten am 04.02.2025.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 21. März 1868
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Köchin
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 02. Juli 1940
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Christoph Joos, Küfer in Riedlingen, und Kunigunde geb. Wirth.
Die Eltern von Anna Joos waren keine gebürtigen Riedlinger. Der Vater stammte aus Gussenstadt, Oberamt Heidenheim, er war evangelisch, die Mutter aus Leupolz, Oberamt Wangen, sie war katholisch. Anna Joos war das mittlere von drei Kindern, sie wurde in Riedlingen geboren. Im kath. Taufregister steht als Nachtrag: „nach Liebenau gebracht Oktober 1912“. Die Eltern verstarben 1909 und 1911. Die Geschwister waren beide verheiratet, laut kirchlichem Register lebte der Bruder in Amerika, die Schwester in Stuttgart.
Am 10. Juni 1912 war der Versteigerungstermin für das Elternhaus von Anna Joos, „Auf Antrag der Erben des verstob. Christoph Joos, gew. Küfers hier“. Der zeitliche Zusammenhang mit dem Tod der Eltern, der Versteigerung des Elternhauses und der Aufnahme in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau ist offensichtlich. Es gab niemanden mehr in Riedlingen, der sich um Anna Joos kümmerte. Aus dem Verkauf scheint auch kein Erlös mehr vorhanden gewesen zu sein, da Anna Joos als „Vermögenslos“ aufgenommen wurde.
Anna Joos wurde am 16. Oktober 1912 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen. Ihre Patientenakte hat sich im Bundesarchiv erhalten. Sie konnte ihren Lebenslauf fast lückenlos angeben. „Nach der Schule arbeitete sie meistens in Stellungen bis zu ihrem 40. Jahr. Danach lebte sie bei den Eltern bis zum Tod derselben. Danach sei sie nach Liebenau gekommen, weshalb und auf wessen Veranlassung kann sie nicht sagen“.
Der Verpflegungsvertrag mit der Liebenau unterzeichnete ihr Pfleger, Flaschnermeister Göttle aus Riedlingen.
Am 2. Juli 1940 wurde Anna Joos zusammen mit 75 anderen Frauen von der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau in die Heilanstalt Schussenried (Zwischenanstalt) verlegt. Von Schussenried wurde sie am 29. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet. Anna Joos wurde 72 Jahre alt.
Wegen des Todes und der Urnenbestattung von Anna Joos gibt es im Archiv der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau einen Briefwechsel. Die Schwester von Anna Joos hatte gebeten, die Urne in Liebenau zu bestatten.
Auch die Sterbeurkunde von Anna Joos befindet sich im Archiv Liebenau, die „gefälschte“ Todesursache war Herzschlag, Anna Joos verstarb in „Ihrer Wohnung in Grafeneck“.
Die Urne von Anna Joos wurde am 4. September 1940 in Liebenau beigesetzt. Die Schwester konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an der Bestattung teilnehmen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/7908.
- Stadtarchiv Riedlingen, Familienregister Band 2, Blatt 33 Joos, und Beilage mit Todesnachricht von Anna Joos aus Grafeneck.
- Riedlinger Zeitung, Ausgabe vom 07. Juni 1912, Seite 4. Online im Deutschen Zeitungsportal bei der Deutschen Digitalen Bibliothek https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
K
Geboren am: 7. November 1880
Geburtsort: Schwendi
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johannes Kämmerer, Steinhauer in Schwendi, und Luise geb. Habrik.
Die Eltern von Franziska Kämmerer hatten sechs Kinder. Nur Franziska und ein Bruder Ludwig erreichten das Erwachsenenalter. Franziska Kämmerer war knapp sechs Jahre, der Bruder Ludwig knapp drei Jahre alt, als der Vater starb. Am 09. August 1888 heiratete die Mutter erneut, den Witwer Anton Riedmüller aus Schwendi. Ob es in dieser Ehe noch Kinder gab, ist nicht bekannt. Der Rufname von Franziska war Fanny.
Franziska Kämmerer lebte und arbeitete zum Zeitpunkt ihrer Erkrankung in Stuttgart als Dienstmädchen. Bei der Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried am 28. März 1905 wurde die Krankheitsdauer mit vier Monaten angegeben. Zuvor war sie im Bürgerhospital in Stuttgart. Der verheiratetet Bruder Ludwig lebte in Schwendi.
Die Patientenakte von Franziska Kämmerer ist nicht erhalten. Wegen der langen Aufenthaltsdauer in der Heilanstalt erhielt sie bei der Selektion aus den ausgefüllten Meldelisten im Herbst 1939 sicherlich eine „hohe Priorität“.
Sie wurde in einem Transport von 60 Frauen am 07. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Dies war der erste Transport von Schussenried nach Grafeneck.
Sie wurde 59 Jahre alt.
Der Brief mit der Todesmeldung vom Standesamt Grafeneck an die Gemeinde Schwendi ist im Gemeindearchiv erhalten. Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 25. Juni 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 380-7.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Gemeindearchiv Schwendi, Geburtsregister 1880 Nr. 49 mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Gemeindearchiv Schwendi, Todesfallmeldung vom Standesamt Grafeneck.
- Katholisches Familienregister Schwendi Band 2, Fol. 285. (Diözesanarchiv Rottenburg DAR_M_0485_B_016_0198).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. Oktober 1897
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: Haustochter / Kaufmannstochter
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster
Datum der Deportation: 25. September 1940
Sterbedatum: 25. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Alois Kaspar, Kaufmann in Ochsenhausen, und Karoline geb. Fick.
Der Vater Alois Kaspar übernahm kurz vor seiner Heirat im September 1886 das väterliche Geschäft, ein Eisengeschäft mit Schlosserei in Ochsenhausen. Karoline Kaspar, genannt Lina, hatte neuen Geschwister, sie war das 7. Kind. Vier der Geschwister verstarben jung.
Bei Karoline Kaspar und ihrer jüngeren Schwester Maria steht im kath. Familienregister der Nachtrag „Bonlanden“. Anscheinend traten diese zwei Töchter in das Kloster Bonlanden ein. Bei Karoline Kaspar scheint der Wunsch, Ordensfrau zu werden, nicht funktioniert zu haben. Die Eltern verstarben 1929 (Vater) und 1951 (Mutter).
Bei der ersten Anstaltsaufnahme von Karoline Kaspar, am 20. März 1929 in die Privatheilanstalt Christophsbad Göppingen, war der letzte Wohnort Ochsenhausen, der Beruf Haustochter. Nach sieben Monaten Aufenthalt im Christophsbad wurde sie am 07. November 1929 entlassen.
Am 02. Juni 1932 erfolgte eine zweite und endgültige Anstaltsaufnahme. Dieses mal in die Heilanstalt Rottenmünster. Karoline Kaspar lebte acht Jahre in Rottenmünster.
Am 15. September 1940 wurde sie von Rottenmünster nach Grafeneck deportiert. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck mit Gas ermordet. Karoline Kaspar wurde 42 Jahre alt.
Die gemeldeten, aber gefälschten Todesdaten wurden auf dem Familienregister der Eltern nachgetragen: „10.10.1940 Sonnenstein/Sa.“.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 387 Nr. 134.
- Standesamt Ochsenhausen: Familienregister Kaspar Blatt 348, mit Nachtrag des Todes von Kind Nr. 7 Karoline Kaspar.
- Katholisches Familienregister Ochsenhausen Fol. 121.
- Anzeiger vom Oberland, Ausgabe vom 15.09.1886, Seite 1: Übernahme des Geschäfts durch Alois Kaspar.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 15. Juni 1904
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Alfons Keller, Fabrikarbeiter aus Baustetten.
Eltern: Maximilian Strobel, Zimmermann in Laupheim, und Josefa geb. Eberle.
Der Vater von Maria Keller geb. Strobel verunglückte am 10. Juli 1904 (Maria war noch keinen Monat alt) bei einem Arbeitsunfall tödlich. Dieser Unfall wurde in mehreren Zeitungen vom 12. und 13. Juli 1904 beschrieben. Die Mutter blieb mit 4 kleinen Kindern zurück. Im Jahr 1913 heiratete die Mutter wieder. Im Jahr 1924 beantragte die Mutter durch einen öffentlichen Aufruf die Scheidung, der Aufenthaltsort des Ehemanns war unbekannt.
Maria Keller geb. Strobel (Taufname Maria Johanna) heiratete am 21. Mai 1927 den Maschinenarbeiter Alfons Keller aus Baustetten. Nach der Trauung gab es eine Feier im Gasthof zum Rößle in Baustetten. Schon am 20. September 1928 erfolgte eine erste Aufnahme von Maria Keller in die Heilanstalt Schussenried. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Ehepaar ein Kind. Nach einem Monat erfolgte die Entlassung nach Hause. Nur wenige Wochen später, am 11. Dezember 1928 erfolgte eine erneute Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried. Nach fast vier Monaten wurde Maria Keller am 30. März 1929 nach Hause entlassen. Im Juni 1932 wurde ein Sohn Alfons Josef geboren, dieser verstarb mit einem Monat.
Maria Keller wurde am 27. Dezember 1933 zum dritten Mal in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Dort blieb sie bis zu ihrer Deportation nach Grafeneck am 07. Juni 1940. Maria Keller wurde 35 Jahre alt.
Das gemeldete Sterbedatum war der 29. Juni 1940. Diese Fälschungen sollten die Morde in Grafeneck verschleiern.
Aus „Zimmermann, Ludwig: Erzählte Erinnerungen, Teil 1. Kindheit und Volksschulzeit in Baustetten“. Bergatreute, Aulendorf 2018, S. 72:
Maria Johanna Keller, geb. Strobel, „hatte am 21. Mai 1927 in Baustetten den am 29. Dezember 1895 geborenen Alfons Keller geheiratet. Nach dem Tod ihres Säuglings bekam sie Unterstützung in der Heilanstalt Schussenried, um ihre schwere Situation zu verarbeiten. Niemand konnte dabei erahnen, welch entsetzliche Folgen dies haben würde. Im Juni 1940 wurde Maria Johanna Keller nach Grafeneck ‚verlegt‘, was sie hinterher dann mit dem Leben bezahlen musste.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 396 Nr. 17.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Laupheimer Verkündiger vom 12. Juli 1904, Bericht über Unfalltod des Vaters von Maria Keller.
- Laupheimer Verkündiger vom 19. Mai 1927, Hochzeitsanzeige von Maria Keller geb. Strobel.
- Stadtarchiv Laupheim, Geburtsregister Laupheim 1904 Nr. 67 Maria Johanna Strobel.
- Zimmermann, Ludwig: Erzählte Erinnerungen, Teil 1. Kindheit und Volksschulzeit in Baustetten“. Bergatreute, Aulendorf 2018.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. März 1905
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Tagelöhner, ungelernter Arbeiter, Schäfer
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johannes Kerler, Hausdiener aus Laupheim, und Theresia geb. Settele.
Die Eltern von Wilhelm Kerler heirateten am 14. November 1904 in Laupheim. Insgesamt hatte das Paar fünf Kinder, die jüngste Schwester verstarb kurz nach der Geburt. Der Vater verstarb am 02. März 1914 im Alter von 33 Jahren. Wilhelm Kerler wurde ein paar Tage nach dem Tod des Vaters neun Jahre alt.
Wilhelm Kerler wurde am 05. Februar 1923 zum ersten mal in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen. Er kam vom Amtsgericht Biberach und wurde am 17. März 1923 als nicht geisteskrank dorthin zurück geschickt. Am 04. August 1925 wurde er in der Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Von dort wurde er am 02. November 1925 in die Hautklinik Tübingen versetzt.
Vom 28. März 1935 bis 02. April 1935 war Wilhelm Kerler erneut in der Nervenklinik Tübingen. In der Akte befinden sich mehrere Gedichte von ihm, teilweise mit Bezug zu seinem Beruf als Schäfer.
Vom 06. Juli 1937 bis 27. August 1937 war Wilhelm Kerler in der Badischen Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz. In der Patientenakte gibt es eine detaillierte Beschreibung zu früheren Aufenthalten, Briefwechsel bezüglich der Kostenträger, und ein Foto. Wilhelm Kerler war zwischen 1923 und 1937 in zwölf verschiedenen Krankenhäusern und Heilanstalten, überwiegend in Bayern. Oft war er wenige Tage nach der Entlassung wieder in einer Einrichtung. Dazwischen besuchte er regelmäßig seine Mutter in Laupheim.
Während des Aufenthalts in Konstanz kam es zu einem Vorfall mit einem Hund. Wilhelm Kerler näherte sich dem Wachhund, der Hund biss Wilhelm Kerler in das Gesicht. Diesen Vorfall schilderte Wilhelm Kerler in einem Brief.
Die Entlassung aus Konstanz erfolgte nach Hause, nach Laupheim.
Am 03. September 1937 erfolgte die 2. Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried, eine Woche nach der Entlassung aus Konstanz. Das Leben außerhalb einer Einrichtung scheint für ihn nicht mehr funktioniert zu haben. Dies war die letzte Einrichtung in die Wilhelm Kerler aufgenommen wurde.
Am 23. August 1940 wurde Wilhelm Kerler in einem Transport von 34 Männern aus der Heilanstalt Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Wilhelm Kerler wurde 35 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 11. September 1940 als Todestag und als Sterbeort Brandenburg an der Havel.
In der Württembergischen Patientenkartei sind nur die vier Aufenthalte in den württembergischen Einrichtungen dokumentiert.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 398.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/41031 Kerler Wilhelm aus Laupheim, Patientenakte, mit Gedichten.
- Heil- und Pflegeanstalt Konstanz-Reichenau: Patientenblätter Männer, Staatsarchiv Freiburg, B 822/1 Nr. 2071, Kerler, Wilhelm, mit Foto.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (34).
- Stadtarchiv Laupheim, Geburtsregister 1905 Nr. 27 von Wilhelm Kerler, mit Nachtrag des gefälschten Sterbedatums und Sterbeortes.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. November 1923
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Kind
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Georg Kiefer, Schmid in Laupheim, und Pauline geb. Brendle, wohnhaft Rabenstraße 8.
Die Aufnahme von Karl Kiefer in das Kinderasyl Ingerkingen erfolgte am 29. Mai 1928 im Alter von 4 Jahren. Seine Eltern werden im Aufnahmebuch, Eintrag Nr. 318, genannt. Das Jugendamt Biberach war der Vertreter für das Kind, Dr. Ehmann aus Biberach stellte das ärztliche Zeugnis aus.
Karl Kiefer wurde am 11. September 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet. Karl Kiefer wurde 16 Jahre alt.
Auf der Karteikarte von Karl Kiefer aus dem Kinderasyl Ingerkingen steht ganz nüchtern „verlegt am 11.9.1940“.
Im Jahr 1943 verstarb der Vater von Karl Kiefer im Alter von 57 Jahren. In der Traueranzeige werden neben der Mutter die Geschwister Georg, Anton, Lotte und Anna genannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 316, Kiefer Karl. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Ulmer Tagblatt : Ulmer Sturm : alleiniges Amtsblatt und parteiamtliches Blatt für den Kreis Ulm, Ausgabe vom 18.06.1943, Seite 6. Online im Deutschen Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 21. April 1901
Geburtsort: Biberach
Beruf: Bildhauer, Holzbildhauer
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster, Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 04. September 1939 (Zwischenanstalt Weissenau)
Sterbedatum: 22. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Sigmund Kless, aus Neuburg (Lautrach), Gastwirt, und Ursula geb. Locher aus Hundersingen bei Oberstadion.
Die Familie des Vaters von Ludwig Kless zog im Jahr 1879 von Neuburg nach Ehingen (Donau). Der Vater erlernte Bierbrauer und war später Gastwirt. Kirchlich heirateten die Eltern von Ludwig Kless in Beuron, gleich nach der Heirat im Jahr 1897 zog das Ehepaar nach Biberach. Der Vater war Gastwirt im Waldhorn in Biberach.
In Biberach an der Riß wurden von 1898 bis 1902 vier Kinder geboren, Ludwig Kless war das dritte Kind. Insgesamt hatte die Familie sieben Kinder, zwei davon verstarben jung. Die Familie lebte in der Promenadestraße 5 (Gasthof Waldhorn).
Im Jahr 1904 pachtete der Vater den Gasthof Adler in Alberweiler. Die Familie zog am 08. Februar 1904 von Biberach nach Alberweiler, Ludwig Kless war nicht ganz 3 Jahre alt.
1907 lebte die Familie schon in Munderkingen, das älteste Kind Josef verstarb am 31. Oktober 1907 dort. Ludwig Kless war jetzt 6 Jahre alt. Der Vater von Ludwig Kless verstarb vor 1922, das Datum ist nicht bekannt.
Eine erste Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen erfolgte am 05. März 1925. Laut Angaben der Mutter war er immer ein gesundes, ruhiges, aber verschlossenes Kind. Ludwig Kless besuchte in Munderkingen die Lateinschule. Mit 14 Jahren begann er in Biberach eine Lehre als Holzbildhauer in einer Möbelfabrik. Er wohnte in dieser Zeit bei einer Tante in Biberach, diese meinte „er lese zuviel“. Der Fabrikant war mit ihm zufrieden, die Arbeit machte Ludwig Kless Freude. Er arbeitete als fertiger Holzbildhauer weiter einige Zeit in Biberach, dann in Waiblingen und zuletzt in einer Möbelfabrik in Ehingen/Donau. Er las viel, hatte ein paar Freunde und ging auch ab und zu ins Wirtshaus. Ludwig Kless war vor seiner Aufnahme in Tübingen vier Wochen im Krankenhaus Ehingen, auf Veranlassung des Arbeitgebers.
Seine Tante holte ihn am 21. August 1925 in Tübingen ab.
Am 09. Juni 1927 erfolgte die zweite Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen. Bis April 1927 arbeitete Ludwig Kless, er lebte ansonsten ruhig und zurückgezogen. Danach verschlechterte sich sein Zustand wieder. Krankenkassenmitarbeiter brachten ihn nach Tübingen in die Klinik. In der Patientenakte hat sich auch ein Brief mit Ladung zum Notar in Biberach bezüglich einer Nachlasssache erhalten. Der Nachlass seiner Tante Josefine († 1922) sollte aufgeteilt werden. Die andere Tante Gertrud verstarb im April 1927.
Nach dem zweiten Aufenthalt in der Nervenklinik Tübingen wurde Ludwig Kless am 24. Januar 1928 direkt in die Heilanstalt Rottenmünster versetzt. In der Heilanstalt waren Holzschnitzereien die einzige Tätigkeit die er machen wollte. Auch verbrachte er viel Zeit mit Anschauen von Schnitzereien. Andere Dinge interessierten ihn nicht. Im Jahr 1939 wurde Ludwig Kless aus „Räumungsgründen“ von Rottenmünster in die Heilanstalt Weissenau verlegt. Auch bei dieser frühen Verlegung war Weissenau Zwischenanstalt.
Ludwig Kless lebte seit dem 04. September 1939 in der Heilanstalt Weissenau und wurde von dort am 22. August 1940 nach Grafeneck deportiert. Dort wurde er vermutlich am Tag der Deportation mit Gas ermordet. Ludwig Kless wurde 39 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum mit Todesort ist auf dem Geburtsregister und dem Familienregister der Eltern nachgetragen. Es ist der 31. August 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 417 Nr. 82.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24673.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 309/36683 Kless Ludwig aus Biberach, Patientenakte mit Foto.
- Stadtarchiv Biberach, Familienbuch Band 13, S. 68, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums von Ludwig Kless.
- Anzeiger vom Oberland, verschiedene Zeitungsanzeigen aus dem Deutschen Zeitungsportal. Online bei der Deutschen Digitalen Bibliothek: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 6. September 1871
Geburtsort: Biberach
Beruf: Schuhmacher
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster
Datum der Deportation: 03. Februar 1940
Sterbedatum: 03. Februar 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Theresia Klotz, ledig aus Biberach, der angebliche Vater August Fuchs, ein Schlosser aus Bayern.
Josef Klotz wurde unehelich geboren, seine Mutter war auch schon ein uneheliches Kind. Die Mutter von Josef Klotz arbeitete 1899 als Haushälterin bei dem Gipser Franz Leuchs.
Joseph Klotz lernte den Beruf des Schuhmachers. Er war ledig und katholisch. 1899 wurde er mit einen öffentlichen Aufruf des Amtsrichters steckbrieflich gesucht (Anzeige im im Anzeiger vom Oberland). Josef Klotz war schon öfter mit dem Gesetz in Konflikt geraten.
Nach der ersten Aufnahme am 10. Juni 1902 in die Heilanstalt Schussenried entwich Josef Klotz Anfang Juli aus der Anstalt. Schon am 19. August 1902, also ca. 6 Wochen später erfolgte eine zweite Aufnahme. Am 07. Juni 1904 wurde Joseph Klotz von Schussenried in die Heilanstalt Rottenmünster verlegt. Seine Mutter verstarb am 22. Oktober 1904, ob und wieviel Kontakt Mutter und Sohn noch hatten, ist nicht bekannt.
Josef Klotz lebte 25 Jahre in Rottenmünster. Er wurde am 03. Februar 1940 aus der Heilanstalt Rottenmünster nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Er wurde 68 Jahre alt.
Beim Tod seiner Mutter im Jahr 1904 wurde vom Standesamt Biberach ein Familienbuch für die Familie Klotz angelegt, bis zu den Urgroßeltern von Josef Klotz. Das gefälschte Todesdatum 05. Februar 1940 von Josef Klotz ist auf diesem Register nachgetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 421 Nr. 55.
- Anzeiger vom Oberland, Ausgabe vom 24.11.1900, Seite 1.
- Stadtarchiv Biberach, Familienbuch Band 16, Blatt 67 der Urgroßeltern von Josef Klotz, mit Nachtrag des gemeldeten, aber gefälschten Sterbedatums von Josef Klotz.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 7. April 1875
Geburtsort: Biberach
Beruf: Dienstmagd
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau, Oberer Riedhof
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Christian Knöpfle, Taglöhner aus Bartholomä, und Gertraud, geb. Braun aus Dellmensingen.
Magdalene Knöpfle ist im Gedenkbuch Ulm aufgeführt und hat dort eine ausführliche Biografie:
„Magdalene Knöpfle kam am 7. April 1875 als Kind von Christian Knöpfle und seiner Frau Gertraud, geb. Braun, in Biberach zur Welt. Magdalene Knöpfle verdingte sich als Dienstmagd und lebte im letzten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts in Zürich. Als sie im Alter von 24 Jahren psychisch erkrankte, nahm sie zunächst am 13. September 1899 die nahe bei Zürich gelegene Heil- und Pflegeanstalt Mönchhof in Kilchberg auf. Am 18. Mai 1900 wurde sie, wie es in der Schweiz übliche Praxis war, als Ausländerin ohne Anspruch auf Fürsorgeleistung nach Württemberg <abgeschubt> und im Friedrichshafener Karl-Olga-Spital untergebracht. Am 9. Juni 1900 kam Magdalene Knöpfle im Alter von 25 Jahren in die Heilanstalt Weissenau. Dort wurde sie über Wochen hinweg im Bett gehalten, wo sie sich mit Stricken beschäftigte. Ab dem Frühjahr 1901 arbeitete sie im Nähsaal und der Gemüseküche, später wurde sie auch mit Reinigungsarbeiten beschäftigt. Sie wurde in der Patientenakte als <fleißig>, aber <misstrauisch> gegenüber den anderen Kranken beschrieben. Erst nach Monaten wurde Magdalene Knöpfler etwas gesprächiger. Die Symptome ihrer Erkrankung traten weiterhin auf, weshalb sie zum Zeitpunkt ihrer Verlegung in die Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof in Ulm-Grimmelfingen am 19. Februar 1906 als <ungeheilt> bezeichnet wurde. In der Ulmer Anstalt verbrachte Magdalene Knöpfler einen großen Teil ihres Lebens. Am 23. August 1940 wurde sie mit 39 anderen Riedhofbewohnern von Ulm nach Grafeneck deportiert und hier ermordet.“
- Aus:Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 125.
- Quelle: Wuttke, „O, diese Menschen, S. 118. Stadt Ulm
- Die Toten des Zweiten Weltkrieges 1939-1945, S. 83.
- Staatsarchiv Sigmaringen Wü 68/2 t 3 N.2895.
- Paul-Otto Schmidt-Michel, „Euthanasie“-Opfer aus der Schweiz in der „Aktion T4“. In: Swiss Archives of Neurology, Psychiatry and Psychotherapy 169 (2018) S. 82-88.
Weitere Informationen als Ergänzung zu der Biografie im Gedenkbuch Ulm:
Magdalena Knöpfle wurde 75 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 428 Nr. 15.
- Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 125.
- Katholisches Taufregister 1875 Nr. 57 und Familienregister Nichtbürger Band 1, Fol. 12, ohne Nachträge.
Abbildungen und Bildunterschriften
Fotos aktuell in Klärung wegen der Rechte
Geboren am: 28. November 1870
Geburtsort: Biberach
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Johann Baptist Knörle, Dienstknecht und Hilfsarbeiter aus Ottmarsreute bei Liebenau, 2. Ehe.
Mutter: Josephine Gengenbach aus Weingarten (Ravensburg), später verheiratete Hagenbacher.
Walburga Gengenbach wurde unehelich in Biberach an der Riß geboren und getauft. Der Vater war ein Jakob Ulmer aus Steinbach, Oberamt Backnang. Die Mutter Josefine Gengenbach stammte aus Weingarten. 1876 heiratete die Mutter Josefine Gengenbach den verwitweten Taglöhner und Maurer Benedict Hagenbacher in Weingarten. Das Ehepaar lebte in Baienfurt. Walburga Gengenbach war zu diesem Zeitpunkt 6 Jahre alt. Beide Eltern (Mutter und Stiefvater) verstarben schon vor der Heirat von Walburga Gengenbach im Jahr 1901.
Walburga Gengenbach heiratete am 14. November 1901 standesamtlich in Ravensburg Johann Baptist Knörle. Der Ehemann verstarb am 30. Dezember 1930. Das Ehepaar hatte einen 1903 geborenen gemeinsamen Sohn, es gab laut Familienregister vier voreheliche Kinder von Walburga Knörle. Sie lebte früher in Oberkamnitz (Böhmen), Tübingen, Leipzig und Kauerndorf (Thüringen). An diesen Orten wurden die Kinder geboren.
Walburga Knörle wurde im November 1934 entmündigt und auf Kosten des Kreiswohlfahrtsamtes Ravensburg in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau überwiesen. Sie lebte seit dem 01. August 1934 in der Liebenau. Ihre Patientenakte mit Abschrift eines Familienregisters hat sich im Bundesarchiv erhalten. Dort werden ihre fünf Kinder genannt, vier waren 1934 verheiratet. Der jüngste Sohn heiratete erst im Jahr 1942.
Walburga Knörle wurde am 02. Oktober 1940 nach „unbekannt“ verlegt. Dieser Transport ging direkt nach Grafeneck in den Tod.
An diesem Tag wurde Walburga Knörle nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie wurde 69 Jahre alt.
In den Unterlagen aus der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau hat sich ein Briefwechsel aus dem Jahr 1979 erhalten. Ein Urenkel von Walburga Knörle interessierte sich für das Schicksal seiner Urgroßmutter. Die Antwort aus Liebenau war nicht besonders hilfreich. Die Krankheit wurde nicht genannt (Arztgeheimnis), es wurde die Aufenthaltsdauer genannt, eine Akte sei nicht mehr vorhanden. Es wurde ein eventueller Zusammenhang mit den Euthanasiemorden hergestellt, ohne weitere Angaben.
Auch in der Liebenau hat die Aufarbeitung des Themas deutlich später begonnen. Das Buch von Pfarrer Friedel erschien im Jahr 2009.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/28987.
- Standesamt Ravensburg: Familienregister Ravensburg Bd. 15, Bl. 199.
- Standesbücher Ravensburg. (Ehe- und Sterberegister Stadtarchiv Ravensburg, Online bei Ancestry.de).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. November 1895
Geburtsort: Unterdettingen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Weinsberg
Datum der Deportation: 21. Juni 1940
Sterbedatum: 21. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Baptist Kohn, Korbmacher in Unterdettingen, und Marianna geb. Büchele aus Hauerz.
Der Vater Johann Baptist Kohn war Mitglied der „Diebs- und Verbrecherbande Illertal“, seine Mutter und er hatten zusammen mit mehreren Geschwistern, Schwägern und Bekannten eine Diebesbande. Der Vater wurde 1897 zu 12 Jahren Zuchthaus verurteilt. Das Anwesen des Vaters Johann Baptist Kohn wurde nach der Verurteilung im Zuge der Zwangsverwaltung verkauft.
Was aus dem Kind Ferdinand Kohn, seinen Geschwistern und seiner Mutter danach wurde, wie und wo sie lebten, ist nicht bekannt.
Ferdinand Kohn diente als Soldat im 1. Weltkrieg, es gab zwei Einträge in den deutschen Verlustlisten. In der Kriegsstammrolle des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 119 (4. Kompagnie) ist ein Lazarettaufenthalt eingetragen: „leicht verwundet Kopf“. Seine Berufsangabe ist hier Bauer, sein Wohnort Oberdettingen. Er war 1916 Teilnehmer bei der Schlacht an der Somme, auch in den Stellungskämpfen dort wird seine Teilnahme genannt.
Ferdinand Kohn wurde am 13. Januar 1927 in die Heilanstalt Weinsberg aufgenommen. Sein letzter Wohnort war Mainhardtsall, ein Weiler im Oberamt Öhringen (Hohenlohe). Der Kostenträger war das Kreiswohlfahrtsamt Öhringen, d.h. er hatte dort seinen festen Wohnsitz.
Am 21. Juni 1940 erfolgte seine Verlegung „in eine andere Anstalt“. Tatsächlich erfolgte an diesem Tag seine Deportation nach Grafeneck. Noch am gleichen Tag wurde er dort ermordet. Ferdinand Kohn wurde 44 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist aktuell nicht bekannt.
Im Staatsarchiv Ludwigsburg hat sich ein Brief des Bruders Rupert Kohn erhalten. Er fragte am 29. September 1940 an, bezüglich der Urne seines verstorbenen Bruders, auch warum er eingeäschert wurde:
„Aus meinem Interessehalber möchte ich
mich freundlichst erkundigen, wo den (Urn)
Urne meines verstorbenen Bruder
Ferdinand Kohn aufbewahrt ist, u. ob
Unkosten vorhanden noch sind, u. wer die
sälbe bezahlt halt, u. wieso ist er ein-
geäschert worden.
Grüßt freundlichst
Rupert Kohn
Schweizer v. Gasth z. Rößle
Altenstadt a.d. Iller
bayern“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 441-66 (nur eine Seite).
- Staatliche Heilanstalt Weinsberg: Verlegungen von Kranken, Männer, Transport vom 21. Juni 1940, Staatsarchiv Ludwigsburg, F 234 I Bü 1328. Mit Brief des Bruders Rupert Kohn.
- Landesarchiv Baden Württemberg, Hauptstaatsarchiv Stuttgart Bestand M 476, Bd. 7: Kriegsstammrollen des Reserve-Infanterie-Regiments Nr. 119, 4. Kompagnie, Bild 329.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 17. Februar 1902
Geburtsort: Kappel (Bad Buchau)
Beruf: Lehrer
Einrichtung: Heilanstalt Winnental
Datum der Deportation: 3. Juni 1940
Sterbedatum: 3. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Matthias König, Oberlehrer in Buchau, und Josephine geb. Kniesel.
Eugen König war das sechste von neun Kindern seiner Eltern. Zwei der Kinder (Zwillinge) starben jung. Der Vater war seit 1893 Lehrer in Buchau, zuvor in Rupertshofen. Er verstarb 1936, die Mutter 1941.
Im Buch von Josef Mohn, der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, gibt es eine recht ausführliche Biografie von Eugen König:
„Eugen König, geb. 17. 2. 1902 in Kappel. Er besuchte die Volksschule in Kappel, hierauf die Realschule in Buchau, sodann das Lehrerseminar in Saulgau. Im Jahre 1922 bestand er das I. Dienstexamen für Volksschullehrer. Nun begann die Zeit der jahrelangen Nichtverwendung als Lehrer im Staatsdienst, weil keine Planstellen vorhanden waren. Nach kurzer Verwendung im Polizeidienst stand König wieder vor einem Nichts. Er studierte nun Musik, komponierte auch Messen, von denen eine auch in der Stiftskirche in Buchau aufgeführt wurde. Seine musikalische Begabung war überdurchschnittlich. Eines Tages hieß es: König befindet sich in Tübingen in einer Nervenklinik. Am 20. 6. 1940 ging sodann beim Standesamt Buchau folgendes Schreiben ein:
Der Lehrer Eugen König, katholisch, wohnhaft in Grafeneck, ist am 20. 6. 1940 in Grafeneck gestorben. Todesursache: Hirnhautentzündung.“
Ergänzende Informationen zur Biografie von Josef Mohn:
Eugen König war ein erstes mal in der Nervenklinik Tübingen vom 30. April 1928 bis 07. November 1928. Aus der Akte geht hervor, er war während des Krieges im Reservelazarett Weissenau.
Nach der Entlassung aus Tübingen (sein Vater holte ihn ab) lebte er bei seiner Mutter in Buchau und beschäftigte sich viel mit Musik und komponieren. Im Jahr 1938 trat eine Verschlechterung ein, vom 09. April 1938 bis 08. September 1938 war er erneut in Tübingen. Von dort wurde er direkt in die Heilanstalt Winnental versetzt.
Sein Bruder Alfons König lebte in Cannstatt und bemühte sich während des 2. Aufenthaltes in Tübingen um eine Aufnahme in Winnental, damit Eugen König für die Geschwister einfacher erreichbar wäre. Die Mutter lebte zu diesem Zeitpunkt abwechselnd bei ihren verschiedenen Kindern, ein Sohn war Pfarrer bei Mindelheim, eine Tochter dort Haushälterin, die anderen Töchter lebten in Heidenheim und Wäschenbeuren.
Eugen König war vom 08. September 1938 bis zu seiner Deportation am 03. Juni 1940 in der Heilanstalt Winnental. Am Tag der Deportation wurde er in Grafeneck ermordet. Er wurde 38 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist der 20 Juni 1940, „† im 3. Reich !!!“ steht im katholischen Familienregister der Eltern als Nachtrag.
Die Urne wurde auf dem Hauptfriedhof Cannstatt (Stuttgart) bestattet.
In der Württembergischen Patientenkartei befindet sich noch ein Briefwechsel vom September 1940. Das Amtsgericht Tübingen erkundigt sich nach dem Patienten König, es geht um seine Unfruchtbarmachung. Das Antwortschreiben der Heilanstalt Winnental vom 17. September 1940 wurde als Abschrift der Akte beigelegt: „Herr Eugen König ist aus Gründen der Reichsverteidigung am 3.6.1940 in eine andere Heilanstalt verlegt worden. Der Name dieser Heilanstalt ist uns nicht bekannt. … Die Mutter des König machte vor kurzem hier die mündliche Mitteilung, daß Herr Eugen König in der Aufnahmeanstalt gestorben sei. Weiteres wissen wir nicht. Die Unfruchtbarmachung des K. konnte bis zu seinem Weggang von hier nicht durchgeführt werden.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 436 Nr. 96, mit Briefwechsel bezüglich Unfruchtbarmachung.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/16997, mit Foto.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/16997 König Eugen aus Kappel, Patientenakte, mit Foto.
- Familienregister Bad Buchau – Kappel Band 2, Fol. 294 König Matthias. Mit Nachtrag des Todes bei Kind Nr. 6 Eugen König.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1 Hauptfriedhof Cannstatt, Lfd. Nr. 2046: König, Eugen, Grablage Abt. 40 – 61. Todesort Grafeneck.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970. Hier besonders: Der Leidensweg der Opfer der Euthanasie, 1939-1941, S. 151-155.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 9. März 1877
Geburtsort: Birkenhard
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Kopf, Bauer in Birkenhard, und Barbara geb. Härle.
Maria Anna Kopf war das älteste von fünfzehn Kindern ihrer Eltern. Von den Kindern verstarben neun früh. Als Maria Anna Kopf in die Liebenau kam lebten noch vier ihrer Geschwister, ein Bruder heiratete kurz danach im Mai 1928.
Die Patientenakte von Maria Anna Kopf hat sich im Bundesarchiv erhalten. In der Akte steht als Wohnort „Burgenhardt b. Biberach“.
Maria Anna Kopf oder auch Maria Kopf (Patientenakte) wurde am 10. April 1928 von einem Bruder in die Liebenau gebracht. Bis dahin versorgte Maria Anna Kopf ein Hauswesen mit 4 Personen. Der Bruder gab an, seit etwa 6 Jahren sei ihr Wesen verändert.
Es bestand vermutlich auch ein zeitlicher Zusammenhang zwischen der Aufnahme in der Liebenau und der bevorstehenden Heirat des Bruders, dieses wurde in der Patientenakte kurz erwähnt.
Maria Anna Kopf lebte bis zum 30. August 1940 in der Liebenau. Nach einer Eingewöhnungszeit arbeitete sie in der Wäscherei, später in der Ökonomie. Vom 6. August 1940 gab es einen letzten Eintrag in Liebenau in ihrer Akte.
Maria Anna Kopf wurde am 30. August 1940 nach Zwiefalten (Zwischenanstalt) verlegt, auch dort gab es vom 20. September 1940 noch einen kurzen Eintrag in ihrer Akte. Unter anderem steht da: „Zu keiner Arbeit zu bringen“. Am 24. September 1940 wurde Maria Anna Kopf von Zwiefalten nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Maria Anna Kopf wurde 63 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum wurde im Familienregister der Eltern nachgetragen. Es ist der 15. Oktober 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/28983.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Pfarrei Warthausen, Taufregister 1877 Nr. 7 mit Nachtrag des Todes in Grafeneck, Familienregister Birkenhard Fol. 107, Kind Nr. 1 mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Juli 1885
Geburtsort: Bürken (Spindelwag)
Beruf: Bauernsohn
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Christian Kramer, Bauer auf dem „Birkenhof“ in Bürken, Gemeinde Spindelwag, und Maria Magdalena Waizenegger aus Oberschwarzach.
Benedikt Kramer war das zehnte von siebzehn Kindern seiner Eltern. Sechs der Kinder sind früh verstorben.
Der Bruder Friedrich ist 1914 in Frankreich gefallen, der Bruder Karl ist am 12. April 1920 im Reservelazarett Jordanbad verstorben. Der älteste Bruder Heinrich verunglückte tödlich1905 im Alter von 29 Jahren bei Baumfällarbeiten. Der Bruder Albert übernahm den elterlichen Hof. Dieser brannte am 03. Februar 1927 ab und wurde danach wieder aufgebaut. Zu diesem Zeitpunkt war Benedikt Kramer aber schon viele Jahre in der Heilanstalt.
Benedikt Kramer leistete seinen Wehrdienst von 1904 – 1906. Es gibt ein Foto in Uniform mit der Jahreszahl 1906, als Erinnerung an seine Wehrzeit.
Bei der ersten Aufnahme in die Heilanstalt Rottenmünster am 28. Januar 1911 wird die „Krankheitsdauer bei Aufnahme“ als „ca. 1 Jahr“ beschrieben. Vom 13. Juni 1912 bis 19. Oktober 1923 war Benedikt Kramer in der Heilanstalt Weissenau, von dort wurde er in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Vom 19. Oktober 1923 bis zur Deportation am 18. Juni 1940 war er in Schussenried, dort steht nur: Austritt am 18 Juni 1940, ungeheilt.
Zusammen mit 60 anderen Männern wurde Benedikt Kramer am 18. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert, an diesem Tag wurde er in Grafeneck mit Gas ermordet.
Benedikt Kramer wurde 54 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS und Johannes Angele
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 450 Nr. 87.
- Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Riedlinger Zeitung Ausgabe vom 7. Februar 1927, Bauernhof abgebrannt.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 19.02.2021, Seite 14, über Wilhelm Wiedenmann und Benedikt Kramer: „Zwei weitere Opfer erhalten ein Gesicht“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Mai 1880
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Fabrikarbeiter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Wilhelm Kuhn, Schuhmachermeister in Laupheim, und Magdalena geb. Stöverle/Stöferle.
Anton Kuhn wurde am 19. April 1911 in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Von Beruf war er Fabrikarbeiter. Seine Eltern verstarben 1918 (Mutter) und 1929 (Vater).
Eine Patientenakte von ihm hat sich leider nicht erhalten. Er lebte 29 Jahre in Schussenried.
Am 23. August 1940 wurde Anton Kuhn in einem Transport von 34 Männern aus der Heilanstalt Schussenried nach Grafeneck verlegt und dort ermordet. Er wurde 60 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum wurde auf dem Geburtsregister Laupheim nachgetragen, es ist der 01. September 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 468 Nr. 26.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (34).
- Stadtarchiv Laupheim: Geburtsregister 1880 Nr. 83 Standesamt Laupheim Kuhn Anton, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. Juni 1882
Geburtsort: Tannheim
Beruf: Landwirtschaftliche Arbeiterin
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 13. August 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Joseph Kunz, Söldner in Tannheim, und Adelheid geb. Pfau.
Genovefa Kunz wurde vorehelich mit dem Nachnamen der Mutter Adelheid Pfau in Tannheim geboren. Die Eltern heirateten am 19. Oktober 1885 in Tannheim, der Vater stammte aus Habsegg, die Mutter aus Tannheim.
Genovefa Kunz wurde am 27. Januar 1935 zum ersten mal in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen. Sie war ledig, katholisch und verdiente ihren Lebensunterhalt als landwirtschaftliche Arbeiterin Ihr letzter Wohnort war Kronwinkel, ein Weiler der zu Tannheim gehört.
Am 05. September 1939 wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau versetzt. In der Akte aus dem Bundesarchiv datiert der letzte Eintrag vom 14. Juni 1940.
Am 13. August 1940 wurde sie in die Heilanstalt Zwiefalten (Zwischenanstalt) verlegt. Von dort wurde sie am 30. August nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie wurde 58 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum ist auf dem Geburtsregister von Genovefa Kunz nachgetragen: es ist der 10. September 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 470.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/28974.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
L
Geboren am: 5. März 1897
Geburtsort: Kleiningersheim
Beruf: Dreher, Schlossergeselle, Werkzeugmacher
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 29. Oktober 1940
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Anna Natalie Ochsenreiter aus Laupheim.
Eltern: Karl Wilhelm Leibbrandt, Bauer und Gemeindepfleger in Kleiningersheim, und Paulina Rosina geb. Kallenberger.
Gustav Leibbrandt (Taufname Gustav Heinrich) war das vierte von dreizehn Kindern seiner Eltern.
Nach Abschluss seiner Lehre als Schlosser arbeitete Gustav Leibbrandt in verschiedenen Stellungen in Stuttgart und Neckarsulm. Im Juli 1916 wurde er zum Heer eingezogen.
Er wurde in das IR 126 eingezogen, war dann im Aug/Sept. 1916 krank. Danach war er im Feld und wurde am 05. März 1917 zum IR 124, 11. Kompagnie versetzt. In den Kriegsstammrollen sind mehrere Lazarettaufenthalte und der Hinweis auf ein Lungenleiden verzeichnet. Weihnachten 1918 kam er wieder zum Reserve-Bataillon beim IR 124 und wurde in die Flugzeugfabrik in Manzell versetzt. Vom Militär wurde er entlassen. In Manzell blieb er bis Kriegsende.
Nach dem Krieg, am 18. Februar 1919 trat Gustav Leibbrandt bei der Firma Steiger in Burgrieden ein. Im Jahr 1920 heiratete Gustav Leibbrandt, die Ehefrau brachte ein uneheliches Kind mit in die Ehe. Seit 1924 gab es zunehmend gesundheitliche Probleme.
Am 04. Juni 1926 erfolgte die Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen. Von dort wurde er am 30. Juli 1926 nach Hause entlassen.
Die Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried erfolgte am 28. Dezember 1926. Kurz zuvor gab es noch einen Briefwechsel zwischen der Ortsfürsorgebehörde Besigheim und der Nervenklinik Tübingen bezüglich der Notwendigkeit einer Aufnahme in eine Heilanstalt. Details zu der langen Zeit in Schussenried sind nicht bekannt, die Patientenakte ist nicht erhalten. Am 29. Oktober 1940 wurde Gustav Leibbrandt nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 43 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist der 05. November 1940, Sterbeort Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 490 Nr. 77.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/35646 Leibbrandt Gustav Kleinigersheim und Burgrieden, Patientenakte mit Foto.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 6), die „am 29. Oktober 1940 verlegt“ wurden (13).
- Hauptstaatsarchiv Stuttgart M 466 Bd. 93, Bild 289 Kriegsstammrolle der 1. Genesenenkompanie des Infanterie-Regiments Nr. 124, Eintrag Nr. 822 für Gustav Leibbrandt.
- Hauptstaatsarchiv Stuttgart M 466 Bd. 34, Bild 483 Kriegsstammrolle der 11. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 124, Eintrag Nr. 853 für Gustav Leibbrandt.
- Gemeindearchiv Ingersheim, Geburtsregister 1897 Nr. 3 mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. August 1879
Geburtsort: Biberach
Beruf: Musikdirektorsehefrau, geschieden
Einrichtung: Heilanstalt Konstanz, Heil- und Pflegeanstalt Illenau, Kreispflegeheim Hub
Datum der Deportation: 19. Juni 1940
Sterbedatum: 19. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Wilhelm Friedrich Johann Lemke, geboren in Plau, Kreis Parchim. Verstorben 1953 in Rostock.
Eltern: Anton Raufeisen, Viehhändler in Biberach an der Riß, und Theresia geb. Renn aus Mittelbiberach.
Klara Raufeisen war das siebte von neun Kindern ihrer Eltern. Nur ihr Bruder Karl und sie erreichten das Erwachsenenalter.
Im Jahr 1900 heirateten Klara Raufeisen und Wilhelm Lemke standesamtlich in Biberach. Die kirchliche Trauung fand nicht in Biberach statt, der Ort ist nicht bekannt. Wilhelm Lemke war zu diesem Zeitpunkt Trompeter beim Dragoner-Regiment Nr. 21 in Bruchsal.
Das Ehepaar lebte später in Le Locle in der Schweiz. In Le Locle war Wilhelm Lemke von 1904 bis 1915 Professor und Musikdirektor mit Leitung der Musique-Militaire von Le Locle.
Schon in den Jahren 1907-1909 war Klara Lemke in Schweizer Einrichtungen. Am 07. Juni 1911 wurde sie aus einer Schweizer Anstalt in die Anstalt Gehlsheim (in der Nähe von Rostock) überführt. Seither befand sie sich in ärztlicher Behandlung. Wie lange sie in Gehlsheim war, ist nicht bekannt.
Die Familie wird in einer Volkszählung in Rostock im Jahr 1910 genannt. D.h. es muss auch in Rostock schon einen Wohnsitz gegeben haben. Evtl. war das der Grund für die Aufnahme in Gehlsheim.
In einem ärztlichen Zeugnis aus dem September 1911 wird die Ehe als geschieden angegeben, es werden fünf Kinder im Alter von 8, 5, 3, 2 und 1 Jahren genannt, zwei Söhne und drei Töchter.
Am 23. September 1911 wurde Klara Lemke in die psychiatrische Klinik Heidelberg aufgenommen. Der vorherige Wohnort war laut Akte Karlsruhe. In Heidelberg war sie knapp vier Monate zur Beobachtung und Behandlung. Am 12. Januar 1912 wurde sie in die Heilanstalt Wiesloch aufgenommen. Nach einigen Jahren in Wiesloch wurde sie am 24. November 1919 in die Heil- und Pflegeanstalt Pforzheim versetzt.
Klare Lemke war vom 13. März 1921 bis zum 04. Januar 1924 in der Grossherzoglichen Badischen Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz. Ab dem 04. Januar 1924 war sie in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau. Von dort wurde sie am 30. April 1925 in das Kreispflegeheim Hub versetzt.
Seit dem 30. April 1925 bis zu ihrer Deportation nach Grafeneck lebte Klara Lemke in Hub. Am 19. Juni 1940 wurde sie nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Klara Lemke wurde 60 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum ist der 15. Juli 1940 in Grafeneck.
Laut Sterbeeintrag von Wilhelm Lemke hatte er im Jahr 1912 in Le Locle (Schweiz) erneut geheiratet. Das Leben des Ehemanns Wilhelm Lemke ist gut dokumentiert durch seine musikalische Karriere und durch einen Wikipedia Eintrag. Die Töchter haben alle geheiratet. Über die Söhne ist nichts weiter bekannt, ein Sohn scheint noch vor 1919 verstorben zu sein.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatsarchiv Freiburg, Bestand B 821 2 Nr. 22620 Lemke, Klara, geb. 1879, Patientenakte aus Illenau, Konstanz und Pforzheim.
- Katholisches Familienregister Biberach Band IV, Fol. 188b.
- Stadtarchiv Biberach, Familienregister Band 1, Blatt 219, mit Nachtrag des Todes bei Kind Nr. 8 Klara.
- Stadtarchiv Biberach, Eheregister 1900 Nr. 31, mit Nachtrag des Todes der Ehefrau. Von einer Scheidung steht nichts im Register.
- Lemke Wilhelm bei Wikipedia, ohne familiare Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Lemke_(Komponist)
- Volkszählungen in Rostock, 1910 und 1919, Online bei Ancestry.de
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 6. März 1899
Geburtsort: Obersulmetingen
Beruf: Hausgehilfin
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Konrad Lenzenhuber, Landwirt in Obersulmetingen, und Maria, geb. Isser.
Die Mutter von Rosa Lenzenhuber verstarb im Mai 1912, ihre Schwester Kreszentia verstarb laut Traueranzeige am 07. März 1915. Es gab noch weitere Geschwister, Details zur Familie sind nicht bekannt.
Rosa Lenzenhuber wurde am 27. Februar 1934 mit 35 Jahren in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Ihr Vater lebte noch und wird in der Württembergischen Patientenkartei genannt.
Sie lebte in Schussenried bis zu ihrer Deportation und Ermordung in Grafeneck am 07. Juli 1940.
Rosa Lenzenhuber wurde 41 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 494 Nr. 6.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Oktober 1900
Geburtsort: Unlingen
Beruf: Gärtner
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 5. August 1940
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Lieb, Ziegler in Unlingen, und Theresia geb. Halbherr.
Max Lieb (Taufname Maximilian) hatte sechs Geschwister, er war das zweite Kind. Nur eines der Geschwister verstarb früh. Der Vater, Josef Lieb, verstarb am 5. August 1915 im Alter von 44 Jahren. Der Sohn Max Lieb war zu diesem Zeitpunkt knapp 15 Jahre alt, die jüngste Schwester allerdings erst zwei Jahre alt. Es ist anzunehmen, dass die Situation für die Familie nicht einfach war.
Max Lieb erlernte nach der Schule den Beruf des Gärtners.
Im Januar 1927 wurde Max Lieb verhaftet. Er hatte im Dezember eine Pistole gestohlen, den Verkäufer im Geschäft bedrohte er und entfernte sich ohne Bezahlung. Diese Tat führte letztlich zur Einweisung in eine Heilanstalt. Berichte zu dieser Tat kamen überregional in den Zeitungen.
Max Lieb lebte vom 1. April 1927 bis zu seiner Verlegung am 5. August 1940 in der Heilanstalt Zwiefalten. An diesem Tag wurde er nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Max Lieb wurde 39 Jahre alt.
Es gibt einen ausführlichen Eintrag zu Max Lieb im katholischen Sterberegister Unlingen 1940:
„Er weilte etwa 20 Jahre in der Heilanstalt Zwiefalten. Zunächst im August 1940 in die Landespflegeanstalt Grafeneck verlegt. Und dann in demselben Monat in die Landespflegeanstalt Brandenburg a. H. verlegt. Todesnachricht von dort am 28. August 1940 infolge Ruhr & Kreislaufschwäche verstorben und die Leiche direkt eingeäschert.“
Seine Urne wurde am 24. September 1940 in Unlingen bestattet. Die Mutter von Max Lieb lebte noch bis 1960 in Unlingen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 497-109.
- Brief an Friedhofsverwaltung Unlingen als Begleitschreiben zum Versand der Urne von Max Lieb. (Gemeindearchiv Unlingen).
- Pfarrei Unlingen, katholisches Familienregister Band 2, Fol. 748 und Sterberegistereintrag 1940 ohne Nr. für Max Lieb.
- Riedlinger Zeitung Ausgabe vom 13.01.1927. Deutsches Zeitungsportal bei der Deutschen Digitalen Bibliothek.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 17. Februar 1884
Geburtsort: Heilbronn
Beruf: Dr. Ing. Regierungsbaumeister
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Robert Locher, Oberlehrer in Heilbronn, Pensionär in Biberach a. d. Riß, und Maria geb. Waizenegger.
Der Vater von Hugo Locher, der Oberlehrer a.D. Robert Locher ist im Jahr 1916 in Biberach verstorben. Im Nachruf gibt es einen biografischen Überblick, der Vater stammte aus einer Lehrerfamilie und war 34 Jahre als Lehrer im königlichen Zellengefängnis Heilbronn tätig. Nach der Pensionierung zog er im Jahr 1912 mit seiner Frau nach Biberach an der Riß.
Über Hugo Locher selber gibt es mehrere Einträge in Zeitungen und Adressbüchern. Er wurde in Heilbronn geboren, hatte 1903 die Oberrealschule Heilbronn abgeschlossen. Das Studium des Bauingenieurwesens absolvierte Hugo Locher in Stuttgart und Berlin, der Abschluss mit Diplom erfolgte 1909. Am 12. März 1912 wurde das „Doktor-Ingenieurdiplom“ erteilt. Im Adressbuch Stuttgart 1913 ist sein Wohnort Stuttgart, Stafflenbergstr. 54 und er ist Regierungsbaumeister im Ministerium des Innern.
Im Juli 1913 verlobte sich Hugo Locher mit Margarit Engels. Eine Heirat fand aber nicht statt, evtl. wegen des Beginns des 1. Weltkriegs. Hugo Locher war Kriegsteilnehmer im Range eines Oberleutnants der Reserve. Mindestens einmal ist er auch in den deutschen Verlustlisten genannt (1914 evtl., 1916).
Am 20. August 1917 wurde Hugo Locher in die Heilanstalt Rottenmünster eingewiesen, auf Ansuchen der Angehörigen. Dort wurde er drei Tage später wieder entlassen. Der Wohnsitz war Biberach a. d. Riß. Nur 10 Wochen später erfolgte eine erneute Aufnahme, dieses Mal in die Heilanstalt Schussenried. In Schussenried wird unter „Sonstige bekannte Ursachen“ auch ein Bezug zum Krieg hergestellt.
Hugo Locher war in der Heilanstalt Schussenried bis zu seiner Deportation am 18. Juni 1940, an diesem Tag wurde er in Grafeneck ermordet. Hugo Locher wurde 56 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 10. Juli 1940 in Grafeneck (kaum lesbar auf einer schlechten Kopie das elterlichen Familienregisters aus Heilbronn).
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 504 Nr. 51.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Deutscher Reichsanzeiger No. 268 vom 13.11.1913, Verzeichnis der Doktor-Ingenieurspromotionen im Studienjahr 1912/13 an der königlichen Technischen Hochschule Stuttgart.
- Familienregister Heilbronn Band L47, Seite 37.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. April 1912
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 8. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Luffler, Schuhmacher in Biberach, und Berta geb. Funk.
Die Eltern heirateten 1911 in Biberach an der Riß. Der Vater stammte aus Rotenbach (Schrezheim), heute Ostalbkreis. Die Mutter stammte aus Mittelbiberach.
Der Vater von Anton Thomas Luffler verstarb im Mai 1921 mit 37 Jahren, laut Traueranzeige an einem Herzschlag. Er war in diversen Vereinen und Vereinigungen in Biberach aktiv. Anton Thomas Luffler war 9 Jahre alt beim Tod des Vaters. Im April 1925 verstarb seine Großmutter mütterlicherseits.
Anton Thomas Luffler besuchte die Schule in Heudorf am Bussen. Diese Schule war spezialisiert auf Kinder mit Einschränkungen.
Am 28. April 1926 wurde Anton Thomas Luffler in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen, er lebte dort bis zur Verlegung in eine unbekannte Anstalt am 30. August 1940.
Tatsächlich wurde er in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Anton Thomas Luffler wurde am 8. November 1940 von Zwiefalten nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Anton Thomas Luffler wurde 28 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum ist auf den Kriegsgräberlisten aus dem Staatsarchiv Ludwigsburg bekannt: 20. November 1940 in Sonnenstein.
Die Urne von Anton Thomas Luffler wurde am 14. Dezember 1940 auf dem Friedhof in Biberach bestattet. Als Ansprechpartner ist die Mutter Berta Luffler genannt, wohnhaft in Biberach, Saulgauer Str. 40.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/23611.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 7: Luffler Anton.
Abbildungen und Bildunterschriften
M
Geboren am: 23. August 1877
Geburtsort: Reute (Mittelbiberach)
Beruf: Tagelöhner, ungelernte Arbeiter
Einrichtung: Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof
Datum der Deportation: 19. November 1940
Sterbedatum: 19. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Wilhelm Maier, Taglöhner in Reute, und Viktoria geb. Schuewerk.
Fidel Maier hatte zwei Brüder, er selber war das älteste Kind. Der Bruder Gustaf starb jung, der andere Bruder August heiratete 1915. Der Vater verstarb 1911 in Reute, die Mutter 1928.
Biografie aus Gedenkbuch Ulm
„Fidel Maier wurde am 23. August 1877 in Reute bei Biberach geboren. Über seine Lebensgeschichte ist nur wenig bekannt. Er arbeitete als Tagelöhner, bevor er in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen wurde. Von dort fand am 3. Dezember 1920 seine Verlegung zur Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof in Ulm-Grimmelfingen statt. Zu diesem Zeitpunkt war Fidel Maier 43 Jahre alt. Er lebte zwanzig Jahre am Oberen Riedhof, einem städtischen Hofgut mit einem schlossartigen Hauptgebäude, in dem obdachlose, kranke und behinderte Menschen oft über Jahrzehnte untergebracht waren und arbeiten mussten, sofern sie dazu in der Lage waren. Am 19. November 1940 wurde Fidel Maier von einem der „grauen Busse″ vom Riedhof in die Tötungsanstalt Grafeneck gebracht und dort am selben Tag mit Kohlenmonoxid ermordet.“
Aus: Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 133.
Quelle: Wuttke, „O, diese Menschen, S. 118. Stadt Ulm, Die Toten des Zweiten Weltkrieges 1939-1945, S. 83. Archiv DZOK, Bestand Walter Wuttke.
Weitere Informationen ergänzend zur Biografie im Gedenkbuch Ulm
Fidel Maier wurde 63 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum wurde auf dem Familienregister der Eltern nachgetragen. Es ist der 02. Dezember 1940 in Grafeneck.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Gedenkbuch Ulm: Gedenkbuch für die Ulmer Opfer von NS-Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden.
- Standesamt Mittelbiberach: Familienregister Reute Blatt 289 und 290 Familie Wilhelm Maier.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. Juli 1900
Geburtsort: Äpfingen
Beruf: Kellnerin
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Peter Maier (auch Mayer), Söldner in Äpfingen, und Theresia geb. Maucher.
Die Eltern von Theresia Maier heirateten im Oktober 1890 in Warthausen und lebten in Birkenhard. Dort wurden die ersten vier Kinder des Ehepaares geboren. Die Familie zog 1894 nach Äpfingen. Die Mutter von Theresia Maier verstarb am 1. November 1904. Sie hatte insgesamt dreizehn Kinder geboren, acht davon verstarben jung. Theresia Maier war das zehnte Kind und vier Jahre alt beim Tod der Mutter.
Der Vater heiratete 1905 erneut. In dieser Ehe wurden weitere acht Kinder geboren.
Die ältere Schwester Bertha lebte in Hamburg und hat sich laut Patientenakte regelmässig nach dem Befinden der jüngeren Schwester Theresia Maier erkundigt. Ein jüngerer Halb-Bruder Maximilian Maier ist 1944 im Krieg gefallen. Die Stiefmutter ist im August 1944 verstorben, der Vater von Theresia Maier lebte zu diesem Zeitpunkt noch.
Theresia Maier lebte vor Ihrer Erkrankung und Einweisung in die Heilanstalt Schussenried in Biberach bei Haslinger „zum roten Rössle“ und arbeitete dort als Kellnerin (seit Weihnachten 1920).
In dieser Wirtschaft trat der Berufshypnotiseur Blum aus Biberach mehrmals auf. Auch Theresia Maier soll von ihm hypnotisiert worden sein. Danach sei Ihre Erkrankung aufgetreten (eigene Aussage in der Akte).
Zuvor war Theresia in Karlsruhe in Stellung, u.a. im „Karpfen“.
Zu dem Berufshypnotiseur Blum finden sich mehrere Beiträge in den Zeitungen. Er betrieb eine Praxis als Psychologe am Marktplatz 36A in Biberach.
Theresia Maier war vom 6. Juli 1921 bis zum 9. Juli 1940 durchgehend in der Heilanstalt Schussenried. Die zwei letzten Einträge in der Patientenakte sind:
2. Juli 1940: „Wird wegen Räumung der Abtlg [Abteilung] verlegt nach Abtlg B“.
9. Juli 1940: „Wird in eine andere Anstalt verlegt.“
Theresia Maier wurde an diesem Tag nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Theresia Maier wurde 39 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum wurde auf dem Geburtsregister Äpfingen nachgetragen. Es ist der 24. Juli 1940 in Hartheim/Alkoven/Oberdonau.
Die Urne von Theresia Maier wurde auf dem Hauptfriedhof in Ulm bestattet. Leider gibt es auf dem Gräberfeld (welches nicht mehr in Benutzung ist) keine Gedenktafel.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 527-88.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27495.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Kath. Familienregister Birkenhard Band II, Fol. 229.
- Familienregister Äpfingen Band I, Blatt 485, Abschrift aus dem Jahr 1936 in der Patientenakte.
- Geburtsregister Äpfingen 1900 Nr. 15 von Theresia Maier.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2383 ff: Mayer, Theresia, Grablage U 21 – 59. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. November 1889
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Alois Marxer, Taglöhner aus Ochsenhausen, und Franziska geb. Vogt.
Theresia Marxer war das jüngste von acht Kindern Ihrer Eltern. Ihr Vater verstarb im Jahr 1894, Theresia Marxer war 4 Jahre alt. Die Mutter heiratete im Jahr 1895 erneut, in dieser Ehe gab es keine Kinder. Von den älteren Geschwistern erreichten nur drei Brüder das Erwachsenenalter. Der Bruder Gebhard wanderte nach Amerika aus, die zwei Brüder Johann Nepomuk (Müllerknecht) und Max (Bierbrauer) lebten mit ihren Familien in Ochsenhausen.
Aus der Patientenakte im Bundesarchiv Berlin:
Theresia Marxer tat sich in der Schule schwer, war anschließend bei einem „Bauern in Stellung, hielt es jedoch nirgends lange aus“, wie es bei der Aufnahme in Liebenau vermerkt wurde. Später war sie einige Jahre in der Erziehungsanstalt zum Guten Hirten in Untermarchtal, dann auf dem Riedhof und ab dem 16. Juli 1927 in der Heilanstalt Rottenmünster. Hier, so steht es im ärztlichen Zeugnis aus Rottenmünster, war „die Kranke aber gut zu haben, wird meist in der Spitalküche beschäftigt, wo sie fleißig arbeitet.“ 1929 erfolgt auf Vorschlag von Rottenmünster die Verlegung in eine Pflegeanstalt, so dass Theresia am 24. Januar 1929 in Liebenau aufgenommen wurde.
Der letzte Eintrag in der Akte war vom 20. Juni 1940.
Theresia Marxer lebte vom 24. Januar 1929 bis zum 2. Oktober 1940 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. An diesem Tag wurde Theresia Marxer von Liebenau nach Grafeneck deportiert und noch am gleichen Tag ermordet.
Die Urne von Theresia Marxer wurde in einem Sammelgrab auf dem Ulmer Hauptfriedhof bestattet. Wer die Urne angefordert hatte und warum die Urne in Ulm bestattet wurde ist nicht bekannt. In der Karteikarte der Kriegsgäberlisten im Landesarchiv Baden-Württemberg Bestand EL 20/1 VI Bü 1786 wird als Todesort „Hortheim“ statt Hartheim angegeben. Das gefälschte Todesdatum war der 17. Oktober 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 536.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/3809.
- Anzeiger vom Oberland Ausgabe vom 4. August 1882.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2388 ff: Marxer, Theresia, Grablage U 21 – 55. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 26. Dezember 1902
Geburtsort: Hochdorf
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johannes Georg Mayer, Bauer in Hochdorf und Katharina geb. Zinser
Johannes Mayer war das elfte Kind seiner Eltern. Insgesamt hatte die Familie fünfzehn Kinder. Sieben der Kinder sind jung verstorben, der älteste Bruder ist 1915 im 1. Weltkrieg gefallen. Der Vater von Johannes Mayer ist 1928 verstorben, die Mutter im Dezember 1942, sie hat noch den Tod des Sohnes Johannes Mayer erlebt.
Johannes Mayer wurde am 30. November 1931 auf Ansuchen der Angehörigen in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen. Laut württembergischer Patientenkartei war er ledig, katholisch und von Beruf Dienstknecht. Er soll ca. 2 1/2 Jahre vor der Aufnahme erkrankt sein. Leider liegen uns keine Informationen zu seinem Leben vor dem Aufenthalt in der Heilansttalt vor. Die Patientenakte aus Schussenried existiert nicht mehr.
Am 18. Juni 1940 wurde er in einem Transport von 61 Männern von Schussenried nach Grafeneck deportiert. Er wurde an diesem Tag in Grafeneck ermordet. Johannes Mayer war 37 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort war der 11. Juli 1940 in Sonnenstein/Sachsen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 545 Nr. 39.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Standesamt Hochdorf Geburtsregister 1902 Nr. 13 von Johannes Mayer, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums und Todesortes.
- Standesamt Hochdorf Familienregister Blatt 391 von Johann Georg Mayer, mit fünfzehn Kindern auf dem Register.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 6. Januar 1875
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Schriftsetzer
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Illenau, Heil- und Pflegeanstalt Konstanz, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Maria geb. Kindler aus Burgdorf bei Bern (Schweiz), gestorben 26. Oktober 1918 in Heilbronn
Eltern: Eduard Mayer, Schuhmacher in Riedlingen und Creszentia geb. Fuchsloch aus Gundelfingen.
Josef Mayer hatte nur einen jüngeren Bruder Richard Mayer, dieser hat 1922 in Stuttgart geheiratet. Er selber hatte in Riedlingen das Schriftsetzer Handwerk gelernt. Durch seinen Beruf war er an verschiedenen Orten tätig. Im Jahr 1909 hat Josef Mayer geheiratet, er hatte mit seiner Frau laut Familienregister Riedlingen fünf Kinder. Die ersten zwei Kinder sind in Burgdorf bei Bern (Schweiz) auf die Welt gekommen. Danach war das Ehepaar einige Zeit in Riedlingen, dort wurden weitere drei Kinder geboren. Im Jahr 1913 ist die Familie nach Meckenbeuren gezogen, war kurz danach wieder zurück in Riedlingen. Im Jahr 1916 erfolgte dann ein Umzug nach Heilbronn. In Heilbronn sind noch zwei weitere Kinder geboren (nicht auf dem Familienregister aus Riedlingen verzeichnet). Die Ehefrau Maria Mayer geb. Kindler ist zwei Monate nach der Geburt des jüngsten Kindes 1918 in Heilbronn verstorben.
Über die Situation der Familie nach dem Tod der Ehefrau und Mutter ist nichts bekannt. Die sieben minderjährigen Kinder, geboren zwischen 1909 bis 1918 waren jetzt Halbwaisen.
Josef Mayer war 1925 in Karlsruhe im Gefängnis und wurde von dort am 10. Juni 1925 in die Heilanstalt Illenau in Baden eingewiesen. Er war in Illenau bis zu seiner Verlegung in die Heilanstalt Konstanz am 2. Januar 1930. Die Verlegung erfolgte wegen einer Überbelegung in Illenau, zuerst sollte er in die Heilanstalt Emmendingen verlegt werden, das war aus Platzmangel nicht möglich. Stattdessen wurde Josef Mayer nach Konstanz verlegt.
In der Heilanstalt Konstanz gibt es die üblichen, vierteljährlichen Einträge in der Patientenakte. Im März 1932 hat er Besuch von seiner Tochter erhalten. Sie hat ein Foto mitgebracht über welches er sich gefreut hat. Ab Februar 1934 gab es dann bis zur Entlassung nach Schussenried keine Einträge mehr in der Akte. Ein Brief seiner Tochter verh. Bentele, wohnhaft in Zug/Schweiz ist auch in der Akte vorhanden. Die Weihnachtskarte war zurückgekommen, deshalb hat Sie nachgefragt. Im Januar 1937 war Josef Mayer noch in Konstanz. Ab Sommer 1936 gab es viele Briefwechsel in der Akte bezüglich Zuständigkeit für die Kosten (Städtisches Fürsorgeamt Karlsruhe).
Am 11. Oktober 1937 wurde Josef Mayer von Konstanz aus in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Die Gründe dafür waren der Wechsel des Kostenträgers. Die Ortsarmenfürsorge Riedlingen musste seit 10. August 1937 für Josef Mayer aufkommen. Der Tagessatz in Konstanz war 3,35Mk, in Schussenried jedoch nur 2,60Mk. Aufgrund der unterschiedlichen Kosten hat der Kostenträger, die Kreispflege Riedlingen, eine Verlegung nach Riedlingen beantragt.
Aus der Zeit in Schussenried ist ein Eintrag in der württembergischen Patientenkartei erhalten. Darauf wurden fünf lebende Kinder angegeben (1937).
Josef Mayer wurde am 18. Juni 1940 in einem Transport mit 61 Männern von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Er war 65 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum war der 12. Juli 1940 und ist auf dem Familienregister in Riedlingen nachgetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 545 Nr. 58.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Staatsarchiv Freiburg Bestand B 8212 Nr. 9822 Patientenakte von Josef Mayer der Badischen Heil- und Pflegenanstalt Illenau.
- Staatsarchiv Freiburg Bestand B 822 1 Nr. 2716 Patientenakte von Josef Mayer der Badischen Heil- und Pflegeanstalt Konstanz.
- Stadtarchiv Riedlingen Familienregister Band VIII, Blatt 27 von Josef Mayer mit fünf Kindern.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. Mai 1868
Geburtsort: Hochdorf
Beruf: –
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Franz Joseph Maier, Metzger in Hochdorf, und Maria Anna geb. Hutzel.
Die Eltern von Maria Anna Mayer hatten im Jahr 1861 geheiratet und hatten wohl nur dieses Kind. Im Jahr 1911 feierten die Eltern Ihre Goldene Hochzeit. Im Zeitungsartikel dazu sind keine Kinder erwähnt.
Maria Anna Mayer (auch Maier) wurde laut Nachtrag im katholischen Taufregister: „1931 in die Pflegeanstalt Heggbach übergeben“. Ob sie zuvor zuhause oder in einer anderen Einrichtung war, ist nicht bekannt. Seit dem 01. April 1931 war sie in der Pflegeanstalt Heggbach. Laut den Unterlagen von Detlev Naeve hatte sie noch eine Schwester. Details zu ihrem Leben sind leider nicht bekannt.
Maria Anna Mayer wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Sie wurde 72 Jahre alt.
Im Hochdorfer Taufregister ist die Landesanstalt Hartheim bei Linz als Todesort und der 15.10.1940 als Todestag angegeben. Das „Standesamt“ in der Tötungsanstalt Hartheim war eingerichtet worden, um gefälschte Todesanzeigen an die Angehörigen zu versenden und den wahren Sterbeort zu verschleiern.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe Opferliste Landkreis Biberach.
- Verlegungsliste „14.09.1940 von Pflegeanstalt Heggbach übernommen“, NS-Akten 1938-1942, Transporte and. Anstalten. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Taufregister Hochdorf (Waldsee) 1868 Nr. 6, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. November 1914
Geburtsort: Bethlehem, Teilort von Wain
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Stetten
Datum der Deportation: 13. September 1940
Sterbedatum: 13. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Wilhelm Mehrer, Maschinenarbeiter, gebürtig aus Untergröningen, und Ursula geb. Seutter, Maurerstochter aus Bethlehem bei Wain.
Emil Thomas Mehrer wurde in Bethlehem (Teilort von Wain) unehelich geboren und ist im Familienregister der Großeltern Seutter verzeichnet. Seine gleichfalls uneheliche Schwester wurde 1921 in Stuttgart geboren, die Mutter wohnte 1921 in Stuttgart. Wann die Eltern geheiratet haben, ist nicht bekannt.
Nach Informationen aus dem Historischen Archiv der Diakonie Stetten (Sozialakten) war Emil Mehrer zwei Mal in Stetten.
Beim 1. Eintritt in die Heil- und Pflegeanstalt Stetten, am 11. August 1919 war er vier Jahre alt. Er wurde im November 1919 in Stetten fünf Jahre alt. Am 30. April 1920 wurde er wieder entlassen.
Beim 2. Eintritt in die Heil- und Pflegeanstalt Stetten, am 24. August 1929, war Emil Mehrer 14 Jahre alt. Der Vater Wilhelm Mehrer wohnte laut Adressbuch Stuttgart in der Karl-Kloß-Str. 41. Es gibt im Stadtarchiv Stuttgart alte Ansichten der Karl-Kloß-Straße aus dem Jahr 1942, so in etwa dürfte das Wohnumfeld von Emil Mehrer und seiner Familie auch in den Jahren vor seiner Einweisung ausgesehen haben. Am 02. April 1932 verstarb der Vater im Stuttgarter Marienhospital, Die Mutter Ursula Mehrer „Masch.Arb.Wwe“ war ab 1934 – 1942 laut Adressbuch im Habichtweg 41 in Stuttgart wohnhaft.
Emil Mehrer war vom 24. August 1929 bis zu seiner Deportation am 13. September 1940 in der Heil- und Pflegeanstalt Stetten. Er wurde mit dem zweiten Transport von Stetten nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 25 Jahre alt.
Seine Mutter Ursula Mehrer geb. Seutter ist im Februar 1942 mit einer Tochter in der Traueranzeige der Großmutter Anna Seutter aus Wain genannt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 01. Oktober 1940 in Brandenburg/Havel.
In der Karl-Kloß-Straße 40 und 42 lebten zwei weitere ein Opfer des NS-Terrors. Die Stolpersteininitiative Stuttgart hat für diese zwei Opfer je einen Stolperstein verlegt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Historisches Archiv Diakonie Stetten, Informationen per eMail am 08.12.2024 zu den Biberacher Opfern. Zu allen Opfern gibt es Sozialdienstakten im Archiv.
- Gedenkstätte Diakonie Stetten e.V. – Das dunkle Kapitel der NS-„Euthanasie“.
- Standesamt Wain, Geburtsregister 1914 Nr. 21 von Emil Thomas Seutter, später Mehrer, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums und Todesortes.
- Martin Kalusche, ‚Das Schloß an der Grenze‘: Kooperation und Konfrontation mit dem Nationalsozialismus in der Heil- und Pflegeanstalt für Schwachsinnige und Epileptische Stetten im Remstal.
- Stuttgarter Adressbücher, verschiedene Jahrgänge, digital verfügbar bei der Württembergischen Landesbibliothek.
- Stuttgarter Zeitung: 12 000 Bilder aus Stuttgart 1942, So sah Ihre Straße vor 80 Jahren aus. Fotos aus dem Stadtarchiv Stuttgart, durchsuchbar gemacht bei der Stuttgarter Zeitung. Foto aus der Karl-Kloß-Straße: (c) Stadtarchiv Stuttgart, Bildnummer 3808.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 17. Dezember 1894
Geburtsort: Oberopfingen
Beruf: Landwirt
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 03. Juli 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Franz Mendel, Bauer in Oberopfingen, und Josepha, geb. Gantner.
Stiefvater: Matthias Kling.
Willibold Mendel war das dritte von mindestens sieben Kindern seiner Eltern und der älteste Sohn. Im Jahr 1905 verstarb sein Vater, die Mutter heiratete ca. 1907 wieder.
Willibold Mendel war zwei Mal für kurze Zeit in der Nervenklinik Tübingen (04. Dezember 1911 – 22. Dezember 1911 und 10. April 1913 – 20. April 1913). Er wurde von dort jeweils nach Hause entlassen. Der erste Aufenthalt war von der landwirtschaftlichen Berufsgenossenschaft in Ulm veranlasst worden zur Begutachtung, da er bei einem Unfall mit einem Pferd eine schwere Kopfverletzung erlitten hatte mit schwerwiegenden Folgen für die Erwerbsfähigkeit. Eine Nachuntersuchung binnen Jahresfrist wurde empfohlen.
Am 28. August 1917 wurde Willibold Mendel für zwei Monate in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen.
Die Aufnahme in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau erfolgte am 11. August 1925. In der Krankengeschichte wird ein schwerer Unfall mit Kopfverletzung als Ursache seines Leidens aufgeführt. Die Altersangabe in der Akte ist nicht korrekt, der Patient war erst fünfzehn Jahre alt beim Unfall. Am 31. Mai 1940 ist der letzte Eintrag in seiner Liebenauer Patientenakte.
Die Mutter von Willibold Mendel verstarb im Jahr 1929.
Am 03. Juli 1940 wurde er von Liebenau nach Zwiefalten verlegt. Zwiefalten fungierte dabei als Zwischenanstalt. Die Deportation von Zwiefalten nach Grafeneck erfolgte am 25. Juli 1940, an diesem Tag wurde Willibold Mendel mit Gas ermordet.
Willibold Mendel wurde 45 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist aktuell nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 551-56.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/7167.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/26172 und Signatur 309/7504 Mendel Willibold aus Oberopfingen, Patientenakte und Gutachten.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. Mai 1868
Geburtsort: Uigendorf
Beruf: Bauer, Landwirt
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 26. April 1940
Sterbedatum: 26. April 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
ltern: Fridolin Merk, Oelschläger aus Uigendorf, und Magdalena geb. Schönle aus Offingen.
Die Familie hatte neun Kinder, Ulrich Merk war das zweite Kind der Familie. Fünf der neun Kinder (darunter Zwillinge) verstarben früh. Der Bruder Nikolaus war in Uigendorf verheiratet, zwei Schwestern heirateten nach Obermarchtal und Berkach.
Warum die erste Anstaltseinweisung von Ulrich Merk in die Heil- und Pflegeanstalt Pfullendorf war, und nicht in einer näher zu Uigendorf liegenden Heilanstalt, ist nicht bekannt. Vom 17. Dezember 1891 bis 19. Juni 1897 war Ulrich Merk mit kurzen Unterbrechungen in den Anstalten Pfullingen, Schussenried und Winnental.
Die nächste Einweisung war in die Heilanstalt Zwiefalten am 2. April 1927. Er scheint zuvor in Uigendorf gewohnt zu haben. Über die Zeit zwischen der Entlassung aus Winnental und der Einweisung in Zwiefalten liegen keine Informationen vor.
In der Heilanstalt Zwiefalten lebte Ulrich Merk bis zu seiner Deportation nach Grafeneck am 26. April 1940.
Ulrich Merk wurde 71 Jahre alt.
Aus der Sterbefallmitteilung des Standesamts Grafeneck ist das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum von Ulrich Merk bekannt. Es war der 09. Mai 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 553-4.
- Standesamt Uigendorf: Mitteilung eines Sterbefalls aus Grafeneck, Nr. 1-76, Vorderseite
- Standesamt Uigendorf: Familienregister der Eltern von Ulrich Merk.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. Mai 1872
Geburtsort: Appendorf
Beruf: Taglöhnerin
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehegatte: Anton Merkle, Hausierer in Ravensburg.
Eltern: Anton Frick, Taglöhner in Weingarten, und Kreszentia geb. Blöd.
Johanna Frick wurde 1872 als uneheliches Kind in Appendorf, Pfarrei Schweinhausen geboren. Die Eltern heirateten ein Jahr später in Schweinhausen und verzogen danach nach Aulendorf.
In Aulendorf lebte die Familie auf dem Hof Brandhaus bei Tannweiler. Der Vater beging im Dezember 1890 Selbstmord. Kurz darauf wurde das jüngste Kind der Familie geboren.
Im Jahr 1909 heiratete Johanna Frick in Niederwangen (bei Wangen im Allgäu) standesamtlich den Witwer Anton Merkle. Das Familienregister zu dieser Ehe wurde in Ravensburg geführt, darauf sind die fünf unehlichen Kinder von Johanna Merkle nachgetragen. Nur die Tochter Wallburga Maria *1902 scheint erwachsen geworden zu sein, zumindest ist kein Tod nachgetragen. Johanna Merkle wohnte in Weingarten, die Kinder wurden in Tübingen geboren, verstarben aber in Weingarten.
Johanna Merkle und Ihr Ehemann zogen im Mai 1911 nach Waldsee, kamen aber am 14. Mai 1912 schon wieder zurück nach Ravensburg.
Im Jahr 1919 verstarb der Ehemann von Johanna Merkle in Ravensburg. Der Wohnort war die Leonhardstr. 7 in Ravensburg.
Johanna Merkle war vom 13. Januar 1925 bis zum 3. März 1934 in der Heilanstalt Weissenau. Von dort wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau versetzt.
Johanna Merkle lebte seit dem 3. März 1934 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Am 2. Oktober 1940 wurde sie von der Liebenau nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurde sie nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet. Johanna Merkle wurde 68 Jahre alt.
Die Urne von Johanna Merkle war eine der Urnen im Konstanzer Hauptfriedhof:
Zitat aus Friedel – Dokumente zu Euthanasie-Geschehen, Seite 282/283: „Im Januar 1983 wurden in einem Keller der städtischen Leichenhalle in Konstanz 192 Urnen von Euthanasie- Opfern gefunden, die dort über 40 Jahre gelagert waren. Darunter befanden sich 14 Urnen von Personen aus der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Die Stadt Konstanz hat für diese Urnen inzwischen einen dauerhaften Platz im Hauptfriedhof Konstanz zu Verfügung gestellt und pietätvoll gestaltet.“
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum wurde auf dem Familienregister in Ravensburg nachgetragen: 15. Oktober 1940 in Hartheim (Oberdonau).
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 553-90.
- Stadtarchiv Ravensburg: Familienregister Band 19, Blatt 187, Sterberegister 1919 Nr. 200, Online bei Ancestry.
- Hauptfriedhof Konstanz, Feld 14a – Gedenkstätte für Urnen von NS-„Euthanasie“-Opfern, welche 1983 im Keller des Krematoriums Konstanz aufgefunden wurden.
- Hauptfriedhof Konstanz, Grabfeld 14a, Nr. 116: Merkle, Johanna mit gefälschtem Todesdatum 15.10.1940 und Todesort Hartheim. Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg LABW, StAL EL 20/1 VI Bü 1500.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 22. August 1886
Geburtsort: Unlingen
Beruf: Landesproduktenhändler
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 5. August 1940
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Janette geb. Plagemann, aus Hamburg.
Eltern: Anton Moosbrugger, Landwirt, Unlingen, und Sofie geb. Selig.
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung (Ausgabe vom 26.01.2021):
„Auch für den in Unlingen geborenen August Moosbrugger behauptete die offizielle Todesmeldung, er sei in Pirna-Sonnenstein gestorben. Doch er war 5. August 1940 direkt aus Zwiefalten nach Grafeneck in die Gaskammer gebracht worden. August Moosbrugger war während des Ersten Weltkrieges Torpedo-Leutnant, zuletzt im k.u.k.-Hafen in Pola, Istrien. Nach dem Krieg betrieb er ein Landhandelsgeschäft in Riedlingen und handelte bis in die USA. Mit seiner Frau und der 1922 geborenen Tochter lebte Moosbrugger dann in Hamburg. 1928 erkrankte Moosbrugger und wurde in der Heilanstalt Zwiefalten und der Uniklinik Tübingen behandelt. Nach Moosbruggers Tod hielten seine in Hamburg lebende Frau und die Tochter die Verbindung zur Verwandtschaft in Unlingen aufrecht.“
August Moosbrugger war ab dem 27. November 1928 in der Heilanstalt Zwiefalten. Für kurze Zeit war er in der Nervenklinik Tübingen. Am 29. April 1929 erfolgte dann die zweite Aufnahme in Zwiefalten. Am 05. August 1940 erfolgte die Deportation mit anschließender Ermordung in Grafeneck.
August Moosbrugger wurde 53 Jahre alt.
Die Todesbenachrichtigung wurde vom Standesamt Sonnenstein über Pirna mit dem gefälschten Sterbedatum 20. August 1940 ausgestellt. Der angebliche Todesort war die Landes-Heil und Pflegeanstalt Sonnenstein.
Die Familie hatte die Urne von August Moosbrugger angefordert, diese wurde in Unlingen bestattet. Obwohl August Moosbrugger in der Todesnachricht als „glaubenslos“ bezeichnet wurde, hatte der Pfarrer die Asche auf dem Friedhof Unlingen am 26. September 1940 beigesetzt.
Erarbeitet von StS, Lebensgeschichte erforscht von R. Schmid aus Unlingen
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 569.
- Bilder und Unterlagen aus dem Familienarchiv Moosbrugger.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 27.01.2021 Seite 13, „Probelauf für die Tötungsmaschinerie“ mit Kurzbiografien zu Kreszentia Villing, August Moosbrugger und Andreas Wehrle.
- Lebenslauf erarbeitet von R. Schmid aus Unlingen und veröffentlich in der Mitgliederzeitschrift der Forschergruppe Oberschwaben: Circular Ausgabe Nr. 14 2024
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 23. Mai 1924
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Kind
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Müller, Händler in Laupheim, und Karoline geb. Müller aus Achstetten.
Josef Müller wurde am 20. Februar 1933 im Kinderasyl Ingerkingen aufgenommen. Er lebte dort bis zu seiner Deportation nach Grafeneck am 11. September 1940. Er wurde 16 Jahre alt.
Johannes Angele für Artikel in der Schwäbischen Zeitung:
Trotz aller Geheimhaltungsversuche ist in der Bevölkerung bald klar, dass in Grafeneck viele Menschen in der Gaskammer sterben. Um zu vertuschen, dass so viele Menschen in Grafeneck sterben, wurden die Todesmitteilungen auch von anderen Anstalten aus verschickt. So erhielt die Familie Müller aus Laupheim die Nachricht, dass ihr Sohn Josef auf Weisung des Reichsverteidigungskommissars nach Pirna-Sonnenstein verlegt worden sei und dort „am 29. September unerwartet in einem schweren epileptischen Anfall verstorben“ sei. Aus den Transportlisten der Busse, die die Opfer nach Grafeneck brachten, geht aber hervor, dass er bereits am 11. September nach Grafeneck kam und am selben Tag dort in der Gaskammer starb.
Erarbeitet von BR und Johannes Angele
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/4569.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 365, Josef Müller. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Unterlagen aus dem Projektarchiv, Fotos von der Ausstellung „Grafeneck 1940“ im Museum Laupheim Anfang 2019.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 23. Juni 1903
Geburtsort: Biberach an der Riß
Beruf: Kaufmännischer Angestellter
Einrichtung: Landesheilanstalt Eichberg
Datum der Deportation: –
Sterbedatum: 09. April 1942
Todesort: Landesheilanstalt Eichberg
Mordprogramm: Dezentrale „Euthanasie“
Biografie
Ehefrau: Maria Theresia geb. Gietz.
Eltern: Josef Müller, Schneidermeister in Biberach, und Josefine geb. Danner.
Josef Franz Müller war das älteste von neun Kindern. Ein Bruder starb als Jugendlicher, alle anderen erreichten das Erwachsenenalter. Die Familie lebte in der Gigelbergstraße 9, der Vater war Eigentümer des Gebäudes.
Über die Kindheit und Jugend liegen keine weiteren Informationen vor.
Am 18. September 1937 heiratete Josef Franz Müller in Frankfurt Maria Theresia Gietz (oder Maria Giek) aus Frankfurt-Höchst.
Josef Franz Müller verstarb am 09. April 1942 in der Landesheilanstalt Eichberg, angeblich an „Siechtum mit Herzschwäche und Lungentuberkulose bei fortschreitendem Lähmungsirresein“. Er wurde sehr wahrscheinlich ein Opfer der Dezentralen-„Euthanasie“. Über die Dauer seines Aufenthalts wissen wir nichts, auch nicht, ob er vorher in einer anderen Einrichtung war.
Das Stadtarchiv Eltville hat eine Liste der Menschen erstellt, die Opfer sogenannter „Krankenmorde“ in der psychiatrischen Klinik Eichberg in Eltville geworden waren. In dieser Liste ist Josef Franz Müller aufgeführt. Insgesamt konnten 4 Opfer mit Bezug zum Landkreis Biberach identifiziert werden.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Stadtarchiv Eltville: „Euthanasie auf dem Eichberg im Lichte der Erbacher Sterbebücher“ & alphabetische Liste der Sterbebücher (PDF).
- Standesamt Erbach (Eltville am Rhein), Sterbenebenregister, 1942: Sterberegister 1942 Nr. 242 Josef Franz Müller aus Biberach a. d. Riss. Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg.
- Stadtarchiv Biberach, Geburtsregister Biberach 1903 Nr. 127 von Josef Franz Müller. Mit Nachtrag der Heirat und des Todes.
- Adressbuch Biberach, Jahrgang 1930 (Stadtarchiv Biberach).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. August 1902
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Lehrerin a. D. in Weingarten
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau, Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 13. August 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Karl Müller, Schlossermeister in Laupheim, und Theresia geb. Bollinger.
Die Eltern von Mathilde Müller heirateten im Februar 1902 in Laupheim. Mathilde Müller war das erste Kind des Ehepaares. Die Mutter verstarb 1909 eine Woche nach der Geburt des vierten Kindes. Ein weiteres Kind war als Baby verstorben.
Mathilde Müller war beim Tod der Mutter acht Jahre alt, die zwei Geschwister zwei Jahre bzw. eine Woche alt.
Vermutlich im Jahr 1911 heiratete der Vater wieder.
Vom 03. April 1933 bis 08. April 1933 war Mathilde Müller in der Nervenklinik Tübingen. Sie hatte zum Zeitpunkt der Aufnahme in Hausen, Kreis Gaildorf gewohnt. Der Oberschulrat und das Bezirksschulamt hatten ein Fachärztliches Gutachten angefordert, um zu klären, ob Mathilde Müller weiter im Schuldienst verbleiben könne, da sie häufig krank war. Sie wurde dann am 01. Februar 1933 aus dem Schuldienst als dienstunfähig entlassen. Im Februar 1934 wohnte Mathilde Müller wieder in Laupheim, Langestrasse 3.
In der Patientenakte aus Tübingen sind viele handschriftliche Briefe von Mathilde Müller erhalten, ihre Reaktionen auf das ärztliche Zeugnis klingen verzweifelt. Einen Brief mit Pfingstgrüßen an ein Frl. Doktor in Tübingen hatte sie schön mit getrockneten Blüten verziert.
Mathilde Müller wurde in die Heilanstalt Weissenau am 13. November 1935 aufgenommen. Dort wird sie als Lehrerin a.D. bezeichnet, der Wohnort war Weingarten. Am 6. August 1936 wurde sie in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt, auf Wunsch der Angehörigen. Bei der Verlegung von der Weissenau nach Liebenau wird der Vater als zahlungspflichtig genannt. Die erhaltene Liebenauer Patientenakte aus dem Bundesarchiv ist sehr kurz, es sind drei Einträge, je ein Eintrag im Jahr 1936, 1937 und der letzte Eintrag vom 25. Juli 1940.
Mathilde Müller wurde am 13. August 1940 in die Heilanstalt Zwiefalten verlegt (Zwischenanstalt). Am 30. August 1940 wurde sie von dort nach Grafeneck deportiert und in der Gaskammer ermordet. Sie wurde 38 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum liegt aktuell nicht vor.
Im Archiv der Stiftung Liebenau haben sich vier Briefe mit Bezug zu Mathilde Müller erhalten. Eine Schwester von Mathilde Müller, Ordensschwester im Kinderasyl Ingerkingen, hatte sich am 12. August 1940 erkundigt, wie es ihrer Schwester geht. Der Vater Karl Müller hatte am 1. September 1940 einen Brief geschrieben und sich erkundigt, warum die Tochter in die Heilanstalt Zwiefalten versetzt wurde. Zu diesem Zeitpunkt war seine Tochter schon tot!
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 583-8.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29147.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/5395 Müller Mathilde aus Laupheim, Patientenakte.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 16. März 1884
Geburtsort: Mühlhausen
Beruf: Postschaffnerehefrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Karl Munding, Postschaffner in Ulm.
Eltern: Bernhard Bodon, Handelsmann in Waldsee, und Veronika geb. Christ.
Biografie bei den Stolpersteinen Ulm:
https://stolpersteine-fuer-ulm.de/familie/josefine-munding
„Josefine Munding, geb. Bodon wurde 1884 in Mühlhausen (LK Biberach) geboren. Sie wuchs mit zwölf Geschwistern auf und besuchte die Schule am Ort. Als junge Frau war sie in verschiedenen Haushalten in Stellung und arbeitete als Köchin und als Pflegerin. Josefine galt als belesene, kluge und gebildete Frau mit großem Gerechtigkeitssinn.1907 brachte sie ihr erstes Kind, Fanny, zur Welt (es folgten fünf weitere) und heiratete den Kindsvater Karl Munding. 1917 zog die Familie nach Ulm, wo ihr Mann eine Stelle bei der Post als Briefträger fand. Die Familie wohnte in der Wörthstraße, im sogenannten „Postdörfle“. Am 28. Dezember 1926 wurde Josefine Munding in einem Zustand großer Erregung ins Krankenhaus und später zur Universitäts-Nervenklinik Tübingen gebracht. Wenige Wochen später wurde sie in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen, wo sie mit einer kurzen Unterbrechung blieb. Die gesamte Familie wurde wegen der Erkrankung stigmatisiert. Bei einer ihrer Töchter wurde die Eheschließung aus erbbiologischen Gründen untersagt. Im April 1935 ließ sich ihr Mann von ihr scheiden, um bald darauf wieder zu heiraten. Ihre Kinder aber besuchten sie weiter in Schussenried. Bei den letzten Besuchen habe sie immer wieder mit großer Angst von den „grauen Bussen“ erzählt. Josefine Munding wurde am 9. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und unmittelbar nach ihrer Ankunft mit Gas ermordet.“
Ergänzend zur Biografie bei den Stolpersteinen Ulm gibt es noch folgende Informationen:
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum ist auf dem standesamtlichen Geburtsregister von Josefine Munding geb. Bodon nachgetragen. Es ist der 23. Juli 1940, der gefälschte Todesort ist Hartheim, Oberdonau.
Im Familienregister der Eltern von Josefine Munding ist das gefälschte Sterbedatum auch nachgetragen, darunter steht unterstrichten eingeäschert.
Josefine Munding wurde 56 Jahre alt.
Erarbeitet von StS, Stolpersteininitiative Ulm
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 587-23.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/2883.
- Geburtsregister Standesamt Mühlhausen 1884 Nr. 6, mit Nachtrag der gefälschten Todesdaten.
- Stolpersteine für Ulm, online: https://stolpersteine-fuer-ulm.de/familie/josefine-munding.
- Auszüge: Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“. Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 138-139.
Abbildungen und Bildunterschriften
N
Geboren am: 12. April 1902
Geburtsort: Dürrenwaldstetten
Beruf: ohne
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Michael Neuburger aus Dürrenwaldstetten, und Katharina geb. Bayer oder Breyer (2. Ehefrau, aus Aichstetten).
Kreszentia Neuburger wurde in Aichstetten geboren und in Dürrenwaldstetten getauft. Im Taufregister ist unter dem Namen des Kindes ein Nachtrag „in Aichstetten“. Sie war das jüngste Kind ihrer Eltern. Aus erster Ehe hatte der Vater fünf Kinder, in der 2. Ehe Kreszentia und eine 1898 geborene Tochter.
Ihr Vater verstarb am 04. August 1905, da war Kreszentia Neuburger drei Jahre alt. Nach dem Tod des Vaters wurde der Bauernhof in Dürrenwaldstetten verkauft (Anzeigen in der Riedlinger Zeitung vom 31. Oktober 1905, Fahrnis- und Grundstücksverkauf).
Die Mutter verstarb 1927 in Zwiefalten.
In der Akte aus dem Bundesarchiv gibt es ein ärztliches Zeugnis aus Pfronstetten vom 13. Januar 1911. Kreszentia Neuburger war damals 9 Jahre alt und wohnte in Aichstetten (Ortsteil von Pfronstetten, bzw. Tigerfeld), die Mutter scheint mit ihren Kindern wieder bei ihrer Familie gewohnt zu haben. Am 30. Oktober 1914 wurde Kreszentia Neuburger im Alter von 12 Jahren in das Kinderasyl Ingerkingen aufgenommen. Der Wohnort der Mutter war zu diesem Zeitpunkt Zwiefalten. Der das Zeugnis ausstellende Arzt im Aufnahmebuch war ein Oberamtsarzt Dr. Muntsch aus Neresheim.
Am 12. August 1921 wurde Kreszentia Neuburger von Ingerkingen in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt. Sie half in Heggbach bei leichteren Hausarbeiten, bis zum Tod der Mutter im Jahr 1927 war sie Privatpflegling.
Kreszentia Neuburger wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Kreszentia Neuburger wurde 38 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/2917.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band I, Nr. 76, Neuburger Kreszentia. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. November 1887
Geburtsort: Offingen
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Niedermaier Linus, Söldner in Offingen, und Theresia geb. Jugnet (1. Ehefrau).
Albertine Niedermaier stammt aus der ersten Ehe ihres Vaters. Sie hatte noch einen früh verstorbenen älteren Bruder. Die Mutter verstarb, als Albertine Niedermaier knapp zwei Jahre alt war.
Aus der zweiten Ehe des Vaters hatte Albertine Niedermaier drei Halbgeschwister. Ein Bruder Emil ist 1918 im 1. Weltkrieg im Lazarett verstorben. Ein Bruder war in Offingen, eine Schwester in Möhringen (Unlingen) verheiratet.
Die zweite Ehefrau des Vaters war von Beruf Hebamme. Der Vater und die Stiefmutter feierten am 13. Mai 1940 das Fest der Goldenen Hochzeit. Ob Albertine Niedermaier darüber informiert war, ist nicht bekannt.
Im Alter von 26 Jahren wurde Albertine Niedermaier am 05. August 1913 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau eingewiesen. Sie hatte vorher als Dienstmädchen gearbeitet. In der ersten Zeit in der Anstalt arbeitete sie im Nähzimmer mit.
Am 4. Oktober 1940 wurde sie in einem Transport nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurde sie nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Albertine Niedermaier wurde 52 Jahre alt.
Ihre Urne wurde in einem Sammelgrab auf dem Ulmer Hauptfriedhof bestattet. Wer die Urne angefordert hatte und warum die Urne in Ulm bestattet wurde, ist nicht bekannt. In der Karteikarte der Kriegsgräberlisten im Landesarchiv Baden-Württemberg Bestand EL 20/1 VI Bü 1786 wird als Todesort „Hortheim“ statt Hartheim angegeben. Das ist vermutlich ein Übertragungs-/Lesefehler. Die gemeldeten, aber gefälschten Todesdaten waren der 16.11.1940 in Hartheim.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/3776.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2379 ff: Niedermaier, Albertine, Grablage U 21 – 58. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Katholisches Familienregister Offingen Fol. 103b, mit Nachtrag des Todes in Hartheim: „Landesanstalt Hartheim über Linz 16. XI. 40 u. dort auch durch polizeil. Anordnung eingeäschert.“.
Abbildungen und Bildunterschriften
O
Geboren am: 8. Februar 1888
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Kaufmann
Einrichtung: Heilanstalt Winnental, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 26. April 1940
Sterbedatum: 26. April 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Ezechiel Ernst Öttinger (auch Oettinger), Kaufmann aus Buttenhausen, und Emma geb. Landauer aus Buttenhausen.
Ludwig Öttinger war das sechste von zehn Kindern. Nur die ersten drei Kinder des Ehepaares Öttinger wurden im israelitischen Familienregister Buttenhausen eingetragen. Alle Kinder kamen in Riedlingen auf die Welt.
Der Vater von Ludwig Oettinger verstarb 1909, die Mutter 1943. Drei Geschwister waren Holocaust Opfer (Selma, Herbert Siegfried und Irma), drei Geschwister überlebten und lebten später in Israel und Argentinien, drei Geschwister verstarben jung.
Ludwig Öttinger arbeitete als Kaufmann, wie sein Vater. Er war in mehreren Anstalten, die erste Aufnahme erfolgte am 5. August 1914 in die Heilanstalt Zwiefalten. Dort wird erwähnt, dass die Mobilmachung zum 1. Weltkrieg für Ihn ein „psychischer Moment“ war. Am 1. März 1915 wurde er als geheilt und „beurlaubt“ entlassen.
Schon am 1. Juli 1916 erfolgte die 2. Aufnahme in Zwiefalten (auf Ansuchen der Angehörigen). Am 1. Oktober 1918 wurde er versetzt in die Privatheilanstalt Kennenburg. Am 1. Juni 1919 erfolgte eine erneute Verlegung, dieses mal in die Heilanstalt Weinsberg.
Ludwig Öttinger lebte vom 2. Juni 1919 bis zum 24. Juni 1939 in Weinsberg. Von Weinsberg kommend wurde er dann ein drittes mal in Zwiefalten aufgenommen.
Am 26. April 1940 wurde Ludwig Öttinger nach Grafeneck deportiert und ermordet. Er wurde 52 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum wurde auf dem Familienregister Riedlingen nachgetragen. Es ist der 26. Mai 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 611 Nr. 9.
- Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945. Bundesarchiv, Onlineausgabe Oettinger, Ludwig: https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de942306.
- Hauptstaatsarchiv Stuttgart, HStaSt Bestand J 386: Filme von Personenstandsregistern jüdischer Gemeinden in Württemberg, Baden und Hohenzollern, Familienregister Fol. 121 Buttenhausen J 386 Bü 123, Online: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=1-440638-224.
- Stadtarchiv Riedlingen, Familienregister Band V, Blatt 94.
- Stadtarchiv Riedlingen, Geburtsregister 1888 Nr. 9, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Stadtarchiv Riedlingen, Mitteilung eines Sterbefalls aus Grafeneck.
- Die Geschwister von Ludwig Öttinger, Opfer des Holocaust:
- Selma Holzinger geb. Öttinger: https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de939814 und https://www.stolpersteine-stuttgart.de/biografien/dr-jakob-holzinger-landhausstr-181/
- Herbert Siegfried Öttinger: https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de942277 (Auschwitz)
- Irma Öttinger: https://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1008307 (Riga)
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 10. Juni 1893
Geburtsort: Waldhausen
Beruf: Hausangestellte
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Joseph Ott, Bauer in Waldhausen, und Maria Anna Juliana geb. Rettich.
Elisabeth Ott war das jüngste von neun Kindern Ihrer Eltern. Laut dem Familienregister der Eltern hatte Elisabeth vier uneheliche Kinder, geboren zwischen 1913 und 1921 in Binzwangen und Waldhausen. Ein Kind verstarb wohl bald, bei zwei der Kinder gibt es keine weiteren Angaben. Eine Tochter heiratete später. In der Württembergischen Patientenkartei stehen bei der Einweisung nach Zwiefalten zwei lebende Kinder. Der Vater von Elisabeth Ott verstarb 1919 und die Mutter am 30. April 1937. In der Traueranzeige der Mutter wird Elisabeth Ott „Elise“ genannt.
Bei der Aufnahme in die Heilanstalt Zwiefalten wird als letzter Wohnort „Thervil Kt. Baselland/Schweiz“ angegeben. Seit wann Elisabeth Ott in der Schweiz gearbeitet hatte, ist nicht bekannt.
Elisabeth Ott wurde am 2. September 1938 in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen. Es ist anzunehmen, dass sie vorher in der Schweiz in einer Einrichtung war. Als Beruf ist Hausgehilfin angegeben. Am 8. September 1939 wurde Elisabeth Ott in die Heilanstalt Schussenried verlegt.
Die Heilanstalt Schussenried fungierte als Zwischenanstalt der „Aktion T4“ im Dritten Reich. Am 9. Juli 1940 wurde Elisabeth Ott in einem Transport von 30 Frauen nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Elisabeth Ott wurde 47 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 02. August 1940 als Todestag und als Sterbeort Brandenburg.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 615 Nr. 98.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, die „am 8.9.1939 aus der HA Zwiefalten in die HA Schussenried verlegt“ und am 09.07.1940 deportiert wurden.
- Familienregister Waldhausen Band 1, Fol. 101 Vorder- und Rückseite (Pfarrei Altheim bei Riedlingen).
- Geburtsregister Waldhausen 1893 Nr. 3 von Elisabetha Ott, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums und Todesortes.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. August 1884
Geburtsort: Gutenzell
Beruf: Dienstmädchen, später Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Wiesloch
Datum der Deportation: 11. Juli 1940
Sterbedatum: 11. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Wilhelm August Paul Ott, Versicherungsbeamter, geschieden 1934.
Eltern: Andreas Friedrich Holzinger, Pächter in Gutenzell, und Susanne Karoline geb. Göldenboth.
Lina Holzinger wurde im Jahr 1884 in Gutenzell geboren und evangelisch auf den Namen Lina Bertha Johanna getauft. Gutenzell war zur evangelischen Kirche Ochsenhausen eingepfarrt. Lina Holzinger scheint das Jüngste von elf Kindern Ihrer Eltern gewesen zu sein. Die Familie zog mehrmals um, kam aus Weiler, Oberamt Weinsberg, zuvor Schmöllbronn und Leonberg. Lina Holzinger war vermutlich das einzige Kind welches in Gutenzell geboren war. Im evangelischen Taufregister Ochsenhausen wird nur Pächter als Beruf des Vaters angegeben.
Im Jahr 1894 starb die Mutter in Böckingen, Oberamt Heilbronn, kurz danach heiratete der Vater wieder. Bei der Heirat 1895 ist der Beruf Landwirt in Böckingen.
Durch die Ledigenmeldekarte von Lina Holzinger wissen wir, dass sie seit dem 25. Oktober 1900 als Dienstmädchen in Mannheim lebte. Bis zu Ihrer Heirat zog sie mehrmals um, wohnte auch in Rheingönheim, Heilbronn und Itstein.
Lina Holzinger heiratete am 29. Juli 1911 in Mannheim Wilhelm August Paul Ott. Auch mit dem Ehemann gab es mehrere Wohnsitzwechsel, am 28. Mai 1913 ist das Paar nach Saarbrücken gezogen, war aber am 06. April 1915 wieder zurück in Mannheim. Ab dem 01. Juli 1915 lebte das Paar in der Spelzenstraße 19 in Mannheim. Dieser Wohnort wird auch in späteren Adressbüchern noch genannt.
Im Jahr 1925 war Lina Ott für knapp drei Monate in der Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch. Danach, am 27. Mai 1927 bekam Lina Ott ihr einziges Kind, einen Sohn. Am 22. August 1929 wurde sie erneut in Wiesloch aufgenommen. Am 15. Juli 1932 wurde Lina Ott laut Familienmeldekarte in Mannheim abgemeldet, sie lebte in Wiesloch (Anstalt). Die Familie lebte in Großeicholzheim und zog am gleichen Datum nach Mannheim-Käfertal, Neustadterstr. 29.
Im Jahr 1934 wurde die Ehe von Lina Ott geschieden. Der Sohn lebte bei seinem Vater.
In der Heilanstalt Wiesloch bekam Lina Ott regelmäßig Besuch von Ihrem Mann und Kind, der Schwester und Bekannten. Im Laufe der Zeit wurden die Besuche weniger.
Am 11. Juli 1940 wurde Lina Ott von Wiesloch nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Lina Ott wurde 55 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- T1021 German War Crimes: Transportliste von Wiesloch nach Grafeneck vom 11. Juli 1940.
- Generallandesarchiv Karlsruhe Bestand GLAK 463 Zugang 1983-20 Heil- und Pflegeanstalt/Psychiatrisches Landeskrankenhaus Wiesloch: Patientenakten.
- Stadtarchiv Mannheim: Ledigenmeldekarte und Auszug aus der Familienmeldekarte. Scheidungsurteil von Lina Ott vom 19. April 1934 vor dem Landgericht Mannheim II.
Abbildungen und Bildunterschriften
P
Geboren am: 20. Januar 1905
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: Seegrasspinner
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 27. April 1943
Todesort: Heilanstalt Zwiefalten
Mordprogramm: Dezentrale „Euthanasie“ (?)
Biografie
Eltern: Maximilian Paul, Landwirtschaftspächter in Dürmentingen, und Rosa, geb. Birkenmaier.
Zum Pfleger wurde der Schwager, Wilhelm Class, Oberlandjäger in Obermarchtal, am 27. Februar 1937 bestellt.
Karl Paul war das jüngste von fünf Kindern. Seine schulischen Leistungen waren gut und nach der Schule arbeitete er beim Vater in der Seegrasspinnerei.
Nach einem Krankenhausaufenthalt in Riedlingen wurde er am 17. Februar 1937 in die Heilanstalt Zwiefalten überstellt. Hier arbeitete er anfangs in der Korbflechterei und später gelegentlich im Garten.
Auf Anordnung des Amtsgericht Ulm als Erbgesundheitsgericht vom 17. September 1937 musste sich Karl Paul einer Zwangssterilisation unterziehen, diese erfolgte am 15. November 1937.
Auf einer Liste vom 20. September 1940 wurde er von der Direktorin Martha Fauser zur Deportation nach Grafeneck vorgeschlagen, aber offensichtlich zurückgestellt und überlebte die Zeit der Transporte nach Grafeneck. Am 27. April 1943 verstarb Karl Paul in Zwiefalten. Sein Leichnam wurde am 28. April 1943 an den Bruder Max Paul, Mechaniker in Dürmentingen, überführt. Karl Paul wurde 38 Jahre alt.
Aus der Zwiefalter Krankengeschichte lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, ob Karl Paul seiner langen und schweren Krankheit erlegen ist oder auf Anweisung der damaligen Ärztlichen Direktorin Martha Fauser durch die Überdosierung von Medikamenten ermordet wurde.
Erarbeitet von BR
Quellen/Literaturangaben
- Hauptbücher Zwiefalten, Hauptbuch Männer, Nr. 3344. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Sammlung Patientenakten der nach 1900 geborenen Zwiefalter Patienten. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 747 Nr. 39.
- Zu den Krankenmorden in Zwiefalten siehe Rüdenburg, Bodo: Die „Aktion T4“ in Zwiefalten, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 37-46.
- Zur Zwiefalter Anstaltsdirektorin Fauser siehe Breucker, Dorothee: Dr. Martha Fauser, eine Ärztin im Nationalsozialismus, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 115-127.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 30. Mai 1878
Geburtsort: Weingarten
Beruf: ohne
Einrichtung: Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Louis Andreas Pfundt, Bezirksfeldwebel in Biberach an der Riß, und Barbara geb. Buck.
Biografie aus dem Gedenkbuch Ulm
Ludwig Pfundt wurde am 30. Mai 1878 in Weingarten geboren. Ludwig wuchs in Weingarten mit vier Geschwistern auf und war ein guter Schüler. Er war sehr religiös und hatte vor, nach der Schule in ein Kloster zu gehen.
Infolge einer Scharlacherkrankung als Jugendlicher erblindete Ludwig Pfundt und seine Pläne zerschlugen sich. Das Kloster, in das er hätte eintreten wollen, finanzierte eine erste Augenoperation in der Universitätsaugenklinik Innsbruck. Das Ziel der Ärzte war, seine Sehkraft wiederherzustellen. Die Operation verlief jedoch nicht erfolgreich. Eine Wallfahrt nach Lourdes, verbunden mit dem festen Glauben an eine wundersame Heilung, blieb ebenso ohne Erfolg. Auch eine zweite Operation führte nicht zu neuer Sehkraft. Damit waren seine Pläne endgültig gescheitert. Das betreffende Kloster schickte ihn in ein Blindenasyl. Dort konnte er aber die dort üblichen Handwerke wie Bürstenbinden und Korbflechten nicht ausführen, da er nicht darin eingewiesen worden war. Nach einem weiteren gescheiterten Versuch in einer anderen Einrichtung für Blinde kehrte er zu seinen Eltern nach Biberach an der Riß zurück.
Zunehmend litt Ludwig Pfundt unter seiner Situation und wurde psychisch krank. Er selber sah diese Serie von Enttäuschungen als Auslöser hierfür. Als die Symptome der Erkrankung vermehrt auftraten, veranlassten seine Eltern am 21. Juni 1905 die Einweisung in die Heilanstalt Schussenried. Ludwig Pfundt war damals gerade 27 Jahre alt. Über die Weihnachtsfeiertage 1905 holte ihn sein Vater nach Hause, brachte ihn aber nach wenigen Tagen wieder zurück, da es zu „allerhand Unzuträglichkeiten″ gekommen sei. Ludwig Pfundt ging von einer baldigen Entlassung aus, blieb aber wegen seiner Erkrankung über 25 Jahre lang in Schussenried in Verwahrung. Trotz seiner Blindheit fand er sich in der Anstalt zurecht und konnte Arbeiten im Haushalt und im Wald verrichten. Er schrieb seiner Familie schwer zu entziffernde Briefe und erhielt Besuch von diesen. Am 29. Dezember 1929 ist der letzte Besuch seines Vaters in der Patientenakte dokumentiert.
Knapp drei Monate später wurde Ludwig Pfundt am 24. März 1930 in die Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof in Ulm-Grimmelfingen verlegt. Er lebte zehn Jahre in der Ulmer Einrichtung für obdachlose, kranke und behinderte Menschen. Von dort kam er am 23. August 1940 in einem Sammeltransport nach Grafeneck und wurde am selben Tag ermordet.
Quellen/Literaturangaben:
Archiv DZOK, Bestand Walter Wuttke
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg F 235 III Bü 630
Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Sigmaringen Wü 68/1 T1 Nr. 2308
Wuttke, Walter: „O, diese Menschen″. Das Leben in der Ulmer Anstalt „Oberer Riedhof″ im Nationalsozialismus. Bericht über eine Einrichtung des Württembergischen Landesfürsorgeverbandes (Landeswohlfahrtsverband Württemberg-Hohenzollern). Nürtingen 2010 (= Blaubeurer geographische Hefte, Bd. 28), S. 118
Stadt Ulm (Hrsg.): Die Toten des Zweiten Weltkriegs. 1939–1945. Ulm 2015, S. 83.
Weitere Angaben ergänzend zum Gedenkbuch Ulm
Ludwig Pfundt wurde 62 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist von den Kriegsgräberlisten bekannt. Es ist der 12. September 1940 in Brandenburg/Havel.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 630 Nr. 53.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 6: Ludwig Pfundt.
- Gedenkbuch Ulm: Gedenkbuch für die Ulmer Opfer von NS-Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden.
Abbildungen und Bildunterschriften
R
Geboren am: 25. April 1881
Geburtsort: Biberach
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Winnental, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 Heilanstalt Zwiefalten (Zwischenanstalt)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Karl Rebholz, Bauwerkmeister aus Wiblingen, geschieden.
Eltern: Robert Ersing, Konditor und Hochzeitslader in Biberach, und Maria Amalie geb. Schirmer aus Uttenweiler.
Amalie Marie Rebholz, geb. Ersing wurde in Biberach an der Riß als jüngstes von sieben Kindern in der Weberberggasse 5 geboren. Sie war knapp drei Jahre alt, als der Vater starb.
Am 09. Oktober 1905 heiratete sie in Wiblingen den Bauwerkmeister Karl Rebholz. Das Ehepaar lebte in Neuenbürg und bekam zwischen 1907 und 1911 vier Kinder. Am 03. Mai 1912 erfolgte eine erste Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen. Das jüngste Kind war gerade ein Jahr alt, das älteste Kind fünf Jahre. Am 28. Juni 1912 wurde sie wieder entlassen. Sie war dann vom 28. Juni 1912 bis 15. August 1912 in der Heilanstalt Winnental. Von dort wurde sie gebessert entlassen. Schon am 14. Oktober 1912 erfolgte eine erneute Aufnahme in die Heilanstalt Winnental. Die Zeit dazwischen mit familiären Problemen ist ausführlich in der Patientenakte beschrieben. Amalie Marie Rebholz blieb bis zur Verlegung am 01. April 1932 in die katholische Pflegeanstalt Heggbach in Winnental. Über die Zeit in Heggbach ist wenig bekannt. Der geschiedene Ehemann und drei der vier Kinder waren zwischenzeitlich in die USA ausgewandert. Ein Sohn blieb in Deutschland und war Soldat bei der Wehrmacht.
Von der Pflegeanstalt Heggbach kam sie am 30. August 1940 mit einem Transport von insgesamt 75 Personen in die Zwischenanstalt Zwiefalten. Zusammen mit 54 weiteren Kranken wurde sie am 24. September 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Amalie Marie Rebholz wurde 59 Jahre alt.
Eine ausführliche Biografie von Amalie Marie Rebholz geb. Ersing wurde von Stephanie Schosser in Zusammenarbeit mit einer Enkeltochter aus den USA erarbeitet. Veröffentlicht wurde die Biografie in einem Aufsatz in zwei Teilen bei der Forschergruppe Oberschwaben (Mitgliederzeitschrift Circular).
Circular Ausgabe Nr. 11 2023: https://www.forschergruppe-oberschwaben.de/circular-ausgabe-nr-11-2023/
Circular Ausgabe Nr. 12 2023: https://www.forschergruppe-oberschwaben.de/circular-ausgabe-nr-12-2023/
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 650.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenakten. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 II Bü 10688 Rebholz, Marie.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. September 1925
Geburtsort: Hörenhausen (zu Sießen am Wald)
Beruf: keiner
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Jakob Rechtsteiner, Söldner in Hörenhausen, und Walburga geb. Kugler.
Die Mutter von Karl Rechtsteiner war die zweite Ehefrau von Jakob Rechtsteiner. Er hatte im Jahr 1910 zum ersten Mal geheiratet, die zweite Ehe schloss er im Jahr 1919.
Karl Rechtsteiner war laut Krankengeschichte ein Zwillingskind. Er konnte nicht in die Schule gehen. Er war 7 Jahre alt bei der Aufnahme im Kinderasyl Ingerkingen. Das Jugendamt kam für die Kosten auf.
Am 11. September 1940 wurde Karl Rechtsteiner nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Karl Rechtsteiner wurde 15 Jahre alt.
Das gefälschte Todesdatum 15. September 1940 ist im Geburtsregister Sießen im Wald (Hörenhausen) 1925 Nr. 10 nachgetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/4570.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 364, Rechtsteiner Karl. Archiv St. Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Standesamt Sießen am Wald, Geburtsregister 1925 Nr. 10, mit Nachtrag des Sterbedatums am 23.9.1940 in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 2. April 1895
Geburtsort: Binzwangen
Beruf: Bierbrauer
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 11. März 1941 (Zwischenanstalt Weinsberg)
Sterbedatum: 31. März 1941
Todesort: Hadamar
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Joseph Reck, Fischer und Taglöhner in Binzwangen, und Marianna geb. Wahl.
Josef Reck (Taufname Josephus Hermannus) hatte zehn Geschwister, er war das neunte Kind. Fünf der Geschwister starben jung.
Josef Reck war Soldat im 1. Weltkrieg. In den Verlustlisten wurde er als leicht verwundet gemeldet. Laut Riedlinger Zeitung vom 21. Januar 1918 bekam er das Eiserne Kreuz 2. Klasse verliehen. Er kam am 17. Oktober 1918 in St. Souplet in amerikanische Kriegsgefangenschaft, am 19. September 1919 wurde er aus der Gefangenschaft entlassen. In den Württembergischen Patientenblättern wurde als psychischer Einfluss für die Erkrankung Krieg und Gefangenschaft genannt.
Am 11. März 1923 wurde Josef Reck in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen. Dort blieb er bis zu seiner Verlegung am 11. März 1941. Im Jahr 1940 befand sich der Name von Josef Reck auf einer Liste mit zurückgestellten Personen aus der Heilanstalt Zwiefalten, in seinem Fall war der Grund für die Zurückstellung die Kriegsteilnahme mit Verwundung. Am 11. März 1941 wurde er in die Heilanstalt Weinsberg verlegt. Weinsberg fungierte als Zwischenanstalt für die Tötungsanstalt Hadamar. Am 31. März 1941 wurde Josef Reck nach Hadamar deportiert und dort ermordet.
Josef Reck wurde 46 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum von Josef Reck war der 24. April 1941 in Hadamar.
Gedenkstätte Hadamar: „Die Patientinnen bzw. Patienten eines solchen Transports wurden in der Regel noch am Tag der Ankunft in die im Keller der Anstalt befindliche Gaskammer geschickt und ermordet. Das Verlegungsdatum nach Hadamar ist somit als Todesdatum von Herr Reck anzusehen. Die Leichname der Ermordeten wurden anschließend noch vor Ort eingeäschert.“
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 651 Nr. 53.
- Meldebogen mit zurückbehaltenen Patienten, da Arbeiter, Kriegsteilnehmer oder tot. Hier mit Josef Reck aus Binzwangen als verwundeter Kriegsteilnehmer. (Archiv ZfP Zwiefalten).
- Katholisches Familienregister Binzwangen Fol. 218.
- Deutsche Verlustlisten 1. Weltkrieg, Seite 17577: Reck Joseph, Binzwangen.
- Kriegsgefangenschaft: 1914-1918 Prisoners of the First World War ICRC historical archives. Karteikart von Josef Reck: https://grandeguerre.icrc.org/en/File/Details/5642004/1/2/.
- Riedlinger Zeitung Ausgabe vom 21.01.1918, Seite 4. Verleihung des Eisernen Kreuzes an Josef Reck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 15. Juli 1881
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: Heizer (1921), Maschinist (1925), Taglöhner (1935)
Einrichtung: Heilanstalt Winnental
Datum der Deportation: 3. Juni 1940
Sterbedatum: 3. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Emilie Rosine (Rosa) geb. Himmler aus Backnang.
Eltern: Joseph Riedmüller, Maurer in Dürmentingen, und Elisabeth geb. Gaupp aus Oggelsbeuren.
Der Vater von Fridolin Riedmüller war zwei Mal verheiratet, es gab wohl nur Kinder in der 2. Ehe. Fridolin Riedmüller war das vierte von neun Kindern. Fünf der neun Kinder verstarben jung.
Fridolin Riedmüller heiratete im Jahr 1910 in Backnang die evangelische Emilie Rosine (Rosa) Himmler. Das Ehepaar hatte fünf Kinder (geboren von 1903 bis 1917). Vier der Kinder waren am Leben bei der Aufnahme von Fridolin Riedmüller in die Heilanstalt im Jahr 1935.
Fridolin Riedmüller musste als Soldat am 1. Weltkrieg teilnehmen, es gibt einen Eintrag zu ihm in den Deutschen Verlustlisten, 1915 wurde er als verwundet gemeldet. Aus diesem Eintrag ist auch seine Einheit bekannt, es war die 4. Kompagnie beim Landwehr-Infanterie-Regiment 349.
In der Zeit von 1903 bis 1921 zog das Ehepaar mehrfach um. Im Jahr 1925 war der Wohnsitz laut Adressbuch Murrhardt, Mönchsrain 38. Das heutige Haus scheint identisch zu sein mit dem Haus von 1925, es ist ein Eckhaus einer Reihenhausbebauung, welche vermutlich für Bahnmitarbeiter erstellt worden war.
Fridolin Riedmüller war seit dem 23. April 1935 in der Heilanstalt Winnental. Er hatte laut Akte regelmäßig Besuch bekommen, seine Ehefrau und ein Sohn Otto sind in der Akte genannt.
Fridolin Riedmüller lebte fünf Jahre in der Heilanstalt Winnental und wurde am 3. Juni 1940 deportiert. An diesem Tag wurde er in Grafeneck ermordet. Er wurde 58 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist aus dem katholischen Taufregister bekannt, es war der 19. Juni 1940.
Im katholischen Taufregister des Geburtsorts Dürmentingen ist das gefälschte Todesdatum mit Sterbeort Grafeneck nachgetragen. Es steht dort: „+ 19.VI.1940 in Grafeneck!“. Es ist anzunehmen, dem Pfarrer war klar, dass der Tod in Grafeneck kein normaler Tod war. Deshalb das Ausrufezeichen!
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 671 Nr. 46.
- Taufregister der Pfarrei Dürmentingen, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck. (Mikrofilmkopie aus einem FamilyHistoryCenter der Mormonen).
- Katholisches Familienregister Dürmentingen Band 2, Fol. 110, mit Nachtrag des Todesdatums ohne Ort bei Kind Nr. 4, Fridolin Riedmüller.
- Kriegsteilnehmer, s. Verlustlisten Deutsches Reich 1. Weltkrieg, Seite 10471: Riedmüller Friedrich (Dürmendingen, Riedlingen). Eintrag Online: https://des.genealogy.net/search/uuid/4e14f034-6488-11ef-b615-0242ac104001.
- Evangelisches Familienregister Backnang Seite 449 des Ehepaares Riedmüller oo Himmler. Online bei Ancestry.de.
- Adressbuch Murrhardt 1925. Online bei Ancestry.de.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 24. Juni 1895
Geburtsort: Ingerkingen
Beruf: Haustochter, Damenschneiderin, Nähterin (Näherin)
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johannes Baptist Ritter, Söldner/Landwirt in Ingerkingen, und Magdalena geb. Stöhr.
Pauline Ritter war das siebte von zehn Kindern ihrer Eltern. Vier der Geschwister verstarben sehr jung.
Für Pauline Ritter ist die Patientenakte im Bundesarchiv Berlin erhalten, darin gibt es eine ausführliche Aufzeichnung über sie:
„Pauline Ritter war bei ihrer Aufnahme am 21.9.1931 in Schussenried 36 Jahre alt und drei Wochen zuvor erkrankt. Nach dem ärztlichen Zeugnis vor Dr. Ehmann, Biberach, war sie am 1.6.1931 in der Pflegeanstalt Heggbach als ‚Pfründnerin‘ aufgenommen worden, wollte aber nach drei Wochen wieder fort. P. hatte sieben Jahre lang die Volksschule in Ingerkingen besucht, bei einer Damenschneiderin gelernt und nach der Lehre teils zu Hause genäht oder in der Landwirtschaft mitgeholfen. Die Schwester hatte sie nach Heggbach gebracht.“.
Pauline Ritter wurde am 9. Juli 1940 von der Heilanstalt Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie wurde 45 Jahre alt.
Die gemeldeten, aber gefälschten Sterbedaten von Pauline Ritter sind 23.7.1940 Landesanstalt Hartheim/Linz (Nachtrag im kath. Familienregister).
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 677 Nr. 43.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27491.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Katholisches Familienregister Ingerkingen Seite 181, Kind Nr. 7 mit gefälschten Todesdaten.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Juni 1886
Geburtsort: Reute (Waldsee)
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Oberer Riedhof in Ulm
Datum der Deportation: 13. November 1940
Sterbedatum: 13. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Matthias Rösch, Bauer auf dem Scheuerleshof in Reute bei Waldsee, und Josefa geb. Kessler aus Kürnbach.
Konrad Rösch ist im Gedenkbuch Ulm aufgeführt und hat dort eine ausführliche Biografie:
„Konrad Rösch kam am 20. Juni 1886 als Kind des Matthäus Rösch und seiner Frau Josepha, geb. Kessler, auf dem Scheuerleshof beim Kloster Reute im Landkreis Ravensburg zur Welt. Er war ein Zwillingskind und sein Geschwister wurde im Familienregister als Totgeburt eingetragen. Seine Mutter brachte 14 Kinder zur Welt, von denen neun kurz nach der Geburt starben. Konrad Rösch besuchte sieben Jahre lang die Volksschule am Ort, ohne über die erste Klasse hinaus zu kommen. Er lernte weder Lesen noch Schreiben. Als junger Mann verdiente er eine Zeit lang seinen Lebensunterhalt als Knecht auf anderen Bauernhöfen und kam dann für den Rest seines Lebens in die Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof in Ulm-Grimmelfingen. Der Ulmer Amtsarzt Dr. Eduard Schefold leitete 1935 ein Sterilisationsverfahren ein, obgleich ihm bekannt war, dass der nunmehr 49-jährige Konrad Rösch kein Interesse an Frauen gezeigt hatte. Für das Verfahren wurde eigens ein Vormund, der Diakon Karl Baumann, bestellt. Die Verhandlung des Erbgesundheitsgerichts fand am 22. Januar 1936 als Außentermin auf dem Oberen Riedhof statt. Am 7. Mai 1936 wurde Konrad Rösch im städtischen Krankenhaus Ulm zwangsweise unfruchtbar gemacht. Konrad Rösch übernahm auf dem Riedhof weiterhin Hilfsarbeiten und lebte dort bis zu seiner Ermordung in Grafeneck am 19. November 1940. „
Aus. Aus: Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 149.
Weitere Informationen als Ergänzung zu der Biografie im Gedenkbuch Ulm:
Die Eltern von Konrad Rösch heirateten 1880 in Reute bei Waldsee. Sie bewirtschafteten dort den Scheuerleshof. Im Jahr 1898 kaufte das Kloster Reute diesen Hof. Die Familie zog daraufhin mit den vier noch lebenden Kindern in den Geburtsort der Ehefrau, nach Kürnbach bei Schussenried. In Kürnbach wurde dann noch ein weiteres Kind geboren, welches kurz darauf verstarb. Im katholischen Taufregister Reute wird der Vorname Conrad mit C geschrieben.
Der Vater von Konrad Rösch verstarb am 15. Januar 1904, seine Mutter am 22. September 1924.
In der Zeitung Verbo Schussen-Bote vom 26. Juli 1910 wurde eine Vermisstenanzeige für Konrad Rösch geschaltet. Er hatte seine Arbeitsstelle, den Spieglerhof in Schussenried, am 18. Juli ohne Abmeldung verlassen und wurde seither vermisst.
Am 24. Januar 1934 wurde Konrad Rösch im Oberen Riedhof in Ulm aufgenommen. Bei der Aufnahme im Oberen Riedhof gab er an, bei einem Bauern auf dem Röhrenhof bei Haslach, Oberamt Leutkirch, gearbeitet zu haben. Vom Oberen Riedhof wurde er am 19. November 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet. Er wurde 54 Jahre alt.
In den vorliegenden kirchlichen Registern ist kein gefälschtes Sterbedatum nachgetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg FL 30/18 I Bü 62, Erbgesundheitssache von Konrad Rösch, Württ. Erbgesundheitsgericht Ulm.
- Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 149.
- Pfarrei Reute, Tauf- und Familienregister ohne Nachträge des Todes von Konrad Rösch.
- Zeitung Verbo Schussen-Bote Ausgabe vom 26. Juli 1910, Vermisstenanzeige von Konrad Rösch.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Juli 1907
Geburtsort: Betzenweiler
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 24. September 1940
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Joseph Roser, Landwirt in Betzenweiler und Anna geb. Scham
Wilhelm Roser hatte laut Familienregister der Eltern neun Geschwister. Er war das dritte von zehn Kindern. Eines der Geschwister ist als Säugling verstorben.
Aus der Tübinger Patientenakte sind einige Details zu Kindheit, Jugend und Krankheit von Wilhelm Roser bekannt. Er selber hat nur wenig Auskunft über sich gegeben, fühlte sich aber „unrein“ da er in der Kirche ein Heiligenbild durch Gesten und Anschauen entehrt habe. In einem Brief seines Vaters wird er als gesundes Kind beschrieben, der ab dem 7. Lebensjahr die Volksschule in Betzenweiler besucht hat. Er war ein mittlerer Schüler. Bis zur Schulentlassung wurde auch nichts merkwürdiges bemerkt. Mit dem 14. Lebensjahr kam er in den Dienst zu Bauern. Dort zeigte sich zum ersten mal , dass er etwas ängstlich sei. An einem heissen Tag bei der Feldarbeit bekam er plötzlich Durst, trank aus einer Quelle und wurde ohnmächtig und ist ins Wasser gefallen. Wieder zuhause war nichts aus ihm rauszubekommen, er hatte einen stieren Blick. Nach ca. 10 Tagen war es wieder besser. Es gab in größeren Abständen (ein – drei – sieben Jahre) ähnliche Vorfälle. Er war immer arbeitswillig, hatte aber auch ein eigenartiges Wesen. Am 19. Mai 1932 arbeitete er bei großer Hitze auf einer Torfwiese, wurde wieder ohnmächtig und ist in einen Wassergraben gefallen. Er wurde nach Buchau in das Spital gebracht, es wurde ein Hitzschlag diagnostiziert. Nach seiner Entlassung konnte er nicht mehr arbeiten und es wurde beschlossen, ihn nach Tübingen in die Klinik zu bringen. Mehr kann der Vater dazu auch nicht sagen.
Ansonsten scheint Wilhelm Roser vor seiner dauerhaften Erkrankung im Dorfleben integriert gewesen zu sein, siehe Heimatbuch Betzenweiler, Seite 356, Religiöse Bräuche einst und jetzt:
Fahnenträger in Betzenweiler 1929
Am 9. Mai 1929 war wieder ein Eintrag in dieser Sache: „Nach vorhergehen der öffentlicher Bekanntmachung wird heute das Tragen der beiden großen Kirchenfahnen vergeben. Die Fahnen müssen getragen werden an den beiden Öschprozessionen, am Fronleichnamsfest und am Titularfest. Es melden sich zwei Bewerber und erklären sich bereit die Fahnen um je 3 Mark 50 Pfg für die vorgeschriebenen Fälle zu tragen. Im Falle der Verhinderung stellen sie einen Stellvertreter. Wilhelm Roser und Anton Scherer.“.
Wilhelm Roser wurde am 16. Juni 1932 auf Wunsch der Angehörigen zur Untersuchung in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Es wurde bei ihm Katatonie als Erkrankung diagnostiziert. Von Tübingen wurde er am 22. August 1932 in die Heilanstalt Zwiefalten verlegt. Dort war er bis zu seiner Entlassung am 3. Januar 1933. Er wurde ungeheilt nach Hause (Betzenweiler) entlassen. Kurze Zeit später, am 11. Februar 1933 erfolgte die 2. Aufnahme in die Heilanstalt Zwiefalten. Dort lebte er bis zu seiner Deportation nach Grafeneck. Details über die Zeit in der Heilanstalt Zwiefalten sind nicht bekannt, da die Patientenakte nicht erhalten ist. Am 24. September 1940 wurde er am Tag der Deportation in Grafeneck ermordet. Er war 33 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist auf dem standesamtlichen Familienregister der Eltern nachgetragen: 08. September 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 687-93.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/39322 Roser Wilhelm aus Betzenweiler, Patientenakte.
- Katholisches Familienregister Betzenweiler, Band 2 Fol. 330: kein Nachtrag bei Kind Nr. 3, Wilhelm Roser.
- Heimatbuch Betzenweiler, Walter Schubert aus Betzenweiler. ISBN 3-00-008468-1, erschienen im Juni 2001, Seite 356.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 04. April 1896
Geburtsort: Vorderberg (Reichenhofen)
Beruf: Novizin
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 09. Juli 1940
Sterbedatum: 09. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Georg Rueff, Söldner in Vorderberg-Reichenhofen, und Sophie geb. Ris.
Agatha Rueff war das achte und jüngste Kind der Familie. Die Mutter war zwei Mal verheiratet, in der zweiten Ehe hatte sie drei Kinder.
Agatha Rueff wurde am 08. Juni 1922 im Alter von 26 Jahren in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Dies geschah ‚auf Ansuchen der Angehörigen‘, es war die erste Aufnahme. In der württembergischen Patientenkartei wird als Beruf Novize genannt. Der Wohnort/letzte Aufenthaltsort war Hürbel. Sie war Novizin, vermutlich im Kloster Bonlanden.
Agatha Rueff war bis zu Ihrer Deportation am 09. Juli 1940 in der Heilanstalt Schussenried. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck ermordet. Sie wurde 44 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum und Sterbeort war der 19.07.1940 in Sonnenstein. Das Datum ist bekannt aus den Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg. Die Urne von Agatha Rueff ist auf dem Hauptfriedhof Konstanz bestattet, dort wurde eine Gedenkstätte für diese Verstorbenen errichtet.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III 694 Nr. 1.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Hauptfriedhof Konstanz, Feld 14a – Gedenkstätte für Urnen von NS-„Euthanasie“-Opfern, welche 1983 im Keller des Krematoriums Konstanz aufgefunden wurden.
- Hauptfriedhof Konstanz Grabfeld 14a, Nr. 145: Rueff Agatha mit gefälschtem Todesdatum 19.07.1940 und Todesort Sonnenstein.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 08. Mai 1892
Geburtsort: Biberach
Beruf: Kellner, Hausdiener, Spüler
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 13. März 1941 Heilanstalt Weinsberg „Zwischenanstalt“
Sterbedatum: 4. April 1941
Todesort: Hadamar
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Hermine Busch in Schömberg (Oberamt Neuenbürg, später Kreis Calw), ein gemeinsamer Sohn, ca. 1926 geboren.
Eltern: Karl Ruthardt, Werkmeister in Biberach, später Oberbahnmeister in Freudenstadt, und Anna Maria geb. Süßmuth.
Die Eltern von Heinrich Rudolph Ruthardt heirateten am 6. Mai 1886 in Biberach, dort wurden drei Kinder geboren. Heinrich Ruthardt war das jüngste dieser drei Kinder. Die Familie zog noch im Geburtsjahr von Heinrich Ruthardt nach Heilbronn. Im Jahr 1912 lebte die Familie in Freudenstadt, der Vater war Oberbahnmeister in Freudenstadt.
Heinrich Ruthardt arbeitete als Kellner in einem Sanatorium in Schömberg und lernte dort auch seine Frau kennen. Im Jahr 1921 heiratete das Paar. Das Ehepaar hatte ein Kind. In späteren Jahren arbeitete Heinrich Ruthardt nicht mehr als Kellner, sondern als Spüler im Sanatorium. Vermutlich hat die Erkrankung zu dieser Veränderung beigetragen.
Er war er vom 19. Juni 1939 bis 04. Juli 1939 zur Beobachtung und Behandlung in der Nervenklinik Tübingen und wurde von dort nach Hause entlassen. Heinrich Ruthardt hatte sich in den 2 Wochen in Tübingen ruhig verhalten, mit Mitpatienten geredet, im Saal geholfen und auch gut geschlafen. In einem Schreiben der Klinik an die Krankenkasse wird davon abgeraten, ihn wieder an der alten Arbeitsstelle einzusetzen. Bevor eine Anstaltseinweisung vorgenommen werde, möchte die Ehefrau es zu Hause mit ihrem Mann nochmals versuchen. Heinrich Ruthardt war schon im Jahr 1935 wegen seiner Erkrankung sterilisiert worden.
In der Patientenakte aus dem Universitätsarchiv Tübingen gibt es neben Informationen zum Patienten und zur Erkrankung auch verschiedene Schriftwechsel mit seiner Ehefrau, der Landesversicherungsanstalt wegen Invalidenrente und der Krankenkasse Schömberg (AOK).
Bei der Aufnahme in der Heilanstalt Weissenau im Jahr 1940 machte Heinrich Ruthardt selbst Angaben zur Anamnese: „R gibt an, er sei 1912 schon einmal in der Heilanstalt Pfullingen gewesen, dann 1926 in der Psych. Klinik in Heidelberg und 1928 zur Beobachtung nach einem Unfall in der Nervenklinik Tübingen. 1935 sei er sterilisiert worden.
1921 habe er sich verheiratet, habe einen Sohn, sei mit der Frau immer gut ausgekommen. 1932 habe er eine Lungenentzündung durchgemacht und im letzten Jahre habe er öfters Stechen in der rechten Schulter gehabt.“
Auch von seiner Frau wurde eine ausführliche Beschreibung des Patienten abgegeben.
Heinrich Ruthardt wurde am 05. Januar 1940 in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen. Heinrich Ruthardt wurde 1940 nicht nach Grafeneck deportiert, wurde aber dennoch ein Opfer der Aktion T4. Er wurde am 13. März 1941 von der Weissenau in die Heilanstalt Weinsberg verlegt. Weinsberg war zu diesem Zeitpunkt eine sogenannte „Zwischenanstalt“ für die Tötungsanstalt Hadamar.
Von Weinsberg gelangte Heinrich Ruthardt in einem Transport am 04. April 1941 nach Hadamar. Das Verlegungsdatum nach Hadamar ist als Todesdatum von Heinrich Ruthardt anzusehen. Das offiziell beurkundete Todesdatum ist der 21. April 1941.
Heinrich Ruthardt wurde 48 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 699 Nr. 177.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24823.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/17868 Ruthardt Heinrich, Patientenakte mit Foto.
- Stadtarchiv Biberach, Familienregister Band 8, Seite 671-672 (Nachtrag des gemeldeten/gefälschten Todesdatums).
- Hessisches Hauptstaatsarchiv; Wiesbaden, Deutschland; Personenstandsregister Sterberegister; Signatur: 1975. Sterberegister für zahlreiche Orte im heutigen Hessen. Online bei Ancestry.de.
Abbildungen und Bildunterschriften
S
Geboren am: 22. Juni 1890
Geburtsort: Haslach (Rot an der Rot)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Norbert Schädler, Schneider in Haslach, und Pauline geb. Nothelfer.
Pauline Schädler war das fünfte Kind der Familie. Insgesamt waren es neun Geschwister. Vier Kinder sind jung verstorben, eine Schwester war Ordensfrau in Untermarchtal, die älteste Schwester war in Leutkirch verheiratet, zwei Brüder haben sich in Horb am Neckar verheiratet. Die Eltern verstarben 1906 und 1908.
Zur Vorgeschichte von Pauline Schädler ist nichts bekannt. Sie war seit dem 13. März 1931 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Kostenträger war die Landesarmenbehörde Stuttgart, d.h. sie hatte vermutlich vor der Aufnahme in die Liebenau in Stuttgart gelebt. Sie war in der Liebenau bis zur Verlegung nach „unbekannt“ am 02. Oktober 1940. Tatsächlich wurde Pauline Schädler nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet.
Pauline Schädler wurde 50 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist der 10. Oktober 1940 in Grafeneck. Die Asche aus Grafeneck wurde am 22. November 1940 in Haslach beigesetzt. Ansprechpartner bezüglich der Urnenbestattung war der Bruder Anton Schädler. Der Brief mit den Modalitäten zur Übersendung der Urne ist erhalten.
Der Trostbrief aus Grafeneck wurde an die Schwester Wilhelmine Schädler gesendet, ihr Ordensname war Sr. Hermine. Zum Zeitpunkt der Todesnachricht lebte sie in Schwäbisch Gmünd im Margarethenheim.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Verlegungsliste“ von Liebenau nach unbekannt: Liste V, 1-75 [301-375]: 30. August 1940, Verlegung von Liebenau nach unbekannt S. 185-187 aus Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009
- Standesamt Haslach, Geburtsregister 1890 Nr. 20 mit Nachtrag des gefälschten Sterbedatums in Grafeneck.
- Standesamt Haslach, Familienregister. Undatierter, maschinenschriftlich erstellter Auszug aus dem Familienregister, ohne Nummerierung.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. Februar 1875
Geburtsort: Biberach
Beruf: Buchbinder
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Schätzle, Schuhmachermeister in Biberach, und Theresia geb. Burg.
Josef Anton Schätzle war das siebte von acht Kindern. Fünf der Geschwister verstarben früh. Die zwei verbleibenden Schwestern lebten in Stuttgart und Frankfurt. Seine Eltern verstarben 1898 und 1899.
Im April 1893 legte Josef Schätzle die Prüfung zum Buchbinder ab. In einem Zeitungsbericht wurden alle Prüflinge aufgeführt. Sein Lehrherr war ein Herr Jegglin in Biberach.
Josef Anton Schätzle lebte den größeren Teil seines Lebens in Einrichtungen, die „Landarmenbehörde f. d. Donaukreis“ war der Kostenträger. Schon in den Jahren 1895 und 1896 war er zwei Mal für einige Monate in der Heilanstalt Schussenried. Er wurde jeweils gebessert entlassen. Seit 20. Oktober 1901 war er in der Heilanstalt Weissenau und wurde nach 6 Jahren, am 19. Februar 1906 in den Oberen Riedhof bei Ulm versetzt. Nach einem Vorfall (ein Angriff) konnte er nicht länger im Riedhof bleiben. Danach lebte er vom 30. März 1912 bis zum 1. Juli 1940 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau.
Am 1. Juli 1940 wurde Josef Anton Schätzle in die Heilanstalt Schussenried (Zwischenanstalt) versetzt. Von dort wurde er am 22. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Josef Anton Schätzle wurde 65 Jahre alt.
Die Schwester Josefa Albertine verh. Müller wohnte in Stuttgart und schrieb am 7. August 1940 einen Brief an die Stiftung Liebenau, sie bezieht sich in dem Brief auf die Todesnachricht ihres Bruders, das gemeldete Datum ist der 04.08.1940 in Hartheim.
Auszug aus dem Brief:
„Meine liebe gute Schwester M Aurelia. Meinem lieben verschiedenen Bruder, der doch 41 Jahre schweres Leid ertragen musste, wollen wir die ewige Ruhe gönnen, trotzdem es mich sehr schmerzt. Anfangs August wollte ich ihn wieder besuchen, es war mir leider nicht mehr beschieden, so gerne hätte ich ihn noch einmal gesehen.
Es ist doch keine Seuche im Land, das Ganze ist merkwürdig, meinem Gefühl kann ich keinen Ausdruck geben.
Haben Sie recht herzlichen Dank für alle die Liebe, Güte und Aufopferung, die Sie meinem lieben Bruder entgegen brachten. Gerne hätte ich gewusst, wie es der lieben Schw. Firmina geht.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 715-7.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27707.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste A). Männer, Bl. 9) und Bl. 10), die am „1. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried versetzt“ und am 22.07.1940 deportiert wurden (73).
- Anzeiger vom Oberland, Ausgabe vom 27.4.1893, Seite 3: Lehrlingsprüfungen Biberach.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 30. April 1888
Geburtsort: Griesingen
Beruf: keiner
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Jakob Scheffold, Käser, gebürtig aus Kirchbierlingen, und Emerentia geb. Reinhard verw. Mader aus Attenweiler.
Die Eltern von Anton Scheffold hatten beide schon aus vorhergehenden Ehen Kinder. Die Mutter hatte einen in Schemmerberg geborenen Sohn. Beim Vater gab es aus zwei vorhergehenden Ehen Kinder, welche in Buffalo (USA), Birkenhard, Ehingen, Griesingen und die jüngeren Geschwister von Anton Scheffold dann in Mittelbuch geboren wurden. Die Mutter muss vor dem Jahr 1918 verstorben sein, auf der Traueranzeige von Bruder Otto (Gefallen) ist der Vater Jakob Scheffold mit seinen sechs Kindern genannt.
Der Vater lebte einige Jahre in den USA, nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahr 1874 kehrte er mit seinen Kindern nach Deutschland zurück. Danach war er längere Zeit als Käser in Birkenhard. Sein letzter Wohnort war Mittelbuch, dort hatte der Vater Jakob Scheffold einen kleinen Bauernhof gekauft. Diese biografischen Informationen stammen aus der Zeitung anlässlich des 92. Geburtstag im Juli 1936 von Jakob Scheffold. Er starb am 26. Februar 1937 als ältester Bürger von Mittelbuch.
Anton Scheffold wurde am 31. März 1937 in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen. Er war 48 Jahre alt, bis zu diesem Zeitpunkt scheint er in der Familie versorgt worden zu sein und hatte bei seinem Vater gelebt, er kam „von zuhause“.
Am 11. September 1940 wurde Anton Scheffold nach Grafeneck deportiert. An diesem Tag wurde er mit Gas ermordet. Er wurde 52 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist uns aktuell nicht bekannt. Im Geburtsregister der Gemeinde Griesingen gibt es keine Nachträge.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/19565.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. Juni 1917
Geburtsort: Orsenhausen
Beruf: Kind
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Schemperle, Landwirt in Orsenhausen, und Maria Magdalena geb. Kohn.
Rudolf Schemperle wurde am 10. Juli 1922 im Alter von 5 Jahren in das Kinderasyl Ingerkingen aufgenommen. Er lebte 18 Jahre in Ingerkingen.
Am 11. September 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Rudolf Schemperle wurde 23 Jahre alt.
Aus der Sterbeurkunde des „Standesamts Grafeneck“ liegen die gefälschten Daten zur Todesursache und des Todesdatums vor: Wundinfektion, Blutvergiftung, gefälschtes Sterbedatum: 25. September 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 238, Rudolf, Schemperle. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Standesamt Orsenhausen: Geburtsregister Orsenhausen 1917 Nr. 3, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums in Grafeneck.
- Standesamt Grafeneck: Sterbeurkunde des Rudolf Schemperle aus Grafeneck. Gefälschte Todesursache: Wundinfektion, Blutvergiftung, gefälschtes Sterbedatum: 25. September 1940. (Archiv der Projektgruppe)
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. Oktober 1883
Geburtsort: Ergach (bei Rot an der Rot)
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 13. August 1940 (Zwischenanstalt Heilanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 25. August 1940
Todesort: Heilanstalt Zwiefalten
Mordprogramm: Aktion T4 (in Zwischenanstalt vor Deportation nach Grafeneck verstorben)
Biografie
Ehemann: Friedrich „Fritz“ Schiedel, Landwirt in Baierz.
Eltern: Heinrich Reisch, Privatier, früher Landwirt in Ergach, und Maria geb. Sailer.
Die Eltern von Theresia Schiedel heirateten am 22. Oktober 1882 in Rot an der Rot, und lebten mit der Familie bis Oktober 1894 in Ergach bei Rot an der Rot. Im Oktober 1894 zog die Familie nach Baierz, Pfarrei Hauerz. Theresia Schiedel war zu diesem Zeitpunkt gerade 11 Jahre alt geworden.
Sie war das älteste von 7 Kindern im Familienregister der Eltern. Dort ist zu Theresia Schiedel nur der Nachtrag „cop. Schiedel (Weissenau)“.
Theresia (oder Theres) Schiedel geb. Reisch heiratete am 08. August 1910 in Wurzach Friedrich Schiedel. Das Ehepaar lebte in Baierz und hatte sechs Kinder. In der Württembergischen Patientenkartei sind sieben Kinder angegeben, von denen damals 4 lebten.
Am 19. Oktober 1931 wurde Theresia Schiedel zum ersten Mal in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen. Sie war dort bis zum 01. Juni 1932 und wurde nach Hause entlassen.
Als Theresia Schiedel im Jahr 1937 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen wurde, war sie 53 Jahre alt. Die Kinder waren zwischen 12 und 25 Jahre alt. Auf dem Hof lebte auch schon ein Enkelkind.
Der Ehemann musste die Kosten in Form eines Tagessatzes von 1,70 Reichsmark tragen.
Theresia Schiedel wurde am 13. August 1940 mit einem Transport in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. In den Dokumenten von Pfarrer Friedel steht als Todesdatum und Sterbeort der 30. August 1940 Grafeneck. In Wirklichkeit ist sie am 25. August 1940 in der Heilanstalt Zwiefalten verstorben. Dieses Datum ist in ihrem Geburtsregister nachgetragen. Sie wurde 56 Jahre alt.
Weitere Opfer aus dem gleichen Transport wurden am 30. August 1940 in Grafeneck ermordet.
Das Diözesanarchiv Rottenburg hat die Einträge aus den Totenregistern der Pfarreien Zwiefalten und Bad Wurzach durchgesehen – Theresia Schiedel wurde in Bad Wurzach bestattet:
Laut Eintrag im Totenregister der Pfarrei Zwiefalten, M 461 B 21, Eintrag Nr. 53/1940, verstarb Theresia Schiedel am 25. August 1940 um 15.00 Uhr in der Heilanstalt Zwiefalten. Bei der Spalte „Krankheit oder zufällige Todesart“ ist „Krankheit – letzte Ölung“ angegeben und bei der Spalte „Ort und Zeit der Beerdigung“: „Die Leiche am 27. August 1940 nach Wurzach Kreis Wangen überführt“.
Laut Eintrag im Totenregister der Pfarrei Bad Wurzach, M 369 B 16, Eintrag Nr. 24/1940, verstarb Theresia Schiedel am 25. August 1940 nachm[ittags] 3 Uhr in Zwiefalten, sie wurde am 28. August 1940 um ½ 10 Uhr in Wurzach beerdigt.
Bei der Spalte „Krankheit oder zufällige Todesart“ ist „Geisteskrankheit – Gehirnschlag“ angegeben.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 730-57. (Württembergische Patientenkartei).
- Standesamt Rot an der Rot (Roth), Geburtsregister 1883 Nr. 50 mit Nachtrag des Todes am 25. August 1940 in Zwiefalten.
- Diözesanarchiv Rottenburg, Transkriptionen aus den Totenregistern der Pfarreien Zwiefalten und Bad Wurzach, Mitteilung vom 5.6.2026, DAR_761.61/24.
- Informationen von Familienmitgliedern.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 04. Dezember 1889
Geburtsort: Eglofs (Willofs)
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried, Heggbach, Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 (Zwischenanstalt Heilanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Mutter: Maria Schiedner geb. Oberländer, Taglöhnerswitwe aus Erolzheim.
Eugenie Schiedner wurde unehelich in Eglofs (Willows) bei Obergünzburg geboren. Die Mutter war seit drei Jahren Witwe und hatte mit dem verstorbenen Ehemann Xaver Schiedner elf Kinder. Wann Eugenie Schiedner zusammen mit der Mutter zurück nach Erolzheim kam, ist nicht bekannt. Am 18. Juni 1918 gebar Eugenie Schiedner ein uneheliches Kind, Josef, in Erolzheim. Das Kind starb schon am 31. Juli 1919.
Bei der ersten Aufnahme in der Heilanstalt Schussenried am 07. September 1925 werden die Eltern Eugen und Maria Schiedner genannt. Die Mutter wird als Taglöhnerswitwe bezeichnet. Wer der tatsächliche Vater von Eugenie Schiedner war, geht aus den verfügbaren Unterlagen nicht hervor. Eugenie Schiedner wurde am 31. März 1926 nach Heggbach versetzt. Am 10. Januar 1929 wurde sie erneut in Schussenried aufgenommen und am 07. Mai 1929 gebessert entlassen. Bereits am 10. August 1929 wurde sie zum dritten Mal in Schussenried aufgenommen. Am 10. Dezember 1935 wurde Eugenie Schiedner in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt. Dort lebte sie bis zur Verlegung nach „unbekannt“ am 30. August 1940. Tatsächlich wurde sie in die Heilanstalt Zwiefalten verlegt, die als Zwischenanstalt fungierte. Am 24. September 1940 wurde Eugenie Schiedner nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. 19 Tage zuvor ereilte ihren Bruder Xaver Schiedner das gleiche Schicksal. Eugenie Schiedner wurde 50 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum wurde auf dem Geburtsregister in Willows nachgetragen. Es ist der 12. Oktober 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum. Hier ist der Nachname fälschlicherweise „Schneidner“.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 730-62.
- „Verlegungsliste“ von Liebenau nach unbekannt: Liste V, 1-75 [301-375]: 30. August 1940, Verlegung von Liebenau nach unbekannt S. 185-187 aus Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009. Hier ist der Name fälschlicherweise „Schneider“.
- Standesamt Willofs (Obergünzburg) Geburtsregister 1889 Nr. 25 mit Nachtrag des Todes in Grafeneck
- Standesamt Erolzheim, Familienregister Erolzheim Band 1, Blatt 311 mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums, Kind Nr. 12
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. April 1884
Geburtsort: Friesenried (Bayern)
Beruf: Metzger
Einrichtung: Heilanstalt Kaufbeuren
Datum der Deportation: 5. September 1940
Sterbedatum: 5. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Xaver Schiedner, Spengler aus Erolzheim, und Maria geb. Oberländer.
Xaver Schiedner war das neunte von zwölf Kindern seiner Eltern. Seine Schwester Eugenie Schiedner war das jüngste Kind und wurde gleichfalls 1940 in Grafeneck ermordet.
Die Familie Schiedner ist mehrmals umgezogen, die Heirat der Eltern war in Kempten, die ersten Kinder kamen in Obergünzburg zur Welt, weitere in Ebersbach (ein Teilort von Obergünzburg) und Apfeltrang (gehört zu Ruderatshofen). Xaver Schiedner und die Zwillinge Karl und Peter kamen in Friesenried zur Welt.
Drei Jahre nach dem Tod des Vaters am 25. August 1886 wurde dann noch die Halbschwester Eugenie Schiedner in Eglofs geboren, deren Vater unbekannt ist.
Es ist nicht bekannt, wann die Mutter mit ihren Kindern wieder nach Erolzheim gezogen war, dem Geburtsort ihres verstorbenen Ehemannes.
Am 25. April 1914 war Xaver Schiedner in Ulm beim „Hilfsverein für reconvalescente Geisteskranke in Württemberg“ vorstellig geworden und bat um Unterstützung. Er war zuvor wohl schon zweimal in Heilanstalten, im Winter 1910/1911 in der Weissenau, vom 08. August 1913 bis 20. April 1914 in Schussenried.
Er wollte zu seinem Schwager, Schreiner Christof Mann nach Cannstatt, Hauptstraße 62a gehen und dort vorläufig bleiben, da er laut eigener Aussage „im Kopf noch so wirr“ sei und er nicht arbeiten könne. Die fünf Jahre ältere Schwester Maria geb. Schiedner, war dort verheiratet.
Er bat um 2 Mark für die Reise nach Cannstatt. Ein weiterer Betrag von 28 Mark sollte dann in Cannstatt durch einen Vertrauensmann des Hilfsvereins direkt an den Schwager ausgezahlt werden.
In der Württembergischen Patientenkartei sind mehrere Aufenthalte aufgeführt:
• Weissenau: 15.01.10-07.01.11, 4. Aufnahme, Krankheitsdauer 1,5 Jahre
• Schussenried: 28.02.13-30.4.13
• Schussenried: 08.08.13-20.4.14
Über die Zeit ab Mitte 1914 bis zur Deportation nach Grafeneck ist nichts bekannt.
Xaver Schiedner wurde am 05. September 1940 von der Heilanstalt Kaufbeuren nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. 19 Tage später ereilte seine Schwester Eugenie Schiedner das gleiche Schicksal.
Xaver Schiedner wurde 56 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum wurde auf dem Geburtsregister in Friesenried nachgetragen. Es ist der 16. September 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 730-65. (Württembergische Patientenkartei).
- „Hilfsverein für reconvalescente Geisteskranke in Württemberg“, Fundstelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart Bestand Q 3/4 II Bü 790, Schiedner, Xaver aus Erolzheim, BC, 2 Seiten.
- Standesamt Friesenried Geburtsregister 1884 Nr. 4 von Xaver Schiedner, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Standesamt Erolzheim, Familienregister Band 1, Blatt 311: Xaver Schiedner ist Kind Nr. 9 ohne Nachtrag des Todes.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Juli 1920 in Nersingen bei Ulm
Geburtsort: Nersingen bei Ulm, Wohnort in Wain Kreis Biberach
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Stetten
Datum der Deportation: 13. September 1940
Sterbedatum: 13. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Ernst Gustav Schiller, ein Schweizer (Melker) aus Schnait, Oberamt Schorndorf, und Anna Maria geb. Rehm, gebürtig aus Gauernitz bei Meißen, Magd und Pflegetochter des Heinrich Huber in Bethlehem bei Wain, Kreis Biberach.
Wilhelm Jakob Schiller wurde in Nersingen bei Neu-Ulm (Bayern) zusammen mit seinem Zwillingsbruder Eugen ehelich geboren. Drei Wochen nach der Geburt wurden die Kinder in Wain evangelisch getauft. Der Zwillingsbruder Eugen verstarb nach wenigen Wochen am 2. September 1920. Wilhelm Jakob Schiller hatte noch drei weitere Geschwister. Auch hatte die Mutter nach ihrer Scheidung am 15. Januar 1926 noch mehrere uneheliche Kinder. Im Jahr 1944 heiratete sie im Kreis Schwäbisch Hall erneut. Im evangelischen Familienregister der Eltern gibt es keinen Nachtrag des gemeldeten Sterbedatums von Wilhelm Jakob Schiller.
Die Familienverhältnisse waren sicherlich kompliziert. Der älteste Bruder Ernst-Heinrich Schiller wurde am 14. September 1925 von einer Familie Huber in Wain adoptiert. Die Mutter wurde am 15. Januar 1926 von ihrem Ehemann schuldig geschieden. Kurz danach kam ein sechstes Kind, ein Junge, auf die Welt. Dieser Junge bekam noch den Familiennamen Schiller, alle weiteren Kinder der Mutter den Nachnamen Rehm.
Wilhelm Jakob Schiller war seit dem 06. November 1929 in der Heil- und Pflegeanstalt Stetten, bis zu seiner Deportation am 13. September 1940. Er wurde mit dem zweiten Transport von Stetten nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 20 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum von Wilhelm Jakob Schiller liegt uns aktuell nicht vor.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Historisches Archiv Diakonie Stetten, Informationen per eMail am 08.12.2024 zu den Biberacher Opfern. Zu allen Opfern gibt es Sozialdienstakten im Archiv.
- Gedenkstätte Diakonie Stetten e.V. – Das dunkle Kapitel der NS-„Euthanasie“.
- Martin Kalusche, ‚Das Schloß an der Grenze‘: Kooperation und Konfrontation mit dem Nationalsozialismus in der Heil- und Pflegeanstalt für Schwachsinnige und Epileptische Stetten i. R.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. Dezember 1898
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Kaufmann
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Otto Schlichtherle, Kaufmann in Laupheim, und Theresia geb. Falch aus Munderkingen.
Die Eltern von Eugen Schlichtherle heirateten im Februar 1898. Am 27. Dezember 1898 kam Eugen Josef Schlichtherle als ältestes Kind zur Welt. Das Ehepaar hatte noch mindestens sechs weitere Kinder (Auszüge aus den Standesamtsregistern im Laupheimer Verkündiger). Der Vater Otto Schlichtherle hatte ein Schuhhaus in Laupheim.
Eugen Schlichtherle hatte am 1. Weltkrieg teilgenommen, er wurde laut den Verlustlisten im Jahr 1918 verwundet, er war Grenadier. Im Mai 1918 wurde ihm ein Eisernes Kreuz verliehen.
Am 26. November 1928 bezog Eugen Schlichtherle eine eigene Wohnung in der Biberacherstr. 4 in Laupheim, es wurde für ihn eine Einwohnermeldekarte angelegt. Als Beruf ist dort Ledertechniker vermerkt.
Am 31. Januar 1929 wurde er zum ersten Mal in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen, auf Ansuchen der Angehörigen. Am 28. März 1929 wurde er ungeheilt entlassen. Eine zweite Aufnahme erfolgte kurz vor Weihnachten 1933, am 22. Dezember 1933.
Am 23. August 1940 wurde Eugen Schlichtherle in einem Transport von 34 Männern aus der Heilanstalt Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Eugen Schlichtherle wurde 41 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 12. September 1940 als Todestag und als Sterbeort Brandenburg an der Havel.
Mit dem Jahreswechsel 1940/1941 feierte die Familie von Eugen Schlichtherle das 100-jährige Bestehen des Schuhgeschäfts Schlichtherle in Laupheim. Diese Feier hat Eugen Schlichtherle nicht mehr erlebt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 738-117.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (34).
- Stadtarchiv Laupheim, Einwohnermeldekarte für Eugen Schlichtherle mit gefälschtem Todesdatum und Todesort.
- Laupheimer Verkündiger Ausgabe vom 18.05.1918, Seite 1: Ehrentafel, Grenadier Eugen Schlichtherle, Eisernes Kreuz.
- Deutsche Verlustlisten, Seite 25996 vom 2. September 1918.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 26. März 1916
Geburtsort: Erlenmoos
Beruf: Bauerntochter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Xaver Schmid, Landwirt in Erlenmoos, und Josefine geb. Pfender.
Die Mutter von Elisabeth Schmid verstarb am 17. Juli 1931 in Erlenmoos. Elisabeth Schmid war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt. Aus der Traueranzeige der Mutter wissen wir, die Familie hatte 4 Kinder.
Elisabeth Schmid wurde am 12. August 1938 im Alter von 22 Jahren auf ‚Ansuchen der Angehörigen‘ zum 1. Mal in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Sie war ledig, als Beruf wird Bauerntochter angegeben. D.h. sie hatte zuhause beim Vater gelebt und gearbeitet.
Am 9. Juli 1940 wurde Elisabeth Schmid von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. In der württembergischen Patientenkartei wurde das „Verlegt“ in der Akte mit Stempel eingetragen. Sie war bis zur Deportation knapp zwei Jahre in der Heilanstalt Schussenried.
Elisabeth Schmid wurde 24 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 19. Juli 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein/Sachsen.
Ein Bruder ist 1942 gefallen, der andere Bruder und der Mann der Schwester Maria waren als Soldaten im Krieg. Aus der Traueranzeige des Bruders Konrad Schmid kennen wir die Namen der Geschwister von Elisabeth Schmid.
Für den Vater war es sicherlich schwer: Eine Tochter krank und dann 1940 tot, zwei Söhne und der Schwiegersohn als Soldaten im Krieg.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 744.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Der Rottumbote, Ausgabe vom 18. Juli 1931, Seite 8: Traueranzeige von Josefine Schmid, Mutter von Elisabeth Schmid.
- Donau-Bodensee-Zeitung, Ausgabe vom 03. August 1942 Seite 5: Traueranzeige von Konrad Schmid mit Nennung des Vaters und der Geschwister.
- Standesamt Erlenmoos, Geburtsregister von Elisabeth Schmid 1916 Nr. 5.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 26. Juli 1908
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: Bürstenmacher
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940, aber zurückgestellt
Sterbedatum: 9. Mai 1944
Todesort: Heilanstalt Zwiefalten
Mordprogramm: Dezentrale „Euthanasie“ (?)
Biografie
Eltern: Felix Schmid in Altheim und Marie Genovefa, geb. Muckensturm. Als Pfleger wurde Georg Schmid, Maurer in Altheim, bestellt.
Karl Schmid war das zweitälteste von sechs lebenden Kindern, sechs andere waren schon als Kleinkinder verstorben. Nach Angaben des Vaters sei Karl in der Schule gut mitgekommen, immer ein wenig für sich gewesen und habe viel gelesen. Nach der Schule hatte er Müller gelernt. 1927 verunglückte er, dabei zog er sich eine Blutvergiftung zu, und ihm musste im Krankenhaus Sigmaringen ein Bein amputiert werden.
Der Unfall und der Verlust des Beines bereiteten ihm große körperliche und psychische Probleme. Nach einem Suizidversuch war er vom 29. Juli bis August 1936 in der Nervenklinik Tübingen. Wieder zu Hause arbeitete er zunächst in der elterlichen Landwirtschaft und dann als Korb- und Bürstenmacher.
Am 28. November 1937 wurde er wegen seiner psychischen Beschwerden in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen und erfolgreich mit Insulin behandelt. Um die Entlassung zu ermöglichen, wurde von der Anstaltsleitung ein Verfahren zur Unfruchtbarmachung eingeleitet. Am 20. Juli 1938 wurde Karl Schmid im Riedlinger Kreiskrankenhaus durch Dr. Mißmahl sterilisiert und am 23. August 1938 aus der Heilanstalt Zwiefalten als gebessert entlassen. Am 14. November 1939 wurde er wegen einer erneuten Verschlechterung seines seelischen Zustandes wieder in Zwiefalten aufgenommen. Die Therapieversuche blieben ohne Erfolg.
Auf einer Liste vom 20. September 1940 wurde er von der Direktorin Martha Fauser zur Deportation nach Grafeneck vorgeschlagen, aber offensichtlich zurückgestellt, und er überlebte die Zeit der Transporte nach Grafeneck. Am 9. Mai 1944 starb Karl Schmid an Lungentuberkulose, wie es in der Patientenakte verzeichnet wurde. An diesem Tag hatte die Ärztliche Direktorin Martha Fauser bereits schriftlich bei den Eltern nachfragen lassen, was im Falle eines zu erwartenden Todes mit dem Leichnam des Sohnes geschehen solle. Der Leichnam wurde dann am 11. Mai 1944 zum Pfleger, Georg Schmid, Maurer in Altheim, überführt. Karl Schmid wurde 35 Jahre alt.
Aus der Zwiefalter Krankengeschichte lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, ob Karl Schmid seiner langen und schweren Krankheit erlag, ein Opfer der kriegsbedingten Unterversorgung war oder auf Anweisung der damaligen Ärztlichen Direktorin Martha Fauser durch die Überdosierung von Medikamenten ermordet wurde.
Erarbeitet von BR
Quellen/Literaturangaben
- Hauptbücher Zwiefalten, Hauptbuch Männer, Nr. 3466 u. 3655. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Sammlung Patientenakten der nach 1900 geborenen Zwiefalter Patienten. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 747 Nr. 39.
- Zu den Krankenmorden in Zwiefalten siehe Rüdenburg, Bodo: Die „Aktion T4“ in Zwiefalten, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 37-46.
- Zur Zwiefalter Anstaltsdirektorin Fauser siehe Breucker, Dorothee: Dr. Martha Fauser, eine Ärztin im Nationalsozialismus, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 115-127.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 9. März 1922
Geburtsort: Biberach an der Riß
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Stetten
Datum der Deportation: 12. November 1940
Sterbedatum: 12. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Friedrich Schrade, Elektro-Installateur in Biberach, und Sofia geb. Münz aus Münsingen.
Die Eltern von Fritz Schrade heirateten im Mai 1921 in Stuttgart. Die zwei Kinder des Paares, Friedrich Eugen (Rufname Fritz) Schrade und seine Schwester Frida Berta sind 1922 und 1926 in Biberach geboren. Das Mädchen verstarb mit 7 Jahren.
Fritz Schrade wurde mit einem Gendefekt geboren. Am 15. Februar 1929, im Alter von fast sieben Jahren, wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Stetten im Remstal aufgenommen. Stetten war eine Einrichtung für evangelische Kinder.
In Stetten wurde versucht, das Kind zu fördern, sowohl schulisch als auch medizinisch. Er wurde nach einigen Versuchen in die „Verwahrklasse“ versetzt, die Kinder dort wurden nicht beschult.
In der Patientenakte aus dem Bundesarchiv befinden sich verschiedene Atteste, unter anderem ein Ärztliches Zeugnis über die Untauglichkeit zum Militärdienst vom 08. Oktober 1940. Es gibt auch mehrere Briefwechsel mit dem Jugendamt Biberach mit der Nachfrage, wie der Gesundheitszustand des Zöglings ist.
In der Akte werden mehrere Infekte aufgezählt. Mit 17 Jahren, am 26. Juni 1939 wird Fritz Schrade als 1,50m groß, 44 kg schwer beschrieben. Er sei lebhaft.
Am 12. November 1940 wurde Fritz Schrade nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 18 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum und der gefälschte Todesort war der 27. November 1940 in Hartheim/Oberdonau.
Die heutige Diakonie Stetten hat eine Gedenkstätte mit Nennung aller identifizierten Opfer eingerichtet. Auch die drei Opfer dieser Einrichtung aus dem heutigen Kreis Biberach sind darauf verzeichnet.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29105.
- Historisches Archiv Diakonie Stetten, Informationen per eMail am 08.12.2024 zu den Biberacher Opfern. Zu allen Opfern gibt es Sozialdienstakten im Archiv.
- Gedenkstätte Diakonie Stetten e.V. – Das dunkle Kapitel der NS-„Euthanasie“.
- Martin Kalusche, ‚Das Schloß an der Grenze‘: Kooperation und Konfrontation mit dem Nationalsozialismus in der Heil- und Pflegeanstalt für Schwachsinnige und Epileptische Stetten i. R.
- Stadtarchiv Biberach, Geburtsregister 1922 Nr. 50 und Familienregister Band 28, Blatt 106.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 06. November 1901
Geburtsort: Binzwangen
Beruf: Gastwirt (Bahnhofsrestaurant Ertingen)
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 13. März 1941 (Zwischenanstalt Weinsberg)
Sterbedatum: 04. April 1941
Todesort: Hadamar
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Fanny Ziegler aus Ertingen.
Eltern: Karl Selg, Söldner in Binzwangen, und Rosa geb. Neher.
Franz Xaver Selg wurde in Binzwangen getauft. Er war das dritte von elf Kindern. Zwei Geschwister sind jung verstorben, zwei Brüder wanderten in die USA aus.
Bei der Heirat von Franz Xaver Selg am 04. Oktober 1927 wurden die Berufe der bereits verstorbenen Väter von Braut und Bräutigam genannt. Der Vater des Bräutigams war Landwirt und Viehhändler, der Vater der Braut, W. Ziegler, war Wirt in Ertingen.
Franz Xaver Selg betrieb zusammen mit seiner Ehefrau Fanny geb. Ziegler die Restauration, also die Bahnhofswirtschaft in Ertingen. Die Schwiegermutter verstarb im Jahr 1943 und hatte bis ins hohe Alter in der Wirtschaft mitgeholfen, auch als der Schwiegersohn erkrankt war. Noch 1939 wurde Franz Selg im Adressbuch Kreis Saulgau als Wirt in Ertingen genannt (Gebäude Nr. 125). Das Ehepaar hatte laut Akte zwei Kinder.
Im Jahr 1934 war Franz Xaver Selg in der Nervenklinik Tübingen, vom 11. Mai 1934 bis zum 30. Juni 1934. Mit der Entlassung aus Tübingen wurde ein Antrag auf Invalidenrente gestellt.
Im Oktober 1935 war er im Sanatorium Hirsau im Schwarzwald. Das Sanatorium hatte um Einsicht in die Akte aus Tübingen gebeten und diese am 25. Oktober 1935 dankend zurück gesendet. Wie lange er dort zur Behandlung war, ist nicht bekannt.
Franz Xaver Selg war ab dem 16. November 1937 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Er wurde am 13. März 1941 in die Zwischenanstalt Weinsberg verlegt. Am 04. April 1941 wurde er von dort nach Hadamar deportiert und ermordet. Franz Xaver Selg wurde 39 Jahre alt.
Die Urne von Franz Xaver Selg wurde laut Kriegsgräberliste auf dem Hauptfriedhof in Freiburg im Breisgau bestattet. Als Kontaktperson wird der Bruder Fritz in Binzwangen genannt (die Kriegsgräberlisten wurden Mitte der 1950er Jahre erstellt). Das gefälschte Sterbedatum ist von der Kriegsgräberliste bekannt, es war der 15. April 1941.
Am 01. April 1941 hatte sein Bruder Fritz Selg, als Soldat im 2. Weltkrieg, an die Heilanstalt Weinsberg geschrieben und nachgefragt, ob sein Bruder seinen Brief mit 10 RM Inhalt erhalten habe. Der Eingangsstempel auf dem Brief in der Heilanstalt Weinsberg war der 03. April, die Verlegung nach Hadamar erfolgte am 04. April 1941.
Am 07. April 1941 erhielt der Bruder Fritz Selg die Antwort von der Heilanstalt über die Weiterverlegung an eine unbekannte Anstalt!
Aus dem Jahr 1952 ist ein Briefwechsel zwischen dem Amt für Wiedergutmachung in Riedlingen und der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau erhalten. Es liegt eine Erlaubnis der Witwe zur Herausgabe der Information vor. Dort wird die genaue Aufenthaltszeit in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau genannt, auch die Erkrankung von Franz Xaver Selg.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/40654 Franz Xaver Selg, Patientenakte ohne Foto.
- LABW STAL F 234 I Bü 1124, Aufn. 4: Verlegungen von Kranken, Männer, Transport vom 4. April 1941, Brief von Fritz Selg wegen des Bruders Xaver Selg.
- Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg LABW, StAL EL 20/1 VI Bü 1142 Hauptfriedhof Freiburg im Breisgau. Aufnahme 258, lfd. Nr. 27: Selg Franz aus Binzwangen.
- Riedlinger Zeitung : Tag- und Anzeigeblatt für den Bezirk Riedlingen, Ausgabe vom 01.10.1927, Seite 14. Online im Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek. Datengeber WLB Stuttgart.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 10. April 1889
Geburtsort: Unlingen
Beruf: ohne
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Heilanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Theodor Selig, Schuster und Söldner in Unlingen, und Veronika geb. Hildebrand.
Sophie Selig (auch Sofie geschrieben) war das jüngste von sechs Kindern des Vaters aus zwei Ehen. Bis auf ein Kind haben alle das Erwachsenenalter erreicht. Die Eltern sind 1913 (Vater) und 1938 (Mutter) verstorben. Beim Tod von Sophie Selig lebte nur noch eine ältere Schwester (diese war in Hailtingen verheiratet).
Sophie Selig war seit dem 30. Mai 1915 in der Pflegeanstalt Heggbach. Sie half bei leichten Hausarbeiten und bekam ab und zu Besuch. Als Angehöriger ist ein Schwager notiert. Das ist vermutlich der Mann der Schwester, die in Hailtingen lebte.
Sophie Selig wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Sofie Selig wurde 51 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 18. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Hartheim/Oberdonau.
Die Urne von Sophie Selig ist auf dem Hauptfriedhof Ulm in einem Gräberfeld für NS-„Euthanasie“-Opfer bestattet. Warum die Urne nach Ulm kam, ist nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Standesamt Hartheim (Oberdonau): Sterberegister Nr. 52/21 vom 18. Oktober 1940 für Sophie Selig.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2379 ff: Selig, Sofie, Grablage U 21 – 58. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 31. Dezember 1897
Geburtsort: Moosburg
Beruf: Landwirt
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Heilanstalt Schussenried (Zwischenanstalt)
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Anna geb. Strobel.
Eltern: Max Selig, Zimmermann in Moosburg, und Mathilde geb. Geiger.
Stephan Selig war das neunte von sechzehn Kindern laut Familienregister der Eltern. Von diesen Geschwistern sind neun jung verstorben. Ein Bruder ist im 1. Weltkrieg gefallen, eine Schwester verstarb 1916 in der Heilanstalt Schussenried.
Stephan Selig war Kriegsteilnehmer, im Jahr 1918 wird er als leicht verwundet gemeldet.
Stephan Selig heiratete am 26. November 1925, das Ehepaar hatte zwei Kinder. Er bewirtschaftete den Bauernhof seines Vaters, es war das Anwesen 11, später Bad Buchauer Straße 27 in Moosburg. Im Oktober 1924 brannte die Scheune ab (der Vater Max Selig war noch der Bauer), aber das neu erbaute Wohnhaus konnte gerettet werden durch das beherzte Eingreifen der Feuerwehr. Es musste eine neue Scheune gebaut werden, das Wohnhaus war vermutlich auch noch mit Schulden belastet.
Im Dezember 1928 wurde Stephan Selig in die Heilanstalt Zwiefalten verbracht (Ein Zeitungsbericht hierzu beschreibt offen die dramatische Situation bei der Abholung des Kranken).
Im Oktober 1933 wurde der Hof in Moosburg aufgegeben, es gab eine Fahrnis-Versteigerung und die Ländereien wurden verpachtet. Im November 1933 verstarb die Ehefrau von Stephan Selig. Aus Anlass ihrer Beerdigung gab es einen großen Zeitungsbericht in der Buchauer Zeitung, der ihre Tüchtigkeit angesichts ihres schweren Schicksals lobte. Sie wurde nur 36 Jahre alt. Ihre Kinder blieben als Waisen zurück, die Mutter tot, der Vater in der Heilanstalt.
Stephan Selig war seit dem 07. Dezember 1928 in der Heilanstalt Zwiefalten. Dort verblieb er bis zu seiner Verlegung nach Schussenried am 08. September 1939. Zur Vorbereitung der „Aktion T4“ wurden Patienten aus der Heilanstalt Zwiefalten in andere Einrichtungen verlegt, um in Zwiefalten „Platz“ zu schaffen.
Schussenried fungierte dabei als Zwischenanstalt. Alle 44 Personen aus diesem Transport vom 08. September 1939 wurden zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Am 18. Juni 1940 wurde Stephan Selig nach Grafeneck deportiert und ermordet. Er wurde 42 Jahre alt.
Im katholischen Taufregister von Stephan Selig ist das gefälschte Sterbedatum „15. Juli 1940 Grafeneck“ eingetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 805-30.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 7), die „8.9.1939 aus der HA Zwiefalten in die HA Schussenried versetzt“ und am 18.6.1940 deportiert wurden.
- Pfarrei Betzenweiler, katholisches Familienregister Band 2, Seite 253 Kind Nr. 9.
- Pfarrei Betzenweiler, katholische Taufregister 1897 Nr. 29 mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Riedlinger Zeitung – Tag und Anzeigeblatt für den Raum Riedlingen, Ausgabe vom 11.12.1928 Seite 7.
- Buchauer Zeitung Volksblatt vom Federsee, Ausgabe vom 22.11.1933 Seite 7.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Juli 1939
Geburtsort: Laupheim
Beruf: ohne
Einrichtung: Landesheilanstalt Eichberg
Datum der Deportation: –
Sterbedatum: 04. Mai 1942
Todesort: Landesheilanstalt Eichberg
Mordprogramm: „Kinder-Euthanasie“
Biografie
Eltern: Anton Setz und Paula, geb. Maier aus Laupheim.
Die Eltern von Heinz Hugo Setz verlobten sich im Januar 1939. Die Mutter Paula Maier stammte aus Laupheim, der Vater Anton Setz aus Moosburg bei Buchau am Federsee.
Am 12. Juli 1939 wurde das Kind Heinz Hugo Setz in Laupheim geboren.
Schon am 4. Mai 1942 verstarb das Kind Heinz Hugo Setz in der Landes-Heilanstalt Eichberg.
Heinz Hugo Setz wurde 2 Jahre alt.
Das Kind Heinz Hugo Setz wurde sehr wahrscheinlich ein Opfer der „Kinder-Euthanasie“.
Erarbeitet von StS
Das Stadtarchiv Eltville hat eine Liste der Menschen erstellt, die Opfer sogenannter „Krankenmorde“ in der psychiatrischen Klinik Eichberg in Eltville geworden waren. In dieser Liste ist Heinz Hugo Setz aufgeführt. Insgesamt konnten 4 Opfer mit Bezug zum Landkreis Biberach identifiziert werden.
Quellen/Literaturangaben
- Stadtarchiv Eltville: „Euthanasie auf dem Eichberg im Lichte der Erbacher Sterbebücher“ & alphabetische Liste der Sterbebücher (PDF).
- Standesamt Erbach (Eltville am Rhein), Sterbenebenregister, 1942: Sterberegister 1942 Nr. 300 Heinz Hugo Setz aus Laupheim. Quelle: Hessisches Staatsarchiv Marburg.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. August 1897
Geburtsort: Egesheim, Kreis Tuttlingen
Beruf: Ordensschwester, Schwester Maria Konrada im Kloster Bonlanden
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster
Datum der Deportation: 25. September 1940
Sterbedatum: 25. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Konrad Sieger, Maurer in Egesheim, Oberamt Spaichingen, und Theresia geb. Klaiber.
Das Ehepaar Sieger hatte fünf Kinder. Walburga Sieger war das jüngste Kind. Im Familienregister ist ihr Werdegang aufgeführt:
- Ordensschwester (Schwester Maria Konrada)
- 1923 Profeß in Bonlanden
- Kam 1930 als Schwester von Bonlanden nach Rottenmünster
- Tod 16.10.1940 Grafeneck
Der Vater war schon 1913 verstorben, die Mutter im Jahr 1931. Die Mutter konnte wohl an der Profeß-Feier der Tochter im Jahr 1923 in Bonlanden teilnehmen. Meist waren Familien ja sehr stolz darauf, eine Ordensschwester oder einen Priester in der Familie zu haben.
Eine erste Aufnahme von Walburga Sieger in die Heilanstalt Rottenmünster erfolgte am 9. November 1928. Zitat aus der Chronik des Klosters Bonlanden im Jahr 1928: „Aus der Filiale St. Agnes in Riedlingen kam die betrübende Kunde, dass sich bei Schw. Konrada Sieger seit kurzer Zeit Schwermut, fixe Ideen und Verfolgungswahn zeigte, der in den letzten Tagen solche Formen annahm, dass Schw. Konrada in die Heilanstalt nach Rottenmünster verbracht wurde – am 9. November.“
Das Kloster Bonlanden unterhielt in Riedlingen seit 1902 das Mädcheninstitut St. Agnes.
Walburga Sieger wurde am 20. Februar 1932 zum zweiten Mal in die Heilanstalt Rottenmünster aufgenommen. Laut württembergischen Patientenblättern war ihr Wohnort das Kloster Bonlanden, aber in Wirklichkeit war ihr letzter Aufenthaltsort Riedlingen.
Walburga Sieger wurde am 25. September 1940 von Rottenmünster nach Grafeneck deportiert. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck mit Gas ermordet. Das Sterbedatum 11. Oktober 1940 im Familienregister der Eltern ist das gefälschte Sterbedatum.
Walburga Sieger wurde 43 Jahre alt.
Auch in der Chronik des Klosters Bonlanden findet sich dazu ein Eintrag im Jahr 1940, Zitat: „Nun wird es Zeit, einen Blick zurückzuwerfen, in die alte Welt. Von unseren lb. Schwestern drüben kamen nur dürftige und unterdrückte Nachrichten. Man konnte sich nicht frei äußern. So erfuhren wir nichts Näheres über den unerwarteten Tod unserer lb. Schw. M. Konrada Sieger, 16.10.40, die als unheilbar in der Anstalt Rottenmünster untergebracht war.“
Anmerkung: Die Generalleitung des Klosters Bonlanden war während der Kriegszeit in Brasilien untergebracht.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 810-34.
- Katholisches Familienregister Egesheim Seite 556: Konrad Sieger und Ehefrau Theres Klaiber mit fünf Kindern.
- Kloster Bonlanden bei Wikipedia mit Details zur Außenstelle Riedlingen St. Agnes: https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Bonlanden.
- Ausschnitte aus der Chronik des Klosters Bonlanden, erhalten per eMail vom Kloster Bonlanden am 06.02.2026.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. November 1892
Geburtsort: Bad Schussenried
Beruf: Schneidermeister
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried, Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen
Datum der Deportation: 14. März 1941 (über Heilanstalt Weinsberg als Zwischenanstalt)
Sterbedatum: 04. April 1941
Todesort: Hadamar
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Anna Pauline geb. Kramer aus Wagnerberg bei Tannau (Tettnang), die Ehe wurde nach 1933 geschieden.
Eltern: Franz Xaver Sigg, Taglöhner in Schussenried, und Brigitta geb. Frick.
Die Eltern von Johannes Sigg heirateten in Scheer, das erste von fünf Kindern kam dort zur Welt. Die Familie zog laut kath. Familienregister im April 1887 nach Schussenried, bzw. Kleinwinnaden. Dort kamen dann vier weitere Kinder, darunter auch Johannes Sigg zur Welt. Zwei Söhne, Johannes und Franz Xaver Sigg erreichten das Erwachsenenalter.
Am 01. Mai 1923 heirateten Johannes Sigg und Anna Pauline Kramer in Aulendorf. Ein Kind wurde im Mai 1928 geboren. Durch Annoncen in der lokalen Tageszeitung war Johannes (auch Hans) Sigg regelmäßig präsent. Nach dem Krieg, im Jahr 1919 arbeitete er zunächst von seinem Elternhaus aus, im Jahr 1920 legte er seine Meisterprüfung als Schneider ab. Im Jahr seiner Heirat 1923 gibt es eine Anzeige, aus der die Arbeits- und Wohnadresse Zollenreuterstraße 295 in Aulendorf hervorgeht. Im Jahr 1926 wurde das Geschäft in ein Nebengebäude des Bauunternehmers Josef Walser verlegt, also in die Bachstr. 66 in Aulendorf. Im Jahr 1930 gab es zwei Geschäftsverlegungen in das „Haus von Schneidermeister Hans Sigg“. Im Jahr 1931 annonciert „Frau Hans Sigg“ eine „Strumpfklinik“, sie hatte ein Geschäft zur Reparatur von Strümpfen eröffnet, die Adresse lautet Aulendorf, Bachstr. 66. Im Jahr 1934 versteigerte Frau Sigg Schneidernähmaschinen. Vermutlich konnte Hans Sigg krankheitsbedingt sein Geschäft nicht mehr führen.
Die erste Aufnahme von Johannes Sigg in der Heilanstalt Schussenried erfolgte am 10. Oktober 1933. Er ist aus dem „Landesspital Sigmaringen“ nach Schussenried ‚versetzt‘ worden und war schon mehrere Jahre vorher erkrankt. Am 17. Juli 1934 wurde er in das Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen versetzt. Dort lebte Johannes Sigg bis zu seiner Verlegung in die Zwischenanstalt Weinsberg am 14. März 1941. Am 04. April 1941 wurde er von Wiesloch aus nach Hadamar deportiert und dort ermordet.
Johannes Sigg wurde 48 Jahre alt.
Die Gedenkstätte Hadamar teilte uns am 05.03.2025 folgende Informationen mit:
„Herr Johannes Sigg, geb. am 01.11.1892 in Schussenried, wurde zu einem uns unbekannten Datum, von seinem letzten Wohnort Aulendorf im Kreis Ravensburg aus, in das Fürst-Karl-Landes-Krankenhaus in Sigmaringen aufgenommen. Von dort wurde er am 14.03.1941 in die Anstalt Weinsberg verlegt. Weinsberg war zu diesem Zeitpunkt eine sogenannte „Zwischenanstalt“ für die Tötungsanstalt Hadamar.
Von Weinsberg gelangte Herr Sigg in einem Transport am 04. April 1941 nach Hadamar. Das Verlegungsdatum nach Hadamar ist als Todesdatum von Herr Sigg anzusehen. Die Leichname der Ermordeten wurden anschließend noch vor Ort eingeäschert.
Das offiziell beurkundete Todesdatum von Johannes Sigg wurde auf den 28.04.1941 datiert.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 811-101.
- Ks 2/66 (GStA) Frankfurt/Main, „Sonderband Grafeneck“, Aktenband 23. (Information von der Gedenkstätte Hadamar, per eMail vom 05.03.2025).
- Sterberegister Hadamar 1941 Nr. 718 (Online bei Ancestry.de).
- Aufnahme- und Entlassbuch der Psychiatrie-Abteilung des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen 1940-1942 (Kreisarchiv Sigmaringen XIV – 1993/4 Nr. 26, Nr. 27, Nr. 28).
- Gedenkstein für Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen (Online-Gedenkseite beim Landkreis Sigmaringen).
- Verbo Schussen-Bote, Ausgabe vom 03. September 1919, Seite 4: Geschäftsempfehlung.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. März 1919
Geburtsort: Rot an der Rot
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Karl Sontheimer, Küfer in Rot an der Rot, und Creszenz geb. Burkhart.
August Sontheimer war das jüngste von sechs Kindern seiner Eltern. Von den älteren Geschwistern haben zwei Schwestern geheiratet, die anderen Geschwister verstarben als Kleinkinder.
Die Eltern verstarben 1955 und 1957.
August Sontheimer wurde am 02. August 1934 im Alter von 15 Jahren in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen. Von dort wurde er am 1. Juli 1940 mit den Bussen von der Liebenau nach Schussenried verlegt. Am 22. Juli 1940 wurde er von der Zwischenanstalt Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet.
August Sontheimer wurde 21 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum war der 03. August 1940 in Grafeneck.
Im Familienregister der Eltern hatte der Pfarrer eingetragen „Tod durch Vergasung in Grafeneck“. Ob das schon 1940 oder später so eingetragen wurde, ist nicht bekannt. Die Schrift wirkt aber ähnlich wie beim Eintrag der Heirat der Schwester im September 1940. Falls der Pfarrer das vor Mai 1945 eingetragen hatte, war das sehr mutig.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste A). Männer, Bl. 10), die am „1. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried versetzt“ und am 22.07.1940 deportiert wurden.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Pfarrei Rot an der Rot, Familienregister katholisch Band III, Fol. 270b.
- Standesamt Rot an der Rot, Geburtsregister 1919 Nr. 5, mit Nachtrag des gefälschten Sterbedatums 3. August 1940 in Grafeneck
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 28. Januar 1891
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Dr. jur., Regierungsrat (ab ca. 1925 Regierungsrat a. D.)
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster
Datum der Deportation: 16. September 1940
Sterbedatum: 16. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Speth, Katastergeometer und Gemeinderat in Laupheim und Karoline (Lina) geb. Scholter
Leopold Speth war das älteste Kind des Ehepaares. Die Namen der Geschwister werden 1931 in der Patientenakte genannt (Josefina Arnold geb. Speth, Maria Speth, Anna Reuß geb. Speth, Georg Speth). Die Mutter war 1908 bei einem Kaiserschnitt verstorben (in der Akte fälschlicherweise 1911).
Anamnese nach Vater: (in der Patientenakte 1931):
Von Erblichkeit nichts bekannt. Mutter des Pat. gestorben 1911 nach Kaiserschnitt. Pat. hat 5 Geschwister, gesund; 1 Bruder im Krieg gefallen.
Als Kind rote Flecken. Gute körperl. Entwicklung. In der Schule gut mitgekommen; er sei immer „ein Schaffer gewesen“, sass immer hinter den Büchern.
In der Schulzeit nichts Besonderes an seinem Wesen aufgefallen. Studierte Jura. Als Student lebhaft, aber sehr fleissig. 1916/18 im Feld; keine Verwundung.
1918/19 Typhus; dabei Mittelohrentzündung. Kam dann als Assessor zum Finanzamt Stuttgart, dann Biberach und von da nach Hamburg, dort 5 Jahre.
„Angeblich plötzlicher Zusammenbruch“ auf dem Finanzamt: Bekam Urlaub, ging zuerst in ein Beamten-Krankenhaus und dann heim nach Laupheim: war gegen früher wesentlich aufgeregt. „Auf einmal wenn er sprach, langte er plötzlich an den Kopf und besann sich, trommelte viel mit den Fingern, zitterte viel mit den Beinen“. War klar in der Rede. Trieb damals viel Politik, beschäftigte sich mit Bankwesen.
Ging dann nach 1/2-jährigem Urlaub zurück nach Hamburg, tat einige Monate Dienst, der ihm sehr schwer fiel.
Der Präsident des Finanzamtes legte ihm nahe, in Urlaub zu gehen, was er aber nicht tat, da er rasch Karriere machen wollte. Damals wurde er eigensinnig.
Brach dann wieder zusammen u. wurde nach Friedrichsberg gebracht. Der Vater besuchte ihn öfters u. es fiel ihm auf, dass er Grössenideen äusserte; konnte dem Gespräch nicht mehr folgen, grimassierte; wurde der Familie fremder, schrieb weniger heim, zeigte für seine Umgebung wenig Interesse.
1925/31 in Friedrichsberg.
Er sei verlobt gewesen; die Verlobung sei kurz vor Ausbruch der Krankheit ausgegangen; Gründe dem Vater unbekannt.
Um den Sohn in der Nähe zu haben wird er nach Rottenmünster gebracht. Seine Erkrankung ist ist dem Schizophrenen Formenkreis zuzuordnen.
Leopold Speth war vom 15. Oktober 1931 bis zum 16. September 1940 in der Heilanstalt Rottenmünster. Am 16. September 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Der letzte Eintrag in der Akte: „16. Sept. Wird heute in eine Staatsanstalt verlegt.“
Leopold Speth war 49 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum war der 01. Oktober 1940 in Hartheim bei Linz.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 836 Nr. 89.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27737.
- Stadtarchiv Laupheim: Geburtsregister 1891 Nr. 26 Standesamt Laupheim Speth Leopold, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums in Hartheim.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. April 1907
Geburtsort: Wilflingen
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Romuald Spohn, Söldner und Amtsdiener in Wilflingen, und Carolina geb. Riester.
Die Zwillinge Fidel und Hermann Spohn waren das 6. und 7. Kind der Familie. Insgesamt waren es neun Kinder in dieser Familie.
In der Traueranzeige des Vaters Romuald Spohn im Jahr 1941 werden neben der Mutter die Söhne Anton, Adolf, Gregor und Wilhelm sowie die Tochter Senze genannt. Ein Sohn Josef war schon im 1. Weltkrieg gefallen. Der Sohn Wilhelm kam später aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurück.
Die Zwillinge Fidel und Hermann Spohn kamen 1907 zur Welt. Im Alter von 12 Jahren kamen beide am gleichen Tag, am 5. Mai 1919 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Dort lebten beide Brüder bis zur Deportation nach Grafeneck.
Fidel Spohn wurde am 01. Juli 1940 nach Schussenried (Zwischenanstalt) und von dort am 22. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Hermann Spohn wurde am 30. August 1940 nach „unbekannt“ deportiert und am gleichen Tag in Grafeneck mit Gas ermordet.
Die Brüder wurden 33 Jahre alt.
Die gemeldeten Sterbedaten waren für Fidel Spohn der 2. August 1940 in Grafeneck, für Hermann Spohn war es der 15. Oktober 1940 in Sonnenstein/Sachsen. Die gefälschten Daten dienten zur Verschleierung der Mordtaten, im Fall der Geschwister war ein deutlicher Abstand vermutlich wichtig.
Die Zwillingsbrüder haben 21 Jahre lang in der Liebenau gelebt. Im Abstand von 1 Monat wurden sie deportiert und ermordet.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste A). Männer, Bl. 9) und Bl. 10), die am „1. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried versetzt“ und am 22.07.1940 deportiert wurden (73).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Standesamt Langenenslingen, Auszüge aus dem Geburts- und Familienregister Wilflingen.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. April 1907
Geburtsort: Wilflingen
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Romuald Spohn, Söldner und Amtsdiener in Wilflingen, und Carolina geb. Riester.
Die Zwillinge Fidel und Hermann Spohn waren das 6. und 7. Kind der Familie. Insgesamt waren es neun Kinder in dieser Familie.
In der Traueranzeige des Vaters Romuald Spohn im Jahr 1941 werden neben der Mutter die Söhne Anton, Adolf, Gregor und Wilhelm sowie die Tochter Senze genannt. Ein Sohn Josef war schon im 1. Weltkrieg gefallen. Der Sohn Wilhelm kam später aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurück.
Die Zwillinge Fidel und Hermann Spohn kamen 1907 zur Welt. Im Alter von 12 Jahren kamen beide am gleichen Tag, am 5. Mai 1919 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Dort lebten beide Brüder bis zur Deportation nach Grafeneck.
Fidel Spohn wurde am 01. Juli 1940 nach Schussenried (Zwischenanstalt) und von dort am 22. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Hermann Spohn wurde am 30. August 1940 nach „unbekannt“ deportiert und am gleichen Tag in Grafeneck mit Gas ermordet.
Die Brüder wurden 33 Jahre alt.
Die gemeldeten Sterbedaten waren für Fidel Spohn der 2. August 1940 in Grafeneck, für Hermann Spohn war es der 15. Oktober 1940 in Sonnenstein/Sachsen. Die gefälschten Daten dienten zur Verschleierung der Mordtaten, im Fall der Geschwister war ein deutlicher Abstand vermutlich wichtig.
Die Zwillingsbrüder haben 21 Jahre lang in der Liebenau gelebt. Im Abstand von 1 Monat wurden sie deportiert und ermordet.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Standesamt Langenenslingen, Auszüge aus dem Geburts- und Familienregister Wilflingen.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 30. August 1874
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: Landarbeiter
Einrichtung: Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof
Datum der Deportation: 19. November 1940
Sterbedatum: 19. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Jacob Stauss, Taglöhner aus Dürmentingen, und Viktoria geb. Häberle aus Oggelshausen.
Biografie aus dem Gedenkbuch Ulm
„Clemens Stauss kam am 30. August 1874 in Dürmentingen im jetzigen Landkreis Biberach zur Welt. Er arbeitete als Bauernknecht, bis er am 14. April 1915 in die Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof in Ulm-Grimmelfingen aufgenommen wurde. Als vorheriger Aufenthaltsort wurde in seiner Patientenakte Dellmensingen, ein heutiger Stadtteil von Erbach, angegeben. Clemens Stauss floh im Jahr 1916 vom Oberen Riedhof, wurde aber drei Tage später wieder aufgegriffen und in die Anstalt zurückgebracht. Im Jahr 1917 entfernte er sich abermals aus der Einrichtung und wurde erst 1925, diesmal aus dem städtische Krankenhaus Ulm kommend, dort wieder eingewiesen. Clemens Stauss gehörte zu den Langzeitbewohnern des Oberen Riedhof. Am 19. November 1940 musste er, nachdem ihn die „T4“-Ärzte selektiert hatten, in einen der <grauen Busse> steigen, der ihn nach Grafeneck brachte, wo er mit Gas ermordet wurde.“
Weitere Informationen zu Clemens Stauss
Clemens Stauss war das dritte von vier Kindern. Nach dem Tod der Eltern in den Jahren 1888 und 1890 gibt es im katholischen Familienregister keine Nachträge mehr.
Im Jahr 1868 gab es eine Brandstiftung an dem Haus, in dem die Familie lebte. Die Eltern von Clemens Stauss lebten im Obergeschoss/unter dem Dach. Das Haus war wohl in einem schlechten Zustand.
Am 29. Oktober 1879 kam es vor dem Amtsgericht Riedlingen zu einem Verkauf der Liegenschaft der Eltern. Clemens Stauss war zu diesem Zeitpunkt fünf Jahre alt. Die Eltern scheinen verschuldet gewesen zu sein.
Wo die Familie nach dem Verkauf lebte, ist nicht bekannt. Die Eltern verstarben in Dürmentingen und wurden dort bestattet.
Clemens Stauss war beim Tod der Eltern vierzehn bzw. sechzehn Jahre alt. Ab wann er bei Bauern in Dienst war, ist nicht bekannt.
Am 19. November 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und ermordet. Er wurde 66 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum von Clemens Stauss ist aktuell nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 169.
- Wuttke, „O, diese Menschen, S. 118.
Stadt Ulm, Die Toten des Zweiten Weltkrieges 1939-1945, S. 84. - Katholisches Taufregister und Familienregister Dürmentingen, keine Nachträge zu Clemens Stauss.
- Standesamt Dürmentingen, kein Familienregister zu Familie Stauss.
- Auszüge aus verschiedenen historischen Zeitungen bei der Deutschen Digitalen Bibliothek, Deutsches Zeitungsportal. (Suche nach Stauss Dürmentingen).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. Juni 1882
Geburtsort: Erbach
Beruf: Packerin, Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Joseph Stegmann, Sägmüller in Erbach, später Säger in Biberach an der Riß, und Justina geb. Renz.
Die Familie hatte laut Familienregister acht Kinder, vier davon verstarben jung. Die vier erwachsenen Kinder sind in der Traueranzeige des Vaters im Jahr 1916 genannt. Der Vater hatte in Biberach viele Jahre als Säger bei Herrn Schuler z. Steigmühle gearbeitet. Die Mutter war schon 1891 verstorben, der Vater hatte nicht mehr geheiratet.
Aus Biberacher Adressbüchern und der Meldekarte von Theresia Stegmann ergeben sich folgende Lebensstationen bei ihr:
1902: Riedlingerstraße 14/b, lebt bei ihrem Vater
1913: Holzstraße 2, lebt bei ihrem Vater
1920: Holzstraße 2, Theresia Stegmann, Beruf Packerin
1930: Riedlingerstraße 27, zusammen mit Schwester Kreszentia Stegmann, Kontoristin
Theresia Stegmann hatte vom 24. April 1905 bis zum 31. Dezember 1930 bei der Cigarrenfabrik Eugen Gerster in der Bürgerturmstraße 7 gearbeitet. Es gab kurz nach dem Tod des Vaters eine Unterbrechung von einem Monat, auch könnte sie laut Meldekarte schon ab Oktober 1916 bei ihrer Schwester gewohnt haben.
Laut Abgangsmeldung aus der Heilanstalt Schussenried wurde Theresia Stegmann am 01. Juli 1933 dort aufgenommen. Ihr Beruf war bei der Aufnahme in Schussenried Dienstmädchen.
Die Patientenakte von Theresia Stegmann hat sich im Bundesarchiv Bestand R 179 erhalten. Die Akte ist sehr ausführlich. Laut dieser Akte waren Veränderungen im Wesen von Theresia Stegmann schon 6-8 Jahre vor der Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried bemerkt worden.
Theresia Stegmann selbst hat ausführliche biografische Daten für die Patientenakte beigesteuert: „In der Schule habe sie nicht besonders gut gelernt, am schlechtesten habe sie rechnen können, Religion habe sie am liebsten gehabt. Sie sei im Waisenhaus erzogen worden, weil ihre Mutter schon mit ca. 38 Jahren an einer Geburt gestorben sei. Dann seien die Kinder alle auseinander gekommen, jeder irgendwo anders hin. Mit 16 J. kam sie in Dienst, diente 4 Jahre lang, hatte in dieser Zeit 4 verschieden Stellen. Kam dann nach Biberach als Packerin, vier Jahre bei Fabrikant Schlee, danach in der Zigarrenfabrik Gerster. Kam dann 1925 nach Ulm ins städtische Krankenhaus bei Dr. Veiel 4 Wochen lang. Sei ganz durcheinander gewesen, seit eine Mitarbeiterin bei Gerster ihren Liebhaber auf sie gehetzt habe. …“. Es kommen noch weitere Details, welche die Erkrankung betreffen.
Es sind mehrere handschriftliche Postkarten und Briefe von Theresia Stegmann, zwischen 1933 und 1938 geschrieben, an ihre Schwester Kreszentia und den Stadtpfarrer in der Akte, wurden diese nicht abgesendet? Zwei Briefe schickte Theresia Stegmann 1936 an den Direktor Koch und äußert den Verdacht, dass ihre Briefe nicht weggeschickt werden. Die Schwester schickte wohl auch regelmäßig Pakete und hatte Theresia Stegmann auch besucht. Theresia Stegmann hielt sich selbst nicht für krank und wollte immer nach Hause.
Am 9. Juli 1940 wurde Theresia Stegmann von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie war zuvor sieben Jahre in der Heilanstalt Schussenried. Theresia Stegmann wurde 58 Jahre alt.
Die Urne von Theresia Stegmann wurde auf dem kath. Friedhof in Biberach beigesetzt. Auf der Karteikarte der Kriegsgräberlisten ist auch das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort vermerkt: 23. Juli 1940 in Hartheim bei Linz.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 836-89.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27737.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 3: Stegmann Theresia.
- Katholisches Familienregister Erbach Band 2 Fol. 340.
- Stadtarchiv Biberach: Meldekarte von Theresia Stegmann.
- Adressbücher Biberach, Jahrgänge 1902, 1913, 1920 und 1930 (Stadtarchiv Biberach).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 9. Januar 1884
Geburtsort: Schienenhof (Steinhausen)
Beruf: Bierbrauer
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Vinzenz Stehle, Ziegeleibesitzer auf dem Schienenhof bei Steinhausen (Schussenried), und Maria Agatha geb. Schmid.
Die Eltern von Gottlieb Stehle lebten auf dem Schienenhof, der Vater betrieb dort eine Ziegelei. Gottlieb Stehle war das elfte von vierzehn Kindern seiner Eltern. Neben Gottlieb Stehle erreichten nur drei Geschwister das Erwachsenenalter.
Gottlieb Stehle erlernte laut Akten den Beruf des Bierbrauers. Sein letzter Wohnort vor der Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried war Biberach an der Riß.
Am 05. Juni 1910 wurde er in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen, eine Patientenakte ist nicht erhalten. Er war in Schussenried bis zu seiner Deportation nach Grafeneck am 18. Juni 1940. Gottlieb Stehle wurde 56 Jahre alt und hatte 30 Jahre in Schussenried gelebt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 12.7.1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 837-12.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Standesamt Steinhausen Geburtsregister 1884 Nr. 1 und Familienregister Seite 26.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 16. September 1898
Geburtsort: Reinstetten
Beruf: Dienstknecht, Melker
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 20. Mai 1940
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Ströbele, Taglöhner in Reinstetten, und Viktoria geb. Böck (2. Ehefrau).
Karl Ströbele wurde 1898 geboren und war das neunte und jüngste lebende Kind seiner Eltern. Aus der 1. Ehe des Vaters gab es drei lebende Kinder, aus der 2. Ehe sechs lebende Kinder (standesamtliches Register Reinstetten). Nur die letzten zwei Kinder wurden in Reinstetten geboren worden, davor in Mietingen und Maselheim.
Laut der Häuserchronik Reinstetten wohnte der Vater Josef Ströbele im Jahr 1900 im Haus Nr. 49 (ein kleineres Haus Nr. 48 Segmiller ist angebaut). Im August 1905 brannten Nr. 49 und 48 ab. Der Segmiller hatte Brandstiftung begangen. Es konnte nur wenig gerettet werden (Anzeiger vom Oberland).
Josef Ströbele verkaufte danach einen Teil seines Grundstücks an eine Nachbarin und im Jahr 1907 baute auf einem anderen Teil des Grundstücks ein neues Haus Nr. 84 mit kleinem Scheunenanbau. (Die Pläne dazu aus dem Jahr 1906 sind erhalten in der Häuserchronik Reinstetten und bei der Gemeinde Reinstetten).
Karl Ströbele war beim Verlust des Elternhauses durch Brandstiftung knapp 7 Jahre alt. Das neue Haus aus dem Jahr 1907 war später im Besitz von Karl Ströbele, 1927 wurde das Haus (jetzt Nr. 7, An der Mühle) zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben.
Vom Erwerber gibt es 1930 einen Briefwechsel, er hatte Probleme, die Mieter rauszubekommen, er wollte es selber nutzen.
Karl Ströbele war ein spätes Kind seiner Eltern, diese waren 64 und 48 Jahre bei seiner Geburt. Bei ihrem Tod im Jahr 1915 und 1916 war Karl Ströbele gerade 17 Jahre alt. Seine Geschwister waren deutlich älter und in Stuttgart, München und Wangen verheiratet. Ein Halbbruder war in Maselheim verehelicht, er verstarb 1919. Sein nächster Bruder (Peter) Paul war 7 Jahre älter und beim Tod der Eltern als Soldat im Krieg. Er heiratete in Ludwigsburg.
Karl Ströbele war mit dem Gesetz in Konflikt gekommen (Eintrag Winnentaler Patientenblätter). Spätestens mit der Zwangsversteigerung des Elternhauses im Jahr 1927 hatte er seine Heimat verloren.
Karl Ströbele wurde am 13. Mai 1929 in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen, er hatte zuvor in Unterzeil (Leutkirch) als Melker gearbeitet. Vor der Aufnahme war er wegen eines Unfalls im Krankenhaus in Leutkirch (Huftritt einer Kuh an die Hüfte). Das in der Patientenakte aufgeführte ärztliche Zeugnis aus dem Krankenhaus geht von einer psychischen Erkrankung aus. Der letzte Eintrag in der Patientenakte war vom 5.III.40: „Spricht nichts, grüßt nur durch Kopfnicken, macht ein spitzbübiges Gesicht dabei. Hilft manchmal im Haushalt“.
Am 20. Mai 1940 wurde Karl Ströbele nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Er wurde 41 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum war der 08. Juni 1940 und ist uns durch einen Nachtrag in seinem Geburtsregister bekannt. Auch die Todesbenachrichtigung vom „Sonderstandesamt Grafeneck“ ist erhalten.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 859.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/693.
- Standesamt Reinstetten, Geburtsregister Reinstetten 1898 Nr. 40 von Karl Ströbele, mit Nachtrag des gefälschten Sterbedatums.
- Anzeiger vom Oberland: Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach. Verschiedene Ausgaben.
- Hans Angele – Häuserchronik Reinstetten 1470-1970, Seite 217, Biberacher Str. 13, Gebäude Nr. 49.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 16. November 1894
Geburtsort: Achstetten
Beruf: Stütze, Haustochter
Einrichtung: Nervenklinik Tübingen, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Karl Stützle, Bahnwärter in Saulgau und Josefa geb. Buzengeiger
Der Vater von Magdalena Stützle war Bahnwärter und lebte mit seiner Familie im Bahnhof Rißtissen. Dort wurde Magdalena Stützle 1894 als drittes von neun Kindern geboren und in Achstetten getauft. Im Jahr 1903 zog die ganze Familie auf einen Bahnwärterposten bei Langenschemmern, Gemeinde Barabein – Höfen, Magdalena Stützle war beim Umzug neun Jahre alt.
Der Vater lebte im Alter in seiner Geburtsstadt Saulgau in der Schützenstraße 16, laut Meldekarte schon seit dem 21.11.1924. Vermutlich hatte er in Saulgau die letzte Dienststelle vor der Pensionierung. Die Mutter war schon 1922 verstorben. Im Adressbuch 1939 wird Karl Stützle als Bahnwärter a. D. genannt.
Die Tochter Magdalena Stützle hat seit dem 18. Februar 1929 bei ihrem Vater gewohnt, Sie war Haustochter, hat also nicht gearbeitet. Vermutlich konnte der Vater aber auch eine Hilfe im Haushalt gebrauchen.
Magdalena Stützle war zum ersten mal in der Nervenklinik Tübingen vom 08. bis 15. Juli 1931, Ihr Wohnort war Saulgau. In der Patientenakte aus dieser Zeit sind von der Patientin biografische Angaben festgehalten:
„Pat. kommt allein und macht folgende Angaben: 3. von 8 Geschwistern. Frühere Krankheiten: mit 15 Jahren Hexenschuss. Vor einigen Jahren Rückenmarkserkältung (vermutlich Hexenschuss), Hornhautentzündung, Fussoperation links im letzten Jahr (Entfernung eines Nagels). Einige Angaben Frauenthemen. In der Schule mittel gelernt. Dann in Stellungen, seit 1912 in Zürich. Mehrmals Stellen gewechselt, weil die Arbeit zu viel gewesen sei, schliesslich 9 Jahre bei einer jüdischen Familie. Sie scheint dort gekündigt worden zu sein, hatte das aber etwas merkwürdig formuliert um die Kündigung zu umschreiben: die Familie wollte lieber ein jüdisches Mädchen haben. Danach war sie wieder zuhause, dann wieder in einigen kurzen Aushilfsanstellungen in Zürich. Schließlich wurde sie nach Hause geholt, um dem Vater nach dem Tod der Mutter den Haushalt zu führen. Beim Eintrag in der Akte vom 08.07.1931 gibt die Patientin noch an seit ca. 2 1/2 Jahren wieder zuhause zu sein um dem allein lebenden, pensionierten Vater den Haushalt zu führen (das deckt sich dann zeitlich mit der Angabe in der Meldekarte, 18. Februar 1929). Es scheint aber öfter Streit mit dem Vater gegeben zu haben. Sie wurde beim ersten Aufenthalt als arbeitsfähig nach Hause entlassen.
Am 07. September 1932 war Magdalena Stützle wieder in der Nervenklinik Tübingen. Von dort wurde Sie am 10. Oktober 1932 in die Heilanstalt Schussenried verlegt und am 15. Dezember 1932 ungeheilt nach Hause entlassen. Nach dieser Entlassung existiert in der Patientenakte noch ein Briefwechsel um eine Invalidenrente. Dabei wird auch freundlich gefragt ob sie die nötigen Marken immer geklebt habe, dann könnte der Hausarzt einen Antrag stellen.
In der Patientenakte aus Tübingen gibt es einen Schriftwechsel mit der AOK Saulgau vom 04. April 1934 zum Thema einer erneuten Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen. Die Klinik empfiehlt eine direkte Aufnahme in eine Heilanstalt, da es sich vermutlich um einen neuen Schub des bekannten Krankheitsbildes handelt. Ob eine Aufnahme zu diesem Zeitpunkt erfolgt ist bleibt unklar.
Am 03. Februar 1937 wurde Magdalena Stützle zum dritten mal in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Der Hausarzt Dr. med. Zoll aus Saulgau hat sie überwiesen. Auch dieses mal wurde sie zur Weiterbehandlung am 21. Juni 1937 in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Magdalena Stützle war bis zu Ihrer Deportation am 09. Juli 1940 ziemlich genau drei Jahre in der Heilanstalt Schussenried. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck ermordet. Sie war 45 Jahre alt.
Die gemeldeten, aber gefälschten Sterbedaten von Magdalena Stützle waren der 20. Juli 1940 in Sonnenstein/Pirna.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III 862-81.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur: UAT 669/7594 Stützle Magdalena aus Achstetten, Patientenakte.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Standesamt Achstetten, Geburtsregister 1894 Nr. 24 von Magdalena Stützle mit Nachtrag der gefälschten Todesdaten.
- Standesamt Achstetten, Familienregister Blatt 747/748 der Eltern und Geschwister von Magdalena Stützle.
- Stadtarchiv Bad Saulgau, Meldekarte für Magdalena Stützle und ihren Vater Karl Stützle.
- Adressbuch Kreis Saulgau 1939 (Online beim Verein für Computergenealogie).
Abbildungen und Bildunterschriften
T
Geboren am: 15. Januar 1939
Geburtsort: Orsenhausen
Beruf: Kind
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar
Datum der Deportation: –
Sterbedatum: 30. Dezember 1941
Todesort: Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar
Mordprogramm: „Kinder-Euthanasie“
Biografie
Eltern: Alfons Thanner, Landwirt und Holzhauer in Orsenhausen und Kreszentia geb. Bentele
Alfons Thanner wurde laut dem standesamtlichen Geburtsregister am 15. Januar 1939 um 10 Uhr 45 Minuten in Orsenhausen in der Kellerstraße 87 geboren. Der Geburtsname war Alfons Karl Thanner. Details zur Familie sind leider nicht bekannt.
Da Alfons Thanner offensichtlich ein Kind mit Einschränkungen war, musste das gemeldet werden. Die Meldepflicht für Neugeborene ist im August 1939 in Kraft getreten, aber es ist davon auszugehen, dass in Verwaltungen „nachgemeldet“ wurde: Erlass des Reichsministers des Innern betreffend Meldepflicht missgestalteter Kinder, IV b 3088/39, ein streng vertraulicher Erlass.
Das Kind Alfons Thanner wurde am 04. August 1941 mit 2 1/2 Jahren in die Heil- und Pflegeanstalt Eglfing-Haar aufgenommen. Knapp 4 Monate später ist er verstorben, das Todesdatum war der 30. Dezember 1941. Er war 2 Jahre, 11 Monate alt.
Ob das Kind vorher in einer anderen Einrichtung war ist nicht bekannt, laut der Dokumentation der Leopoldina nicht.
Der Opferstatus laut Leopoldina ist folgender (Datenbank und alle Inhalte sind in englischer Sprache):
Evaluation of Victim Status:
*Evaluation Status:“ Confirmed Victim
Status Due To: Research team evaluation
Status Notes: Killing in the context of child „euthanasia“
Das Kind Alfons Thanner wurde ein Opfer der „Kinder-Euthanasie“, nach seinem Tod wurde das Kind Obduziert und Gewebeproben wurden im „Kaiser-Wilhelm-Institut für Psychologie“ eingelagert und zu Forschungszwecken verwendet.
Quellen/Literaturangaben
- Leopoldina – Nationale Akademie der Wissenschaften – Brain Research Project (2017-2025). Fundstelle: Alfons Thanner: This profile represents the results of the Brain Research Project (2017-2025) – research group Wien / Berlin, Online: https://ns-medical-victims.org/victims/46712.
- Standesamt Orsenhausen Geburtsregister 1939 Nr. 1 von Alfons Karl Thanner, mit Nachtrag des Todes in Eglfing-Haar.
Abbildungen und Bildunterschriften
U
Geboren am: 31. März 1909
Geburtsort: Möhringen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 9. Mai 1940
Sterbedatum: 9. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Mutter: Agatha Unmuth aus Möhringen, Tochter des Bartholomäus Unmuth, Söldner in Möhringen und der Josepha geb. Hecht.
Xaver Unmuth (Franz Xaver) wird im Jahr 1909 als uneheliches Kind der Agatha Unmuth geboren. Zum Vater steht im Geburtsregister und im katholischen Familienregister der Großeltern keine Information.
Die Großeltern Bartholomäus Unmuth und Josepha Hecht bewirtschafteten das „Wachtel“-Gut, welches früher wohl ein Eigengut und kein Lehen war. Ein Onkel von Xaver Unmuth hat das Gut im Jahr 1920 übernommen. Es war Haus Nr. 5, dann Nr. 9 und heute „Am Bussenberg 13“, das Haus an dieser Stelle ist auf jeden Fall schon älter. Im Jahr 1922 und 1938 sind die Großeltern von Xaver Unmuth verstorben.
Die Mutter Agatha Unmuth heiratet im Mai 1914 nach Erisdorf, einen Josef Hermanutz. Ob Xaver Unmuth mit der Mutter nach Erisdorf ging oder bei den Großeltern in Möhringen blieb ist nicht bekannt. In der württembergischen Patientenkartei sind die Eltern falsch verzeichnet. Dort steht „Georg Unmuth und Agathe geb. Hermanutz“. Die Mutter hatte in der Ehe in Erisdorf mindestens 4 Söhne (Traueranzeige von Sohn Karl, gefallen 1942), der Ehemann Josef Hermanutz war Metzger und Landwirt.
Über das Leben von Xaver Unmuth vor der Einweisung in die Heilanstalt ist nichts weiter bekannt.
Am 15. Februar 1935 wird Xaver Unmuth in die Heilanstalt Zwiefalten eingewiesen. Sein letzter Wohnort war Göffingen bei Riedlingen, er arbeitete als Dienstknecht. Er war zuvor mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und kam deshalb in die Heilanstalt Zwiefalten. Am 9. Mai 1940 wurde Xaver Unmuth nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Er war 31 Jahre alt.
Der Pfarrer von Möhringen schreibt im Familienregister der Großeltern: „in Grafeneck im Juni 1940 durch Euthanasie verstorben u. verbrannt.“ Wann der Nachtrag gemacht wurde ist nicht bekannt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist der 18. Juni 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 883 Nr. 21.
- Möhringen katholisches Familienregister der Großeltern, Fol. 54b.
- Standesamt Möhringen Geburtsregister 1909 Nr. 2, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums in Grafeneck.
- 1200 Jahre Möhringen am Bussen, Buch von Karl Werner Steim aus dem Jahr 1990.
Abbildungen und Bildunterschriften
V
Geboren am: 25. Juli 1894
Geburtsort: Haslach (Rot an der Rot)
Beruf: Hausfrau und Näherin
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 10 Juni 1940
Sterbedatum: 10. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Karl (auch Fritz) Villing aus Tannheim
Eltern: Alois Mönig aus Haslach und Kreszentia geb. Häusle
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung (Ausgabe vom 26.01.2021):
„Kreszentia Mönig aus Haslach und Karl Villing aus Tannheim heiraten 1921 und haben 5 Kinder. 1929 stirbt Karl Villing bei einem Unglücksfall. Ein paar Jahre später erkrankt Kreszentia und wird dann in der Heilanstalt Weissenau betreut. Im Juli 1940 erhält ihr Bruder ein Schreiben aus Grafeneck, dass seine Schwester ‚plötzlich und unerwartet infolge einer Hirnhautentzündung verstorben ist‘. Die Familie akzeptiert das Angebot aus Grafeneck, die Urne nach Tannheim zu schicken, wo sie im Grab von Karl Villing beigesetzt wird. Ob sich darin aber wirklich die Asche der Kreszentia befand ist allerdings fraglich. Kreszentia wird auch auf dem Grabstein des Familiengrabes genannt.“
Kreszentia Villing war vom 20. Januar 1931 bis zur Deportation am 10. Juni 1940 in der Heilanstalt Weissenau. Die erste Aufnahme dort war am 11. November 1930, sie wurde am 20. Dezember 1930 gebessert nach Hause entlassen. Als psychische Einflüsse bei der ersten Aufnahme wurde der „Unfalltod des Mannes“ in der Patientenkartei aufgeführt.
Das Austrittsdatum 11. November 1940 ist weder in der Patientenakte aus dem Bundesarchiv noch in der württembergischen Patientenkartei genannt. Die Patientenakte ist detailliert, aber es sind keine persönlichen Dokumente wie Briefwechsel oder ähnliches vorhanden.
Am. 10 Juni 1940 wurde Kreszentia Villing nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie wurde 45 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist durch die Sterbeurkunde aus dem Standesamt Grafeneck bekannt: es ist der 2. Juli 1940.
Im November 1941 ist der Sohn von Kreszentia Villing als Soldat im 2. Weltkrieg gefallen. Die Mutter durfte nicht leben aber der Sohn sollte „dem Führer dienen“.
Erarbeitet von BR, StS und Johannes Angele
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 888.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24609.
- Bilder und Unterlagen aus dem Familienarchiv Villing.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 27.01.2021 Seite 13, „Probelauf für die Tötungsmaschinerie“ mit Kurzbiografien zu Kreszentia Villing, August Moosbrugger und Andreas Wehrle.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. April 1911
Geburtsort: Biberach
Beruf: ohne Beruf, Zögling
Einrichtung: Taubstummenanstalt St. Josef Schwäbisch Gmünd, Heilanstalt Rottenmünster, Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 1. August 1940
Sterbedatum: 1. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Lorenz Vogel, Maler in Biberach an der Riß, gefallen im 1. Weltkrieg, und Krescentia geb. Häderer.
Maria Vogel war das mittlere von fünf Kindern, das jüngste Mädchen verstarb als Säugling.
Maria Vogel war taubstumm und hatte (laut der Patientenakte) noch weitere Einschränkungen.
Sie wurde im Alter von ca. 4 Jahren in die Taubstummenanstalt St. Josef in Schwäbisch Gmünd gegeben. Dies war während des 1. Weltkriegs, ca. 1915 oder 1916, der Vater war als Soldat im Krieg. Im September 1918 verstarb der Vater im Feldlazarett an einer Kriegsverletzung.
Ob und wie die Familie mit dem Kind in Schwäbisch Gmünd in Kontakt stand, ist nicht bekannt.
Am 21. März 1930 verstarb die Mutter Kreszentia Vogel. Maria Vogel, die drei Geschwister Karl, Johanna und Paula sowie der Großvater Anton Häderer (+1941) werden in der Traueranzeige genannt.
Im Jahr 1936 entwickelte Maria Vogel eine psychische Erkrankung. Am 11. November 1936 wurde sie von Schwäbisch Gmünd kommend in der Heilanstalt Rottenmünster aufgenommen. Da dies eine private Heilanstalt war, wurde sie nach einigen Wochen, am 01. Februar 1937 in die staatliche Heilanstalt Weissenau verlegt. Kostenträger war die Stadt Biberach.
In der Patientenakte aus dem Bundesarchiv hat sich auch ein „Verzeichnis der Kleider und sonstigen Gegenstände“ der Patientin erhalten, ausgestellt am 1. August 1940, dem Tag der Deportation nach Grafeneck, dem Todestag von Maria Vogel. Mit der Bitte um Rücksendung der unterschriebenen Liste nach Weissenau.
Der Tod durch Ermordung mit Gas in Grafeneck wurde „bürokratisch sehr korrekt“ abgewickelt. Maria Vogel wurde 29 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum ist im Familienregister der Eltern nachgetragen. Es ist der 14. August 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 861 Nr. 65.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24373.
- Stadtarchiv Biberach, Geburtsregister 1911 Nr. 80 und Familienregister Band 22, Blatt 19.
- Anzeiger vom Oberland: Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach, Ausgabe vom 22.03.1930, Seite 12: Todes-Anzeige von Kreszentia Vogel.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. Februar 1904
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Kaufmann
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster, Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 5. Dezember 1940
Sterbedatum: 5. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Volz, Sattler und Tapezier in Laupheim, und Franziska geb. Hillebrand aus Augsburg.
Der Vater von Anton Volz hatte sich 1880 in Laupheim als Sattlermeister selbständig gemacht. Über die Jahre sieht man immer wieder Anzeigen seiner Firma in der Laupheimer Zeitung. Im Jahr 1882 grüßten die Eltern laut Anzeige als Verlobte, die Mutter stammte aus Augsburg.
Anton Volz war ein spätes Kind seiner Eltern, diese waren schon ca. 22 Jahre verheiratet bei seiner Geburt. Im Jahr 1920 machte Anton Volz an der Oberrealschule in Göppingen seinen Abschluss – mit Auszeichnung – das kam in der Zeitung. Sein Bruder Paul Volz hatte im Jahr1920 geheiratet, dessen Ehefrau stammte aus Göppingen. Evtl. kam dadurch die Verbindung zur Schule in Göppingen zustande.
Anton Volz wählte sodann eine kaufmännische Laufbahn. Im Jahr 1924 wurde er nach der Teilnahme an einem Stenographie-Wettbewerb mit einem 1. Preis ausgezeichnet. Auch das ist durch einen Bericht in der Zeitung bekannt, dabei wurde sein Arbeitgeber, die Firma „J. Bergmann & Co.“ genannt. Im Februar 1925 ging er beruflich nach Mailand in Italien. Von dort wurde er nach einigen Monaten wegen Überforderung nach Hause geschickt. Im gleichen Jahr 1925 wird sein Bruder Paul als Mitinhaber des Maler- und Tapeziergeschäfts des Vaters genannt. Den Anzeigen in den Zeitungen nach war das Geschäft eher ein klassisches Innenausstattungsgeschäft.
Laut Patientenakte hatte Anton Volz vier Brüder und vier Schwestern. Eine Schwester und ein Bruder litten gleichfalls an einer psychischen Erkrankung. Wegen der kranken Geschwister wurde Anton Volz als „Erbkrank“ eingestuft, das war im Jahr 1925!
Anton Volz war seit dem 04. Oktober 1925 in der Nervenklinik Tübingen. Nach mehreren Wochen Aufenthalt in Tübingen wurde Anton Volz am 25. November 1925 von dort in die Heilanstalt Rottenmünster eingewiesen. Dort blieb er bis zum Jahr 1939. Am 04. September 1939 wurde Anton Volz von Rottenmünster in die Heilanstalt Weissenau verlegt. Zitat Akte: „Wird aus Räumungs-Gründen nach Weissenau verlegt.“ Seine Mutter verstarb am 9. April 1939.
In der Akte stammt der letzte handschriftliche Eintrag vom 23. Oktober 1940 (leider durch Wasserschaden kaum lesbar). Die Heilanstalt Weissenau fungierte hier als Zwischenanstalt im Rahmen des nationalsozialistischen Mordprogrammes.
Am 05. Dezember 1940 wurde Anton Volz von Weissenau mit den Bussen der Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft m. b. H. nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 36 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 895-49.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24000.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/35225 Volz Anton, Patientenakte.
- Laupheimer Verkündiger, verschiedene Ausgaben.
Abbildungen und Bildunterschriften
W
Geboren am: 21. August 1892
Geburtsort: Tübingen (Geburtsklinik)
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Mutter: die ledige Magdalena Wagner aus Friedingen, es liegen keine Informationen zum Vater vor.
Johann Georg Wagner kam in Tübingen in der Geburtsklinik auf die Welt und wurde dort auch getauft. Wann das Kind mit der Mutter in Friedingen gelebt hatte, ist nicht bekannt, aber er ist im Familienregister der Großeltern nachgetragen. Auch im katholischen Taufregister Friedingen ist Johann Georg Wagner eingetragen. Er hatte mehrere Geschwister (bzw. Halbgeschwister).
Seit dem 09. April 1907 lebte Johann Georg Wagner in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Er war 14 Jahre alt bei der Aufnahme. Der Kostenträger war laut Opferliste Grafeneck die Landesarmenbehörde für den Donaukreis Ulm bzw. LFV Stuttgart (LFV vermutlich LandesFürsorgeVerband), d.h. es gab keine Angehörigen, welche die Kosten übernehmen konnten.
Am 01. Juli 1940 wurde Johann Georg Wagner in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Schussenried hatte dabei die Funktion einer Zwischenanstalt. Am 22. Juli wurde er von dort aus nach Grafeneck deportiert und ermordet. Er wurde 47 Jahre alt und hatte 33 Jahre seines Lebens in der Liebenau verbracht.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist nicht bekannt, weder auf den kirchlichen noch auf den standesamtlichen Dokumenten ist der Tod nachgetragen. Das Geburtsregister aus Tübingen liegt nicht vor.
Die Tante von Johann Georg Wagner, Rosina Wagner, war auch in der Liebenau und wurde 1940 gleichfalls in Grafeneck ermordet.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste A). Männer, Bl. 9) und Bl. 10), die am „1. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried versetzt“ und am 22.07.1940 deportiert wurden (73).
- Standesamt Friedingen Familienregister der Großeltern von Johann Georg Wagner, Seite 67 mit Fortsetzung auf Seite 148.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. März 1867
Geburtsort: Friedingen
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Wagner und Anna Maria geb. König aus Friedingen.
Kind: Cäcilia Wagner geb. am 22. Nov. 1887 (unehelich).
Rosina Wagner war laut Familienregister das sechste von sieben Kindern ihrer Eltern. Als Rosina Wagner elf Jahre alt war, verstarb die Mutter. Ein Jahr später heiratete der Vater wieder, weitere Kinder gab es in dieser 2. Ehe nicht.
Mit 20 Jahren hatte Rosina Wagner im Jahr 1887 eine uneheliche Tochter Cäcilia Wagner geboren. Diese Tochter Cäcilia Wagner lebte in der Pflegeanstalt Heggbach. Sie stand auch auf einer Transportliste, wurde aber zurückgestellt als „gute Arbeiterin“ und hat somit den nationalsozialistischen Terror in Heggbach überlebt. Sie verstarb 1967 im Alter von 79 Jahren.
Um das Jahr 1900 herum gab es mehrere Zeitungsberichte über Rosina Wagner wegen Betrügereien und Schwindeleien (Haftgeldschwindeleien). Sie wurde deswegen auch verurteilt. Die Strafe verbüßte sie in der Haftanstalt Gotteszell. Zeitlich könnte es einen Zusammenhang mit dem Tod des Vaters Anfang 1897 geben. Evtl. gab es dann niemanden mehr, der sich um Rosina Wagner kümmerte?
Am 10. Oktober 1910 wurde Rosina Wagner in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen. Dort verbrachte sie den Rest ihres Lebens. In der Akte aus dem Bundesarchiv wird Rosina Wagner als fleißige Arbeiterin, die im Feld hilft, beschrieben. Noch im Jahr 1938 wird das positiv vermerkt: „Beschäftigung im Felde trotz des Alters immer noch ordentlich“. Rosina Wagner war zum Zeitpunkt der Notiz schon über 70 Jahre alt.
Am 4. November 1940 wurde Rosina Wagner mit einem Transport nach „unbekannt“ verlegt. Tatsächlich wurde sie an diesem Tag nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Rosina Wagner wurde 73 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum mit gefälschtem Todesort war der 17. November 1940 in Hartheim/Oberdonau.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/9533.
- Standesamt Friedingen Familienregister der Eltern von Rosina Wagner, Seite 67 mit Fortsetzung auf Seite 148.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 13. Januar 1903
Geburtsort: Ummendorf
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Badische Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz
Datum der Deportation: 27. Juni 1940
Sterbedatum: 27. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Waibel, Söldner in Ummendorf, und Agatha geb. Heuter.
Die Mutter von Josefine Waibel, Agatha Heuter verstarb 1906. Danach heiratete der Vater Anton Waibel die Schwester der Mutter, Theresia Heuter. Josefine Waibel hatte noch eine als Baby verstorbene Schwester und aus der 2. Ehe des Vaters fünf Halb-Geschwister. Der Vater verstarb 1928. Ein Halb-Bruder Alfons Waibel ist im Jahr 1942 gefallen.
Josefine Waibel arbeitete in Konstanz als Dienstmädchen. Am 22. April 1930 kam Josefine Waibel in die Badische Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz. Am 27. Juni 1940 wurde sie nach Zwiefalten verlegt. Zwei Dokumente zur Verlegung sind erhalten, „Verlegung von Anstaltsinsassen im Rahmen besonderer planwirtschaftl. Massnahmen“. Zwiefalten war häufig eine sogenannte Zwischenanstalt auf dem Weg nach Grafeneck. Tatsächlich wurde Josefine Waibel aber direkt nach Grafeneck deportiert und am Tag der Deportation ermordet.
Josefine Waibel wurde 37 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist im Familienregister der Eltern verzeichnet, es ist der 08. Juli 1940.
Im Dezember 1940 wurde ein Weihnachtspaket für Josefine Waibel nach Konstanz in die Anstalt geschickt. Dieses wurde zurück nach Ummendorf gesendet. Eine Th. Waibel [Theresia Waibel, Stiefmutter und Tante von Josefine Waibel] hatte per Brief am 28. Dezember 1940 angefragt, wie es Josefine Waibel geht und wo sie jetzt ist. Der Antwortbrief der Anstalt wies auf die Verlegung aufgrund planwirtschaftlicher Maßnahmen hin, und es sei nicht bekannt, wo sich Josefine Waibel befinde.
Josefine Waibel war am 28. Dezember 1940 schon fast sechs Monate tot! Die Angehörigen in Ummendorf hatten das offensichtlich lange nicht gewusst.
Im Gemeindearchiv Ummendorf gibt es noch eine Akte „Einzelne Fürsorgefälle“, darin befinden sich mehrere Schreiben vor allem in Bezug auf die Verpflegungskosten für Josefine Waibel. Die Ortskrankenkasse hatte die ersten sechs Monate die Kosten getragen. Danach hatte die Anstalt bei der Gemeinde Ummendorf angefragt, ob diese die Kosten tragen würde. Die Gemeinde lehnte dies ab, da der Fürsorgeverband des letzten Aufenthaltsortes dafür zuständig sei, in diesem Fall Konstanz. Im Jahr 1935 gab es noch einen Briefwechsel, das Städt. Fürsorgeamt Konstanz versuchte bei der Schwester Agathe Waibel Geld für die Kosten zu erhalten, Begründung: „moralische Verpflichtung“.
Im Heimatbuch Ummendorf aus dem Jahr 2020 ist Josefine Waibel als Opfer des Nationalsozialismus genannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg B 822/3 Nr. 152 Waibel, Josefine.
- Gemeindearchiv Ummendorf, Akte „A X-382, Einzelne Fürsorgefälle“, mehrere Schreiben zu Josefine Waibel.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 4. Januar 1882
Geburtsort: Baustetten
Beruf: Schuhmacher
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Georg Walter aus Baustetten, und Rosina, geb. Kästle.
Ludwig Walter war das fünfte von sechs Kindern. Nur Josef und Ludwig Walter erreichten das Erwachsenenalter. Der Bruder Josef heiratete 1908 in Baustetten und verstarb 1938.
Ludwig Walter hatte den Beruf des Schuhmachers erlernt. Als solcher wurde er nach seiner Entmündigung im Jahr 1907 bei einer Anzeige zum Thema Gläubiger-Aufruf bezeichnet.
Die Lebensgeschichte von Ludwig Walter wurde im Buch von Ludwig Zimmermann „Erzählte Erinnerungen, Teil 1. Kindheit und Volksschulzeit in Baustetten“, Seite 72 beschrieben:
„Ludwig Walter wurde am 4. Januar 1882 in Baustetten geboren. Als seine Mutter Rosina, geb. Kästle (geb. am 22. Oktober 1839) bereits am 19. Februar 1886 verstarb, da war Ludwig gerade mal zwei Jahre alt. Er kam am 14. April 1907 in die Heil- und Pflegeanstalt nach Schussenried. Dort verblieb er bis zu seinem Abtransport nach Grafeneck am 18. Juni 1940, wo er dann am 29. Juni den bitteren Gang ins Gas antreten musste. Dass er mit einem der letzten Transporte aus Schussenried abgeholt wurde, lässt schließen, dass der Ermordete, während seines 33jährigen Aufenthalts in der Heil- und Pflegeanstalt durchaus nützliche Dienste leistete.“
Ludwig Walter wurde mit einem Transport von 61 Männern am 18. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert. Er wurde 58 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum ist aus der „Mitteilung eines Sterbefalls“ vom Standesamt Grafeneck an das Standesamt Baustetten bekannt. Es ist der 4.7.1940 in Grafeneck, Sterbebuch 2/29 /1940 des St.-A. Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 910-4.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Erzählte Erinnerungen, Teil 1. Kindheit und Volksschulzeit in Baustetten – Ludwig Zimmermann: hier besonders drei Fallbeschreibungen S. 71-73, mit „Mitteilung eines Sterbefalls“.
- Familienregister Baustetten Band II, Fol. 222
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 3. März 1889
Geburtsort: Biberach
Beruf: Mechaniker
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried, Heilanstalt Winnental
Datum der Deportation: 23. Juli 1940
Sterbedatum: 23. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Christian Friedrich Wandel, Werkführer und Metallweber aus Reutlingen, und Amalie Thekla geb. Hensge, dessen 2. Ehefrau.
Das Kind Oswald Martin (Rufname Oswald) Wandel war das zehnte und letzte Kind seiner Eltern. Der Vater stammte aus Reutlingen und war zwei Mal verheiratet. Er war nach der Geburt des 3. Kindes, um das Jahr 1870 nach Raguhn in Anhalt verzogen. Dort war die erste Ehefrau verstorben, die zweite Ehefrau stammte aus Dornburg bei Jena in Thüringen. In zweiter Ehe wurden 2 Kinder noch in Raguhn geboren, eine Tochter in Plauen in Sachsen im November 1885.
Danach zog die Familie nach Biberach an der Riß. Am 3. März 1889 wurde Oswald Martin Wandel in Biberach geboren. Zwei ältere Halbgeschwister sind jung verstorben.
Am 12. August 1889 zog die Familie nach „Schwaben in Bayern“, ein Ort ist nicht genannt. Das standesamtliche Familienregister wird im Juli 1914 von Biberach nach Reutlingen übergeben, dem Geburtsort des Vaters von Oswald Wandel.
Oswald Wandel lebte vermutlich mit seiner Mutter und seiner Schwester Hildegard in Erlangen. Die Schwester Hildegard Wandel hatte 1913 ein Putz- und Modewarengeschäft in der Hauptstr. 39. Die gleiche Anschrift hatte die Mutter Thekla Wandel, Privatiere.
Bei der ersten Aufnahme am 01. September 1913 in die Heilanstalt Schussenried wird nur der Vater, Friedrich Wandel, ohne weitere Angaben als Angehöriger genannt.
Vermutlich am 24. Juli 1914 wird Oswald Wandel ungeheilt in Schussenried entlassen (auf der Karteikarte steht 24.07.13 ?, was vor der Aufnahme gewesen wäre). Die zweite Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried erfolgte am 09. September 1914. Oswald Wandel blieb dann durchgehend bis zu seiner Verlegung in die Heilanstalt Winnental in Schussenried.
Ab dem 27. Juni 1930 war Oswald Wandel in der Heilanstalt Winnental, dort wird die Mutter Thekla Wandel in Erlangen, Hauptstr. 39, als Kontaktperson genannt. Im Adressbuch Erlangen stand die Mutter seit 1927 aber nicht mehr, evtl. ist die Tochter Hildegard der Haushaltsvorstand.
Am 23. Juli 1940 wurde Oswald Wandel nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 51 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist auf dem Familienregister aus Biberach nachgetragen, es ist der 03. August 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 912.
- Stadtarchiv Biberach, Geburtsregister 1889 Nr. 41 und Familienregister Band 13, Seite 189.
- Adressbuch Erlangen 1913, online bei Ancestry.
- Adressbuch Erlangen 1925 und 1927, online beim Verein für Computergenealogie e.V. (CompGen).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. März 1923
Geburtsort: Ellmannsweiler
Beruf: keiner
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: die ledige Josefa Weckenmann aus Ellmannsweiler und der ledige Gottfried Kohler aus Biberach.
Sebastian Weckenmann wurde unehelich in Ellmannsweiler in der Wohnung der verwitweten Großmutter geboren. Das Kind hatte von Geburt an eine geistige Einschränkung. Sebastian Weckenmann hatte noch mindestens zwei Geschwister, seine Mutter heiratete im Jahr 1931 nach Ehingen.
Im Alter von sechs Jahren, am 15. Juli 1929, wurde Sebastian Weckenmann im Kinderasyl Ingerkingen aufgenommen. Es wird nur die Mutter genannt. Vertreter ist das Jugendamt Biberach, ein Arzt aus Ochsenhausen hatte das ärztliche Zeugnis ausgestellt.
Auf der Karteikarte von Sebastian Weckenmann aus dem Kinderasyl Ingerkingen ist vermerkt, dass er zuvor im Kinderheim Baindt gelebt hatte.
In der Broschüre zum 100-jährigen Jubiläum des Kinderasyls Ingerkingen im Jahr 2011 wird beschrieben, dass die Kinder Anfang des 20. Jahrhunderts in der Regel mit 14 Jahren in das Mutterhaus Heggbach wechselten. Es gibt aber eine kleine Gruppe älterer „Pfleglinge“, welche in der Landwirtschaft mitarbeiteten. Es ist davon auszugehen, dass Sebastian Weckenmann zu dieser Gruppe gehörte.
Sebastian Weckenmann lebte vom 15. Juli 1929 bis zum 11. September 1940 in Ingerkingen. An diesem Tag wurde Sebastian Weckenmann nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er wurde 17 Jahre alt.
Das gefälschte Sterbedatum wurde auf dem Familienregister seiner Großeltern nachgetragen, es ist der 22. September 1940 in Grafeneck.
Im Jahr 1942 ist ein Onkel Karl von Sebastian Weckenmann gefallen, in dessen Traueranzeige wird die Großmutter und auch die Mutter von Sebastian Weckenmann genannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 339, Sebastian Weckenmann. Archiv St. Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Standesamt Laupertshausen: Geburtsregister 1923 Nr. 6, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck ohne gefälschtes Sterbedatum.
- Standesamt Laupertshausen: Familienregister Band 1, Seite 95 Laupertshausen Weckenmann (Gemeinde Maselheim).
- Wir begleiten Schritte ins Leben – Eine Chronik zu 100 Jahren Wohn- und Förderangeboten für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Ingerkingen. Herausgeber: St. Elisabeth-Stiftung. Broschüre, keine ISBN.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 17. Februar 1887
Geburtsort: Unteropfingen (Kirchdorf)
Beruf: Bauer
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 27. Mai 1940
Sterbedatum: 27. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Wehrle, Landwirt in Unteropfingen und Viktoria geb. Ritter
Andreas war das elfte von zwölf Kindern der Familie. Sieben der Kinder sind früh verstorben. Auf einem Familienfoto sind die fünf Kinder und die Eltern dargestellt, aufgenommen um 1900.
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung (Ausgabe vom 26.01.2021):
„Der 1887 geborene Andreas Wehrle aus Unteropfingen galt in der Schule als hochintelligent, wollte aber nicht auf eine höhere Schule gehen. Später erkrankte er psychisch und kam in die ‚Heil- und Pflegeanstalt‘ Weißenau bei Ravensburg. Die Familie bleib im Kontakt mit ihm. Sein Bruder Konrad sagte immer wieder, er werde den Andreas da rausholen, wenn der Krieg vorbei sei.
Am 27. Mai 1940 starb Andreas in der Gaskammer von Grafeneck. Am 11. Februar 1941 wurde eine Urne mit angeblich seiner Asche auf dem Friedhof in Kirchdorf beigesetzt. Andreas ist auf dem Stein des Familiengrabes aufgeführt.“
Andreas Wehrle wurde insgesamt 4 x in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen, der erste Aufenthalt war zwischen 28. Juli 1909 und 8. März 1911, dort wurde als geheilt entlassen. Zwei weitere Aufenthalte in der Heilanstalt in den Jahren 1925 und 1926 waren nur von kurzer Dauer. Am 01. November 1926 erfolgte die 4. Aufnahme in die Heilanstalt Weissenau. Die Patientenakte von Andreas Wehrle ist nicht erhalten, deshalb kennen wir keine Details zu der langen Zeit in der Heilanstalt.
Andreas Wehrle wurde am 27. Mai 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Er war 53 Jahre alt.
Auch auf dem Grabstein der Familie Wehrle ist das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum von Adreas Wehrle eingraviert: 11.06.1940.
Erarbeitet von Johannes Angele, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 920.
- Bilder und Unterlagen aus dem Familienarchiv Wehrle.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 27.01.2021 Seite 13, „Probelauf für die Tötungsmaschinerie“ mit Kurzbiografien zu Kreszentia Villing, August Moosbrugger und Andreas Wehrle.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 23. November 1893
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Evangelist Weiss, Landjäger stationiert in Ochsenhausen und Elisabeth geb. Pollich
August Weiss war das 8. von 12 Kindern seiner Eltern. Ein jüngerer Bruder Max ist im Alter von sieben Jahren in der Pflegeanstalt Heggbach verstorben. Der älteste Bruder ist 1915 im Alter von 29 Jahren im Kriegslazarett in Frankreich verstorben. Drei weitere Geschwister sind jung verstorben. Der Vater ist schon am 11. September 1901 verstorben, da waren die Kinder zwischen 1 bis 16 Jahre alt. Die Mutter ist am 15. August 1935 in Ochsenhausen verstorben.
Über die Kindheit und Jugend von August Weiss wissen wir nichts. Er scheint eine angeborene, geistige Einschränkung gehabt zu haben.
August Weiss war vom 05. Juni 1907 bis zu seiner Deportation am 4. November 1940 in der Liebenau. An diesem Tag wurde er nach „unbekannt“ verlegt. Tatsächlich wurde er an diesem Tag nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. August Weiss war 46 Jahre alt. 33 Jahre seines Lebens hatte er in der Liebenau gelebt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist uns aus dem Familienregister bekannt, es war der 17. November 1940 in Grafeneck.
Im Archiv Liebenau ist ein Brief der Schwester Maria Weiss erhalten (datiert Januar 1941). In diesem Brief das Zitat „Die Asche wurde mir auch angeboten. Ich möchte ja keinen Eid verlangen dass ich die richtige bekomme.“
Die Menschen scheinen nicht geglaubt zu haben die „richtige“ Asche zu bekommen.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Familienregister Ochsenhausen Band II, Blatt 298, Nachtrag gefälschtes Sterbedatum von Kind August.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Dezember 1896
Geburtsort: Langenenslingen
Beruf: Fabrikarbeiterin / Feldarbeiterin
Einrichtung: Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen
Datum der Deportation: 12. Dezember 1940
Sterbedatum: 12. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Vinzenz Weiß, Landwirt in Langenenslingen, und Maria geb. Bühler.
Die Familie hatte sechs Kinder, einen Sohn und fünf Töchter. Der Bruder Franz (Franziskus) hatte 1917 im Rang eines Sergeant die „Silberne Hohenzollernsche Verdienstmedaille mit Schwertern“ erhalten. Drei der Schwestern von Mathilde Weiß waren in Langenenslingen verheiratet, die älteste Schwester in Hitzkofen. Die Eltern von Mathilde Weiß verstarben in den Jahren 1916 und 1919.
Mathilde Weiß arbeitete als Feldarbeiterin/Fabrikarbeiterin, war nicht verheiratet, und der Wohnsitz bei der Aufnahme war Langenenslingen.
Sie wurde am 04. März 1922 in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Mathilde Weiß kam hochschwanger aus der Frauenklinik Tübingen mit der Bitte um Überwachung in einer geschlossenen Abteilung. Sie leugnete die Schwangerschaft, machte keine Angaben zum Vater. Sie drängte auf Entlassung. Am 26. März 1922 gebar sie das Kind in der Frauenklinik. Mathilde Weiß wurde am 27. März 1922 direkt wieder in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Das Wochenbett verlief ohne Komplikationen.
Von Tübingen wurde sie am 04. Mai 1922 in das Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen (Karl Leopold Spital) versetzt. Dort lebte sie bis zu ihrer Deportation im Jahr 1940. Mathilde Weiß wurde mit dem Transport vom 12. Dezember 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie wurde 43 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Todesdatum war der 18. Dezember 1940 und ist ohne Ortsangabe im katholischen Familienregister der Eltern nachgetragen.
Vor dem ehemaligen Krankenhaus in Sigmaringen wurde ein Gedenkstein aufgestellt. Der Landkreis Sigmaringen hat auch eine Online-Gedenkseite für die Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen. Die Opfer werden auf dieser Seite namentlich aufgeführt.
Der Transport vom 12. Dezember 1940 war der zweitletzte Transport nach Grafeneck, der letzte Transport war am 13. Dezember von Mariaberg nach Grafeneck. Danach wurde die Tötungsanstalt Grafeneck geschlossen. Aber das Morden wurde in anderen Tötungsanstalten fortgesetzt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 929.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/1936 Weiß Mathilde aus Langenenslingen, Patientenakte.
- Aufnahme- und Entlassbuch der Psychiatrie-Abteilung des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen 1940-1942 (Kreisarchiv Sigmaringen XIV 1993/4 Nr.26 / Nr.27 / Nr.28).
- Gedenkstein für Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen (Gedenkseite beim Landkreis Sigmaringen).
- Katholisches Familienregister Langenenslingen Fol. 529. Kind Nr. 5 mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 6. November 1896
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Fabrikarbeiterin / Dienstmädchen
Einrichtung: Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen
Datum der Deportation: 12. Dezember 1940
Sterbedatum: 12. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: August Welser, Drechsler in Laupheim, und Ottilie geb. Balluff, Stiefmutter Rosa Weber.
Die Eltern von Fanny (Franziska) Welser zogen um das Jahr 1881 von Oberdischingen nach Laupheim. Fanny Welser war das jüngste von sechzehn Kindern ihres Vaters. Die Mutter verstarb im Jahr 1901, Fanny Welser war erst fünf Jahre alt. Der Vater heiratete im Jahr 1906 erneut. Ein schon verheirateter Bruder ist 1917 im 1. Weltkrieg gefallen, ein anderer Bruder kam krank aus dem Krieg zurück und verstarb 1921 in der Heilanstalt Schussenried.
Fanny Welser war vom 27. Mai 1918 bis zum 01. August 1918 in der Heilanstalt Rottenmünster. Dies war dort anscheinend die 2. Aufnahme, Details zur 1. Aufnahme sind nicht bekannt. Bei der Entlassung ist ‚geheilt‘ angekreuzt. Zu diesem Zeitpunkt war ihr Wohnsitz Laupheim, der Beruf Dienstmädchen.
Einige Jahre später, vom 04. April 1925 bis 16. Juli 1925 war Fanny Welser in der Nervenklinik Tübingen. Sie war jetzt 28 Jahre alt und ihr Wohnsitz war Hechingen, sie hatte als Fabrikarbeiterin in einer Trikotfabrik ihren Lebensunterhalt verdient. In der Patientenakte aus Tübingen sind viele Informationen zu ihrem Leben und zu ihrer Krankheit vorhanden. Ein Teil der Angaben stammt von ihr selbst, ein Teil von der Oberschwester des Mädchenheims in Hechingen. Dort hatte Fanny gewohnt, als sie in der Fabrik arbeitete.
Die wichtigsten biografischen Informationen:
Fanny Welser war nach dem Tod der Mutter im Jahr 1901 im Kinderheim Schönebürg.
Nach Abschluss der Volksschule war sie in der Haushaltungsschule, von dort aus musste sie einige Zeit nach Rottenmünster in die Anstalt.
Nach der Schule war sie bei verschiedenen Stellen im Dienst, sie hatte es nirgends lange ausgehalten.
In den Jahren 1919-1920 lebte sie im Mädchenheim und arbeitete in Hechingen in der Trikotagenfabrik als „Spulerin“. In der Trikotagenfabrik war man mit ihrer Arbeit zufrieden. Sie sei auch besonders fromm gewesen.
Von 1920-1924 war sie wieder in Dienst, immer bei „Herrschaften“. Sie ist dadurch weit herumgekommen, war in München und auch mal in Italien. Nach eigener Aussage könne sie nirgends lange bleiben, werde unruhig.
Im Mai 1924 kam sie wieder nach Hechingen, hatte wieder in der Fabrik gearbeitet und im Mädchenheim gewohnt.
Im März 1925 hat sie sich selber krank gemeldet, war zuerst im Spital und wurde von dort am 04. April 1925 in die Nervenklinik Tübingen zur Untersuchung überwiesen.
In der Patientenakte gibt es drei Briefe von Fanny Welser an den Vater, den Bruder und Hochwürden. Ob diese Briefe Kopien sind oder die Adressaten nicht erreicht haben, ist nicht bekannt. Sie bittet dringlich, sie aus der Klinik herauszuholen, es gefalle ihr da nicht.
Von der Nervenklinik Tübingen aus wurde sie am 16. Juli 1925 in das Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen (Landesspital Sigmaringen) versetzt. Dort lebte sie bis zu ihrer Deportation im Jahr 1940. Fanny Welser wurde mit dem Transport vom 12. Dezember 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie wurde 44 Jahre alt.
Vor dem ehemaligen Krankenhaus in Sigmaringen wurde ein Gedenkstein aufgestellt. Der Landkreis Sigmaringen hat auch eine Online-Gedenkseite für die Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen. Die Opfer werden auf dieser Seite namentlich aufgeführt.
Der Transport vom 12. Dezember 1940 war der zweitletzte Transport nach Grafeneck, der letzte Transport war am 13. Dezember von Mariaberg nach Grafeneck. Danach wurde die Tötungsanstalt Grafeneck geschlossen. Aber das Morden wurde in anderen Tötungsanstalten fortgesetzt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 933.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/3029 Fanny Welser, Patientenakte mit Foto.
- Aufnahme- und Entlassbuch der Psychiatrie-Abteilung des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen 1940-1942 (Kreisarchiv Sigmaringen XIV – 1993/4 Nr. 26).
- Gedenkstein für Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen (Gedenkseite beim Landkreis Sigmaringen).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 10. September 1909
Geburtsort: Reichenbach
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 13. August 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Augustin Welte, Zimmermann in Reichenbach (bei Schussenried), und Elisabeth geb. Reuser.
Die Familie hatte laut Familienregister zwölf Kinder. Die Geschwister Franziska (*1909, Kind Nr. 7) und Johann Georg Welte (*1913, Kind Nr. 10) waren ab dem 07. Dezember 1935 in der „Pfleg- und Bewahranstalt Liebenau“. Die Mutter verstarb im Jahr 1921. Zwei Brüder (Josef und Julius) sind im 2. Weltkrieg gefallen.
Der letzte Eintrag in der Patientenakte von Franziska Welte (aus dem Bundesarchiv) ist vom 09. August 1940: „Psychischer Zustand unverändert. Körperlicher Zustand gut“. Sie hatte von Geburt an eine geistige Einschränkung.
Franziska Welte wurde am 13. August 1940 in die Heilanstalt Zwiefalten verlegt. Zwiefalten diente als Zwischenanstalt, um einen „reibungslosen“ Transport der Opfer nach Grafeneck zu gewährleisten. Am 30. August wurde sie nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie wurde 30 Jahre alt. Ihr Bruder Johann Georg wurde gleichfalls im Sommer 1940 deportiert und ermordet.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort ist uns aus dem katholischen Familienregister bekannt. Es war der 19. September 1940 in Hartheim/Oberdonau.
Am 12. Dezember 1945 (sieben Monate nach Kriegsende) kam in der Schwäbischen Zeitung die Todesnachricht zu einem Bruder, der am letzten Tag des Krieges in Berlin gefallen ist. In diesem Bericht steht auch explizit „Zwei seiner Geschwister waren im Jahr 1940 in der Heilanstalt umgebracht worden.“. Stand Dezember 1945 hatte der Vater vier Kinder verloren (2 waren gefallen, 2 wurden ermordet), ein Sohn war vermisst, vom ältesten Sohn wusste man gar nichts.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29168 (Franziska Welte) mit Familienregisterauszug.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Katholisches Familienregister Pfarrei Reichenbach, Seite 95 und 95b.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. Dezember 1913
Geburtsort: Reichenbach
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Augustin Welte, Zimmermann in Reichenbach (bei Schussenried), und Elisabeth geb. Reuser.
Die Familie hatte laut Familienregister zwölf Kinder. Die Geschwister Franziska (*1909, Kind Nr. 7) und Johann Georg Welte (*1913, Kind Nr. 10) waren ab dem 07. Dezember 1935 in der „Pfleg- und Bewahranstalt Liebenau“. Die Mutter verstarb im Jahr 1921. Zwei Brüder (Josef und Julius) sind im 2. Weltkrieg gefallen.
Johann Georg Welte wurde am gleichen Tag wie seine Schwester in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen, am 07. Dezember 1935.
Johann Georg Welte wurde am 01. Juli 1940 von der Liebenau in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Schussenried agierte als Zwischenanstalt bei den Patientenverlegungen im Zuge der „Aktion T4“. Am 22. Juli 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Johann Georg Welte wurde 26 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort ist uns aus dem katholischen Familienregister bekannt. Es war der 05. August 1940 in Sonnenstein/Pirna.
Seine Schwester Franziska Welte wurde gleichfalls im Sommer 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Am 12. Dezember 1945 (sieben Monate nach Kriegsende) kam in der Schwäbischen Zeitung die Todesnachricht zu einem Bruder, der am letzten Tag des Krieges in Berlin gefallen war. In diesem Bericht steht auch explizit „Zwei seiner Geschwister waren im Jahr 1940 in der Heilanstalt umgebracht worden.“. Stand Dezember 1945 hatte der Vater vier Kinder verloren (2 waren gefallen, 2 wurden ermordet), ein Sohn war vermisst, vom ältesten Sohn wusste man gar nichts.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29168 (Franziska Welte) mit Familienregisterauszug.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Katholisches Familienregister Pfarrei Reichenbach, Seite 95 und 95b.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. November 1907
Geburtsort: Josenhof (Eberhardzell)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Wiedenmann Franz Xaver, Bauer auf dem Josenhof bei Eberhardzell, und Anna Maria geb. Brax.
Wilhelm war das älteste Kind seiner Eltern. Seine Mutter verstarb, als er drei Jahre alt war. In der 2. Ehe seines Vaters wurden weitere sieben Kinder geboren. Vier Kinder der Familie waren jung verstorben, drei Söhne sind gefallen oder durch im Krieg erworbene Krankheit verstorben. Ein Bruder blieb ledig, die Schwester Kreszenz, verheiratete Denzel, übernahm dann den elterlichen Hof.
Wilhelm Wiedenmann war seit dem 30. Juni 1938 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Von dort wurde er am 01. Juli 1940 in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Schussenried agierte als Zwischenanstalt bei den Patientenverlegungen im Zuge der „Aktion T4“. Am 22. Juli 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Wilhelm Wiedenmann wurde 32 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum war der 04. August 1940.
Johannes Angele in einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung:
„Dass Wilhelm Wiedenmann vom Josenhof bei Eberhardzell auch in Grafeneck in der Gaskammer starb, ist in der Familie Wiedenmann/Denzel durchaus bekannt. Nach Erhalt der Todesnachricht aus Grafeneck schrieb die Mutter an die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau ‚…Angegeben wurde Grippe mit Hirnhautentzündung. Der Tod sei für ihn eine Erlösung gewesen. Die Leiche wurde verbrannt. Die Asche wollen wir nicht holen. Die Leiche hätten wir geholt….‘. An den Formulierungen ist zu erkennen, dass die Mutter diesen Aussagen nicht geglaubt hatte, aber vorsichtig formulieren wollte, um nicht mit dem Regime Schwierigkeiten zu bekommen. Pfarrer Häring schrieb zu Wilhelm Wiedenmanns Tod in seiner nichtöffentlichen Pfarrchronik: ‚Ein Opfer des ‚Nationalsozialismus‘.“
Erarbeitet von BR, StS und + Johannes Angele
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste A). Männer, Bl. 9) und Bl. 10), die am „1. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried versetzt“ und am 22.07.1940 deportiert wurden (73).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Familienarchiv Wiedemann Eberhardzell – Familienbild.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 19.02.2021, Seite 14, über Wilhelm Wiedenmann und Benedikt Kramer: „Zwei weitere Opfer erhalten ein Gesicht“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. August 1897
Geburtsort: Ellmannsweiler
Beruf: ohne
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach, Heilanstalt Weissenau, Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Wiedmann, Käser in Ellmannsweiler, und Viktoria geb. Batzenschlager.
Anna Wiedmann war das neunte von zehn Kindern ihrer Eltern, sie war ein Zwillingskind. Der Zwillingsbruder Joseph starb noch am Tag der Geburt. Drei weitere Kinder, darunter nochmals Zwillinge, starben gleichfalls kurz nach ihrer Geburt. Der Vater und betrieb in Ellmannsweiler eine Spezereiwarenhandlung und Käserei. Auf einer im Heimatbuch Maselheim abgebildeten Postkarte gibt es ein Foto des Hauses, der Heimat von Anna Wiedmann.
Am 26. Februar 1904 verstarb die Mutter. Anna Wiedmann als jüngstes Kind war zu dem Zeitpunkt sechs Jahre alt. Der Vater hatte nicht mehr geheiratet.
Im Jahr 1916 verkaufte der Vater die Käserei in Ellmannsweiler und erwarb in Dietenwengen eine andere Käserei, die Familie zog nach Dietenwengen. Die Schwester Kreszentia Wiedmann und deren Ehemann Josef Schlay übernahmen 1923 nach dem Tod des Vaters die Käserei.
Laut württembergischer Patientenkartei war Anna Wiedmann ca. 17 Jahre alt, als sie erkrankte. Seit 1926 war sie in der Pflegeanstalt Heggbach. Am 08. September 1932 wurde sie in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen. Nach knapp 4 Jahren in der Heilanstalt Weissenau wurde sie am 06. August 1936 gebessert in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt. Sie arbeitete fleißig mit und wird als „in letzter Zeit ruhiger, geordnet und reinlich“ beschrieben.
Im Bundesarchiv hat sich die Akte aus der Liebenau erhalten. Es gibt darin ein ärztliches Attest aus dem Jahr 1936, zwei Seiten Patientenakte (letzter Eintrag vom 26. Juli 1940), einen Geburtsschein, ausgestellt im Jahr 1932 und mehrere Seiten mit Tabellen.
Am 02. Oktober 1940 wurde Anna Wiedmann aus der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurde sie nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Anna Wiedmann wurde 43 Jahre alt.
Die Urne von Anna Wiedmann wurde auf dem Hauptfriedhof Ulm bestattet. Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum dort ist der 17. Oktober 1940 in Hartheim/Linz (dort fälschlicherweise „Hortheim“ geschreiben).
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 943.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29185.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2378 ff: Wiedmann, Anna, Grablage U 21 – 56. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Buch „Maselheim und Ortsteile im Wandel der Zeit“, Seite 56, Abbildung einer Postkarte von Ellmannsweiler.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. Dezember 1890
Geburtsort: Untersulmetingen
Beruf: Käser
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Mathias Wörz, Söldner in Untersulmetingen, und Maria Anna geb. Pfender.
Johannes Wörz hatte Käser gelernt, dieser Beruf wird in seinen Akten angegeben. Er hatte einen Onkel mit einer Käserei in Obersulmetingen, auch ein Johannes Wörz (oder Werz), evtl. hatte er dort seinen Beruf erlernt.
Johannes Wörz war Soldat im 1. Weltkrieg. Am 01. Dezember 1914 wurde er zum Depot des bayrischen Ersatz-Landwehr-Infanterie-Regiments 3 eingezogen. In seiner Kriegsstammrolle war der letzte Wohnort Weißenhorn (bei Neu-Ulm), der Beruf Käser. Am 21. Januar 1915 wurde er aus dem Depot an die 4. Kompagnie überwiesen und am 08. Februar 1915 rückte er mit dem Bayrischen Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 3 ins Feld aus. In den Deutschen Verlustlisten wird er im Juli 1915 als vermisst gemeldet, im März 1916 erfolgte eine Korrekturmeldung, Johannes Wörz war in Gefangenschaft.
Sein letzter Wohnort vor der Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried war Untersulmetingen im Oberamt Biberach. Möglicherweise hatte er wieder bei seiner Familie gewohnt.
Am 26. Mai 1936 wurde Johannes Wörz in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen, er war zuvor in der Pflegeanstalt Heggbach. In den Württembergischen Patientenblättern wird eine Kopfverletzung nach einem Sturz mit dem Fahrrad erwähnt im Jahr 1934, und ein paar Monate später kam es zu „Anfällen“.
Johannes Wörz war in Schussenried bis zu seiner Deportation nach Grafeneck am 18. Juni 1940. An diesem Tag wurde er mit Gas ermordet. Er wurde 49 Jahre alt.
Das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum liegt uns aktuell nicht vor.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 958.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Ehrentafel 1914-1918 der Gemeinde Untersulmetingen für die Soldaten der Gemeinde. (Archiv Buch OBERSCHWABEN im ersten Weltkrieg).
- Kriegsstammrollen aus bayrischen Verbänden, online verfügbar bei Ancestry.de.
Abbildungen und Bildunterschriften
Z
Geboren am: 23. August 1880
Geburtsort: Ingerkingen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Mathäus Zell, Käsereibesitzer in Ingerkingen, und Franziska geb. Ried.
Der Taufname von Johannes Zell war Johann Baptist. Johannes Zell war das jüngste und elfte Kind seiner Eltern. Fünf der Kinder starben jung, die Mutter starb im Jahr 1907 und der Vater im Jahr 1917.
Beim Tod der Schwester Marie verh. Scheuringer am 18. April 1917 sind in der Todesanzeige die Brüder aufgeführt. Und dort steht: Johann Zell, z.Zt. in Garnison, d.h. Johannes Zell war wie seine Brüder Soldat im 1. Weltkrieg. Auf der Gedenktafel aus Ingerkingen für die Teilnehmer am 1. Weltkrieg ist er aber nicht aufgeführt.
Johannes Zell wurde am 22. Mai 1925 im Alter von 44 Jahren in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen, auf Ansuchen der Angehörigen. Den Rest seines Lebens war er in Schussenried. Am 23. August 1940 wurde er in einem Transport von 34 Männern deportiert und in Grafeneck ermordet. Es war der Tag seines 60. Geburtstages.
Im Tauf- und Familienregister ist das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum eingetragen: 9.9.1940 in der Anstalt Sonnenstein über Pirna/Elbe.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 971.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (34).
- Pfarrei Ingerkingen Tauf- und Familienregister mit dem nachgetragenen gefälschten Sterbedatum.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. Februar 1906
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: Taglöhner
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 7. Mai 1945
Todesort: Heilanstalt Zwiefalten
Mordprogramm: Dezentrale „Euthanasie“ (?)
Biografie
Eltern: Franz Xaver Zoll, Taglöhner, und Antonie geb. Maier, aus Altheim.
Andreas Zoll war das neunte Kind in der Familie, er hatte zehn Geschwister, vier Brüder und sechs Schwestern. Hier lebte er wohl ohne regelmäßige Arbeit bis zu seiner Aufnahme in die Heilanstalt Zwiefalten.
Wegen heftiger Angstzustände hatte ihn der Altheimer Bürgermeister mit einem Polizeidiener am 15. Februar 1935 nach Zwiefalten gebracht. Am 20. Dezember 1936 wurde er „beurlaubt“, am 23. Dezember gleich wieder aufgenommen. Er arbeitete anfangs gelegentlich in der Gärtnerei, aber wegen der Zunahme seiner Angst- und Erregungszustände verließ er immer weniger sein Krankenzimmer.
Um die Voraussetzung für die Beurlaubung am 20. Dezember 1936 zu schaffen, hatte die Zwiefalter Anstaltsleitung am 31. Oktober 1936 beim Staatlichen Gesundheitsamt für die Kreise Riedlingen und Ehingen den Antrag auf Unfruchtbarmachung gestellt. Aus der Krankengeschichte geht aber nicht hervor, wann sie erfolgte.
Am 20. September 1940 wurde Andreas Zoll auf einer Liste der Direktorin Martha Fauser zur Deportation nach Grafeneck vorgeschlagen, aber offensichtlich zurückgestellt, und er überlebte die Zeit der Transporte nach Grafeneck.
Andreas Zoll starb am 7. Mai 1945 an „Lungentuberkulose“, wie in der Patientenakte vermerkt wurde. Er wurde 39 Jahre alt und auf dem Zwiefalter Anstaltsfriedhof bestattet.
Heute lässt sich nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, ob er seinem langen und schweren Leiden erlag, ein Opfer der kriegsbedingten Unterversorgung war oder auf Anweisung der damaligen Ärztlichen Direktorin Martha Fauser durch die Überdosierung von Medikamenten ermordet wurde.
Erarbeitet von BR
Quellen/Literaturangaben
- Hauptbücher Zwiefalten, Hauptbuch Männer, Nr. 3154 u. 3322. Archiv ZfP Zwiefalten
- Sammlung Patientenakten der nach 1900 geborenen Zwiefalter Patienten. Archiv ZfP Zwiefalten
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 982
- Zu den Krankenmorden in Zwiefalten siehe Rüdenburg, Bodo: Die „Aktion T4“ in Zwiefalten, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 37-46.
- Zur Zwiefalter Anstaltsdirektorin Martha Fauser siehe Breucker, Dorothee: Dr. Martha Fauser, eine Ärztin im Nationalsozialismus, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 115-127.
Abbildungen und Bildunterschriften
