Den Opfern ihre Namen und ihre Persönlichkeit zurückgeben
Mit der Veröffentlichung ist die Erwartung verbunden, dass Angehörige sich über das NS-„Euthanasie“-Opfer aus den eigenen Familien informieren können – und vielleicht mit Ergänzungen beitragen, deren Lebens- und Leidensweg zu dokumentieren.
Für viele Opfer existieren nur die Lebensdaten und noch keine Kurzbiografie. Aktuell [Stand 28.06.2026] sind 191 Namen gelistet, davon sind 100 Biografien verfügbar (verfügbare Biografien sind am Todesort Grafeneck oder Hadamar zu erkennen. Rückkehrer sind Opfer welche auf einer Transportliste waren oder auch schon in Grafeneck und aus unbekannten Gründen wieder „zurück kamen“, die Aktion T4 überlebten). Weitere Biografien sind in Arbeit und werden nach und nach erweitert. Sollte für ein Opfer noch keine Biografie vorhanden sein, wenden Sie sich trotzdem gerne an die Arbeitsgruppe, wir haben viele Unterlagen verfügbar und können relativ sicher eine Auskunft geben.
Opferliste Landkreis Biberach
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A
Geboren am: 1. Mai 1897
Geburtsort: Ingoldingen
Beruf: Schreinergeselle
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Vinzenz Aich und Kreszenz geb. Zinsmeister in Ingoldingen.
Eugen Aich war der Sohn des Bierbrauers und Zieglers Vinzenz Aich, gebürtig aus Baustetten, und verheiratet mit der aus Ingoldingen stammenden Kreszenz Zinsmeister. Das Paar hatte vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne. Alle drei Söhne wurden 1914 zum Kriegsdienst eingezogen. Ein Sohn kehrte aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurück, er fiel am 18. Oktober 1915.
Eugen Aich meldete sich gleich zu Kriegsbeginn am 1. August 1914 als 17-Jähriger freiwillig und kam in das Bayerische Infanterieregiment Nr. 20, das in Lindau und Kempten stationiert war. Am 22. September 1916 wurde er leicht verwundet. Nach dem Waffenstillstand von 1918 kehrte er, weitgehend körperlich unversehrt, in sein Elternhaus zurück, wie auch sein älterer Bruder Josef Anton.
Eugen Aich wurde 1925 mit 28 Jahren das erste Mal in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried eingewiesen, die er ein Jahr darauf wieder verlassen konnte. Am 29. März 1927 erfolgte die zweite Einweisung.
Obwohl dem gelernten Schreinergesellen von der Anstaltsleitung eine Arbeitsfähigkeit von 70 Prozent bescheinigt wird, wurde er am 14. Juni 1940 mit 43 Jahren nach Grafeneck deportiert und ermordet. Auf der Verlegungsliste wurde angegeben, dass die Angehörigen „unbekannt“ seien, und als amtliches Todesdatum wurde der „4. Juli 1940“ vermerkt.
Schicksal erforscht von Karin Schöntag und veröffentlicht in ‚Der Winterstetter‘ im Januar 2019.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 5 Nr. 36.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 14.06.1940 mit dem Namen von Eugen Aich an erster Stelle der Namensnennungen. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 1).
- Familienregister Ingoldingen Band 2, Fol. 4, katholisch.
- Schöntag, Karin: Den Opfern einen Namen geben, Euthanasie im Nationalsozialismus, in: Der Winterstetter (2019), Heft Januar, S. 2-4. Auszug aus „Der Winterstetter“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. April 1885
Geburtsort: Orsenhausen
Beruf: Dienstmagd / Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Mathias Angele, Söldner in Orsenhausen, und Kreszenz, geb. Kuhn.
Die Mutter Kreszenz Angele ist wenige Tage nach der Geburt von Maria Magdalena Angele am 9. April 1885 verstorben. Der Vater hat im Jahr darauf wieder geheiratet. In der ersten Ehe hatte das Ehepaar fünf Kinder, von denen im August und September 1891 ein Junge und ein Mädchen gestorben sind. In der zweiten Ehe hatte Matthias Angele mit seiner neuen Ehefrau dann nochmals mindestens sechs Kinder.
Fünf Jahre nach der zweiten Heirat des Vaters, im Jahr 1891, ist die Familie von Orsenhausen in das nahegelegene Hörenhausen bei Schwendi gezogen. Maria Magdalena Angele war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt und hatte noch drei ältere Geschwister, zwei Brüder und eine Schwester.
Bei der ersten Aufnahme in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried am 31. August 1908 wurde als Wohnort von Maria Magdalena Angele Ulm und der Beruf mit Dienstmagd angegeben. Von Schussenried wurde sie am 20. September 1925 in die bayrische Heil- und Pflegeanstalt Irsee bei Kaufbeuren verlegt. Am 9. September 1929 wurde sie zum zweiten Mal auf Ansuchen der Angehörigen in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen.
Am 7. Juni 1940 wurde Maria Magdalena Angele nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie war 55 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen. Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 12 Nr. 30.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Geburtsregister Standesamt Orsenhausen 1885 Nr. 3, Randvermerk mit gefälschtem Sterbedatum in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 24. Mai 1875
Geburtsort: Andelfingen
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 02. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Mutter: Johanna App aus Andelfingen, Vater unbekannt.
Johanna Apps Großvater Michael App stammte aus Ertingen und war in Andelfingen mit Maria Ursula Springer verheiratet. Er war Schuhmachermeister. Die Familie hatte zehn Kinder, Johanna Apps Mutter (*1838) war das älteste Kind. Der Großvater ist 1870, die Großmutter 1880 verstorben.
Johanna App war ein uneheliches Kind, ohne Angaben zum Vater. Sie hatte zwei ältere, ebenfalls uneheliche Halbgeschwister, jeweils von verschiedenen Vätern. Eines davon war als Baby verstorben. Die Mutter von Johanna App, auch eine Johanna App, ist 1909 in der Schweiz verstorben, vermutlich hatte sie bei ihrer älteren Halbschwester Paulina Woehrle in St. Gallen gelebt.
Johanna App kam am 9. November 1926 in die Heil- u. Pflegeanstalt Liebenau, sie war Anfang 50. Was sie beruflich gemacht und wo sie vorher gelebt hatte ist nicht bekannt.
Am 2. Juli 1940 wurde sie in die Zwischenanstalt Schussenried verlegt. Von dort wurde sie am 29. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet. Sie war 65 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen. Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 2. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried verlegt“ und am 29.07.1940 deportiert wurden.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 2. März 1887
Geburtsort: Eberhardzell
Beruf: Näherin, Hausfrau
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Johann Georg Aßfalg, Lokomotivheizer, später Reservelokomotivführer in Aulendorf, aus Grundsheim bei Ehingen stammend.
Eltern: Leonhard Rothmann, Taglöhner in Eberhardzell und Ottilia geb. Sproll.
Ida Aßfalgs Mutter Ottilia Sproll verh. Rothmann war eine Cousine von Bischof Johannes Baptista Sproll, der wie Ottilia Sproll in Schweinhausen geboren wurde. Auch Bischof Johannes Baptista Sproll war ein Opfer der Nationalsozialisten, er wurde 1938 aus seiner Diözese verwiesen und konnte erst 1945 zurückkehren.
Der Vater von Ida Aßfalg, Leonhard Rothmann, war dreimal verheiratet, die Mutter Ottilia Sproll war die dritte Ehefrau. Ida Aßfalg hatte vier ältere Halbgeschwister und drei Vollgeschwister. Vier der Geschwister sind jung verstorben.
Am 11. August 1914 hat Ida Aßfalg geb. Rothmann den Lokomotivheizer Johann Georg Aßfalg aus Aulendorf geheiratet. Der Beruf von Ida Aßfalg bei der Heirat war Näherin.
Im Mai 1927 hat Ida Aßfalg eine Tochter Elisabeth geboren. Das Kind ist am gleichen Tag verstorben. Von 07. Januar 1928 an war Ida Aßfalg bis zum 04. April 1928 in der Heilanstalt Weissenau. Sie wurde gebessert entlassen. Am 10. Oktober 1929 kam sie wieder in die Heilanstalt Weissenau. Laut den Akten aus der württ. Patientenkartei hatte sie vier Kinder, drei davon waren am Leben bei Ihrer Einweisung. Am 02. April 1931 wurde Ida Aßfalg in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt. Sie war bis zu Ihrer Deportation am 2. Oktober 1940 dort. An diesem Tag wurde Sie von Liebenau mit einem roten Postbus der „Gemeinnützingen Kranken-Transport GmbH“ nach Grafeneck deportiert. Dort wurde Sie am gleichen Tag mit Gas ermordet. Ida Aßfalg geb. Rothmann war 53 Jahre alt.
Im Archiv der heutigen Stiftung Liebenau befindet sich ein Brief Ihrer Familie, der nach der Todesnachricht aus Grafeneck dorthin geschrieben wurde. Es geht um die persönlichen Sachen der Mutter. Die Tochter Paula würde kommen und die Sachen abholen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
– Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
– Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 16 Nr. 48.
– Standesamtsnachrichten in Verbo Schussen-Bote : Oberschw. Morgenblatt, Ausgabe vom 9. Juni 1927, Seite 8.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 26. Oktober 1891
Geburtsort: Tiefenbach
Beruf: Bauer
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Agathe, geb. Gaiser aus Hagenbuch.
Eltern: Franz Xaver Aßfalg, Bierwirth in Tiefenbach am Federsee, und Rosina, geb. Schäzle.
Karl Aßfalg war das zwölfte von dreizehn Kindern. Von diesen Kindern sind fünf jung verstorben. Zwei Geschwister sind nach Amerika ausgewandert. Die anderen Geschwister waren in Tiefenbach, Konstanz und St. Gallen verheiratet.
Karl Aßfalg war Teilnehmer im 1. Weltkrieg. Er wird einmal in den Deutschen Verlustlisten verzeichnet. Auf der Ehrentafel der Gemeinde Tiefenbach (Federsee) ist er nicht aufgeführt.
Im November 1933 hat Karl Aßfalg Agathe Gaiser aus Hagenbuch bei Biberach geheiratet. In Hagenbuch hat das Ehepaar dann gelebt und in der Landwirtschaft gearbeitet.
Karl Aßfalg wurde am 17. Juli 1935 in der Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen und am 23. August 1935 als gebessert nach Hause entlassen. Er war zuvor wohl schon zwei Jahre krank gewesen. Am 10. April 1937 wurde er zum zweiten Mal in Schussenried aufgenommen und am 14. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und noch am gleichen Tag ermordet. Er war 48 Jahre alt.
Für Karl Aßfalg erschien am 15. Juni 1940 eine Traueranzeige in der Vereinigten Bodenseezeitung (Verbo, Biberach), in der auf einen Trauergottesdienst in der Biberacher Stadtpfarrkirche verwiesen wurde. Die Ehefrau hatte die Urne angefordert, die dann in „aller Stille“ auf dem Katholischen Friedhof beigesetzt worden war.
Bemerkenswert ist der mutige Eintrag des Tiefenbacher Pfarrers: Im Nachtrag über den Tod von Karl Aßfalg notierte er im Familienregister „1941 Grafeneck verbrannt!!!“.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 16 Nr. 47.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 4: Aßfalg Karl.
- Traueranzeige der Ehefrau Agathe und den Angehörigen vom 15. Juni 1940. (Vereinigten Bodenseezeitung (Verbo, Biberach) vom 15. Juni 1940, S. 8)
- Kath. Familienregister Tiefenbach Band 3, Fol. 75, Kind Nr. 12: Eintrag des Pfarres im Familienregister zum Tod von Karl Aßfalg: „1941 Grafeneck verbrannt!!!“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. August 1886
Geburtsort: Biberach
Beruf: Arbeiterin
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Baptist Aßfalg, Maurermeister in Rißegg, und Marie Magdalene, geb. Haas.
Maria Theresia Aßfalg, genannt Ida, war Näherin, ledig und lebte in Ludwigsburg, später in Esslingen. Sie war 1913, mit 27 Jahren, für kurze Zeit in der Heilanstalt Pfullingen, von wo sie als „gebessert“ beurlaubt wurde. Vom 22. August 1921 bis zum 8. November 1935 war sie in der Heilanstalt Winnenden. Am 8. November 1935 erfolgte dann die Verlegung in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Von dort kam sie am 30. August 1940 mit einem Transport von insgesamt 75 Personen in die Zwischenanstalt Zwiefalten. Zusammen mit 54 weiteren Kranken wurde sie am 24. September 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 7. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Brandenburg.
Maria Theresia Aßfalg wurde 54 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Winnentaler Patientenkartei, Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 16 Nr. 56.
- Taufregister Biberach an der Riß (katholisch), 1886, Nr. 89.
- Silberzahn-Jandt, Gudrun: Esslingen am Neckar im System von Zwangsterilisation und „Euthanasie“ während des Nationalsozialismus, Strukturen, Orte, Biographien. Ostfildern 2015, S. 241.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018, hier: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 16. August 1929
Geburtsort: Unlingen
Beruf: –
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 1. Oktober 1940
Sterbedatum: 1. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Eugen Aßfalg, Landwirt in Unlingen und Elisabeth geb. Fischer
Die Eltern von Wilhelmine Aßfalg sind aus dem Aufnahmebuch des Kinderasyls Ingerkingen bekannt. Weitere Informationen aus dem Aufnahmebuch Ingerkingen Nr. 397:
Vertreter: Kreiswohlfahrtsamt Riedlingen
Arzt, der das Zeungis ausgestellt: Staatliches Gesundheitsamt Riedlingen, Amtsarzt
Eintritt: 12. Juli 1938
Austritt: 1.10.1940
Bemerkung: Auf Anordnung des W. I. M.
Auf der grünen Karteikarte aus Ingerkingen gibt es einen handschriftlichen Vermerk, dass Wilhelmine Aßfalg am 16.10.1940 in Sonnenstein gestorben ist.
Im katholischen Sterberegister Unlingen hat der Pfarrer ausführlich den Weg des Kindes beschrieben:
- Im Juni 1938 in das Kinderasyl Ingerkingen verbracht
- Landespflegeanstalt Grafeneck laut Mitteilung vom 3.10.1940
- Landes-Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein Sachsen verlegt
- Diese Anstalt teilt den Tod des Kindes mit, am 16. October 1940 an Paratyphus gestorben und sofort eingeäschert.
Wilhelmine Aßfalg war das sechste von sieben Kindern der Familie. Ihre Einschränkung ist nicht bekannt, aber laut Befund bei der Aufnahme war sie stark zurückgeblieben. Weitere Details zur Familie sind nicht bekannt.
Wilhelmine Aßfalg war vom 12. Juli 1938 bis zur Deportation am 1. Oktober 1940 im Kinderasyl Ingerkingen. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck ermordet. Sie wurde nur elf Jahre alt.
Die Todesnachricht aus der Heil- und Pflegeanstalt Sonnenstein notiert fälschlicherweise den 16. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/4547.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 397, Aßfalg Wilhelmine. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Abschriften der Benachrichtigungen aus Grafeneck und Sonnenstein
Abbildungen und Bildunterschriften
B
Geboren am: 15. Mai 1875
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Werkzeugarbeiter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Andreas Bader, Schreiner, später Werkzeugfabrikant in Laupheim und Elisabetha geb. Kögel
Albert Bader war das zehnte von zwölf Kindern der Familie Bader in Laupheim. Von diesen Kindern sind sechs schon im Kindesalter verstorben.
Die Mutter Elisabetha Bader starb 56jährig im Jahr 1898. Vier Jahre danach, am 29. Oktober 1902, wurde Albert Bader im Alter von 27 Jahren das erste mal in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Dort war er nur eine Woche. Nach 2 Wochen, am 20. November 1902 kam er wieder in die Einrichtung – für den Rest seines Lebens war er dort.
In den Württembergischen Patientenblättern ist in der Karteikarte von Albert Bader als Beruf Werkzeugarbeiter vermerkt. Wahrscheinlich war er in der Werkzeugfabrik seines Vaters tätig.
In der Anstalt Schussenried lebte Albert Bader 38 Jahre. Diese lange Aufenthaltsdauer in der Heilanstalt Schussenried war mit ein Grund, dass eine „Verlegung“ von Albert Bader nach Grafeneck bestimmt wurde. In den Württembergischen Patientenblättern wird zusammen mit dem Verlegungsdatum 14.06.1940 eine veränderte Diagnose vermerkt: ein Krankheitsbild, das eines der Hauptkriterien der Aussonderung der Patienten war. An diesem Tag wurde er mit weiteren Patienten der Anstalt nach Grafeneck deportiert. Dort wurde er mit Gas ermordet.
Albert Bader war 65 Jahre alt.
Erarbeitet von MR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 20-110.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Kath. Familienregister Fol. 589 Laupheim, ohne Nachtrag des Todes bei Kind Albert Bader.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. November 1908
Geburtsort: Englisweiler
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 18. Mai 1894
Geburtsort: Neckarsulm
Beruf: Dienstmagd
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Kilian Bangert, Schneidermeister in Saulgau und Pauline, geb. Fischer
Anna Bangert wurde in Neckarsulm als fünftes von fünf Kindern Ihrer Eltern geboren. Mit 17 Jahren, im April 1911, brachte sie einen unehelichen Jungen, Johann zur Welt. Die Familie Bangert ist Anfang des 20. Jahrhunderts nach Oberschwaben verzogen. Ihr Bruder Karl Bangert war als Lehrer und Vikar in Riedlingen, Dietmanns und Saulgau tätig. Ihre Mutter verstarb 1935 in Saulgau. Der Vater Joseph Bangert wird 1939 im Saulgauer Adressbuch geführt und ist im April 1940 dort verstorben.
Anna Bangert war in der Nervenklinik Tübingen vom 5. April 1924 bis 10. Juni 1924.
In der Patientenakte aus Tübingen hat Anna Bangert über sich selber biografische Angaben gemacht: Sie sei nie wirklich krank gewesen, habe in der Schule gut gelernt. Der Bruder sei zufrieden gewesen und habe gesagt Sie könne nichts dafür, dass Sie so sei. Nach der Schule war Sie bis zum Alter von 21 Jahren zuhause bei der Mutter, dann habe der Bruder ihr die Stelle im Krankenhaus Riedlingen verschafft. Der Bruder sei früher als Vikar in Riedlingen gewesen. Sie hat ca. 9 Jahre im Krankenhaus in Riedlingen gearbeitet und dort auch gewohnt. Da sie im Krankenhaus im Dienst wenig Geld erhalten hat, hat der Bruder Ihr ab und zu Geld gegeben. Der Bruder war Pfarrer, ist aber ausgetreten, hat geheiratet und arbeitet jetzt als Schullehrer. Ihre Arbeit im Krankenhaus war wie bei den anderen Spülen, Holz holen und Kartoffeln waschen. In der weiteren Beschreibung werden beginnende Probleme beschrieben, sie redete nicht mehr, hatte Ängste und weitere Details.
Sie wurde dann aufgrund einer „ängstlichen Verstimmung“ aus dem Bezirkskrankenhaus Riedlingen am 4. IV. 24 nach Tübingen zur Untersuchung überwiesen. Gezeichnet ist die Überweisung von einem Dr. Knor.
In einem Schreiben der AOK Riedlingen wird darum gebeten, die Patientin so bald als möglich zu entlassen, eine Kostenübernahme ist nur bis 17. September 1924 genehmigt.
Seit dem 10. Juni 1924 war Anna Bangert in der Heilanstalt Schussenried. Sie wurde unmittelbar versetzt aus der Nervenklinik Tübingen. In Schussenried verblieb die „ledige, katholische Dienstmagd“ 16 Jahre lang in Behandlung. Auch Anna Bangert wurde wegen ihrer langen Aufenthaltsdauer in der Einrichtung Schussenried zum Opfer der NS-Krankenmorde: Laut Nachtrag im katholischen Taufregister Neckarsulm ist Anna Bangert am 10. September 1940 in der Heilanstalt Sonnenstein an Blutvergiftung verstorben. Ein Täuschungsmanöver der zentral gesteuerten Krankenmordaktion. Tatsächlich ist Anna Bangert direkt am Tag der Deportation von Schussenried nach Grafeneck, am 23. August 1940 in der Gaskammer von Grafeneck ermordet worden. Anna Bangert war 46 Jahre alt.
Die gemeldeten, aber gefälschten Sterbedaten von Anna Bangert waren der 10. September 1940 in Sonnenstein/Pirna.
Erarbeitet von MR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 26-85.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/2642 Anna Bangert, Patientenakte.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, B. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (22).
- Adressbuch Kreis Saulgau 1939
- Pfarrei Neckarsulm St. Dionys: Taufregister 1894 Nr. 28, mit Nachtrag zum gefälschten Todesdatum und Todesort.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 22. Juni 1894
Geburtsort: Aufhofen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 18. November 1869
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Kaufmann
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 27. November 1874
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: Bierbrauer und Metzger
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 22. März 1909
Geburtsort: Mettenberg
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 10. Februar 1903
Geburtsort: Altheim (Biberach)
Beruf: Krankenschwester / Schlosserfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 25. Mai 1902
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Lehrer, Schulpraktikant
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 22. April 1897
Geburtsort: Laupertshausen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 18. November 1887
Geburtsort: Schammach
Beruf: Landwirt
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried, Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 29. Oktober 1940 (nach Zwiefalten)
Sterbedatum: 13. Mai 1959
Todesort: Zwiefalten
Mordprogramm: –
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 21. August 1905
Geburtsort: Uttenweiler
Beruf: Schuhmacher
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Blersch, Landwirt und Maurer und Cecilia geb. Fuchs, Uttenweiler
Konrad Blersch war das älteste Kind seiner Eltern. Aus einer früheren Ehe der Mutter hatte er noch zwei Halbgeschwister. Der ältere Halbbruder Leonhard Baumeister ist 1918 gefallen. Von den jüngeren Geschwistern ist 1940 ein Bruder tödlich verunglückt.
Zwei Schwestern haben in der Schweiz geheiratet. Der Bruder Josef hat das Elternhaus in Uttenweiler übernommen. Das Haus hatte 1939 die Adresse Hauptstraße 112, dort wurde Konrad Blersch geboren.
Konrad Blersch wurde am 12. März 1930 in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Er war 25 Jahre alt, Schuhmacher und kam in Begleitung seines Vaters nach Tübingen. Laut Angabe des Vaters war Konrad Blersch 6 Wochen zu früh auf die Welt gekommen, als Kind war er schwächlich, in der Schule gut mitgekommen. Er war fleissig, ordentlich und folgsam. Mit 15 Jahren kam er zur Lehre in das Kloster Beuron (im Donautal bei Sigmaringen). Dort ist er nach ca. 2 1/2 Jahren weggegangen, angeblich weil er sich nicht für längere Zeit verpflichten wolle. Danach hat er einige Jahre bei Verwandten in der Landwirtschaft geholfen. 1926 ist er nach Amerika ausgewandert, er hatte dort verschiedene Stellen, zuletzt bei einem Kloster in Pittsburg als Schreiner. Bei einem Arbeitsunfall mit einer Hobelmaschine hat Konrad Blersch in den USA zwei Finger verloren. Irgendwann danach hat der Vater einen Brief erhalten, der Sohn sei krank und müsse nach Deutschland zurückgebracht werden.
Im Mai 1928 kam Konrad Blersch nach Hause. Er war gegen früher vollständig verändert, arbeitete nichts, schimpfte auf die Eltern, war aber nie gewalttätig. Seinen Kameraden von früher ging er aus dem Weg. Er war unruhig und betete viel.
In der Akte aus Tübingen gibt es auch Angaben vom Patienten selber, diese erfolgen in einem Gemisch aus Englisch und Deutsch, er selber nennt sich „Mister Karl Blersch“. Nach eigener Darstellung wurde er des Klosters Beuron verwiesen, nach Deutschland sei er zurückgekehrt wegen des Unfalls mit den Fingern, aber auch weil er „Beschwerden von seinem Gehirn aus gehabt habe“. Er habe mehrere Gehirnerschütterungen gehabt. Die Geschichten dazu warum das so war sind etwas wirr. Der letzte Eintrag am 21./22.4..30 in der Tübinger Akte lautet: „Pat. kam heute in der frühe fort nach Zwiefalten, verabschiedete sich bei allen durch einen Handkuß.“.
Konrad Blersch wurde am 22. April 1930 in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen, Details über den Aufenthalt dort sind nicht bekannt. Am 24. April 1936 wurde er in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt. In Heggbach hat sich Konrad Blersch an Hausarbeiten beteiligt, er hat ca. 1 mal im Jahr Besuch erhalten. Als Angehöriger ist sein Vater notiert.
Konrad Blersch wurde am 11. September 1940 mit dem ersten Transport von Heggbach nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er war 35 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 74-101.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/37703 Blersch Konrad Uttenweiler, Patientenakte.
- Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Dekan Hermann Schneider, Ferdinand Kramer: Heimatbuch Uttenweiler. Uttenweiler 1994, hier Seite 277 und Seite 566.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. September 1904
Geburtsort: Äpfingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 20. Oktober 1897
Geburtsort: Winterstettenstadt
Beruf: Landwirtsfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Vincenz Bochtler, Bauer in Winterstettendorf
Eltern: Johann Steinhauser, Bauer und Krescenz geb. Kurray, Winterstettenstadt
Maria Anna Steinhauser war die Tochter des Winterstetter Bauern Johann Georg Steinhauser und seiner Ehefrau Kreszentia, geb. Kurray. Es ist anzunehmen, dass die Tochter Maria Anfang des 20. Jh. wie alle ihre weiblichen Geschlechtsgenossinnen aufwuchs, geprägt von dörflichen Strukturen und dem katholischen Umfeld. Im Alter von 25 Jahren heiratete sie den Dorfer [=Winterstettendorf] Bauern Vinzenz Bochtler. Der erste Sohn, nach dem Vater Vinzenz genannt, kam 1923 zur Welt. Schon ein Jahr später wurde Tochter Josefa geboren und im September 1929 folgte der zweite Sohn Karl. Das jüngste Kind war gerade 5 Monate alt, als Maria im Februar 1930, traumatisiert durch die häuslichen Verhältnisse, in die Heilanstalt Schussenried eingeliefert wurde. Nach einem Treppensturz hatte sie eine Fehlgeburt. Die emotional schwierige familiäre Situation, drei kleine Kinder und die Landwirtschaft, überforderten die junge Frau. Sie wurde psychisch krank. Da sie nicht mehr wie erwartet funktionierte, brachte man sie in das PLK (Psychiatrisches Landes Krankenhaus). Zehn Jahre verbrachte Maria Anna Bochtler dann in der Heilanstalt Schussenried.
Dort bekam sie die laufende Nr. 13 der Liste A. Spalte 6a) 0% arbeitsfähig und b) (+) lebensunwert!
Der Eintrag, dass Maria Bochtler in Grafeneck gestorben war, datiert vom 28. Juli 1940. „Verlegt“ wurde sie von Schussenried am 7. Juni 1940 nach „unbekannt“ (siehe Liste A). Ihr wahrer Todestag!
Maria Anna Bochtler geb. Steinhauser ist im Gedenk- und Namenbuch Grafeneck eingetragen.
Sie war 42 Jahre alt.
Schicksal erforscht von Karin Schöntag und veröffentlicht in ‚Der Winterstetter‘ im Januar 2019.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 77-59.
- Schöntag, Karin: Den Opfern einen Namen geben, Euthanasie im Nationalsozialismus, in: Der Winterstetter (2019), Heft Januar, S. 2-4. Auszug aus „Der Winterstetter“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 04. Oktober 1874
Geburtsort: Eberhardzell
Beruf: Schneiderin
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch, Kreispflegeanstalt Weinheim
Datum der Deportation: 30. April 1941
Sterbedatum: 30. April 1941
Todesort: Hadamar
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Heinrich Böhm, Buchhalter in Mannheim
Eltern: Werner Sommer, Schuhmacher in Eberhardzell und Maria Anna geb. Maucher
Hedwig Böhm geb. Sommer hatte laut Familienregister zwei jüngere Schwestern. Ihr Vater war Schuhmacher, der Großvater war Schultheiß in Eberhardzell. Als die Mutter 1886 verstarb, waren die drei Töchter der Familie Sommer zwischen neun und zwölf Jahre alt. Der Vater heiratete 1894 ein zweites Mal.
Hedwig Böhm geb. Sommer hat den Beruf Schneiderin erlernt. Hoffte sie mit dieser Ausbildung in Mannheim ihr Auskommen zu finden? Hier lebte Onkel Ludwig Sommer, ein Bruder ihres Vaters, der in der Quadratestadt Mannheim als Gerichtsbote arbeitete. Vielleicht unterstützte Hedwig Böhm geb. Sommer den Onkel und seine Frau im Haushalt oder sie fand mit seiner verwandtschaftlichen Hilfe hier eine Arbeit in ihrem erlernten Beruf.
Am 13. Juni 1908 hat Hedwig Sommer in Mannheim den Buchhalter Heinrich Böhm geheiratet. Das Ehepaar hatte einen Sohn Ludwig, der im Jahr 1909 geboren wurde. Hedwig Böhms Onkel Ludwig Sommer war Trauzeuge des Ehepaars und – die Namensadaption legt es nahe – wurde dann vermutlich auch zum Taufpaten des einzigen Kindes.
Onkel Ludwig Sommer war und blieb familialer Fixpunkt für Hedwig Böhm. Als ihr Mann den ersten Weltkrieg über beim Militär ist, wohnt sie mit ihrem Sohn Ludwig bei dem Onkel Ludwig Sommer in der Thoräckerstraße in Mannheim. Als Heinrich Böhm 1918 vom Militär zurückkehrt kommt auch der Ehemann unter dieser Adresse unter. Ab dem 9. August 1933 lebte das Paar in der Schwetzingerstraße 44.
Am 20. Februar 1934 kam Hedwig Böhm in die große badische Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch und wird dort dreieinhalb Jahre behandelt. Von dort wurde Sie am 19. Juli 1937 zur Weiterbehandlung in die Kreispflegeanstalt Weinheim entlassen. Am 02. April 1941 wurde sie von Weinheim kommend wieder in Wiesloch aufgenommen. Aber nicht für eine Behandlung. Wiesloch war seit 1940 die Zwischenanstalt in Baden. Zwischenanstalt für Patienten auf dem Weg in eine der T4-Gasmordanstalten. Nach 4 Wochen Aufenthalt in der Anstalt Wiesloch wurde Sie am 30. April 1941 nach Hadamar deportiert und in der dortigen Gaskammer ermordet.
Hedwig Böhm wurde 66 Jahre alt.
Ludwig Böhm sorgt sich um seine Mutter
Hedwig Böhms Sohn Dr. Ludwig Böhm erfuhr Anfang April 1941 durch ein Schreiben der Anstalt Weinheim von der „Verbringung“ seiner Mutter nach Wiesloch. Er wendet sich sogleich an die Verwaltung der Heil- und Pflegeanstalt und bittet darum, ihm „Veränderungen des Aufenthalts und des Befindens seiner Mutter“ sofort anzuzeigen. Dies geschah auch – aber sehr ungewöhnlich: In der Akte finden sich zwei Schreiben mit Bezug zur Deportation der Hedwig Böhm von Wiesloch nach Hadamar. Eine vorgedruckte (!) Postkarte vom 30. April 1941 mit der Angehörige über die „Verlegung“ der Patientin … in eine noch unbekannte Anstalt informiert werden. Die aufnehmende Anstalt würde die Angehörigen dann unterrichten.
Die Anstalt Wiesloch war als ‚Zwischenanstalt‘ kurzzeitig Station für Hunderte Patientinnen und Patienten. Der Einsatz eines gedruckten offiziell erscheinenden Schreibens an die Angehörigen ersparte Schreib- und Verwaltungsaufwand bei der Weiter-“Verlegung“ in die Gasmordanstalt. Das Schreiben benennt aber auch einen Verantwortlichen der Verschleppungen der Patienten: Die Gemeinnützige Kranken-Transport – GmbH, eine Sub-Gesellschaft der in Berlin ansässigen Zentraldienststelle T4, welche die Tötung der selektierten Patientinnen und Patienten organisierte. Diese zentrale Stelle betreibt in der Anstalt Hadamar für die vielen anfallenden Todesfälle ein eigenes „Sonderstandesamt“. Dieses zeigt der Meldebehörde Eberhardzell den Sterbefall Hedwig Böhms auf den 21. Mai 1941 an – eine Lüge. Die falsche Todesmeldung diente zur Täuschung der Angehörigen, gleichzeitig wurden mit dem in diesem Fall um drei Wochen hinausgeschobenen Todeszeitpunkt die Kostenträger um das dennoch abgerechnete Versorgungsgeld betrogen.
Hedwig Böhm wurde – drei Wochen zuvor – zusammen mit allen weiteren Patientinnen, die am 30. April 1941 von Wiesloch nach Hadamar deportiert wurden, unmittelbar nach ihrer Ankunft im Keller der Klinik in einer Gaskammer ermordet.
Hedwig Böhms Sohn, Dr. Ludwig Böhm, bestätigte am 9. Mai 1941 den Erhalt des Vordrucks über die Verlegung seiner Mutter, er bemängelt aber, dass er das mit 30. April datierte Schreiben mit Poststempel vom 7. Mai 1941 erhalten habe. Ludwig Böhm ist offensichtlich nicht über den Verbringungsort seiner Mutter unterrichtet, geschweige denn darüber, dass seine Mutter zu diesem Zeitpunkt schon 9 Tage tot und eingeäschert ist. Die Familie Böhm erhält erst nach dem 21. Mai 1941 Nachricht aus der hessischen Anstalt Hadamar über den Tod der Ehefrau und Mutter Hedwig Böhm.
Im Familienregister Eberhardzell der Eltern von Hedwig Böhm ist das gefälschte Todesdatum mit Todesort Hadamar verzeichnet, der 21. Mai 1941.
Erarbeitet von MR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Generallandesarchiv Karlsruhe, Bestand GLAK 463 Wiesloch-1 Bü 3691 Psychiatrisches Zentrum Nordbaden: Patientienakten [Signaturen sind aktuell in Überarbeitung, Stand 28.08.2025]
- Familienregister Eberhardzell Blatt 121 mit gemeldetem Todesdatum von Hedwig Böhm.
- T1021 German War Crimes: Transportliste Heilanstalt Weinheim vom 2. April 1941, Aufnahme 118 und 119 mit 38 Pfleglingen.
- Rotzoll u. a. (Hg.): Die nationalsozialistische „Euthanasie“-Aktion T4 und ihre Opfer. Paderborn 2010.
- Aly, Götz: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 – 1945.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 08. Dezember 1873
Geburtsort: Neufra (Riedlingen)
Beruf: Ankuppler, Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 25. Juli 1880
Geburtsort: Uttenweiler
Beruf: Taglöhner
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 7. Mai 1945
Todesort: Zwiefalten
Mordprogramm: –
Geboren am: 19. Oktober 1888
Geburtsort: Stafflangen
Beruf: ohne
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 15. August 1895
Geburtsort: Bellamont
Beruf: Melkersehefrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 30. Dezember 1920
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: –
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 Zwischenanstalt Zwiefalten
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Theresia Bucher, geb. Fetscher, verheiratet seit 1923 mit Johannes Bucher, Schreiner in Dürmentingen und Stiefvater von Karolina.
Karolina Bucher wurde im am 30. Dezember 1920 in Dürmentingen geboren. Die Mutter war ledig, Dienstmagd und lebte in der Wohnung der Witwe Albertine Kiebler. Sie heiratete 1923 den Schreiner Johann Bucher, der zustimmte, dass das Kind den Familienname des Stiefvaters führen konnte.
Karolina Bucher wurde mit acht Jahren am 30. Juli 1928 von der Kinderklinik Tübingen in das Kinderasyl Ingerkingen überwiesen. Mit 19 Jahren wurde sie am 21. Februar 1940 in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt. Nach einem halben Jahr wurde sie am 14. September 1940 zusammen mit 76 anderen Mädchen und Frauen in die Zwischenanstalt Zwiefalten überstellt und von dort aus am 4. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert, wo sie am gleichen Tag ermordet wurde.
Im Dürmentinger Geburtsregister ist nach Mitteilung des Standesamtes Sonnenstein der 19. Oktober 1940 als Todestag angegeben. Das „Standesamt“ in der Tötungsanstalt Sonnenstein war eingerichtet worden, um gefälschte Todesanzeigen an die Angehörigen zu versenden und den wahren Sterbeort zu verschleiern.
Karoline Bucher hat ihren 20. Geburtstag nicht erlebt.
Erarbeitet von MR, BR
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen. Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Verlegungsliste „14.09.1940 von Pflegeanstalt Heggbach übernommen“, NS-Akten 1938-1942, Transporte and. Anstalten. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Geburtsregister Dürmentingen 1920, Nr. 34.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 316, Bucher Karoline. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
Abbildungen und Bildunterschriften
D
Geboren am: 01. Juli 1890
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: –
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Salomon Dannhauser, Kaufmann in Buchau, und Sara, geb. Erlanger.
Marie Dannhauser stammte aus einer jüdischen Familie in Buchau und hatte noch zwei Schwestern. Eine Schwester ist als Kind verstorben, die andere Schwester ist 1939 in die USA ausgewandert.
Am 5. März 1907 wurde Marie Dannhauser in der Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen. Sie war 27 Jahre alt, ledig und ohne Beruf. Nach 33 Jahren Aufenthalt in der Anstalt wurde sie zusammen mit 59 weiteren Patientinnen am 7. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Marie Dannhauser wurde 50 Jahre alt.
Im Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945“, das im Bundesarchiv liegt, ist Marie/Maria Dannhauser aufgeführt. Dort ist der Deportationsort mit „unbekannt“ angegeben.
Auf dem jüdischen Friedhof in Bad Buchau gibt es einen Grabstein, auf dem der Name von Marie Dannhauser steht. Es ist das Grab ihrer Mutter, die bereits 1910 verstorben war.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen. Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 129 Nr. 49.
- Winnentaler Patientenkartei, Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 129-41.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945. Bundesarchiv, Onlineausgabe unter www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/.
- Grabstätte von Marie Dannhauser auf dem jüdischen Friedhof in Bad Buchau (Foto: Charlotte Mayenberger). Siehe auch http://www.judeninbuchau.de.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. Januar 1882
Geburtsort: Biberach an der Riß
Beruf: Taglöhner
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Dollinger, Schuhmacher in Biberach und Veronica Dollinger, geb. Aßfalg
Die Familie lebte in der Saudengasse in Biberach. Josef Anton Dollinger war das jüngste von sieben Kindern. Unter den Geschwistern gab es Drillinge, die 1873 nach der Geburt verstorben waren, was zu großer Anteilnahme und einer Danksagung der Eltern im „Anzeiger vom Oberland“ geführt hatte.
1888, als Josef Dollinger sechs Jahre alt war, starb der Vater und 1892 die Mutter, Josef Dollinger war zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre alt, und von den Geschwistern lebte nur noch die 15-jährige Schwester Amalie Pauline (1877-1903). Es ist nicht bekannt, wie der Junge, ab dem 10. Lebensjahr Vollwaise, weiter aufgewachsen ist.
Am 21. Januar 1925 wurde Josef Anton Dollinger von der Polizei in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen, da er mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Als Beruf wurde bei der Aufnahme Taglöhner angegeben und der Familienstand mit ledig. In der Heilanstalt Schussenried lebte er bis zum 14. Juni 1940. An diesem Tag wurde er zusammen mit 55 Männern von Schussenried nach Grafeneck deportiert und in der Gaskammer ermordet. Sein Tod in Grafeneck wurde im Familienregister der Eltern mit dem gefälschten Datum 06. Juli 1940 nachgetragen.
Josef Dollinger wurde 58 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 148-59.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Stadtarchiv Biberach, Familienregister Band 4, Seite 589 und 590.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. Mai 1894
Geburtsort: Biberach
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 29. Oktober 1940
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Julius Dollinger, Viehhändler in Biberach
Eltern: Karl August Baumgärtner, Metzger in Biberach und Maria geb. Preiß
Pauline Dollinger geb. Baumgärtner (auch Paula genannt, Taufname Pauline Regina) ist in Biberach mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Ein Bruder ist 1914 gefallen, eine Schwester in 1917 verstorben. Die Familie hat in der Ulmerstraße 22 gewohnt und der Vater hatte dort auch seine Firma. Später war das die Ulmertorstraße 23.
Am 07. Mai 1920 haben Pauline Baumgärtner und Julius Dollinger geheiratet. Ihr Mann war Viehhändler wie sein Vater. Die Familie hat in der Ulmertorstraße 25/3 gelebt. Dieses Anwesen hatten zuvor auch die Eltern von Julius Dollinger bewohnt.
Im Januar 1921 wurde ein Sohn Julius geboren der mit 3 Monaten im April 1921 verstarb. Im Januar 1922 wurde eine Tochter geboren, im Dezember 1923 wurde ein weiterer Sohn geboren. Diese zwei lebenden Kinder sind auch im Aufnahmebuch der Heilanstalt Schussenried im Jahr 1932 genannt.
Am 8. September 1932 wurde Pauline Dollinger auf Ansuchen der Angehörigen in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen, zwei Monate zuvor war sie erkrankt.
Am 29. Oktober 1940 wurde Pauline Dollinger in einem Transport mit 27 Frauen nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie war 46 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 12. November 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein bei Pirna.
Die Urne von Pauline Dollinger wurde auf dem katholischen Friedhof in Biberach bestattet. Als Ansprechpartner in der Karteikarte der Kriegsgräberlisten ist eine Bertha Dollinger, wohnhaft in der Ehingertorstraße 18, genannt. Das war die zweite Ehefrau von Julius Dollinger, der im Jahr 1943 erneut geheiratet hatte.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 148 Nr. 64.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 29. Oktober 1940 verlegt“ wurden (27).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 8.
- Traueranzeige für das Kind Julius Dollinger. (Anzeiger vom Oberland: Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach vom 02. April 1921, S. 4).
Abbildungen und Bildunterschriften
E
Geboren am: 19. Juni 1903
Geburtsort: Bad Schussenried
Beruf: Bankbeamter
Einrichtung: Bürgerhospital Stuttgart, Privatheilanstalt Christophsbad Göppingen, Heilanstalt Winnental
Datum der Deportation: 11. Juni 1940
Sterbedatum: 11. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Else, geb. Schweizer, Wohnort Stuttgart-Cannstatt.
Eltern: Johann Georg Ebe aus Schussenried, Gußarbeiter bei den Schwäbischen Hüttenwerken und Mathilde geb. Stengele.
Georg Ebe war Bankbeamter und seit 1927 verheiratet mit Else, geborene Schweizer. Das Ehepaar wohnte in Stuttgart-Cannstatt und hatte zwei Kinder.
Georg Ebe war vom 8. April bis zum 12. April 1930 und vom 31. Mai bis zum 8. Juli 1934 im Bürgerhospital Stuttgart, danach vom 2. August 1934 bis zum 9. Januar 1935 in der Privatheilanstalt Christophsbad in Göppingen. Ab dem 21. August 1936 war er für fast vier Jahre in der Heilanstalt Winnental, er wurde regelmäßig von Angehörigen besucht. Am 11. Juni 1940 wurde Georg Ebe nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Georg Ebe wurde 38 Jahre alt.
Wie sehr die Familie auch nach seinem Tod zu leiden hatte, zeigte eine Anfrage des Rassenpolitischen Amtes in Stuttgart vom Oktober 1941, die wegen einer Kinderbeihilfe nachfragte, ob die Erkrankung von Georg Ebe eine „Erbkrankheit“ gewesen sei.
In Stuttgart-Cannstatt wurde in der Kissinger Straße 48 für Georg Ebe am 1. April 2019 ein Stolperstein verlegt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 156-6, darin auch Brief vom Rassenpolitischen Amt aus dem Jahr 1941.
- Stolpersteine Cannstatt: https://www.stolpersteine-cannstatt.de/biografien/georg-ebe-verlegt-nach-grafeneck
- Daniel Hildwein und Thomas Stöckle: Das Christophsbad Göppingen, Eugenik und NS-„Euthanasie“ 1933 bis 1945. Göppingen 2023.
- Standesamt Bad Schussenried, Geburtsregister 1909 Nr. 48. (Mit Nachtrag: Verstorben am 4.7.1940 Grafeneck/Württ.)
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. März 1892
Geburtsort: Dentingen (Offingen)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Eberhard, Schuster in Dentingen und Kreszenz geb. Widmann.
Der Vater von Barbara Eberhard war drei mal verheiratet. Barbara Eberhard war das fünfte von sechs Kindern aus der ersten Ehe des Vaters. Die Mutter starb als Barbara Eberhard knapp zwei Jahre alt war. Zwei der Geschwister starben als Kleinkinder. Die zweite Ehefrau des Vaters ist vier Tage nach der Hochzeit plötzlich verstorben. Mit der dritten Ehefrau hatte der Vater dann nochmals sechs Kinder.
Barbara Eberhard wurde in ihrem 21. Lebensjahr am 31. Juli 1912 in die Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen. Am 13. August 1940 wurde sie zuerst in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt und von dort am 30. August 1940 nach Grafeneck deportiert, wo sie noch am gleichen Tag ermordet wurde. Sie wurde 48 Jahre alt.
Im Geburtsregister von Offingen wurde ihr Tod mit dem Randvermerk „Gestorben am 12.9.1940 in Grafeneck“ nachgetragen.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Verlegungsliste 13.08.1940 von der Pflegeanstalt Liebenau, weiterverlegt 30.08.1940. (Archiv ZfP Zwiefalten, NS-Akten 1940, Transporte nach Grafeneck).
- Standesamt Uttenweiler: Geburtsregister Offingen 1892 Nr. 6, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Oktober 1895
Geburtsort: Ertingen
Beruf: Tapeziermeister, Maler und Tapezier
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 20. März 1913
Geburtsort: Mittelbiberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 29. Mai 1897
Geburtsort: Ingerkingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 21. Mai 1890
Geburtsort: Irslingen
Beruf: Schreiner (Tischler)
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 18. März 1901
Geburtsort: Hochdorf (Schönebürg)
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 08. Juni 1887
Geburtsort: Uttenweiler
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 30. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Lorenz Egle, Schustermeister in Uttenweiler und Regina geb. Kopp
Die Familie Egle hatte acht Kinder, Maria Anna oder Marianne war das fünfte Kind. Zwei der Kinder sind jung verstorben. Laut Heimatbuch Uttenweiler Seite 563 haben nach dem Tod der Eltern die sechs unverheirateten Kinder im Elternhaus gelebt. Diese Kinder starben zwischen 1940 (Maria Anna Egle) und 1967.
Maria Anna Egle hat als Dienstmädchen gearbeitet und in Uttenweiler gewohnt. Das sind die Angaben bei der 1. Aufnahme in die Heilanstalt Zwiefalten am 08. August 1913. Sie war 26 Jahre alt zum Zeitpunkt Ihrer Erkrankung. Am 07. Mai 1916 wurde sie gebessert entlassen. Es folgten zwei weitere Aufnahmen in Zwiefalten, vom 30. April 1917 – 10. Dezember 1918, bei der dritten Aufnahme in Zwiefalten am 14. April 1921 war sie 16 Jahre in Zwiefalten. Am 10. November 1937 wurde Maria Anna Egle in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt. Im Gedenkbuch Heggbach ist sie als Eggle Anna aufgeführt.
Maria Anna Egle wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Maria Anna Egle war 53 Jahre alt.
Bei Maria Anna Egle ist im Geburtsregister ein gefälschter Todesort zusammen mit dem gefälschten Todesdatum eingetragen: „16.11.1940, Hartheim, Oberdonau“.
Im Hauptfriedhof Ulm gibt es mehrere Gräber von NS-„Euthanasie“-Opfern aus „Hortheim“ (korrekt wäre Hartheim), die Urne von Maria Anna Egle wurde dort bestattet.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 165 Nr. 17 (bei der 3. Aufnahme ist das Entlassjahr fälschlicherweise 1932, statt 1937).
- Hauptbücher Zwiefalten. Archiv ZfP Zwiefalten, Hauptbuch Männer/Frauen, Nr. 1671.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2379 ff: Egle Anna, Grablage U 21 – 58. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. März 1919
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 9. Januar 1867
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: Näherin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 12. April 1878
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 3. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 16. März 1897
Geburtsort: Sulmingen
Beruf: Haustochter
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Emsperger, Söldner in Sulmingen und Theresia geb. Neuer, gebürtig aus Burgrieden
Franziska Emsperger war ein spätes Kind Ihrer Eltern, bekannt sind mehrere ältere Geschwister. Über ihr Leben wissen wir ausser den Anstaltsdaten nichts.
Sie litt an einer Erkrankung aus dem Schizophrenen Formenkreis, welche im Laufe der Jahre fortgeschritten ist.
Am 15. November 1917 erfolgte eine erste Aufnahme in die Heilanstalt Rottenmünster, dort wurde sie am 30. Juni 1918 gebessert entlassen. Am 01. Februar 1921 erfolgte eine erneute Anstaltsaufnahme, dieses mal in die Heilanstalt Schussenried. Von dort wurde sie am 03. Juni 1922 ungeheilt nach Hause entlassen. Der Wohnort war jeweils Sulmingen, bei Beruf stand Haustochter, d.h. sie hat vermutlich bei den Eltern gelebt. Die Mutter ist während des Aufenthalts in Schussenried am 31. Dezember 1921 verstorben.
Im Jahr 1929 wurde sie in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen, das genaue Datum ist nicht bekannt. Ob ein zeitlicher Zusammenhang mit dem Tod des Vaters am 15. August 1929 besteht ist anzunehmen, aber leider auch nicht bekannt. In Heggbach konnte sie zeitweise mit Stricken beschäftigt werden, hat wohl auch Besuch von Angehörigen erhalten. Als Angehöriger ist ein Bruder genannt.
Franziska Emsperger wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie war 43 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 17. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein/Sachsen.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 172b Nr. 73.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe Euthanasie-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Standesamt Sulmingen Geburtsregister 1897 Nr. 1, Emsperger Franzsika, mit Nachtrag des Todes in Sonnenstein.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 7. Mai 1884
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Andreas Engler, Käser in Altheim bei Riedlingen und Constantine geb. Kohler (2. Ehefrau)
Der Vater war 2x verheiratet, die erste Ehe war kinderlos. In der zweiten Ehe waren es acht Kinder, von denen fünf jung verstorben sind. Anna Engler war das sechste von acht Kindern. Die Eltern sind in den Jahren 1893 und 1894 verstorben, was dann aus den drei minderjährigen Kindern wurde (15, 10, 9 Jahre alt) ist nicht bekannt. Der Taufname war Anna Maria Engler.
Anna Engler war laut württembergischer Patientenkartei in den Jahren 1909-1912 in der Heilanstalt Rottenmünster. Dort wurde sie gebessert entlassen. Sie war ca. ein halbes Jahr vor der Aufnahme erkrankt, d.h. sie war Mitte 20. Leider ist auf der Karteikarte kein Wohnort angegeben.
In der Patientenakte aus dem Bundesarchiv steht: „Über die Familienvorgeschichte ist nichts bekannt“. Anna Engler war laut der Akte eine Zeit lang in der Anstalt in Heudorf (am Bussen), dort wurde Sie im Haus beschäftigt. Wegen Ihrer Einschränkung konnte Sie aber keine Dienststelle ausfüllen. Von Heudorf wurde Sie dann nach Rosenharz verlegt, dort arbeitete Sie in der Küche mit.
Ab dem 01. Januar 1936 war sie in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau.
Von Liebenau aus wurde Sie am 2. Oktober 1940 nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurde Sie nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Sie war 56 Jahre alt.
Das gemeldete und gefälschte Sterbedatum ist aus den württembergischen Kriegsgräberlisten bekannt. Ihre Urne wurde auf dem Hauptfriedhof Stuttgart-Cannstatt bestattet.
Der Bruder Viktor Emanuel Engler hat im Jahr 1940 in Stuttgart gelebt und ist 1952 dort unverheiratet verstorben. Dies erklärt vermutlich, warum die Urne von Anna Engler in Stuttgart-Cannstatt bestattet wurde.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 173b Nr. 2.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29154.
-Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg LABW, StAL EL 20/1 VI Bü 1 Hauptfriedhof Cannstatt, Grabfeld Abt. 40-61, Nr. 1979: Anna Engler mit gefälschtem Todesdatum 16.10.1940 und Todesort Hartheim. - Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Standesamt Altheim (Riedlingen) Geburtsregister und Familienregister Band 1, Seite 481.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. Dezember 1885
Geburtsort: Britschweiler
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 1. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 03. Juni 1883
Geburtsort: Bronnen
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Christophsbad Göppingen, Heilanstalt Weinsberg
Datum der Deportation: 11. Dezember 1940
Sterbedatum: 11. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Moritz Esslinger, Schweisser in Stuttgart-Feuerbach
Mutter: Agathe Wenger (Vater unbekannt laut Akte, laut Taufregister angeblich Johannes Kuehn von Großschafhausen)
Biografie bei den Stolpersteinen Stuttgart
Theresia Esslinger, Fahrionstr. 37
Sie wird als Theresia Wenger im Jahr 1883 in Bronnen, Gemeinde Ringschnait bei Biberach an der Riß, unehelich geboren und katholisch getauft. Vom Vater ist nur bekannt, dass er Musiker war und schon früh gestorben ist an einem Herzschlag. Die Mutter lebe noch, so weist es die Patientenakte 1934 aus, und sei gesund.
Theresia hat zwei Brüder und drei Schwestern, die aus der späteren Ehe der Mutter mit dem Stiefvater stammen. Theresia besucht die Volksschule in Ringschnait und ist eine gute Schülerin. Nach der Schulzeit geht sie eine Zeitlang ins Geschäft in Biberach, hat dann verschiedene Stellen als Zimmermädchen und arbeitet als Bedienung. Sie lernt den Schweißer Moritz Esslinger kennen, heiratet ihn 1906 in der Schweiz. Das Ehepaar zieht mit Ausbruch des Ersten Weltkriegs nach Deutschland, lebt dann einige Zeit in Aalen und die letzten Jahre in Feuerbach in der Uhlandstraße 37, der heutigen Fahrionstraße. Das Ehepaar hat keine Kinder. Allerdings hatte Theresia vor der Eheschließung ein Kind geboren, das aber bereits mit 7 Monaten starb.
Die Ehe sei gut, Theresia führe einen sparsamen Haushalt, und es wird ihr bescheinigt, dass sie fleißig und pünktlich sei, jedoch von jeher eifersüchtig und leicht misstrauisch.
Während der dreijährigen Arbeitslosigkeit ihres Mannes Anfang der 1930er Jahre gerät sie in große wirtschaftliche Schwierigkeiten. Wie es heißt, sei Theresia sehr religiös, bete viel, gehe aber nicht häufig in die Kirche. Dann habe sie plötzlich gar nichts mehr gemacht. Sie habe wie starr mit gefalteten Händen vor dem Kruzifix gestanden und sei aus dieser Stellung nicht mehr herauszubringen gewesen. Sie bedürfe, so das ärztliche Attest von Dr. Behrmann, wegen ihrer geistigen Erkrankung und Gefahr für sich selber und gegenüber anderen Personen dringend der Aufnahme in eine psychiatrische Abteilung. Sie wird aufgenommen im Stuttgarter Bürgerhospital. Im Mai 1934 wird sie wegen akuter Psychose in die Heilanstalt Göppingen verbracht, nach 6 Monaten aber wieder nach Hause entlassen. Im April 1935 kommt Theresia in die Praxis des sie behandelnden Arztes Dr. Fricker in Feuerbach. Der hält sie für dringend anstaltsbedürftig. Theresia kommt wieder ins Bürgerhospital und nach Göppingen. Als ihr Mann sie dort besucht, beklagt sie sich über schlechte Behandlung. Darauf nimmt er kurz entschlossen seine Frau nach nur 3 Wochen Aufenthalt mit nach Hause. Und wieder belästigt Theresia Esslinger, wie schon früher, die Hausbewohner und die Nachbarschaft – wie es heißt, in unsittlicher und unanständiger Weise – verfolgt und bedroht sie. Ihr Mann geht morgens zur Arbeit und hinterlässt seine Frau unbeaufsichtigt. Um nachts für ein paar Stunden Ruhe zu haben, verabreicht er ihr alkoholische Getränke. Dadurch steigert sich ihre Krankheit, eine Schizophrenie, noch mehr.
Die Hausbewohner und Nachbarn wenden sich an das Polizeipräsidium Stuttgart und bitten um Abhilfe. Am 1.6.1935 zieht Theresia aus und wohnt für knapp 2 Wochen in der Gastwirtschaft „Zur Krone“ in der Feuerbacher Marktstraße, heute Klagenfurter Straße, bis sie zum dritten Mal ins Bürgerhospital eingewiesen und nach Göppingen verbracht wird. Hier muss sie 5 Jahre verbringen und weitere 8 Monate in Weinsberg, ehe sie als unheilbar kranke und im Nazi-Jargon „lebens-unwerte“ Person in einem der berüchtigten Busse nach Grafeneck deportiert wird, wo sie am 11. Dezember 1940 im Alter von 57 Jahren in der dortigen Gaskammer ermordet wird.
Am 18. September 2012 wurde für sie ein Stolperstein verlegt.
Recherche und Text: Elke Martin, Heinz Wienand
Stolperstein-Initiative Feuerbach/Weilimdorf
Weitere biografische Informationen
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum von Theresia Esslinger war der 18. Dezember 1940.
Im Staatsarchiv Ludwigsburg ist ein Brief von Moritz Esslinger vom 12. Dezember 1940 erhalten. Er fragt in der Heilanstalt Weinsberg an, ob er seine Frau in der Weihnachtszeit besuchen kann.
Seine Frau war am Tag zuvor, dem 11. Dezember ermordet worden und er wusste nichts davon. Die Antwort der Heilanstalt Weinsberg am 16. Dezember 1940 wurde anhand eines Vordruckes verschickt und war „Verlegt am 11. Dezember 1940“. Ob er die Todesnachricht aus Grafeneck vor oder nach Erhalt der Antwort aus Weinsberg bekommen hat ist nicht bekannt. Auch hier wieder ein Beispiel, wie die Angehörigen der Opfer noch nach deren Tod „getäuscht“ wurden.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 177-60.
- Staatliche Heilanstalt Weinsberg Verwaltungsakten, Staatsarchiv Ludwigsburg, F 234 I Bü 1122, Aufn. 101.
- Standesamt Ringschnait Geburtsregister 1883 Nr. 13: mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums in Grafeneck
- Stolpersteine Stuttgart: Stolperstein-Initiative Feuerbach/Weilimdorf. Link: https://www.stolpersteine-stuttgart.de/biografien/theresia-esslinger-fahrionstr-37/
- Daniel Hildwein/Thomas Stöckle, Das Christophsbad Göppingen – Eugenik und NS-„Euthanasie“ 1933 bis 1945, hier besonders Kapitel 6.2 Opferschicksale, Seite 98 Theresia Esslinger mit Foto.
Abbildungen und Bildunterschriften
F
Geboren am: 4. September 1885
Geburtsort: Oberdorf
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 16. Oktober 1904
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Emmendingen, Kreispflegeanstalt Freiburg
Datum der Deportation: vermutlich 08. August 1940
Sterbedatum: vermutlich 08. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Gustav Adolf Fehrenbacher, Friseur in Freiburg im Breisgau
Eltern: Albert Baumeister, Fabrik-Arbeiter in Buchau und Agatha geb. Miehle aus Oggelshausen
Elis oder Elisabetha Baumeister wurde in Bad Buchau als achtes von neun Kindern in der 2. Ehe des Vaters geboren. Die zwei Ehefrauen waren Schwestern aus Oggelshausen. Nach dem Tod des Vaters am 6. Februar 1912 hat die Mutter im Jahr 1917 nochmals geheiratet und noch ein Kind bekommen. Im Jahr 1939 hat das Ehepaar in der Schustergasse in Buchau gewohnt, evtl. war das früher auch das Elternhaus von Elis Baumeister.
Am 08. August 1933 haben Elis Baumeister und Gustav Adolf Fehrenbacher in Freiburg katholisch geheiratet. Diese Informationen sind auf dem kirchlichen Familienregister der Eltern von Elis Fehrenbacher geb. Baumeister nachgetragen. Im Adressbuch Freiburg 1936 ist der Wohnsitz die Konviktstraße 29 in Freiburg im Breisgau. Das Ehepaar hatte ein Kind.
Elis Fehrenbacher lebte zu diesem Zeitpunkt alleine mit ihrem Kind in der Wohnung in der 3. Etage. Ihr Ehemann hatte wohl Schwierigkeiten mit den Nationalsozialisten und war wegen eines politischen Vergehens im Gefängnis, Details dazu sind nicht bekannt. Die Ehe war wohl auch nicht besonders glücklich.
In der Patientenakte der Heilanstalt Emmendingen befindet sich eine Abschrift des ärztlichen Zeugnis aus dem Krankenhaus Freiburg und der Nervenklinik Freiburg. Die Patientin hatte aufgrund der häuslichen Probleme wohl schon einige Zeit psychische Probleme. In der Nacht vom 3. auf 4. Dezember 1935 hörte sie Stimmen und ist im Schlafzimmer vor Angst aus dem Fenster gesprungen. Sie hatte eine gebrochene Hüfte, Prellungen und Platzwunden und kam ins Krankenhaus. Als sie soweit wieder hergestellt war wurde sie zur Behandlung der Geistesstörung in die Psychiatrische Klinik Freiburg eingewiesen. Sie war dort vom 8. Februar 1936 bis 28. Februar 1936. Aus der psychiatrischen Klinik wurde sie in die Heilanstalt Emmendingen verlegt. Dort war sie bis zum 28. Juli 1937 in Behandlung. Der psychische Zustand hat sich aber nicht soweit gebessert dass sie nach Hause entlassen werden konnte. Sie war aber nicht mehr anstaltsbedürftig und wurde in die Kreispflegeanstalt Freiburg verlegt. Vor ihrer Verlegung musst sie noch eine Zwangssterilisation über sich ergehen lassen.
Bei wem das Kind von Elis Fehrenbacher war ist nicht bekannt. Es gab auf jeden Fall die Schwiegermutter im Umfeld, auch eine Schwester von ihr scheint in Freiburg gelebt zu haben. Evtl. konnte das Kind dann in der Familie versorgt werden.
Elis Fehrenbacher war vom 28. Juli 1937 bis zu ihrer Deportation nach Grafeneck in der Kreispflegeanstalt Freiburg. Von dort gingen 2 Transporte nach Grafeneck. Der 2. Transport am 10. Oktober 1940 ging über die Zwischenanstalt Schussenried und ist deshalb gut dokumentiert. Der 1. Transport ging angeblich am 08. August 1940, aber es sind keine Unterlagen dazu erhalten. Deshalb war Elis Fehrenbacher auch nicht im Gedenkbuch Grafeneck gelistet. Ein ganzer Transport von vermutlich 75 Menschen ist dort nicht aufgearbeitet. Aber wenigstens Elis Fehrenbacher ist jetzt [seit Oktober 2025] im Gedenkbuch Grafeneck aufgeführt.
Ihr Tod ist im Familienregister ihrer Eltern nachgetragen: 09. September 1940 in Sonnenstein. D.h. das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort ist bekannt, nicht aber das tatsächliche Sterbedatum.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum. [aufgenommen im Herbst 2025].
- Staatsarchiv Freiburg: StAF Bestand E 120 1 Bü 8166, Fehrenbacher Elisabeth Patientenakte aus der Heilanstalt Emmendingen.
- Transporte nach Grafeneck von der Kreispflegeanstalt Freiburg, bei Wikipedia: https://de.wikipedia.org/wiki/Kreispflegeanstalt_Freiburg
- Diözesanarchiv Rottenburg, Informationen über die Heirat der Elis Fehrenbacher (nachgetragen im Familienregister und Taufregister der Pfarrei Buchau, die Bücher befinden sich im Diözesanarchiv).
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970. Hier besonders: Der Leidensweg der Opfer der Euthanasie, 1939—1941, S. 151-155.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 05. November 1904
Geburtsort: Unterstadion
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 17. Dezember 1909
Geburtsort: Unterstadion
Beruf: kein Beruf
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
G
Geboren am: 27. August 1880
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 31. März 1912
Geburtsort: Berkheim
Beruf: Haustochter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Gantner, Landwirt in Berkheim und Rosalia geb. Mang
Die Eltern von Emerentia Gantner hatten sieben Kinder. Aus einer vorherigen Ehe des Vaters gab es noch fünf Halbgeschwister.
Der Bruder von Emerentia Gantner hat das landwirtschaftliche Anwesen der Eltern in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1938 durch Brandstiftung in Brand gesetzt. Er hatte versucht die Brandstiftung seiner Schwester Emerentia Gantner anzulasten. Die Eltern haben im Haus geschlafen und konnten sich mit knapper Not retten. Emerentia Gantner soll beim Brand panisch über die Äcker geflüchtet sein. Sie wurde am Tag nach dem Brand, am 7. November 1938 in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen.
Diese Brandstiftung wurde in mehreren Zeitungen beschrieben. Auch das Urteil gegen den Bruder, der die Brandstiftung seiner „geisteskranken“ Schwester anhängen wollte, ist in den Zeitungen nachlesbar.
Über Emerentia Gantner selber wissen wir bislang nur wenig. Ihr Stand wird in der württembergischen Patientenkartei als ‚Haustochter‘ angegeben, d.h. Sie hat bei den Eltern zuhause gewohnt und war nicht berufstätig.
Emerentia Gantner ist am 7. Juni 1940 laut Hauptbuch der Heilanstalt Schussenried nach „unbekannt“ verlegt worden. An diesem Tag wurde Sie nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Sie war gerade 28 Jahre alt geworden und seit ca. 1,5 Jahren in der Heilanstalt Schussenried.
Das gemeldete Sterbedatum war der 30. Juni 1940. Diese falsche Angabe des „Sonderstandesamtes Grafeneck“ sollte die Morde in Grafeneck verschleiern.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 226-11.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Verbo Riedlingen Ausgabe vom 10. Nov. 1938, Seite 4: Brandstiftung.
- per Email am 03.02.2025 von E. Russ erhaltene Auszüge aus den kirchlichen Registern von Berkheim.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. August 1894
Geburtsort: Immenried
Beruf: Schäfersfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 14. April 1876
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 19. Januar 1871
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 1. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 20. September 1880
Geburtsort: Warthausen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 1. Juli 1896
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Konrad Gerster, Bauer in Altheim bei Riedlingen und Vinzenzia geb. Schmid
Die Schwestern Anna Maria und Zita Gerster hatten drei Geschwister, Zita Gerster war das jüngste und fünfte Kind der Familie. Der älteste Bruder galt als vermisst im 1. Weltkrieg und wurde 1920 für tot erklärt. Ein Bruder ist als Säugling verstorben, eine Schwester hat 1927 in Waldhausen geheiratet. Die Mutter ist 1917, der Vater 1933 verstorben.
Am 24. April 1934 kamen die Schwestern gemeinsam in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Der Vater war seit einem Jahr tot, wer sich nach dem Tod des Vaters um die Schwestern gekümmert hat, ist nicht bekannt, vermutlich die Schwester Wallburga. Der Kostenträger war die Ortsfürsorgebehörde Altheim.
Leider ist die Krankenakte nicht erhalten und es gibt auch sonst keine weitere Unterlagen zu den Schwestern.
Am 04. November 1940 wurden die Schwestern von der Liebenau nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurden die Maria Anna und Zita Gerster nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Maria Anna Gerster war 44 Jahre alt.
Zita Gerster war 37 Jahre alt.
Die Sterbeurkunden notieren fälschlicherweise den 13. November 1940 für Anna Maria Gerster und den 15. November 1940 für Zita Gerster als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein in Sachsen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
– Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
– Standesamt Altheim (Riedlingen) Geburtsregister und Familienregister Band II, Blatt 34/35.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. April 1903
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Konrad Gerster, Bauer in Altheim bei Riedlingen und Vinzenzia geb. Schmid
Die Schwestern Anna Maria und Zita Gerster hatten drei Geschwister, Zita Gerster war das jüngste und fünfte Kind der Familie. Der älteste Bruder galt als vermisst im 1. Weltkrieg und wurde 1920 für tot erklärt. Ein Bruder ist als Säugling verstorben, eine Schwester hat 1927 in Waldhausen geheiratet. Die Mutter ist 1917, der Vater 1933 verstorben.
Am 24. April 1934 kamen die Schwestern gemeinsam in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Der Vater war seit einem Jahr tot, wer sich nach dem Tod des Vaters um die Schwestern gekümmert hat, ist nicht bekannt, vermutlich die Schwester Wallburga. Der Kostenträger war die Ortsfürsorgebehörde Altheim.
Leider ist die Krankenakte nicht erhalten und es gibt auch sonst keine weitere Unterlagen zu den Schwestern.
Am 04. November 1940 wurden die Schwestern von der Liebenau nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurden die Maria Anna und Zita Gerster nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Maria Anna Gerster war 44 Jahre alt.
Zita Gerster war 37 Jahre alt.
Die Sterbeurkunden notieren fälschlicherweise den 13. November 1940 für Anna Maria Gerster und den 15. November 1940 für Zita Gerster als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein in Sachsen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
– Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
– Standesamt Altheim (Riedlingen) Geburtsregister und Familienregister Band II, Blatt 34/35.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. November 1927
Geburtsort: Steinberg
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 10. September 1894
Geburtsort: Tuttlingen
Beruf: unbekannt
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 04. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 10. Mai 1928
Geburtsort: Schönebürg
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 1. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 27. Juli 1896
Geburtsort: Andelfingen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Heilanstalt Schussenried (Zwischenanstalt)
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Gobs, Metzger und Rothauswirt in Andelfingen, Anna Maria geb. Knupfer
Anton war das 11. von insgesamt 21 Kindern seiner Eltern. In erster Ehe des Vaters gab es ein früh verstorbenes Kind. Beim Tod der Mutter im Jahr 1930 lebten laut Traueranzeige noch 9 der 21 Kinder.
Über die Kindheit und Jugend von Anton Gobs wissen wir wenig. Er ist in der Schule nie sitzen geblieben, war aber kein besonders guter Schüler. Bis zu seinem 14. Lebensjahr war er in der Volksschule Andelfingen. Danach hat er als Bauernknecht in Hundersingen, eine zeitlang bei seinem Vater und dann in Riedlingen gearbeitet. Nach Kriegsausbruch war er in einer Mühle bedienstet, wurde aber im November 1915 zum Grenadierregiment Nr. 123 nach Ulm eingezogen. Er war 1916 an der Westfront und seit November 1916 in französischer Kriegsgefangenschaft. Dort soll er in Kohlenbergwerken unter Tag beschäftigt worden sein. Im Februar 1920 kehrte er aus der Gefangenschaft zurück.
Danach war er fünf Jahre bei seinem Bruder Franz Gobs in Binzwangen im Dienst. Ab März 1926 war er eine zeitlang bei Bürgermeister Schmid in Andelfingen als Knecht beschäftigt. Ab 1929 arbeitete er bei seinem Bruder Wendelin Gobs auf dem elterlichen Hof.
Am 13. Juli 1931 ermordete Anton Gobs die Dienstmagd Anna Schütter, welche bei seinem Bruder arbeitete. Während der Gerichtsverhandlung wurde er mehrere Wochen in die Universitäts-Nervenklinik Tübingen zur forensischen Beobachtung geschickt.
Basierend auf einem sehr ausführlichen Gutachten der Nervenklinik wurde Anton Gobs im im Dezember 1931 zur lebenslangen Einweisung in eine Heilanstalt verurteilt. Wegen seiner geistigen Situation wurde er freigesprochen, aber wegen Gemeingefährlichkeit in eine Heilanstalt verbracht.
Am 03. Februar 1932 wurde Anton Gobs in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen. Dort verblieb er bis zu seiner Verlegung nach Schussenried am 08. September 1939. Zur Vorbereitung der Aktion T4 wurden Patienten aus der Heilanstalt Zwiefalten in andere Einrichtungen verlegt um in Zwiefalten „Platz“ zu schaffen.
Schussenried fungierte dabei als Zwischenanstalt. Alle 44 Personen aus diesem Transport vom 08. September 1939 wurden zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Am 14. Juni 1940 wurde Anton Gobs von Schussenried direkt nach Grafeneck deportiert, der Tag an dem er dort mit Gas ermordet wurde. Anton Gobs war 43 Jahre alt.
Der Beleg zum „Abgang“ aus der Heilanstalt Schussenried ist gestempelt mit „versetzt“ ohne Angabe einer Zielanstalt.
Im Familienregister der Eltern ist das gefälschte Todesdatum 11. Juli 1940 mit Todesort Grafeneck eingetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 245-26.
- Staatsarchiv Ludwigsburg, Bestand StAL E 350 a, Bü 3879 Gobs Anton Strafsache (Prozessakte von Anton Gobs mit biografischen Details und ausführlichem Gutachten aus Tübingen).
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 7), die „8.9.1939 aus der HA Zwiefalten in die HA Schussenried versetzt“ und am 14.6.1940 deportiert wurden.
- Verbo Schussen-Bote, Ausgabe vom 23.12.1931 und andere Zeitungen aus der Deutschen Digitalen Bibliothek.
- Pfarrei Andelfingen katholisches Familienregister Seite 227, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums von Anton Gobs.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. August 1894
Geburtsort: Beuren (Salem)
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 07. Mai 1882
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: Nach dem 28. November 1941
Todesort: evtl. am Killesberg oder im Osten
Mordprogramm: –
H
Geboren am: 9. Juli 1893
Geburtsort: Wennedach
Beruf: Stallschweizer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 09. Juni 1904
Geburtsort: Biberach
Beruf: Dienstmädchen, Haushaltshilfe
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 10. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 31. Januar 1910
Geburtsort: Weingarten
Beruf: Mechaniker
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 18. März 1874
Geburtsort: Kleinwinnaden
Beruf: Schneider
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster
Datum der Deportation: 3. Februar 1940
Sterbedatum: 3. Februar 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Mutter: Marianna Haller aus Kleinwinnanden bei Schussenried, ledig
Die Mutter von Gabriel Haller hatte mehrere uneheliche Kinder von verschiedenen Vätern, teilweise unbekannt. Diese Kinder sind detailliert im Familienregister der Großeltern von Gabriel Haller aufgeführt.
Gabriel Haller war das jüngste Kind. Die Mutter hatte 1880 den Witwer Franz Anton Lauer geheiratet. Sie ist aber wenige Monate nach der Hochzeit am 18. September 1880 verstorben. Gabriel Haller war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt.
Am 14. Juni 1894 wurde Gabriel Haller vor dem Schwurgericht Ravensburg wegen Sittlichkeitsverbrechen zu einer Gefängnisstrafe von 2 1/2 Jahren verurteilt. Diese verbüßte er im königlichen Landesgefängnis in Rottenburg.
Von dort aus wurde er während der Haftzeit am 04. Juni 1895 in die Nervenklinik Tübingen überwiesen. In der umfangreichen Patientenakte aus dem Universitätsarchiv Tübingen gibt es mehrere Briefe von Gabriel Haller, unter anderem an seine Schwester, Berichte über das Strafverfahren, vom Gefängnis und vom Schultheiß in Schussenried. Zur Anamnese wurde der Patient auch selber befragt.
Die wichtigsten biografischen Daten:
- Nach dem Tod der Mutter kam Gabriel Haller im Alter von ca. 6 Jahren nach Ochsenhausen ins Waisenhaus.
- Nach der Schule hat er in Ravensburg eine Schneiderlehre begonnen und anscheinend nach 4 Jahren auch beendet. Er wurde dort aber geschlagen weil er Zitat „kein Talent hatte und sich nichts merken konnte“.
- Danach ging er laut eigener Aussage auf Wanderschaft, fand aber nur wenig Arbeit.
- Im weiteren Verlauf gab es Probleme, er wollte nicht arbeiten, er meldete sich immer krank und verbrachte viel Zeit im Bett. Der Arzt konnte nichts finden.
- Im Jahr 1892 wurde er durch Vermittlung des Pfarrers von Altshausen bei der Arbeiterkolonie Dornahof beschäftigt. Das funktionierte anfangs gut, dann wurde er „zunehmend fauler“ und meldete sich wieder krank. Dort soll er von den Kollegen auch gehänselt worden sein „weil er noch keine Frau hatte“. Nach eigener Aussage hat er sich dort nicht wohlgefühlt.
- Danach kam es zu den Sittlichkeitsverbrechen und der Verurteilung zur Gefängnisstrafe, Zitat „er wolle das mit den Frauenzimmern mal probieren“.
Interessant ist auch die Aussage von Gabriel Haller, dass seine Eltern verheiratet waren und der Vater auch Haller heisst. Er war aber unehelich geboren, der Vater ist unbekannt. Das scheint für Ihn ein Problem gewesen zu sein.
Gabriel Haller hat während der Zeit in Tübingen am 08. April 1896 selber ein Bittgesuch nach Stuttgart geschrieben und um Versetzung in die Heilanstalt Schussenried gebeten. Zitat: „Der Grund der Versetzung ist, daß ich in meiner Heimat Schussenried besser befinde als hier, wo man so unbekannt ist …“.
Am 21. Juli 1896 wird Gabriel Haller in Tübingen entlassen, aber in die Heilanstalt Zwiefalten versetzt, nicht nach Schussenried. Eigenartigerweise wechselt er oft die Einrichtungen, der Grund ist nicht bekannt.
- zwischen 21. Juli 1896 und 30. September 1897 Heilanstalt Zwiefalten
- zwischen 17. Februar 1898 und 27. Januar 1900 Heilanstalt Zwiefalten
- danach in der Pflegenastalt Liebenau
- zwischen 17. Januar 1901 und 15. Juni 1906 Heilanstalt Zwiefalten
- danach in den Oberen Riedhof bei Ulm
- zwischen 26. Oktober 1906 und 24. Mai 1907 Heilanstalt Zwiefalten
- zwischen 24. Mai 1907 und 29. Oktober 1918 Heilanstalt Rottenmünster
- zwischen 29. Oktober 1918 und 01. Oktober 1920 Heilanstalt Zwiefalten
- zwischen 01. Oktober 1920 und 03. Februar 1940 Heilanstalt Rottenmünster
Während des letzten Aufenthalts in Rottenmünster ist seine Schwester Juliane Haller am 28. Juli 1930 in Buchau verstorben. Er war fast 20 Jahre in Rottenmünster bei seinem letzten Aufenthalt.
Am 03. Februar 1940 wurde Gabriel Haller von Rottenmünster nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Er war 65 Jahre alt und hat den größten Teil seines Lebens in Einrichtungen verbracht.
Er war beim ersten Transport aus Rottenmünster nach Grafeneck dabei. Seine lange Zeit in Einrichtungen und die Vorgeschichte mit der Verurteilung wegen Sittlichkeitsverbrechen waren sicher ein Grund für die Auswahl zum ersten Transport.
Im kath. Taufregister Schussenried ist das gemeldete aber gefälschte Todesdatum 06. Februar 1940 in Grafeneck nachgetragen.
Im Buch von Josef Mohn: „Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz“, Seite 154 wird Gabriel Haller auch aufgeführt:
„Gabriel Haller, lediger Schneider, geb. 18.3.1874 in Kleinwinnaden. Er wurde in Grafeneck vergast am 6.2.1940. Seine Urne wurde im Grab seiner Schwester Juliane Haller auf dem Friedhof in Kappel beigesetzt. Die Angehörigen des Ermordeten wurden durch einen Brief der Anstaltsleitung Grafeneck vom 8.2.1940 vom Tode in Kenntnis gesetzt.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 285-32.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 309/2894 Haller Gabriel aus Kleinwinnaden, Krankenakte.
- Katholisches Familienregister Schussenried Band II, Fol. 157a.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970. Hier besonders: Der Leidensweg der Opfer der Euthanasie, 1939-1941, S. 151-155.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 03. August 1901
Geburtsort: Stuttgart
Beruf: Postbetriebsassistentin, Hausfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 30. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 25. Mai 1873
Geburtsort: Otterswang
Beruf: Bauer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 03. Juni 1884
Geburtsort: Äpfingen
Beruf: Fabrikarbeiterin / Dienstmädchen
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 1. August 1892
Geburtsort: Füramoos
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 3. Mai 1885
Geburtsort: Berlin
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 8. November 1886
Geburtsort: Reinstetten
Beruf: Hausfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. Mai 1901
Geburtsort: Heudorf
Beruf: Landwirtssohn
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 13. Februar 1878
Geburtsort: Unlingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 2. November 1885
Geburtsort: Kürnbach
Beruf: Hausfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 23. November 1900
Geburtsort: Hürbel
Beruf: Dienstmagd
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Hess, Söldner und Konditor in Hürbel und Theresia geb. Weiß von Dietenheim.
Die Eltern von Anna Hess hatten laut Familienregister elf Kinder, Anna Hess war das neunte Kind. Drei der Kinder sind jung verstorben.
Anna Hess hat als junge Frau als Dienstmagd gearbeitet, wo ist nicht bekannt. Sie wurde am 25. Februar 1932 auf ‚Ansuchen der Angehörigen‘ in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Bei der Aufnahme war Sie 31 Jahre alt und die Krankheitsdauer wird mit 9 Jahren angegeben. Es ist anzunehmen, dass Anna Hess zuhause bei Ihren Eltern gelebt hat. Die Mutter von Anna Hess war im Februar 1929 verstorben.
Die Krankenakte von Anna Hess ist nicht erhalten, wir wissen deshalb wenig von Ihr.
Anna Hess wurde am 7. Juni 1940 zusammen mit 59 anderen Frauen nach Grafeneck deportiert. Dort wurde sie nach der Ankunft ermordet.
Sie war 39 Jahre alt.
Das an das Heimatstandesamt gemeldete Sterbedatum war der 29. Juni 1940. Diese Fälschungen sollten die Morde in Grafeneck verschleiern.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 324-117.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Familienregister Hürbel katholisch, Fol. 148, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck von Kind Nr. 9, Anna Hess.
- Taufregister Hürbel katholisch 1900 Nr. 20, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 22. Januar 1859
Geburtsort: Betzenweiler
Beruf: Schultheißen-Witwe
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Franz Joseph Heudorfer, Conditor und Spezereihändler, von 1901-1916 Schultheiß in Betzenweiler (krankheitshalber vom Amt zurückgetreten).
Eltern: Anton Schefold, Schreiner in Betzenweiler und Josefa geb. Scheffold aus Uttenweiler.
Der Vater Anton Schefold wird im Heimatbuch Betzenweiler häufig genannt. Er war wohl stark beteiligt an den Aktivitäten zur Erneuerung der Pfarrkirche St. Clemens, in der Familie gab es auch Orgelbauer.
Maria Anna Heudorfer geb. Schefold war die Älteste von acht Kindern. Die Schreibweise des Nachnames hat sich wohl in dieser Zeit von Scheffold nach Schefold (mit einem ‚f‘) verändert.
Maria Anna Heudorfer hat 1879 den Witwer Franz Joseph Heudorfer in Betzenweiler geheiratet. Der Witwer hatte drei lebende Kinder aus seiner ersten Ehe. Maria Anna Heudorfer hat in ihrer Ehe zwei Kinder bekommen, ein Sohn ist als Säugling verstorben, der andere mit knapp 30 Jahren im Jahr 1910.
Das Ökonomiegebäude von Franz Joseph Heudorfer war im Jahr 1876 abgebrannt, im Jahr 1877 erbaute er ein neues 2-stöckiges Haus. D.h. Maria Anna Heudorfer hat in ein schönes neues Haus eingeheiratet. Dieses Haus wurde 1892 von der Gemeinde gekauft und zur Schule umgebaut. Wo die Familie nach dem Verkauf 1892 gewohnt hat ist nicht bekannt. Der Ehemann ist im Jahr 1923 verstorben. Eigene Kinder von Ihr lebten nicht mehr, von den Stiefkindern ist nicht bekannt, ob eines in Betzenweiler verehelicht war.
Am 26. April 1927 wurde Maria Anna Heudorfer zum zweiten mal auf ‚Ansuchen der Angehörigen‘ in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Am 09. Dezember 1927 wurde sie ungeheilt entlassen. Über den früheren, ersten Aufenthalt ist nichts bekannt, es gibt nur einen Verweis auf eine Nr. 1151 aus dem Aufnahmebuch. Das war was wohl im Jahr 1895/1896. Schon wenige Wochen nach der Entlassung wurde Sie ein drittes mal in die Heilanstalt aufgenommen, am 17. Februar 1928. Sie war jetzt 68 Jahre alt und hatte unabhängig von psychischen Problemen sicherlich auch alterstypische Probleme. Maria Anna Heudorfer wurde am 7. Juni 1940 zusammen mit 59 anderen Frauen nach Grafeneck deportiert. Dort wurde sie nach der Ankunft ermordet.
Sie war 81 Jahre alt.
Im Heimatbuch Betzenweiler Seite 151 wird auch des Betzenweiler NS-„Euthanasie“-Opfers Maria Anna Heudorfer gedacht:
„Ein unschuldiges Opfer des unmenschlichen „III. Reiches“ soll nicht vergessen werden. Maria Anna Heudorfer, Witwe des 1923 verstorbenen Schultheißen Franz Josef Heudorfer, die sich seit 1928 in der Heilanstalt Schussenried befand, „verstarb am 26. Juni 1940 im 81. Lebensjahr an den Folgen eines Hirnschlags in Grafeneck“. So der nüchterne Eintrag im Familienregister. Heute wissen wir aber, dass Kranke und Behinderte aus allen Heil- und Pflegeanstalten Württembergs im Rahmen des sogenannten Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten nach Grafeneck bei Münsingen transportiert und dort ermordet wurden. In Grafeneck standen die ersten Gaskammern, die Versuchsanlagen für die folgenden Vernichtungsaktionen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis gegen die deutschen und europäischen Juden, Sintis und Romas und den Gegnern des nationalsozialistischen Regimes.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 327-86.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Heimatbuch Betzenweiler, Walter Schubert aus Betzenweiler. ISBN 3-00-008468-1, erschienen im Juni 2001, Seite 151.
- Familienregister Betzenweiler katholisch Band II, Fol. 141.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. März 1918
Geburtsort: Laupheim
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 02. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Otto Hoch, Kaufmann in Laupheim und Anna geb. Loibl.
Sofie Hoch wurde 1918 als uneheliches Kind in Laupheim geboren, die Mutter war als Dienstmagd bei Karl Dusch oder Dursch, Schlosser, wohnhaft am Marktplatz in Laupheim. In dieser Wohnung wurde Sofie Hoch geboren.
Der Vater Otto Hoch hat sich zu seiner Tochter bekannt (Nachtrag im Geburtsregister). Die schon 1912 verstorbene Großmutter Sofie geb. Kohler war dann vermutlich die Namensgeberin für das Enkelkind.
Die Eltern von Sofie Hoch haben im Jahr 1919 geheiratet (Aufgebotsverkündigung bei den Standesamtsnachrichten im Laupheimer Verkündiger).
Das Ehepaar hatte noch drei weitere Kinder. Ein Mädchen stirbt zwei Tage nach der Geburt, die Brüder Otto (gefallen 1942) und Erwin (war auch Soldat im 2. Weltkrieg).
Der Vater hatte ein Schuhgeschäft und Tabakhandel zuerst am Marktplatz 4 und später Marktplatz 1 in Laupheim. Im Frühjahr 1926 hat er den Schuhhandel aufgegeben (Anzeige im Laupheimer Verkündiger), die Gründe dafür sind nicht bekannt.
Laut eines Arztbriefes aus den „Ursberger Anstalten“ war Sofie Hoch geistig behindert und bedurfte ständiger Pflege. Seit dem 5. Oktober 1929 war sie dort untergebracht, zu diesem Zeitpunkt war sie 11 Jahre alt. Der Ort Ursberg liegt im Kreis Günzburg in Bayern. Warum das Kind dort war ist nicht bekannt. Die Mutter stammte aus Bayern, evtl. gab es dadurch Verbindungen dorthin? Der nächstgelegene Ort von Laupheim aus wäre das Kinderasyl Ingerkingen gewesen.
Am 27. August 1936 wurde sie mit 18 Jahren in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau versetzt. Die Armenfürsorge Laupheim war der Kostenträger (Kostenverpflichtungsurkunde aus dem Jahr 1936 in der Krankenakte). Warum sie verlegt wurde ist nicht bekannt. Vermutlich war es ein Kostenthema und sollte eine Anstalt in Württemberg sein, da die Armenfürsorge dafür aufkommen musste?
Sofie Hoch wurde am 2. Juli 1940 von der Liebenau in die Zwischenanstalt Schussenried „verlegt“. Von dort wurde sie am 29. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Sofie Hoch war nur 22 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum wurde auch auf der Meldekarte von Sofie Hoch in Laupheim nachgetragen, es ist der 08. August 1940 mit Todesort Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/7873.
- Abschrift aus dem Geburtsregister Standesamt Laupheim 1918 Nr. 22, aus der Patientenakte der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. (Akte aus dem Bundesarchiv, Signatur: BArch, R 179/7873).
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 2. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried verlegt“ und am 29.07.1940 deportiert wurden.
- Stadtarchiv Laupheim, Meldekarte von Sofie Hoch mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Laupheimer Verkündiger, verbunden mit dem Laupheimer Volksblatt : Tages-Zeitung : Nachrichten- und Anzeigeblatt : Anzeiger für das Rottum-, Rot- und Illertal : Veröffentlichung amtlicher Bekanntmachungen, verschiedene Geschäfts- und Familienanzeigen. (Online im Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek: https://www.deutsche-digitale-bibliothek.de/newspaper/3139789-X).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 6. Februar 1912
Geburtsort: Ehrensberg
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 03. Februar 1867
Geburtsort: Oberkochen, Oberamt Aalen
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 02. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Ferdinand Steiner, Schullehrer in Spindelwag (Wennedach) und Lauchheim (Oberamt Ellwangen).
Ehemann: Franz Xaver Hofmann, Malermeister und Schultheiß in Heiligkreuztal.
Eltern: Joseph Veil, Bauer und Wirt in Oberkochen und Mathilde geb. Mauser.
Über die Kindheit und Jugend von Katharina Hofmann (Taufname Katharina Barbara), geb. Veil, verw. Steiner ist wenig bekannt. Der Vater war Wirt und Bauer in Oberkochen, die Familie hatte vier Kinder. Der Vater ist 1867 verstorben, die Mutter hat den Bruder des Vaters geheiratet. Die Geschwister waren nicht verheiratet und sind zwischen 1892 und 1923 verstorben. Die Mutter von Katharina Hofmann ist im März 1925 als Witwe verstorben.
Am 12. Februar 1889 haben Katharina Hofmann und der Schullehrer Ferdinand Steiner in Oberkochen geheiratet. Aufgrund der Versetzungen des Ehemannes sind verschiedene Wohnorte bekannt.
Am 29. Oktober 1894 stand im Anzeiger vom Oberland die Versetzung des Schullehrers Ferdinand Steiner nach Spindelwag, eine Filialschule von Wennedach. Dort hat das Ehepaar dann bis Ende 1897/Anfang 1898 gelebt. Der Wohnort war aber wohl Wennedach. In der Patientenakte aus dem Bundesarchiv ist auch ein Familienregisterauszug erhalten, Katharina Hofmann hat am 24. Oktober 1896 in Wennedach eine Tocher Maria Josefine Steiner bekommen. Das Kind ist allerdings schon am 15. Dezember 1896 in Wennedach verstorben.
Die nächste Versetzung des Ehemannes war dann in der Zeitung am 17. Dezember 1897 als „zweiter Schullehrer und Meßnerdienst“ nach Lauchheim, Oberamt Ellwangen. Also eher in der Nähe von Oberkochen, dem Geburtsort von Katharina Hofmann.
In Lauchheim ist Ferdinand Spindler 1905 an einem „Schlaganfall auf dem Weg in die Schule“ verstorben. Die Bestattung war in Oberkochen, d.h. die Witwe Katharina Hofmann ist anscheinend wieder zurück in ihre Heimat nach Oberkochen gezogen.
Am 20. Oktober 1915 war die 2. Heirat mit Franz Xaver Hofmann, Malermeister und Schultheiß in Heiligkreuztal bei Riedlingen. Die kirchliche Trauung hat in Oberkochen stattgefunden. In dieser Ehe gab es keine Kinder. Allerdings hatte der seit knapp zwei Jahren verwitwete 2. Ehemann von Katharina Hofmann mehrere, z.T. noch minderjährige Kinder.
Am 9. März 1924 ist Franz Xaver Hofmann verstorben. Wie die familiäre Situation für Katharina Hofmann war, ist nicht bekannt. Die jüngste Stieftochter Franziska war jetzt knapp 14 Jahre alt.
Am 15. Oktober 1925 wurde Katharina Hofmann im Alter von 58 Jahren in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen. Laut der Patientenakte wurde sie von der Ortsfürsorgebehörde Heiligkreuztal gebracht. Der Pfleger von Katharina Hofmann war Korbinian Schwarz aus Heiligkreuztal. An körperlichen Beschwerden wird ein Nabelbruch genannt. Auch die Behandlung einer Frühgeburt wird erwähnt. Wann das war ist nicht klar.
Am 2. Juli 1940 wurde sie in die Zwischenanstalt Schussenried verlegt. Von dort wurde sie am 29. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet. Sie war 73 Jahre alt.
Im Buch von Pfarrer Friedel ist auch ein Brief von einer Sabine Schwarz aus Heiligkreuztal abgedruckt. Sie bedankt sich bei den Schwestern für die Pflege in Liebenau. Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum aus der Sterbenachricht war der 8.8.1940. Sabine Schwarz bittet um Zusendung evtl. sich noch in Liebenau befindender Wertsachen der Verstorbenen. Sie hat auch eine Messe lesen lassen. Aus Grafeneck wurden 5 Eheringe nach Heiligkreuztal geschickt. D.h. Katharina Schwarz hat die Ringe ihrer zwei Ehen und aus der ersten Ehe das zweiten Mannes aufbewahrt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/7876.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 2. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried verlegt“ und am 29.07.1940 deportiert wurden.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Familienregister Heiligkreuztal Fol. 78a.
- Taufregister Oberkochen 1868 Nr. 7, mit Nachträgen der zwei Heiratsdaten und des gefälschten Todesdatum. Online bei Matricula Signatur M 0498, B 007, Aufnahme 007_0017.
- Versetzung von Ferdinand Steiner nach Wennedach, als Filialschullehrer für Spindelwag. (Anzeiger vom Oberland: Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach vom 29. Oktober 1894, S. 3).
- Versetzung von Ferdinand Steiner nach Lauchheim Oberamt Ellwangen. (Cannstatter Zeitung: allgemeiner Anzeiger für die Stadt: Amtsblatt für den Oberamtsbezirk Cannstatt: Neckarbote vom 17. Dezember 1897, S. 1).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 3. Februar 1890
Geburtsort: Brandenburg (Regglisweiler)
Beruf: –
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Heilanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Robert Hölderle, Braumeister in Brandenburg bei Regglisweiler und Mathilde geb. Vogt.
Die Mutter von Bertha Hölderle hatte aus 2 Ehen insgesamt zwölf Kinder. Der Vater Robert Hölderle war wie der 1. Ehemann der Mutter Braumeister. Bertha war das neunte der zwölf Kinder.
Der ältere Halbbruder Ferdinand Gossner hat 1907 nach Mietingen geheiratet. Weitere Daten dazu liegen nicht vor.
Auch der jüngere Bruder Eugen Hölderle scheint in Mietingen verheiratet gewesen zu sein (Traueranzeige seiner Schwiegermutter aus dem Jahr 1943).
Die Mutter von Bertha Hölderle ist laut Familienregister im Jahr 1903 nach Ravensburg gezogen. Weitere Details zu den Eltern sind nicht bekannt.
Der Wohnsitz von Bertha Hölderle wird in der Opferliste Grafeneck als Mietingen angegeben. Vermutlich hat sie bei einem Ihrer Brüder gewohnt, ein Beleg dafür liegt uns nicht vor.
Am 12. Mai 1926 wurde Bertha Hölderle in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen. In der Akte aus dem Bundesarchiv steht nur „kam von zuhause hierher“, dort steht leider kein Wohnort vor der Aufnahme.
Bertha Hölderle lebte vierzehn Jahre in Heggbach bevor sie am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt wurde. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Bertha Hölderle war 50 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist aktuell nicht bekannt.
Im Namensbuch der Pflegeanstalt Heggbach wird der Vorname nur Berta geschrieben.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/5696.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Familienregister Regglisweiler Band 2, Fol. 118, kein Nachtrag zum Tod von Bertha Hölderle.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. November 1873
Geburtsort: Neufra (Riedlingen)
Beruf: Keine Angabe
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 10. Juni 1940
Sterbedatum: 10. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Martin Holderried, Postbote in Neufra an der Donau und Anna Maria geb. Weber aus Emerfeld.
Der Vater von Elisabeth Holderried war in erster Ehe mit Elisabeth Weber verheiratet, eine Schwester der Mutter von Elisabeth Holderried. In dieser Ehe gab es vier Kinder. Die Mutter und 2. Ehefrau Anna Maria Weber hatte ein uneheliches Kind in die Ehe gebracht und dann noch zwei Kinder mit Ihrem Ehemann Martin Holderried. Der Vater Martin Holderried verstarb am 06. Januar 1881, Elisabeth Holderried war acht Jahre alt, zwei ältere Geschwister waren noch am Leben. Die Mutter heiratete nach dem Tod des ersten Ehemanns dessen Bruder Paul Holderried. Sie starb am 13. April 1889, Elisabeth Holderried war 15 Jahre alt. Auf der Danksagung in der Riedlinger Zeitung werden die zwei noch lebenden Kinder Aloys und Elisabeth namentlich genannt. Der Stiefvater und Onkel Postbote Paul Holderried hat am 20. Oktober 1891 erneut geheiratet.
Am 13. Oktober 1892, mit 19 Jahren, ist Elisabeth Holderried in Schwäbisch Gmünd in eine Anstalt aufgenommen worden. Sie war ca. 2 Monate vor der Aufnahme erkrankt. Ein paar Wochen vor der Einweisung wurde eine Stiefschwester von Elisabeth Holderried geboren. Ob die familiäre Änderung evtl. etwas mit dem Zeitpunkt der Erkrankung und der Einweisung in eine Einrichtung zu tun hat, ist nicht bekannt.
Über ihr Leben sind leider keine Details bekannt.
Nach sechs Jahren in Schwäbisch Gmünd wurde Elisabeth Holderried am 02. November 1898 als Staatspflegling in die Heilanstalt Weissenau verlegt. Von der Weissenau wurde Elisabeth Holderried am 10. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und and diesem Tag mit Gas ermordet. Elisabeth Holderried war 66 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum, der 19. Juni 1940 in Grafeneck, wurde dem Standesamt Riedlingen als „Mitteilung eines Sterbefalls“ aus dem Standesamt Grafeneck Nr. 92-1940 mitgeteilt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 347 Nr. 110.
- Stadtarchiv Riedlingen, Mitteilung eines Sterbefalls Nr. 92-1940 aus dem Standesamt Grafeneck.
- Stadtarchiv Riedlingen, Familienregister Band 1, Blatt 47.
- Katholisches Taufregister Neufra 1873 Nr. 25, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. November 1893
Geburtsort: Berkheim
Beruf: Knecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 28. Februar 1898
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Anton Huber, Dienstknecht in Buchau
Eltern: Anton Walser aus Stuben bei Altshausen, Söldner in Buchau und Ida geb. Walser aus Ebersbach. Ab 1910 Stiefvater Simon Kern.
Josefine Huber geb. Walser war das dritte Kind Ihrer Eltern. Das sechste Kind war eine Halbschwester aus der zweiten Ehe der Mutter. Anscheinend war nur der jüngere Bruder Josef Anton auch noch verheiratet, er ist hochbetagt im Jahr 1987 in Bad Buchau verstorben. Der andere jüngere Bruder Josef ist 1944 gefallen. Die Mutter Ida Walser verw. Walser verh. Kern ist im Jahr 1957 mit 90 Jahren verstorben.
Josefine Huber (auch Josepha) hat im Jahr 1924 Anton Huber, einen Zimmermanns-Sohn aus Uttenweiler geheiratet. Zur Hochzeitfeier erschien eine Anzeige in der Buchauer Zeitung, Ausgabe vom 17. Juli 1924. Der Vater von Josefine Huber war schon 1909 verstorben, in der Hochzeitsanzeige wird der Stiefvater Simon Kern vom Vollochhof genannt. Das Ehepaar Huber hatte zusammen sieben Kinder, der jüngste Sohn wurde am 6. Dezember 1933 geboren.
Im Jahr 1932 war Josefine Huber vom 7. Juli 1932 bis 17. Dezember 1932 in der Heilanstalt Schussenried und wurde als geheilt entlassen. Seit dem 7. Juni 1934 war sie dann wieder in Schussenried. Die sieben Kinder waren zum Zeitpunkt der zweiten Einweisung zwischen sechs Monate und neun Jahre alt. Am 17. August 1937 wurde die Ehe von Josefine Huber vor dem Landgericht Ulm geschieden. Mehr Details zur Krankengeschichte sind leider nicht bekannt, da die Patientenakte nicht erhalten ist.
Bis zu Ihrer Deportation und Ermordung am 07. Juni 1940 war Josefine Huber durchgehend in der Heilanstalt Schussenried. Am Tag der Deportation wurde sie in Grafeneck ermordet. Josefine Huber wurde 42 Jahre alt.
Aus dem Buch von Joseph Mohn: Buchau – Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, S. 154: „Josepha Huber, geb. Walser, geb. 28.2.1898 in Buchau. Sie wurde am 29.6.1940 in Grafeneck mit Gas ermordet“.
Im Buch wird das gemeldete = gefälschte Todesdatum genannt. Das tatsächliche Todesdatum war der Tag der Deportation nach Grafeneck, der 07. Juni 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 355 Nr. 108.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Buchauer Zeitung Ausgabe vom 17.07.1924 Seite 4, Hochzeitsanzeige.
- Standesamt Bad Buchau: Familienregister der Familien Huber und Walser.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Dezember 1885
Geburtsort: Untersulmetingen
Beruf: Taglöhner, Bäcker, Reisender, Maurer
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Die Witwe Walburga Hausmann, wohnhaft in Biberach, Gerbergasse 4
Eltern: Johannes Huber, Taglöhner in Untersulmetingen und Margareta geb. Eiberle
Wir wissen nichts über die Kindheit und Jugend von Stefan Huber.
Er war Soldat im 1. Weltkrieg, es gibt drei Einträge in den Deutschen Verlustlisten über Ihn, er wurde jeweils verwundet. Es gibt auch ein Foto von ihm auf der Ehrentafel der Gemeinde Untersulmetingen für die Soldaten des 1. Weltkriegs. Dort wird sein Vorname mit ‚ph‘ Stephan geschrieben. Stefan Huber hat beim Infanterie-Regiment Nr. 127 in der 8. Kompagnie gedient. Laut seiner Kriegsstammrolle wurde er am am 13. Dezember 1914 im Argonnenwald durch einen umstürzenden Baum verletzt (Unterschenkelbruch) und war dann im Lazarett.
Er war später beim Infanterie-Regiment Nr. 127 und dann beim Reserve-Infanterie-Regiment Nr. 246, 12. Kompagnie im Einsatz.
Die letzten Einträge in der Stammrolle sind Stellungskämpfe in franz. Flandern und im September 1916 die Schlacht an der Somme. Sein Beruf in den Stammrollen ist Backer.
Am 2. Mai 1924 heiratet Stefan Huber die Witwe Walburga Eble geb. Haussmann in Biberach. Sein Beruf ist zu diesem Zeitpunkt „Reisender von Untersulmetingen“.
Das Ehepaar hatte keine gemeinsamen Kinder. Im Jahr 1930 lebte das Paar in der Gymnasiumstraße 6 in Biberach. Im Jahr 1936 war der Wohnort in der Gerbergasse 4 in Biberach. Diese Anschrift ist auch in den Württembergischen Patientenblatt von Stefan Huber (aus dem Aufnahmebuch der Heilanstalt Schussenried) angegeben. Er scheint auch Probleme mit dem Unterschenkelbruch (Kriegsverletzung) gehabt zu haben. Das ist dort auch erwähnt.
Stefan Huber war ein Jahr und 4 Monate in der Heilanstalt Schussenried, seit dem 08. April 1939. Er wurde am 23. August 1940 deportiert und in Grafeneck ermordet.
Stefan Huber war 54 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum und gefälschter Todesort sind uns aus den Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg bekannt. Es war der 10. September 1940 in Sonnenstein über Pirna.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 356-90.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (34).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 5: Huber, Stefan.
- Verlustlisten Deutsches Reich 1. Weltkrieg, Seiten 4636, 16578, 24669: Huber Stefan/Stephan aus Untersulmetingen.
- Anzeige in den Standesamtsnachrichten Biberach, Anzeiger vom Oberland, Ausgabe vom 2.6.1924, Seite 7.
- Einwohnerbuch Biberach an der Riß 1930 mit Einschluß der Bezirksgemeinden (online im Deutschen Museum München).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. Oktober 1895
Geburtsort: Erlenmoos
Beruf: Hilfsarbeiter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 14. November 1899
Geburtsort: Hailtingen
Beruf: ohne Beruf
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 13. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
J
Geboren am: 20. Mai 1879
Geburtsort: Hochdorf
Beruf: Dienstmagd, Haustochter
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Franz Xaver Jäckle, Kleinbauer in Hochdorf Oberamt Waldsee und Maria Anna geb. Lämmle.
Die Eltern von Caroline Jäckle hatten sechzehn Kinder, Caroline Jäckle war das vierte Kind. Der Vater wird in verschiedenen Quellen als Taglöhner, Söldner oder Kleinbauer bezeichnet. Am 03. August 1893 kam der jüngste Bruder Robert auf die Welt. Am 19. August 1893 ist der Vater verstorben. Im Sterberegister 1893 Nr. 5 steht „zu tod gefallen“, d.h. der Vater ist durch einen Unfall verstorben. Caroline Jäckle war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt und das älteste Mädchen der Familie. Sechs der Geschwister waren jung verstorben. Die Großmutter ist am 23. August wegen eines „Nervenschlags“ verstorben. Das Baby Robert ist dann am 25. August auch noch verstorben. Zu dem Unfall des Vaters gab es auch einen Bericht im Anzeiger vom Oberland.
Über die Familie ist sonst nichts bekannt. Man kann sich aber vorstellen, dass die Situation für die Witwe mit Ihren neun noch lebenden Kindern schwierig war. Auch für Caroline Jäckle als 14-jähriges Mädchen war die Situation sicher schwierig, vermutlich musste Sie viel helfen.
Von Caroline Jäckle ist die Patientenakte im Bundesarchiv erhalten. Sie wurde am 13. Mai 1912 in der „Pfleg- und Bewahr-Anstalt Liebenau, O.-A. Tettnang“ aufgenommen. Das war ein paar Tage vor Ihrem 33. Geburtstag. Als Beruf ist Haustochter angegeben, sie war ledig. Sie hat also zuhause bei Ihrer Familie gelebt und wurde bis zu diesem Zeitpunkt dort versorgt. Ihre Erkrankung bestand seit dem 24. Lebensjahr, davor war Sie als Dienstmagd tätig.
Caroline Jäckle war vom 13. Mai 1912 bis 1940 in Liebenau. Am 8. August 1940 war der letzte Eintrag aus Liebenau in der Akte. Da Sie sehr lange in Liebenau war und auch nicht mehr arbeiten konnte, wurde sie sicherlich recht früh für die Mordaktion selektiert. Am 30. August wurde sie nach Zwiefalten verlegt. Auch dort gab es am 20. September 1940 einen kurzen Eintrag in der Akte. Am 24. September wurde Caroline Jäckle von der Zwischenanstalt Zwiefalten nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Caroline Jäckle war 51 Jahre alt.
Das gefälschte Todesdatum mit gefälschtem Todesort ist der 15. Oktober 1940 in Brandenburg/Havel.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum. Dort Jaeckle geschrieben.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/7872.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Taufregister Hochdorf 1879 Nr. 14 mit Nachtrag des Todes in Brandenburg/Havel.
- Standesamt Hochdorf Familienregister Jäckle Blatt 112 und 113 mit sechzehn Kindern.
- Anzeiger vom Oberland : Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach, Ausgabe vom 25. August 1893: Franz Xaver Jäggle [Jäckle] Sturz vom Orbet und Tod.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 15. April 1896
Geburtsort: Berkheim
Beruf: Landwirt
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 20. Mai 1940
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Jägg, Bauer in Berkheim und Theresia geb. Kling
Die Eltern von Anton Jägg hatten 1893 geheiratet und elf Kinder. D.h. Anton Jägg war eines der älteren Kinder seiner Eltern.
Anton Jägg war Soldat im 1. Weltkrieg. 1916 hat er eine silberne Verdienstmedaille erhalten, 1918 ist er in den Verlustlisten als Verwundet gemeldet.
Nach dem Krieg war er ab dem 08. August 1920 bis zum 23. April 1921 in der Heilanstalt Weissenau. Ab dem 05. Januar 1926 war er wieder in der Heilanstalt. Anton Jägg hatte wohl im Jahr 1925 zwei Scheunen durch Brandstifung angezündet. Daraufhin ist er wieder in die Heilanstalt eingewiesen worden. Bei der Einweisung steht im Aufnahmebuch: „Wegen Brandstiftung in Untersuchung, gemäß $51 StGb. außer Verfolgung gesetzt.“
Die Brandstiftung steht auch in mehreren Zeitungen im November 1925.
Über seine Zeit in der Heilanstalt ist nichts bekannt da die Patientenakte nicht erhalten ist.
Am 20. Mai 1940 wurde er von der Heilanstalt Weissenau nach Grafeneck deportiert und an diesem Tag ermordet.
Anton Jägg war 44 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum und -ort war der 07. Juli 1940 in Grafeneck (Nachtrag im kirchlichen Familienregister Berkheim).
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 364 Nr. 80.
- Ehrentafel Gemeinde Berkheim 1914-1918 für die Soldaten der Gemeinde (Archiv Buch OBERSCHWABEN im ersten Weltkrieg).
- Buchauer Zeitung, Ausgabe vom 24.11.1925, Brandstiftung.
- Abschrift aus dem Familienregister Berkheim per eMail erhalten am 04.02.2025.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 21. März 1868
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Köchin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
K
Geboren am: 7. November 1880
Geburtsort: Schwendi
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 11. Oktober 1897
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: Haustochter / Kaufmannstochter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 25. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 15. Juni 1904
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Alfons Keller, Fabrikarbeiter aus Baustetten.
Eltern: Maximilian Strobel, Zimmermann in Laupheim und Josefa geb. Eberle.
Der Vater von Maria Keller geb. Strobel ist am 10. Juli 1904 (Maria war noch keinen Monat alt) bei einem Arbeitsunfall tödlich verunglückt. Dieser Unfall wurde in mehreren Zeitungen vom 12. und 13. Juli 1904 beschrieben. Die Mutter ist mit 4 kleinen Kindern zurückgeblieben. Im Jahr 1913 hat die Mutter wieder geheiratet. Die Ehe war aber nicht glücklich, im Jahr 1924 gab es einen Antrag auf Scheidung.
Maria Keller geb. Strobel (Taufname Maria Johanna) hat am 21. Mai 1927 den Maschinenarbeiter Alfons Keller aus Baustetten geheiratet. Nach der Trauung gab es eine Feier im Gasthof zum Rößle in Baustetten. Schon am 20. September 1928 erfolgte eine erste Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Ehepaar ein lebendes Kind. Nach einem Monat erfolgte die Entlassung nach Hause. Nur wenige Wochen später, am 11. Dezember 1928 erfolgte eine erneute Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried. Nach fast vier Monaten wurde Maria Keller am 30. März 1929 nach Hause entlassen. Im Juni 1932 wurde ein Sohn Alfons Josef geboren, das Kind ist mit einem Monat verstorben.
Leider sind uns keine weiteren Details zur Familie bekannt. Maria Keller wurde am 27. Dezember 1933 zum dritten mal in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Dort blieb sie bis zu Ihrer Deportation nach Grafeneck am 07. Juni 1940. Maria Keller war 35 Jahre alt.
Das gemeldete Sterbedatum war der 29. Juni 1940. Diese Fälschungen sollten die Morde in Grafeneck verschleiern.
Aus „Zimmermann, Ludwig: Erzählte Erinnerungen, Teil 1. Kindheit und Volksschulzeit in Baustetten“. Bergatreute, Aulendorf 2018, S. 72:
Maria Johanna Keller, geb. Strobel, „hatte am 21. Mai 1927 in Baustetten den am 29. Dezember 1895 geborenen Alfons Keller geheiratet. Nach dem Tod ihres Säuglings bekam sie Unterstützung in der Heilanstalt Schussenried, um ihre schwere Situation zu verarbeiten. Niemand konnte dabei erahnen, welch entsetzliche Folgen dies haben würde. Im Juni 1940 wurde Maria Johanna Keller nach Grafeneck ‚verlegt‘, was sie hinterher dann mit dem Leben bezahlen musste.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 396 Nr. 17.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Laupheimer Verkündiger vom 12. Juli 1904, Bericht über Unfalltod des Vaters von Maria Keller.
- Laupheimer Verkündiger vom 19. Mai 1927, Hochzeitsanzeige von Maria Keller geb. Strobel.
- Stadtarchiv Laupheim, Geburtsregister Laupheim 1904 Nr. 67 Maria Johanna Strobel.
- Zimmermann, Ludwig: Erzählte Erinnerungen, Teil 1. Kindheit und Volksschulzeit in Baustetten“. Bergatreute, Aulendorf 2018.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. Oktober 1873
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Bademeisterin
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: na
Sterbedatum: 14. November 1956
Todesort: Zwiefalten
Mordprogramm: –
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. März 1905
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Tagelöhner, ungelernter Arbeiter, Schäfer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 14. November 1923
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 21. April 1901
Geburtsort: Biberach
Beruf: Bildhauer, Holzbildhauer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 22. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 6. September 1871
Geburtsort: Biberach
Beruf: Schuhmacher
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 03. Februar 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 7. April 1875
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 28. November 1870
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 11. November 1895
Geburtsort: Unterdettingen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 21. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 17. Februar 1902
Geburtsort: Kappel (Bad Buchau)
Beruf: Lehrer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 3. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 9. März 1877
Geburtsort: Birkenhard
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 20. Juli 1885
Geburtsort: Bürken (Spindelwag)
Beruf: Bauernsohn
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Christian Kramer, Bauer auf dem „Birkenhof“ in Bürken Gememeinde Spindelwag und Maria Magdalena Waizenegger aus Oberschwarzach.
Benedikt Kramer war das zehnte von siebzehn Kindern seiner Eltern. Sechs der Kinder sind früh verstorben.
Der Bruder Friedrich ist 1914 in Frankreich gefallen, der Bruder Karl ist am 12. April 1920 im Reservelazarett Jordanbad verstorben. Der älteste Bruder Heinrich ist 1905 im Alter von 29 Jahren bei Baumfällarbeiten tödlich verunglückt. Der Bruder Albert hat den elterlichen Hof übernommen.
Der elterliche Hof ist am 03. Februar 1927 abgebrannt und wurde danach wieder aufgebaut. Zu diesem Zeitpunkt war Benedikt Kramer aber schon viele Jahre in der Heilanstalt.
Benedikt Kramer hat seinen Wehrdienst vermutlich von 1904-1906 abgeleistet. Es gibt ein Foto in Uniform mit der Jahreszahl 1906, ein Erinnerungsfoto an die Wehrzeit. In welchem Regiment er war ist leider nicht bekannt.
In den Akten der württembergischen Patientenkartei wird eine Kopfverletzung („Fall auf Hinterkopf“) erwähnt, Details dazu sind nicht bekannt. Bei der ersten Aufnahme in die Heilanstalt Rottenmünster am 28. Januar 1911 wird die „Krankheitsdauer bei Aufnahme“ als „ca. 1 Jahr“ beschrieben. Vom 13. Juni 1912 bis 19. Oktober 1923 war Benedikt Kramer in der Heilanstalt Weissenau, von dort wurde er in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Vom 19. Oktober 1923 bis zur Deportation am 18. Juni 1940 war er in Schussenried, dort steht nur Austritt am 18 Juni 1940, ungeheilt. Weiter nichts.
Zusammen mit 60 anderen Männern wurde Benedikt Kramer am am 18. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert, an diesem Tag wurde er in Grafeneck mit Gas ermordet.
Benedikt Kramer wurde 54 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS und † Johannes Angele
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 450 Nr. 87.
- Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Riedlinger Zeitung Ausgabe vom 7. Februar 1927, Bauernhof abgebrannt.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 19.02.2021, Seite 14, über Wilhelm Wiedenmann und Benedikt Kramer: „Zwei weitere Opfer erhalten ein Gesicht“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Mai 1880
Geburtsort: Laupheim
Beruf: 2 – Arbeiter ohne Landarbeiter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 29. Juni 1882
Geburtsort: Tannheim
Beruf: Landwirtschaftliche Arbeiterin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
L
Geboren am: 5. März 1897
Geburtsort: Kleiningersheim
Beruf: Dreher, Schlossergeselle, Werkzeugmacher
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 29. Oktober 1940
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Anna Natalie Ochsenreiter aus Laupheim
Eltern: Karl Wilhelm Leibbrandt, Bauer und Gemeindepfleger in Kleiningersheim und Paulina Rosina geb. Kallenberger
Gustav Leibbrandt (Taufname Gustav Heinrich) war das vierte von dreizehn Kindern seiner Eltern. Über seine Kindheit liegen keine Informationen vor.
Nach Abschluß seiner Lehre als Schlosser hat Gustav Leibbrandt in veschiedenen Stellungen in Stuttgart und Neckarsulm gearbeitet. Im Juli 1916 wurde er zum Heer eingezogen. Laut eigener Aussage hatte er sich in Gesellschaft bis dahin nie wohlgefühlt.
Er wurde in das IR 126 (Kompagnie nicht lesbar) eingezogen, war dann im Aug/Sept. 1916 krank, starke Erkältung, Magen und ein leichterer Lungespitzenkatarrh. Zu dieser Zeit war er in der in der 1. Genesenenkompanie. Danach war er im Feld und wurde am 05. März 1917 zum IR 124, 11. Kompagnie versetzt. In den Kriegsstammrollen sind mehrere Lazarettaufenthalte und der Hinweis auf ein Lungenleiden verzeichnet. Laut Angaben von Gustav Leibbrandt folgte wieder eine Erkrankung, Aufenthalt im Lazarett und Verlegung nach Deutschland. Weihnachten 1918 kam er wieder zum Reserve-Bataillon bei IR 124 und wurde in die Flugzeugfabrik in Manzell versetzt. Vom Militär wurde er als deklassiert entlassen. In Manzell blieb er bis Kriegsende.
Nach dem Krieg, am 18. Februar 1919 ist Gustav Leibbrandt bei der Firma Steiger in Burgrieden eingetreten. Im Jahr 1920 hat Gustav Leibbrandt geheiratet, die Ehefrau hat ein uneheliches Kind in die Ehe gebracht. Laut Angaben der Ehefrau hat die Ehe auch vier Jahre lang gut funktioniert. Seit 1924 gab es aber zunehmend Probleme. Gustav Leibbrandt wurde launisch, im Jahr 1925 wurde er dann auch misstrauisch und eifersüchtig. Er selber schildert Ängste, dass seine Frau ihn vergiften wolle.
Am 04. Juni 1926 erfolgte die Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen. Von dort wurde er am 30. Juli 1926 nach Hause entlassen. In der Patientenakte in Tübingen wird auch noch erwähnt dass er „nach Hause drängte“.
Die Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried erfolgte am 28. Dezember 1926. Kurz zuvor gab es noch einen Briefwechsel zwischen der Ortsfürsorgebehörde Besigheim und der Nervenklinik Tübingen bezüglich der Notwendigkeit einer Aufnahme in eine Heilanstalt. Es ist nicht bekannt ob die Einweisung freiwillig erfolgt ist. Details zu der langen Zeit in Schussenried sind nicht bekannt, die Patientenakte ist nicht erhalten. Am 29. Oktober 1940 wurde Gustav Leibbrandt nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er war 43 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist der 05. November 1940, Sterbeort Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 490 Nr. 77.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/35646 Leibbrandt Gustav Kleinigersheim und Burgrieden, Patientenakte mit Foto.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 6), die „am 29. Oktober 1940 verlegt“ wurden (13).
- Hauptstaatsarchiv Stuttgart M 466 Bd. 93, Bild 289 Kriegsstammrolle der 1. Genesenenkompanie des Infanterie-Regiments Nr. 124, Eintrag Nr. 822 für Gustav Leibbrandt.
- Hauptstaatsarchiv Stuttgart M 466 Bd. 34, Bild 483 Kriegsstammrolle der 11. Kompanie des Infanterie-Regiments Nr. 124, Eintrag Nr. 853 für Gustav Leibbrandt.
- Gemeindearchiv Ingersheim, Geburtsregister 1897 Nr. 3 mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. August 1879
Geburtsort: Biberach
Beruf: Musikdirektorsehefrau, geschieden
Einrichtung: Heilanstalt Konstanz, Heil- und Pflegeanstalt Illenau, Kreispflegeheim Hub
Datum der Deportation: 19. Juni 1940
Sterbedatum: 19. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Raufeisen, Viehhändler in Biberach an der Riß und Theresia geb. Renn aus Mittelbiberach
Ehemann: Wilhelm Friedrich Johann Lemke, geboren in Plau, Kreis Parchim. Verstorben 1953 in Rostock.
Klara Raufeisen war das siebte von neun Kindern Ihrer Eltern. Nur Ihr Bruder Karl und sie erreichten das Erwachsenenalter.
Im Jahr 1900 haben Klara Raufeisen und Wilhelm Lemke in Biberach standesamtlich geheiratet. Die kirchliche Heirat hat nicht in Biberach stattgefunden, der Ort ist nicht bekannt. Wilhelm Lemke war zu diesem Zeitpunkt Trompeter beim Dragoner-Regiment Nr. 21 in Bruchsal.
Das Ehepaar lebte später in Le Locle in der Schweiz. In Le Locle war Wilhelm Lemke von 1904 bis 1915 Professor und Musikdirektor mit Leitung der Musique-Militaire von Le Locle.
Schon in den Jahren 1907-1909 war Klara Lemke in Schweizer Einrichtungen, die Namen sind nicht bekannt. Am 07. Juni 1911 wurde sie aus einer Schweizer Anstalt in die Anstalt Gehlsheim (in der Nähe von Rostock) überführt. Seither befand sie sich in ärztlicher Behandlung. Wie lange sie in Gehlsheim war ist nicht bekannt.
Die Familie wird auch in einer Volkszählung in Rostock im Jahr 1910 schon genannt. D.h. es muss zumindest auch in Rostock schon einen Wohnsitz gegeben haben. Evtl. war das der Grund für die Aufnahme in Gehlsheim.
In einem ärztlichen Zeugnis aus dem September 1911 wird die Ehe als geschieden angegeben, es werden fünf Kinder im Alter von 8-5-3-2-1 Jahren genannt, zwei Söhne und drei Töchter. Die genauen Umstände der Ehescheidung sind nicht bekannt, die Scheidung ist in den Registern in Biberach nicht nachgetragen.
Am 23. September 1911 wird Klara Lemke in die psychiatrische Klinik Heidelberg aufgenommen. Der vorherige Wohnort war laut Akte Karlsruhe. Dort war sie knapp vier Monate zur Beobachtung und Behandlung. Am 12. Januar 1912 wurde sie in die Heilanstalt Wiesloch aufgenommen. Nach einigen Jahren in der Heilanstalt wurde sie am 24. November 1919 in die Heil- und Pflegeanstalt Pforzheim versetzt.
Über das Leben von Klara Lemke vor der psychischen Erkrankung ist wenig bekannt. Sie soll eine gute Schülerin gewesen sein, hat die Volksschule in Biberach besucht. Mehr persönliche Informationen sind den Akten nicht zu entnehmen, weitere Informationen beziehen sich auf die Erkrankung. Die Prognose für eine Heilung wurde als gering eingestuft.
Klare Lemke war vom 13. März 1921 bis zum 04. Januar 1924 in der Grossherzoglichen Badischen Heil- und Pflegeanstalt b. Konstanz. Warum sie aus Pforzheim nach Konstanz versetzt wurde ist nicht bekannt. Ab dem 04. Januar 1924 war sie in der Heil- und Pflegeanstalt Illenau. Von dort wurde sie am 30. April 1925 in das Kreispflegeheim Hub versetzt. Man liest in der Akte dann Sätze wie „hält sich sauber, arbeitet nicht“. Eine Versetzung aus einer Heilanstalt in ein Pflegeheim erfolgte in der Regel aus Kostengründen wenn ein Patient nicht mehr „anstaltsbedürftig“ war.
Bis zu ihrer Deportation nach Grafeneck lebte Klara Lemke in Hub. Am 19. Juni 1940 wurde sie nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Klara Lemke war 60 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum ist der 15. Juli 1940 in Grafeneck.
Laut Sterbeeintrag von Wilhelm Lemke hat er im Jahr 1912 in Le Locle (Schweiz) erneut geheiratet. Das Leben des Ehemanns Wilhelm Lemke ist gut dokumentiert durch seine musikalische Karriere und durch den existierenden Wikipedia Eintrag. Die Töchter haben alle geheiratet. Über die Söhne ist nichts weiter bekannt, ein Sohn scheint noch vor 1919 verstorben zu sein.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatsarchiv Freiburg, Bestand B 821 2 Nr. 22620 Lemke, Klara, geb. 1879, Patientenakte aus Illenau, Konstanz und Pforzheim.
- Katholisches Familienregister Biberach Band IV, Fol. 188b.
- Stadtarchiv Biberach, Familienregister Band 1, Blatt 219, mit Nachtrag des Todes bei Kind Nr. 8 Klara.
- Stadtarchiv Biberach, Eheregister 1900 Nr. 31, mit Nachtrag des Todes der Ehefrau. Von einer Scheidung steht nichts im Register.
- Lemke Wilhelm bei Wikipedia, ohne familiare Informationen: https://de.wikipedia.org/wiki/Wilhelm_Lemke_(Komponist)
- Volkszählungen in Rostock, 1910 und 1919, Online bei Ancestry.de
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 6. März 1899
Geburtsort: Obersulmetingen
Beruf: Hausgehilfin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 12. Oktober 1900
Geburtsort: Unlingen
Beruf: Gärtner
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 17. Februar 1884
Geburtsort: Heilbronn
Beruf: Dr. Ing. Regierungsbaumeister
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Robert Locher, Oberlehrer a.D. in Heilbronn, Pensionär in Biberach a. d. Riß und Maria geb. Waizenegger.
Der Vater von Hugo Locher, der Oberlehrer a.D. Robert Locher ist im Jahr 1916 in Biberach verstorben. Im Nachruf gibt es einen biografischen Überblick, der Vater stammte aus einer Lehrerfamilie und war beruflich 34 Jahre im königlichen Zellengefängnis Heilbronn als Lehrer tätig. Nach der Pensionierung zog er im Jahr 1912 mit seiner Frau nach Biberach an der Riß.
Über Hugo Locher selber gibt es vor allem zu seiner beruflichen Laufbahn mehrere Einträge in Zeitungen und Adressbüchern. Er wurde in Heilbronn geboren, hat 1903 die Oberrealschule Heilbronn abgeschlossen. Das Studium des Bauingenieurwesens hat Hugo Locher in Stuttgart und Berlin absolviert, der Abschluss mit Diplom erfolgte 1909. Am 12. März 1912 wurde das „Doktor-Ingenieurdiplom“ erteilt. Im Adressbuch Stuttgart 1913 ist sein Wohnort Stuttgart, Stafflenbergstr. 54 und er ist Regierungsbaumeister im Ministerium des Innern.
Im Juli 1913 hat sich Hugo Locher mit Margarit Engels verlobt. Eine Heirat hat aber nicht stattgefunden. Das könnte am Beginn des 1. Weltkrieges gelegen haben. Er war auf jeden Fall Kriegsteilnehmer im Range eines Oberleutnants der Reserve. Mindestens einmal ist er auch in den deutschen Verlustlisten genannt (1914 evtl., 1916).
Am 20. August 1917 wird Hugo Locher in die Heilanstalt Rottenmünster eingewiesen, auf Ansuchen der Angehörigen. Dort wird er drei Tage später wieder entlassen. Der Wohnsitz ist Biberach a. d. Riß. Nur ca. 10 Wochen später erfolgte eine erneute Aufnahme, dieses mal in die Heilanstalt Schussenried. Die Krankheitsdauer wird mit „mehr als 2 Jahre“ angegeben. In Schussenried wird unter „Sonstige bekannte Ursachen“ auch ein Bezug zum Krieg hergestellt.
Hugo Locher war in der Heilanstalt Schussenried bis zu seiner Deportation am 18. Juni 1940, an diesem Tag wurde er in Grafeneck ermordet. Hugo Locher war 56 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum war der 10. Juli 1940 in Grafeneck (kaum lesbar auf einer schlechten Kopie das elterlichen Familienregisters aus Heilbronn).
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 504 Nr. 51.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Deutscher Reichsanzeiger No. 268 vom 13.11.1913, Verzeichnis der Doktor-Ingenieurspromotionen im Studienjahr 1912/13 an der königlichen Technischen Hochschule Stuttgart.
- Familienregister Heilbronn Band L47, Seite 37.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. April 1912
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 8. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
M
Geboren am: 23. August 1877
Geburtsort: Reute
Beruf: 1 – Tagelöhner, ungelernte Arbeiter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 19. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 14. Juli 1900
Geburtsort: Äpfingen
Beruf: Kellnerin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 29. November 1889
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 26. Dezember 1902
Geburtsort: Hochdorf
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johannes Georg Mayer, Bauer in Hochdorf und Katharina geb. Zinser
Johannes Mayer war das elfte Kind seiner Eltern. Insgesamt hatte die Familie fünfzehn Kinder. Sieben der Kinder sind jung verstorben, der älteste Bruder ist 1915 im 1. Weltkrieg gefallen. Der Vater von Johannes Mayer ist 1928 verstorben, die Mutter im Dezember 1942, sie hat noch den Tod des Sohnes Johannes Mayer erlebt.
Johannes Mayer wurde am 30. November 1931 auf Ansuchen der Angehörigen in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen. Laut württembergischer Patientenkartei war er ledig, katholisch und von Beruf Dienstknecht. Er soll ca. 2 1/2 Jahre vor der Aufnahme erkrankt sein. Leider liegen uns keine Informationen zu seinem Leben vor dem Aufenthalt in der Heilansttalt vor. Die Patientenakte aus Schussenried existiert nicht mehr.
Am 18. Juni 1940 wurde er in einem Transport von 61 Männern von Schussenried nach Grafeneck deportiert. Er wurde an diesem Tag in Grafeneck ermordet. Johannes Mayer war 37 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort war der 11. Juli 1940 in Sonnenstein/Sachsen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 545 Nr. 39.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Standesamt Hochdorf Geburtsregister 1902 Nr. 13 von Johannes Mayer, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums und Todesortes.
- Standesamt Hochdorf Familienregister Blatt 391 von Johann Georg Mayer, mit fünfzehn Kindern auf dem Register.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 6. Januar 1875
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Schriftsetzer
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Illenau, Heil- und Pflegeanstalt Konstanz, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Maria geb. Kindler aus Burgdorf bei Bern (Schweiz), gestorben 26. Oktober 1918 in Heilbronn
Eltern: Eduard Mayer, Schuhmacher in Riedlingen und Creszentia geb. Fuchsloch aus Gundelfingen.
Josef Mayer hatte nur einen jüngeren Bruder Richard Mayer, dieser hat 1922 in Stuttgart geheiratet. Er selber hatte in Riedlingen das Schriftsetzer Handwerk gelernt. Durch seinen Beruf war er an verschiedenen Orten tätig. Im Jahr 1909 hat Josef Mayer geheiratet, er hatte mit seiner Frau laut Familienregister Riedlingen fünf Kinder. Die ersten zwei Kinder sind in Burgdorf bei Bern (Schweiz) auf die Welt gekommen. Danach war das Ehepaar einige Zeit in Riedlingen, dort wurden weitere drei Kinder geboren. Im Jahr 1913 ist die Familie nach Meckenbeuren gezogen, war kurz danach wieder zurück in Riedlingen. Im Jahr 1916 erfolgte dann ein Umzug nach Heilbronn. In Heilbronn sind noch zwei weitere Kinder geboren (nicht auf dem Familienregister aus Riedlingen verzeichnet). Die Ehefrau Maria Mayer geb. Kindler ist zwei Monate nach der Geburt des jüngsten Kindes 1918 in Heilbronn verstorben.
Über die Situation der Familie nach dem Tod der Ehefrau und Mutter ist nichts bekannt. Die sieben minderjährigen Kinder, geboren zwischen 1909 bis 1918 waren jetzt Halbwaisen.
Josef Mayer war 1925 in Karlsruhe im Gefängnis und wurde von dort am 10. Juni 1925 in die Heilanstalt Illenau in Baden eingewiesen. Er war in Illenau bis zu seiner Verlegung in die Heilanstalt Konstanz am 2. Januar 1930. Die Verlegung erfolgte wegen einer Überbelegung in Illenau, zuerst sollte er in die Heilanstalt Emmendingen verlegt werden, das war aus Platzmangel nicht möglich. Stattdessen wurde Josef Mayer nach Konstanz verlegt.
In der Heilanstalt Konstanz gibt es die üblichen, vierteljährlichen Einträge in der Krankenakte. Im März 1932 hat er Besuch von seiner Tochter erhalten. Sie hat ein Foto mitgebracht über welches er sich gefreut hat. Ab Februar 1934 gab es dann bis zur Entlassung nach Schussenried keine Einträge mehr in der Akte. Ein Brief seiner Tochter verh. Bentele, wohnhaft in Zug/Schweiz ist auch in der Akte vorhanden. Die Weihnachtskarte war zurückgekommen, deshalb hat Sie nachgefragt. Im Januar 1937 war Josef Mayer noch in Konstanz. Ab Sommer 1936 gab es viele Briefwechsel in der Akte bezüglich Zuständigkeit für die Kosten (Städtisches Fürsorgeamt Karlsruhe).
Am 11. Oktober 1937 wurde Josef Mayer von Konstanz aus in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Die Gründe dafür waren der Wechsel des Kostenträgers. Die Ortsarmenfürsorge Riedlingen musste seit 10. August 1937 für Josef Mayer aufkommen. Der Tagessatz in Konstanz war 3,35Mk, in Schussenried jedoch nur 2,60Mk. Aufgrund der unterschiedlichen Kosten hat der Kostenträger, die Kreispflege Riedlingen, eine Verlegung nach Riedlingen beantragt.
Aus der Zeit in Schussenried ist ein Eintrag in der württembergischen Patientenkartei erhalten. Darauf wurden fünf lebende Kinder angegeben (1937).
Josef Mayer wurde am 18. Juni 1940 in einem Transport mit 61 Männern von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Er war 65 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum war der 12. Juli 1940 und ist auf dem Familienregister in Riedlingen nachgetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 545 Nr. 58.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Staatsarchiv Freiburg Bestand B 8212 Nr. 9822 Patientenakte von Josef Mayer der Badischen Heil- und Pflegenanstalt Illenau.
- Staatsarchiv Freiburg Bestand B 822 1 Nr. 2716 Patientenakte von Josef Mayer der Badischen Heil- und Pflegeanstalt Konstanz.
- Stadtarchiv Riedlingen Familienregister Band VIII, Blatt 27 von Josef Mayer mit fünf Kindern.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. Mai 1868
Geburtsort: Hochdorf
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 29. November 1914
Geburtsort: Bethlehem, Teilort von Wain
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Stetten
Datum der Deportation: 13. September 1940
Sterbedatum: 13. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Wilhelm Mehrer, Maschinenarbeiter, gebürtig aus Untergröningen und Ursula geb. Seutter, Maurerstochter aus Bethlehem bei Wain.
Emil Thomas Mehrer wurde in Bethlehem (Teilort von Wain) unehelich geboren und ist auf dem Familienregister der Großeltern Seutter verzeichnet. Eine auch uneheliche Schwester von Ihm wurde 1921 in Stuttgart geboren. D.h. die Mutter hat 1921 in Stuttgart gelebt. Wann die Eltern geheiratet haben ist nicht bekannt.
Nach Informationen aus dem Historischen Archiv der Diakonie Stetten (Sozialakten) war Emil Mehrer 2x in Stetten. Einmal nur einige Monate als er 5 Jahre alt war.
Im Jahr 1929, beim 2. Eintritt in die Heil- und Pflegeanstalt Stetten am 24. August 1929 hat der Vater Wilhelm Mehrer laut Adressbuch Stuttgart in der Karl-Kloß-Str. 41 gewohnt. Emil Mehrer war zu diesem Zeitpunkt 14 Jahre alt. Es gibt im Stadtarchiv Stuttgart alte Ansichten der Karl-Kloß-Straße aus dem Jahr 1942, so in etwa dürfte das Wohnumfeld von Emil Mehrer und seiner Familie auch in den Jahren vor seiner Einweisung ausgesehen haben. Am 02. April 1932 ist der Vater im Stuttgarter Marienhospital verstorben, der Wohnort der Familie war immer noch die Karl-Kloß-Str. 41 in Stuttgart. Die Mutter Ursula Mehrer „Masch.Arb.Wwe“ ist ab 1934 – 1942 laut Adressbuch im Habichtweg 41 in Stuttgart wohnhaft.
Emil Mehrer war vom 24. August 1929 bis zu seiner Deportation am 13. September 1940 in der Heil- und Pflegeanstalt Stetten. Er wurde mit dem zweiten Transport von Stetten nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er war 25 Jahre alt.
Seine Mutter Ursula Mehrer geb. Seutter ist im Februar 1942 mit einer Tochter in der Traueranzeige der Großmutter Anna Seutter aus Wain genannt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum von Emil Mehrer liegt uns aktuell nicht vor.
Eine weitere Tragik am Wohnort von Emil Mehrer – in der Karl-Kloß-Straße 40 und 42 lebten je auch ein Opfer des NS-Terrors. Die Stolpersteininitiative Stuttgart hat für diese 2 Opfer je einen Stolperstein verlegt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Historisches Archiv Diakonie Stetten, Informationen per eMail am 08.12.2024 zu den Biberacher Opfern. Zu allen Opfern gibt es Sozialdienstakten im Archiv.
- Gedenkstätte Diakonie Stetten e.V. – Das dunkle Kapitel der NS-„Euthanasie“
- Martin Kalusche, ‚Das Schloß an der Grenze‘: Kooperation und Konfrontation mit dem Nationalsozialismus in der Heil- und Pflegeanstalt für Schwachsinnige und Epileptische Stetten im Remstal.
- Stuttgarter Adressbücher, verschiedene Jahrgänge, digital verfügbar bei der Württembergischen Landesbibliothek.
- Stuttgarter Zeitung: 12 000 Bilder aus Stuttgart 1942, So sah Ihre Straße vor 80 Jahren aus. Fotos aus dem Stadtarchiv Stuttgart, durchsuchbar gemacht bei der Stuttgarter Zeitung. Foto aus der Karl-Kloß-Straße: (c) Stadtarchiv Stuttgart, Bildnummer 3808.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 17. Dezember 1894
Geburtsort: Oberopfingen
Beruf: Landwirt
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 19. Mai 1868
Geburtsort: Uigendorf
Beruf: Bauer, Landwirt
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 26. April 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 8. Mai 1872
Geburtsort: Appendorf
Beruf: Taglöhnerin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 2. März 1910
Geburtsort: Alberweiler
Beruf: Müller
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 25. März 1941 nach Winnental
Sterbedatum: 4. Mai 1988
Todesort: Schussenried
Geboren am: 22. August 1886
Geburtsort: Unlingen
Beruf: Landesproduktenhändler
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 5. August 1940
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Janette geb. Plagemann, aus Hamburg
Eltern: Anton Moosbrugger, Landwirt, Unlingen und Sofie geb. Selig
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung (Ausgabe vom 26.01.2021):
„Auch für den in Unlingen geborenen August Moosbrugger behauptete die offizielle Todesmeldung er sei in Pirna-Sonnenstein gestorben. Doch er war 5. August 1940 direkt aus Zwiefalten nach Grafeneck in die Gaskammer gebracht worden. August Moosbrugger war während des Ersten Weltkrieges Torpedo-Leutnant, zuletzt im k.u.k.-Hafen in Pola, Istrien. Nach dem Krieg betrieb er ein Landhandelsgeschäft in Riedlingen und handelte bis in die USA. Mit seiner Frau und der 1922 geborenen Tochter lebte Moosbrugger dann in Hamburg. 1928 erkrankte Moosbrugger und wurde in der Heilanstalt Zwiefalten und der Uniklinik Tübingen behandelt. Nach Moosbruggers Tod hielten seine in Hamburg lebende Frau und die Tochter die Verbindung zur Verwandtschaft in Unlingen aufrecht.“
August Moosbrugger war ab dem 27. November 1928 in der Heilanstalt Zwiefalten. Für kurze Zeit war er in der Nervenklinik Tübingen, laut Akte auch zur Malariabehandlung. Ab dem 29. April 1929 erfolgte dann die zweite Aufnahme in Zwiefalten. Am 05. August 1940 erfolgte die Deportation mit anschließender Ermordung in Grafeneck.
August Moosbrugger war 53 Jahre alt.
Die Todesbenachrichtigung wurde vom Standesamt Sonnenstein über Pirna mit dem gefälschten Sterbedatum 20. August 1940 ausgestellt. Der angebliche Todesort war die Landes-Heil und Pflegeanstalt Sonnenstein.
Die Familie hat die Urne von August Moosbrugger angefordert, diese wurde in Unlingen bestattet. Obwohl August Moosbrugger in der Todesnachricht als „glaubenslos“ bezeichnet wurde, hat der Pfarrer die Asche auf dem Friedhof Unlingen am 26. September 1940 beigesetzt.
Erarbeitet von StS, Lebensgeschichte erforscht von R. Schmid aus Unlingen
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 569.
- Bilder und Unterlagen aus dem Familienarchiv Moosbrugger.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 27.01.2021 Seite 13, „Probelauf für die Tötungsmaschinerie“ mit Kurzbiografien zu Kreszentia Villing, August Moosbrugger und Andreas Wehrle.
- Lebenslauf erarbeitet von R. Schmid aus Unlingen und veröffentlich in der Mitgliederzeitschrift der Forschergruppe Oberschwaben: Circular Ausgabe Nr. 14 2024
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 23. Mai 1924
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 1. August 1902
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Lehrerin a. D. in Weingarten
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 16. März 1884
Geburtsort: Mühlhausen
Beruf: Postschaffnerehefrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
N
Geboren am: 12. April 1902
Geburtsort: Dürrenwaldstetten
Beruf: –
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Michael Neuburger aus Dürrenwaldstetten und Katharina geb. Bayer oder Breyer (2. Ehefrau, aus Aichstetten)
Kreszentia Neuburger wurde in Aichstetten geboren und in Dürrenwaldstetten getauft. Im Taufregister ist unter dem Namen des Kindes ein Nachtrag „in Aichstetten“. Sie ist das jüngste Kind Ihrer Eltern. Aus erster Ehe hatte der Vater fünf Kinder, in der 2. Ehe Kreszentia und eine 1898 geborene Tochter.
Ihr Vater ist am 04. August 1905 verstorben, da war Kreszentia Neuburger drei Jahre alt. Nach dem Tod des Vaters wurde der Bauernhof in Dürrenwaldstetten verkauft (Anzeigen in der Riedlinger Zeitung vom 31. Oktober 1905, Fahrnis- und Grundstücksverkauf).
Die Mutter ist 1927 in Zwiefalten verstorben.
In der Akte aus dem Bundesarchiv gibt es ein ärztliches Zeugnis aus Pfronstetten vom 13. Januar 1911. Kreszentia Neuburger war 9 Jahre alt und wohnte in Aichstetten (Ortsteil von Pfronstetten, bzw. Tigerfeld), die Mutter scheint mit Ihren Kindern wieder bei Ihrer Familie gewohnt zu haben. Am 30. Oktober 1914 wurde Kreszentia Neuburger im Alter von 12 Jahren in das Kinderasyl Ingerkingen aufgenommen. Der Wohnort der Mutter war zu diesem Zeitpunkt Zwiefalten. Der Zeugnis ausstellende Arzt im Aufnahmebuch war ein Oberamtsarzt Dr. Muntsch aus Neresheim.
Am 12. August 1921 wurde Kreszentia Neuburger von Ingerkingen in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt. Der Eintrag in der Akte aus Heggbach ist eine Seite lang, da steht sie kam von zuhause (was nicht korrekt ist). Sie hat in Heggbach bei leichteren Hausarbeiten mitgeholfen, bis zum Tod der Mutter im Jahr 1927 war sie Privatpflegling.
Kreszentia Neuburger wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Kreszentia Neuburger wurde 38 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/2917.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band I, Nr. 76, Neuburger Kreszentia. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. November 1887
Geburtsort: Offingen
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Niedermaier Linus, Söldner in Offingen und Theresia geb. Jugnet (1. Ehefrau)
Albertine Niedermaier stammt aus der ersten Ehe Ihres Vaters. Sie hatte noch einen früh verstorbenen älteren Bruder. Die Mutter ist verstorben als Albertine Niedermaier knapp zwei Jahre alt war.
Aus der zweiten Ehe des Vaters hatte Albertine Niedermaier drei Halbgeschwister. Ein Bruder Emil ist 1918 im 1. Weltkrieg im Lazarett verstorben. Ein Bruder war in Offingen, eine Schwester in Möhringen (Unlingen) verheiratet.
Die zweite Ehefrau des Vaters war von Beruf Hebamme. Der Vater und die Stiefmutter haben am 13. Mai 1940 das Fest der Goldenen Hochzeit begangen. Ob Albertine Niedermaier darüber informiert wurde ist nicht bekannt.
Im Alter von 26 Jahren wurde Albertine Niedermaier am 05. August 1913 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau eingewiesen. Sie hatte vorher als Dienstmädchen gearbeitet. Laut ärztlichem Attest war sie etwas ’schwermütig‘, dies hat wohl nach einer unglücklichen Beziehung begonnen. In der ersten Zeit in der Anstalt arbeitete sie im Nähzimmer mit. Sie soll selber von sich gesagt haben: „ich kann flicken, rechte Näherin bin ich nicht“. Im Jahr 1914 ist sie einmal „entwichen“, hat sich im Wald herumgetrieben und am nächsten Tag versucht bei eine Bauern eine Arbeit zu bekommen. Sie wurde dann wieder in die Anstalt gebracht. Etwas später in der Akte wird sie als etwas eigensinnig bezeichnet. Die Einträge werden im Laufe der Zeit weniger, sie benötigt nach und nach mehr Pflege.
Am 4. Oktober 1940 wurde sie in einem Transport nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurde sie nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Albertine Niedermaier war 52 Jahre alt.
Ihre Urne wurde in einem Sammelgrab auf dem Ulmer Hauptfriedhof bestattet. Wer die Urne angefordert hatte und warum die Urne in Ulm bestattet wurde ist nicht bekannt. In der Karteikarte der Kriegsgräberlisten im Landesarchiv Baden-Württemberg Bestand EL 20/1 VI Bü 1786 wird als Todesort „Hortheim“ statt Hartheim angegeben. Das ist vermutlich ein Übertragungs-/Lesefehler. Die gemeldeten aber gefälschten Todesdaten waren der 16.11.1940 in Hartheim.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/3776.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2379 ff: Niedermaier, Albertine, Grablage U 21 – 58. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Katholisches Familienregister Offingen Fol. 103b, mit Nachtrag des Todes in Hartheim: „Landesanstalt Hartheim über Linz 16. XI. 40 u. dort auch durch polizeil. Anordnung eingeäschert.“.
Abbildungen und Bildunterschriften
O
Geboren am: 8. Februar 1888
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Kaufmann
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 26. April 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 10. Juni 1893
Geburtsort: Waldhausen
Beruf: Hausangestellte
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Joseph Ott, Bauer in Waldhausen und Maria Anna Juliana geb. Rettich
Elisabeth Ott war das jüngste von neun Kindern Ihrer Eltern. Laut diesem Register hatte Elisabeth vier uneheliche Kinder, geboren von 1913 bis 1921 in Binzwangen und Waldhausen. Eines der Kinder ist direkt verstorben, bei zwei der Kinder gibt es keine weiteren Angaben. Eine Tochter hat später geheiratet. In der Württembergischen Patientenkartei stehen bei der Einweisung nach Zwiefalten zwei lebende Kinder. Der Vater von Elisabeth Ott ist 1919 und die Mutter am 30. April 1937 verstorben. In der Traueranzeige der Mutter wird Sie „Elise“ genannt.
Bei der Aufnahme in die Heilanstal Zwiefalten wird als letzter Wohnort „Thervil Kt. Baselland/Schweiz“ angegeben. Seit wann Elisabeth Ott in der Schweiz gearbeitet hat ist nicht bekannt.
Elisabeth Ott wurde am 2. September 1938 in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen. Auf der Karteikarte ist markiert „unmittelbar versetzt aus“ ohne Angabe eines Ortes. Es ist anzunehmen dass Sie vorher in der Schweiz in einer Einrichtung war. Als Beruf ist Hausgehilfin angegeben. Am 8. September 1939 wurde Elisabeth Ott in die Heilanstalt Schussenried verlegt.
Die Heilanstalt Schussenried fungierte als Zwischenanstalt bei den Verlegungsaktivitäten der „Aktion T4“ im Dritten Reich. Am 9. Juli 1940 wurde Elisabeth Ott in einem Transport von 30 Frauen nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Elisabeth Ott war 47 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 02. August 1940 als Todestag und als Sterbeort Brandenburg.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 615 Nr. 98.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, die „am 8.9.1939 aus der HA Zwiefalten in die HA Schussenried verlegt“ und am 09.07.1940 deportiert wurden.
- Familienregister Waldhausen Band 1, Fol. 101 Vorder- und Rückseite (Pfarrei Altheim bei Riedlingen).
- Geburtsregister Waldhausen 1893 Nr. 3 von Elisabetha Ott, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums und Todesortes.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. August 1884
Geburtsort: Gutenzell
Beruf: Dienstmädchen, später Hausfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
P
Geboren am: 20. Januar 1905
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: Seegrasspinner
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 27. April 1943
Todesort: Heilanstalt Zwiefalten
Mordprogramm: Dezentrale „Euthanasie“ (?)
Biografie
Eltern: Maximilian Paul, Landwirtschaftspächter in Dürmentingen, und Rosa, geb. Birkenmaier.
Zum Pfleger wurde der Schwager, Wilhelm Class, Oberlandjäger in Obermarchtal, am 27. Februar 1937 bestellt.
Karl Paul war das jüngste von fünf Kindern. Seine schulischen Leistungen waren gut und nach der Schule hat er beim Vater in der Seegrasspinnerei gearbeitet. Ab dem 13. Lebensjahr litt er zunehmend unter epileptischen Anfällen, die für ihn schrecklich waren.
Nach einem Suizidversuch wurde er am 17. Februar 1937 vom behandelnden Arzt des Kreiskrankenhauses Riedlingen in die Heilanstalt Zwiefalten überstellt. Hier arbeitete er anfangs in der Korbflechterei und später gelegentlich im Garten.
Auf Antrag des Zwiefalter Anstaltsleiters beschloss das Amtsgericht Ulm als Erbgesundheitsgericht am 17. September 1937 Karl Paul wegen „erblicher Fallsucht“ unfruchtbar zu machen. Die Sterilisierung erfolgte am 15. November 1937.
Die epileptischen Anfälle häuften sich und Karl Paul zog sich immer mehr in sich zurück.
Auf einer Liste vom 20. September 1940 wurde er von der Direktorin Martha Fauser zur Deportation nach Grafeneck vorgeschlagen, aber offensichtlich zurückgestellt und überlebte die Zeit der Transporte nach Grafeneck. Am 27. April 1943 stirbt Karl Paul während eines epileptischen Anfalls, wie es in der Krankenakte heißt. Sein Leichnam wurde am 28. April 1943 an den Bruder Max Paul, Mechaniker in Dürmentingen, überführt. Karl Paul wurde 38 Jahre alt.
Aus der Zwiefalter Krankengeschichte lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, ob Karl Paul seiner langen und schweren Krankheit erlegen ist oder auf Anweisung der damaligen Ärztlichen Direktorin Martha Fauser durch die Überdosierung von Medikamenten ermordet wurde.
Erarbeitet von BR
Quellen/Literaturangaben
- Hauptbücher Zwiefalten, Hauptbuch Männer, Nr. 3344. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Sammlung Krankenakten der nach 1900 geborenen Zwiefalter Patienten. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 747 Nr. 39.
- Zu den Krankenmorden in Zwiefalten siehe Rüdenburg, Bodo: Die „Aktion T4“ in Zwiefalten, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 37-46.
- Zur Zwiefalter Anstaltsdirektorin Fauser siehe Breucker, Dorothee: Dr. Martha Fauser, eine Ärztin im Nationalsozialismus, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 115-127.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 30. Mai 1878
Geburtsort: Weingarten
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
R
Geboren am: 25. April 1881
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung: Heilanstalt Winnental, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 Heilanstalt Zwiefalten (Zwischenanstalt)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Robert Ersing, Konditor und Hochzeitslader in Biberach und Maria Amalie geb. Schirmer aus Uttenweiler.
Amalie Marie Rebholz geb. Ersing wurde in Biberach an der Riß als jüngstes von sieben Kindern in der Weberberggasse 5 geboren. Sie war knapp drei Jahre alt als der Vater starb.
Am 09. Oktober 1905 hat sie in Wiblingen den Bauwerkmeister Karl Rebholz geheiratet. Das Ehepaar lebte in Neuenbürg und bekam zwischen 1907 und 1911 vier Kinder. Am 03. Mai 1912 erfolgte eine erste Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen. Das jüngste Kind war gerade ein Jahr alt, das älteste Kind fünf Jahre. Am 28. Juni 1912 wurde sie wieder entlassen. Sie war dann vom 28. Juni 1912 bis 15. August 1912 in der Heilanstalt Winnental. Von dort wurde sie gebessert entlassen. Schon am 14. Oktober 1912 erfolgte eine erneute Aufnahme in die Heilanstalt Winnental. Die Zeit dazwischen mit familiären Problemen ist ausführlich in der Krankenakte beschrieben. Amalie Marie Rebholz blieb bis zur Verlegung am 01. April 1932 in die katholische Pflegeanstalt Heggbach in Winnental. Über die Zeit in Heggbach ist wenig bekannt. Es gibt keine erhaltene Akten. Der geschiedene Ehemann und drei der vier Kinder waren zwischenzeitlich in die USA ausgewandert. Ein Sohn ist in Deutschland geblieben und war Soldat bei der Wehrmacht.
Von der Pflegeanstalt Heggbach kam sie am 30. August 1940 mit einem Transport von insgesamt 75 Personen in die Zwischenanstalt Zwiefalten. Zusammen mit 54 weiteren Kranken wurde sie am 24. September 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Amalie Marie Rebholz war 59 Jahre alt.
Eine ausführliche Biografie von Amalie Marie Rebholz geb. Ersing wurde von Stephanie Schosser in Zusammenarbeit mit einer Enkeltochter aus den USA erarbeitet. Veröffentlicht wurde die Biografie in einem Aufsatz in zwei Teilen bei der Forschergruppe Oberschwaben (Mitgliederzeitschrift Circular).
Circular Ausgabe Nr. 11 2023: https://www.forschergruppe-oberschwaben.de/circular-ausgabe-nr-11-2023/
Circular Ausgabe Nr. 12 2023: https://www.forschergruppe-oberschwaben.de/circular-ausgabe-nr-12-2023/
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 650.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenakten. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 II Bü 10688 Rebholz, Marie.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. September 1925
Geburtsort: Hörenhausen (zu Sießen am Wald)
Beruf: keiner
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Jakob Rechtsteiner, Söldner in Hörenhausen und Walburga geb. Kugler
Die Mutter von Karl Rechtsteiner war die zweite Ehefrau von Jakob Rechtsteiner. Er hatte im Jahr 1910 zum ersten mal geheiratet, die zweite Ehe war im Jahr 1919.
Karl Rechtsteiner war laut der Krankengeschichte ein Zwillingskind. Er konnte nicht in die Schule gehen und das Jugendamt kam für die Kosten auf. Das Kind war 7 Jahre alt bei der Aufnahme im Kinderasyl Ingerkingen.
Wir wissen leider nichts über das Leben oder die Familie von Karl Rechtsteiner.
Am 11. September 1940 wurde Karl Rechtsteiner nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Karl Rechtsteiner war 15 Jahre alt.
Das gefälschte Todesdatum 15. September 1940 ist auf dem Geburtsregister Sießen im Wald (Hörenhausen) 1925 Nr. 10 nachgetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/4570.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 364, Rechtsteiner Karl. Archiv St. Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Standesamt Sießen am Wald, Geburtsregister 1925 Nr. 10, mit Nachtrag des Sterbedatums am 23.9.1940 in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 2. April 1895
Geburtsort: Binzwangen
Beruf: Bierbrauer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 31. März 1941
Todesort: Hadamar
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 15. Juli 1881
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: Heizer (1921), Maschinist (1925), Taglöhner (1935)
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 3. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 24. Juni 1895
Geburtsort: Ingerkingen
Beruf: Haustochter, Damenschneiderin, Nähterin (Näherin)
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johannes Baptist Ritter, Söldner/Landwirt in Ingerkingen und Magdalena geb. Stöhr
Pauline Ritter war das siebte von zehn Kindern Ihrer Eltern. Vier der Geschwister sind sehr jung verstorben.
Für Pauline Ritter ist die Patientenakte im Bundesarchiv Berlin erhalten, darin gibt es eine ausführliche Aufzeichnung über Sie:
„Pauline Ritter war bei ihrer Aufnahme am 21.9.1931 in Schussenried 36 Jahre alt und drei Wochen zuvor erkrankt. Nach dem ärztlichen Zeugnis vor Dr. Ehmann, Biberach, war sie am 1.6.1931 in der Pflegeanstalt Heggbach als ‚Pfründnerin‘ aufgenommen worden, wollte aber nach drei Wochen wieder fort. Sie äußerte, das alle Schwestern, auch sie, Teufel oder vom Teufel besessen wären und hatte Selbstmordgedanken. Deshalb sei die Verbringung in eine Heil- und Pflegeanstalt dringend notwendig gewesen. P. hatte sieben Jahre lang die Volksschule in Ingerkingen besucht, bei einer Damenschneiderin gelernt und nach der Lehre teils zu Hause genäht oder in der Landwirtschaft mitgeholfen. Die Schwester hatte sie nach Heggbach gebracht, weil sie wegen Kopfschmerzen und ihrer Nerven wegen nicht mehr zur Arbeit fähig gewesen sei. Anfangs habe sie noch im Nähzimmer gearbeitet, aber dann wegen ‚furchtbarer Schwermut‘ nur noch im Bett gelegen. In Schussenried ist P. vor allem nachts erregt, schreit und hat religiöse Wahnvorstellungen, was oft zu einer ‚Netzbehandlung‘ oder ins ‚Bad‘ führe. In einer der letzten Eintragungen am 31.5.1940 wird eine ‚läppische, antriebslose Kranke‘ geschildert, die ‚zu keiner Arbeit gebraucht werden‘ kann.“
Pauline Ritter wurde am 9. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie war 45 Jahre alt.
Die gemeldeten aber gefälschten Sterbedaten von Pauline Ritter sind 23.7.1940 Landesanstalt Hartheim/Linz (Nachtrag im kath. Familienregister).
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 677 Nr. 43.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27491.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Katholisches Familienregister Ingerkingen Seite 181, Kind Nr. 7 mit gefälschten Todesdaten.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Juni 1886
Geburtsort: Reute (Waldsee)
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Oberer Riedhof in Ulm
Datum der Deportation: 13. November 1940
Sterbedatum: 13. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Matthias Rösch, Bauer auf dem Scheuerleshof in Reute bei Waldsee und Josefa geb. Kessler aus Kürnbach.
Konrad Rösch ist im Gedenkbuch Ulm aufgeführt und hat dort eine ausführliche Biografie:
„Konrad Rösch kam am 20. Juni 1886 als Kind des Matthäus Rösch und seiner Frau Josepha, geb. Kessler, auf dem Scheuerleshof beim Kloster Reute im Landkreis Ravensburg zur Welt. Er war ein Zwillingskind und sein Geschwister wurde im Familienregister als Totgeburt eingetragen. Seine Mutter brachte 14 Kinder zur Welt, von denen neun kurz nach der Geburt starben. Konrad Rösch besuchte sieben Jahre lang die Volksschule am Ort, ohne über die erste Klasse hinaus zu kommen. Er lernte weder Lesen noch Schreiben. Als junger Mann verdiente er eine Zeit lang seinen Lebensunterhalt als Knecht auf anderen Bauernhöfen und kam dann für den Rest seines Lebens in die Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof in Ulm-Grimmelfingen. Der Ulmer Amtsarzt Dr. Eduard Schefold leitete 1935 ein Sterilisationsverfahren ein, obgleich ihm bekannt war, dass der nunmehr 49-jährige Konrad Rösch kein Interesse an Frauen gezeigt hatte. Für das Verfahren wurde eigens ein Vormund, der Diakon Karl Baumann, bestellt. Die Verhandlung des Erbgesundheitsgerichts fand am 22. Januar 1936 als Außentermin auf dem Oberen Riedhof statt. Am 7. Mai 1936 wurde Konrad Rösch im städtischen Krankenhaus Ulm zwangsweise unfruchtbar gemacht. Konrad Rösch übernahm auf dem Riedhof weiterhin Hilfsarbeiten und lebte dort bis zu seiner Ermordung in Grafeneck am 19. November 1940. „
Aus. Aus: Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 149.
Weitere Informationen als Ergänzung zu der Biografie im Gedenkbuch Ulm:
Die Eltern von Konrad Rösch haben 1880 in Reute bei Waldsee geheiratet. Sie bewirtschafteten dort den Scheuerleshof. Im Jahr 1898 hat das Kloster Reute diesen Hof gekauft. Die Familie zog daraufhin mit den vier noch lebenden Kindern in den Geburtsort der Ehefrau, nach Kürnbach bei Schussenried. In Kürnbach wurde dann noch ein weiteres Kind geboren welches kurz darauf verstarb. Im katholischen Taufregister Reute wird der Vorname Conrad mit C geschrieben.
Der Vater von Konrad Rösch ist am 15. Januar 1904 verstorben. Seine Mutter am 22. September 1924.
In der Zeitung Verbo Schussen-Bote vom 26. Juli 1910 wurde eine Vermisstenanzeige für Konrad Rösch geschaltet. Er hat seine Arbeitsstelle, den Spieglerhof in Schussenried, am 18. Juli ohne Abmeldung verlassen und wird seither vermisst.
Weitere Details zu dieser Anzeige und was daraufhin mit Konrad Rösch war sind nicht bekannt.
Am 24. Januar 1934 wurde Konrad Rösch im Oberen Riedhof in Ulm aufgenommen. Vor der Aufnahme im Oberen Riedhof hat er angegeben, bei einem Bauern auf dem Röhrenhof bei Haslach Oberamt Leutkirch gearbeitet zu haben. Vom Oberen Riedhof wurde er am 19. November 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet. Er war 54 Jahre alt.
In den vorliegenden kirchlichen Registern ist kein gefälschtes Sterbedatum nachgetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Abt. Staatsarchiv Ludwigsburg FL 30/18 I Bü 62, Erbgesundheitssache von Konrad Rösch, Württ. Erbgesundheitsgericht Ulm.
- Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 149.
- Pfarrei Reute, Tauf- und Familienregister ohne Nachträge des Todes von Konrad Rösch.
- Zeitung Verbo Schussen-Bote Ausgabe vom 26. Juli 1910, Vermisstenanzeige von Konrad Rösch.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Juli 1907
Geburtsort: Betzenweiler
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 04. April 1896
Geburtsort: Vorderberg (Reichenhofen)
Beruf: Novizin
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 09. Juli 1940
Sterbedatum: 09. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Georg Rueff, Söldner in Vorderberg-Reichenhofen und Sophie geb. Ris.
Agatha Rueff war das achte und jüngste Kind der Familie. Die Mutter war zwei mal verheiratet, in zweiter Ehe hatte sie drei Kinder.
Agatha Rueff wurde am 08. Juni 1922 im Alter von 26 Jahren in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Dies geschah ‚auf Ansuchen der Angehörigen‘, es war die erste Aufnahme. In der württembergischen Patientenkartei wird als Beruf Novize genannt. Der Wohnort/letzte Aufenthaltsort war Hürbel.
Agatha Rueff war bis zu Ihrer Deportation am 09. Juli 1940 in der Heilanstalt Schussenried. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck ermordet. Sie war 44 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum und Sterbeort war 19.07.1940 in Sonnenstein. Das Datum ist bekannt aus den Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg. Die Urne von Agatha Rueff ist auf dem Hauptfriedhof Konstanz bestattet, dort wurde eine Gedenkstätte für diese Urnen errichtet.
Sie war Novizin, vermutlich im Kloster Bonlanden.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III 694 Nr. 1.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Hauptfriedhof Konstanz, Feld 14a – Gedenkstätte für Urnen von NS-„Euthanasie“-Opfern, welche 1983 im Keller des Krematoriums Konstanz aufgefunden wurden.
- Hauptfriedhof Konstanz Grabfeld 14a, Nr. 145: Rueff Agatha mit gefälschtem Todesdatum 19.07.1940 und Todesort Sonnenstein.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 08. Mai 1892
Geburtsort: Biberach
Beruf: Kellner, Hausdiener, Spüler
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 13. März 1941 Heilanstalt Weinsberg „Zwischenanstalt“
Sterbedatum: 4. April 1941
Todesort: Hadamar
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Hermine Busch in Schömberg (Oberamt Neuenbürg, später Kreis Calw), ein gemeinsamer Sohn, ca. 1926 geboren.
Eltern: Karl Ruthardt, Werkmeister in Biberach, später Oberbahnmeister in Freudenstadt und Anna Maria geb. Süßmuth
Die Eltern von Heinrich Rudolph Ruthardt haben am 6. Mai 1886 in Biberach geheiratet, dort wurden drei Kinder geboren. Heinrich Ruthardt war das jüngste dieser drei Kinder. Die Familie ist noch im Geburtsjahr von Heinrich Ruthardt nach Heilbronn gezogen. Im Jahr 1912 hat die Familie in Freudenstadt gelebt, der Vater war Oberbahnmeister in Freudenstadt.
Heinrich Ruthardt arbeitete als Kellner in einem Sanatorium in Schömberg und hat dort auch seine Frau kennengelernt. Im Jahr 1921 hat das Paar geheiratet. Das Ehepaar hatte ein Kind. In späteren Jahren hat Heinrich Ruthardt nicht mehr als Kellner, sondern als Spüler im Sanatorium gearbeitet. Vermutlich hat die psychische Erkrankung zu dieser Veränderung beigetragen.
Er war er vom 19. Juni 1939 bis 04. Juli 1939 zur Beobachtung und Behandlung in der Nervenklinik Tübingen und wurde von dort nach Hause entlassen. Heinrich Ruthardt hat sich in den 2 Wochen in Tübingen ruhig verhalten, mit Mitpatienten geredet, im Saal geholfen und scheint auch gut geschlafen zu haben. In einem Schreiben der Klinik an die Krankenkasse wird davon abgeraten ihn wieder an der alten Arbeitsstelle einzusetzen. Bevor eine Anstaltseinweisung vorgenommen werde, möchte die Ehefrau es zu Hause mit ihrem Mann nochmals versuchen. Heinrich Ruthardt war schon im Jahr 1935 wegen seiner Erkrankung sterilisiert worden. Der Grund für die Einweisung waren Raufhändel auf der Arbeitsstelle (er soll aber auch von Kollegen gereizt worden sein), und auch problematische Situationen mit seiner eigenen Familie. Seit einer Bronchitis im Februar 1939 war er wieder sehr aufgeregt. Die Diagnose war eine in Schüben verlaufende Schizophrenie.
In der Krankenakte aus dem Universitatsarchiv Tübingen gibt es neben Informationen zum Patienten und zur Erkrankung auch verschiedene Schriftwechsel mit seiner Ehefrau, der Landesversicherungsanstalt wegen Invalidenrente und der Krankenkasse Schömberg (AOK).
Nach der Aufnahme in der Heilanstalt Weissenau im Jahr 1940 hat Heinrich Ruthardt selber zur Anamnese beigetragen: „R gibt an, er sei 1912 schon einmal in der Heilanstalt Pfullingen gewesen, dann 1926 in der Psych. Klinik in Heidelberg und 1928 zur Beobachtung nach einem Unfall in der Nervenklinik Tübingen. 1935 sei er sterilisiert worden. Die Stimmen höre er schon seit seiner 1. Erkrankung 1912, von Zeit zu Zeit weniger und dann wieder stärker.
1921 habe er sich verheiratet, habe einen Sohn, sei mit der Frau immer gut ausgekommen. 1932 habe er eine Lungenentzündung durchgemacht und im letzten Jahre habe er öfters Stechen in der rechten Schulter gehabt.“
Auch von seiner Frau wurde eine ausführliche Beschreibung des Patienten abgegeben.
Heinrich Ruthardt wurde am 05. Januar 1940 in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen. Warum er nicht schon im Jahr 1940 bei den Transporten nach Grafeneck deportiert wurde kann nur vermutet werden, vermutlich, weil er im Herbst 1939 nicht auf den Listen war, welche von den Einrichtungen ausgefüllt werden mussten.
Trotzdem wurde Heinrich Ruthardt ein Opfer der Aktion T4. Er wurde am 13. März 1941 von der Weissenau in die Heilanstalt Weinsberg verlegt. Weinsberg war zu diesem Zeitpunkt eine sogenannte „Zwischenanstalt“ für die Tötungsanstalt Hadamar.
Von Weinsberg gelangte Heinrich Ruthardt in einem Transport am 04. April 1941 nach Hadamar. Das Verlegungsdatum nach Hadamar ist als Todesdatum von Heinrich Ruthardt anzusehen. Das offiziell beurkundete Todesdatum ist der 21. April 1941.
Heinrich Ruthardt war 48 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 699 Nr. 177.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24823.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/17868 Ruthardt Heinrich, Patientenakte mit Foto.
- Stadtarchiv Biberach, Familienregister Band 8, Seite 671-672 (Nachtrag des gemeldeten/gefälschten Todesdatums).
- Hessisches Hauptstaatsarchiv; Wiesbaden, Deutschland; Personenstandsregister Sterberegister; Signatur: 1975. Sterberegister für zahlreiche Orte im heutigen Hessen. Online bei Ancestry.de.
Abbildungen und Bildunterschriften
S
Geboren am: 22. Juni 1890
Geburtsort: Haslach (Rot an der Rot)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Norbert Schädler, Schneider in Haslach und Pauline geb. Nothelfer
Pauline Schädler war das fünfte Kind der Familie. Insgesamt waren es neun Geschwister. Vier Kinder sind jung verstorben, eine Schwester war Ordensfrau in Untermarchtal, die älteste Schwester war in Leutkirch verheiratet, zwei Brüder haben sich in Horb am Neckar verheiratet. Die Eltern sind 1906 und 1908 verstorben.
Zur Vorgeschichte von Pauline Schädler ist nichts bekannt. Sie war seit dem 13. März 1931 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Der Kostenträger war die Landesarmenbehörde Stuttgart, d.h. sie hat vermutlich vor der Aufnahme in die Liebenau in Stuttgart gelebt.
Auch die Krankenakte ist nicht erhalten. Sie war in der Liebenau bis zur Verlegung nach „unbekannt“ am 02. Oktober 1940. Tatsächlich wurde Pauline Schädler nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet.
Pauline Schädler war 50 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist der 10. Oktober 1940 in Grafeneck. Die Asche aus Grafeneck wurde am 22. November 1940 in Haslach beigesetzt.
Der Trostbrief aus Grafeneck wurde an die Schwester Wilhelmine Schädler gesendet, der Ordensname war Sr. Hermine. Zum Zeitpunkt der Todesnachricht lebte diese in Schwäbisch Gmünd im Margarethenheim. Auch der Brief mit den Modalitäten zur Übersendung der Urne ist erhalten. Ansprechpartner bezüglich der Urnenbestattung war der Bruder Anton Schädler.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Verlegungsliste“ von Liebenau nach unbekannt: Liste V, 1-75 [301-375]: 30. August 1940, Verlegung von Liebenau nach unbekannt S. 185-187 aus Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009
- Standesamt Haslach, Geburtsregister 1890 Nr. 20 mit Nachtrag des gefälschten Sterbedatums in Grafeneck.
- Standesamt Haslach, Familienregister. Undatierter, maschinenschriftlich erstellter Auszug aus dem Familienregister, ohne Nummerierung.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. Februar 1875
Geburtsort: Biberach
Beruf: Buchbinderlehrling, Buchbinder
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 30. April 1888
Geburtsort: Griesingen
Beruf: keiner
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Jakob Scheffold, Käser, gebürtig aus Kirchbierlingen und Emerentia geb. Reinhard verw. Mader aus Attenweiler
Die Eltern von Anton Scheffold hatten beide schon aus vorhergehenden Ehen Kinder. Bei seiner Mutter war es ein Sohn, in Schemmerberg geboren. Bei seinem Vater waren es aus zwei vorhergehenden Ehen Kinder welche in Buffalo (USA), Birkenhard, Ehingen, Griesingen und die jüngeren Geschwister von Anton Scheffold dann in Mittelbuch geboren wurden. Die Mutter muss vor dem Jahr 1918 verstorben sein, auf der Traueranzeige von Bruder Otto (Gefallen) ist der Vater Jakob Scheffold mit seinen sechs Kindern genannt.
Der Vater war einige Jahre in den USA, nach dem Tod seiner ersten Frau im Jahr 1874 kehrte er mit seinen Kindern nach Deutschland zurück. Danach war er längere Zeit als Käser in Birkenhard. Sein letzter Wohnort war Mittelbuch, dort hatte der Vater Jakob Scheffold einen kleinen Bauernhof gekauft. Diese biografischen Informationen stammen aus der Zeitung anlässlich des 92. Geburtstag im Juli 1936 von Jakob Scheffold. Er starb am 26. Februar 1937 als ältester Bürger von Mittelbuch.
Anton Scheffold wurde am 31. März 1937 in die Pflegeanstalt Heggbach aufgenommen. Er war 48 Jahre alt, bis zu diesem Zeitpunkt scheint er in der Familie versorgt worden zu sein und hat bei seinem Vater gelebt, er kam „von zuhause“. Über sein Leben wissen wir nichts. Er hatte eine geistige Einschränkung, konnte kaum reden, war nicht bösartig, kam mit Unterstützung gut zurecht. Diese Information stammt aus der Akte aus dem Bundesarchiv (eine Seite, sehr schlecht leserlich).
Am 11. September 1940 wurde Anton Scheffold nach Grafeneck deportiert. An diesem Tag wurde er mit Gas ermordet. Er war 52 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist uns aktuell nicht bekannt.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/19565.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. Juni 1917
Geburtsort: Orsenhausen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Geboren am: 11. Oktober 1883
Geburtsort: Ergach (bei Rot an der Rot)
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 13. August 1940 (Zwischenanstalt Heilanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 25. August 1940
Todesort: Heilanstalt Zwiefalten
Mordprogramm: Aktion T4 (in Zwischenanstalt vor Deportation verstorben)
Biografie
Ehemann: Friedrich „Fritz“ Schiedel, Landwirt in Baierz
Eltern: Heinrich Reisch Privatier, früher Landwirt in Ergach und Maria geb. Sailer
Die Familie von Theresia Schiedel lebte von der Heirat der Eltern 1882 bis Oktober 1894 in Ergach bei Rot an der Rot. Im Oktober 1894 ist die Familie nach Baierz Pfarrei Hauerz umgezogen. Theresia Schiedel war zu diesem Zeitpunkt gerade 11 Jahre alt geworden.
Sie war das älteste von 7 Kindern auf dem Familienregister der Eltern. Dort ist zu Theresia Schiedel nur der Nachtrag „cop. Schiedel (Weissenau)“, keine weiteren Angaben.
Theresia (oder Theres) Schiedel geb. Reisch hat am 8. August 1910 in Wurzach Friedrich Schiedel geheiratet. Das Ehepaar lebte in Baierz und hatte sechs Kinder. Auf der Württembergischen Patientenkartei sind sieben Kinder angegeben, von denen 4 leben.
Am 19. Oktober 1931 wurde Theresia Schiedel zum ersten mal in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen. Sie war dort bis zum 01. Juni 1932 und wurde ungebessert nach Hause entlassen.
Als Theresia Schiedel im Jahr 1937 in die Heilanstalt Liebenau aufgenommen wurde war sie 53 Jahre alt. Die Kinder waren zwischen 12 und 25 Jahre alt. Auf dem Hof lebte auch schon ein Enkelkind.
Der Ehemann musste die Kosten in Form eines Tagessatzes von 1,70 Reichsmark tragen.
Theresia Schiedel wurde am 13. August 1940 mit einem Transport in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. In den Dokumenten von Pfarrer Friedel steht als Todesdatum und Sterbeort der 30. August 1940 Grafeneck. Für Theresia Schiedel stimmt das allerdings nicht, sie ist am 25. August 1940 in der Heilanstalt Zwiefalten verstorben. Dieses Datum ist auf ihrem Geburtsregister nachgetragen. Wir betrachten sie trotzdem als Opfer im Sinne unseres Projekts, sie wäre ansonsten fünf Tage später in Grafeneck ermordet worden.
Das Diözesanarchiv Rottenburg hat die Einträge aus den Totenregistern der Pfarreien Zwiefalten und Bad Wurzach durchgesehen – Theresia Schiedel wurde in Bad Wurzach bestattet:
Laut Eintrag im Totenregister der Pfarrei Zwiefalten, M 461 B 21, Eintrag Nr. 53/1940, verstarb Theresia Schiedel am 25. August 1940 um 15.00 Uhr in der Heilanstalt Zwiefalten. Bei der Spalte „Krankheit oder zufällige Todesart“ ist „Krankheit – letzte Ölung“ angegeben und bei der Spalte „Ort und Zeit der Beerdigung“: „Die Leiche am 27. August 1940 nach Wurzach Kreis Wangen überführt“.
Laut Eintrag im Totenregister der Pfarrei Bad Wurzach, M 369 B 16, Eintrag Nr. 24/1940, verstarb Theresia Schiedel am 25. August 1940 nachm[ittags] 3 Uhr in Zwiefalten, sie wurde am 28. August 1940 um ½ 10 Uhr in Wurzach beerdigt.
Bei der Spalte „Krankheit oder zufällige Todesart“ ist „Geisteskrankheit – Gehirnschlag“ angegeben.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 730-57. (Württembergische Patientenkartei).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Standesamt Rot an der Rot (Roth), Geburtsregister 1883 Nr. 50 mit Nachtrag des Todes am 25. August 1940 in Zwiefalten.
- Diözesanarchiv Rottenburg, Transkriptionen aus den Totenregistern der Pfarreien Zwiefalten und Bad Wurzach, Mitteilung vom 5.6.2026, DAR_761.61/24.
- Informationen von Familienmitgliedern.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 04. Dezember 1889
Geburtsort: Eglofs (Willofs)
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried, Heggbach, Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 (Zwischenanstalt Heilanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Mutter: Maria Schiedner geb. Oberländer, Taglöhnerswitwe aus Erolzheim.
Eugenie Schiedner wurde unehelich in Eglofs (Willows) bei Obergünzburg geboren. Die Mutter war seit drei Jahren Witwe und hatte mit dem verstorbenen Ehemann Xaver Schiedner elf Kinder. Wann Eugenie Schiedner zusammen mit der Mutter zurück nach Erolzheim kam ist nicht bekannt. Am 18. Juni 1918 hat Eugenie Schiedner ein uneheliches Kind Josef in Erolzheim geboren. Das Kind starb leider schon am 31. Juli 1919.
Weitere Informationen zum Leben und der Familie von Eugenie Schiedner liegen leider nicht vor.
Bei der ersten Aufnahme in der Heilanstalt Schussenried am 07. September 1925 werden die Eltern Eugen und Maria Schiedner genannt. Der Vater ist zu diesem Zeitpunkt schon verstorben, die Mutter wird als Taglöhnerswitwe bezeichnet. Wer der tatsächliche Vater von Eugenie Schiedner ist, geht aus den verfügbaren Unterlagen nicht hervor. Eugenie Schiedner wurde am 31. März 1926 ungeheilt nach Heggbach versetzt. Am 10. Januar 1929 wird Eugenie Schiedner erneut in Schussenried aufgenommen. Sie scheint nicht aus Heggbach gekommen zu sein. Am 07. Mai 1929 wurde Eugenie Schiedner gebessert entlassen. Bereits am 10 August 1929 wurde Sie zum dritten mal in Schussenried aufgenommen. Am 10. Dezember 1935 wurde Eugenie Schiedner ungeheilt in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt. Dort lebte Sie bis zur Verlegung nach „unbekannt“ am 30. August 1940. Tatsächlich wurde sie in die Heilanstalt Zwiefalten verlegt, die als Zwischenanstalt fungierte. Am 24. September 1940 wurde Eugenie Schiedner nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Eugenie Schiedner war 50 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum war der 12. Oktober 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum. Hier ist der Nachname fälschlicherweise „Schneidner“.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 730-62.
- „Verlegungsliste“ von Liebenau nach unbekannt: Liste V, 1-75 [301-375]: 30. August 1940, Verlegung von Liebenau nach unbekannt S. 185-187 aus Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009. Hier ist der Name fälschlicherweise „Schneider“.
- Standesamt Willofs (Obergünzburg) Geburtsregister 1889 Nr. 25 mit Nachtrag des Todes in Grafeneck
- Standesamt Erolzheim, Familienregister Erolzheim Band 1, Blatt 311 mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums, Kind Nr. 12
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. April 1884
Geburtsort: Friesenried (Bayern)
Beruf: Metzger
Einrichtung: Heilanstalt Kaufbeuren
Datum der Deportation: 5. September 1940
Sterbedatum: 5. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Xaver Schiedner, Spengler aus Erolzheim und Maria geb. Oberländer
Xaver Schiedner war das neunte von zwölf Kindern seiner Eltern. Die Schwester Eugenie Schiedner war das jüngste Kind und ist auch 1940 in Grafeneck ermordet worden.
Die Familie Schiedner ist mehrmals umgezogen, die Heirat der Eltern war in Kempten, die ersten Kinder kamen in Obergünzburg zur Welt. Danach in Ebersbach (ein Teilort von Obergünzburg) und Apfeltrang (gehört zu Mindelheim). Xaver Schiedner und die Zwillinge Karl und Peter kamen in Friesenried auf die Welt.
Drei Jahre nach dem Tod des Vaters am 25. August 1886 wurde dann noch die Halbschwester Eugenie Schiedner in Eglofs geboren.
Es ist nicht bekannt wann die Mutter mit ihren Kindern wieder nach Erolzheim gezogen ist, dem Geburtsort ihres verstorbenen Ehemannes.
Am 25. April 1914 war Xaver Schiedner in Ulm beim „Hilfsverein für reconvalescente Geisteskranke in Württemberg“ vorstellig geworden und hat um Unterstützung gebeten. Er war zuvor wohl schon zweimal in Heilanstalten, im Winter 1910/1911 in der Weissenau, vom 08. August 1913 bis 20. April 1914 in Schussenried. Dort wurde er gebessert entlassen.
Bis zu diesem Zeitpunkt hatte er auch keine Gelder aus öffentlicher Unterstützung empfangen. Er wollte zu seinem Schwager, Schreiner Christof Mann nach Cannstatt, Hauptstraße 62a gehen und dort vorläufig bleiben, da er laut eigener Aussage „im Kopf noch so wirr“ sei und er nicht arbeiten könne. Die fünf Jahre ältere Schwester Maria geb. Schiedner war dort verheiratet.
Er hat um 2 Mark für die Reise nach Cannstatt gebeten. Ein weiterer Betrag von 28 Mark soll dann in Cannstatt durch einen Vertrauensmann des Hilfsvereins direkt an den Schwager ausgezahlt werden. Weitere Informationen enthält die kleine Akte vom Hilfsverein leider nicht.
Durch die Aufenthalte in den württembergischen Anstalten ist auch in der Württembergischen Patientenkartei eine Karteikarte für Xaver Schiedner angelegt worden. Es sind nur 2 Seiten enthält im Grunde auch nur die oben genannten Zeiten, aber es waren mehr Aufenthalte:
- Weissenau: 15.01.10-07.01.11, 4. Aufnahme, Krankheitsdauer 1,5 Jahre
- Schussenried: 28.02.13-30.4.13
- Schussenried: 08.08.13-20.4.14
Über die Zeit ab Mitte 1914 bis zur Deportation nach Grafeneck ist nichts bekannt.
Erst der letzte Schritt im Leben von Xaver Schiedner ist wieder dokumentiert.
Xaver Schiedner wurde am 05. September 1940 von der Heilanstalt Kaufbeuren nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. 19 Tage später ereilte seine Schwester Eugenie Schiedner das gleiche Schicksal.
Xaver Schiedner war 56 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum wurde auf dem Geburtsregister in Friesenried nachgetragen. Es ist der 16. September 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 730-65. (Württembergische Patientenkartei).
- „Hilfsverein für reconvalescente Geisteskranke in Württemberg“,
Fundstelle: Hauptstaatsarchiv Stuttgart Bestand Q 3/4 II Bü 790, Schiedner, Xaver aus Erolzheim, BC, 2 Seiten. - Standesamt Friesenried Geburtsregister 1884 Nr. 4 von Xaver Schiedner, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Standesamt Erolzheim, Familienregister Band 1, Blatt 311: Xaver Schiedner ist Kind Nr. 9 ohne Nachtrag des Todes.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Juli 1920 in Nersingen bei Ulm
Geburtsort: Nersingen bei Ulm, Wohnort in Wain Kreis Biberach
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Stetten
Datum der Deportation: 13. September 1940
Sterbedatum: 13. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Ernst Gustav Schiller, ein Schweizer (Melker) aus Schnait, Oberamt Schorndorf und Anna Maria geb. Rehm, gebürtig aus Gauernitz bei Meißen, Magd und Pflegetochter des Heinrich Huber in Bethlehem bei Wain, Kreis Biberach.
Wilhelm Jakob Schiller wurde in Nersingen bei Neu-Ulm (Bayern) zusammen mit seinem Zwillingsbruder Eugen ehelich geboren. Drei Wochen nach der Geburt wurden die Kinder in Wain evangelisch getauft. Der Zwillingsbruder Eugen ist am 2. September 1920 verstorben. Wilhelm Jakob Schiller hatte noch drei weitere Geschwister. Die Mutter hatte nach Ihrer Scheidung am 15. Januar 1926 noch mehrere uneheliche Kinder. Im Jahr 1944 hat die Mutter im Kreis Schwäbisch Hall erneut geheiratet. Im ev. Familienregister der Eltern gibt es keinen Nachtrag des gemeldeten Sterbedatums von Wilhelm Jakob Schiller.
Die Familienverhältnisse waren sicherlich kompliziert. Der älteste Bruder Ernst-Heinrich Schiller wurde am 14. September 1925 von einer Familie Huber in Wain adoptiert. Die Mutter wurde wegen Ehebruchs am 15. Januar 1926 von Ihrem Ehemann schuldig geschieden. Kurz danach kam ein sechstes Kind, ein Junge, auf die Welt. Dieser Junge hat noch den Namen Schiller getragen, alle weiteren Kinder der Mutter den Nachnamen Rehm.
Wilhelm Jakob Schiller war seit dem 06. November 1929 in der Heil- und Pflegeanstalt Stetten. bis zu seiner Deportation am 13. September 1940 in der Heil- und Pflegeanstalt Stetten. Er wurde mit dem zweiten Transport von Stetten nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er war 20 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum von Schiller Wilhelm Jakob liegt uns aktuell nicht vor.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Historisches Archiv Diakonie Stetten, Informationen per eMail am 08.12.2024 zu den Biberacher Opfern. Zu allen Opfern gibt es Sozialdienstakten im Archiv.
- Gedenkstätte Diakonie Stetten e.V. – Das dunkle Kapitel der NS-„Euthanasie“
- Martin Kalusche, ‚Das Schloß an der Grenze‘: Kooperation und Konfrontation mit dem Nationalsozialismus in der Heil- und Pflegeanstalt für Schwachsinnige und Epileptische Stetten i. R.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. Dezember 1898
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Kaufmann
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Otto Schlichtherle, Kaufmann in Laupheim, und Theresia geb. Falch aus Munderkingen.
Die Eltern von Eugen Schlichtherle haben im Februar 1898 geheiratet. Am 27. Dezember 1898 ist schon Eugen Josef Schlichtherle als ältestes Kind auf die Welt gekommen. Das Ehepaar hatte noch mindestens sechs weitere Kinder (Auszüge aus den Standesamtsregistern im Laupheimer Verkündiger). Der Vater Otto Schlichtherle hatte ein Schuhhaus in Laupheim.
Eugen Schlichtherle hat am 1. Weltkrieg teilgenommen, er wurde laut den Verlustlisten im Jahr 1918 verwundet, er war Grenadier. Im Mai 1918 wurde Ihm ein Eisernes Kreuz verliehen.
Am 26. November 1928 hat Eugen Schlichtherle eine eigene Wohnung in der Biberacherstr. 4 in Laupheim bezogen, es wurde für Ihn eine Einwohnermeldekarte angelegt. Der Beruf ist dort Ledertechniker.
Schon am 31. Januar 1929 wurde er zum ersten mal in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen, auf Ansuchen der Angehörigen. Am 28. März 1929 wurde er ungeheilt entlassen. Die Krankheitsdauer wird bei der Aufnahme mit 3 Monaten angegeben. Eine zweite und die letzte Aufnahme erfolgte kurz vor Weihnachten 1933, am 22. Dezember 1933.
Am 23. August 1940 wurde Eugen Schlichtherle in einem Transport von 34 Männern aus der Heilanstalt Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Eugen Schlichtherle war 41 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 12. September 1940 als Todestag und als Sterbeort Brandenburg an der Havel.
Mit dem Jahreswechsel 1940/1941 hat die Familie von Eugen Schlichtherle das 100-jährige Bestehen des Schuhgeschäfts Schlichtherle in Laupheim gefeiert. Das hat Eugen Schlichtherle nicht mehr erlebt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 738-117.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (34).
- Stadtarchiv Laupheim, Einwohnermeldekarte für Eugen Schlichtherle mit gefälschtem Todesdatum und Todesort.
- Laupheimer Verkündiger Ausgabe vom 18.05.1918, Seite 1: Ehrentafel, Grenadier Otto Schlichtherle.
- Deutsche Verlustlisten, Seite 25996 vom 2. September 1918.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 26. März 1916
Geburtsort: Erlenmoos
Beruf: Bauerntochter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Xaver Schmid, Landwirt in Erlenmoos und Josefine geb. Pfender
Die Mutter von Elisabeth Schmid ist am 17. Juli 1931 in Erlenmoos verstorben. Aus der Traueranzeige der Mutter wissen wir, die Familie hatte 4 Kinder. Elisabeth Schmid war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt.
Sie wurde am 12. August 1938 im Alter von 22 Jahren auf ‚Ansuchen der Angehörigen‘ zum 1. mal in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Elisabeth Schmid war ledig, als Beruf wird Bauerntochter angegeben. D.h. sie war nicht irgendwo im Dienst sondern hat zuhause beim Vater gelebt und vermutlich auch gearbeitet. Über die Familie wissen wir wenig.
Am 9. Juli 1940 wurde Elisabeth Schmid von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. In der württembergischen Patientenkartei wurde das „Verlegt“ in der Akte mit Stempel eingetragen. Sie war knapp zwei Jahre in der Heilanstalt Schussenried.
Elisabeth Schmid war 24 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 19. Juli 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein/Sachsen.
Ein Bruder ist 1942 gefallen, der andere Bruder und der Mann der Schwester Maria waren als Soldaten im Krieg. Aus der Traueranzeige des Bruders Konrad Schmid kennen wir die Namen der Geschwister von Elisabeth Schmid.
Ob Elisabeth Schmid von der Situation der Brüder als Soldaten noch etwas mitbekommen hat ist nicht bekannt. Für den Vater war es sicherlich schwer. Ein Kind krank und dann 1940 tot, zwei Söhne und der Schwiegersohn als Soldaten im Krieg.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 744.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Der Rottumbote, Ausgabe vom 18. Juli 1931, Seite 8: Traueranzeige von Josefine Schmid, Mutter von Elisabeth Schmid.
- Donau-Bodensee-Zeitung, Ausgabe vom 03. August 1942 Seite 5: Traueranzeige von Konrad Schmid mit Nennung des Vaters und der Geschwister.
- Standesamt Erlenmoos, Geburtsregister von Elisabeth Schmid 1916 Nr. 5.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 26. Juli 1908
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: Bürstenmacher
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 9. Mai 1944
Todesort: Heilanstalt Zwiefalten
Mordprogramm: Dezentrale „Euthanasie“ (?)
Biografie
Eltern: Felix Schmid in Altheim und Marie Genovefa, geb. Muckensturm. Als Pfleger wurde Georg Schmid, Maurer in Altheim, bestellt.
Karl Schmid war das zweitälteste von sechs lebenden Kindern, sechs andere waren schon als Kleinkinder verstorben. Nach Angaben des Vaters sei er in der Schule gut mitgekommen, immer ein wenig für sich gewesen und habe viel gelesen. Nach der Schule hat er Müller gelernt. 1927 verunglückte er, dabei zog er sich eine Blutvergiftung zu, und ihm musste im Krankenhaus Sigmaringen ein Bein amputiert werden.
Der Unfall und der Verlust des Beines bereiteten ihm große körperliche und psychische Probleme. Nach einem Suizidversuch war er vom 29. Juli bis August 1936 in der Nervenklinik Tübingen. Wieder zu Hause arbeitete er zunächst in der elterlichen Landwirtschaft und dann als Korb- und Bürstenmacher.
Am 28. November 1937 wurde er wegen seiner psychischen Beschwerden in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen und erfolgreich mit Insulin behandelt. Um die Entlassung zu ermöglichen, wurde von der Anstaltsleitung ein Verfahren zur Unfruchtbarmachung eingeleitet. Am 20. Juli 1938 wurde Karl Schmid im Riedlinger Kreiskrankenhaus durch Dr. Mißmahl sterilisiert und am 23. August 1938 aus der Heilanstalt Zwiefalten als gebessert entlassen. Am 14. November 1939 wurde er wegen einer erneuten Verschlechterung seines seelischen Zustandes wieder in Zwiefalten aufgenommen. Alle Therapieversuche scheiterten, er wurde immer teilnahmsloser und zog sich ganz in sich zurück.
Auf einer Liste vom 20. September 1940 wurde er von der Direktorin Martha Fauser zur Deportation nach Grafeneck vorgeschlagen, aber offensichtlich zurückgestellt und überlebte die Zeit der Transporte nach Grafeneck. Am 9. Mai 1944 starb Karl Schmid an Lungentuberkulose, wie es in der Krankenakte verzeichnet wurde. An diesem Tag hatte die Ärztliche Direktorin Martha Fauser bereits schriftlich bei den Eltern nachfragen lassen, was im Falle eines zu erwartenden Todes mit dem Leichnam des Sohnes geschehen solle. Der Leichnam wurde dann am 11. Mai 1944 zum Pfleger, Georg Schmid, Maurer in Altheim, überführt. Karl Schmid wurde 35 Jahre alt.
Aus der Zwiefalter Krankengeschichte lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, ob Karl Schmid seiner langen und schweren Krankheit erlag, ein Opfer der kriegsbedingten Unterversorgung war oder auf Anweisung der damaligen Ärztlichen Direktorin Martha Fauser durch die Überdosierung von Medikamenten ermordet wurde.
Erarbeitet von BR
Quellen/Literaturangaben
- Hauptbücher Zwiefalten, Hauptbuch Männer, Nr. 3466 u. 3655. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Sammlung Krankenakten der nach 1900 geborenen Zwiefalter Patienten. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 747 Nr. 39.
- Zu den Krankenmorden in Zwiefalten siehe Rüdenburg, Bodo: Die „Aktion T4“ in Zwiefalten, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 37-46.
- Zur Zwiefalter Anstaltsdirektorin Fauser siehe Breucker, Dorothee: Dr. Martha Fauser, eine Ärztin im Nationalsozialismus, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 115-127.
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Geboren am: 9. März 1922
Geburtsort: Biberach an der Riß
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Stetten
Datum der Deportation: 12. November 1940
Sterbedatum: 12. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Friedrich Schrade, Elektro-Installateur in Biberach und Sofia geb. Münz aus Münsingen
Das Ehepaar Schrade hat im Mai 1921 in Stuttgart geheiratet. Die zwei Kinder des Paares, Friedrich Eugen (Rufname Fritz) Schrade und seine Schwester Frida Berta sind 1922 und 1926 in Biberach geboren. Das Mädchen ist mit 7 Jahren verstorben.
Fritz Schrade wurde mit Trisomie 21 geboren, auch Mongolismus genannt. Am 15. Februar 1929, im Alter von fast sieben Jahren, wurde er in die Heil- und Pflegeanstalt Stetten im Remstal aufgenommen. Stetten war eine Einrichtung für evangelische Kinder. Die Trisomie 21 wurde als „Erbkrank: Ja“ eingestuft. Im Jahr 1929 wusste man das vermutlich noch nicht besser. Beide Eltern waren bei der Geburt dieses ersten Kindes um die 40, was ja bekanntlich mit einem erheblich erhöhten Risiko für diesen Gendefekt einher geht.
In Stetten wurde versucht das Kind zu fördern, sowohl schulisch als auch medizinisch, was aber nicht sehr erfolgreich war. Daher wurde er nach einigen Versuchen in die „Verwahrklasse“ versetzt, die Kinder dort wurden nicht beschult.
In der Patientenakte aus dem Bundesarchiv befinden sich verschiedene Atteste, unter anderem ein Ärztliches Zeugnis über die Untauglichkeit zum Militärdienst vom 08. Oktober 1940. Es gibt auch mehrere Briefwechsel mit dem Jugendamt Biberach mit der Nachfrage, wie der Gesundheitszustand des Zöglings ist.
Fritz Schrade hatte auch mehrere Infektionskrankheiten durchgemacht, Mandelentzündung, Grippe, Masern mit schwerem Verlauf (aber wieder gesund). Auch Atembeschwerden und ein Abszess werden in der Akte beschrieben. Mit 17 Jahren, am 26. Juni 1939 wird Fritz Schrade als 1,50m groß, 44 kg schwer beschrieben. Er ist lebhaft und organisiert sich auch selber in der Küche Lebensmittel. Er redet viel und etwas aufdringlich, ist aber schlecht zu verstehen. Dies ist der letzte Eintrag in der Patientenakte von Fritz Schrade.
Am 12. November 1940 wurde Fritz Schrade nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er war 18 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum und gefälschter Todesort war der 27. November 1940 in Hartheim/Oberdonau.
Die heutige Diakonie Stetten hat eine Gedenkstätte mit Nennung aller identifizierten Opfer eingerichtet. Auch die drei Opfer dieser Einrichtung aus dem heutigen Kreis Biberach sind darauf verzeichnet.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29105.
- Historisches Archiv Diakonie Stetten, Informationen per eMail am 08.12.2024 zu den Biberacher Opfern. Zu allen Opfern gibt es Sozialdienstakten im Archiv.
- Gedenkstätte Diakonie Stetten e.V. – Das dunkle Kapitel der NS-„Euthanasie“. (abgerufen bei https://www.gedenkstaettenforum.de).
- Martin Kalusche, ‚Das Schloß an der Grenze‘: Kooperation und Konfrontation mit dem Nationalsozialismus in der Heil- und Pflegeanstalt für Schwachsinnige und Epileptische Stetten i. R.
- Stadtarchiv Biberach, Geburtsregister 1922 Nr. 50 und Familienregister Band 28, Blatt 106.
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Geboren am: 06. November 1901
Geburtsort: Binzwangen
Beruf: Gastwirt (Bahnhofsrestaurant Ertingen)
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 13. März 1941 (Zwischenanstalt Weinsberg)
Sterbedatum: 04. April 1941
Todesort: Hadamar
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Fanny Ziegler aus Ertingen
Eltern: Karl Selg, Söldner in Binzwangen und Rosa geb. Neher
Wir wissen wenig über die Kindheit von Franz Xaver Selg in Binzwangen. Sein Taufname war Franciscus Xaverius, er war das dritte von elf Kindern. Zwei Geschwister sind jung verstorben, zwei Geschwister scheinen ausgewandert zu sein.
Franz Xaver Selg war Soldat im 1. Weltkrieg, in den Deutschen Verlustlisten wird er einmal als verwundet gemeldet.
Bei der Heirat von Franz Xaver Selg am 04. Oktober 1927 sind die Berufe der verstorbenen Väter von Braut und Bräutigam genannt. Der Vater von Franz Xaver Selg war Landwirt und Viehhändler, der Vater der Braut, W. Ziegler war Wirt in Ertingen.
Franz Xaver Selg hat zusammen mit seiner Ehefrau Fanny geb. Ziegler die Restauration in Ertingen betrieben. Der Schwiegervater war schon im Jahr 1908 verstorben, die Schwiegermutter ist im Jahr 1943 verstorben und hat bis ins hohe Alter in der Wirtschaft mitgeholfen, auch als der Schwiegersohn schon krank war. Die Restauration war die Bahnhofswirtschaft. Noch 1939 wird Franz Selg im Adressbuch Kreis Saulgau als Wirt in Ertingen genannt (Gebäude Nr. 125).
Seit wann Franz Xaver Selg krank war ist nicht bekannt, er war ab dem 16. November 1937 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Schon im Jahr 1934 gab es einen Aufenthalt in der Nervenklinik Tübingen.
Aus dem Jahr 1952 ist ein Briefwechsel zwischen dem Amt für Wiedergutmachung in Riedlingen und der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau erhalten. Es liegt eine Erlaubnis der Witwe zur Herausgabe der Information vor. Dort wird die genaue Aufenthaltszeit in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau genannt, auch die Erkrankung von Franz Xaver Selg. Für seine Erkrankung war er relativ jung, es war eine neurologische Erkrankung, keine psychologische.
Franz Xaver Selg wurde am 13. März 1941 trotz starker Pflegebedürftigkeit (er war eigentlich nicht transportfähig) in die Zwischenanstalt Weinsberg verlegt. Am 04. April 1941 wurde er von dort nach Hadamar deportiert und ermordet. Franz Xaver Selg war 39 Jahre alt.
Am 01. April 1941 hat sein Bruder Fritz Selg, Soldat, an die Heilanstalt Weinsberg geschrieben und nachgefragt, ob sein Bruder seine Karte mit 10 RM Inhalt erhalten hat. Der Eingangsstempel auf dem Brief in der Heilanstalt Weinsberg war der 03. April, die Verlegung nach Hadamar war am 04. April 1941!
Am 07. April 1941 erhielt der Bruder Fritz Selg die Antwort von der Heilanstalt über die Weiterverlegung an eine unbekannte Anstalt!
Die Urne von Franz Xaver Selg wurde auf dem Hauptfriedhof in Freiburg im Breisgau bestattet. Als Kontakt wird der Bruder Fritz in Binzwangen genannt. Das gefälschte Sterbedatum ist von dieser Kriegsgräberkartei bekannt, es war der 15. April 1941.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- LABW STAL F 234 I Bü 1124, Aufn. 4: Verlegungen von Kranken, Männer, Transport vom 4. April 1941, Brief von Fritz Selg wegen des Bruders Xaver Selg.
- Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg LABW, StAL EL 20/1 VI Bü 1142 Hauptfriedhof Freiburg im Breisgau. Aufnahme 258, lfd. Nr. 27: Selg Franz aus Binzwangen.
- Riedlinger Zeitung : Tag- und Anzeigeblatt für den Bezirk Riedlingen, Ausgabe vom 01.10.1927, Seite 14. Online im Zeitungsportal der Deutschen Digitalen Bibliothek. Datengeber WLB Stuttgart.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
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Geboren am: 10. April 1889
Geburtsort: Unlingen
Beruf: –
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Heilanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Theodor Selig, Schuster und Söldner in Unlingen und Veronika geb. Hildebrand.
Sophie Selig (auch Sofie geschrieben) war das jüngste von sechs Kindern des Vaters aus zwei Ehen. Bis auf ein Kind haben alle das Erwachsenenalter erreicht. Die Eltern sind 1913 (Vater) und 1938 (Mutter) verstorben. Beim Tod von Sophie Selig hat nur noch eine ältere Schwester gelebt (diese war in Hailtingen verheiratet).
Zu den Lebensverhältnissen der Familie in Unlingen ist weiter nichts bekannt.
Sophie Selig war seit dem 30. Mai 1915 in der Pflegeanstalt Heggbach. Sie hat bei leichten Hausarbeiten geholfen und Besuch bekommen, aber selten. Als Angehöriger ist ein Schwager notiert. Das ist dann vermutlich der Mann der Schwester, die in Hailtingen gelebt hat.
Sie wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 18. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Hartheim/Oberdonau.
Sofie Selig war 51 Jahre alt.
Die Urne von Sophie Selig ist auf dem Hauptfriedhof Ulm in einem Gräberfeld für NS-„Euthanasie“-Opfer bestattet. Warum die Urne in Ulm war ist nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Standesamt Hartheim (Oberdonau): Sterberegister Nr. 52/21 vom 18. Oktober 1940 für Sophie Selig.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2379 ff: Selig, Sofie, Grablage U 21 – 58. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 31. Dezember 1897
Geburtsort: Moosburg
Beruf: Landwirt
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Heilanstalt Schussenried (Zwischenanstalt)
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Anna geb. Strobel
Eltern: Max Selig, Zimmermann in Moosburg und Mathilde geb. Geiger
Stephan Selig war das neunte von sechzehn Kindern laut Familienregister der Eltern. Von diesen Geschwistern sind neun jung verstorben. Ein Bruder ist im 1. Weltkrieg gefallen, eine Schwester ist 1916 in der Heilanstalt Schussenried verstorben. Er war Kriegsteilnehmer, im Jahr 1918 wird er als leicht verwundet gemeldet.
Stephan Selig hat am 11. Dezember 1925 geheiratet, das Ehepaar hatte zwei Kinder. Er hat dann den Bauernhof seines Vaters bewirtschaftet, es war das Gebäude 11, später Bad Buchauer Straße 27 in Moosburg.
Im Dorf wird heute noch erzählt, dass Stephan Selig wegen der Schulden psychische Probleme gehabt hat. Im Oktober 1924 ist die Scheune abgebrannt (der Vater Max Selig war noch der Bauer), aber das neu erbaute Wohnhaus konnte gerettet werden durch das beherzte Eingreifen der Feuerwehr. D.h. es musste eine neue Scheune gebaut werden und das Wohnhaus war auch neu und vermutlich noch mit Schulden belastet.
Nach seiner Heirat am 26. November 1925 waren diese Probleme vermutlich alle in der Verantwortung von Stephan Selig.
Im Oktober 1928 wurde Stephan Selig wegen „religiösen Wahnsinns“ in die Heilanstalt Zwiefalten verbracht (Zeitungsbericht).
In den württembergischen Patientenblättern werden Vermögensstreitigkeiten und die Gemeinderatswahl als psychische Einflüsse erwähnt (eine Patientenakte ist leider nicht erhalten). Im Oktober 1933 wurde der Hof in Moosburg aufgegeben, es gab eine Fahrnis-Versteigerung und die Ländereien wurden verpachtet. Im November 1933 ist die Ehefrau von Stephan Selig verstorben. Zur Beerdigung gab es einen großen Zeitungsbericht in der Buchauer Zeitung, sie war schon längere Zeit erkrankt und wurde nur 36 Jahre alt. Ihre Kinder sind als Waisen zurückgeblieben, die Mutter tot, der Vater in der Heilanstalt. Ob und was Stephan Selig vom Schicksal seiner Frau und Kinder mitbekommen hat ist nicht bekannt.
Stephan Selig war seit dem 07. Dezember 1928 in der Heilanstalt Zwiefalten. Dort verblieb er bis zu seiner Verlegung nach Schussenried am 08. September 1939. Zur Vorbereitung der Aktion T4 wurden Patienten aus der Heilanstalt Zwiefalten in andere Einrichtungen verlegt um in Zwiefalten „Platz“ zu schaffen.
Schussenried fungierte dabei als Zwischenanstalt. Alle 44 Personen aus diesem Transport vom 08. September 1939 wurden zu einem späteren Zeitpunkt im Jahr 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Am 18. Juni 1940 wurde Stephan Selig nach Grafeneck deportiert und ermordet. Er war 42 Jahre alt.
Im katholischen Taufregister von Stephan Selig ist das gefälschte Sterbedatum „15. Juli 1940 Grafeneck“ eingetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 805-30.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 7), die „8.9.1939 aus der HA Zwiefalten in die HA Schussenried versetzt“ und am 18.6.1940 deportiert wurden.
- Pfarrei Betzenweiler, katholisches Familienregister Band 2, Seite 253 Kind Nr. 9.
- Pfarrei Betzenweiler, katholische Taufregister 1897 Nr. 29 mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Riedlinger Zeitung – Tag und Anzeigeblatt für den Raum Riedlingen, Ausgabe vom 11.12.1928 Seite 7.
- Buchauer Zeitung Volksblatt vom Federsee, Ausgabe vom 22.11.1933 Seite 7.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. August 1897
Geburtsort: Egesheim, Kreis Tuttlingen
Beruf: Ordensschwester, Schwester Maria Konrada im Kloster Bonlanden
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster
Datum der Deportation: 25. September 1940
Sterbedatum: 25. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Konrad Sieger, Maurer in Egesheim Oberamt Spaichingen und Theresia geb. Klaiber
Das Ehepaar Sieger hatte fünf Kinder. Walburga Sieger war das jüngste Kind. Im Familienregister ist Ihr Werdegang aufgeführt:
- Ordensschwester (Schwester Maria Konrada)
- 1923 Profeß in Bonlanden
- Kam 1930 als Schwester von Bonlanden nach Rottenmünster
- Tod 16.10.1940 Grafeneck
Der Vater war schon 1913 verstorben, die Mutter im Jahr 1931. Die Mutter konnte sicherlich noch an der Profeß-Feier der Tochter im Jahr 1923 in Bonlanden teilnehmen. Meist waren Familien ja sehr stolz, eine Ordensschwester oder einen Priester in der Familie zu haben.
Eine erste Aufnahme in die Heilanstalt Rottenmünster erfolgte am 9. November 1928. Diese Information ist uns aus der Chronik des Klosters Bonlanden im Jahr 1928 bekannt. Zitat: „Aus der Filiale St. Agnes in Riedlingen kam die betrübende Kunde, dass sich bei Schw. Konrada Sieger seit kurzer Zeit Schwermut, fixe Ideen und Verfolgungswahn zeigte, der in den letzten Tagen solche Formen annahm, dass Schw. Konrada in die Heilanstalt nach Rottenmünster verbracht wurde – am 9. November.“
Das Kloster Bonlanden hat in Riedlingen seit 1902 das Mädcheninstitut St. Agnes unterhalten.
Walburga Sieger wurde am 20. Februar 1932 zum zweiten mal in die Heilanstalt Rottenmünster aufgenommen. Laut württembergischen Patientenblättern war Ihr Wohnort das Kloster Bonlanden, aber der letzte Aufenthaltsort war Riedlingen. In dem Fall wie im Jahr 1928 das Mädcheninstitut St. Agnes. Eine Krankenakte ist leider nicht erhalten, deshalb wissen wir nicht viel über Walburga Sieger, bzw. Schwester Konrada Sieger.
Walburga Sieger wurde am 25. September 1940 von Rottenmünster nach Grafeneck deportiert. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck mit Gas ermordet. Das Sterbedatum 11. Oktober 1940 im Familienregister der Eltern ist das gefälschte Sterbedatum. Die Todesnachrichten wurden alle mit falschem Datum, teilweise auch falschem Ort versendet um die Morde zu verschleiern.
Walburga Sieger war 43 Jahre alt.
Auch in der Chronik des Klosters Bonlanden findet sich dazu ein Eintrag im Jahr 1940, Zitat: „Nun wird es Zeit, einen Blick zurückzuwerfen, in die alte Welt. Von unseren lb. Schwestern drüben kamen nur dürftige und unterdrückte Nachrichten. Man konnte sich nicht frei äußern. So erfuhren wir nichts Näheres über den unerwarteten Tod unserer lb. Schw. M. Konrada Sieger, 16.10.40, die als unheilbar in der Anstalt Rottenmünster untergebracht war.“. Die Generalleitung des Klosters Bonlanden war in der Kriegszeit in Brasilien untergebracht.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 810-34.
- Katholisches Familienregister Egesheim Seite 556: Konrad Sieger und Ehefrau Theres Klaiber mit fünf Kindern.
- Kloster Bonlanden bei Wikipedia mit Details zur Außenstelle Riedlingen St. Agnes: https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Bonlanden
- Ausschnitte aus der Chronik des Klosters Bonlanden, erhalten per eMail vom Kloster Bonlanden am 06.02.2026
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Geboren am: 1. November 1892
Geburtsort: Bad Schussenried
Beruf: Schneidermeister
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried, Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen
Datum der Deportation: 14. März 1941 (über Heilanstalt Weinsberg als Zwischenanstalt)
Sterbedatum: 04. April 1941
Todesort: Hadamar
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehefrau: Anna Pauline geb. Kramer aus Wagnerberg bei Tannau (Tettnang), die Ehe wurde nach 1933 geschieden.
Eltern: Franz Xaver Sigg, Taglöhner in Schussenried und Brigitta geb. Frick.
Die Eltern von Johannes Sigg haben in Scheer geheiratet, das erste von fünf Kindern ist dort auf die Welt gekommen. Die Familie soll laut kath. Familienregister im April 1887 nach Schussenried, bzw. Kleinwinnaden gezogen sein. Dort kamen dann vier weitere Kinder, darunter auch Johannes Sigg auf die Welt. Zwei Söhne, Johannes und Franz Xaver Sigg haben das Erwachsenenalter erreicht.
Am 01. Mai 1923 haben Johannes Sigg und Anna Pauline Kramer in Aulendorf geheiratet. Das Ehepaar hatte mindestens ein Kind, welches im Mai 1928 geboren wurde. Durch Annoncen in der lokalen Tageszeitung ist Johannes (auch Hans) Sigg regelmässig sichtbar. Nach dem Krieg, im Jahr 1919 hat er erst mal von seinem Elternhaus aus gearbeitet, im Jahr 1920 hat er seine Meisterprüfung abgelegt. Im Jahr seiner Heirat 1923 gibt es eine Anzeige, aus der die Arbeits- und Wohnadresse Zollenreuterstraße 295 in Aulendorf hervorgeht. Im Jahr 1926 wurde das Geschäft in ein Nebengebäude des Bauunternehmers Josef Walser verlegt, was dann die Bachstr. 66 in Aulendorf war. Im Jahr 1930 gab es zwei Geschäftsverlegungen in das „Haus von Schneidermeister Hans Sigg“. Im Jahr 1931 annonciert „Frau Hans Sigg“ eine „Strumpfklinik“, sie hat ein Geschäft zur Reparatur von Strümpfen eröffnet, Adresse ist Aulendorf, Bachstr. 66. Es ist anzunehmen dass zu diesem Zeitpunkt zumindest in Aulendorf die Schneiderwerkstatt nicht mehr von Johannes Sigg betrieben wurde. Im Jahr 1934 versteigert Frau Sigg Schneidernähmaschinen. Das Geschäft existiert nicht mehr da Johannes Sigg in der Heilanstalt lebt.
Die erste Aufnahme von Johannes Sigg in der Heilanstalt Schussenried erfolgte am 10. Oktober 1933. Er ist aus dem „Landesspital Sigmaringen“ nach Schussenried ‚versetzt‘ worden und war schon mehrere Jahre vorher erkrankt. Am 17. Juli 1934 wurde er in das Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen versetzt. In der Akte steht nur Sigmaringen. Dort lebte Johannes Sigg bis zu seiner Verlegung in die Zwischenanstalt Weinsberg am 14. März 1941. Am 04. April wurde von Wiesloch aus nach Hadamar deportiert und dort ermordet.
Die Gedenkstätte Hadamar hatte uns folgende Informationen mitgeteilt:
„Herr Johannes Sigg, geb. am 01.11.1892 in Schussenried, wurde zu einem uns unbekannten Datum, von seinem letzten Wohnort Aulendorf im Kreis Ravensburg aus, in das Fürst-Karl-Landes-Krankenhaus in Sigmaringen aufgenommen. Von dort wurde er am 14.03.1941 in die Anstalt Weinsberg verlegt. Weinsberg war zu diesem Zeitpunkt eine sogenannte „Zwischenanstalt“ für die Tötungsanstalt Hadamar.
Von Weinsberg gelangte Herr Sigg in einem Transport am 04. April 1941 nach Hadamar. Das Verlegungsdatum nach Hadamar ist als Todesdatum von Herr Sigg anzusehen. Die Leichname der Ermordeten wurden anschließend noch vor Ort eingeäschert.
Das offiziell beurkundete Todesdatum von Herr Sigg ist uns bekannt, es wurde auf den 28.04.1941 datiert.“
Johannes Sigg war 48 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 811-101.
- Ks 2/66 (GStA) Frankfurt/Main, „Sonderband Grafeneck“, Aktenband 23 (Information von der Gedenkstätte Hadamar).
- Sterberegister Hadamar 1941 Nr. 718 (Online bei Ancestry.de).
- Aufnahme- und Entlassbuch der Psychiatrie-Abteilung des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen 1940-1942 (Kreisarchiv Sigmaringen XIV – 1993/4 Nr. 26, Nr. 27, Nr. 28).
- Gedenkstein für Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen (Online-Gedenkseite beim Landkreis Sigmaringen).
- Verbo Schussen-Bote, Ausgabe vom 03. September 1919, Seite 4: Geschäftsempfehlung.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. März 1919
Geburtsort: Rot an der Rot
Beruf: ohne
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Karl Sontheimer, Küfer in Rot an der Rot und Creszenz geb. Burkhart
August Sontheimer war das jüngste von sechs Kindern seiner Eltern. Von den älteren Geschwistern haben zwei Schwestern geheiratet, die anderen Geschwister sind als Kleinkinder oder sofort verstorben.
Die Eltern sind 1955 und 1957 verstorben.
Über August Sontheimer wissen wir wenig. Er wurde am 02. August 1934 im Alter von 15 Jahren in der Pflege- und Verwahranstalt Liebenau aufgenommen. Von dort wurde er am 1. Juli 1940 mit den grauen Bussen von der Liebenau nach Schussenried verlegt. Am 22. Juli 1940 wurde er von der Zwischenanstalt Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet.
August Sontheimer wurde 21 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum war der 03. August 1940 in Grafeneck.
Im Familienregister der Eltern hat der Pfarrer eingetragen „Tod durch Vergasung in Grafeneck“. Ob das schon 1940 oder später so eingetragen wurde ist nicht bekannt. Die Schrift wirkt aber ähnlich wie beim Eintrag der Heirat der Schwester im September 1940. Wenn der Pfarrer das vor Mai 1945 eingetragen hat, war das sehr mutig.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste A). Männer, Bl. 10), die am „1. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried versetzt“ und am 22.07.1940 deportiert wurden.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Pfarrei Rot an der Rot, Familienregister katholisch Band III, Fol. 270b.
- Standesamt Rot an der Rot, Geburtsregister 1919 Nr. 5, mit Nachtrag des gefälschten Sterbedatums 3. August 1940 in Grafeneck
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 28. Januar 1891
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Dr. jur., Regierungsrat (ab ca. 1925 Regierungsrat a. D.)
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster
Datum der Deportation: 16. September 1940
Sterbedatum: 16. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Speth, Katastergeometer und Gemeinderat in Laupheim und Karoline (Lina) geb. Scholter
Leopold Speth war das älteste Kind des Ehepaares. Die Namen der Geschwister werden 1931 in der Patientenakte genannt (Josefina Arnold geb. Speth, Maria Speth, Anna Reuß geb. Speth, Georg Speth). Die Mutter war 1908 bei einem Kaiserschnitt verstorben (in der Akte fälschlicherweise 1911).
Anamnese nach Vater: (in der Patientenakte 1931):
Von Erblichkeit nichts bekannt. Mutter des Pat. gestorben 1911 nach Kaiserschnitt. Pat. hat 5 Geschwister, gesund; 1 Bruder im Krieg gefallen.
Als Kind rote Flecken. Gute körperl. Entwicklung. In der Schule gut mitgekommen; er sei immer „ein Schaffer gewesen“, sass immer hinter den Büchern.
In der Schulzeit nichts Besonderes an seinem Wesen aufgefallen. Studierte Jura. Als Student lebhaft, aber sehr fleissig. 1916/18 im Feld; keine Verwundung.
1918/19 Typhus; dabei Mittelohrentzündung. Kam dann als Assessor zum Finanzamt Stuttgart, dann Biberach und von da nach Hamburg, dort 5 Jahre.
„Angeblich plötzlicher Zusammenbruch“ auf dem Finanzamt: Bekam Urlaub, ging zuerst in ein Beamten-Krankenhaus und dann heim nach Laupheim: war gegen früher wesentlich aufgeregt. „Auf einmal wenn er sprach, langte er plötzlich an den Kopf und besann sich, trommelte viel mit den Fingern, zitterte viel mit den Beinen“. War klar in der Rede. Trieb damals viel Politik, beschäftigte sich mit Bankwesen.
Ging dann nach 1/2-jährigem Urlaub zurück nach Hamburg, tat einige Monate Dienst, der ihm sehr schwer fiel.
Der Präsident des Finanzamtes legte ihm nahe, in Urlaub zu gehen, was er aber nicht tat, da er rasch Karriere machen wollte. Damals wurde er eigensinnig.
Brach dann wieder zusammen u. wurde nach Friedrichsberg gebracht. Der Vater besuchte ihn öfters u. es fiel ihm auf, dass er Grössenideen äusserte; konnte dem Gespräch nicht mehr folgen, grimassierte; wurde der Familie fremder, schrieb weniger heim, zeigte für seine Umgebung wenig Interesse.
1925/31 in Friedrichsberg.
Er sei verlobt gewesen; die Verlobung sei kurz vor Ausbruch der Krankheit ausgegangen; Gründe dem Vater unbekannt.
Um den Sohn in der Nähe zu haben wird er nach Rottenmünster gebracht. Seine Erkrankung ist ist dem Schizophrenen Formenkreis zuzuordnen.
Leopold Speth war vom 15. Oktober 1931 bis zum 16. September 1940 in der Heilanstalt Rottenmünster. Am 16. September 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Der letzte Eintrag in der Akte: „16. Sept. Wird heute in eine Staatsanstalt verlegt.“
Leopold Speth war 49 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum war der 01. Oktober 1940 in Hartheim bei Linz.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 836 Nr. 89.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27737.
- Stadtarchiv Laupheim: Geburtsregister 1891 Nr. 26 Standesamt Laupheim Speth Leopold, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums in Hartheim.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. April 1907
Geburtsort: Wilflingen
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Romuald Spohn, Söldner und Amtsdiener in Wilflingen und Carolina geb. Riester
Die Zwillinge Fidel und Hermann Spohn waren das 6. und 7. Kind der Familie. Insgesamt waren es neun Kinder in dieser Familie.
In der Traueranzeige des Vaters Romuald Spohn im Jahr 1941 werden neben der Mutter die Söhne Anton, Adolf, Gregor und Wilhelm sowie die Tochter Senze genannt. Ein Sohn Josef war schon im 1. Weltkrieg gefallen. Der Sohn Wilhelm kam später aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurück.
Die Zwillinge Fidel und Hermann Spohn sind 1907 auf die Welt gekommen. Im Alter von 12 Jahren kamen beide am gleichen Tag, am 5. Mai 1919 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Dort lebten beide Brüder bis zur Deportation nach Grafeneck.
Fidel Spohn wurde am 01. Juli 1940 nach Schussenried (Zwischenanstalt) und von dort am 22. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Hermann Spohn wurde am 30. August 1940 nach „unbekannt“ deportiert und am gleichen Tag in Grafeneck mit Gas ermordet.
Die Brüder waren 33 Jahre alt.
Die gemeldeten Sterbedaten waren für Fidel Spohn der 2. August 1940 in Grafeneck, für Hermann Spohn war es der 15. Oktober 1940 in Sonnenstein/Sachsen. Die gefälschten Daten dienten zur Verschleierung der Mordtaten, im Fall der Geschwister war ein deutlicher Abstand vermutlich wichtig.
Es ist nicht bekannt wie das Verhältnis der Brüder zueinander in Liebenau war. Aber sollten sie trotz der Erkrankung ein enges Verhältnis gehabt haben, war es eine weitere Grausamkeit, die zwei vor dem Tod noch für mehrere Wochen zu trennen.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste A). Männer, Bl. 9) und Bl. 10), die am „1. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried versetzt“ und am 22.07.1940 deportiert wurden (73).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Standesamt Langenenslingen, Auszüge aus dem Geburts- und Familienregister Wilflingen.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. April 1907
Geburtsort: Wilflingen
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Romuald Spohn, Söldner und Amtsdiener in Wilflingen und Carolina geb. Riester
Die Zwillinge Fidel und Hermann Spohn waren das 6. und 7. Kind der Familie. Insgesamt waren es neun Kinder in dieser Familie.
In der Traueranzeige des Vaters Romuald Spohn im Jahr 1941 werden neben der Mutter die Söhne Anton, Adolf, Gregor und Wilhelm sowie die Tochter Senze genannt. Ein Sohn Josef war schon im 1. Weltkrieg gefallen. Der Sohn Wilhelm kam später aus dem 2. Weltkrieg nicht mehr zurück.
Die Zwillinge Fidel und Hermann Spohn sind 1907 auf die Welt gekommen. Im Alter von 12 Jahren kamen beide am gleichen Tag, am 5. Mai 1919 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Dort lebten beide Brüder bis zur Deportation nach Grafeneck.
Fidel Spohn wurde am 01. Juli 1940 nach Schussenried (Zwischenanstalt) und von dort am 22. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Hermann Spohn wurde am 30. August 1940 nach „unbekannt“ deportiert und am gleichen Tag in Grafeneck mit Gas ermordet.
Die Brüder waren 33 Jahre alt.
Die gemeldeten Sterbedaten waren für Fidel Spohn der 2. August 1940 in Grafeneck, für Hermann Spohn war es der 15. Oktober 1940 in Sonnenstein/Sachsen. Die gefälschten Daten dienten zur Verschleierung der Mordtaten, im Fall der Geschwister war ein deutlicher Abstand vermutlich wichtig.
Es ist nicht bekannt wie das Verhältnis der Brüder zueinander in Liebenau war. Aber sollten sie trotz der Erkrankung ein enges Verhältnis gehabt haben, war es eine weitere Grausamkeit, die zwei vor dem Tod noch für mehrere Wochen zu trennen.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Standesamt Langenenslingen, Auszüge aus dem Geburts- und Familienregister Wilflingen.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 30. August 1874
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: Landarbeiter
Einrichtung: Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof
Datum der Deportation: 19. November 1940
Sterbedatum: 19. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Jacob Stauss, Taglöhner aus Dürmentingen und Viktoria geb. Häberle aus Oggelshausen
Biografie aus dem Gedenkbuch Ulm
„Clemens Stauss kam am 30. August 1874 in Dürmentingen im jetzigen Landkreis Biberach zur Welt. Er arbeitete als Bauernknecht, bis er am 14. April 1915 in die Landesfürsorgeanstalt Oberer Riedhof in Ulm-Grimmelfingen aufgenommen wurde. Als vorheriger Aufenthaltsort wurde in seiner Patientenakte Dellmensingen, ein heutiger Stadtteil von Erbach, angegeben. Clemens Stauss floh im Jahr 1916 vom Oberen Riedhof, wurde aber drei Tage später wieder aufgegriffen und in die Anstalt zurückgebracht. Im Jahr 1917 entfernte er sich abermals aus der Einrichtung und wurde erst 1925, diesmal aus dem städtische Krankenhaus Ulm kommend, dort wieder eingewiesen. Clemens Stauss gehörte zu den Langzeitbewohnern des Oberen Riedhof. Am 19. November 1940 musste er, nachdem ihn die „T4“-Ärzte selektiert hatten, in einen der <grauen Busse> steigen, der ihn nach Grafeneck brachte, wo er mit Gas ermordet wurde.“
Weitere Informationen zu Clemens Stauss
Clemens Stauss war das dritte von vier Kindern laut katholischem Familienregister der Eltern. Ein standesamtliches Familienregister scheint in der Gemeinde Dürmentingen nicht zu existieren, obwohl die jüngere Schwester 1878 geboren wurde und es für sie ein Geburtsregister in Dürmentingen gibt. Leider gibt es auf dem katholischen Register nach dem Tod der Eltern in den Jahren 1888 und 1890 keine Nachträge mehr. Wo die Kinder zu diesem Zeitpunkt gelebt haben ist nicht bekannt.
Die einzigen bekannten Informationen über die Familie und die Wohnsituation sind im Jahr 1868 eine erfolglose Brandstiftung an dem Haus in dem die Familie lebte. Die Eltern von Clemens Stauss lebten im Obergeschoss/unter dem Dach, im Erdgeschoss lebte eine Familie Schlegel. Unter dem gleichen Dach, in der anderen Hälfte lebte eine weitere Familie. Was aus der Zeitung hervorgeht, das Haus muss sehr baufällig und statisch instabil gewesen sein, auch im inneren muss es sehr ärmlich gewesen sein. In diese Verhältnisse ist Clemens Stauss vermutlich hineingeboren worden.
Am 29. Oktober 1879 kam es vor dem Amtsgericht Riedlingen zu einem Verkauf der Liegenschaft der Eltern. Clemens Stauss war zu diesem Zeitpunkt fünf Jahre alt. Die Eltern scheinen verschuldet gewesen zu sein.
Wo die Familie nach dem Verkauf gelebt hat, bzw. ob es zum Verkauf kam, ist nicht bekannt. Auf jeden Fall sind beide Elternteile in Dürmentingen verstorben und bestattet worden.
Clemens Stauss war beim Tod der Eltern vierzehn bzw. sechzehn Jahre alt. Ab wann er von zuhause weg war (bei Bauern in Dienst), ist nicht bekannt. Erst mit den Informationen aus dem Gedenkbuch Ulm (s.o.) gibt es wieder Informationen über Clemens Stauss, welche hier nicht wiederholt werden sollen.
Am 19. November 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und ermordet. Er war 66 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Silberzahn-Jandt, Gudrun und Josef Naß: „…aber ich hoffe, dass ich nicht verloren bin“, Gedenkbuch für die Opfer von NS Zwangssterilisation und „Euthanasie“-Morden. Ulm 2020, S. 169.
- Wuttke, „O, diese Menschen, S. 118.
Stadt Ulm, Die Toten des Zweiten Weltkrieges 1939-1945, S. 84. - Katholisches Taufregister und Familienregister Dürmentingen, keine Nachträge zu Clemens Stauss.
- Standesamt Dürmentingen, kein Familienregister zu Familie Stauss.
- Auszüge aus verschiedenen historischen Zeitungen bei der Deutschen Digitalen Bibliothek, Deutsches Zeitungsportal. (Suche nach Stauss Dürmentingen).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. Juni 1882
Geburtsort: Erbach
Beruf: Packerin, Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Joseph Stegmann, Sägmüller in Erbach, später Säger in Biberach an der Riß und Justina geb. Renz.
Die Familie hatte laut Familienregister acht Kinder, vier davon sind jung verstorben. Die vier erwachsenen Kinder sind auch auf der Traueranzeige des Vaters im Jahr 1916 genannt. Der Vater hat in Biberach viele Jahre als Säger bei Herr Schuler z. Steigmühle gearbeitet. Die Mutter war schon 1891 verstorben, der Vater hat nicht mehr geheiratet. Wann genau die Familie von Erbach nach Biberach gezogen ist, ist auch nicht bekannt.
Aus Biberacher Adressbüchern und der Meldekarte von Theresia Stegmann ergeben sich folgende Lebensstationen von Ihr:
1902: Riedlingerstraße 14/b, lebt bei Ihrem Vater
1913: Holzstraße 2, lebt bei Ihrem Vater
1920: Holzstraße 2, Theresia Stegmann, Beruf Packerin
1930: Riedlingerstraße 27, zusammen mit Schwester Kreszentia Stegmann, Kontoristin
Die Riedlingerstraße 27 und die Holzstraße 2 sind nur wenige Meter voneinander entfernt.
Auf der Meldekarte für Theresia Stegmann geht neben den schon genannten Wohnorten auch der Arbeitgeber hervor. Sie hat vom 24. April 1905 bis zum 31. Dezember 1930 bei der Cigarrenfabrik Eugen Gerster in der Bürgerturmstraße 7 gearbeitet. Es gab kurze Zeit nach dem Tod des Vaters eine Unterbrechung von einem Monat, auch könnte Sie laut Meldekarte schon ab Oktober 1916 bei Ihrer Schwester gewohnt haben. In der Karteikarte ist auch die Abmeldung aus Biberach am „1.7.33 Heilanstalt Schussenried“ vermerkt. Sie scheint dann vor der Einweisung nach Schussenried über zwei Jahre nicht mehr berufstätig gewesen zu sein, bzw. es ist in der Meldekarte nicht vermerkt.
Laut Abgangsmeldung aus der Heilanstalt Schussenried wurde Theresia Stegmann am 01. Juli 1933 dort aufgenommen. Ihr Beruf war bei der Aufnahme in Schussenried Dienstmädchen.
Die Patientenakte von Theresia Stegmann hat sich im Bundesarchiv Bestand R 179 erhalten. Die Akte ist sehr ausführlich. Laut dieser Akte waren Veränderungen im Wesen von Theresia Stegmann schon 6-8 Jahre vor der Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried bemerkt worden.
Theresia Stegmann hat selber ausführliche biografische Daten für die Patientenakte beigesteuert: „In der Schule habe sie nicht besonders gut gelernt, am schlechtesten habe sie rechnen können, Religion habe sie am liebsten gehabt. Sie sei im Waisenhaus erzogen worden, weil ihre Mutter schon mit ca. 38 Jahren an einer Geburt gestorben sei. Dann seien die Kinder alle auseinander gekommen, jeder irgendwo anders hin. Mit 16 J. kam sie in Dienst, diente 4 Jahre lang, hatte in dieser Zeit 4 verschieden Stellen. Kam dann nach Biberach als Packerin, vier Jahre bei Fabrikant Schlee, danach in der Zigarrenfabrik Gerster. Kam dann 1925 nach Ulm ins städtische Krankenhaus bei Dr. Veiel 4 Wochen lang. Sei ganz durcheinander gewesen, seit eine Mitarbeiterin bei Gerster ihren Liebhaber auf sie gehetzt habe. …“. Es kommen noch weitere Details, welche die Erkrankung betreffen.
Es sind mehrere handschriftliche Postkarten und Briefe von Theresia Stegmann an Ihre Schwester Kreszentia und den Stadtpfarrer in der Akte, wurden diese nicht abgesendet? Diese wurden zwischen 1933 und 1938 geschrieben. Zwei Briefe schickt Theresia Stegmann 1936 an den Direktor Koch und äußert den Verdacht, dass Ihre Briefe nicht weggeschickt werden. Die Schwester scheint auch regelmäßig Pakete geschickt zu haben, sie hat Theresia Stegmann auch besucht. Es sind auch mehrere Schreiben der Schwester in der Akte, dort bezieht Sie sich auf Besuche und erhaltene Briefe von Theresia Stegmann. Theresia Stegmann hat sich selber nicht für krank gehalten und wollte immer nach Hause.
Am 9. Juli 1940 wurde Theresia Stegmann von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie war zuvor sieben Jahre in der Heilanstalt Schussenried. Theresia Stegmann war 58 Jahre alt.
Die Urne von Theresia Stegmann wurde auf dem kath. Friedhof in Biberach beigesetzt. Auf der Karteikarte der Kriegsgräberlisten ist auch das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort vermerkt: 23. Juli 1940 in Hartheim bei Linz.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 836-89.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27737.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 3: Stegmann Theresia.
- Katholisches Familienregister Erbach Band 2 Fol. 340.
- Stadtarchiv Biberach: Meldekarte von Theresia Stegmann.
- Adressbücher Biberach, Jahrgänge 1902, 1913, 1920 und 1930 (Stadtarchiv Biberach).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 9. Januar 1884
Geburtsort: Schienenhof (Steinhausen)
Beruf: Bierbrauer
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Vinzenz Stehle, Ziegeleibesitzer auf dem Schienenhof bei Steinhausen (Schussenried) und Maria Agatha geb. Schmid.
Die Eltern von Gottlieb Stehle lebten auf dem Schienenhof, der Vater hat dort eine Ziegelei betrieben. Gottlieb Stehle war das elfte von vierzehn Kindern seiner Eltern. Neben Gottlieb Stehle haben nur drei Geschwister das Erwachsenenalter erreicht.
Gottlieb Stehle hat Bierbrauer gelernt, dieser Beruf wird in seinen Akten angegeben. Wo er gelernt hat ist nicht bekannt. Sein letzter Wohnort vor der Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried war Biberach an der Riß.
Am 05. Juni 1910 wurde er in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen, eine Patientenakte ist nicht erhalten. Er war in Schussenried bis zu seiner Deportation nach Grafeneck am 18. Juni 1940. Gottlieb Stehle war 56 Jahre alt und hat 30 Jahre in Schussenried gelebt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum war der 12.7.1940 in Grafeneck/Münsingen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 837-12.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Standesamt Steinhausen Geburtsregister 1884 Nr. 1 und Familienregister Seite 26.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 16. September 1898
Geburtsort: Reinstetten
Beruf: Dienstknecht, Melker
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 20. Mai 1940
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Ströbele, Taglöhner und Unterhändler in Reinstetten und Viktoria geb. Böck (2. Ehefrau)
Karl Ströbele war das neunte und jüngste lebende Kind seiner Eltern als er 1898 geboren wurde. Aus der 1. Ehe des Vaters gab es drei lebende Kinder, aus der 2. Ehe sechs lebende Kinder (standesamtliches Register Reinstetten). Nur die letzten zwei Kinder sind in Reinstetten geboren worden, davor in Mietingen und Maselheim. Insgesamt hatte der Vater Joseph Ströbele in erster Ehe sieben, in zweiter Ehe neunzehn Kinder.
Laut der Häuserchronik Reinstetten wohnt der Vater Josef Ströbele im Jahr 1900 im Haus Nr. 49 (ein kleineres Haus Nr. 48 Segmiller ist angebaut). Im August 1905 sind Nr. 49 und 48 abgebrannt. Der Segmiller hatte Brandstiftung begangen. Es konnte nur wenig gerettet werden (Anzeiger vom Oberland).
Josef Ströbele hat danach einen Teil seines Grundstücks an eine Nachbarin verkauft und im Jahr 1907 auf einem anderen Teil des Grundstücks ein neues Haus Nr. 84 mit kleinem Scheunenanbau erbaut. Die Pläne dazu aus dem Jahr 1906 sind erhalten (Häuserchronik Reinstetten und Pläne der Gemeinde Reinstetten).
Karl Ströbele war beim Verlust des Elternhauses durch Brandstiftung knapp 7 Jahre alt. Das neue Haus aus dem Jahr 1907 war später im Besitz von Karl Ströbele, 1927 wurde das Haus (jetzt Nr. 7, An der Mühle) zur Zwangsversteigerung ausgeschrieben.
Vom Erwerber gibt es 1930 einen Briefwechsel, er hat Probleme die Mieter rauszubekommen, er möchte es selber nutzen. Wann das Haus vermietet wurde ist nicht bekannt.
Karl Ströbele war ein spätes Kind seiner Eltern, diese waren 64 und 48 Jahre bei seiner Geburt. Beim Tod der Eltern im Jahr 1915 und 1916 war Karl Ströbele gerade 17 Jahre alt. Seine Geschwister waren z.T. deutlich älter und in Stuttgart, München und Wangen verheiratet. Nur ein Halbbruder war in Maselheim verehelicht ist aber schon 1919 verstorben. Sein nächster Bruder (Peter) Paul war 7 Jahre älter und als Soldat im Krieg beim Tod der Eltern. Der Bruder Paul hat nach dem Krieg in Ludwigsburg geheiratet. Es ist nicht bekannt ob und von wem aus der Familie Karl Ströbele in der Zeit nach dem Tod seiner Eltern Unterstützung erhalten hat.
Karl Ströbele war durch Diebstahl und Betrug mit dem Gesetz in Konflikt gekommen (Eintrag Winnentaler Patientenblätter). Es ist anzunehmen dass er Probleme mit dem Leben hatte, evtl. waren das auch schon frühe Zeichen seiner Erkrankung. Spätestens mit der Zwangsversteigerung des Elternhauses im Jahr 1927 hat er seine Heimat verloren. Die Zwangsversteigerung und die Straftaten deuten auf finanzielle Probleme hin, er kam vermutlich alleine nicht gut zurecht im Leben.
Karl Ströbele wurde am 13. Mai 1929 in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen, er hatte zuvor in Unterzeil (Leutkirch) als Melker gearbeitet. Vor der Aufnahme war er wegen eines Unfalls im Krankenhaus in Leutkirch (Huftritt einer Kuh an die Hüfte). Das in der Patientenakte aufgeführte ärztliche Zeugnis aus dem Krankenhaus geht von einer psychischen Erkrankung aus. Im Jahr 1932 hatte Karl Ströbele Grippe, dazu gibt es eine Temperaturtabelle in der Akte. Ansonsten war sein Verhalten stark schwankend, zeitweise arbeitete er etwas, zeitweise war er zu keiner Arbeit zu bewegen. Der letzte Eintrag in der Patientenakte war vom 5.III.40: „Spricht nichts, grüßt nur durch Kopfnicken, macht ein spitzbübiges Gesicht dabei. Hilft manchmal im Haushalt“.
Am 20. Mai 1940 wurde Karl Ströbele nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Er war 41 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum war der 08. Juni 1940 und ist uns durch einen Nachtrag in seinem Geburtsregister bekannt. Auch die Todesbenachrichtigung vom „Sonderstandesamt Grafeneck“ ist erhalten.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 859.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/693.
- Standesamt Reinstetten, Geburtsregister Reinstetten 1898 Nr. 40 von Karl Ströbele, mit Nachtrag des gefälschten Sterbedatums.
- Anzeiger vom Oberland: Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach. Verschiedene Ausgaben.
- Hans Angele – Häuserchronik Reinstetten 1470-1970, Seite 217, Biberacher Str. 13, Gebäude Nr. 49.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 16. November 1894
Geburtsort: Achstetten
Beruf: Stütze, Haustochter
Einrichtung: Nervenklinik Tübingen, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Karl Stützle, Bahnwärter in Saulgau und Josefa geb. Buzengeiger
Der Vater von Magdalena Stützle war Bahnwärter und lebte mit seiner Familie im Bahnhof Rißtissen. Dort wurde Magdalena Stützle 1894 als drittes von neun Kindern geboren und in Achstetten getauft. Im Jahr 1903 zog die ganze Familie auf einen Bahnwärterposten bei Langenschemmern, Gemeinde Barabein – Höfen, Magdalena Stützle war beim Umzug neun Jahre alt.
Der Vater lebte im Alter in seiner Geburtsstadt Saulgau in der Schützenstraße 16, laut Meldekarte schon seit dem 21.11.1924. Vermutlich hatte er in Saulgau die letzte Dienststelle vor der Pensionierung. Die Mutter war schon 1922 verstorben. Im Adressbuch 1939 wird Karl Stützle als Bahnwärter a. D. genannt.
Die Tochter Magdalena Stützle hat seit dem 18. Februar 1929 bei ihrem Vater gewohnt, Sie war Haustochter, hat also nicht gearbeitet. Vermutlich konnte der Vater aber auch eine Hilfe im Haushalt gebrauchen.
Magdalena Stützle war zum ersten mal in der Nervenklinik Tübingen vom 08. bis 15. Juli 1931, Ihr Wohnort war Saulgau. In der Krankenakte aus dieser Zeit sind von der Patientin biografische Angaben festgehalten:
„Pat. kommt allein und macht folgende Angaben: 3. von 8 Geschwistern. Frühere Krankheiten: mit 15 Jahren Hexenschuss. Vor einigen Jahren Rückenmarkserkältung (vermutlich Hexenschuss), Hornhautentzündung, Fussoperation links im letzten Jahr (Entfernung eines Nagels). Einige Angaben Frauenthemen. In der Schule mittel gelernt. Dann in Stellungen, seit 1912 in Zürich. Mehrmals Stellen gewechselt, weil die Arbeit zu viel gewesen sei, schliesslich 9 Jahre bei einer jüdischen Familie. Sie scheint dort gekündigt worden zu sein, hatte das aber etwas merkwürdig formuliert um die Kündigung zu umschreiben: die Familie wollte lieber ein jüdisches Mädchen haben. Danach war sie wieder zuhause, dann wieder in einigen kurzen Aushilfsanstellungen in Zürich. Schließlich wurde sie nach Hause geholt, um dem Vater nach dem Tod der Mutter den Haushalt zu führen. Beim Eintrag in der Akte vom 08.07.1931 gibt die Patientin noch an seit ca. 2 1/2 Jahren wieder zuhause zu sein um dem allein lebenden, pensionierten Vater den Haushalt zu führen (das deckt sich dann zeitlich mit der Angabe in der Meldekarte, 18. Februar 1929). Es scheint aber öfter Streit mit dem Vater gegeben zu haben. Sie wurde beim ersten Aufenthalt als arbeitsfähig nach Hause entlassen.
Am 07. September 1932 war Magdalena Stützle wieder in der Nervenklinik Tübingen. Von dort wurde Sie am 10. Oktober 1932 in die Heilanstalt Schussenried verlegt und am 15. Dezember 1932 ungeheilt nach Hause entlassen. Nach dieser Entlassung existiert in der Krankenakte noch ein Briefwechsel um eine Invalidenrente. Dabei wird auch freundlich gefragt ob sie die nötigen Marken immer geklebt habe, dann könnte der Hausarzt einen Antrag stellen.
In der Krankenakte aus Tübingen gibt es einen Schriftwechsel mit der AOK Saulgau vom 04. April 1934 zum Thema einer erneuten Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen. Die Klinik empfiehlt eine direkte Aufnahme in eine Heilanstalt, da es sich vermutlich um einen neuen Schub des bekannten Krankheitsbildes handelt. Ob eine Aufnahme zu diesem Zeitpunkt erfolgt ist bleibt unklar.
Am 03. Februar 1937 wurde Magdalena Stützle zum dritten mal in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Der Hausarzt Dr. med. Zoll aus Saulgau hat sie überwiesen. Auch dieses mal wurde sie zur Weiterbehandlung am 21. Juni 1937 in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Magdalena Stützle war bis zu Ihrer Deportation am 09. Juli 1940 ziemlich genau drei Jahre in der Heilanstalt Schussenried. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck ermordet. Sie war 45 Jahre alt.
Die gemeldeten, aber gefälschten Sterbedaten von Magdalena Stützle waren der 20. Juli 1940 in Sonnenstein/Pirna.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III 862-81.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur: UAT 669/7594 Stützle Magdalena aus Achstetten, Krankenakte.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Standesamt Achstetten, Geburtsregister 1894 Nr. 24 von Magdalena Stützle mit Nachtrag der gefälschten Todesdaten.
- Standesamt Achstetten, Familienregister Blatt 747/748 der Eltern und Geschwister von Magdalena Stützle.
- Stadtarchiv Bad Saulgau, Meldekarte für Magdalena Stützle und ihren Vater Karl Stützle.
- Adressbuch Kreis Saulgau 1939 (Online beim Verein für Computergenealogie).
Abbildungen und Bildunterschriften
U
Geboren am: 31. März 1909
Geburtsort: Möhringen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 9. Mai 1940
Sterbedatum: 9. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Mutter: Agatha Unmuth aus Möhringen, Tochter des Bartholomäus Unmuth, Söldner in Möhringen und der Josepha geb. Hecht.
Xaver Unmuth (Franz Xaver) wird im Jahr 1909 als uneheliches Kind der Agatha Unmuth geboren. Zum Vater steht im Geburtsregister und im katholischen Familienregister der Großeltern keine Information.
Die Großeltern Bartholomäus Unmuth und Josepha Hecht bewirtschafteten das „Wachtel“-Gut, welches früher wohl ein Eigengut und kein Lehen war. Ein Onkel von Xaver Unmuth hat das Gut im Jahr 1920 übernommen. Es war Haus Nr. 5, dann Nr. 9 und heute „Am Bussenberg 13“, das Haus an dieser Stelle ist auf jeden Fall schon älter. Im Jahr 1922 und 1938 sind die Großeltern von Xaver Unmuth verstorben.
Die Mutter Agatha Unmuth heiratet im Mai 1914 nach Erisdorf, einen Josef Hermanutz. Ob Xaver Unmuth mit der Mutter nach Erisdorf ging oder bei den Großeltern in Möhringen blieb ist nicht bekannt. In der württembergischen Patientenkartei sind die Eltern falsch verzeichnet. Dort steht „Georg Unmuth und Agathe geb. Hermanutz“. Die Mutter hatte in der Ehe in Erisdorf mindestens 4 Söhne (Traueranzeige von Sohn Karl, gefallen 1942), der Ehemann Josef Hermanutz war Metzger und Landwirt.
Über das Leben von Xaver Unmuth vor der Einweisung in die Heilanstalt ist nichts weiter bekannt.
Am 15. Februar 1935 wird Xaver Unmuth in die Heilanstalt Zwiefalten eingewiesen. Sein letzter Wohnort war Göffingen bei Riedlingen, er arbeitete als Dienstknecht. Er war zuvor mit dem Gesetz in Konflikt gekommen und kam deshalb in die Heilanstalt Zwiefalten. Am 9. Mai 1940 wurde Xaver Unmuth nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Er war 31 Jahre alt.
Der Pfarrer von Möhringen schreibt im Familienregister der Großeltern: „in Grafeneck im Juni 1940 durch Euthanasie verstorben u. verbrannt.“ Wann der Nachtrag gemacht wurde ist nicht bekannt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist der 18. Juni 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 883 Nr. 21.
- Möhringen katholisches Familienregister der Großeltern, Fol. 54b.
- Standesamt Möhringen Geburtsregister 1909 Nr. 2, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums in Grafeneck.
- 1200 Jahre Möhringen am Bussen, Buch von Karl Werner Steim aus dem Jahr 1990.
Abbildungen und Bildunterschriften
V
Geboren am: 25. Juli 1894
Geburtsort: Haslach (Rot an der Rot)
Beruf: Hausfrau und Näherin
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 10 Juni 1940
Sterbedatum: 10. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Ehemann: Karl (auch Fritz) Villing aus Tannheim
Eltern: Alois Mönig aus Haslach und Kreszentia geb. Häusle
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung (Ausgabe vom 26.01.2021):
„Kreszentia Mönig aus Haslach und Karl Villing aus Tannheim heiraten 1921 und haben 5 Kinder. 1929 stirbt Karl Villing bei einem Unglücksfall. Ein paar Jahre später erkrankt Kreszentia und wird dann in der Heilanstalt Weissenau betreut. Im Juli 1940 erhält ihr Bruder ein Schreiben aus Grafeneck, dass seine Schwester ‚plötzlich und unerwartet infolge einer Hirnhautentzündung verstorben ist‘. Die Familie akzeptiert das Angebot aus Grafeneck, die Urne nach Tannheim zu schicken, wo sie im Grab von Karl Villing beigesetzt wird. Ob sich darin aber wirklich die Asche der Kreszentia befand ist allerdings fraglich. Kreszentia wird auch auf dem Grabstein des Familiengrabes genannt.“
Kreszentia Villing war vom 20. Januar 1931 bis zur Deportation am 10. Juni 1940 in der Heilanstalt Weissenau. Die erste Aufnahme dort war am 11. November 1930, sie wurde am 20. Dezember 1930 gebessert nach Hause entlassen. Als psychische Einflüsse bei der ersten Aufnahme wurde der „Unfalltod des Mannes“ in der Patientenkartei aufgeführt.
Das Austrittsdatum 11. November 1940 ist weder in der Patientenakte aus dem Bundesarchiv noch in der württembergischen Patientenkartei genannt. Die Patientenakte ist detailliert, aber es sind keine persönlichen Dokumente wie Briefwechsel oder ähnliches vorhanden.
Am. 10 Juni 1940 wurde Kreszentia Villing nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie wurde 45 Jahre alt.
Im November 1941 ist der Sohn von Kreszentia Villing als Soldat im 2. Weltkrieg gefallen. Die Mutter durfte nicht leben aber der Sohn sollte „dem Führer dienen“.
Erarbeitet von BR, StS, † Johannes Angele
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 888.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24609.
- Bilder und Unterlagen aus dem Familienarchiv Villing.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 27.01.2021 Seite 13, „Probelauf für die Tötungsmaschinerie“ mit Kurzbiografien zu Kreszentia Villing, August Moosbrugger und Andreas Wehrle.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. April 1911
Geburtsort: Biberach
Beruf: ohne Beruf, Zögling
Einrichtung: Taubstummenanstalt St. Josef Schwäbisch Gmünd, Heilanstalt Rottenmünster, Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 1. August 1940
Sterbedatum: 1. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Lorenz Vogel, Maler in Biberach an der Riß, gefallen im 1. Weltkrieg, und Krescentia geb. Häderer.
Maria Vogel war Taubstumm und scheint auch sonst (laut der Patientenakte) noch weitere Einschränkungen gehabt zu haben.
Das Kind wurde im Alter von ca. 4 Jahren in die Taubstummenanstalt St. Josef in Schwäbisch Gmünd gegeben. Dies war während des 1. Weltkriegs, ca. 1915 oder 1916, der Vater war als Soldat im Krieg.
Maria Vogel war das mittlere von fünf Kindern, das jüngste Mädchen ist als Säugling verstorben.
Im September 1918 ist der Vater im Feldlazarett an einer Kriegsverletzung verstorben. In der Todes-Anzeige steht, er war 3 Jahre im Feld.
Ob und wie die Familie mit dem Kind in Schwäbisch Gmünd in Kontakt stand ist nicht bekannt.
Am 21. März 1930 ist die Mutter Kreszentia Vogel verstorben. Maria Vogel, die drei Geschwister Karl, Johanna und Paula sowie der Großvater Anton Häderer (+1941) werden in der Traueranzeige genannt.
Im Jahr 1936 kam es zu einer Veränderung im Krankheitsbild bei Maria Vogel, sie entwickelte eine psychische Erkrankung. Am 11. November 1936 wurde sie von Schwäbisch Gmünd kommend in der Heilanstalt Rottenmünster aufgenommen. Da dies eine private Heilanstalt war, wurde sie nach einigen Wochen, am 01. Februar 1937 in die staatliche Heilanstalt Weissenau verlegt. Der Kostenträger war die Stadt Biberach.
In der Patientenakte aus dem Bundesarchiv hat sich auch ein „Verzeichnis der Kleider und sonstigen Gegenstände“ der Patientin erhalten. Ausgestellt am 1. August 1940, dem Tag der Deportation nach Grafeneck, dem Todestag von Maria Vogel. Mit der Bitte um Rücksendung der unterschriebenen Liste nach Weissenau.
Der Tod durch Ermordung mit Gas in Grafeneck wurde „bürokratisch sehr korrekt“ abgewickelt. Maria Vogel war 29 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum ist im Familienregister der Eltern nachgetragen. Es ist der 14. August 1940 in Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 861 Nr. 65.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24373.
- Stadtarchiv Biberach, Geburtsregister 1911 Nr. 80.
- Anzeiger vom Oberland: Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach, Ausgabe vom 22.03.1930, Seite 12: Todes-Anzeige von Kreszentia Vogel.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. Februar 1904
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Kaufmann
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster, Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 5. Dezember 1940
Sterbedatum: 5. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Volz, Sattler und Tapezier in Laupheim und Franziska geb. Hillebrand aus Augsburg.
Der Vater von Anton Volz hatte sich 1880 in Laupheim als Sattlermeister selbständig gemacht. Über die Jahre sieht man immer wieder Anzeigen seiner Firma in der Laupheimer Zeitung. Im Jahr 1882 haben die Eltern laut Anzeige als Verlobte gegrüßt, die Mutter stammte aus Augsburg.
Anton Volz war ein spätes Kind seiner Eltern, diese waren schon ca. 22 Jahre verheiratet bei seiner Geburt. Im Jahr 1920 hat Anton Volz an der Oberrealschule in Göppingen seinen Abschluss gemacht – mit Auszeichnung – das kam in der Zeitung. Sein Bruder Paul Volz hat auch im Jahr1920 geheiratet, dessen Ehefrau stammte aus Göppingen. Evtl. kam da die Verbindung zur Schule in Göppingen her. Er hat danach eine kaufmännische Laufbahn als Beruf gewählt.
Im Jahr 1924 wurde Anton Volz nach der Teilnahme an einem Stenographie-Wettbewerb mit einem 1. Preis ausgezeichnet. Auch das ist durch einen Bericht in der Zeitung bekannt, dabei wurde sein Arbeitgeber, die Firma „J. Bergmann & Co.“ genannt. Im Februar 1925 ging er beruflich nach Mailand in Italien. Dort wurde er nach einigen Monaten wegen Überforderung nach Hause geschickt. Im gleichen Jahr 1925 wird sein Bruder Paul als Mitinhaber des Maler- und Tapeziergeschäfts des Vaters genannt. Aufgrund der Anzeigen in Zeitungen war das Geschäft eher ein klassisches Innenausstattungsgeschäft.
Laut Patientenakte hatte Anton Volz vier Brüder und vier Schwestern. Eine Schwester und ein Bruder litten auch an einer psychischen Erkrankung. Wegen der kranken Geschwister wurde Anton Volz als „Erbkrank“ eingestuft, das war im Jahr 1925!
*Zitat Patientenakte aus dem ärztlichen Zeugnis Tübingen: *“war Anton dem Posten in Mailand nicht voll gewachsen. Sprachschwierigkeiten. War sehr ehrgeizig. Dort will er sich mit e. Go. (Geschlechtskrankheit) infiziert haben, angebl. erster Verkehr, war sonst immer sehr zurückhaltend Mädels gegenüber. – Wurde von Mailand am 8.8. als „überarbeitet“ heimgeschickt. 8 Tage später verlumpt u. verwahrlost in Tettnang aufgegriffen. – Schwere Selbstvorwürfe wegen Fehlern im Beruf u. betr. der Go. – Selbstanklage beim Amtsgericht. Sagte „alles verloren, die Welt muss untergehen.“ – Keine Halluzinationen, keine Beeinfluss-Ideen.“ Seine Erkrankung ist dem schizophrenen Formenkreis zuzuordnen.
Nach mehreren Wochen Aufenthalt in der Nervenklinik Tübingen wurde Anton Volz am 25. November 1925 von dort in die Heilanstalt Rottenmünster eingewiesen. Dort blieb er bis zum Jahr 1939. Am 4. September 1939 wurde Anton Volz von Rottenmünster in die Heilanstalt Weissenau verlegt. Zitat Akte: „Wird aus Räumungs-Gründen nach Weissenau verlegt.“ Seine Mutter ist am 9. April 1939 verstorben, evtl. besteht da auch ein Zusammenhang? Änderung in der Kostenstruktur durch den Tod der Mutter?
In der Akte ist der letzte handschriftliche Eintrag vom 23. Oktober 1940 (leider durch Wasserschaden kaum lesbar). Die Heilanstalt Weissenau fungierte hier als Zwischenanstalt im Rahmen des nationalsozialistischen Mordprogrammes.
Am 5. Dezember 1940 wurde Anton Volz von Weissenau mit den Bussen der Gemeinnützige Krankentransportgesellschaft m. b. H. nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er war 36 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist aktuell nicht bekannt.
Leider gibt es in den Akten keine Fotografie von Anton Volz. Evtl. gibt es ja noch Angehörige welche mit einem Familienfoto aushelfen könnten? Die Familie war sehr präsent in Laupheim, der Bruder Paul war Soldat und hat später das väterliche Geschäft übernommen. Bestimmt wurde vor Auszug in den 1. Weltkrieg ein Familienfoto angefertigt?
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 895-49.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24000.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/35225 Volz Anton, Patientenakte.
- Laupheimer Verkündiger, verschiedene Ausgaben.
Abbildungen und Bildunterschriften
W
Geboren am: 21. August 1892
Geburtsort: Tübingen (Geburtsklinik)
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Mutter: die ledige Magdalena Wagner aus Friedingen, es liegen keine Informationen zum Vater vor
Johann Georg Wagner kam in Tübingen in der Geburtsklinik auf die Welt und wurde dort auch getauft. Wann das Kind mit der Mutter in Friedingen gelebt hat ist nicht bekannt, aber er ist auf dem Familienregister der Großeltern nachgetragen. Auch im katholischen Taufregister Friedingen ist Johann Georg Wagner eingetragen. Er hatte mehrere Geschwister (vermutlich Halbgeschwister).
Details zu seiner Kindheit und Jugend sind nicht bekannt. Er scheint aber eine angeborene geistige Einschränkung gehabt zu haben.
Seit dem 09. April 1907 lebte Johann Georg Wagner in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Er war 14 Jahre alt bei der Aufnahme. Der Kostenträger war laut Opferliste Grafeneck die Landesarmenbehörde für den Donaukreis Ulm bzw. LFV Stuttgart (LFV vermutlich LandesFürsorgeVerband), d.h. es gab keine Angehörigen welche die Kosten übernehmen konnten.
Am 01. Juli 1940 wurde Johann Georg Wagner in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Schussenried hatte dabei die Funktion einer Zwischenanstalt. Am 22. Juli wurde er von dort aus nach Grafeneck deportiert und ermordet. Er war 47 Jahre alt und hatte 33 Jahre seines Lebens in der Liebenau verbracht.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist nicht bekannt, weder auf den kirchlichen noch auf den standesamtlichen Dokumenten ist der Tod nachgetragen. Das Geburtsregister aus Tübingen liegt nicht vor. Die Tante von Johann Georg Wagner, Rosina Wagner war auch in der Liebenau und wurde auch in Grafeneck ermordet.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste A). Männer, Bl. 9) und Bl. 10), die am „1. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried versetzt“ und am 22.07.1940 deportiert wurden (73).
- Standesamt Friedingen Familienregister der Großeltern von Johann Georg Wagner, Seite 67 mit Fortsetzung auf Seite 148.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. März 1867
Geburtsort: Friedingen
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Wagner und Anna Maria geb. König aus Friedingen
Kind: Cäcilia Wagner geb. am 22. Nov. 1887 (unehelich).
Rosina Wagner war laut Familienregister das sechste von sieben Kindern Ihrer Eltern. Als Rosina Wagner elf Jahre alt war ist die Mutter verstorben. Ein Jahr später hat der Vater wieder geheiratet, weitere Kinder gab es in dieser Ehe nicht.
Mit 20 Jahren hat Rosina Wagner im Jahr 1887 eine uneheliche Tochter Cäcilia Wagner geboren. Die Tochter Cäcilia Wagner war in der Pflegeanstalt Heggbach. Auch auf einer Transportliste, sie wurde aber zurückgestellt als „gute Arbeiterin“ und hat den nationalsozialistischen Terror in Heggbach überlebt. Sie ist 1967 im Alter von 79 Jahren verstorben.
Um das Jahr 1900 herum gab es mehrere Zeitungsberichte über Rosina Wagner wegen Betrügereien und Schwindeleien (Haftgeldschwindeleien). Sie ist deswegen auch zu Zuchthaus verurteilt worden. Die Strafe hat sie in der Haftanstalt Gotteszell verbüßt. Zeitlich könnte es einen Zusammenhang mit dem Tod des Vaters Anfang 1897 geben. Evtl. gab es dann niemanden mehr der sich um Rosina Wagner kümmerte?
Am 10. Oktober 1910 wurde Rosina Wagner in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen. Dort verbrachte sie den Rest ihres Lebens. In der Akte aus dem Bundesarchiv wird Rosina Wagner als fleißige Arbeiterin, die im Feld hilft, beschrieben. Noch im Jahr 1938 wird das positiv vermerkt: „Beschäftigung im Felde trotz des Alters immer noch ordentlich“. Rosina Wagner war zum Zeitpunkt der Notiz schon über 70 Jahre alt.
Am 4. November 1940 wurde Rosina Wagner mit einem Transport nach „unbekannt“ verlegt. Tatsächlich wurde sie an diesem Tag nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Rosina Wagner war 73 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum mit gefälschtem Todesort war der 17. November 1940 in Hartheim/Oberdonau.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/9533.
- Standesamt Friedingen Familienregister der Eltern von Rosina Wagner, Seite 67 mit Fortsetzung auf Seite 148.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 13. Januar 1903
Geburtsort: Ummendorf
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Badische Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz
Datum der Deportation: 27. Juni 1940
Sterbedatum: 27. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Waibel, Söldner in Ummendorf und Agatha geb. Heuter.
Die Mutter von Josefine Waibel, Agatha Heuter ist 1906 verstorben. Danach hat der Vater Anton Waibel die Schwester der Mutter, Theresia Heuter geheiratet. Josefine Waibel hatte noch eine als Baby verstorbene Schwester und aus der 2. Ehe des Vaters fünf Halb-Geschwister. Der Vater ist 1928 verstorben. Ein Halb-Bruder Alfons Waibel ist im Jahr 1942 gefallen.
Josefine Waibel hat in Konstanz als Dienstmädchen gearbeitet. Seit wann sie dort war ist nicht bekannt. Am 22. April 1930 kam Josefine Waibel in die Badische Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz. Am 27. Juni 1940 wurde sie laut Unterlagen nach Zwiefalten verlegt. Zwei Dokumente zur Verlegung sind erhalten, „Verlegung von Anstaltsinsassen im Rahmen besonderer planwirtschaftl. Massnahmen“. Zwiefalten war häufig eine sogenannte Zwischenanstalt auf dem Weg nach Grafeneck. Tatsächlich wurde Josefine Waibel aber direkt nach Grafeneck deportiert und am Tag der Deportation ermordet.
Josefine Waibel war 37 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist im Familienregister der Eltern verzeichnet, es ist der 08. Juli 1940.
Im Dezember 1940 wurde ein Weihnachtspaket für Josefine Waibel nach Konstanz in die Anstalt geschickt. Dieses wurde zurück nach Ummendorf gesendet. Eine Th. Waibel [Theresia Waibel, Stiefmutter und Tante von Josefine Waibel] hat per Brief am 28. Dezember 1940 angefragt wie es Josefine Waibel geht und wo sie jetzt ist. Der Antwortbrief der Anstalt hat auf die Verlegung aufgrund planwirtschaftlicher Maßnahmen hingewiesen und es sei nicht bekannt, wo sich Josefine Waibel befindet.
Josefine Waibel war am 28. Dezember 1940 schon fast sechs Monate tot! Die Angehörigen in Ummendorf haben das offensichtlich nicht gewusst.
Im Gemeindearchiv Ummendorf gibt es noch eine Akte „Einzelne Fürsorgefälle“, darin sind mehrere Schreiben vor allem in Bezug auf die Verpflegungskosten für Josefine Waibel. Die Ortskrankenkasse hat die ersten sechs Monate die Kosten getragen. Danach hat die Anstalt bei der Gemeinde Ummendorf angefragt ob diese die Kosten tragen wird. Die Gemeinde hat das abgelehnt, da der Fürsorgeverband des letzten Aufenthaltsortes dafür zuständig ist, in diesem Fall Konstanz. Im Jahr 1935 gibt es noch einen Briefwechsel, das Städt. Fürsorgeamt Konstanz versucht bei der Schwester Agathe Waibel Geld für die Kosten zu erhalten, Begründung: „moralische Verpflichtung“.
Im Heimatbuch Ummendorf aus dem Jahr 2020 ist Josefine Waibel als Opfer des Nationalsozialismus genannt. Bei den Familienangehörigen war dies anscheinend nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg B 822/3 Nr. 152 Waibel, Josefine.
- Gemeindearchiv Ummendorf, Akte „A X-382, Einzelne Fürsorgefälle“, mehrere Schreiben zu Josefine Waibel.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 4. Januar 1882
Geburtsort: Baustetten
Beruf: Schuhmacher
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Georg Walter aus Baustetten und Rosina, geb. Kästle
Ludwig Walter hatte fünf Geschwister, er selber war das fünfte dieser sechs Kinder. Nur Josef und Ludwig Walter erreichten das Erwachsenenalter. Der Bruder Josef hat 1908 in Baustetten geheiratet und ist 1938 schon verstorben.
Ludwig Walter hat den Beruf des Schuhmachers erlernt. Als solcher wurde er nach seiner Entmündigung im Jahr 1907 bei einer Anzeige zum Thema Gläubiger-Aufruf bezeichnet.
Die Lebensgeschichte von Ludwig Walter wurde im Buch von Ludwig Zimmermann „Erzählte Erinnerungen, Teil 1. Kindheit und Volksschulzeit in Baustetten“, Seite 72 beschrieben:
„Ludwig Walter wurde am 4. Januar 1882 in Baustetten geboren. Als seine Mutter Rosina, geb. Kästle (geb. am 22. Oktober 1839) bereits am 19. Februar 1886 verstarb, da war Ludwig gerade mal zwei Jahre alt. Er kam am 14. April 1907 in die Heil- und Pflegeanstalt nach Schussenried. Dort verblieb er bis zu seinem Abtransport nach Grafeneck am 18. Juni 1940, wo er dann am 29. Juni den bitteren Gang ins Gas antreten musste. Dass er mit einem der letzten Transporte aus Schussenried abgeholt wurde, lässt schließen, dass der Ermordete während seines 33jährigen Aufenthalts in der Heil- und Pflegeanstalt durchaus nützliche Dienste leistete.“
Ludwig Walter wurde mit einem Transport von 61 Männern am 18. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert. Er war 58 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist aus der „Mitteilung eines Sterbefalls“ vom Standesamt Grafeneck an das Standesamt Baustetten bekannt. Es ist der 4.7.40 in Grafeneck, Sterbebuch 2/29 /1940 des St.-A. Grafeneck.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 910-4.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Erzählte Erinnerungen, Teil 1. Kindheit und Volksschulzeit in Baustetten – Ludwig Zimmermann: hier besonders drei Fallbeschreibungen S. 71-73, mit „Mitteilung eines Sterbefalls“.
- Familienregister Baustetten Band II, Fol. 222
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 3. März 1889
Geburtsort: Biberach
Beruf: Mechaniker
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried, Heilanstalt Winnental
Datum der Deportation: 23. Juli 1940
Sterbedatum: 23. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Christian Friedrich Wandel, Werkführer und Metallweber aus Reutlingen und Amalie Thekla geb. Hensge, dessen 2. Ehefrau
Das Kind Oswald Martin (Rufname Oswald) Wandel war das zehnte und letzte Kind seiner Eltern. Der Vater stammte aus Reutlingen und war zwei mal verheiratet. Er war nach der Geburt des 3. Kindes, um das Jahr 1870 nach Raguhn in Anhalt verzogen. Dort war die erste Ehefrau verstorben, die zweite Ehefrau stammte aus Dornburg bei Jena in Thüringen. In zweiter Ehe wurden 2 Kinder noch in Raguhn geboren, eine Tochter in Plauen in Sachsen. Das war im November 1885.
Irgendwann danach ist die Familie nach Biberach an der Riss gezogen. Am 3. März 1889 wurde Oswald Martin Wandel in Biberach geboren. Er war das zehnte und jüngste Kind. Zwei ältere Halbgeschwister sind jung verstorben.
Fünf Monate nach der Geburt von Oswald Wandel, am 12. August 1889 ist die Familie nach „Schwaben in Bayern“ verzogen, ein Ort ist nicht genannt. Das standesamtliche Familienregister wird im Juli 1914 von Biberach nach Reutlingen übergeben, dem Geburtsort des Vaters von Oswald Wandel.
Oswald Wandel hat vermutlich mit seiner Mutter und Schwester Hildegard in Erlangen gelebt. Dies war vor der ersten Einweisung in die Heilanstalt Schussenried. Die Schwester Hildegard Wandel hatte 1913 ein Putz- und Modewarengeschäft in der Hauptstr. 39. Die gleiche Anschrift hatte die Mutter Thekla Wandel, Privatiere.
Bei der ersten Aufnahme am 01. September 1913 in die Heilanstalt Schussenried wird nur der Vater, Friedrich Wandel, ohne weitere Angaben als Angehöriger genannt.
Vermutlich am 24. Juli 1914 wird Oswald Wandel ungeheilt in Schussenried entlassen (auf der Karteikarte steht 24.07.13 ?, was vor der Aufnahme gewesen wäre). Die zweite Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried erfolgte am 09. September 1914. Oswald Wandel war denn durchgehend bis zu seiner Verlegung in die Heilanstalt Winnental in Schussenried.
Im Jahr 1925 lebten seine Mutter und Schwester immer noch in der Hauptstr. 39 in Erlangen, allerdings war das Geschäft jetzt ein Damenputzgeschäft. Im Jahr 1927 hat nur noch Hildegard Wandel in der Hauptstr. 39 gelebt.
Ab dem 27. Juni 1930 ist Oswald Wandel in der Heilanstalt Winnental, dort wird die Mutter Thekla Wandel in Erlangen, Hauptstr. 39 als Kontaktperson genannt. Im Adressbuch Erlangen steht die Mutter seit 1927 aber nicht mehr drin, evtl. ist die Tochter Hildegard der Haushaltsvorstand und deshalb erscheint die Mutter nicht mehr? Dazu ist leider nichts bekannt.
Warum Oswald Wandel nicht in der Nähe von Erlangen in einer Heilanstalt war ist auch nicht bekannt, seine Familie hat dort gelebt. Es kann nur vermutet werden, weil er durch seine Geburt in Württemberg in eine württembergische Heilanstalt musste? Der Kostenträger war die Württ. Landesfürsorgebehörde Stuttgart.
Am 23. Juli 1940 wurde Oswald Wandel nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er war 51 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist auf dem Familienregister aus Biberach nachgetragen, es ist der 03. August 1940. Auf dem Geburtsregister aus Biberach ist nur der Todesort und das Jahr eingetragen, aber kein Datum.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 912.
- Stadtarchiv Biberach, Geburtsregister 1889 Nr. 41 und Familienregister Band 13, Seite 189.
- Adressbuch Erlangen 1913, online bei Ancestry.
- Adressbuch Erlangen 1925 und 1927, online beim Verein für Computergenealogie e.V. (CompGen).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. März 1923
Geburtsort: Ellmannsweiler
Beruf: keiner
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 11. September 1940
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: die ledige Josefa Weckenmann aus Ellmannsweiler und der ledige Gottfried Kohler aus Biberach
Sebastian Weckenmann wurde unehelich in Ellmannsweiler in der Wohnung der verwitweten Großmutter geboren. Das Kind hatte eine geistige Einschränkung die vermutlich seit der Geburt bestand.
Im Alter von sechs Jahren, am 15. Juli 1929 wurde Sebastian Weckenmann im Kinderasyl Ingerkingen aufgenommen. Es wird nur die Mutter genannt, sie war nicht verheiratet. Vertreter ist das Jugendamt Biberach, ein Arzt aus Ochsenhausen hat das ärztliche Zeugnis ausgestellt.
Auf der Karteikarte von Sebastian Weckenmann aus dem Kinderasyl Ingerkingen ist vermerkt, dass er zuvor im Kinderheim Baindt aufgewachsen ist, bzw. gelebt hat. Wie lange er in Baindt im Kinderheim war ist nicht vermerkt.
In der Broschüre zum 10-jährigen Jubiläum des Kinderasyls Ingerkingen wird beschrieben, dass die Kinder Anfang des 20. Jahrhunderts in der Regel mit 14 Jahren in das Mutterhaus Heggbach wechseln. Es gibt aber eine kleine Gruppe älterer „Pfleglinge“ welche in der Landwirtschaft mitarbeiteten. Daher ist davon auszugehen dass Sebastian Weckenmann zu dieser Gruppe gehörte.
Sebastian Weckenmann hat vom 15. Juli 1929 bis zum 11. September 1940 in Ingerkingen gelebt. An diesem Tag wurde Sebastian Weckenmann nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er war 17 Jahre alt.
Das gefälschte Sterbedatum ist nicht bekannt.
Im Jahr 1942 ist ein Onkel Karl von Sebastian Weckenmann gefallen, auf dessen Traueranzeige wird die Großmutter und auch die unverehelichte Mutter von Sebastian Weckenmann genannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 339, Sebastian Weckenmann. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
- Standesamt Laupertshausen, Geburtsregister 1923 Nr. 6, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck ohne gefälschtes Sterbedatum
- Wir begleiten Schritte ins Leben – Eine Chronik zu 100 Jahren Wohn- und Förderangeboten für Kinder und Jugendliche mit Behinderungen in Ingerkingen. Herausgeber: St. Elisabeth-Stiftung. Broschüre, keine ISBN.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 17. Februar 1887
Geburtsort: Unteropfingen (Kirchdorf)
Beruf: Bauer
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 27. Mai 1940
Sterbedatum: 27. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Josef Wehrle, Landwirt in Unteropfingen und Viktoria geb. Ritter
Andreas war das elfte von zwölf Kindern der Familie. Sieben der Kinder sind früh verstorben. Auf einem Familienfoto sind die fünf Kinder und die Eltern dargestellt, aufgenommen um 1900.
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung (Ausgabe vom 26.01.2021):
„Der 1887 geborene Andreas Wehrle aus Unteropfingen galt in der Schule als hochintelligent, wollte aber nicht auf eine höhere Schule gehen. Später erkrankte er psychisch und kam in die ‚Heil- und Pflegeanstalt‘ Weißenau bei Ravensburg. Die Familie bleib im Kontakt mit ihm. Sein Bruder Konrad sagte immer wieder, er werde den Andreas da rausholen, wenn der Krieg vorbei sei.
Am 27. Mai 1940 starb Andreas in der Gaskammer von Grafeneck. Am 11. Februar 1941 wurde eine Urne mit angeblich seiner Asche auf dem Friedhof in Kirchdorf beigesetzt. Andreas ist auf dem Stein des Familiengrabes aufgeführt.“
Andreas Wehrle wurde insgesamt 4 x in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen, der erste Aufenthalt war zwischen 28. Juli 1909 und 8. März 1911, dort wurde als geheilt entlassen. Zwei weitere Aufenthalte in der Heilanstalt in den Jahren 1925 und 1926 waren nur von kurzer Dauer. Am 01. November 1926 erfolgte die 4. Aufnahme in die Heilanstalt Weissenau. Die Patientenakte von Andreas Wehrle ist nicht erhalten, deshalb kennen wir keine Details zu der langen Zeit in der Heilanstalt.
Andreas Wehrle wurde am 27. Mai 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Er war 53 Jahre alt.
Auch auf dem Grabstein der Familie Wehrle ist das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum von Adreas Wehrle eingraviert: 11.06.1940.
Erarbeitet von † Johannes Angele, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 920.
- Bilder und Unterlagen aus dem Familienarchiv Wehrle.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 27.01.2021 Seite 13, „Probelauf für die Tötungsmaschinerie“ mit Kurzbiografien zu Kreszentia Villing, August Moosbrugger und Andreas Wehrle.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 23. November 1893
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Johann Evangelist Weiss, Landjäger stationiert in Ochsenhausen und Elisabeth geb. Pollich
August Weiss war das 8. von 12 Kindern seiner Eltern. Ein jüngerer Bruder Max ist im Alter von sieben Jahren in der Pflegeanstalt Heggbach verstorben. Der älteste Bruder ist 1915 im Alter von 29 Jahren im Kriegslazarett in Frankreich verstorben. Drei weitere Geschwister sind jung verstorben. Der Vater ist schon am 11. September 1901 verstorben, da waren die Kinder zwischen 1 bis 16 Jahre alt. Die Mutter ist am 15. August 1935 in Ochsenhausen verstorben.
Über die Kindheit und Jugend von August Weiss wissen wir nichts. Er scheint eine angeborene, geistige Einschränkung gehabt zu haben.
August Weiss war vom 05. Juni 1907 bis zu seiner Deportation am 4. November 1940 in der Liebenau. An diesem Tag wurde er nach „unbekannt“ verlegt. Tatsächlich wurde er an diesem Tag nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. August Weiss war 46 Jahre alt. 33 Jahre seines Lebens hatte er in der Liebenau gelebt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist uns aus dem Familienregister bekannt, es war der 17. November 1940 in Grafeneck.
Im Archiv Liebenau ist ein Brief der Schwester Maria Weiss erhalten (datiert Januar 1941). In diesem Brief das Zitat „Die Asche wurde mir auch angeboten. Ich möchte ja keinen Eid verlangen dass ich die richtige bekomme.“
Die Menschen scheinen nicht geglaubt zu haben die „richtige“ Asche zu bekommen.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Familienregister Ochsenhausen Band II, Blatt 298, Nachtrag gefälschtes Sterbedatum von Kind August.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Dezember 1896
Geburtsort: Langenenslingen
Beruf: Fabrikarbeiterin / Feldarbeiterin
Einrichtung: Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen
Datum der Deportation: 12. Dezember 1940
Sterbedatum: 12. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Vinzenz Weiß und Maria geb. Bühler
Die Familie hatte sechs Kinder, einen Sohn und fünf Töchter. Der Bruder Franz (Franziskus) hat 1917 im Rang eines Sergeant die „Silberne Hohenzollernsche Verdienstmedaille mit Schwertern“ erhalten. Drei der Schwestern von Mathilde Weiß waren in Langenenslingen verheiratet. Die Eltern von Mathilde Weiß sind in den Jahren 1916 und 1919 verstorben.
Über das Leben von Mathilde Weiß ist nichts weiter bekannt. Sie arbeitete als Feldarbeiterin/Fabrikarbeiterin, war nicht verheiratet und der Wohnsitz bei der Aufnahme war Langenenslingen.
Sie wurde am 04. März 1922 in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Von dort wurde sie am 26. März 1922 direkt in das Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen (Karl Leopold Spital Sigmaringen) versetzt. Aber am nächsten Tag, dem 27. März 1922 gab es eine erneute Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen. Allerdings ohne Abgangsdatum. Laut Opferliste Grafeneck war sie ab 04. Mai 1922 in Sigmaringen. Dort lebte Sie bis zu Ihrer Deportation im Jahr 1940. Mathilde Weiß wurde mit dem Transport vom 12. Dezember 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie war 43 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum war der 18. Dezember 1940 und ist ohne Ortsangabe im katholischen Familienregister der Eltern nachgetragen.
Vor dem ehemaligen Krankenhaus in Sigmaringen wurde ein Gedenkstein aufgestellt. Der Landkreis Sigmaringen hat auch eine Online-Gedenkseite für die Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen. Die Opfer werden auf der Seite alle namentlich aufgeführt.
Der Transport vom 12. Dezember 1940 war der zweitletzte Transport nach Grafeneck, nach dem 13. Dezember 1940 wurde die Tötungsanstalt Grafeneck geschlossen. Aber das Morden wurde in anderen Tötungsanstalten fortgesetzt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 929.
- Aufnahme- und Entlassbuch der Psychiatrie-Abteilung des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen 1940-1942 (Kreisarchiv Sigmaringen XIV 1993/4 Nr.26 / Nr.27 / Nr.28).
- Gedenkstein für Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen (Gedenkseite beim Landkreis Sigmaringen).
- Katholisches Familienregister Langenenslingen Fol. 529. Kind Nr. 5 mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 6. November 1896
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Fabrikarbeiterin / Dienstmädchen
Einrichtung: Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen
Datum der Deportation: 12. Dezember 1940
Sterbedatum: 12. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: August Welser, Drechsler in Laupheim und Ottilie geb. Balluff, Stiefmutter Rosa Weber.
Die Eltern von Fanny (Franziska) Welser sind um das Jahr 1881 von Oberdischingen nach Laupheim gezogen. Fanny Welser war das jüngste von sechzehn Kindern. Die Mutter ist im Jahr 1901 verstorben, Fanny Welser war erst fünf Jahre alt. Der Vater hat im Jahr 1906 erneut geheiratet. Ein schon verheirateter Bruder ist 1917 im 1. Weltkrieg gefallen, ein anderer Bruder ist krank aus dem Krieg zurückgekommen und 1921 in der Heilanstalt Schussenried verstorben.
Fanny Welser war vom 27. Mai 1918 bis zum 01. August 1918 in der Heilanstalt Rottenmünster. Dies war dort anscheinend die 2. Aufnahme, Details zur 1. Aufnahme sind nicht bekannt. Bei der Entlassung ist ‚geheilt‘ angekreuzt. Zu diesem Zeitpunkt war Ihr Wohnsitz Laupheim, der Beruf Dienstmädchen.
Einige Jahre später, vom 04. April 1925 bis 16. Juli 1925 war Fanny Welser in der Nervenklinik Tübingen. Sie war jetzt 28 Jahre alt und der Wohnsitz war Hechingen, sie hat als Fabrikarbeiterin in einer Trikotfabrik ihren Lebensunterhalt verdient. In der Krankenakte aus Tübingen sind viele Informationen von Fanny Welser zu Ihrem Leben, aber auch zu Ihrer Krankheit vorhanden. Ein Teil der Informationen stammt von Ihr selber, ein Teil von der Oberschwester des Mädchenheims in Hechingen. Da hat sie gewohnt als sie in der Fabrik arbeitete.
Die wichtigsten biografischen Informationen:
Fanny Welser war nach dem Tod der Mutter im Jahr 1901 im Kinderheim Schönebürg. Sie scheint diese Zeit nicht negativ in Erinnerung zu haben.
In der Schule war sie mittel (eigene Angabe), an anderer Stelle steht „gut gelernt“. Während der Schulzeit war sie mehrmals im Spital wegen Ohrenproblemen/Ohreiterungen. Sie hat wohl auch wegen Halsentzündungen einiges versäumt.
Nach Abschluß der Volksschule war sie in der Haushaltungsschule, von dort aus musste sie einige Zeit nach Rottenmünster in die Anstalt.
Nach der Schule war sie bei verschiedenen Stellen im Dienst, sie hatte es nirgends lange ausgehalten.
In den Jahren 1919-1920 lebte sie im Mädchenheim und hat in Hechingen in der Trikotagenfabrik als „Spulerin“ gearbeitet. Laut der Vorsteherin des Mädchenheims, Schwester Maria Alfonsia wurde sie vom Kinderheim an das Mädchenheim empfohlen. Sie war leicht aufgeregt aber verträglich. Auch in der Trikotagenfabrik war man mit ihrer Arbeit zufrieden. Sie sei auch besonders fromm.
Von 1920-1924 war sie wieder in Dienst, immer bei „Herrschaften“. Sie ist dadurch weit herumgekommen, war in München und auch mal in Italien (Italien scheint eine Erholungsreise in Tirol gewesen zu sein). Nach eigener Aussage von Fanny Welser könne sie nirgends lange bleiben, werde unruhig. Wenn sie woanders neu ist, „neue Gefielde“, dann ist das viel besser, wird aber langsam wieder schlechter.
Im Mai 1924 kam sie wieder nach Hechingen, hat wieder in der Fabrik gearbeitet und im Mädchenheim gewohnt.
Sie scheint nervliche Probleme gehabt zu haben, war aber ganz verträglich, hat gut gearbeitet. Sie hat aber zu wenig gegessen. Fanny Welser erzählt auch von Angstgefühlen.
Seit Weihnachten war Ihr in der Fabrik oft schwindelig, sie habe immer nur geistesabwesend geschafft, viel geschwitzt und konnte den Akkordlohn nicht halten, ist hinter den anderen zurückgeblieben.
Im März 1924 hat sie sich selber krank gemeldet, war zuerst im Spital und wurde von dort am 4. April 1924 in die Nervenklinik Tübingen zur Untersuchung überwiesen.
In der Krankenakte gibt es auch drei Briefe von Fanny Welser, an den Vater, den Bruder und Hochwürden. Ob diese Briefe Kopien sind oder die Adressaten nicht erreicht haben ist nicht bekannt. Sie bittet dringlich, sie aus der Klinik herauszuholen, es gefällt Ihr da nicht.
Von der Nervenklinik Tübingen aus wurde sie am 16. Juli 1925 direkt in das Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen (Landesspital Sigmaringen) versetzt. Dort lebte sie bis zu Ihrer Deportation im Jahr 1940. Fanny Welser wurde mit dem Transport vom 12. Dezember 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie war 44 Jahre alt.
Vor dem ehemaligen Krankenhaus in Sigmaringen wurde ein Gedenkstein aufgestellt. Der Landkreis Sigmaringen hat auch eine Online-Gedenkseite für die Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen. Die Opfer werden auf der Seite alle namentlich aufgeführt.
Der Transport vom 12. Dezember 1940 war der zweitletzte Transport nach Grafeneck, nach dem 13. Dezember 1940 wurde die Tötungsanstalt Grafeneck geschlossen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 933.
- Universitätsarchiv Tübingen, Signatur UAT 669/3029 Fanny Welser, Krankenakte.
- Aufnahme- und Entlassbuch der Psychiatrie-Abteilung des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen 1940-1942 (Kreisarchiv Sigmaringen XIV – 1993/4 Nr. 26).
- Gedenkstein für Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen (Gedenkseite beim Landkreis Sigmaringen).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 10. September 1909
Geburtsort: Reichenbach
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 13. August 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Augustin Welte, Zimmermann in Reichenbach (bei Schussenried) und Elisabeth geb. Reuser.
Die Familie hatte laut Familienregister insgesamt zwölf Kinder. Die Geschwister Franziska (*1909, Kind Nr. 7) und Johann Georg Welte (*1913, Kind Nr. 10) waren ab dem 07. Dezember 1935 in der „Pfleg- und Bewahranstalt Liebenau“. Über die Zeit vor dem Aufenthalt in der Liebenau ist nichts bekannt.
Im Jahr 1935 und 1936 haben vier ältere Geschwister geheiratet, die Mutter war schon im Jahr 1921 verstorben. Nur der älteste Bruder hat erst nach dem 2. Weltkrieg geheiratet. Evtl. gab es zum Zeitpunkt der Aufnahme dann niemanden mehr der nach den Geschwistern schauen konnte, auf jeden Fall keine weibliche Unterstützung im Haushalt. Der Vater war Anfang 60. Eine Schwester hat nach Oberzell bei Ravensburg geheiratet, sie wohnte dann nicht weit weg von der Liebenau. Ob sie ab und zu nach den Geschwistern geschaut hat ist nicht bekannt. Zwei Brüder (Josef und Julius) sind im 2. Weltkrieg gefallen.
Der letzte Eintrag in der Patientenakte von Franziska Welte (aus dem Bundesarchiv) ist vom 9.8.1940: „Psychischer Zustand unverändert. Körperlicher Zustand gut“. Sie hatte eine geistige Einschränkung welche von Geburt an vorhanden war.
Die Geschwister Franziska und Johann Georg Welte wurden im Sommer 1940 nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet.
Franziska Welte wurde am 13. August 1904 in die Heilanstalt Zwiefalten verlegt. Zwiefalten diente als Zwischenanstalt um einen „reibungslosen“ Transport der Opfer nach Grafeneck zu gewährleisten. Am 30. August wurde sie nach Grafeneck deportiert und dort ermordet Sie war 30 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort ist uns aus dem katholischen Familienregister bekannt.
Es war der 19. September 1940 in Hartheim/Oberdonau.
Am 12. Dezember 1945 (sieben Monate nach Kriegsende) kam in der Schwäbischen Zeitung die Todesnachricht zu einem Bruder, der am letzten Tag des Krieges in Berlin gefallen ist. In diesem Bericht steht auch explizit „Zwei seiner Geschwister waren im Jahr 1940 in der Heilanstalt umgebracht worden.“. Stand Dezember 1945 hatte der Vater vier Kinder verloren (2x Gefallen, 2x Ermordet), ein Sohn war vermisst, vom ältesten Sohn wusste man gar nicht.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29168 (Franziska Welte) mit Familienregisterauszug.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Katholisches Familienregister Pfarrei Reichenbach, Seite 95 und 95b.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. Dezember 1913
Geburtsort: Reichenbach
Beruf: keiner
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Augustin Welte, Zimmermann in Reichenbach (bei Schussenried) und Elisabeth geb. Reuser.
Die Familie hatte laut Familienregister insgesamt zwölf Kinder. Die Geschwister Franziska (*1909, Kind Nr. 7) und Johann Georg Welte (*1913, Kind Nr. 10) waren ab dem 07. Dezember 1935 in der „Pfleg- und Bewahranstalt Liebenau“. Über die Zeit vor dem Aufenthalt in der Liebenau ist nichts bekannt.
Im Jahr 1935 und 1936 haben vier ältere Geschwister geheiratet, die Mutter war schon im Jahr 1921 verstorben. Nur der älteste Bruder hat erst nach dem 2. Weltkrieg geheiratet. Evtl. gab es zum Zeitpunkt der Aufnahme dann niemanden mehr der nach den Geschwistern schauen konnte, auf jeden Fall keine weibliche Unterstützung im Haushalt. Der Vater war Anfang 60. Eine Schwester hat nach Oberzell bei Ravensburg geheiratet, sie wohnte dann nicht weit weg von der Liebenau. Ob sie ab und zu nach den Geschwistern geschaut hat ist nicht bekannt. Zwei Brüder (Josef und Julius) sind im 2. Weltkrieg gefallen.
Zu Johann Georg Welte existiert leider keine Patientenakte. Über seine Einschränkung ist nichts bekannt. Es ist anzunehmen er wurde am gleichen Tag wie seine Schwester in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen, am 07. Dezember 1935.
Die Geschwister Franziska und Johann Georg Welte wurden im Sommer 1940 nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet.
Johann Georg Welte wurde am 01. Juli 1940 in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Schussenried agierte als Zwischenanstalt bei den Patientenverlegungen im Zuge der Aktion T4. Am 22. Juli 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Er war 26 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort ist uns aus dem katholischen Familienregister bekannt. Es war der 05. August 1940 in Sonnenstein/Pirna.
Am 12. Dezember 1945 (sieben Monate nach Kriegsende) kam in der Schwäbischen Zeitung die Todesnachricht zu einem Bruder, der am letzten Tag des Krieges in Berlin gefallen ist. In diesem Bericht steht auch explizit „Zwei seiner Geschwister waren im Jahr 1940 in der Heilanstalt umgebracht worden.“. Stand Dezember 1945 hatte der Vater vier Kinder verloren (2x Gefallen, 2x Ermordet), ein Sohn war vermisst, vom ältesten Sohn wusste man gar nicht.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29168 (Franziska Welte) mit Familienregisterauszug.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Katholisches Familienregister Pfarrei Reichenbach, Seite 95 und 95b.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. November 1907
Geburtsort: Josenhof (Eberhardzell)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 01. Juli 1940 (Zwischenanstalt Schussenried)
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Wiedenmann Franz Xaver, Bauer auf dem Josenhof bei Eberhardzell und Anna Maria geb. Brax.
Wilhelm war das älteste Kind seiner Eltern. Seine Mutter verstarb als er drei Jahre alt war. In der 2. Ehe seines Vaters wurden weitere sieben Kinder geboren. Vier Kinder der Familie waren jung verstorben, drei Söhne sind gefallen/vermisst/durch im Krieg erworbene Krankheit verstorben. Ein Bruder blieb ledig, die Schwester Kreszenz verheiratete Denzel hat den elterlichen Hof übernommen.
Wilhelm Wiedenmann war seit dem 30. Juni 1938 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Von dort wurde er am 01. Juli 1940 in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Schussenried agierte als Zwischenanstalt bei den Patientenverlegungen im Zuge der Aktion T4. Am 22. Juli 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Wilhelm Wiedenmann wurde 32 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum war der 04. August 1940.
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung:
„Dass Wilhelm Wiedenmann vom Josenhof bei Eberhardzell auch in Grafeneck in der Gaskammer starb, ist in der Familie Wiedenmann/Denzel durchaus bekannt. Nach Erhalt der Todesnachricht aus Grafeneck schrieb die Mutter an die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau ‚…Angegeben wurde Grippe mit Hirnhautentzündung. Der Tod sei für ihn eine Erlösung gewesen. Die Leiche wurde verbrannt. Die Asche wollen wir nicht holen. Die Leiche hätten wir geholt….‘. An den Formulierungen ist zu erkennen, dass die Mutter diesen Aussagen nicht geglaubt hatte, aber vorsichtig formulieren wollte, um nicht mit dem Regime Schwierigkeiten zu bekommen. Pfarrer Häring schrieb zu Wilhelm Wiedenmanns Tod in seiner nichtöffentlichen Pfarrchronik: ‚Ein Opfer des ‚Nationalsozialismus‘.“
Erarbeitet von BR, StS und † Johannes Angele
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste A). Männer, Bl. 9) und Bl. 10), die am „1. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried versetzt“ und am 22.07.1940 deportiert wurden (73).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Familienrachiv Wiedenmann Eberhardzell – Familienbild.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 19.02.2021, Seite 14, über Wilhelm Wiedenmann und Benedikt Kramer: „Zwei weitere Opfer erhalten ein Gesicht“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. August 1897
Geburtsort: Ellmannsweiler
Beruf: ohne
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach, Heilanstalt Weissenau, Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Anton Wiedmann, Käser in Ellmannsweiler und Viktoria geb. Batzenschlager
Anna Wiedmann war das 9. von 10 Kindern ihrer Eltern, sie war ein Zwillingskind. Der Zwillingsbruder Joseph ist noch am Tag der Geburt verstorben. Drei weitere Kinder, darunter nochmals Zwillinge waren auch schon kurz nach der Geburt verstorben. Der Vater war Käser und hat in Ellmannsweiler eine Spezereiwarenhandlung und Käserei betrieben. Auf einer im Heimatbuch Maselheim abgebildeten Postkarte gibt es ein Foto des Hauses. Das war die Heimat von Anna Wiedmann.
Am 26. Februar 1904 ist die Mutter von Anna Wiedmann verstorben. Anna Wiedmann als jüngstes Kind war zu dem Zeitpunkt 6 Jahre alt. Der Vater hat nicht mehr geheiratet.
Im Jahr 1916 hat der Vater die Käserei in Ellmannsweiler verkauft und in Dietenwengen eine andere Käserei gekauft, die Familie ist umgezogen. Im Jahr 1923 ist der Vater von Anna Wiedmann verstorben. Die Schwester Kreszentia Wiedmann und deren Ehemann Josef Schlay haben die Käserei übernommen, vermutlich hatten sie vorher schon mitgearbeitet, bzw. das Geschäft umgetrieben.
Laut württembergischer Patientenkartei war Anna Wiedmann ca. 17 Jahre alt, als sie erkrankt ist. Seit 1926 war sie in der Pflegeanstalt Heggbach. Am 08. September 1932 wurde sie in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen, sie kam von Heggbach. Nach knapp 4 Jahren in der Heilanstalt Weissenau wurde sie am 06. August 1936 gebessert in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt. Sie war nicht mehr anstaltsbedürftig, hat fleissig mitgearbeitet und wird als „in letzter Zeit ruhiger, geordnet und reinlich“ beschrieben.
Im Bundesarchiv hat sich die Akte aus der Liebenau erhalten. Es gibt darin ein ärztliches Attest aus dem Jahr 1936, zwei Seiten Patientenakte (letzter Eintrag vom 26. Juli 1940), einen Geburtsschein aus dem Jahr 1932 und mehrere Seiten mit Tabellen. Leider keine Einträge mit Bezug zur Familie oder Herkunft.
Am 2. Oktober 1940 wurde Anna Wiedmann aus der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurde sie nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Anna Wiedmann war 43 Jahre alt.
Die Urne von Anna Wiedmann wurde auf dem Hauptfriedhof Ulm bestattet. Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum dort ist der 17. Oktober 1940 in Hartheim/Linz (dort fälschlicherweise „Hortheim“ geschreiben).
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 943.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29185.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2378 ff: Wiedmann, Anna, Grablage U 21 – 56. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Buch „Maselheim und Ortsteile im Wandel der Zeit“, Seite 56, Abbildung einer Postkarte von Ellmannsweiler.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 14. Dezember 1890
Geburtsort: Untersulmetingen
Beruf: Käser
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Mathias Wörz, Söldner in Untersulmetingen und Maria Anna geb. Pfender
Wir wissen nichts über die Kindheit und Jugend von Johannes Wörz.
Johannes Wörz hat Käser gelernt, dieser Beruf wird in seinen Akten angegeben. Wo er gelernt hat ist nicht bekannt. Er hatte einen Onkel mit einer Käserei in Obersulmetingen, auch ein Johannes Wörz (oder Werz), evtl. hat er dort seinen Beruf erlernt?
Er war Soldat im 1. Weltkrieg. Johannes Wörz wurde am 01. Dezember 1914 zum Depot des bayrischen Ersatz-Landwehr-Infanterie-Regiments 3 eingezogen. In seiner Kriegsstammrolle war der letzte Wohnort Weißenhorn (bei Neu-Ulm), der Beruf Käser. Am 21. Januar 1915 wurde er aus dem Depot an die 4. Kompagnie überwiesen und am 08. Februar 1915 ist er mit dem Bayrischen Landwehr-Infanterie-Regiment Nr. 3 ins Feld abgerückt. In den Deutschen Verlustlisten wir er im Juli 1915 als vermisst gemeldet, im März 1916 erfolgte eine Korrekturmeldung, Johannes Wörz war in Gefangenschaft.
Sein letzter Wohnort vor der Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried war Untersulmetingen im Oberamt Biberach. Johannes Wörz scheint zu diesem Zeitpunkt also wieder zuhause, bei seiner Familie gewohnt zu haben.
Am 26. Mai 1936 wurde Johannes Wörz in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen, er war zuvor in der Pflegeanstalt Heggbach, eine Patientenakte ist nicht überliefert. In den Württembergischen Patientenblättern wird eine Kopfverletzung nach einem Sturz mit dem Fahrrad erwähnt. Das war im Jahr 1934 und ein paar Monate später kam es zu „Anfällen“.
Johannes Wörz war in Schussenried bis zu seiner Deportation nach Grafeneck am 18. Juni 1940. An diesem Tag wurde er mit Gas ermordet. Er war 49 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum liegt uns aktuell nicht vor.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 958.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Ehrentafel 1914-1918 der Gemeinde Untersulmetingen für die Soldaten der Gemeinde. (Archiv Buch OBERSCHWABEN im ersten Weltkrieg).
- Kriegsstammrollen aus bayrischen Verbänden, online verfügbar bei Ancestry.de.
Abbildungen und Bildunterschriften
Z
Geboren am: 23. August 1880
Geburtsort: Ingerkingen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Mordprogramm: Aktion T4
Biografie
Eltern: Mathäus Zell, Käsereibesitzer in Ingerkingen und Franziska geb. Ried
Der Taufname von Johannes Zell war Johann Baptist. Johannes Zell war das jüngste und elfte Kind seiner Eltern. Fünf der Kinder sind jung verstorben, die Mutter im Jahr 1907 und der Vater im Jahr 1917.
Beim Tod der Schwester Marie verh. Scheuringer am 18. April 1917 steht bei den Brüdern: „Johann Zell, z. Zt. in Garnison“, d.h. Johannes Zell war auch Soldat im 1. Weltkrieg. Auf der Gedenktafel aus Ingerkingen für die Teilnehmer am 1. Weltkrieg ist er nicht aufgeführt.
Sonst wissen wir leider nichts über Johannes Zell.
Johannes Zell wurde am 22. Mai 1925 im Alter von 44 Jahren in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen, auf Ansuchen der Angehörigen. Er war bei der Aufnahme 44 Jahre alt. Den Rest seines Lebens war er in Schussenried. Am 23. August 1940 wurde er in einem Transport von 34 Männern deportiert und in Grafeneck ermordet. Es war der Tag seines 60. Geburtstages.
Im Tauf- und Familienregister ist das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum eingetragen: 9.9.1940 in der Anstalt Sonnenstein über Pirna/Elbe.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 971.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (34).
- Pfarrei Ingerkingen Tauf- und Familienregister mit dem nachgetragenen gefälschten Sterbedatum.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. Februar 1906
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: Taglöhner
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 7. Mai 1945
Todesort: Heilanstalt Zwiefalten
Mordprogramm: Dezentrale „Euthanasie“ (?)
Biografie
Eltern: Franz Xaver Zoll, Taglöhner, und Antonie geb. Maier, aus Altheim.
Andreas Zoll war das neunte Kind in der Familie, er hatte zehn Geschwister, vier Brüder und sechs Schwestern. Hier lebte er wohl ohne regelmäßige Arbeit bis zu seiner Aufnahme in die Heilanstalt Zwiefalten.
Wegen heftiger Angstzustände hatte ihn der Altheimer Bürgermeister mit einem Polizeidiener am 15. Februar 1935 nach Zwiefalten gebracht. Am 20. Dezember 1936 wurde er „beurlaubt“, am 23. Dezember gleich wieder aufgenommen. Er arbeitete anfangs gelegentlich in der Gärtnerei, aber wegen der Zunahme seiner Angst- und Erregungszustände verließ er immer weniger sein Krankenzimmer.
Um die Voraussetzung für die Beurlaubung am 20. Dezember 1936 zu schaffen, hatte die Zwiefalter Anstaltsleitung am 31. Oktober 1936 beim Staatlichen Gesundheitsamt für die Kreise Riedlingen und Ehingen den Antrag auf Unfruchtbarmachung gestellt. Aus der Krankengeschichte geht aber nicht hervor, wann sie erfolgte.
Am 20. September 1940 wurde Andreas Zoll auf einer Liste der Direktorin Martha Fauser zur Deportation nach Grafeneck vorgeschlagen, aber offensichtlich zurückgestellt, und er überlebte die Zeit der Transporte nach Grafeneck.
Andreas Zoll starb am 7. Mai 1945 an „Lungentuberkulose“, wie in der Krankenakte vermerkt wurde. Er wurde 39 Jahre alt und auf dem Zwiefalter Anstaltsfriedhof bestattet.
Heute lässt sich nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, ob er seinem langen und schweren Leiden erlag, ein Opfer der kriegsbedingten Unterversorgung war oder auf Anweisung der damaligen Ärztlichen Direktorin Martha Fauser durch die Überdosierung von Medikamenten ermordet wurde.
Erarbeitet von BR
Quellen/Literaturangaben
- Hauptbücher Zwiefalten, Hauptbuch Männer, Nr. 3154 u. 3322. Archiv ZfP Zwiefalten
- Sammlung Krankenakten der nach 1900 geborenen Zwiefalter Patienten. Archiv ZfP Zwiefalten
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 982
- Zu den Krankenmorden in Zwiefalten siehe Rüdenburg, Bodo: Die „Aktion T4“ in Zwiefalten, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 37-46.
- Zur Zwiefalter Anstaltsdirektorin Martha Fauser siehe Breucker, Dorothee: Dr. Martha Fauser, eine Ärztin im Nationalsozialismus, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 115-127.
Abbildungen und Bildunterschriften
