Den Opfern ihre Namen und ihre Persönlichkeit zurückgeben
Mit der Veröffentlichung ist die Erwartung verbunden, dass Angehörige sich über das NS-„Euthanasie“-Opfer aus den eigenen Familien informieren können – und vielleicht mit Ergänzungen beitragen, deren Lebens- und Leidensweg zu dokumentieren.
Für viele Opfer existieren nur die Lebensdaten und noch keine Kurzbiografie. Stand [15.02.2026] sind 50 Biografien verfügbar. Weitere Biografien sind in Arbeit und werden nach und nach erweitert. Sollte für ein Opfer noch keine Biografie vorhanden sein, wenden Sie sich trotzdem gerne an die Arbeitsgruppe, wir haben viele Unterlagen verfügbar und können relativ sicher eine Auskunft geben.
Opferliste Landkreis Biberach
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A
Geboren am: 1. Mai 1897
Geburtsort: Ingoldingen
Beruf: Schreinergeselle
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Vinzenz Aich und Kreszenz geb. Zinsmeister in Ingoldingen.
Eugen Aich war der Sohn des Bierbrauers und Zieglers Vinzenz Aich, gebürtig aus Baustetten, und verheiratet mit der aus Ingoldingen stammenden Kreszenz Zinsmeister. Das Paar hatte vier Kinder, eine Tochter und drei Söhne. Alle drei Söhne wurden 1914 zum Kriegsdienst eingezogen. Ein Sohn kehrte aus dem Ersten Weltkrieg nicht zurück, er fiel am 18. Oktober 1915.
Eugen Aich meldete sich gleich zu Kriegsbeginn am 1. August 1914 als 17-Jähriger freiwillig und kam in das Bayerische Infanterieregiment Nr. 20, das in Lindau und Kempten stationiert war. Am 22. September 1916 wurde er leicht verwundet. Nach dem Waffenstillstand von 1918 kehrte er, weitgehend körperlich unversehrt, in sein Elternhaus zurück, wie auch sein älterer Bruder Josef Anton.
Eugen Aich wurde 1925 mit 28 Jahren das erste Mal in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried eingewiesen, die er ein Jahr darauf wieder verlassen konnte. Am 29. März 1927 erfolgte die zweite Einweisung.
Obwohl dem gelernten Schreinergesellen von der Anstaltsleitung eine Arbeitsfähigkeit von 70 Prozent bescheinigt wird, wurde er am 14. Juni 1940 mit 43 Jahren nach Grafeneck deportiert und ermordet. Auf der Verlegungsliste wurde angegeben, dass die Angehörigen „unbekannt“ seien, und als amtliches Todesdatum wurde der „4. Juli 1940“ vermerkt.
Schicksal erforscht von Karin Schöntag und veröffentlicht in ‚Der Winterstetter‘ im Januar 2019.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 5 Nr. 36.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 14.06.1940 mit dem Namen von Eugen Aich an erster Stelle der Namensnennungen. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 1).
- Familienregister Ingoldingen Band 2, Fol. 4, katholisch.
- Schöntag, Karin: Den Opfern einen Namen geben, Euthanasie im Nationalsozialismus, in: Der Winterstetter (2019), Heft Januar, S. 2-4. Auszug aus „Der Winterstetter“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. April 1885
Geburtsort: Orsenhausen
Beruf: Dienstmagd / Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Mathias Angele, Söldner in Orsenhausen, und Kreszenz, geb. Kuhn.
Die Mutter Kreszenz Angele ist wenige Tage nach der Geburt von Maria Magdalena Angele am 9. April 1885 verstorben. Der Vater hat im Jahr darauf wieder geheiratet. In der ersten Ehe hatte das Ehepaar fünf Kinder, von denen im August und September 1891 ein Junge und ein Mädchen gestorben sind. In der zweiten Ehe hatte Matthias Angele mit seiner neuen Ehefrau dann nochmals mindestens sechs Kinder.
Fünf Jahre nach der zweiten Heirat des Vaters, im Jahr 1891, ist die Familie von Orsenhausen in das nahegelegene Hörenhausen bei Schwendi gezogen. Maria Magdalena Angele war zu diesem Zeitpunkt sechs Jahre alt und hatte noch drei ältere Geschwister, zwei Brüder und eine Schwester.
Bei der ersten Aufnahme in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried am 31. August 1908 wurde als Wohnort von Maria Magdalena Angele Ulm und der Beruf mit Dienstmagd angegeben. Von Schussenried wurde sie am 20. September 1925 in die bayrische Heil- und Pflegeanstalt Irsee bei Kaufbeuren verlegt. Am 9. September 1929 wurde sie zum zweiten Mal auf Ansuchen der Angehörigen in die Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen.
Am 7. Juni 1940 wurde Maria Magdalena Angele nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie war 55 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen. Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 12 Nr. 30.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Geburtsregister Standesamt Orsenhausen 1885 Nr. 3, Randvermerk mit gefälschtem Sterbedatum in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 24. Mai 1875
Geburtsort: Andelfingen
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 29. Juli 1940
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Mutter: Johanna App aus Andelfingen, Vater unbekannt.
Johanna Apps Großvater Michael App stammte aus Ertingen und war in Andelfingen mit Maria Ursula Springer verheiratet. Er war Schuhmachermeister. Die Familie hatte zehn Kinder, Johanna Apps Mutter (*1838) war das älteste Kind. Der Großvater ist 1870, die Großmutter 1880 verstorben.
Johanna App war ein uneheliches Kind, ohne Angaben zum Vater. Sie hatte zwei ältere, ebenfalls uneheliche Halbgeschwister, jeweils von verschiedenen Vätern. Eines davon war als Baby verstorben. Die Mutter von Johanna App, auch eine Johanna App, ist 1909 in der Schweiz verstorben, vermutlich hatte sie bei ihrer älteren Halbschwester Paulina Woehrle in St. Gallen gelebt.
Johanna App kam am 9. November 1926 in die Heil- u. Pflegeanstalt Liebenau, sie war Anfang 50. Was sie beruflich gemacht und wo sie vorher gelebt hatte ist nicht bekannt.
Am 2. Juli 1940 wurde sie in die Zwischenanstalt Schussenried verlegt. Von dort wurde sie am 29. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet. Sie war 65 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen. Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 2. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried verlegt“ und am 29.07.1940 deportiert wurden.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 2. März 1887
Geburtsort: Eberhardzell
Beruf: Näherin, Hausfrau
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehemann: Johann Georg Aßfalg, Lokomotivheizer, später Reservelokomotivführer in Aulendorf, aus Grundsheim bei Ehingen stammend.
Eltern: Leonhard Rothmann, Taglöhner in Eberhardzell und Ottilia geb. Sproll.
Ida Aßfalgs Mutter Ottilia Sproll verh. Rothmann war eine Cousine von Bischof Johannes Baptista Sproll, der wie Ottilia Sproll in Schweinhausen geboren wurde. Auch Bischof Johannes Baptista Sproll war ein Opfer der Nationalsozialisten, er wurde 1938 aus seiner Diözese verwiesen und konnte erst 1945 zurückkehren.
Der Vater von Ida Aßfalg, Leonhard Rothmann, war dreimal verheiratet, die Mutter Ottilia Sproll war die dritte Ehefrau. Ida Aßfalg hatte vier ältere Halbgeschwister und drei Vollgeschwister. Vier der Geschwister sind jung verstorben.
Am 11. August 1914 hat Ida Aßfalg geb. Rothmann den Lokomotivheizer Johann Georg Aßfalg aus Aulendorf geheiratet. Der Beruf von Ida Aßfalg bei der Heirat war Näherin.
Im Mai 1927 hat Ida Aßfalg eine Tochter Elisabeth geboren. Das Kind ist am gleichen Tag verstorben. Von 07. Januar 1928 an war Ida Aßfalg bis zum 04. April 1928 in der Heilanstalt Weissenau. Sie wurde gebessert entlassen. Am 10. Oktober 1929 kam sie wieder in die Heilanstalt Weissenau. Laut den Akten aus der württ. Patientenkartei hatte sie vier Kinder, drei davon waren am Leben bei Ihrer Einweisung. Am 02. April 1931 wurde Ida Aßfalg in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau verlegt. Sie war bis zu Ihrer Deportation am 2. Oktober 1940 dort. An diesem Tag wurde Sie von Liebenau mit einem roten Postbus der „Gemeinnützingen Kranken-Transport GmbH“ nach Grafeneck deportiert. Dort wurde Sie am gleichen Tag mit Gas ermordet. Ida Aßfalg geb. Rothmann war 53 Jahre alt.
Im Archiv der heutigen Stiftung Liebenau befindet sich ein Brief Ihrer Familie, der nach der Todesnachricht aus Grafeneck dorthin geschrieben wurde. Es geht um die persönlichen Sachen der Mutter. Die Tochter Paula würde kommen und die Sachen abholen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
– Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
– Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 16 Nr. 48.
– Standesamtsnachrichten in Verbo Schussen-Bote : Oberschw. Morgenblatt, Ausgabe vom 9. Juni 1927, Seite 8.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 26. Oktober 1891
Geburtsort: Tiefenbach
Beruf: Bauer
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehefrau: Agathe, geb. Gaiser aus Hagenbuch.
Eltern: Franz Xaver Aßfalg, Bierwirth in Tiefenbach am Federsee, und Rosina, geb. Schäzle.
Karl Aßfalg war das zwölfte von dreizehn Kindern. Von diesen Kindern sind fünf jung verstorben. Zwei Geschwister sind nach Amerika ausgewandert. Die anderen Geschwister waren in Tiefenbach, Konstanz und St. Gallen verheiratet.
Karl Aßfalg war Teilnehmer im 1. Weltkrieg. Er wird einmal in den Deutschen Verlustlisten verzeichnet. Auf der Ehrentafel der Gemeinde Tiefenbach (Federsee) ist er nicht aufgeführt.
Im November 1933 hat Karl Aßfalg Agathe Gaiser aus Hagenbuch bei Biberach geheiratet. In Hagenbuch hat das Ehepaar dann gelebt und in der Landwirtschaft gearbeitet.
Karl Aßfalg wurde am 17. Juli 1935 in der Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen und am 23. August 1935 als gebessert nach Hause entlassen. Er war zuvor wohl schon zwei Jahre krank gewesen. Am 10. April 1937 wurde er zum zweiten Mal in Schussenried aufgenommen und am 14. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und noch am gleichen Tag ermordet. Er war 48 Jahre alt.
Für Karl Aßfalg erschien am 15. Juni 1940 eine Traueranzeige in der Vereinigten Bodenseezeitung (Verbo, Biberach), in der auf einen Trauergottesdienst in der Biberacher Stadtpfarrkirche verwiesen wurde. Die Ehefrau hatte die Urne angefordert, die dann in „aller Stille“ auf dem Katholischen Friedhof beigesetzt worden war.
Bemerkenswert ist der mutige Eintrag des Tiefenbacher Pfarrers: Im Nachtrag über den Tod von Karl Aßfalg notierte er im Familienregister „1941 Grafeneck verbrannt!!!“.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 16 Nr. 47.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 4: Aßfalg Karl.
- Traueranzeige der Ehefrau Agathe und den Angehörigen vom 15. Juni 1940. (Vereinigten Bodenseezeitung (Verbo, Biberach) vom 15. Juni 1940, S. 8)
- Kath. Familienregister Tiefenbach Band 3, Fol. 75, Kind Nr. 12: Eintrag des Pfarres im Familienregister zum Tod von Karl Aßfalg: „1941 Grafeneck verbrannt!!!“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. August 1886
Geburtsort: Biberach
Beruf: Arbeiterin
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940 Zwischenanstalt Zwiefalten
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Johann Baptist Aßfalg, Maurermeister in Rißegg, und Marie Magdalene, geb. Haas.
Maria Theresia Aßfalg, genannt Ida, war Näherin, ledig und lebte in Ludwigsburg, später in Esslingen. Sie war 1913, mit 27 Jahren, für kurze Zeit in der Heilanstalt Pfullingen, von wo sie als „gebessert“ beurlaubt wurde. Vom 22. August 1921 bis zum 8. November 1935 war sie in der Heilanstalt Winnenden. Am 8. November 1935 erfolgte dann die Verlegung in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Von dort kam sie am 30. August 1940 mit einem Transport von insgesamt 75 Personen in die Zwischenanstalt Zwiefalten. Zusammen mit 54 weiteren Kranken wurde sie am 24. September 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 7. Oktober 1940 als Todestag und als Sterbeort Brandenburg.
Maria Theresia Aßfalg wurde 54 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Winnentaler Patientenkartei, Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 16 Nr. 56.
- Taufregister Biberach an der Riß (katholisch), 1886, Nr. 89.
- Silberzahn-Jandt, Gudrun: Esslingen am Neckar im System von Zwangsterilisation und „Euthanasie“ während des Nationalsozialismus, Strukturen, Orte, Biographien. Ostfildern 2015, S. 241.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018, hier: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 16. August 1929
Geburtsort: Unlingen
Beruf: –
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen
Datum der Deportation: 1. Oktober 1940
Sterbedatum: 1. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Abbildungen und Bildunterschriften
B
Geboren am: 15. Mai 1875
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Werkzeugarbeiter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Andreas Bader, Schreiner, später Werkzeugfabrikant in Laupheim und Elisabetha geb. Kögel
Albert Bader war das zehnte von zwölf Kindern der Familie Bader in Laupheim. Von diesen Kindern sind sechs schon im Kindesalter verstorben.
Die Mutter Elisabetha Bader starb 56jährig im Jahr 1898. Vier Jahre danach, am 29. Oktober 1902, wurde Albert Bader im Alter von 27 Jahren das erste mal in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Dort war er nur eine Woche. Nach 2 Wochen, am 20. November 1902 kam er wieder in die Einrichtung – für den Rest seines Lebens war er dort.
In den Württembergischen Patientenblättern ist in der Karteikarte von Albert Bader als Beruf Werkzeugarbeiter vermerkt. Wahrscheinlich war er in der Werkzeugfabrik seines Vaters tätig.
In der Anstalt Schussenried lebte Albert Bader 38 Jahre. Diese lange Aufenthaltsdauer in der Heilanstalt Schussenried war mit ein Grund, dass eine „Verlegung“ von Albert Bader nach Grafeneck bestimmt wurde. In den Württembergischen Patientenblättern wird zusammen mit dem Verlegungsdatum 14.06.1940 eine veränderte Diagnose vermerkt: ein Krankheitsbild, das eines der Hauptkriterien der Aussonderung der Patienten war. An diesem Tag wurde er mit weiteren Patienten der Anstalt nach Grafeneck deportiert. Dort wurde er mit Gas ermordet.
Albert Bader war 65 Jahre alt.
Erarbeitet von MR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 20-110.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Kath. Familienregister Fol. 589 Laupheim, ohne Nachtrag des Todes bei Kind Albert Bader.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. November 1908
Geburtsort: Englisweiler
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 18. Mai 1894
Geburtsort: Neckarsulm
Beruf: Dienstmagd
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 23. August 1940
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Josef Kilian Bangert, Schneidermeister in Saulgau und Pauline, geb. Fischer
Anna Bangert wurde in Neckarsulm als fünftes von fünf Kindern Ihrer Eltern geboren. Mit 17 Jahren, im April 1911, brachte sie einen unehelichen Jungen, Johann zur Welt. Die Familie Bangert ist Anfang des 20. Jahrhunderts nach Oberschwaben verzogen. Ihr Bruder Karl Bangert war als Lehrer und Vikar in Riedlingen, Dietmanns und Saulgau tätig. Ihre Mutter verstarb 1935 in Saulgau. Der Vater Joseph Bangert wird 1939 im Saulgauer Adressbuch geführt.
Bei der Einweisung am 10. Juni 1924 in die Heilanstalt Schussenried hat Anna Bangert in Riedlingen gewohnt. Sie wurde unmittelbar versetzt aus der Nervenklinik Tübingen, dort war sie vom 5. April 1924 bis 10. Juni 1924. In Schussenried verblieb die „ledige, katholische Dienstmagd“ 16 Jahre lang in Behandlung. Auch Anna Bangert wurde wegen ihrer langen Aufenthaltsdauer in der Einrichtung Schussenried zum Opfer der NS-Krankenmorde: Laut Nachtrag im katholischen Taufregister Neckarsulm ist Anna Bangert am 10. September 1940 in der Heilanstalt Sonnenstein an Blutvergiftung verstorben. Ein Täuschungsmanöver der zentral gesteuerten Krankenmordaktion. Tatsächlich ist Anna Bangert direkt am Tag der Deportation von Schussenried nach Grafeneck, am 23. August 1940 in der Gaskammer von Grafeneck ermordet worden. Anna Bangert war 46 Jahre alt.
Am 23. August 1940 wurde sie in einem Transport von 22 Frauen nach Grafeneck deportiert und noch am gleichen Tag ermordet. Sie war 46 Jahre alt.
Erarbeitet von MR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 26-85.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, B. 5), die „am 23. August 1940 verlegt“ wurden (22).
- Adressbuch Kreis Saulgau 1939
- Pfarrei Neckarsulm St. Dionys: Taufregister 1894 Nr. 28, mit Nachtrag zum gefälschten Todesdatum und Todesort.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 22. Juni 1894
Geburtsort: Aufhofen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 18. November 1869
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Kaufmann
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 27. November 1874
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: Bierbrauer und Metzger
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 22. März 1909
Geburtsort: Mettenberg
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 10. Februar 1903
Geburtsort: Altheim (Biberach)
Beruf: Krankenschwester / Schlosserfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 25. Mai 1902
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Lehrer, Schulpraktikant
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 22. April 1897
Geburtsort: Laupertshausen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 18. November 1887
Geburtsort: Schammach
Beruf: Landwirt
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried, Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 29. Oktober 1940 (nach Zwiefalten)
Sterbedatum: 13. Mai 1959
Todesort: Zwiefalten
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 21. August 1905
Geburtsort: Uttenweiler
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 14. September 1904
Geburtsort: Äpfingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 20. Oktober 1897
Geburtsort: Winterstettenstadt
Beruf: Landwirtsfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehemann: Vincenz Bochtler, Bauer in Winterstettendorf
Eltern: Johann Steinhauser, Bauer und Krescenz geb. Kurray, Winterstettenstadt
Maria Anna Steinhauser war die Tochter des Winterstetter Bauern Johann Georg Steinhauser und seiner Ehefrau Kreszentia, geb. Kurray. Es ist anzunehmen, dass die Tochter Maria Anfang des 20. Jh. wie alle ihre weiblichen Geschlechtsgenossinnen aufwuchs, geprägt von dörflichen Strukturen und dem katholischen Umfeld. Im Alter von 25 Jahren heiratete sie den Dorfer [=Winterstettendorf] Bauern Vinzenz Bochtler. Der erste Sohn, nach dem Vater Vinzenz genannt, kam 1923 zur Welt. Schon ein Jahr später wurde Tochter Josefa geboren und im September 1929 folgte der zweite Sohn Karl. Das jüngste Kind war gerade 5 Monate alt, als Maria im Februar 1930, traumatisiert durch die häuslichen Verhältnisse, in die Heilanstalt Schussenried eingeliefert wurde. Nach einem Treppensturz hatte sie eine Fehlgeburt. Die emotional schwierige familiäre Situation, drei kleine Kinder und die Landwirtschaft, überforderten die junge Frau. Sie wurde psychisch krank. Da sie nicht mehr wie erwartet funktionierte, brachte man sie in das PLK (Psychiatrisches Landes Krankenhaus). Zehn Jahre verbrachte Maria Anna Bochtler dann in der Heilanstalt Schussenried.
Dort bekam sie die laufende Nr. 13 der Liste A. Spalte 6a) 0% arbeitsfähig und b) (+) lebensunwert!
Der Eintrag, dass Maria Bochtler in Grafeneck gestorben war, datiert vom 28. Juli 1940. „Verlegt“ wurde sie von Schussenried am 7. Juni 1940 nach „unbekannt“ (siehe Liste A). Ihr wahrer Todestag!
Maria Anna Bochtler geb. Steinhauser ist im Gedenk- und Namenbuch Grafeneck eingetragen.
Schicksal erforscht von Karin Schöntag und veröffentlicht in ‚Der Winterstetter‘ im Januar 2019.
Sie war 42 Jahre alt.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 77-59.
- Schöntag, Karin: Den Opfern einen Namen geben, Euthanasie im Nationalsozialismus, in: Der Winterstetter (2019), Heft Januar, S. 2-4. Auszug aus „Der Winterstetter“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 04. Oktober 1874
Geburtsort: Eberhardzell
Beruf: Schneiderin
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch, Kreispflegeanstalt Weinheim
Datum der Deportation: 30. April 1941
Sterbedatum: 30. April 1941
Todesort: Hadamar
Biografie
Ehemann: Heinrich Böhm, Buchhalter in Mannheim
Eltern: Werner Sommer, Schuhmacher in Eberhardzell und Maria Anna geb. Maucher
Hedwig Böhm geb. Sommer hatte laut Familienregister zwei jüngere Schwestern. Ihr Vater war Schuhmacher, der Großvater war Schultheiß in Eberhardzell. Als die Mutter 1886 verstarb, waren die drei Töchter der Familie Sommer zwischen neun und zwölf Jahre alt. Der Vater heiratete 1894 ein zweites Mal.
Hedwig Böhm geb. Sommer hat den Beruf Schneiderin erlernt. Hoffte sie mit dieser Ausbildung in Mannheim ihr Auskommen zu finden? Hier lebte Onkel Ludwig Sommer, ein Bruder ihres Vaters, der in der Quadratestadt Mannheim als Gerichtsbote arbeitete. Vielleicht unterstützte Hedwig Böhm geb. Sommer den Onkel und seine Frau im Haushalt oder sie fand mit seiner verwandtschaftlichen Hilfe hier eine Arbeit in ihrem erlernten Beruf.
Am 13. Juni 1908 hat Hedwig Sommer in Mannheim den Buchhalter Heinrich Böhm geheiratet. Das Ehepaar hatte einen Sohn Ludwig, der im Jahr 1909 geboren wurde. Hedwig Böhms Onkel Ludwig Sommer war Trauzeuge des Ehepaars und – die Namensadaption legt es nahe – wurde dann vermutlich auch zum Taufpaten des einzigen Kindes.
Onkel Ludwig Sommer war und blieb familialer Fixpunkt für Hedwig Böhm. Als ihr Mann den ersten Weltkrieg über beim Militär ist, wohnt sie mit ihrem Sohn Ludwig bei dem Onkel Ludwig Sommer in der Thoräckerstraße in Mannheim. Als Heinrich Böhm 1918 vom Militär zurückkehrt kommt auch der Ehemann unter dieser Adresse unter. Ab dem 9. August 1933 lebte das Paar in der Schwetzingerstraße 44.
Am 20. Februar 1934 kam Hedwig Böhm in die große badische Heil- und Pflegeanstalt Wiesloch und wird dort dreieinhalb Jahre behandelt. Von dort wurde Sie am 19. Juli 1937 zur Weiterbehandlung in die Kreispflegeanstalt Weinheim entlassen. Am 02. April 1941 wurde sie von Weinheim kommend wieder in Wiesloch aufgenommen. Aber nicht für eine Behandlung. Wiesloch war seit 1940 die Zwischenanstalt in Baden. Zwischenanstalt für Patienten auf dem Weg in eine der T4-Gasmordanstalten. Nach 4 Wochen Aufenthalt in der Anstalt Wiesloch wurde Sie am 30. April 1941 nach Hadamar deportiert und in der dortigen Gaskammer ermordet.
Hedwig Böhm wurde 66 Jahre alt.
Ludwig Böhm sorgt sich um seine Mutter
Hedwig Böhms Sohn Dr. Ludwig Böhm erfuhr Anfang April 1941 durch ein Schreiben der Anstalt Weinheim von der „Verbringung“ seiner Mutter nach Wiesloch. Er wendet sich sogleich an die Verwaltung der Heil- und Pflegeanstalt und bittet darum, ihm „Veränderungen des Aufenthalts und des Befindens seiner Mutter“ sofort anzuzeigen. Dies geschah auch – aber sehr ungewöhnlich: In der Akte finden sich zwei Schreiben mit Bezug zur Deportation der Hedwig Böhm von Wiesloch nach Hadamar. Eine vorgedruckte (!) Postkarte vom 30. April 1941 mit der Angehörige über die „Verlegung“ der Patientin … in eine noch unbekannte Anstalt informiert werden. Die aufnehmende Anstalt würde die Angehörigen dann unterrichten.
Die Anstalt Wiesloch war als ‚Zwischenanstalt‘ kurzzeitig Station für Hunderte Patientinnen und Patienten. Der Einsatz eines gedruckten offiziell erscheinenden Schreibens an die Angehörigen ersparte Schreib- und Verwaltungsaufwand bei der Weiter-“Verlegung“ in die Gasmordanstalt. Das Schreiben benennt aber auch einen Verantwortlichen der Verschleppungen der Patienten: Die Gemeinnützige Kranken-Transport – GmbH, eine Sub-Gesellschaft der in Berlin ansässigen Zentraldienststelle T4, welche die Tötung der selektierten Patientinnen und Patienten organisierte. Diese zentrale Stelle betreibt in der Anstalt Hadamar für die vielen anfallenden Todesfälle ein eigenes „Sonderstandesamt“. Dieses zeigt der Meldebehörde Eberhardzell den Sterbefall Hedwig Böhms auf den 21. Mai 1941 an – eine Lüge. Die falsche Todesmeldung diente zur Täuschung der Angehörigen, gleichzeitig wurden mit dem in diesem Fall um drei Wochen hinausgeschobenen Todeszeitpunkt die Kostenträger um das dennoch abgerechnete Versorgungsgeld betrogen.
Hedwig Böhm wurde – drei Wochen zuvor – zusammen mit allen weiteren Patientinnen, die am 30. April 1941 von Wiesloch nach Hadamar deportiert wurden, unmittelbar nach ihrer Ankunft im Keller der Klinik in einer Gaskammer ermordet.
Hedwig Böhms Sohn, Dr. Ludwig Böhm, bestätigte am 9. Mai 1941 den Erhalt des Vordrucks über die Verlegung seiner Mutter, er bemängelt aber, dass er das mit 30. April datierte Schreiben mit Poststempel vom 7. Mai 1941 erhalten habe. Ludwig Böhm ist offensichtlich nicht über den Verbringungsort seiner Mutter unterrichtet, geschweige denn darüber, dass seine Mutter zu diesem Zeitpunkt schon 9 Tage tot und eingeäschert ist. Die Familie Böhm erhält erst nach dem 21. Mai 1941 Nachricht aus der hessischen Anstalt Hadamar über den Tod der Ehefrau und Mutter Hedwig Böhm.
Im Familienregister Eberhardzell der Eltern von Hedwig Böhm ist das gefälschte Todesdatum mit Todesort Hadamar verzeichnet, der 21. Mai 1941.
Erarbeitet von MR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Generallandesarchiv Karlsruhe, Bestand GLAK 463 Wiesloch-1 Bü 3691 Psychiatrisches Zentrum Nordbaden: Patientienakten [Signaturen sind aktuell in Überarbeitung, Stand 28.08.2025]
- Familienregister Eberhardzell Blatt 121 mit gemeldetem Todesdatum von Hedwig Böhm.
- T1021 German War Crimes: Transportliste Heilanstalt Weinheim vom 2. April 1941, Aufnahme 118 und 119 mit 38 Pfleglingen.
- Rotzoll u. a. (Hg.): Die nationalsozialistische „Euthanasie“-Aktion T4 und ihre Opfer. Paderborn 2010.
- Aly, Götz: Wie konnte das geschehen? Deutschland 1933 – 1945.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 08. Dezember 1873
Geburtsort: Neufra (Riedlingen)
Beruf: Ankuppler, Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 25. Juli 1880
Geburtsort: Uttenweiler
Beruf: Taglöhner
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 7. Mai 1945
Todesort: Zwiefalten
Geboren am: 19. Oktober 1888
Geburtsort: Stafflangen
Beruf: ohne
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 15. August 1895
Geburtsort: Bellamont
Beruf: Melkersehefrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 30. Dezember 1920
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: –
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 Zwischenanstalt Zwiefalten
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Theresia Bucher, geb. Fetscher, verheiratet seit 1923 mit Johannes Bucher, Schreiner in Dürmentingen und Stiefvater von Karolina.
Karolina Bucher wurde im am 30. Dezember 1920 in Dürmentingen geboren. Die Mutter war ledig, Dienstmagd und lebte in der Wohnung der Witwe Albertine Kiebler. Sie heiratete 1923 den Schreiner Johann Bucher, der zustimmte, dass das Kind den Familienname des Stiefvaters führen konnte.
Karolina Bucher wurde mit acht Jahren am 30. Juli 1928 von der Kinderklinik Tübingen in das Kinderasyl Ingerkingen überwiesen. Mit 19 Jahren wurde sie am 21. Februar 1940 in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt. Nach einem halben Jahr wurde sie am 14. September 1940 zusammen mit 76 anderen Mädchen und Frauen in die Zwischenanstalt Zwiefalten überstellt und von dort aus am 4. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert, wo sie am gleichen Tag ermordet wurde.
Im Dürmentinger Geburtsregister ist nach Mitteilung des Standesamtes Sonnenstein der 19. Oktober 1940 als Todestag angegeben. Das „Standesamt“ in der Tötungsanstalt Sonnenstein war eingerichtet worden, um gefälschte Todesanzeigen an die Angehörigen zu versenden und den wahren Sterbeort zu verschleiern.
Karoline Bucher hat ihren 20. Geburtstag nicht erlebt.
Erarbeitet von MR, BR
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen. Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Verlegungsliste „14.09.1940 von Pflegeanstalt Heggbach übernommen“, NS-Akten 1938-1942, Transporte and. Anstalten. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Geburtsregister Dürmentingen 1920, Nr. 34.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band II, Nr. 316, Bucher Karoline. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
Abbildungen und Bildunterschriften
D
Geboren am: 01. Juli 1890
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: –
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Salomon Dannhauser, Kaufmann in Buchau, und Sara, geb. Erlanger.
Marie Dannhauser stammte aus einer jüdischen Familie in Buchau und hatte noch zwei Schwestern. Eine Schwester ist als Kind verstorben, die andere Schwester ist 1939 in die USA ausgewandert.
Am 5. März 1907 wurde Marie Dannhauser in der Heil- und Pflegeanstalt Schussenried aufgenommen. Sie war 27 Jahre alt, ledig und ohne Beruf. Nach 33 Jahren Aufenthalt in der Anstalt wurde sie zusammen mit 59 weiteren Patientinnen am 7. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Marie Dannhauser wurde 50 Jahre alt.
Im Gedenkbuch „Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945“, das im Bundesarchiv liegt, ist Marie/Maria Dannhauser aufgeführt. Dort ist der Deportationsort mit „unbekannt“ angegeben.
Auf dem jüdischen Friedhof in Bad Buchau gibt es einen Grabstein, auf dem der Name von Marie Dannhauser steht. Es ist das Grab ihrer Mutter, die bereits 1910 verstorben war.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen. Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 129 Nr. 49.
- Winnentaler Patientenkartei, Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 129-41.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Gedenkbuch: Opfer der Verfolgung der Juden unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft in Deutschland 1933–1945. Bundesarchiv, Onlineausgabe unter www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/.
- Grabstätte von Marie Dannhauser auf dem jüdischen Friedhof in Bad Buchau (Foto: Charlotte Mayenberger). Siehe auch http://www.judeninbuchau.de.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. Januar 1882
Geburtsort: Biberach an der Riß
Beruf: Taglöhner
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 14. Juni 1940
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Josef Dollinger, Schuhmacher in Biberach und Veronica Dollinger, geb. Aßfalg
Die Familie lebte in der Saudengasse in Biberach. Josef Anton Dollinger war das jüngste von sieben Kindern. Unter den Geschwistern gab es Drillinge, die 1873 nach der Geburt verstorben waren, was zu großer Anteilnahme und einer Danksagung der Eltern im „Anzeiger vom Oberland“ geführt hatte.
1888, als Josef Dollinger sechs Jahre alt war, starb der Vater und 1892 die Mutter, Josef Dollinger war zu diesem Zeitpunkt 10 Jahre alt, und von den Geschwistern lebte nur noch die 15-jährige Schwester Amalie Pauline (1877-1903). Es ist nicht bekannt, wie der Junge, ab dem 10. Lebensjahr Vollwaise, weiter aufgewachsen ist.
Am 21. Januar 1925 wurde Josef Anton Dollinger von der Polizei in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen, da er mit dem Gesetz in Konflikt geraten war. Als Beruf wurde bei der Aufnahme Taglöhner angegeben und der Familienstand mit ledig. In der Heilanstalt Schussenried lebte er bis zum 14. Juni 1940. An diesem Tag wurde er zusammen mit 55 Männern von Schussenried nach Grafeneck deportiert und in der Gaskammer ermordet. Sein Tod in Grafeneck wurde im Familienregister der Eltern mit dem gefälschten Datum 06. Juli 1940 nachgetragen.
Josef Dollinger wurde 58 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 148-59.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 1) und 2), die „am 14. Juni 1940 verlegt“ wurden (55).
- Stadtarchiv Biberach, Familienregister Band 4, Seite 589 und 590.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. Mai 1894
Geburtsort: Biberach
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 29. Oktober 1940
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehemann: Julius Dollinger, Viehhändler in Biberach
Eltern: Karl August Baumgärtner, Metzger in Biberach und Maria geb. Preiß
Pauline Dollinger geb. Baumgärtner (auch Paula genannt, Taufname Pauline Regina) ist in Biberach mit fünf Geschwistern aufgewachsen. Ein Bruder ist 1914 gefallen, eine Schwester in 1917 verstorben. Die Familie hat in der Ulmerstraße 22 gewohnt und der Vater hatte dort auch seine Firma. Später war das die Ulmertorstraße 23.
Am 07. Mai 1920 haben Pauline Baumgärtner und Julius Dollinger geheiratet. Ihr Mann war Viehhändler wie sein Vater. Die Familie hat in der Ulmertorstraße 25/3 gelebt. Dieses Anwesen hatten zuvor auch die Eltern von Julius Dollinger bewohnt.
Im Januar 1921 wurde ein Sohn Julius geboren der mit 3 Monaten im April 1921 verstarb. Im Januar 1922 wurde eine Tochter geboren, im Dezember 1923 wurde ein weiterer Sohn geboren. Diese zwei lebenden Kinder sind auch im Aufnahmebuch der Heilanstalt Schussenried im Jahr 1932 genannt.
Am 8. September 1932 wurde Pauline Dollinger auf Ansuchen der Angehörigen in die Heilanstalt Schussenried eingewiesen, zwei Monate zuvor war sie erkrankt.
Am 29. Oktober 1940 wurde Pauline Dollinger in einem Transport mit 27 Frauen nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie war 46 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 12. November 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein bei Pirna.
Die Urne von Pauline Dollinger wurde auf dem katholischen Friedhof in Biberach bestattet. Als Ansprechpartner in der Karteikarte der Kriegsgräberlisten ist eine Bertha Dollinger, wohnhaft in der Ehingertorstraße 18, genannt. Das war die zweite Ehefrau von Julius Dollinger, der im Jahr 1943 erneut geheiratet hatte.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 148 Nr. 64.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste B). Frauen, die „am 29. Oktober 1940 verlegt“ wurden (27).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 8.
- Traueranzeige für das Kind Julius Dollinger. (Anzeiger vom Oberland: Tageszeitung für das Oberamt Biberach und die Stadtgemeinde Biberach vom 02. April 1921, S. 4).
Abbildungen und Bildunterschriften
E
Geboren am: 19. Juni 1903
Geburtsort: Bad Schussenried
Beruf: Bankbeamter
Einrichtung: Bürgerhospital Stuttgart, Privatheilanstalt Christophsbad Göppingen, Heilanstalt Winnental
Datum der Deportation: 11. Juni 1940
Sterbedatum: 11. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehefrau: Else, geb. Schweizer, Wohnort Stuttgart-Cannstatt.
Eltern: Johann Georg Ebe aus Schussenried, Gußarbeiter bei den Schwäbischen Hüttenwerken und Mathilde geb. Stengele.
Georg Ebe war Bankbeamter und seit 1927 verheiratet mit Else, geborene Schweizer. Das Ehepaar wohnte in Stuttgart-Cannstatt und hatte zwei Kinder.
Georg Ebe war vom 8. April bis zum 12. April 1930 und vom 31. Mai bis zum 8. Juli 1934 im Bürgerhospital Stuttgart, danach vom 2. August 1934 bis zum 9. Januar 1935 in der Privatheilanstalt Christophsbad in Göppingen. Ab dem 21. August 1936 war er für fast vier Jahre in der Heilanstalt Winnental, er wurde regelmäßig von Angehörigen besucht. Am 11. Juni 1940 wurde Georg Ebe nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Georg Ebe wurde 38 Jahre alt.
Wie sehr die Familie auch nach seinem Tod zu leiden hatte, zeigte eine Anfrage des Rassenpolitischen Amtes in Stuttgart vom Oktober 1941, die wegen einer Kinderbeihilfe nachfragte, ob die Erkrankung von Georg Ebe eine „Erbkrankheit“ gewesen sei.
In Stuttgart-Cannstatt wurde in der Kissinger Straße 48 für Georg Ebe am 1. April 2019 ein Stolperstein verlegt.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 156-6, darin auch Brief vom Rassenpolitischen Amt aus dem Jahr 1941.
- Stolpersteine Cannstatt: https://www.stolpersteine-cannstatt.de/biografien/georg-ebe-verlegt-nach-grafeneck
- Daniel Hildwein und Thomas Stöckle: Das Christophsbad Göppingen, Eugenik und NS-„Euthanasie“ 1933 bis 1945. Göppingen 2023.
- Standesamt Bad Schussenried, Geburtsregister 1909 Nr. 48. (Mit Nachtrag: Verstorben am 4.7.1940 Grafeneck/Württ.)
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 5. März 1892
Geburtsort: Dentingen (Offingen)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 30. August 1940
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Anton Eberhard, Schuster in Dentingen und Kreszenz geb. Widmann.
Der Vater von Barbara Eberhard war drei mal verheiratet. Barbara Eberhard war das fünfte von sechs Kindern aus der ersten Ehe des Vaters. Die Mutter starb als Barbara Eberhard knapp zwei Jahre alt war. Zwei der Geschwister starben als Kleinkinder. Die zweite Ehefrau des Vaters ist vier Tage nach der Hochzeit plötzlich verstorben. Mit der dritten Ehefrau hatte der Vater dann nochmals sechs Kinder.
Barbara Eberhard wurde in ihrem 21. Lebensjahr am 31. Juli 1912 in die Pflegeanstalt Liebenau aufgenommen. Am 13. August 1940 wurde sie zuerst in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt und von dort am 30. August 1940 nach Grafeneck deportiert, wo sie noch am gleichen Tag ermordet wurde. Sie wurde 48 Jahre alt.
Im Geburtsregister von Offingen wurde ihr Tod mit dem Randvermerk „Gestorben am 12.9.1940 in Grafeneck“ nachgetragen.
Erarbeitet von BR, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Verlegungsliste 13.08.1940 von der Pflegeanstalt Liebenau, weiterverlegt 30.08.1940. (Archiv ZfP Zwiefalten, NS-Akten 1940, Transporte nach Grafeneck).
- Standesamt Uttenweiler: Geburtsregister Offingen 1892 Nr. 6, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 20. Oktober 1895
Geburtsort: Ertingen
Beruf: Tapeziermeister, Maler und Tapezier
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 20. März 1913
Geburtsort: Mittelbiberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 29. Mai 1897
Geburtsort: Ingerkingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 21. Mai 1890
Geburtsort: Irslingen
Beruf: Schreiner (Tischler)
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 18. März 1901
Geburtsort: Hochdorf (Schönebürg)
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 08. Juni 1887
Geburtsort: Uttenweiler
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 30. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 11. März 1919
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 9. Januar 1867
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: Näherin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 16. März 1897
Geburtsort: Sulmingen
Beruf: Haustochter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 7. Mai 1884
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 2. Oktober 1940
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Andreas Engler, Käser in Altheim bei Riedlingen und Constantine geb. Kohler (2. Ehefrau)
Der Vater war 2x verheiratet, die erste Ehe war kinderlos. In der zweiten Ehe waren es acht Kinder, von denen fünf jung verstorben sind. Anna Engler war das sechste von acht Kindern. Die Eltern sind in den Jahren 1893 und 1894 verstorben, was dann aus den drei minderjährigen Kindern wurde (15, 10, 9 Jahre alt) ist nicht bekannt. Der Taufname war Anna Maria Engler.
Anna Engler war laut württembergischer Patientenkartei in den Jahren 1909-1912 in der Heilanstalt Rottenmünster. Dort wurde sie gebessert entlassen. Sie war ca. ein halbes Jahr vor der Aufnahme erkrankt, d.h. sie war Mitte 20. Leider ist auf der Karteikarte kein Wohnort angegeben.
In der Patientenakte aus dem Bundesarchiv steht: „Über die Familienvorgeschichte ist nichts bekannt“. Anna Engler war laut der Akte eine Zeit lang in der Anstalt in Heudorf (am Bussen), dort wurde Sie im Haus beschäftigt. Wegen Ihrer Einschränkung konnte Sie aber keine Dienststelle ausfüllen. Von Heudorf wurde Sie dann nach Rosenharz verlegt, dort arbeitete Sie in der Küche mit.
Ab dem 01. Januar 1936 war sie in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau.
Von Liebenau aus wurde Sie am 2. Oktober 1940 nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurde Sie nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Sie war 56 Jahre alt.
Das gemeldete und gefälschte Sterbedatum ist aus den württembergischen Kriegsgräberlisten bekannt. Ihre Urne wurde auf dem Hauptfriedhof Stuttgart-Cannstatt bestattet.
Der Bruder Viktor Emanuel Engler hat im Jahr 1940 in Stuttgart gelebt und ist 1952 dort unverheiratet verstorben. Dies erklärt vermutlich, warum die Urne von Anna Engler in Stuttgart-Cannstatt bestattet wurde.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 173b Nr. 2.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/29154.
-Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg LABW, StAL EL 20/1 VI Bü 1 Hauptfriedhof Cannstatt, Grabfeld Abt. 40-61, Nr. 1979: Anna Engler mit gefälschtem Todesdatum 16.10.1940 und Todesort Hartheim. - Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Standesamt Altheim (Riedlingen) Geburtsregister und Familienregister Band 1, Seite 481.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. Dezember 1885
Geburtsort: Britschweiler
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 1. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 03. Juni 1883
Geburtsort: Bronnen
Beruf: Hausfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
F
Geboren am: 4. September 1885
Geburtsort: Oberdorf
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 05. November 1904
Geburtsort: Unterstadion
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 17. Dezember 1909
Geburtsort: Unterstadion
Beruf: kein Beruf
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
G
Geboren am: 27. August 1880
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 31. März 1912
Geburtsort: Berkheim
Beruf: Haustochter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Josef Gantner, Landwirt in Berkheim und Rosalia geb. Mang
Die Eltern von Emerentia Gantner hatten sieben Kinder. Aus einer vorherigen Ehe des Vaters gab es noch fünf Halbgeschwister.
Der Bruder von Emerentia Gantner hat das landwirtschaftliche Anwesen der Eltern in der Nacht vom 6. auf den 7. November 1938 durch Brandstiftung in Brand gesetzt. Er hatte versucht die Brandstiftung seiner Schwester Emerentia Gantner anzulasten. Die Eltern haben im Haus geschlafen und konnten sich mit knapper Not retten. Emerentia Gantner soll beim Brand panisch über die Äcker geflüchtet sein. Sie wurde am Tag nach dem Brand, am 7. November 1938 in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen.
Diese Brandstiftung wurde in mehreren Zeitungen beschrieben. Auch das Urteil gegen den Bruder, der die Brandstiftung seiner „geisteskranken“ Schwester anhängen wollte, ist in den Zeitungen nachlesbar.
Über Emerentia Gantner selber wissen wir bislang nur wenig. Ihr Stand wird in der württembergischen Patientenkartei als ‚Haustochter‘ angegeben, d.h. Sie hat bei den Eltern zuhause gewohnt und war nicht berufstätig.
Emerentia Gantner ist am 7. Juni 1940 laut Hauptbuch der Heilanstalt Schussenried nach „unbekannt“ verlegt worden. An diesem Tag wurde Sie nach Grafeneck deportiert und dort mit Gas ermordet. Sie war gerade 28 Jahre alt geworden und seit ca. 1,5 Jahren in der Heilanstalt Schussenried.
Das gemeldete Sterbedatum war der 30. Juni 1940. Diese falsche Angabe des „Sonderstandesamtes Grafeneck“ sollte die Morde in Grafeneck verschleiern.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 226-11.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Verbo Riedlingen Ausgabe vom 10. Nov. 1938, Seite 4: Brandstiftung.
- per Email am 03.02.2025 von E. Russ erhaltene Auszüge aus den kirchlichen Registern von Berkheim.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. August 1894
Geburtsort: Immenried
Beruf: Schäfersfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 14. April 1876
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 19. Januar 1871
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 1. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 20. September 1880
Geburtsort: Warthausen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 1. Juli 1896
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Konrad Gerster, Bauer in Altheim bei Riedlingen und Vinzenzia geb. Schmid
Die Schwestern Anna Maria und Zita Gerster hatten drei Geschwister, Zita Gerster war das jüngste und fünfte Kind der Familie. Der älteste Bruder galt als vermisst im 1. Weltkrieg und wurde 1920 für tot erklärt. Ein Bruder ist als Säugling verstorben, eine Schwester hat 1927 in Waldhausen geheiratet. Die Mutter ist 1917, der Vater 1933 verstorben.
Am 24. April 1934 kamen die Schwestern gemeinsam in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Der Vater war seit einem Jahr tot, wer sich nach dem Tod des Vaters um die Schwestern gekümmert hat, ist nicht bekannt, vermutlich die Schwester Wallburga. Der Kostenträger war die Ortsfürsorgebehörde Altheim.
Leider ist die Krankenakte nicht erhalten und es gibt auch sonst keine weitere Unterlagen zu den Schwestern.
Am 04. November 1940 wurden die Schwestern von der Liebenau nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurden die Maria Anna und Zita Gerster nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Maria Anna Gerster war 44 Jahre alt.
Zita Gerster war 37 Jahre alt.
Die Sterbeurkunden notieren fälschlicherweise den 13. November 1940 für Anna Maria Gerster und den 15. November 1940 für Zita Gerster als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein in Sachsen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
– Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
– Standesamt Altheim (Riedlingen) Geburtsregister und Familienregister Band II, Blatt 34/35.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 11. April 1903
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Konrad Gerster, Bauer in Altheim bei Riedlingen und Vinzenzia geb. Schmid
Die Schwestern Anna Maria und Zita Gerster hatten drei Geschwister, Zita Gerster war das jüngste und fünfte Kind der Familie. Der älteste Bruder galt als vermisst im 1. Weltkrieg und wurde 1920 für tot erklärt. Ein Bruder ist als Säugling verstorben, eine Schwester hat 1927 in Waldhausen geheiratet. Die Mutter ist 1917, der Vater 1933 verstorben.
Am 24. April 1934 kamen die Schwestern gemeinsam in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Der Vater war seit einem Jahr tot, wer sich nach dem Tod des Vaters um die Schwestern gekümmert hat, ist nicht bekannt, vermutlich die Schwester Wallburga. Der Kostenträger war die Ortsfürsorgebehörde Altheim.
Leider ist die Krankenakte nicht erhalten und es gibt auch sonst keine weitere Unterlagen zu den Schwestern.
Am 04. November 1940 wurden die Schwestern von der Liebenau nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurden die Maria Anna und Zita Gerster nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Maria Anna Gerster war 44 Jahre alt.
Zita Gerster war 37 Jahre alt.
Die Sterbeurkunden notieren fälschlicherweise den 13. November 1940 für Anna Maria Gerster und den 15. November 1940 für Zita Gerster als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein in Sachsen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
– Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
– Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
– Standesamt Altheim (Riedlingen) Geburtsregister und Familienregister Band II, Blatt 34/35.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. November 1927
Geburtsort: Steinberg
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 10. September 1894
Geburtsort: Tuttlingen
Beruf: unbekannt
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 04. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 10. Mai 1928
Geburtsort: Schönebürg
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 1. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 27. Juli 1896
Geburtsort: Andelfingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 18. August 1894
Geburtsort: Beuren (Salem)
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 07. Mai 1882
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: Nach dem 28. November 1941
Todesort: evtl. am Killesberg oder im Osten
H
Geboren am: 9. Juli 1893
Geburtsort: Wennedach
Beruf: Stallschweizer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 09. Juni 1904
Geburtsort: Biberach
Beruf: Dienstmädchen, Haushaltshilfe
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 10. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 31. Januar 1910
Geburtsort: Weingarten
Beruf: Mechaniker
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 18. März 1874
Geburtsort: Kleinwinnaden
Beruf: Schneider
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 3. Februar 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 03. August 1901
Geburtsort: Stuttgart
Beruf: Postbetriebsassistentin, Hausfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 30. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 25. Mai 1873
Geburtsort: Otterswang
Beruf: Bauer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 03. Juni 1884
Geburtsort: Äpfingen
Beruf: Fabrikarbeiterin / Dienstmädchen
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 1. August 1892
Geburtsort: Füramoos
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 3. Mai 1885
Geburtsort: Berlin
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 8. November 1886
Geburtsort: Reinstetten
Beruf: Hausfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. Mai 1901
Geburtsort: Heudorf
Beruf: Landwirtssohn
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 13. Februar 1878
Geburtsort: Unlingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 2. November 1885
Geburtsort: Kürnbach
Beruf: Hausfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 23. November 1900
Geburtsort: Hürbel
Beruf: Dienstmagd
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Anton Hess, Söldner und Konditor in Hürbel und Theresia geb. Weiß von Dietenheim.
Die Eltern von Anna Hess hatten laut Familienregister elf Kinder, Anna Hess war das neunte Kind. Drei der Kinder sind jung verstorben.
Anna Hess hat als junge Frau als Dienstmagd gearbeitet, wo ist nicht bekannt. Sie wurde am 25. Februar 1932 auf ‚Ansuchen der Angehörigen‘ in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Bei der Aufnahme war Sie 31 Jahre alt und die Krankheitsdauer wird mit 9 Jahren angegeben. Es ist anzunehmen, dass Anna Hess zuhause bei Ihren Eltern gelebt hat. Die Mutter von Anna Hess war im Februar 1929 verstorben.
Die Krankenakte von Anna Hess ist nicht erhalten, wir wissen deshalb wenig von Ihr.
Anna Hess wurde am 7. Juni 1940 zusammen mit 59 anderen Frauen nach Grafeneck deportiert. Dort wurde sie nach der Ankunft ermordet.
Sie war 39 Jahre alt.
Das an das Heimatstandesamt gemeldete Sterbedatum war der 29. Juni 1940. Diese Fälschungen sollten die Morde in Grafeneck verschleiern.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 324-117.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Familienregister Hürbel katholisch, Fol. 148, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck von Kind Nr. 9, Anna Hess.
- Taufregister Hürbel katholisch 1900 Nr. 20, mit Nachtrag des Todes in Grafeneck.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 22. Januar 1859
Geburtsort: Betzenweiler
Beruf: Schultheißen-Witwe
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehemann: Franz Joseph Heudorfer, Conditor und Spezereihändler, von 1901-1916 Schultheiß in Betzenweiler (krankheitshalber vom Amt zurückgetreten).
Eltern: Anton Schefold, Schreiner in Betzenweiler und Josefa geb. Scheffold aus Uttenweiler.
Der Vater Anton Schefold wird im Heimatbuch Betzenweiler häufig genannt. Er war wohl stark beteiligt an den Aktivitäten zur Erneuerung der Pfarrkirche St. Clemens, in der Familie gab es auch Orgelbauer.
Maria Anna Heudorfer geb. Schefold war die Älteste von acht Kindern. Die Schreibweise des Nachnames hat sich wohl in dieser Zeit von Scheffold nach Schefold (mit einem ‚f‘) verändert.
Maria Anna Heudorfer hat 1879 den Witwer Franz Joseph Heudorfer in Betzenweiler geheiratet. Der Witwer hatte drei lebende Kinder aus seiner ersten Ehe. Maria Anna Heudorfer hat in ihrer Ehe zwei Kinder bekommen, ein Sohn ist als Säugling verstorben, der andere mit knapp 30 Jahren im Jahr 1910.
Das Ökonomiegebäude von Franz Joseph Heudorfer war im Jahr 1876 abgebrannt, im Jahr 1877 erbaute er ein neues 2-stöckiges Haus. D.h. Maria Anna Heudorfer hat in ein schönes neues Haus eingeheiratet. Dieses Haus wurde 1892 von der Gemeinde gekauft und zur Schule umgebaut. Wo die Familie nach dem Verkauf 1892 gewohnt hat ist nicht bekannt. Der Ehemann ist im Jahr 1923 verstorben. Eigene Kinder von Ihr lebten nicht mehr, von den Stiefkindern ist nicht bekannt, ob eines in Betzenweiler verehelicht war.
Am 26. April 1927 wurde Maria Anna Heudorfer zum zweiten mal auf ‚Ansuchen der Angehörigen‘ in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Am 09. Dezember 1927 wurde sie ungeheilt entlassen. Über den früheren, ersten Aufenthalt ist nichts bekannt, es gibt nur einen Verweis auf eine Nr. 1151 aus dem Aufnahmebuch. Das war was wohl im Jahr 1895/1896. Schon wenige Wochen nach der Entlassung wurde Sie ein drittes mal in die Heilanstalt aufgenommen, am 17. Februar 1928. Sie war jetzt 68 Jahre alt und hatte unabhängig von psychischen Problemen sicherlich auch alterstypische Probleme. Maria Anna Heudorfer wurde am 7. Juni 1940 zusammen mit 59 anderen Frauen nach Grafeneck deportiert. Dort wurde sie nach der Ankunft ermordet.
Sie war 81 Jahre alt.
Im Heimatbuch Betzenweiler Seite 151 wird auch des Betzenweiler NS-„Euthanasie“-Opfers Maria Anna Heudorfer gedacht:
„Ein unschuldiges Opfer des unmenschlichen „III. Reiches“ soll nicht vergessen werden. Maria Anna Heudorfer, Witwe des 1923 verstorbenen Schultheißen Franz Josef Heudorfer, die sich seit 1928 in der Heilanstalt Schussenried befand, „verstarb am 26. Juni 1940 im 81. Lebensjahr an den Folgen eines Hirnschlags in Grafeneck“. So der nüchterne Eintrag im Familienregister. Heute wissen wir aber, dass Kranke und Behinderte aus allen Heil- und Pflegeanstalten Württembergs im Rahmen des sogenannten Euthanasieprogramms der Nationalsozialisten nach Grafeneck bei Münsingen transportiert und dort ermordet wurden. In Grafeneck standen die ersten Gaskammern, die Versuchsanlagen für die folgenden Vernichtungsaktionen in den Konzentrations- und Vernichtungslagern der Nazis gegen die deutschen und europäischen Juden, Sintis und Romas und den Gegnern des nationalsozialistischen Regimes.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 327-86.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Heimatbuch Betzenweiler, Walter Schubert aus Betzenweiler. ISBN 3-00-008468-1, erschienen im Juni 2001, Seite 151.
- Familienregister Betzenweiler katholisch Band II, Fol. 141.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. März 1918
Geburtsort: Laupheim
Beruf: keiner
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 6. Februar 1912
Geburtsort: Ehrensberg
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 11. November 1873
Geburtsort: Neufra (Riedlingen)
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 10. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 29. November 1893
Geburtsort: Berkheim
Beruf: Knecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 28. Februar 1898
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehegatte Anton Huber, Dienstknecht in Buchau
Eltern: Anton Walser aus Stuben bei Altshausen, Söldner in Buchau und Ida geb. Walser aus Ebersbach. Ab 1910 Stiefvater Simon Kern.
Josefine Huber geb. Walser war das dritte Kind Ihrer Eltern. Das sechste Kind war eine Halbschwester aus der zweiten Ehe der Mutter. Anscheinend war nur der jüngere Bruder Josef Anton auch noch verheiratet, er ist hochbetagt im Jahr 1987 in Bad Buchau verstorben. Der andere jüngere Bruder Josef ist 1944 gefallen. Die Mutter Ida Walser verw. Walser verh. Kern ist im Jahr 1957 mit 90 Jahren verstorben.
Josefine Huber (auch Josepha) hat im Jahr 1924 Anton Huber, einen Zimmermanns-Sohn aus Uttenweiler geheiratet. Zur Hochzeitfeier erschien eine Anzeige in der Buchauer Zeitung, Ausgabe vom 17. Juli 1924. Der Vater von Josefine Huber war schon 1909 verstorben, in der Hochzeitsanzeige wird der Stiefvater Simon Kern vom Vollochhof genannt. Das Ehepaar Huber hatte zusammen sieben Kinder, der jüngste Sohn wurde am 6. Dezember 1933 geboren.
Im Jahr 1932 war Josefine Huber vom 7. Juli 1932 bis 17. Dezember 1932 in der Heilanstalt Schussenried und wurde als geheilt entlassen. Seit dem 7. Juni 1934 war sie dann wieder in Schussenried. Die sieben Kinder waren zum Zeitpunkt der zweiten Einweisung zwischen sechs Monate und neun Jahre alt. Am 17. August 1937 wurde die Ehe von Josefine Huber vor dem Landgericht Ulm geschieden. Mehr Details zur Krankengeschichte sind leider nicht bekannt, da die Patientenakte nicht erhalten ist.
Bis zu Ihrer Deportation und Ermordung am 07. Juni 1940 war Josefine Huber durchgehend in der Heilanstalt Schussenried. Am Tag der Deportation wurde sie in Grafeneck ermordet. Josefine Huber wurde 42 Jahre alt.
Aus dem Buch von Joseph Mohn: Buchau – Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, S. 154: „Josepha Huber, geb. Walser, geb. 28.2.1898 in Buchau. Sie wurde am 29.6.1940 in Grafeneck mit Gas ermordet“.
Im Buch wird das gemeldete = gefälschte Todesdatum genannt. Das tatsächliche Todesdatum war der Tag der Deportation nach Grafeneck, der 07. Juni 1940.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 355-108.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Buchauer Zeitung Ausgabe vom 17.07.1924 Seite 4, Hochzeitsanzeige.
- Standesamt Bad Buchau: Familienregister der Familien Huber und Walser.
- Mohn, Josef: Der Leidensweg unter dem Hakenkreuz, aus der Geschichte von Stadt und Stift Buchau am Federsee. Bad Buchau 1970.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Dezember 1885
Geburtsort: Untersulmetingen
Beruf: Taglöhner, Reisender, Maurer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 8. Oktober 1895
Geburtsort: Erlenmoos
Beruf: Hilfsarbeiter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 14. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 14. November 1899
Geburtsort: Hailtingen
Beruf: ohne Beruf
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 13. August 1940
Todesort: Grafeneck
J
Geboren am: 20. Mai 1879
Geburtsort: Hochdorf
Beruf: Dienstmagd, Haustochter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 15. April 1896
Geburtsort: Berkheim
Beruf: Landwirt
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 20. Mai 1940
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Josef Jägg, Bauer in Berkheim und Theresia geb. Kling
Die Eltern von Anton Jägg hatten 1893 geheiratet und elf Kinder. D.h. Anton Jägg war eines der älteren Kinder seiner Eltern.
Anton Jägg war Soldat im 1. Weltkrieg. 1916 hat er eine silberne Verdienstmedaille erhalten, 1918 ist er in den Verlustlisten als Verwundet gemeldet.
Nach dem Krieg war er ab dem 08. August 1920 bis zum 23. April 1921 in der Heilanstalt Weissenau. Ab dem 05. Januar 1926 war er wieder in der Heilanstalt. Anton Jägg hatte wohl im Jahr 1925 zwei Scheunen durch Brandstifung angezündet. Daraufhin ist er wieder in die Heilanstalt eingewiesen worden. Bei der Einweisung steht im Aufnahmebuch: „Wegen Brandstiftung in Untersuchung, gemäß $51 StGb. außer Verfolgung gesetzt.“
Die Brandstiftung steht auch in mehreren Zeitungen im November 1925.
Über seine Zeit in der Heilanstalt ist nichts bekannt da die Patientenakte nicht erhalten ist.
Am 20. Mai 1940 wurde er von der Heilanstalt Weissenau nach Grafeneck deportiert und an diesem Tag ermordet.
Anton Jägg war 44 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum und -ort war der 07. Juli 1940 in Grafeneck (Nachtrag im kirchlichen Familienregister Berkheim).
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 364-80.
- Ehrentafel Gemeinde Berkheim 1914-1918 für die Soldaten der Gemeinde (Archiv Buch OBERSCHWABEN im ersten Weltkrieg).
- Buchauer Zeitung, Ausgabe vom 24.11.1925, Brandstiftung.
- Abschrift aus dem Familienregister Berkheim per eMail erhalten am 04.02.2025.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 21. März 1868
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Köchin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
K
Geboren am: 7. November 1880
Geburtsort: Schwendi
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 11. Oktober 1897
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: Haustochter / Kaufmannstochter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 25. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 15. Juni 1904
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Hausfrau
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 7. Juni 1940
Sterbedatum: 7. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehemann: Alfons Keller, Fabrikarbeiter aus Baustetten.
Eltern: Maximilian Strobel, Zimmermann in Laupheim und Josefa geb. Eberle.
Der Vater von Maria Keller geb. Strobel ist am 10. Juli 1904 (Maria war noch keinen Monat alt) bei einem Arbeitsunfall tödlich verunglückt. Dieser Unfall wurde in mehreren Zeitungen vom 12. und 13. Juli 1904 beschrieben. Die Mutter ist mit 4 kleinen Kindern zurückgeblieben. Im Jahr 1913 hat die Mutter wieder geheiratet. Die Ehe war aber nicht glücklich, im Jahr 1924 gab es einen Antrag auf Scheidung.
Maria Keller geb. Strobel (Taufname Maria Johanna) hat am 21. Mai 1927 den Maschinenarbeiter Alfons Keller aus Baustetten geheiratet. Nach der Trauung gab es eine Feier im Gasthof zum Rößle in Baustetten. Schon am 20. September 1928 erfolgte eine erste Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried. Zu diesem Zeitpunkt hatte das Ehepaar ein lebendes Kind. Nach einem Monat erfolgte die Entlassung nach Hause. Nur wenige Wochen später, am 11. Dezember 1928 erfolgte eine erneute Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried. Nach fast vier Monaten wurde Maria Keller am 30. März 1929 nach Hause entlassen. Im Juni 1932 wurde ein Sohn Alfons Josef geboren, das Kind ist mit einem Monat verstorben.
Leider sind uns keine weiteren Details zur Familie bekannt. Maria Keller wurde am 27. Dezember 1933 zum dritten mal in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Dort blieb sie bis zu Ihrer Deportation nach Grafeneck am 07. Juni 1940. Maria Keller war 35 Jahre alt.
Das gemeldete Sterbedatum war der 29. Juni 1940. Diese Fälschungen sollten die Morde in Grafeneck verschleiern.
Aus „Zimmermann, Ludwig: Erzählte Erinnerungen, Teil 1. Kindheit und Volksschulzeit in Baustetten“. Bergatreute, Aulendorf 2018, S. 72:
Maria Johanna Keller, geb. Strobel, „hatte am 21. Mai 1927 in Baustetten den am 29. Dezember 1895 geborenen Alfons Keller geheiratet. Nach dem Tod ihres Säuglings bekam sie Unterstützung in der Heilanstalt Schussenried, um ihre schwere Situation zu verarbeiten. Niemand konnte dabei erahnen, welch entsetzliche Folgen dies haben würde. Im Juni 1940 wurde Maria Johanna Keller nach Grafeneck ‚verlegt‘, was sie hinterher dann mit dem Leben bezahlen musste.“
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 396-17.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 1) und 2), die „am 7. Juni 1940 verlegt“ wurden (60).
- Laupheimer Verkündiger vom 12. Juli 1904, Bericht über Unfalltod des Vaters von Maria Keller.
- Laupheimer Verkündiger vom 19. Mai 1927, Hochzeitsanzeige von Maria Keller geb. Strobel.
- Stadtarchiv Laupheim, Geburtsregister Laupheim 1904 Nr. 67 Maria Johanna Strobel.
- Zimmermann, Ludwig: Erzählte Erinnerungen, Teil 1. Kindheit und Volksschulzeit in Baustetten“. Bergatreute, Aulendorf 2018.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. Oktober 1873
Geburtsort: Bad Buchau
Beruf: Bademeisterin
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: na
Sterbedatum: 14. November 1956
Todesort: Zwiefalten
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 18. März 1905
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Tagelöhner, ungelernter Arbeiter, Schäfer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 14. November 1923
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 21. April 1901
Geburtsort: Biberach
Beruf: Bildhauer, Holzbildhauer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 22. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 6. September 1871
Geburtsort: Biberach
Beruf: Schuhmacher
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 03. Februar 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 7. April 1875
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 28. November 1870
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 11. November 1895
Geburtsort: Unterdettingen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 21. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 17. Februar 1902
Geburtsort: Kappel (Bad Buchau)
Beruf: Lehrer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 3. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 9. März 1877
Geburtsort: Birkenhard
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 20. Juli 1885
Geburtsort: Bürken (Spindelwag)
Beruf: Bauernsohn
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Christian Kramer, Bauer auf dem „Birkenhof“ in Bürken Gememeinde Spindelwag und Maria Magdalena Waizenegger aus Oberschwarzach.
Benedikt Kramer war das zehnte von siebzehn Kindern seiner Eltern. Sechs der Kinder sind früh verstorben.
Der Bruder Friedrich ist 1914 in Frankreich gefallen, der Bruder Karl ist am 12. April 1920 im Reservelazarett Jordanbad verstorben. Der älteste Bruder Heinrich ist 1905 im Alter von 29 Jahren bei Baumfällarbeiten tödlich verunglückt. Der Bruder Albert hat den elterlichen Hof übernommen.
Der elterliche Hof ist am 03. Februar 1927 abgebrannt und wurde danach wieder aufgebaut. Zu diesem Zeitpunkt war Benedikt Kramer aber schon viele Jahre in der Heilanstalt.
Benedikt Kramer hat seinen Wehrdienst vermutlich von 1904-1906 abgeleistet. Es gibt ein Foto in Uniform mit der Jahreszahl 1906, ein Erinnerungsfoto an die Wehrzeit. In welchem Regiment er war ist leider nicht bekannt.
In den Akten der württembergischen Patientenkartei wird eine Kopfverletzung („Fall auf Hinterkopf“) erwähnt, Details dazu sind nicht bekannt. Bei der ersten Aufnahme in die Heilanstalt Rottenmünster am 28. Januar 1911 wird die „Krankheitsdauer bei Aufnahme“ als „ca. 1 Jahr“ beschrieben. Vom 13. Juni 1912 bis 19. Oktober 1923 war Benedikt Kramer in der Heilanstalt Weissenau, von dort wurde er in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Vom 19. Oktober 1923 bis zur Deportation am 18. Juni 1940 war er in Schussenried, dort steht nur Austritt am 18 Juni 1940, ungeheilt. Weiter nichts.
Zusammen mit 60 anderen Männern wurde Benedikt Kramer am am 18. Juni 1940 nach Grafeneck deportiert, an diesem Tag wurde er in Grafeneck mit Gas ermordet.
Benedikt Kramer wurde 54 Jahre alt.
Erarbeitet von BR, StS und + Johannes Angele
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 450-87.
- Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Riedlinger Zeitung Ausgabe vom 7. Februar 1927, Bauernhof abgebrannt.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 19.02.2021, Seite 14, über Wilhelm Wiedenmann und Benedikt Kramer: „Zwei weitere Opfer erhalten ein Gesicht“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Mai 1880
Geburtsort: Laupheim
Beruf: 2 – Arbeiter ohne Landarbeiter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 29. Juni 1882
Geburtsort: Tannheim
Beruf: Landwirtschaftliche Arbeiterin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
L
Geboren am: 5. März 1897
Geburtsort: Kleiningersheim
Beruf: Dreher, Schlossergeselle, Werkzeugmacher
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 29. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 6. März 1899
Geburtsort: Obersulmetingen
Beruf: Hausgehilfin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 12. Oktober 1900
Geburtsort: Unlingen
Beruf: Gärtner
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 17. Februar 1884
Geburtsort: Heilbronn
Beruf: Dr. Ing. Regierungsbaumeister
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Robert Locher, Oberlehrer a.D. in Heilbronn, Pensionär in Biberach a. d. Riß und Maria geb. Waizenegger.
Der Vater von Hugo Locher, der Oberlehrer a.D. Robert Locher ist im Jahr 1916 in Biberach verstorben. Im Nachruf gibt es einen biografischen Überblick, der Vater stammte aus einer Lehrerfamilie und war beruflich 34 Jahre im königlichen Zellengefängnis Heilbronn als Lehrer tätig. Nach der Pensionierung zog er im Jahr 1912 mit seiner Frau nach Biberach an der Riß.
Über Hugo Locher selber gibt es vor allem zu seiner beruflichen Laufbahn mehrere Einträge in Zeitungen und Adressbüchern. Er wurde in Heilbronn geboren, hat 1903 die Oberrealschule Heilbronn abgeschlossen. Das Studium des Bauingenieurwesens hat Hugo Locher in Stuttgart und Berlin absolviert, der Abschluss mit Diplom erfolgte 1909. Am 12. März 1912 wurde das „Doktor-Ingenieurdiplom“ erteilt. Im Adressbuch Stuttgart 1913 ist sein Wohnort Stuttgart, Stafflenbergstr. 54 und er ist Regierungsbaumeister im Ministerium des Innern.
Im Juli 1913 hat sich Hugo Locher mit Margarit Engels verlobt. Eine Heirat hat aber nicht stattgefunden. Das könnte am Beginn des 1. Weltkrieges gelegen haben. Er war auf jeden Fall Kriegsteilnehmer im Range eines Oberleutnants der Reserve. Mindestens einmal ist er auch in den deutschen Verlustlisten genannt (1914 evtl., 1916).
Am 20. August 1917 wird Hugo Locher in die Heilanstalt Rottenmünster eingewiesen, auf Ansuchen der Angehörigen. Dort wird er drei Tage später wieder entlassen. Der Wohnsitz ist Biberach a. d. Riß. Nur ca. 10 Wochen später erfolgte eine erneute Aufnahme, dieses mal in die Heilanstalt Schussenried. Die Krankheitsdauer wird mit „mehr als 2 Jahre“ angegeben. In Schussenried wird unter „Sonstige bekannte Ursachen“ auch ein Bezug zum Krieg hergestellt.
Hugo Locher war in der Heilanstalt Schussenried bis zu seiner Deportation am 18. Juni 1940, an diesem Tag wurde er in Grafeneck ermordet. Hugo Locher war 56 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum war der 10. Juli 1940 in Grafeneck (kaum lesbar auf einer schlechten Kopie das elterlichen Familienregisters aus Heilbronn).
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 504-51.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Deutscher Reichsanzeiger No. 268 vom 13.11.1913, Verzeichnis der Doktor-Ingenieurspromotionen im Studienjahr 1912/13 an der königlichen Technischen Hochschule Stuttgart.
- Familienregister Heilbronn Band L47, Seite 37.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 25. April 1912
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 8. November 1940
Todesort: Grafeneck
M
Geboren am: 23. August 1877
Geburtsort: Reute
Beruf: 1 – Tagelöhner, ungelernte Arbeiter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 19. November 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 14. Juli 1900
Geburtsort: Äpfingen
Beruf: Kellnerin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 29. November 1889
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 26. Dezember 1902
Geburtsort: Hochdorf
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 6. Januar 1875
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Schriftsetzer
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Illenau, Heil- und Pflegeanstalt Konstanz, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 18. Juni 1940
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehefrau: Maria geb. Kindler aus Burgdorf bei Bern (Schweiz), gestorben 26. Oktober 1918 in Heilbronn
Eltern: Eduard Mayer, Schuhmacher in Riedlingen und Creszentia geb. Fuchsloch aus Gundelfingen.
Josef Mayer hatte nur einen jüngeren Bruder Richard Mayer, dieser hat 1922 in Stuttgart geheiratet. Er selber hatte in Riedlingen das Schriftsetzer Handwerk gelernt. Durch seinen Beruf war er an verschiedenen Orten tätig. Im Jahr 1909 hat Josef Mayer geheiratet, er hatte mit seiner Frau laut Familienregister Riedlingen fünf Kinder. Die ersten zwei Kinder sind in Burgdorf bei Bern (Schweiz) auf die Welt gekommen. Danach war das Ehepaar einige Zeit in Riedlingen, dort wurden weitere drei Kinder geboren. Im Jahr 1913 ist die Familie nach Meckenbeuren gezogen, war kurz danach wieder zurück in Riedlingen. Im Jahr 1916 erfolgte dann ein Umzug nach Heilbronn. In Heilbronn sind noch zwei weitere Kinder geboren (nicht auf dem Familienregister aus Riedlingen verzeichnet). Die Ehefrau Maria Mayer geb. Kindler ist zwei Monate nach der Geburt des jüngsten Kindes 1918 in Heilbronn verstorben.
Über die Situation der Familie nach dem Tod der Ehefrau und Mutter ist nichts bekannt. Die sieben minderjährigen Kinder, geboren zwischen 1909 bis 1918 waren jetzt Halbwaisen.
Josef Mayer war 1925 in Karlsruhe im Gefängnis und wurde von dort am 10. Juni 1925 in die Heilanstalt Illenau in Baden eingewiesen. Er war in Illenau bis zu seiner Verlegung in die Heilanstalt Konstanz am 2. Januar 1930. Die Verlegung erfolgte wegen einer Überbelegung in Illenau, zuerst sollte er in die Heilanstalt Emmendingen verlegt werden, das war aus Platzmangel nicht möglich. Stattdessen wurde Josef Mayer nach Konstanz verlegt.
In der Heilanstalt Konstanz gibt es die üblichen, vierteljährlichen Einträge in der Krankenakte. Im März 1932 hat er Besuch von seiner Tochter erhalten. Sie hat ein Foto mitgebracht über welches er sich gefreut hat. Ab Februar 1934 gab es dann bis zur Entlassung nach Schussenried keine Einträge mehr in der Akte. Ein Brief seiner Tochter verh. Bentele, wohnhaft in Zug/Schweiz ist auch in der Akte vorhanden. Die Weihnachtskarte war zurückgekommen, deshalb hat Sie nachgefragt. Im Januar 1937 war Josef Mayer noch in Konstanz. Ab Sommer 1936 gab es viele Briefwechsel in der Akte bezüglich Zuständigkeit für die Kosten (Städtisches Fürsorgeamt Karlsruhe).
Am 11. Oktober 1937 wurde Josef Mayer von Konstanz aus in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Die Gründe dafür waren der Wechsel des Kostenträgers. Die Ortsarmenfürsorge Riedlingen musste seit 10. August 1937 für Josef Mayer aufkommen. Der Tagessatz in Konstanz war 3,35Mk, in Schussenried jedoch nur 2,60Mk. Aufgrund der unterschiedlichen Kosten hat der Kostenträger, die Kreispflege Riedlingen, eine Verlegung nach Riedlingen beantragt.
Aus der Zeit in Schussenried ist ein Eintrag in der württembergischen Patientenkartei erhalten. Darauf wurden fünf lebende Kinder angegeben (1937).
Josef Mayer wurde am 18. Juni 1940 in einem Transport mit 61 Männern von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Er war 65 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum war der 12. Juli 1940 und ist auf dem Familienregister in Riedlingen nachgetragen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 545-58.
- „Verlegungsliste“ nach Grafeneck vom 18. Juni 1940. Aus: Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, A). Männer, Bl. 3) und 4), die „am 18. Juni 1940 verlegt“ wurden (61).
- Staatsarchiv Freiburg Bestand B 8212 Nr. 9822 Patientenakte von Josef Mayer der Badischen Heil- und Pflegenanstalt Illenau.
- Staatsarchiv Freiburg Bestand B 822 1 Nr. 2716 Patientenakte von Josef Mayer der Badischen Heil- und Pflegeanstalt Konstanz.
- Stadtarchiv Riedlingen Familienregister Band VIII, Blatt 27 von Josef Mayer mit fünf Kindern.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. Mai 1868
Geburtsort: Hochdorf
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 29. November 1914
Geburtsort: Wain
Beruf: –
Einrichtung: Anstalt Stetten
Datum der Deportation: 13. September 1940
Sterbedatum: 13. September 1940
Todesort: Grafeneck
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 17. Dezember 1894
Geburtsort: Oberopfingen
Beruf: Landwirt
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 25. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 19. Mai 1868
Geburtsort: Uigendorf
Beruf: Bauer, Landwirt
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 26. April 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 8. Mai 1872
Geburtsort: Appendorf
Beruf: Taglöhnerin
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 2. März 1910
Geburtsort: Alberweiler
Beruf: Müller
Einrichtung: Pflegeanstalt Heggbach, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 25. März 1941 nach Winnental
Sterbedatum: 4. Mai 1988
Todesort: Schussenried
Geboren am: 22. August 1886
Geburtsort: Unlingen
Beruf: Landesproduktenhändler
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 5. August 1940
Sterbedatum: 5. August 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehefrau: Janette geb. Plagemann, aus Hamburg
Eltern: Anton Moosbrugger, Landwirt, Unlingen und Sofie geb. Selig
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung (Ausgabe vom 26.01.2021):
„Auch für den in Unlingen geborenen August Moosbrugger behauptete die offizielle Todesmeldung er sei in Pirna-Sonnenstein gestorben. Doch er war 5. August 1940 direkt aus Zwiefalten nach Grafeneck in die Gaskammer gebracht worden. August Moosbrugger war während des Ersten Weltkrieges Torpedo-Leutnant, zuletzt im k.u.k.-Hafen in Pola, Istrien. Nach dem Krieg betrieb er ein Landhandelsgeschäft in Riedlingen und handelte bis in die USA. Mit seiner Frau und der 1922 geborenen Tochter lebte Moosbrugger dann in Hamburg. 1928 erkrankte Moosbrugger und wurde in der Heilanstalt Zwiefalten und der Uniklinik Tübingen behandelt. Nach Moosbruggers Tod hielten seine in Hamburg lebende Frau und die Tochter die Verbindung zur Verwandtschaft in Unlingen aufrecht.“
August Moosbrugger war ab dem 27. November 1928 in der Heilanstalt Zwiefalten. Für kurze Zeit war er in der Nervenklinik Tübingen, laut Akte auch zur Malariabehandlung. Ab dem 29. April 1929 erfolgte dann die zweite Aufnahme in Zwiefalten. Am 05. August 1940 erfolgte die Deportation mit anschließender Ermordung in Grafeneck.
August Moosbrugger war 53 Jahre alt.
Die Todesbenachrichtigung wurde vom Standesamt Sonnenstein über Pirna mit dem gefälschten Sterbedatum 20. August 1940 ausgestellt. Der angebliche Todesort war die Landes-Heil und Pflegeanstalt Sonnenstein.
Die Familie hat die Urne von August Moosbrugger angefordert, diese wurde in Unlingen bestattet. Obwohl August Moosbrugger in der Todesnachricht als „glaubenslos“ bezeichnet wurde, hat der Pfarrer die Asche auf dem Friedhof Unlingen am 26. September 1940 beigesetzt.
Erarbeitet von StS, Lebensgeschichte erforscht von R. Schmid aus Unlingen
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 569.
- Bilder und Unterlagen aus dem Familienarchiv Moosbrugger.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 27.01.2021 Seite 13, „Probelauf für die Tötungsmaschinerie“ mit Kurzbiografien zu Kreszentia Villing, August Moosbrugger und Andreas Wehrle.
- Lebenslauf erarbeitet von R. Schmid aus Unlingen und veröffentlich in der Mitgliederzeitschrift der Forschergruppe Oberschwaben: Circular Ausgabe Nr. 14 2024
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 23. Mai 1924
Geburtsort: Laupheim
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 1. August 1902
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Lehrerin a. D. in Weingarten
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 16. März 1884
Geburtsort: Mühlhausen
Beruf: Postschaffnerehefrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
N
Geboren am: 12. April 1902
Geburtsort: Dürrenwaldstetten
Beruf: –
Einrichtung: Kinderasyl Ingerkingen, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 (Zwischenanstalt Zwiefalten)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Michael Neuburger aus Dürrenwaldstetten und Katharina geb. Bayer oder Breyer (2. Ehefrau, aus Aichstetten)
Kreszentia Neuburger wurde in Aichstetten geboren und in Dürrenwaldstetten getauft. Im Taufregister ist unter dem Namen des Kindes ein Nachtrag „in Aichstetten“. Sie ist das jüngste Kind Ihrer Eltern. Aus erster Ehe hatte der Vater fünf Kinder, in der 2. Ehe Kreszentia und eine 1898 geborene Tochter.
Ihr Vater ist am 04. August 1905 verstorben, da war Kreszentia Neuburger drei Jahre alt. Nach dem Tod des Vaters wurde der Bauernhof in Dürrenwaldstetten verkauft (Anzeigen in der Riedlinger Zeitung vom 31. Oktober 1905, Fahrnis- und Grundstücksverkauf).
Die Mutter ist 1927 in Zwiefalten verstorben.
In der Akte aus dem Bundesarchiv gibt es ein ärztliches Zeugnis aus Pfronstetten vom 13. Januar 1911. Kreszentia Neuburger war 9 Jahre alt und wohnte in Aichstetten (Ortsteil von Pfronstetten, bzw. Tigerfeld), die Mutter scheint mit Ihren Kindern wieder bei Ihrer Familie gewohnt zu haben. Am 30. Oktober 1914 wurde Kreszentia Neuburger im Alter von 12 Jahren in das Kinderasyl Ingerkingen aufgenommen. Der Wohnort der Mutter war zu diesem Zeitpunkt Zwiefalten. Der Zeugnis ausstellende Arzt im Aufnahmebuch war ein Oberamtsarzt Dr. Muntsch aus Neresheim.
Am 12. August 1921 wurde Kreszentia Neuburger von Ingerkingen in die Pflegeanstalt Heggbach verlegt. Der Eintrag in der Akte aus Heggbach ist eine Seite lang, da steht sie kam von zuhause (was nicht korrekt ist). Sie hat in Heggbach bei leichteren Hausarbeiten mitgeholfen, bis zum Tod der Mutter im Jahr 1927 war sie Privatpflegling.
Kreszentia Neuburger wurde am 14. September 1940 mit dem zweiten Transport von Heggbach in die Zwischenanstalt Zwiefalten verlegt. Von dort wurde sie am 04. Oktober 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Kreszentia Neuburger wurde 38 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/2917.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
- Aufnahmebuch Ingerkingen, Register Band I, Nr. 76, Neuburger Kreszentia. Archiv St-Elisabeth-Stiftung Bad Waldsee.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. November 1887
Geburtsort: Offingen
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau
Datum der Deportation: 4. November 1940
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Niedermaier Linus, Söldner in Offingen und Theresia geb. Jugnet (1. Ehefrau)
Albertine Niedermaier stammt aus der ersten Ehe Ihres Vaters. Sie hatte noch einen früh verstorbenen älteren Bruder. Die Mutter ist verstorben als Albertine Niedermaier knapp zwei Jahre alt war.
Aus der zweiten Ehe des Vaters hatte Albertine Niedermaier drei Halbgeschwister. Ein Bruder Emil ist 1918 im 1. Weltkrieg im Lazarett verstorben. Ein Bruder war in Offingen, eine Schwester in Möhringen (Unlingen) verheiratet.
Die zweite Ehefrau des Vaters war von Beruf Hebamme. Der Vater und die Stiefmutter haben am 13. Mai 1940 das Fest der Goldenen Hochzeit begangen. Ob Albertine Niedermaier darüber informiert wurde ist nicht bekannt.
Im Alter von 26 Jahren wurde Albertine Niedermaier am 05. August 1913 in die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau eingewiesen. Sie hatte vorher als Dienstmädchen gearbeitet. Laut ärztlichem Attest war sie etwas ’schwermütig‘, dies hat wohl nach einer unglücklichen Beziehung begonnen. In der ersten Zeit in der Anstalt arbeitete sie im Nähzimmer mit. Sie soll selber von sich gesagt haben: „ich kann flicken, rechte Näherin bin ich nicht“. Im Jahr 1914 ist sie einmal „entwichen“, hat sich im Wald herumgetrieben und am nächsten Tag versucht bei eine Bauern eine Arbeit zu bekommen. Sie wurde dann wieder in die Anstalt gebracht. Etwas später in der Akte wird sie als etwas eigensinnig bezeichnet. Die Einträge werden im Laufe der Zeit weniger, sie benötigt nach und nach mehr Pflege.
Am 4. Oktober 1940 wurde sie in einem Transport nach „unbekannt“ verlegt. An diesem Tag wurde sie nach Grafeneck deportiert und mit Gas ermordet.
Albertine Niedermaier war 52 Jahre alt.
Ihre Urne wurde in einem Sammelgrab auf dem Ulmer Hauptfriedhof bestattet. Wer die Urne angefordert hatte und warum die Urne in Ulm bestattet wurde ist nicht bekannt. In der Karteikarte der Kriegsgräberlisten im Landesarchiv Baden-Württemberg Bestand EL 20/1 VI Bü 1786 wird als Todesort „Hortheim“ statt Hartheim angegeben. Das ist vermutlich ein Übertragungs-/Lesefehler. Die gemeldeten aber gefälschten Todesdaten waren der 16.11.1940 in Hartheim.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/3776.
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg StAL EL 20/1 VI Bü 1786 Stadtteilfriedhöfe Ulm/Stadt, Sammelgräber Neuer Friedhof Ulm, Lfd. Nr. 2379 ff: Niedermaier, Albertine, Grablage U 21 – 58. Todesort „Hortheim“ (statt Hartheim).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Katholisches Familienregister Offingen Fol. 103b, mit Nachtrag des Todes in Hartheim: „Landesanstalt Hartheim über Linz 16. XI. 40 u. dort auch durch polizeil. Anordnung eingeäschert.“.
Abbildungen und Bildunterschriften
O
Geboren am: 8. Februar 1888
Geburtsort: Riedlingen
Beruf: Kaufmann
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 26. April 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 10. Juni 1893
Geburtsort: Waldhausen
Beruf: Hausangestellte
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Joseph Ott, Bauer in Waldhausen und Maria Anna Juliana geb. Rettich
Elisabeth Ott war das jüngste von neun Kindern Ihrer Eltern. Laut diesem Register hatte Elisabeth vier uneheliche Kinder, geboren von 1913 bis 1921 in Binzwangen und Waldhausen. Eines der Kinder ist direkt verstorben, bei zwei der Kinder gibt es keine weiteren Angaben. Eine Tochter hat später geheiratet. In der Württembergischen Patientenkartei stehen bei der Einweisung nach Zwiefalten zwei lebende Kinder. Der Vater von Elisabeth Ott ist 1919 und die Mutter am 30. April 1937 verstorben. In der Traueranzeige der Mutter wird Sie „Elise“ genannt.
Bei der Aufnahme in die Heilanstal Zwiefalten wird als letzter Wohnort „Thervil Kt. Baselland/Schweiz“ angegeben. Seit wann Elisabeth Ott in der Schweiz gearbeitet hat ist nicht bekannt.
Elisabeth Ott wurde am 2. September 1938 in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen. Auf der Karteikarte ist markiert „unmittelbar versetzt aus“ ohne Angabe eines Ortes. Es ist anzunehmen dass Sie vorher in der Schweiz in einer Einrichtung war. Als Beruf ist Hausgehilfin angegeben. Am 8. September 1939 wurde Elisabeth Ott in die Heilanstalt Schussenried verlegt.
Die Heilanstalt Schussenried fungierte als Zwischenanstalt bei den Verlegungsaktivitäten der „Aktion T4“ im Dritten Reich. Am 9. Juli 1940 wurde Elisabeth Ott in einem Transport von 30 Frauen nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Elisabeth Ott war 47 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 02. August 1940 als Todestag und als Sterbeort Brandenburg.
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 615-98.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, die „am 8.9.1939 aus der HA Zwiefalten in die HA Schussenried verlegt“ und am 09.07.1940 deportiert wurden.
- Familienregister Waldhausen Band 1, Fol. 101 Vorder- und Rückseite (Pfarrei Altheim bei Riedlingen).
- Geburtsregister Waldhausen 1893 Nr. 3 von Elisabetha Ott, mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums und Todesortes.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 19. August 1884
Geburtsort: Gutenzell
Beruf: Dienstmädchen, später Hausfrau
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
P
Geboren am: 20. Januar 1905
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: Seegrasspinner
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 27. April 1943
Todesort: Zwiefalten
Biografie
Eltern: Maximilian Paul, Landwirtschaftspächter in Dürmentingen, und Rosa, geb. Birkenmaier.
Zum Pfleger wurde der Schwager, Wilhelm Class, Oberlandjäger in Obermarchtal, am 27. Februar 1937 bestellt.
Karl Paul war das jüngste von fünf Kindern. Seine schulischen Leistungen waren gut und nach der Schule hat er beim Vater in der Seegrasspinnerei gearbeitet. Ab dem 13. Lebensjahr litt er zunehmend unter epileptischen Anfällen, die für ihn schrecklich waren.
Nach einem Suizidversuch wurde er am 17. Februar 1937 vom behandelnden Arzt des Kreiskrankenhauses Riedlingen in die Heilanstalt Zwiefalten überstellt. Hier arbeitete er anfangs in der Korbflechterei und später gelegentlich im Garten.
Auf Antrag des Zwiefalter Anstaltsleiters beschloss das Amtsgericht Ulm als Erbgesundheitsgericht am 17. September 1937 Karl Paul wegen „erblicher Fallsucht“ unfruchtbar zu machen. Die Sterilisierung erfolgte am 15. November 1937.
Die epileptischen Anfälle häuften sich und Karl Paul zog sich immer mehr in sich zurück.
Auf einer Liste vom 20. September 1940 wurde er von der Direktorin Martha Fauser zur Deportation nach Grafeneck vorgeschlagen, aber offensichtlich zurückgestellt und überlebte die Zeit der Transporte nach Grafeneck. Am 27. April 1943 stirbt Karl Paul während eines epileptischen Anfalls, wie es in der Krankenakte heißt. Sein Leichnam wurde am 28. April 1943 an den Bruder Max Paul, Mechaniker in Dürmentingen, überführt. Karl Paul wurde 38 Jahre alt.
Aus der Zwiefalter Krankengeschichte lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, ob Karl Paul seiner langen und schweren Krankheit erlegen ist oder auf Anweisung der damaligen Ärztlichen Direktorin Martha Fauser durch die Überdosierung von Medikamenten ermordet wurde.
Erarbeitet von BR.
Quellen/Literaturangaben
- Hauptbücher Zwiefalten, Hauptbuch Männer, Nr. 3344. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Sammlung Krankenakten der nach 1900 geborenen Zwiefalter Patienten. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 747 Nr. 39.
- Zu den Krankenmorden in Zwiefalten siehe Rüdenburg, Bodo: Die „Aktion T4“ in Zwiefalten, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 37-46.
- Zur Zwiefalter Anstaltsdirektorin Fauser siehe Breucker, Dorothee: Dr. Martha Fauser, eine Ärztin im Nationalsozialismus, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 115-127.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 30. Mai 1878
Geburtsort: Weingarten
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
R
Geboren am: 25. April 1881
Geburtsort: Biberach
Beruf: –
Einrichtung: Heilanstalt Winnental, Pflegeanstalt Heggbach
Datum der Deportation: 14. September 1940 Heilanstalt Zwiefalten (Zwischenanstalt)
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Robert Ersing, Konditor und Hochzeitslader in Biberach und Maria Amalie geb. Schirmer aus Uttenweiler.
Amalie Marie Rebholz geb. Ersing wurde in Biberach an der Riß als jüngstes von sieben Kindern in der Weberberggasse 5 geboren. Sie war knapp drei Jahre alt als der Vater starb.
Am 09. Oktober 1905 hat sie in Wiblingen den Bauwerkmeister Karl Rebholz geheiratet. Das Ehepaar lebte in Neuenbürg und bekam zwischen 1907 und 1911 vier Kinder. Am 03. Mai 1912 erfolgte eine erste Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen. Das jüngste Kind war gerade ein Jahr alt, das älteste Kind fünf Jahre. Am 28. Juni 1912 wurde sie wieder entlassen. Sie war dann vom 28. Juni 1912 bis 15. August 1912 in der Heilanstalt Winnental. Von dort wurde sie gebessert entlassen. Schon am 14. Oktober 1912 erfolgte eine erneute Aufnahme in die Heilanstalt Winnental. Die Zeit dazwischen mit familiären Problemen ist ausführlich in der Krankenakte beschrieben. Amalie Marie Rebholz blieb bis zur Verlegung am 01. April 1932 in die katholische Pflegeanstalt Heggbach in Winnental. Über die Zeit in Heggbach ist wenig bekannt. Es gibt keine erhaltene Akten. Der geschiedene Ehemann und drei der vier Kinder waren zwischenzeitlich in die USA ausgewandert. Ein Sohn ist in Deutschland geblieben und war Soldat bei der Wehrmacht.
Von der Pflegeanstalt Heggbach kam sie am 30. August 1940 mit einem Transport von insgesamt 75 Personen in die Zwischenanstalt Zwiefalten. Zusammen mit 54 weiteren Kranken wurde sie am 24. September 1940 nach Grafeneck deportiert und am gleichen Tag ermordet.
Amalie Marie Rebholz war 59 Jahre alt.
Eine ausführliche Biografie von Amalie Marie Rebholz geb. Ersing wurde von Stephanie Schosser in Zusammenarbeit mit einer Enkeltochter aus den USA erarbeitet. Veröffentlicht wurde die Biografie in einem Aufsatz in zwei Teilen bei der Forschergruppe Oberschwaben (Mitgliederzeitschrift Circular).
Circular Ausgabe Nr. 11 2023: https://www.forschergruppe-oberschwaben.de/circular-ausgabe-nr-11-2023/
Circular Ausgabe Nr. 12 2023: https://www.forschergruppe-oberschwaben.de/circular-ausgabe-nr-12-2023/
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der Euthanasie-Opfer aus der Pflegeanstalt Heggbach. Gedenkstätte im Kloster Heggbach, Kirche St. Georg.
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 650.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenakten. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 II Bü 10688 Rebholz, Marie.
- Sammlung Detlev Naeve, Archiv der Forschergruppe NS-„Euthanasie“-Opferliste aus dem Landkreis Biberach.
- St. Elisabeth-(Hrsg.): Spur der Erinnerung, Gedenkbuch der 193 Euthanasie-Opfer in Heggbach. Bad Waldsee 2014.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 8. September 1925
Geburtsort: Hörenhausen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 2. April 1895
Geburtsort: Binzwangen
Beruf: Bierbrauer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 31. März 1941
Todesort: Hadamar
Geboren am: 15. Juli 1881
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: Heizer (1921), Maschinist (1925), Taglöhner (1935)
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 3. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 24. Juni 1895
Geburtsort: Ingerkingen
Beruf: Haustochter, Damenschneiderin, Nähterin (Näherin)
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Johannes Baptist Ritter, Söldner/Landwirt in Ingerkingen und Magdalena geb. Stöhr
Pauline Ritter war das siebte von zehn Kindern Ihrer Eltern. Vier der Geschwister sind sehr jung verstorben.
Für Pauline Ritter ist die Patientenakte im Bundesarchiv Berlin erhalten, darin gibt es eine ausführliche Aufzeichnung über Sie:
„Pauline Ritter war bei ihrer Aufnahme am 21.9.1931 in Schussenried 36 Jahre alt und drei Wochen zuvor erkrankt. Nach dem ärztlichen Zeugnis vor Dr. Ehmann, Biberach, war sie am 1.6.1931 in der Pflegeanstalt Heggbach als ‚Pfründnerin‘ aufgenommen worden, wollte aber nach drei Wochen wieder fort. Sie äußerte, das alle Schwestern, auch sie, Teufel oder vom Teufel besessen wären und hatte Selbstmordgedanken. Deshalb sei die Verbringung in eine Heil- und Pflegeanstalt dringend notwendig gewesen. P. hatte sieben Jahre lang die Volksschule in Ingerkingen besucht, bei einer Damenschneiderin gelernt und nach der Lehre teils zu Hause genäht oder in der Landwirtschaft mitgeholfen. Die Schwester hatte sie nach Heggbach gebracht, weil sie wegen Kopfschmerzen und ihrer Nerven wegen nicht mehr zur Arbeit fähig gewesen sei. Anfangs habe sie noch im Nähzimmer gearbeitet, aber dann wegen ‚furchtbarer Schwermut‘ nur noch im Bett gelegen. In Schussenried ist P. vor allem nachts erregt, schreit und hat religiöse Wahnvorstellungen, was oft zu einer ‚Netzbehandlung‘ oder ins ‚Bad‘ führe. In einer der letzten Eintragungen am 31.5.1940 wird eine ‚läppische, antriebslose Kranke‘ geschildert, die ‚zu keiner Arbeit gebraucht werden‘ kann.“
Pauline Ritter wurde am 9. Juli 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie war 45 Jahre alt.
Die gemeldeten aber gefälschten Sterbedaten von Pauline Ritter sind 23.7.1940 Landesanstalt Hartheim/Linz (Nachtrag im kath. Familienregister).
Erarbeitet StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 677-43.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27491.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Katholisches Familienregister Ingerkingen Seite 181, Kind Nr. 7 mit gefälschten Todesdaten.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. Juli 1907
Geburtsort: Betzenweiler
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 04. April 1896
Geburtsort: Vorderberg (Reichenhofen)
Beruf: Novizin
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 09. Juli 1940
Sterbedatum: 09. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Johann Georg Rueff, Söldner in Vorderberg-Reichenhofen und Sophie geb. Ris.
Agatha Rueff war das achte und jüngste Kind der Familie. Die Mutter war zwei mal verheiratet, in zweiter Ehe hatte sie drei Kinder.
Agatha Rueff wurde am 08. Juni 1922 im Alter von 26 Jahren in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Dies geschah ‚auf Ansuchen der Angehörigen‘, es war die erste Aufnahme. In der württembergischen Patientenkartei wird als Beruf Novize genannt. Der Wohnort/letzte Aufenthaltsort war Hürbel.
Agatha Rueff war bis zu Ihrer Deportation am 09. Juli 1940 in der Heilanstalt Schussenried. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck ermordet. Sie war 44 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum und Sterbeort war 19.07.1940 in Sonnenstein. Das Datum ist bekannt aus den Kriegsgräberlisten Baden-Württemberg. Die Urne von Agatha Rueff ist auf dem Hauptfriedhof Konstanz bestattet, dort wurde eine Gedenkstätte für diese Urnen errichtet.
Sie war Novizin, vermutlich im Kloster Bonlanden.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III 694-1.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Hauptfriedhof Konstanz, Feld 14a – Gedenkstätte für Urnen von NS-„Euthanasie“-Opfern, welche 1983 im Keller des Krematoriums Konstanz aufgefunden wurden.
- Hauptfriedhof Konstanz Grabfeld 14a, Nr. 145: Rueff Agatha mit gefälschtem Todesdatum 19.07.1940 und Todesort Sonnenstein.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 08. Mai 1892
Geburtsort: Biberach
Beruf: Spüler, Kellner, Hausdiener
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 13. März 1941 Heilanstalt Weinsberg „Zwischenanstalt“
Sterbedatum: 4. April 1941
Todesort: Hadamar
Biografie
Ehefrau: Hermine Busch in Schömberg (Oberamt Neuenbürg, später Kreis Calw), ein gemeinsamer Sohn
Eltern: Karl Ruthardt, Werkmeister in Biberach, später Oberbahnmeister und Anna Maria geb. Süßmuth
Die Eltern von Heinrich Rudolph Ruthardt haben am 6. Mai 1886 in Biberach geheiratet. In Biberach wurden drei Kinder geboren, Heinrich Ruthardt war das jüngste dieser drei Kinder. Die Familie ist noch im Geburtsjahr von Heinrich Ruthardt nach Heilbronn gezogen. Im Jahr 1912 hat die Familie in Freudenstadt gelebt, der Vater war Oberbahnmeister in Freudenstadt. Heinrich Ruthardt arbeitete später in einem Sanatorium in Schömberg und hat dort auch seine Frau kennengelernt. Im Jahr 1921 hat das Paar geheiratet. Das Ehepaar hatte ein Kind.
Nach der Aufnahme in der Heilanstalt Weissenau im Jahr 1940 hat Heinrich Ruthardt selber zur Anamnese beigetragen: „R gibt an, er sei 1912 schon einmal in der Heilanstalt Pfullingen gewesen, dann 1926 in der Psych. Klinik in Heidelberg und 1928 zur Beobachtung nach einem Unfall in der Nervenklinik Tübingen. 1935 sei er sterilisiert worden. Die Stimmen höre er schon seit seiner 1. Erkrankung 1912, von Zeit zu Zeit weniger und dann wieder stärker.
1921 habe er sich verheiratet, habe einen Sohn, sei mit der Frau immer gut ausgekommen.
1932 habe er eine Lungenentzündung durchgemacht und im letzten Jahre habe er öfters Stechen in der rechten Schulter gehabt.“
Auch von seiner Frau wurde eine ausführliche Beschreibung des Patienten abgegeben.
Heinrich Ruthardt wurde am 05. Januar 1940 in die Anstalt Weissenau aufgenommen. Von dort wurde er am 13. März 1941 in die Anstalt Weinsberg verlegt. Weinsberg war zu diesem Zeitpunkt eine sogenannte „Zwischenanstalt“ für die Tötungsanstalt Hadamar.
Von Weinsberg gelangte Heinrich Ruthardt in einem Transport am 04. April 1941 nach Hadamar. Das Verlegungsdatum nach Hadamar ist als Todesdatum von Heinrich Ruthardt anzusehen. Das offiziell beurkundete Todesdatum ist der 21. April 1941. Heinrich Ruthardt wurde 48 Jahre alt.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. , Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 699-177.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24823.
- Stadtarchiv Biberach, Familienregister Band 8, Seite 671-672 (Nachtrag des gemeldeten/gefälschten Todesdatums).
- Hessisches Hauptstaatsarchiv; Wiesbaden, Deutschland; Personenstandsregister Sterberegister; Signatur: 1975. Sterberegister für zahlreiche Orte im heutigen Hessen. Online bei Ancestry.de.
Abbildungen und Bildunterschriften
S
Geboren am: 14. Februar 1875
Geburtsort: Biberach
Beruf: Buchbinderlehrling, Buchbinder
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 30. April 1888
Geburtsort: Griesingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 1. Juni 1917
Geburtsort: Orsenhausen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 04. Dezember 1889
Geburtsort: Eglofs
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 24. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 20. Juli 1920 in Nersingen bei Ulm
Geburtsort: Nersingen bei Ulm, Wohnort in Wain Kreis Biberach
Beruf: –
Einrichtung: Anstalt Stetten
Datum der Deportation: 13. September 1940
Sterbedatum: 13. September 1940
Todesort: Grafeneck
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. Dezember 1898
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Kaufmann
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 26. März 1916
Geburtsort: Erlenmoos
Beruf: Bauerntochter
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Xaver Schmid, Landwirt in Erlenmoos und Josefine geb. Pfender
Die Mutter von Elisabeth Schmid ist am 17. Juli 1931 in Erlenmoos verstorben. Aus der Traueranzeige der Mutter wissen wir, die Familie hatte 4 Kinder. Elisabeth Schmid war zu diesem Zeitpunkt 15 Jahre alt.
Sie wurde am 12. August 1938 im Alter von 22 Jahren auf ‚Ansuchen der Angehörigen‘ zum 1. mal in die Heilanstalt Schussenried aufgenommen. Elisabeth Schmid war ledig, als Beruf wird Bauerntochter angegeben. D.h. sie war nicht irgendwo im Dienst sondern hat zuhause beim Vater gelebt und vermutlich auch gearbeitet. Über die Familie wissen wir wenig.
Am 9. Juli 1940 wurde Elisabeth Schmid von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. In der württembergischen Patientenkartei wurde das „Verlegt“ in der Akte mit Stempel eingetragen. Sie war knapp zwei Jahre in der Heilanstalt Schussenried.
Elisabeth Schmid war 24 Jahre alt.
Die Sterbeurkunde notiert fälschlicherweise den 19. Juli 1940 als Todestag und als Sterbeort Sonnenstein/Sachsen.
Ein Bruder ist 1942 gefallen, der andere Bruder und der Mann der Schwester Maria waren als Soldaten im Krieg. Aus der Traueranzeige des Bruders Konrad Schmid kennen wir die Namen der Geschwister von Elisabeth Schmid.
Ob Elisabeth Schmid von der Situation der Brüder als Soldaten noch etwas mitbekommen hat ist nicht bekannt. Für den Vater war es sicherlich schwer. Ein Kind krank und dann 1940 tot, zwei Söhne und der Schwiegersohn als Soldaten im Krieg.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 744.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Der Rottumbote, Ausgabe vom 18. Juli 1931, Seite 8: Traueranzeige von Josefine Schmid, Mutter von Elisabeth Schmid.
- Donau-Bodensee-Zeitung, Ausgabe vom 03. August 1942 Seite 5: Traueranzeige von Konrad Schmid mit Nennung des Vaters und der Geschwister.
- Standesamt Erlenmoos, Geburtsregister von Elisabeth Schmid 1916 Nr. 5.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 26. Juli 1908
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: Bürstenmacher
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 9. Mai 1944
Todesort: Zwiefalten
Biografie
Eltern: Felix Schmid in Altheim und Marie Genovefa, geb. Muckensturm. Als Pfleger wurde Georg Schmid, Maurer in Altheim, bestellt.
Karl Schmid war das zweitälteste von sechs lebenden Kindern, sechs andere waren schon als Kleinkinder verstorben. Nach Angaben des Vaters sei er in der Schule gut mitgekommen, immer ein wenig für sich gewesen und habe viel gelesen. Nach der Schule hat er Müller gelernt. 1927 verunglückte er, dabei zog er sich eine Blutvergiftung zu, und ihm musste im Krankenhaus Sigmaringen ein Bein amputiert werden.
Der Unfall und der Verlust des Beines bereiteten ihm große körperliche und psychische Probleme. Nach einem Suizidversuch war er vom 29. Juli bis August 1936 in der Nervenklinik Tübingen. Wieder zu Hause arbeitete er zunächst in der elterlichen Landwirtschaft und dann als Korb- und Bürstenmacher.
Am 28. November 1937 wurde er wegen seiner psychischen Beschwerden in die Heilanstalt Zwiefalten aufgenommen und erfolgreich mit Insulin behandelt. Um die Entlassung zu ermöglichen, wurde von der Anstaltsleitung ein Verfahren zur Unfruchtbarmachung eingeleitet. Am 20. Juli 1938 wurde Karl Schmid im Riedlinger Kreiskrankenhaus durch Dr. Mißmahl sterilisiert und am 23. August 1938 aus der Heilanstalt Zwiefalten als gebessert entlassen. Am 14. November 1939 wurde er wegen einer erneuten Verschlechterung seines seelischen Zustandes wieder in Zwiefalten aufgenommen. Alle Therapieversuche scheiterten, er wurde immer teilnahmsloser und zog sich ganz in sich zurück.
Auf einer Liste vom 20. September 1940 wurde er von der Direktorin Martha Fauser zur Deportation nach Grafeneck vorgeschlagen, aber offensichtlich zurückgestellt und überlebte die Zeit der Transporte nach Grafeneck. Am 9. Mai 1944 starb Karl Schmid an Lungentuberkulose, wie es in der Krankenakte verzeichnet wurde. An diesem Tag hatte die Ärztliche Direktorin Martha Fauser bereits schriftlich bei den Eltern nachfragen lassen, was im Falle eines zu erwartenden Todes mit dem Leichnam des Sohnes geschehen solle. Der Leichnam wurde dann am 11. Mai 1944 zum Pfleger, Georg Schmid, Maurer in Altheim, überführt. Karl Schmid wurde 35 Jahre alt.
Aus der Zwiefalter Krankengeschichte lässt sich heute nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, ob Karl Schmid seiner langen und schweren Krankheit erlag, ein Opfer der kriegsbedingten Unterversorgung war oder auf Anweisung der damaligen Ärztlichen Direktorin Martha Fauser durch die Überdosierung von Medikamenten ermordet wurde.
Erarbeitet von BR.
Quellen/Literaturangaben
- Hauptbücher Zwiefalten, Hauptbuch Männer, Nr. 3466 u. 3655. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Sammlung Krankenakten der nach 1900 geborenen Zwiefalter Patienten. Archiv ZfP Zwiefalten.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 747 Nr. 39.
- Zu den Krankenmorden in Zwiefalten siehe Rüdenburg, Bodo: Die „Aktion T4“ in Zwiefalten, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 37-46.
- Zur Zwiefalter Anstaltsdirektorin Fauser siehe Breucker, Dorothee: Dr. Martha Fauser, eine Ärztin im Nationalsozialismus, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 115-127.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 9. März 1922
Geburtsort: Biberach an der Riß
Beruf: –
Einrichtung: Anstalt Stetten
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 12. November 1940
Todesort: Grafeneck
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 06. November 1901
Geburtsort: Binzwangen
Beruf: Gastwirt (Bahnhofsrestaurant Ertingen)
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 04. April 1941
Todesort: Hadamar
Geboren am: 10. April 1889
Geburtsort: Unlingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 31. Dezember 1897
Geburtsort: Moosburg
Beruf: Landwirt
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 18. August 1897
Geburtsort: Egesheim, Kreis Tuttlingen
Beruf: Ordensschwester, Schwester Maria Konrada im Kloster Bonlanden
Einrichtung: Heilanstalt Rottenmünster
Datum der Deportation: 25. September 1940
Sterbedatum: 25. September 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Konrad Sieger, Maurer in Egesheim Oberamt Spaichingen und Theresia geb. Klaiber
Das Ehepaar Sieger hatte fünf Kinder. Walburga Sieger war das jüngste Kind. Im Familienregister ist Ihr Werdegang aufgeführt:
- Ordensschwester (Schwester Maria Konrada)
- 1923 Profeß in Bonlanden
- Kam 1930 als Schwester von Bonlanden nach Rottenmünster
- Tod 16.10.1940 Grafeneck
Der Vater war schon 1913 verstorben, die Mutter im Jahr 1931. Die Mutter konnte sicherlich noch an der Profeß-Feier der Tochter im Jahr 1923 in Bonlanden teilnehmen. Meist waren Familien ja sehr stolz, eine Ordensschwester oder einen Priester in der Familie zu haben.
Eine erste Aufnahme in die Heilanstalt Rottenmünster erfolgte am 9. November 1928. Diese Information ist uns aus der Chronik des Klosters Bonlanden im Jahr 1928 bekannt. Zitat: „Aus der Filiale St. Agnes in Riedlingen kam die betrübende Kunde, dass sich bei Schw. Konrada Sieger seit kurzer Zeit Schwermut, fixe Ideen und Verfolgungswahn zeigte, der in den letzten Tagen solche Formen annahm, dass Schw. Konrada in die Heilanstalt nach Rottenmünster verbracht wurde – am 9. November.“
Das Kloster Bonlanden hat in Riedlingen seit 1902 das Mädcheninstitut St. Agnes unterhalten.
Walburga Sieger wurde am 20. Februar 1932 zum zweiten mal in die Heilanstalt Rottenmünster aufgenommen. Laut württembergischen Patientenblättern war Ihr Wohnort das Kloster Bonlanden, aber der letzte Aufenthaltsort war Riedlingen. In dem Fall wie im Jahr 1928 das Mädcheninstitut St. Agnes. Eine Krankenakte ist leider nicht erhalten, deshalb wissen wir nicht viel über Walburga Sieger, bzw. Schwester Konrada Sieger.
Walburga Sieger wurde am 25. September 1940 von Rottenmünster nach Grafeneck deportiert. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck mit Gas ermordet. Das Sterbedatum 11. Oktober 1940 im Familienregister der Eltern ist das gefälschte Sterbedatum. Die Todesnachrichten wurden alle mit falschem Datum, teilweise auch falschem Ort versendet um die Morde zu verschleiern.
Walburga Sieger war 43 Jahre alt.
Auch in der Chronik des Klosters Bonlanden findet sich dazu ein Eintrag im Jahr 1940, Zitat: „Nun wird es Zeit, einen Blick zurückzuwerfen, in die alte Welt. Von unseren lb. Schwestern drüben kamen nur dürftige und unterdrückte Nachrichten. Man konnte sich nicht frei äußern. So erfuhren wir nichts Näheres über den unerwarteten Tod unserer lb. Schw. M. Konrada Sieger, 16.10.40, die als unheilbar in der Anstalt Rottenmünster untergebracht war.“. Die Generalleitung des Klosters Bonlanden war in der Kriegszeit in Brasilien untergebracht.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 810-34.
- Katholisches Familienregister Egesheim Seite 556: Konrad Sieger und Ehefrau Theres Klaiber mit fünf Kindern.
- Kloster Bonlanden bei Wikipedia mit Details zur Außenstelle Riedlingen St. Agnes: https://de.wikipedia.org/wiki/Kloster_Bonlanden
- Ausschnitte aus der Chronik des Klosters Bonlanden, erhalten per eMail vom Kloster Bonlanden am 06.02.2026
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 1. November 1892
Geburtsort: Bad Schussenried
Beruf: Schneidermeister
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried, Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen
Datum der Deportation: 14. März 1941 (über Heilanstalt Weinsberg als Zwischenanstalt)
Sterbedatum: 04. April 1941
Todesort: Hadamar
Biografie
Ehefrau: Anna Pauline geb. Kramer aus Wagnerberg bei Tannau (Tettnang), die Ehe wurde nach 1933 geschieden.
Eltern: Franz Xaver Sigg, Taglöhner in Schussenried und Brigitta geb. Frick.
Die Eltern von Johannes Sigg haben in Scheer geheiratet, das erste von fünf Kindern ist dort auf die Welt gekommen. Die Familie soll laut kath. Familienregister im April 1887 nach Schussenried, bzw. Kleinwinnaden gezogen sein. Dort kamen dann vier weitere Kinder, darunter auch Johannes Sigg auf die Welt. Zwei Söhne, Johannes und Franz Xaver Sigg haben das Erwachsenenalter erreicht.
Am 01. Mai 1923 haben Johannes Sigg und Anna Pauline Kramer in Aulendorf geheiratet. Das Ehepaar hatte mindestens ein Kind, welches im Mai 1928 geboren wurde. Durch Annoncen in der lokalen Tageszeitung ist Johannes (auch Hans) Sigg regelmässig sichtbar. Nach dem Krieg, im Jahr 1919 hat er erst mal von seinem Elternhaus aus gearbeitet, im Jahr 1920 hat er seine Meisterprüfung abgelegt. Im Jahr seiner Heirat 1923 gibt es eine Anzeige, aus der die Arbeits- und Wohnadresse Zollenreuterstraße 295 in Aulendorf hervorgeht. Im Jahr 1926 wurde das Geschäft in ein Nebengebäude des Bauunternehmers Josef Walser verlegt, was dann die Bachstr. 66 in Aulendorf war. Im Jahr 1930 gab es zwei Geschäftsverlegungen in das „Haus von Schneidermeister Hans Sigg“. Im Jahr 1931 annonciert „Frau Hans Sigg“ eine „Strumpfklinik“, sie hat ein Geschäft zur Reparatur von Strümpfen eröffnet, Adresse ist Aulendorf, Bachstr. 66. Es ist anzunehmen dass zu diesem Zeitpunkt zumindest in Aulendorf die Schneiderwerkstatt nicht mehr von Johannes Sigg betrieben wurde. Im Jahr 1934 versteigert Frau Sigg Schneidernähmaschinen. Das Geschäft existiert nicht mehr da Johannes Sigg in der Heilanstalt lebt.
Die erste Aufnahme von Johannes Sigg in der Heilanstalt Schussenried erfolgte am 10. Oktober 1933. Er ist aus dem „Landesspital Sigmaringen“ nach Schussenried ‚versetzt‘ worden und war schon mehrere Jahre vorher erkrankt. Am 17. Juli 1934 wurde er in das Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen versetzt. In der Akte steht nur Sigmaringen. Dort lebte Johannes Sigg bis zu seiner Verlegung in die Zwischenanstalt Weinsberg am 14. März 1941. Am 04. April wurde von Wiesloch aus nach Hadamar deportiert und dort ermordet.
Die Gedenkstätte Hadamar hatte uns folgende Informationen mitgeteilt:
„Herr Johannes Sigg, geb. am 01.11.1892 in Schussenried, wurde zu einem uns unbekannten Datum, von seinem letzten Wohnort Aulendorf im Kreis Ravensburg aus, in das Fürst-Karl-Landes-Krankenhaus in Sigmaringen aufgenommen. Von dort wurde er am 14.03.1941 in die Anstalt Weinsberg verlegt. Weinsberg war zu diesem Zeitpunkt eine sogenannte „Zwischenanstalt“ für die Tötungsanstalt Hadamar.
Von Weinsberg gelangte Herr Sigg in einem Transport am 04. April 1941 nach Hadamar. Das Verlegungsdatum nach Hadamar ist als Todesdatum von Herr Sigg anzusehen. Die Leichname der Ermordeten wurden anschließend noch vor Ort eingeäschert.
Das offiziell beurkundete Todesdatum von Herr Sigg ist uns bekannt, es wurde auf den 28.04.1941 datiert.“
Johannes Sigg war 48 Jahre alt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Hadamar ermordeten Menschen, Gedenkstätte Hadamar, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 811-101.
- Ks 2/66 (GStA) Frankfurt/Main, „Sonderband Grafeneck“, Aktenband 23 (Information von der Gedenkstätte Hadamar).
- Sterberegister Hadamar 1941 Nr. 718 (Online bei Ancestry.de).
- Aufnahme- und Entlassbuch der Psychiatrie-Abteilung des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen 1940-1942 (Kreisarchiv Sigmaringen XIV – 1993/4 Nr. 26, Nr. 27, Nr. 28).
- Gedenkstein für Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen (Online-Gedenkseite beim Landkreis Sigmaringen).
- Verbo Schussen-Bote, Ausgabe vom 03. September 1919, Seite 4: Geschäftsempfehlung.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 12. März 1919
Geburtsort: Rot an der Rot
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 28. Januar 1891
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Dr. jur., Regierungsrat (ab ca. 1925 Regierungsrat a. D.)
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 16. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 19. April 1907
Geburtsort: Wilflingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 19. April 1907
Geburtsort: Wilflingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 30. August 1874
Geburtsort: Dürmentingen
Beruf: 3 – Landarbeiter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 19. November 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 5. Juni 1882
Geburtsort: Erbach
Beruf: Packerin, Dienstmädchen
Einrichtung: Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Joseph Stegmann, Sägmüller in Erbach, später Säger in Biberach an der Riß und Justina geb. Renz.
Die Familie hatte laut Familienregister acht Kinder, vier davon sind jung verstorben. Die vier erwachsenen Kinder sind auch auf der Traueranzeige des Vaters im Jahr 1916 genannt. Der Vater hat in Biberach viele Jahre als Säger bei Herr Schuler z. Steigmühle gearbeitet. Die Mutter war schon 1891 verstorben, der Vater hat nicht mehr geheiratet. Wann genau die Familie von Erbach nach Biberach gezogen ist, ist auch nicht bekannt.
Aus Biberacher Adressbüchern und der Meldekarte von Theresia Stegmann ergeben sich folgende Lebensstationen von Ihr:
1902: Riedlingerstraße 14/b, lebt bei Ihrem Vater
1913: Holzstraße 2, lebt bei Ihrem Vater
1920: Holzstraße 2, Theresia Stegmann, Beruf Packerin
1930: Riedlingerstraße 27, zusammen mit Schwester Kreszentia Stegmann, Kontoristin
Die Riedlingerstraße 27 und die Holzstraße 2 sind nur wenige Meter voneinander entfernt.
Auf der Meldekarte für Theresia Stegmann geht neben den schon genannten Wohnorten auch der Arbeitgeber hervor. Sie hat vom 24. April 1905 bis zum 31. Dezember 1930 bei der Cigarrenfabrik Eugen Gerster in der Bürgerturmstraße 7 gearbeitet. Es gab kurze Zeit nach dem Tod des Vaters eine Unterbrechung von einem Monat, auch könnte Sie laut Meldekarte schon ab Oktober 1916 bei Ihrer Schwester gewohnt haben. In der Karteikarte ist auch die Abmeldung aus Biberach am „1.7.33 Heilanstalt Schussenried“ vermerkt. Sie scheint dann vor der Einweisung nach Schussenried über zwei Jahre nicht mehr berufstätig gewesen zu sein, bzw. es ist in der Meldekarte nicht vermerkt.
Laut Abgangsmeldung aus der Heilanstalt Schussenried wurde Theresia Stegmann am 01. Juli 1933 dort aufgenommen. Ihr Beruf war bei der Aufnahme in Schussenried Dienstmädchen.
Die Patientenakte von Theresia Stegmann hat sich im Bundesarchiv Bestand R 179 erhalten. Die Akte ist sehr ausführlich. Laut dieser Akte waren Veränderungen im Wesen von Theresia Stegmann schon 6-8 Jahre vor der Aufnahme in die Heilanstalt Schussenried bemerkt worden.
Theresia Stegmann hat selber ausführliche biografische Daten für die Patientenakte beigesteuert: „In der Schule habe sie nicht besonders gut gelernt, am schlechtesten habe sie rechnen können, Religion habe sie am liebsten gehabt. Sie sei im Waisenhaus erzogen worden, weil ihre Mutter schon mit ca. 38 Jahren an einer Geburt gestorben sei. Dann seien die Kinder alle auseinander gekommen, jeder irgendwo anders hin. Mit 16 J. kam sie in Dienst, diente 4 Jahre lang, hatte in dieser Zeit 4 verschieden Stellen. Kam dann nach Biberach als Packerin, vier Jahre bei Fabrikant Schlee, danach in der Zigarrenfabrik Gerster. Kam dann 1925 nach Ulm ins städtische Krankenhaus bei Dr. Veiel 4 Wochen lang. Sei ganz durcheinander gewesen, seit eine Mitarbeiterin bei Gerster ihren Liebhaber auf sie gehetzt habe. …“. Es kommen noch weitere Details, welche die Erkrankung betreffen.
Es sind mehrere handschriftliche Postkarten und Briefe von Theresia Stegmann an Ihre Schwester Kreszentia und den Stadtpfarrer in der Akte, wurden diese nicht abgesendet? Diese wurden zwischen 1933 und 1938 geschrieben. Zwei Briefe schickt Theresia Stegmann 1936 an den Direktor Koch und äußert den Verdacht, dass Ihre Briefe nicht weggeschickt werden. Die Schwester scheint auch regelmäßig Pakete geschickt zu haben, sie hat Theresia Stegmann auch besucht. Es sind auch mehrere Schreiben der Schwester in der Akte, dort bezieht Sie sich auf Besuche und erhaltene Briefe von Theresia Stegmann. Theresia Stegmann hat sich selber nicht für krank gehalten und wollte immer nach Hause.
Am 9. Juli 1940 wurde Theresia Stegmann von Schussenried nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie war zuvor sieben Jahre in der Heilanstalt Schussenried. Theresia Stegmann war 58 Jahre alt.
Die Urne von Theresia Stegmann wurde auf dem kath. Friedhof in Biberach beigesetzt. Auf der Karteikarte der Kriegsgräberlisten ist auch das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum mit gefälschtem Sterbeort vermerkt: 23. Juli 1940 in Hartheim bei Linz.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 836-89.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/27737.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Kriegsgräberlisten Baden Württemberg: Staatsarchiv Ludwigsburg, EL 20/1 VI Bü 1863, Aufn. 17: Katholischer Friedhof Biberach an der Riß. Lfd. Nr. 3: Stegmann Theresia.
- Katholisches Familienregister Erbach Band 2 Fol. 340.
- Stadtarchiv Biberach: Meldekarte von Theresia Stegmann.
- Adressbücher Biberach, Jahrgänge 1902, 1913, 1920 und 1930 (Stadtarchiv Biberach).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 9. Januar 1884
Geburtsort: Schienenhof (Steinhausen)
Beruf: Bierbrauer
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 16. September 1898
Geburtsort: Reinstetten
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 20. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 16. November 1894
Geburtsort: Achstetten
Beruf: Stütze, Haustochter
Einrichtung: Nervenklinik Tübingen, Heilanstalt Schussenried
Datum der Deportation: 9. Juli 1940
Sterbedatum: 9. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Karl Stützle, Bahnwärter in Saulgau und Josefa geb. Buzengeiger
Der Vater von Magdalena Stützle war Bahnwärter. Magdalena Stützle wurde im Bahnhof Rißtissen geboren und in Achstetten getauft. Im Jahr 1903 zog die ganze Familie auf einen Bahnwärterposten bei Langenschemmern, Gemeinde Barabein – Höfen. Die Familie hatte neun Kinder, Magdalena Stützle war das dritte Kind der Familie und beim Umzug neun Jahre alt.
Der Vater lebte im Alter in seiner Geburtsstadt Saulgau in der Schützenstraße 16, laut Meldekarte schon seit dem 21.11.1924. Vermutlich hatte er in Saulgau die letzte Dienststelle vor der Pensionierung. Die Mutter war schon 1922 verstorben. Im Adressbuch 1939 wird Karl Stützle als Bahnwärter a. D. genannt.
Die Tochter Magdalena Stützle hat seit dem 18. Februar 1929 bei ihrem Vater gewohnt, Sie war Haustochter, hat also nicht gearbeitet. Vermutlich konnte der Vater aber auch eine Hilfe im Haushalt gebrauchen.
Sie war zum ersten mal in der Nervenklinik Tübingen vom 08. Juli bis 15. Juli 1931, Ihr Wohnort war Saulgau. Am 07. September 1932 war Magdalena Stützle wieder in der Nervenklinik Tübingen. Von dort wurde Sie am 10. Oktober 1932 in die Heilanstalt Schussenried verlegt und am 15. Dezember 1932 ungeheilt entlassen. Am 03. Februar 1937 wurde Magdalena Stützle zum dritten mal in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Auch dieses mal wurde sie am 21. Juni 1937 nach Schussenried verlegt. Magdalena Stützle war bis zu Ihrer Deportation am 09. Juli 1940 ziemlich genau drei Jahre in der Heilanstalt Schussenried. An diesem Tag wurde sie in Grafeneck ermordet. Sie war 45 Jahre alt.
Die gemeldeten, aber gefälschten Sterbedaten von Magdalena Stützle waren der 20. Juli 1940 in Sonnenstein/Pirna.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III 862-81.
- Sammlung Schussenried, Teil II. Aufstellung Nr. 1247, B). Frauen, B. 3) und 4), die „am 9. Juli 1940 verlegt“ wurden (45).
- Standesamt Achstetten, Geburtsregister 1894 Nr. 24 von Magdalena Stützle mit Nachtrag der gefälschten Todesdaten.
- Standesamt Achstetten, Familienregister Blatt 747/748 der Eltern und Geschwister von Magdalena Stützle.
- Stadtarchiv Bad Saulgau, Meldekarte für Magdalena Stützle und ihren Vater Karl Stützle.
- Adressbuch Kreis Saulgau 1939 (Online beim Verein für Computergenealogie).
Abbildungen und Bildunterschriften
U
Geboren am: 31. März 1909
Geburtsort: Möhringen
Beruf: 3 – Landarbeiter
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 9. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
V
Geboren am: 25. Juli 1894
Geburtsort: Haslach (Rot an der Rot)
Beruf: Hausfrau und Näherin
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 10 Juni 1940
Sterbedatum: 10. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Ehemann: Karl (auch Fritz) Villing aus Tannheim
Eltern: Alois Mönig aus Haslach und Kreszentia geb. Häusle
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung (Ausgabe vom 26.01.2021):
„Kreszentia Mönig aus Haslach und Karl Villing aus Tannheim heiraten 1921 und haben 5 Kinder. 1929 stirbt Karl Villing bei einem Unglücksfall. Ein paar Jahre später erkrankt Kreszentia und wird dann in der Heilanstalt Weissenau betreut. Im Juli 1940 erhält ihr Bruder ein Schreiben aus Grafeneck, dass seine Schwester ‚plötzlich und unerwartet infolge einer Hirnhautentzündung verstorben ist‘. Die Familie akzeptiert das Angebot aus Grafeneck, die Urne nach Tannheim zu schicken, wo sie im Grab von Karl Villing beigesetzt wird. Ob sich darin aber wirklich die Asche der Kreszentia befand ist allerdings fraglich. Kreszentia wird auch auf dem Grabstein des Familiengrabes genannt.“
Kreszentia Villing war vom 20. Januar 1931 bis zur Deportation am 10. Juni 1940 in der Heilanstalt Weissenau. Die erste Aufnahme dort war am 11. November 1930, sie wurde am 20. Dezember 1930 gebessert nach Hause entlassen. Als psychische Einflüsse bei der ersten Aufnahme wurde der „Unfalltod des Mannes“ in der Patientenkartei aufgeführt.
Das Austrittsdatum 11. November 1940 ist weder in der Patientenakte aus dem Bundesarchiv noch in der württembergischen Patientenkartei genannt. Die Patientenakte ist detailliert, aber es sind keine persönlichen Dokumente wie Briefwechsel oder ähnliches vorhanden.
Am. 10 Juni 1940 wurde Kreszentia Villing nach Grafeneck deportiert und ermordet. Sie wurde 45 Jahre alt.
Im November 1941 ist der Sohn von Kreszentia Villing als Soldat im 2. Weltkrieg gefallen. Die Mutter durfte nicht leben aber der Sohn sollte „dem Führer dienen“.
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 888.
- „Euthanasie“-Patientenakten. Bundesarchiv, Bestand R 179 (Kanzlei des Führers, Hauptamt II b)/24609.
- Bilder und Unterlagen aus dem Familienarchiv Villing.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 27.01.2021 Seite 13, „Probelauf für die Tötungsmaschinerie“ mit Kurzbiografien zu Kreszentia Villing, August Moosbrugger und Andreas Wehrle.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 27. April 1911
Geburtsort: Biberach
Beruf: ohne Beruf, Zögling
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 1. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 5. Februar 1904
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Kaufmann
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 5. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
W
Geboren am: 25. März 1867
Geburtsort: Friedingen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 13. Januar 1903
Geburtsort: Ummendorf
Beruf: Dienstmädchen
Einrichtung: Badische Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz
Datum der Deportation: 27. Juni 1940
Sterbedatum: 27. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Anton Waibel, Söldner in Ummendorf und Agatha geb. Heuter.
Die Mutter von Josefine Waibel, Agatha Heuter ist 1906 verstorben. Danach hat der Vater Anton Waibel die Schwester der Mutter, Theresia Heuter geheiratet. Josefine Waibel hatte noch eine als Baby verstorbene Schwester und aus der 2. Ehe des Vaters fünf Halb-Geschwister. Der Vater ist 1928 verstorben. Ein Halb-Bruder Alfons Waibel ist im Jahr 1942 gefallen.
Josefine Waibel hat in Konstanz als Dienstmädchen gearbeitet. Seit wann sie dort war ist nicht bekannt. Am 22. April 1930 kam Josefine Waibel in die Badische Heil- und Pflegeanstalt bei Konstanz. Am 27. Juni 1940 wurde sie laut Unterlagen nach Zwiefalten verlegt. Zwei Dokumente zur Verlegung sind erhalten, „Verlegung von Anstaltsinsassen im Rahmen besonderer planwirtschaftl. Massnahmen“. Zwiefalten war häufig eine sogenannte Zwischenanstalt auf dem Weg nach Grafeneck. Tatsächlich wurde Josefine Waibel aber direkt nach Grafeneck deportiert und am Tag der Deportation ermordet.
Josefine Waibel war 37 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Sterbedatum ist im Familienregister der Eltern verzeichnet, es ist der 08. Juli 1940.
Im Dezember 1940 wurde ein Weihnachtspaket für Josefine Waibel nach Konstanz in die Anstalt geschickt. Dieses wurde zurück nach Ummendorf gesendet. Eine Th. Waibel [Theresia Waibel, Stiefmutter und Tante von Josefine Waibel] hat per Brief am 28. Dezember 1940 angefragt wie es Josefine Waibel geht und wo sie jetzt ist. Der Antwortbrief der Anstalt hat auf die Verlegung aufgrund planwirtschaftlicher Maßnahmen hingewiesen und es sei nicht bekannt, wo sich Josefine Waibel befindet.
Josefine Waibel war am 28. Dezember 1940 schon fast sechs Monate tot! Die Angehörigen in Ummendorf haben das offensichtlich nicht gewusst.
Im Gemeindearchiv Ummendorf gibt es noch eine Akte „Einzelne Fürsorgefälle“, darin sind mehrere Schreiben vor allem in Bezug auf die Verpflegungskosten für Josefine Waibel. Die Ortskrankenkasse hat die ersten sechs Monate die Kosten getragen. Danach hat die Anstalt bei der Gemeinde Ummendorf angefragt ob diese die Kosten tragen wird. Die Gemeinde hat das abgelehnt, da der Fürsorgeverband des letzten Aufenthaltsortes dafür zuständig ist, in diesem Fall Konstanz. Im Jahr 1935 gibt es noch einen Briefwechsel, das Städt. Fürsorgeamt Konstanz versucht bei der Schwester Agathe Waibel Geld für die Kosten zu erhalten, Begründung: „moralische Verpflichtung“.
Im Heimatbuch Ummendorf aus dem Jahr 2020 ist Josefine Waibel als Opfer des Nationalsozialismus genannt. Bei den Familienangehörigen war dies anscheinend nicht bekannt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Freiburg B 822/3 Nr. 152 Waibel, Josefine.
- Gemeindearchiv Ummendorf, Akte „A X-382, Einzelne Fürsorgefälle“, mehrere Schreiben zu Josefine Waibel.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 4. Januar 1882
Geburtsort: Baustetten
Beruf: Schuhmacher
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 3. März 1889
Geburtsort: Biberach
Beruf: Mechaniker
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 12. März 1923
Geburtsort: Ellmannsweiler
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 11. September 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 17. Februar 1887
Geburtsort: Unteropfingen (Kirchdorf)
Beruf: Bauer
Einrichtung: Heilanstalt Weissenau
Datum der Deportation: 27. Mai 1940
Sterbedatum: 27. Mai 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Josef Wehrle, Landwirt in Unteropfingen und Viktoria geb. Ritter
Andreas war das elfte von zwölf Kindern der Familie. Sieben der Kinder sind früh verstorben. Auf einem Familienfoto sind die fünf Kinder und die Eltern dargestellt, aufgenommen um 1900.
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung (Ausgabe vom 26.01.2021):
„Der 1887 geborene Andreas Wehrle aus Unteropfingen galt in der Schule als hochintelligent, wollte aber nicht auf eine höhere Schule gehen. Später erkrankte er psychisch und kam in die ‚Heil- und Pflegeanstalt‘ Weißenau bei Ravensburg. Die Familie bleib im Kontakt mit ihm. Sein Bruder Konrad sagte immer wieder, er werde den Andreas da rausholen, wenn der Krieg vorbei sei.
Am 27. Mai 1940 starb Andreas in der Gaskammer von Grafeneck. Am 11. Februar 1941 wurde eine Urne mit angeblich seiner Asche auf dem Friedhof in Kirchdorf beigesetzt. Andreas ist auf dem Stein des Familiengrabes aufgeführt.“
Andreas Wehrle wurde insgesamt 4 x in die Heilanstalt Weissenau aufgenommen, der erste Aufenthalt war zwischen 28. Juli 1909 und 8. März 1911, dort wurde als geheilt entlassen. Zwei weitere Aufenthalte in der Heilanstalt in den Jahren 1925 und 1926 waren nur von kurzer Dauer. Am 01. November 1926 erfolgte die 4. Aufnahme in die Heilanstalt Weissenau. Die Patientenakte von Andreas Wehrle ist nicht erhalten, deshalb kennen wir keine Details zu der langen Zeit in der Heilanstalt.
Andreas Wehrle wurde am 27. Mai 1940 nach Grafeneck deportiert und ermordet.
Er war 53 Jahre alt.
Auch auf dem Grabstein der Familie Wehrle ist das gemeldete, aber gefälschte Sterbedatum von Adreas Wehrle eingraviert: 11.06.1940.
Erarbeitet von + Johannes Angele, StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 920.
- Bilder und Unterlagen aus dem Familienarchiv Wehrle.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 27.01.2021 Seite 13, „Probelauf für die Tötungsmaschinerie“ mit Kurzbiografien zu Kreszentia Villing, August Moosbrugger und Andreas Wehrle.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 23. November 1893
Geburtsort: Ochsenhausen
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 4. November 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 20. Dezember 1896
Geburtsort: Langenenslingen
Beruf: Fabrikarbeiterin / Feldarbeiterin
Einrichtung: Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen
Datum der Deportation: 12. Dezember 1940
Sterbedatum: 12. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Vinzenz Weiß und Maria geb. Bühler
Die Familie hatte sechs Kinder, einen Sohn und fünf Töchter. Der Bruder Franz (Franziskus) hat 1917 im Rang eines Sergeant die „Silberne Hohenzollernsche Verdienstmedaille mit Schwertern“ erhalten. Drei der Schwestern von Mathilde Weiß waren in Langenenslingen verheiratet. Die Eltern von Mathilde Weiß sind in den Jahren 1916 und 1919 verstorben.
Über das Leben von Mathilde Weiß ist nichts weiter bekannt. Sie arbeitete als Feldarbeiterin/Fabrikarbeiterin, war nicht verheiratet und der Wohnsitz bei der Aufnahme war Langenenslingen.
Sie wurde am 04. März 1922 in die Nervenklinik Tübingen aufgenommen. Von dort wurde sie am 26. März 1922 direkt in das Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen (Karl Leopold Spital Sigmaringen) versetzt. Aber am nächsten Tag, dem 27. März 1922 gab es eine erneute Aufnahme in die Nervenklinik Tübingen. Allerdings ohne Abgangsdatum. Laut Opferliste Grafeneck war sie ab 04. Mai 1922 in Sigmaringen. Dort lebte Sie bis zu Ihrer Deportation im Jahr 1940. Mathilde Weiß wurde mit dem Transport vom 12. Dezember 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie war 43 Jahre alt.
Das gemeldete aber gefälschte Todesdatum war der 18. Dezember 1940 und ist ohne Ortsangabe im katholischen Familienregister der Eltern nachgetragen.
Vor dem ehemaligen Krankenhaus in Sigmaringen wurde ein Gedenkstein aufgestellt. Der Landkreis Sigmaringen hat auch eine Online-Gedenkseite für die Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen. Die Opfer werden auf der Seite alle namentlich aufgeführt.
Der Transport vom 12. Dezember 1940 war der zweitletzte Transport nach Grafeneck, nach dem 13. Dezember 1940 wurde die Tötungsanstalt Grafeneck geschlossen. Aber das Morden wurde in anderen Tötungsanstalten fortgesetzt.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 929.
- Aufnahme- und Entlassbuch der Psychiatrie-Abteilung des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen 1940-1942 (Kreisarchiv Sigmaringen XIV 1993/4 Nr.26 / Nr.27 / Nr.28).
- Gedenkstein für Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen (Gedenkseite beim Landkreis Sigmaringen).
- Katholisches Familienregister Langenenslingen Fol. 529. Kind Nr. 5 mit Nachtrag des gefälschten Todesdatums.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 6. November 1896
Geburtsort: Laupheim
Beruf: Fabrikarbeiterin / Dienstmädchen
Einrichtung: Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen
Datum der Deportation: 12. Dezember 1940
Sterbedatum: 12. Dezember 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: August Welser, Drechsler in Laupheim und Ottilie geb. Balluff
Die Eltern von Fanny (Franziska) Welser sind um das Jahr 1881 von Oberdischingen nach Laupheim gezogen. Fanny Welser war das jüngste von sechzehn Kindern. Die Mutter ist im Jahr 1901 verstorben, Fanny Welser war erst fünf Jahre alt. Der Vater hat im Jahr 1906 erneut geheiratet. Ein schon verheirateter Bruder ist 1917 im 1. Weltkrieg gefallen, ein anderer Bruder ist krank aus dem Krieg zurückgekommen und 1921 in der Heilanstalt Schussenried verstorben. Weitere Informationen zur Familie liegen nicht vor.
Fanny Welser war vom 27. Mai 1918 bis zum 01. August 1918 in der Heilanstalt Rottenmünster. Dies war dort anscheinend die 2. Aufnahme, Details zur 1. Aufnahme sind nicht bekannt. Bei der Entlassung ist ‚geheilt‘ angekreuzt. Zu diesem Zeitpunkt war Ihr Wohnsitz noch Laupheim, der Beruf Dienstmädchen. Einige Jahre später, vom 04. April 1925 bis 16. Juli 1925 war Fanny Welser in der Nervenklinik Tübingen. Sie war jetzt 29 Jahre alt und der Wohnsitz war Hechingen, sie hat als Fabrikarbeiterin ihren Lebensunterhalt verdient. Von Tübingen aus wurde sie direkt in das Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen (Landesspital Sigmaringen) versetzt. Dort lebte Sie bis zu Ihrer Deportation im Jahr 1940. Fanny Welser wurde mit dem Transport vom 12. Dezember 1940 nach Grafeneck deportiert und dort ermordet. Sie war 44 Jahre alt.
Vor dem ehemaligen Krankenhaus in Sigmaringen wurde ein Gedenkstein aufgestellt. Der Landkreis Sigmaringen hat auch eine Online-Gedenkseite für die Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhaus Sigmaringen. Die Opfer werden auf der Seite alle namentlich aufgeführt.
Der Transport vom 12. Dezember 1940 war der zweitletzte Transport nach Grafeneck, nach dem 13. Dezember 1940 wurde die Tötungsanstalt Grafeneck geschlossen.
Erarbeitet von StS
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 933.
- Aufnahme- und Entlassbuch der Psychiatrie-Abteilung des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen 1940-1942 (Kreisarchiv Sigmaringen XIV – 1993/4 Nr. 26).
- Gedenkstein für Opfer des Fürst-Carl-Landeskrankenhauses Sigmaringen (Gedenkseite beim Landkreis Sigmaringen).
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 10. September 1909
Geburtsort: Reichenbach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 30. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 8. Dezember 1913
Geburtsort: Reichenbach
Beruf: –
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 19. November 1907
Geburtsort: Josenhof (Eberhardzell)
Beruf: –
Einrichtung: Heil- und Pflegeanstalt Liebenau, Heilanstalt Schussenried (Zwischenanstalt)
Datum der Deportation: 22. Juli 1940
Sterbedatum: 22. Juli 1940
Todesort: Grafeneck
Biografie
Eltern: Wiedenmann Franz Xaver, Bauer auf dem Josenhof bei Eberhardzell und Anna Maria geb. Brax.
Wilhelm war das älteste Kind seiner Eltern. Seine Mutter verstarb als er drei Jahre alt war. In der 2. Ehe seines Vaters wurden weitere sieben Kinder geboren. Vier Kinder der Familie waren jung verstorben, drei Söhne sind gefallen/vermisst/durch Kriegskrankheit verstorben. Ein Bruder blieb ledig, die Schwester Kreszenz verheiratete Denzel hat den elterlichen Hof übernommen.
Wilhelm Wiedenmann war seit dem 30. Juni 1938 in der Heil- und Pflegeanstalt Liebenau. Von dort wurde er am 01. Juli 1940 in die Heilanstalt Schussenried verlegt. Schussenried agierte als Zwischenanstalt bei den Patientenverlegungen im Zuge der Aktion T4. Am 22. Juli 1940 wurde er nach Grafeneck deportiert und dort ermordet.
Wilhelm Wiedenmann wurde 32 Jahre alt.
Johannes Angele für einen Artikel in der Schwäbischen Zeitung:
„Dass Wilhelm Wiedenmann vom Josenhof bei Eberhardzell auch in Grafeneck in der Gaskammer starb, ist in der Familie Wiedenmann/Denzel durchaus bekannt. Nach Erhalt der Todesnachricht aus Grafeneck schrieb die Mutter an die Heil- und Pflegeanstalt Liebenau ‚…Angegeben wurde Grippe mit Hirnhautentzündung. Der Tod sei für ihn eine Erlösung gewesen. Die Leiche wurde verbrannt. Die Asche wollen wir nicht holen. Die Leiche hätten wir geholt….‘. An den Formulierungen ist zu erkennen, dass die Mutter diesen Aussagen nicht geglaubt hatte, aber vorsichtig formulieren wollte, um nicht mit dem Regime Schwierigkeiten zu bekommen. Pfarrer Häring schrieb zu Wilhelm Wiedenmanns Tod in seiner nichtöffentlichen Pfarrchronik: ‚Ein Opfer des ‚Nationalsozialismus‘.“
Erarbeitet von BR, StS und + Johannes Angele
Quellen/Literaturangaben
- Namensbuch der in Grafeneck ermordeten Menschen, Gedenkstätte Grafeneck, Dokumentationszentrum.
- Sammlung Schussenried: Verlegungslisten. Archiv ZfP Bad Schussenried, Teil II, Aufstellung Nr. 1247, Liste A). Männer, Bl. 9) und Bl. 10), die am „1. Juli 1940 aus der Anstalt Liebenau in die HA Schussenried versetzt“ und am 22.07.1940 deportiert wurden (73).
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen an Menschen der Stiftung Liebenau, Teil 1: Dokumente zum Euthanasiegeschehen. Meckenbeuren 2009.
- Friedel, Josef H.: Gegen das Vergessen, die NS-Verbrechen der Euthanasie an Menschen der Stiftung Liebenau. Meckenbeuren 2018. Hier besonders: Die Liebenauer Euthanasie-Opfer, S. 43-57.
- Familienrachiv Wiedenmann Eberhardzell – Familienbild.
- Bericht in der Schwäbischen Zeitung, Ausgabe Biberach vom 19.02.2021, Seite 14, über Wilhelm Wiedenmann und Benedikt Kramer: „Zwei weitere Opfer erhalten ein Gesicht“.
Abbildungen und Bildunterschriften
Geboren am: 29. August 1897
Geburtsort: Ellmannsweiler
Beruf: ohne
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 2. Oktober 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 14. Dezember 1890
Geburtsort: Untersulmetingen
Beruf: Käser
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 18. Juni 1940
Todesort: Grafeneck
Z
Geboren am: 23. August 1880
Geburtsort: Ingerkingen
Beruf: Dienstknecht
Einrichtung:
Datum der Deportation:
Sterbedatum: 23. August 1940
Todesort: Grafeneck
Geboren am: 5. Februar 1906
Geburtsort: Altheim (Riedlingen)
Beruf: Taglöhner
Einrichtung: Heilanstalt Zwiefalten
Datum der Deportation: 20. September 1940 aber zurückgestellt
Sterbedatum: 7. Mai 1945
Todesort: Zwiefalten
Biografie
Eltern: Franz Xaver Zoll, Taglöhner, und Antonie geb. Maier, aus Altheim.
Andreas Zoll war das neunte Kind in der Familie, er hatte zehn Geschwister, vier Brüder und sechs Schwestern. Hier lebte er wohl ohne regelmäßige Arbeit bis zu seiner Aufnahme in die Heilanstalt Zwiefalten.
Wegen heftiger Angstzustände hatte ihn der Altheimer Bürgermeister mit einem Polizeidiener am 15. Februar 1935 nach Zwiefalten gebracht. Am 20. Dezember 1936 wurde er „beurlaubt“, am 23. Dezember gleich wieder aufgenommen. Er arbeitete anfangs gelegentlich in der Gärtnerei, aber wegen der Zunahme seiner Angst- und Erregungszustände verließ er immer weniger sein Krankenzimmer.
Um die Voraussetzung für die Beurlaubung am 20. Dezember 1936 zu schaffen, hatte die Zwiefalter Anstaltsleitung am 31. Oktober 1936 beim Staatlichen Gesundheitsamt für die Kreise Riedlingen und Ehingen den Antrag auf Unfruchtbarmachung gestellt. Aus der Krankengeschichte geht aber nicht hervor, wann sie erfolgte.
Am 20. September 1940 wurde Andreas Zoll auf einer Liste der Direktorin Martha Fauser zur Deportation nach Grafeneck vorgeschlagen, aber offensichtlich zurückgestellt, und er überlebte die Zeit der Transporte nach Grafeneck.
Andreas Zoll starb am 7. Mai 1945 an „Lungentuberkulose“, wie in der Krankenakte vermerkt wurde. Er wurde 39 Jahre alt und auf dem Zwiefalter Anstaltsfriedhof bestattet.
Heute lässt sich nicht mehr zweifelsfrei ermitteln, ob er seinem langen und schweren Leiden erlag, ein Opfer der kriegsbedingten Unterversorgung war oder auf Anweisung der damaligen Ärztlichen Direktorin Martha Fauser durch die Überdosierung von Medikamenten ermordet wurde.
Erarbeitet von BR.
Quellen/Literaturangaben
- Hauptbücher Zwiefalten, Hauptbuch Männer, Nr. 3154 u. 3322. Archiv ZfP Zwiefalten
- Sammlung Krankenakten der nach 1900 geborenen Zwiefalter Patienten. Archiv ZfP Zwiefalten
- Staatliche Heilanstalt Winnental: Patientenblätter. Staatsarchiv Ludwigsburg, F 235 III Bü 982
- Zu den Krankenmorden in Zwiefalten siehe Rüdenburg, Bodo: Die „Aktion T4“ in Zwiefalten, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 37-46.
- Zur Zwiefalter Anstaltsdirektorin Martha Fauser siehe Breucker, Dorothee: Dr. Martha Fauser, eine Ärztin im Nationalsozialismus, in: Pretsch, Hermann J. (Hrsg.): „Euthanasie“, Krankenmorde in Südwestdeutschland. Zwiefalten 1996, S. 115-127.
Abbildungen und Bildunterschriften
